100 Jahre Alpenhotel Fuchs in Bad Reichenhall-Nonn

– Eine Reportage vom Juni 2000 –

Es war einer der letzten Reportagen, die über das Alpenhotel Fuchs veröffentlicht wurden. Dieses Stück Zeitgeschichte haben wir in der „Weiß-Blauen Landzeitung“ gefunden, die von 1977 bis 1997 als „Vermieter & Gast“ im Süden von Oberbayern erschienen ist. Die Recherche und das Interview habe ich damals mit dem Hotelier Thomas Fuchs geführt.

(gsp) Das Alpenhotel Fuchs im Nonner Unterland besteht seit 100 Jahren. Der Ur-Urgroßvater von Thomas Fuchs hatte Mitte des 19. Jahrhunderts, als die ersten Gäste in die alte Salinenstadt reisten, in Nonn eine Wirtschaft eröffnet.  Für seinen Bauernhof, den Lacknerhof, erwarb er eine Konzession zur Bewirtung von Gästen und eine Schankerlaubnis. Sein Sohn Johann führte den Betrieb bis 1898. Georg Fuchs, der Großvater, heiratete neunzehnjährig seine Frau Helena (geborene Spieldiener) und baute im Jahr 1900, kaum 100 Meter über dem Lacknerhof das Alpenhotel.

Ein gewagtes Unterfangen, das von einem ausgeprägten Pioniergeist Georg Fuchs zeugte. Damals standen keine Maschinen zur Verfügung, das Hotel wurde in seiner heutigen Größe, drei Stockwerke hoch in Hanglage errichtet. Zwar trug die Stadt Bad Reichenhall seit 1890 das Prädikat „Heilbad“, und war aus den Trümmern eines Stadtbrandes von 1834 neu erstanden, doch eine Garantie für eine volle Belegung war das noch nicht.

Die alte Salinenstadt entwickelte sich zur Badestadt, es entstanden Promenaden, Gärten und Aussichtsplätze mit Ruhebänken. Das Kurorchester unter der Leitung von Gustav Paepke (bis 1918) erlebte seine erste Blüte. Die Nonner Auen, der Thumsee, Höglwörth, Jettenberg und das Mauthäusl zählten zu den gern besuchten Ausflugszielen. In der Stadtchronik wird vermerkt: „Scharen von Lohnkutschern nehmen für die Fahrten nach Berchtesgaden, Königssee und Mauthäusl ein schönes Stück Geld ein. Viel Kellner und dienstbare Geister sind hier, die im Sommer so viel verdienen, dass sie den Winter über davon leben können.“

Vielleicht mag zum wachsenden Ansehen Nonns beigetragen haben, dass am Alpenhotel Fuchs die erste Firstbeleuchtung brannte und das Haus bis weit in das Tal zu sehen war. Georg und Helena Fuchs führten nicht nur in Bad Reichenhall ihr Alpenhotel. Sie bewirtschafteten außerdem über drei Jahrzehnte die erste Bergstation der ersten Bergbahn der Alpen am Wendelstein. Das Geschäft dort entwickelte sich so gut, dass es ihnen möglich war, nicht nur die Schulden nebst Zinsen für das Alpenhotel in Nonn zu bezahlen, sondern den Betrieb zu modernisieren.

Die Waschschüsseln verschwanden aus den Zimmern, man verfügte jetzt bereits über „fließend kalten und warmen Wasser“. Georg Fuchs lebte in den schweren Jahren des ersten Weltkrieges, 1940 verstarb er. Seine Frau Helena und ihre Tochter Martha müssen wenige Jahre später miterleben, wie das Alpenhotel Fuchs als Haus für Landverschickungen, als Schule und Internat und als Quartier für Eisenbahntruppen genutzt wurde. Nach dem Krieg belegte es die US-Army, später Sudetendeutsche.

Bis 2009 war das alte Hotel noch in einem relativ gutem Zustand

Erst nach seiner Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft aus Stalingrad im November 1947 konnte sich Richard Fuchs um die Zukunft des Erbes seiner Väter kümmern. Er heiratete Lotte Fuchs, eine geborene Fischer, am Tag der Währungsreform 1948. In den sechziger Jahren, als der Tourismus boomte, konnte er das Haus von Grund auf sanieren. Bis heute führt Lotte gemeinsam mit ihren Sohn Thomas Fuchs den Betrieb.

Jedes Jahr wurde in die Modernisierung der 35 Zimmer investiert. Jedes verfügt über DU/WC, über Telefon und Fernseher. Der weite Ausblick von den Balkons bis weit in die Berchtesgadener Alpen ist heute wie vor 100 Jahren einmalig schön. Was sonst aus jenen Gründerjahren geblieben ist, zeigt sich in den Liebhaberstücken, in der Restauration des Hotels, in hohen Zimmern und breiten Dielen. Ein Schmuckstück ist das ‚Stüberl‘ mit alten Holzvertäfelungen, eine schweren schmiedeeisernen Leuchter, einem alten Kachelofen und liebevoll restaurierten Interieur. Im großen Gastraum mit Saalcharakter und im Jägerstüberl erinnert vieles an ‚die gute alte Zeit‘.

Gerd Spranger

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