Steht Bad Reichenhall vor einer neuen Blütezeit?

Aktuell und viele Jahre hat es düster ausgeschaut um das Alpenhotel Fuchs. Kann hier wieder ein touristischer Leitbetrieb entstehen?

(gsp) Bad Reichenhall „könnte 2018 wieder eine Million Übernachtungen erreichen“, bekräftigt Dr. Brigitte Schlögl, seit Frühjahr 2018 als Mit-Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Tourismus für die Marke Bad Reichenhall und das Stadtmarketing verantwortlich. Der Aufschwung wird in den nächsten Jahren sogar noch deutlich zulegen, denn in der Alpenstadt stehen gleich sieben große Hotelprojekte an. Das bedeutet in den nächsten fünf Jahren eine deutliche Steigerung der Hotel-Kapazitäten. Kann das Staatsbad dann wieder an die ‚Goldenen Jahre‘ vor der Gesundheitsreform anknüpfen, als es in der Hochzeit noch 1,7 Millionen Übernachtungen jährlich verbuchte? 

„Damals wurde jedes freie Bett vermietet“

„Damals, in den 70- und 80-Jahren haben wir schrittweise verloren, etwa 3.000 Betten. Jeder Raum, jedes Zimmer, jede Übernachtungsmöglichkeit wurde vermietet. Manchmal sind dabei sogar die Eigentümer für den Sommer aus ihren Betten ausgezogen,“ erklärt Gabriella Squarra, Geschäftsführerin der Kur GmbH. „Heute zählen wir doppelt so viele Gäste“, ergänzt Dr. Brigitte Schlögl, „denn die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt nur 3,64 Tage, bei den Kurkliniken ist sie mit 22,65 Tage deutlich höher.

Hotel Luisenbad wird zur Großbaustelle

Größtes und vielleicht wichtigstes Hotelprojekt für Bad Reichenhall wird der Neubau des Hotels Luisenbad werden, der bis zum Frühjahr 2021 fertig sein soll. Der Hotel-Neubau zwischen Fußgängerzone und Ortenau-Park soll insgesamt eine Kapazität von 136 Zimmer mit 300 Betten haben, sowie ein Wellnessbereich und ein Restaurant mit Gastgarten. Darüber hinaus entstehen drei weitere Gebäude mit 62 Wohnungen, sechs Ferienwohnungen und Gewerbeflächen.

Berghotel Predigtstuhl mit hohem 4-Sterne-Komfort

Ein weiteres Leuchtturmprojekt wird das Berghotel Predigtstuhl. In die Bergbahn, das Restaurant und die Infrastruktur haben die Eigentümer, die Familien Posch und Aicher (Josef und Marga Posch GmbH & Co. KG) bereits drei Millionen Euro investiert. Aktuell wird das Berghotel aus den 30er-Jahren modernisiert. In den nächsten zwei Jahren entstehen 30 Luxuszimmer, was der bisherigen Kapazität des alten Hotels entspricht. „Wir haben mit der Bahn die letzten Jahren immer wieder einer Steigerung von 10 Prozent erreicht, aktuell sind wir jährlich bei 80.000 Fahrgästen. Mehr wie 100.000 geht nicht, dann ist die Kapazität unserer zwei Gondeln völlig ausgereizt“, bekennt Max Aicher. Allein aus diesem Grunde sind der Hotelgröße auf dem Bad Reichenhaller Hausberg klare Grenzen gesetzt. Für die Modernisierung werden nochmals drei Millionen veranschlagt. Einen weiteren Aufschwung für das Ensemble aus Bergbahn, Restaurant, Hotel, Almhütte und einer weitläufigen alpinen Landschaft auf 1600 Höhenmetern soll aber ein noch ganz anderes Hotelprojekt bringen.

Hotel Panorama im Dornröschenschlaf

Wenn es nach dem Willen des Unternehmers Max Aicher geht, soll bis Sommer 2019 hier ein neues Tagungszentrum für Bad Reichenhall florieren, im ehemaligen Hotel Panorama.

Fast in Vergessenheit geraten ist das ehemalige Hotel Panorama mit 79 Zimmern, einem Wellnessbereich, großem Tagungsraum und einer Panorama-Gaststätte, das zuletzt unter dem Namen „Golden Tulip“ geführt wurde und seit Jahren leersteht. 2017 hat es der Unternehmer Max Aicher gekauft. Das Hotel als solches wird aus dem Dornröschenschlaf auch nicht mehr erwachen, der Unternehmer hat andere vielversprechende Pläne und will sie bis zum Frühjahr 2019 umsetzen. Das ehemalige Hotel Panorama soll ein Tagungszentrum werden. Es verfügt über eine Kapazität von 437 Plätzen und kann in bis zu acht kleine Einheiten ab 47 Personen unterteilt werden. Dazu kommen noch ein Bistro, ein Restaurant, eine große Panorama-Terrasse und eine leistungsstarke Küche.
„Die Küche nützen wir ebenso für einen Catering-Service, etwa für Schulen oder große Events in der Stadt. Zudem ergänzt sie unser Konzept auf dem Predigtstuhl, wenn wegen der Wetterlage die Bahn nicht fährt. Wir können dann hier in das Hotel Panorama ausweichen“, erklärt Max Aicher das Konzept. Auch hofft er auf Synergieeffekte mit den Hotels garni in der Nähe, die ihren Gästen nur einen Frühstücksservice bieten. „Die bestehenden Hotelzimmer sind für ein 4-Sterne-Hotel und selbst für ein gutes 3-Sterne-Hotel zu klein und können aufgrund der Bauweise des Hauses nicht sinnvoll vergrößert werden. Aber wir brauchen ja auch Wohnraum für unser Personal und dafür eignen sich die Zimmer bestens“, erklärt Aicher. Das bestehende Schwimmbad bleibt erhalten und soll mit einem „Mutter-Kind-Schwimmen“ für die nötige Auslastung sorgen. Rund sechs Millionen Euro werden in die Modernisierung investiert.

Ersteht das Alpenhotel Fuchs wieder im alten Glanz?

Ein drittes, nicht minder exponiertes Hotel, ist das mittlerweile zu einer Bauruine verfallene Alpenhotel Fuchs, das wieder erstehen soll. 40 Millionen Euro wollen die neuen Eigentümer investieren und neben dem Hotel auch einige Chalets in der so idyllischen Lage oberhalb der Nonner Kirche errichten. „Schon im Januar möchten die neuen Besitzer, zwei Unternehmer aus Salzburg und Regensburg, ihre Pläne im Stadtrat präsentieren,“ erzählt der Bad Reichenhaller Unternehmer Karl Reichinger, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Hotel Nonn 50, von der sie das 30.000 Quadratmeter große Areal erworben haben.

Thermen-Hotel erst 2023 fertig

Ruhig ist es zwischenzeitlich um ein Thermenhotel in Bad Reichenhall geworden, doch Thermengeschäftsführer Dirk Sasse schiebt das Projekt aus Überzeugung an, allerdings bremst er die zeitlichen Erwartungen.
„Wir müssen im Bebauungsplanverfahren nochmals verkürzt die Pläne öffentlich auslegen, um letzte Details zu klären. Der Stadtrat wird dann hoffentlich einen Satzungsbeschluss herbeiführen, erst dann kann es weiter gehen. Seit Jahren bedrängen mich einige Investoren, doch wir können nicht abkürzen,“ bedauert Sasse. Zuerst müsse die Frage der Parkplätze gelöst werden. „Den Großteil könnten wir über ein mehrgeschossiges Parkdeck unterbringen.“ Sasse sieht die Klärung als zwingende Voraussetzung für eine Realisierung des anspruchsvollen Hotelprojektes, die wohl nicht vor 2023 erfolgt. Das Thermenhotel soll dann über 90 Zimmer mit 220 Betten verfügen und die klare Wellness-Ausrichtung mit einem kleinen Tagungsangebot ergänzen.

Findet das Hotel Hofwirt einen Investor?

Wird für das seit Jahren leerstehende Hotel Hofwirt ein neuer Investor gefunden? Die Stadt Bad Reichenhall hatte sich möglichst schnell von dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude getrennt.

Ein Schmuckstück der Stadt könnte das unter Denkmalschutz stehende Hotel „Hofwirt“ werden, direkt gegenüber dem Karlspark, fünf Gehminuten vom Bahnhof und der Fußgängerzone entfernt. Eigentümer ist seit 2014 die Kur-Bau & Alpenland Immobilien GmbH, die es von der Stadt Bad Reichenhall kaufte. Die Kur-Bau realisierte rasch Pläne für das Anwesen, wollte das alte Haus modernisieren und mit einem Neubau verbinden, um so eine Kapazität von mindestens 100 Zimmern zu schaffen.
Durch den plötzlichen Tod des Eigentümers der Kur-Bau aber kam alles ganz anders. Geschäftsführerin Alexandra Williams sah sich im Jahr 2015 mit dem großen Projekt konfrontiert. „Wir haben in dieser Zeit intensiv an der Revitalisierung der Alten Saline gearbeitet, die uns bis heute begleitet. Beim Hotel Hofwirt und dem geplanten Erweiterungsbau brauchen wir einen Investor und Betreiber und unsere Suche danach dauert bis heute an.“

Kleine oder große Lösung für den Hofwirt?

Es gab auch Überlegungen, nur das denkmalgeschützte Anwesen zu revitalisieren, doch hier rechnet Alexandra Williams allein mit Investitionen von drei bis vier Millionen Euro. „Das Hotel hat keine Sauna, keine Wellnessabteilung noch sonst irgend einen Freizeitbereich, der heute eine Selbstverständlichkeit ist. Zudem sind 20 Zimmer ganz einfach zu wenig, um in der Gewinnzone arbeiten zu können, berücksichtigt man dabei die nötigen Investitionen für den Komfort eines 4-Sterne-Hauses.“

Wird in das Hotel Axelmannstein investiert?

Das Axelmannstein könnte eigentlich ein Traumhotel mit eigenem Park im Herzen der Kurstadt sein. Hier ist die Wiege des Heilbades Bad Reichenhall zu finden. Ein hoher Investitionsstau führte aktuell zur Sperrung eines Gebäudeteils. Es bleibt abzuwarten, ob in das einstige 5-Sterne-Hotel investiert wird oder sich der Verfall des unter Denkmalschutz stehenden Hauses fortsetzt. Bereits 2008 hatte sich Steigenberger „wegen eines intensiven Investitionsstaus“ von dem Grandhotel getrennt. Dann firmierte es als Radisson Blu Axelmannstein und wird seit 2014 als Wyndham Grand Bad Reichenhall Axelmannstein mit nur vier Sternen betrieben.

Bad Reichenhall braucht Visionen

Für vier der sieben Hotelprojekte scheint eine Realisierung in den nächsten Jahren sicher zu sein, drei weitere haben gute Chancen. Alle Projekte zusammen zeigen, wie hoch der Investitionsstau in der ‚belebenden Alpenstadt‘ ist, wie sie die Tourismusmacher gerne bezeichnen. Bad Reichenhall muss aufrüsten, etwa die Modernisierung der weitläufigen Fußgängerzone fertigstellen, alte Spazier- und Wanderwege wieder instand setzen und die Leerstände vieler Geschäftslokale beenden. Es ist an der Zeit, in Bad Reichenhall wieder mit Visionen und Weitblick in die Zukunft zu gehen. Im Frühjahr entscheidet der Stadtrat über eine neue Ortsumfahrung. Sie ist bereits seit 48 Jahren im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen und würde zu einer deutlichen Beruhigung der Kurstadt beitragen. Nutzt das Staatsbad seine Chancen, sich wirklich als lebenswerte Alpenstadt zu profilieren oder verpasst es die Gunst der Stunde?

Gerd Spranger

Erschienen im Berchtesgadener Anzeiger (Link):
https://www.berchtesgadener-anzeiger.de/startseite_artikel,-steht-bad-reichenhall-vor-einer-neuen-bluetezeit-_arid,459261.html

Erschienen im Reichenhaller Tagblatt (Link):
https://www.pnp.de/lokales/berchtesgadener_land/3182938_Hotelprojekte-In-den-Startloechern-und-im-Wartestand.html

Erschienen in der AHGZ (Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung)

ahgz_rhall_bluete

Erschienen im Traunsteiner Tagblatt
https://www.traunsteiner-tagblatt.de/startseite_artikel,-steht-bad-reichenhall-vor-einer-neuen-bluetezeit-_arid,459261.html

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