Wertschöpfung und Wertschätzung für regionale Produkte

Im Gespräch mit Hannes Lichtmannegger ist immer seine Begeisterung zu spüren, seine Visionen und Ideen die ihn antreiben. Die bringt er im Landwirtschaftsministerium in München ebenso vor wie in den Landesbezirken von Österreich oder an Unis wie in Innsbruck oder München. „Ob Minister, Professoren oder Lehrende ganz im Allgemeinen, sie haben ein Problem. Die Leute glauben ihnen häufig nicht mehr. Sie wollen wissen, wie es in der Praxis funktioniert, was wirklich geht.“ Und da kommt immer häufiger Johannes Lichtmannegger ins Spiel, der gemeinsam mit seinem Cousin Franz das Berghotel Rehlegg in der Ramsau in den letzten fünf Jahren komplett auf Nachhaltigkeit umgestellt hat.

Achtung vor dem Tierleben

Dem Mensch, die Umwelt und das Tierwohl liegen Johannes Lichtmannegger vom Berghotel Rehlegg am Herzen – Foto: Gerd Spranger

Und immer wieder spricht er von den Bauern, der Landwirtschaft und bemängelt die oft fehlende Anerkennung. „Wertschöpfung und Wertschätzung sollten uns bewusst sein, wenn wir von Lebensmitteln sprechen,“ bekennt Lichtmannegger. Dabei nimmt er Bezug zum eigenen Verhalten als Unternehmer. Er kennt seine Bauern persönlich von denen er Schafe, Kälber und Schweine kauft, und die meisten selbst in der Ramsau ansässig sind. Er war bei den meisten schon im Betrieb, hat sich Stallungen und Tierhaltung angeschaut. Hannes gab auch die Initialzündung für die Wiedereinführung der Züchtung heimischer Rassen, wie etwa das Schwarze Alpenschwein oder die Augsburger Hühner. So können diese Tiere vor dem Aussterben bewahrt werden. Dabei setzt er auf Nachhaltigkeit und artgerechte Haltung. „Ein Masthuhn hat eine Lebenserwartung von 30 Tagen, ein Biohuhn von 80 Tagen und unsere Augsburger Hühner leben ganze 11 Monate lang“, wird er konkret und könnte das Beispiel fast beliebig fortsetzen.

Der Preis allein
darf nicht entscheiden

„Wenn die Konsumenten die Zusammenhänge nicht kennen, ganz einfach weil sie darüber nicht aufgeklärt werden, wird eben fast ausschließlich über den Preis entschieden.“ Und dann wird Hannes doch noch einmal deutlich: „Milchmastkälber schreien deswegen so viel, weil sie Hunger haben und ab der zweiten Lebenswoche eigentlich ‚feste Nahrung‘, also Raufutter in Form von Gras oder Heu brauchen. Es wird ihnen aber häufig verweigert, damit das Fleisch für die Verbraucher weiß bleibt. Und der Tod ist für ihr kurzes Leben von etwa fünf Monaten dann eine Erlösung.“ Die Verhältnisse hätten sich zumindet in Deutschland zwar etwas gebessert, dass es auch anders geht, zeigt der Hotelier in seinem eigenen Betrieb. „Das Kalbfleisch der von unseren Landwirtschafts-Partnern aufgezogenen Rinder ist nicht ganz weiß, sondern rosa, schmeckt aber mindestens genauso gut. Sie erhalten artgerecht ab der zweiten Lebenswoche Raufutter. Unsere Kälber leben beim Muttertier und werden sieben bis neun Monate alt.“

Das Bewusstsein wächst

Johannes Lichtmannegger: „Unser wirtschaften muss enkeltauglich sein“

Umfragen würden zeigen, dass sich in einem Bauernladen zwar 58 Prozent der Kunden zu mehr Qualität bekennen, aber nur sieben Prozent sich dann wirklich dafür entscheiden, wenn der Preis etwas höher liegt, erzählt Johannes. Er bezieht sich dabei auf Erhebungen, des Vereins „Land schafft Leben“, der sich selbst als erster Ansprechpartner für mehr Transparenz rund um österreichische Lebensmittel bezeichnet. Den Verein hat vor sechs Jahren der Landwirt Hannes Royer gegründet, zu dem Johannes Lichtmannegger einen engen Kontakt pflegt. Überhaupt sind Kontakte und Netzwerke für Hannes ganz wichtig. So lädt er etwa einmal im Jahr alle seine Lieferanten zu einem Event ins Berghotel Rehlegg ein. „Es gibt mir die Gelegenheit die Beziehung zu vertiefen, sich für das Engagement und die Leistung meiner Partner zu bedanken, und auch untereinander ist bereits ein gutes und breites Netzwerk entstanden.“

Enkeltauglich:
„Zukunft hinterlassen“

Überregional gewinnen die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und faire Preise für Lebensmittel immer mehr an Bedeutung. Denn nur eine Verknüpfung von Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Konsumenten schaffe eine gute Basis für die Zukunft, ist sich Johannes Lichtmannegger sicher. Sein persönliches Credo, dass auch auf der Webseite des Hotels zu finden ist, lautet „Zukunft hinterlassen“. Gemeint sei damit „ein enkeltaugliches Wirtschaften“, wie Hannes es bezeichnet. Und seine beiden Töchter, Stephanie und Katharina arbeiten bereits im Betrieb mit, die vierte Generation der Hoteliersfamilie des Berghotels Rehlegg in der Ramsau.

Mehr Ökologie und Bio

Dabei stellte sich vor vier Jahren durchaus die Frage, ob man die konsequente Umstrukturierung hin zu mehr Ökologie und Bioprodukten weiter gehen möchte. „Wir haben in diesen Prozess sicher einen sechsstelligen Betrag investiert. Doch sparten wir zugleich aus der verbesserten Energiehaushaltung durch unsere Solartherme, den Photovoltaik-Anlagen und den Blockheizkraftwerken viel ein, so dass wir den Gewinn
wieder reinvestieren konnten. 2017 wurde der Betrieb übrigens als erstes klimapositives Hotel Oberbayerns ausgezeichnet. Es bindet mehr CO2 als es ausstößt.

Kritische Gäste und Verbraucher

„Wenn wir vor vier Jahren von einem CO2-Haushalt gesprochen haben, dann haben uns die meisten Menschen nur ungläubig angesehen. Heute ist es in aller Munde und aus der Öffentlichkeit nicht mehr wegzudenken.“ So hat die Zeit dem Berghotel Rehlegg in der Entscheidung für eine konsequente Ökologie in die Karten gespielt. Die Gäste schätzen und honorieren es heute. „Sie sind auch kritischer geworden und hinterfragen mehr“, beobachtet Hannes.

Klimapositiv durch Humusaufbau

CO2 ist eines der nächsten großen Themen, die Johannes Lichtmannegger bewegen. „Mit Humusbildung können wir viel bewirken,“ ist er sich sicher und bezieht sich auf die Professorin Dr. Ingrid Kögel-Knabner, die 2019 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet wurde. Sie bezeichnet gesunde Böden mit einem nachhaltigen Humusaufbau als einen Meilenstein für ein besseres Klima. Die Bodenwissenschaftlerin Ingrid Kögel-Knabner, ist Professorin für Bodenkunde an der Technischen Universität München und betreibt Grundlagenforschung für ein besseres Klima und Umweltschutz. Die enorme Bedeutung unserer Böden sei allein schon an der Tatsache erkennbar, dass in „einer Hand voll Erde mehr Organismen leben als Menschen auf der Erde“, so die Wissenschaftlerin. Johannes Lichtmannegger hat daraus seine Konsequenzen gezogen und fördert über das Unternehmen Positerra akitven Humusaufbau in der Landwirtschaft.

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