Hohe Auszeichnung für Fritz Eberlein und Elisabeth Homberg

Fritz Eberlein und Elisabeth Homberg
mit dem Ehrenzeichen des
Bayerischen Ministerpräsidenten gewürdigt

Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ‚für im Ehrenamt tätige Männer und Frauen‘ verlieh Landrat Georg Grabner an Elisabeth Homberg aus Berchtesgaden und an Friedrich Eberlein aus Bad Reichenhall. Mit Blick auf die Lebensgeschichte und das Engagement der Geehrten betonte der Landrat, dass „die Ehrennadel als Zeichen ja nur sichtbar mache, was über Jahrzehnte hinweg über jedes Maß und jede Verpflichtung hinaus geleistet wurde.“ Er zitierte den ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit den Worten: „solange es noch Leute gibt, die da sind um für Andere da zu sein, ist es um die Welt gut bestellt.“ In Würdigung der Verdienste gratulierten vor Ort Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.

Fritz Eberlein 27 Jahre Hüttenrefernt
für das Staufenhaus

Fritz Eberlein ist ein seit Jahrzehnten über jedes Maß hinaus ehrenamtlich Tätiger. 385.000 Höhenmeter hat er zu Fuß von 1989 bis 2016 auf dem Staufen überwunden. 385 Mal war er auf dem Reichenhaller Haus und als Hüttenreferent das Bindeglied zwischen Vorstandschaft und Hüttenwirt. „Heute bräuchten wir einen Gönner der bereit wäre eine Million zu investieren, denn sehr umfangreiche Sanierungsarbeiten und eine Kanalisation stehen an“, erzählt Fritz, dem das Staufenhaus bis heute am Herzen liegt. Seine Leidenschaft aber gilt der Natur, seit 1949 beschäftigt er sich intensiv damit. Nur so ist es erklärbar, dass er fast 40.000 Einzelfunde in eine Datenbank des Nationalparks eingepflegt hat. Seit Ende der 90-Jahre dokumentiert Eberlein ehrenamtlich seine detaillierten floristischen Beobachtungen. Sorge bereitet ihm aktuell das Insektensterben. „Wenn man früher unterwegs war, so herrschte ein Summen und auf einer Blüte waren nicht selten mehrere Bienen und Käfer zu sehen. Da ist es heute sehr still geworden.“

Der Naturforscher gibt sein umfangreiches Wissen gerne an Doktoranden und Masterstudenten weiter, unterstützt und hilft bei zahlreichen Forschungsprojekten im Nationalpark Berchtesgaden und führt auch heute noch gerne Exkursionen durch. Seine Arbeiten legten den Grundstein für eine künftige Beobachtung von Umweltveränderungen im Klimawandel. Fast schon nebenbei kartierte Fritz Eberlein 70 aufgelassene Almen im Gebiet des Nationalparks und historische Felszeichnungen. Freude bereitet ihm, wenn er die Selbstheilungskraft der Natur beobachtet. „Sieht man heute jene Regionen, die unter den großen Stürmen in den 90er- und 2000er-Jahren schwer litten, so ist hier eine wunderbare vielfältige Vegetation mit einem gesunden Mischwald nachgewachsen.“

Eberlein ist ein scharfer Beobachter und hat als Mitglied der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zahlreiche Publikationen veröffentlicht und unterstützt, die seine in Fachkreisen anerkannte wissenschaftliche Tätigkeit belegen. Er ist auch wieder in der Neufassung der Artenliste des Nationalparks involviert. Darüber hinaus ist er ein fleißiger Sammler von einigen Tausend Herbarbelegen für die Botanische Staatssammlung München. Dabei wird eine getrocknete oder flach gepresste Pflanze auf einen Karton oder einen Bogen Papier aufgeklebt, zu dem man früher etwa dicke Bücher benutzte. Wem die Natur so am Herzen liegt, der engagiert sich auch für den Umweltschutz und so ist Fritz Eberlein bis heute Naturschutzwart und Naturschutzausbilder bei der Reichenhaller Bergwacht. Er freut sich über die vielen jungen Menschen, die sich ganz in seinem Sinne für die Natur und Heimat engagieren. Sein Dank gilt vor allem aber seiner Frau Christa, die seit 50 Jahren treu an seiner Seite steht und in all den Jahren häufig auf ihren Mann ‚verzichten‘ musste.

Elisabeth Homberg 28 Jahre lang
beim Evangelischen Diakonieverein Berchtesgaden

Das ‚Da sein‘ für andere Menschen hat die heute 74jährige Elisabeth Homberg aus Berchtesgaden von ihrer Jugend an praktiziert, als sie als junges Mädchen bereits mehrmals wöchentlich in das Berchtesgadener Krankenhaus radelte um dort mitzuhelfen. Später durchlief sie dann eine Ausbildung zur Krankenschwester und bildete sich mehrfach fort. Als katholische Schwester kam sie 1981 zum „Evangelischen Diakonieverein Berchtesgaden“, zunächst als Halbtagskraft neben einer evangelischen Diakonisse. 28 Jahre lang, bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2009, war sie dort als Pflegedienstleitung. Zuletzt arbeiteten beim Verein acht Vollzeit- und sieben Teilzeitkräfte plus zwei Haushaltshilfen. Sie erinnert sich noch gut an das Jahr 2002, als der Neubau in Bischofswiesen an der Aschauerweiher-Straße entstand. „Wir waren alle aus dem Pflegebereich, keiner hatte eine betriebswirtschaftliche Ausbildung, dennoch haben wir uns über dieses Millionenprojekt drüber getraut.“

Und getraut hat sich Elisabeth Homberg immer und häufig. Sie hatte zum Beispiel eine „Daseinsvorsorge zu Hause“ möglich gemacht. „Wir sind vier bis sechs Mal täglich zu den hilfebedürftigen Senioren nach Hause gefahren, von morgens 6.30 bis abends um 22.30, und halfen ihnen bei den wichtigen Alltagsdingen. So konnten sie weiter in ihrem Zuhause bleiben,“ erklärt sie. Nebenbei habe sie damit die Gehälter der Mitarbeiter gesichert und zwar längerfristig und als gesicherte Einnahmen.

In diese Richtung zielte auch die 1995 eingeführte Pflegeversicherung, mit der vieles leichter geworden ist, erinnert sie sich. „Zuvor musste alles über die Krankenkassen abgerechnet werden und das war nicht einfach. Jetzt wurde das Prinzip ‚ambulant vor stationär‘ forciert und somit war Hilfe in vielen Lebenslagen möglich. Wie selbstverständlich engagierte sich Elisabeth auch in der Sterbebegleitung mit einemTeam von ausgebildeten Krankenschwestern, die das gleiche Anliegen hatten und haben. „Für einen Menschen in den letzten Stunden da sein, für und mit ihm ein Gebet zu sprechen, seine Hand zu halten, ihn nicht alleine zu lassen“, das sollte doch selbstverständlich sein.

Einmal wöchentlich bietet Elisabeht Homberg als Seniorenbeauftragte des Marktes Berchtesgaden eine Sprechstunde, die sehr gut angenommen wird. Häufig geht es um Pflege, um Hilfeleistungen, einen anderen Pflegegrad oder einfach nur den Menschen ihre Ängste zu nehmen. Weiters ist die aktive Seniorin seit sechs Jahren für die Freiwilligenagentur des Landkreises tätig, gründete das Demenzcafe Rosenrot im Werk 24, das Mehrgenerationenhaus von Berchtesgaden, hat Besuchsdienste auf der Abteilung Geriatrische Rehabilitation im Krankenhaus Berchtesgaden aufgebaut und ist Gründungsmitglied der Seniorengemeinschaft BGL Süd e.V..

Dennoch kam der Anruf aus dem Landratsamt anlässlich ihrer Ehrung überraschend. „Es gibt so viele Menschen die sich ehrenamtlich engagieren“, meint sie. Auch habe man sie mit allen ihren Initiativen in ihre Bemühungen immer wieder gefördert. Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ist für Elisabeth Homberg aber schon eine ganz besondere Auszeichnung, eine tolle Wertschätzung. „Gefreut hat es mich, dass unser Bürgermeister Franz Rasp trotz seines Urlaubes bei der Auszeichnung zugegen war“, betont sie. Dabei war auch ihr Mann Harry und ihr Enkel Niklas.

Von links: Barbara Müller (Senioren- und Behindertenbeauftragte des Landkreises Berchtesgadener Land), Walter Parma (Seniorengemeinschaft Süd e.V.), Landrat Georg Grabner, die Geehrte Elisabeth Homberg mit ihrem Mann Harry und Enkel Niklas sowie Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.

Von links: Fritz Eder und Dr. Hubert Zierl (Nationalpark Berchtesgaden), Landrat Georg Grabner, der Geehrte Friedrich Eberlein mit dessen Frau Christa, Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Helmut Schöndorfer

Fotos: Gerd Spranger