Die Wasserkraft der Saalach nutzen

Kommt  ein Ausleitungskraftwerk?
Die Betreiber informieren

Seit dem Frühjahr 2018 bewegt ein geplantes Wasserkraftwerk, ein grenzüberschreitendes Ausleitungskraftwerk, die Gemüter der Gemeinde Schneizlreuth. Die künftigen Betreiber, die Wasserkraft Schneizlreuth GmbH & Co. KG mit den Gesellschaftern Ingenieur Josef Reschen aus Salzburg und Johann Abfalter aus Grabenstätt, stellten sich jetzt in einer Informationsveranstaltung im Hotel-Gasthof Mauthäusl den Fragen der Bürger.

Gemeinsam setzen sie sich für ein Kraftwerk ein (v.l.): Johann Abfalter, Mag. Wolfgang Gadermayr, Dipl.-Ing. Paul Oberleitner sowie Josef Reschen aus Salzburg

In der Projektübersicht zeigten sie die geologischen Gegebenheiten, die Aufschlüsselung der Wassermengen bis hin zu Auswirkungen auf die Restwassermengen, die Energienutzung, die Wehranlage in Unken sowie das Krafthaus auf Höhe von Schneizlreuth-Ulrichsholz auf. Mit einer in den massiven Dolomitfels gebohrten Tunnel von über sechs Kilometern Länge und einem Ausbruchdurchmesser von 5,20 Meter soll mit einer Fallhöhe von 32 Metern der Strom erzeugt werden. „Umweltfreundliche Energie für 13.000 Drei-Personenhaushalte“, werben die Betreiber, mit 56 Millionen Kwh Strom jährlich. Die Haupforderung nach biologischer Durchgängigkeit der Saalach sei erfüllt und die Vorteile für Klima, Umwelt und Artenschutz sowie die Versorgungssicherheit eindeutig.

Mag. Wolfgang Gadermayr erläutert die Zusammenhänge der Grundwasserströme

Ausführlich ging der verpflichtete Hydrologe der Wasserkraft Schneizlreuth GmbH, Mag. Wolfgang Gadermayr, auf die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Schneizlreuth ein. Sie wird aus einem Brunnen, zwischen Haiderhof und Saalach gelegen, gespeist. „Der Brunnen reicht bis in eine Tiefe von 26 Metern. Der Wasserspiegel im Talgrundwasserkörper korrespondiert mit der Vorflut und wird vorwiegend aus dem Saalachfiltrat gespeist. Die hydraulischen Untersuchungen zeigten, dass der Brunnen bei maximaler Entnahmemenge von 8,1 Liter je Sekunde eine Einzugsbreite von etwa 25 Meter aufweist. Der liegt somit deutlich außerhalb der Saalach“, begründet er. Darum sei eine qualitative und quantitative Beeinträchtigung durch den Bau oder Betrieb des Kraftwerkes Schneizlreuth nach menschlichem Ermessen auszuschließen.

Bürgermeister Wolfgang Simon steht dem Projekt skeptisch gegenüber. Fotos: Gerd Spranger

Das verbleibende Restwasser in der Saalach bezeichnete Dipl-Ing. Paul Oberleitner, der für das Unternehmen als Wasserkraftfachmann und Projektsteuerer tätig ist, mit über sechs Kubikmeter in der Sekunde als absolut ausreichend. Geschäftsführer Ingenieur Josef Reschen ist sich sicher, „dass alle bisher geäußerten Bedenken ausgeräumt sind.“ Noch bis 10. Oktober liegen die Unterlagen zur Einsicht im Rathaus von Schneizlreuth auf und Josef Reschen hofft, dass die Bürger davon regen Gebrauch machen. Die Investionssumme des Vorhabens liegt mittlerweile bei 60 Millionen Euro. Als dritter Gesellschafter ist die Leikermoser Energiehandel GmbH aus Salzburg an dem Unternehmen beteiligt.

Dass aber längst nicht alle Bedenken ausgeräumt, wurde in der Aussprache deutlich. Bürgermeister Wolfgang Simon, ein erklärter Gegner des Wasserkraftwerkes, meldete sich mehrfach und nachdrücklich zu Wort. Er verlangt Garantieren von den Betreibern, „dass nichts passiert.“ Mehr als die fundierte Expertise von Gutachtern und die Sicherheit „nach menschlichen Ermessen“, werden sie aber nicht bekommen, kontert Reschen. Auch stoß Simon auf, dass Unterlagen nicht früher zur Einsicht vorlagen und von der Behörde mit einem Sperrvermerk versehen waren. „Das liegt in der österreichischen Gesetzgebung,“ informierte Reschen, „denn sonst könnte das Projekt jeder kopieren und mit kleinen Änderungen einreichen. In Deutschland ist das anders geregelt.“ Auch habe Bürgermeister Simon angedeutet, das Projekt an den Bund Naturschutz weiterzuleiten. „Sie wissen gar nicht, wer das dann alles zu lesen bekäme“, kommentierte Reschen dieses Ansinnen.

Mehrfach brachte Bürgermeister Wolfgang Simon zum Ausdruck, dass die Gemeinde Schneizlreuth das Projekt erst eingehend prüfen und dafür noch externe Gutachter heranziehen müsse. „Sie müssen nicht prüfen“, kontert Reschen, „sie müssen ihre Bedenken und die der Bürger einbringen. Prüfen werden es die Fachbehörden und ebenso ihre Bedenken mit einbeziehen“, ergänzt er. Dabei war sich Simon zwischenzeitlich nicht sicher, ob die Zuständigkeit beim Landratsamt liegt, oder der Regierung von Oberbayern.

Die Gemeinde Schneizlreuth will ihre Sicht der Dinge in einer eigenen Versammlung am 15. Oktober vorstellen. Bis zum 31. Oktober hat sie Zeit ihre Einwände zu formulieren. Die Bürger können sich bis zum 04. Dezember zu dem Projekt äußern.

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