Versagt das System des Corona-Krisenmanagementes?

K O M M E N T A R

(gsp) Merkel, Spahn und Söder wird gemeinhin ein gutes Zeugnis für ihr Corona-Krisenmanagement ausgesprochen. Doch für ihr Rezept gab es keinen Beipackzettel, der bekanntlicher Weise auf Nebenwirkungen hinweist. Es gab und gibt auch keine wissenschaftlichen Studien dazu. Als Wissenschaftsleiter wurde lediglich der Virologe Professor Christian Drosten verpflichtet.

Verursacher oder Meister der Lockdown-Krise?

Man wolle keine Bilder wie im italienischen Bergamo, keine Überlastung von Krankenhäusern und deren Intensivstationen, waren die Argumente der ersten Stunde vor dem Lockdown. Und tatsächlich, es wurde geschafft. Deutschland kam niemals auch nur ansatzweise in die Verlegenheit einer fehlenden medizinischen Versorgung, im Gegenteil. Die Krise ist mit rund 7000 aktiven Fällen bundesweit ausgelaufen. Allein die Notfallverordnung bleibt bestehen, eine gesetzliche Grundlage bricht langsam weg im „Kampf gegen die Corona-Pandemie“, sofern es sie überhaupt gegeben hat. Eine Notstandsverordnung hätte sich mancher Politiker wohl gewünscht, doch die gibt es in der BRD nicht. Ein Infektionsschutzgesetz mit einer Generalklausel für „alle notwendigen Maßnahmen“ muss herhalten, um elementare Grundrechte der Bürger außer Kraft zu setzen. Die Länder ergänzen mit einem Katastrophenschutzgesetz und zögern nicht hart durchzugreifen.

Von Anfang an wurde sehr ausgewählt getestet und einen Unterschied zwischen Infizierten und wirklich Erkrankten scheint es nicht zu geben. Infiziert ist gleich erkrankt und muss zwei Wochen Quarantäne auf sich nehmen, auch Kontaktpersonen eines Infizierten. Zwei Wochen Freiheitsberaubung mit allen Konsequenzen, besonders hart trifft es alle Selbständigen, denn nicht alle Angelegenheiten lassen sich von zuhause aus regeln.

Nun soll es in Bayern einen „Coronatest für alle geben“ und Kritik wird laut. Geht das überhaupt und wiege es nicht in falsche Sicherheit, „denn der Test sei ja nur eine Momentaufnahme“, gibt Gesundheitsminister Jens Spahn zu denken. Und was ist mit all jenen, die freiwillig getestet dann positiv, als infiziert gewertet werden? Droht auch Ihnen eine 14-tägige Zwangspause, ihnen, ihren Familien und Freunden? Waren sie die letzten zwei Wochen gar in einem Restaurant, auf einen Kaffee oder Kaltgetränk in einem Lokal? Droht auch allen anderen Gästen eine zwangsweise Freiheitsberaubung?

Inszeniert Bayern damit die zweite Welle, die Ministerpräsident Markus Söder seit Wochen beschwört? Oder hat der Freistaat gleiche Konsequenzen wie der Landkreis Gütersloh zu befürchten, Lockdown forever? Ausgangspunkt war eine Großschlachterei, bei der sich über 1000 Mitarbeiter infiziert haben, ohne dabei etwas zu bemerken. Erst nach einem Test wurden sie als infiziert infiziert.

Es scheint eine ausweglose Situation oder Merkel und Söder schaffen vereint eine Lösung, steigen zu den Rettern der Nation auf. Freiheit wird es erst mit einem Impfstoff wieder geben, und wohl auch dann nur für jene Menschen, die sich natürlich ganz freiwillig impfen lassen. Willkommen in der DDR 2.0 oder wahlweise bei Söder 1.0 in Bayern.

In einer Frage, wo es um das Wohl der Volksgesundheit geht, europa- und weltweit, und um Billionen-Schäden an der Wirtschaft, sollte der Rat von Experten und aus der Politik sich an Fakten orientieren und neutral sein. Das aber ist er nicht. Starvirologe Professor Christian Drosten war maßgeblich an der sehr schnellen und frühen Entwicklung der PCR-Tests beteiligt.

Es ist darum nicht auszuschließen, dass er selbst an jedem durchgeführten Test mitverdient. Allein in Deutschland sind es mittlerweile 5,5 Millionen durchgeführter PCR-Tests. Die Politik, allen voran Bundeskanzlerin Angelika Merkel und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, entschieden bereits im April, dass es einen Weg aus der Krise nur mit einem Impfstoff geben könne. Letztlich hat sich der Bund dann selbst noch mit 300 Millionen Euro an ein Unternehmen für Impfstoff beteiligt. Außergewöhnlich.

Sie haben die Entwicklung der Pandemie über Monate hinweg vorausgesagt. Haben sie wirklich? Ist das Gebot der Neutralität und an den Fakten orientieren Urteil hier gegeben?

Koste es was es wolle“, ist eine andere Maxime der Krise und wird uns eindrucksvoll mit Finanzpaketen und Konjunkturprogrammen vorgeführt, bei denen die Millionen zur kleinsten Recheneinheit dezimiert werden. Bereits EZB-Präsident Mario Draghi befeuerte die europäischen Märkte mit 2,6 Billionen Euro. Millionen, Milliarden und Billionen an Euros an Banken- und Wirtschaftshilfen für eine Politik, die den Bezug zur Realität verloren zu haben scheint. Kluge Kaufleute von einst mahnten stets zu verantwortungsvollem und sparsamen Umgang mit den Ressourcen. „Koste es was es wolle“ scheint hingegen das neue Credo einer entfesselten Gesundheits- und Wirtschaftspolitik geworden zu sein. Wer zahl am Schluss die Zeche? Unsere Kinder? Verkehrt sich der Spruch in „Wir tun alles für die Krise“, die Zukunftskrise, die Wirtschaftskrise. Was tun wir, wenn das nächste Virus droht. Ein Lockdown 2.0? Wer wird überleben?

Wie geht die Lebenshilfe mit der Krise um?

Interview zur aktuellen Situation der Lebenshilfe München
mit Geschäftsführer Peter Puhlmann

Der bayernweite Katastrophenfall ist aufgehoben und in München ist die Zahl der aktuell infizierten Menschen in vier Wochen von über 1000 auf unter 300 Personen gesunken. Die Lebenshilfe München musste in den letzten drei Monaten nicht einen einzigen Coronafall hinnehmen und hat von Anfang an sehr strenge Schutzmaßnahmen durchgeführt. Wie findet man nun wieder heraus aus der Krise und Isolation, zurück in eine Normalität? Die Redaktion hat sich mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann unterhalten.

Redaktion: Der Lockdown hat uns alle in nahezu allen Lebensbereichen betroffen. Besonders trifft es bis heute Menschen mit geistiger Behinderung in betreuten Wohnformen. Sie haben seit Wochen keine Arbeit und damit keine gewohnte Tagesstruktur mehr. Das sind hohe psychische und mentale Belastungen. Hat da nicht so mancher Bewohner einen Wohn-Kollaps bekommen?

Peter Puhlmann (r.) im Gespräch mit MdB Florian Hahn (l.), der sich über die Situation in den Wohnheimen der Lebenshilfe München informiert.

Peter Puhlmann: Es ist nur zum Teil richtig. Ja, die Werkstätten haben für die Bewohner geschlossen und zwar für alle Bewohner unserer Wohneinrichtungen. Das macht es leichter, denn alle sind gleich betroffen. Gleichwohl existiert eine Tagesstruktur, die über die ‚Essenszeiten‘ hinausgeht. Unsere Mitarbeiter betreuen die Kleingruppen, gehen mit ihnen spazieren oder organisieren Spiele. Einige unserer Bewohner, Menschen mit geistiger Behinderung, haben sich auch gut in die Situation hinein gefunden. Für manche ist die Arbeit in den Werkstätten ja auch ein gewisser Druck, dem sie jetzt seit Wochen nicht mehr ausgesetzt sind. Sie empfinden die ‚freie Zeit‘ als angenehm. Dennoch ist es schwierig mit der Situation und den Einschränkungen umzugehen. Das Virus und damit die Bedrohung ist ja nicht sichtbar, sie wird bestenfalls abstrakt wahrgenommen.

Rene Pfeifer, Bereichsleiter des Wohnen, bestätigt die Einschätzung. „Menschen mit geistiger Behinderung in Wohneinrichtungen zählen immer noch zur Risikogruppe. Auch wenn ganz allgemein viele Corona-Maßnahmen wieder gelockert und aufgehoben werden, gilt für Risikogruppen bis jetzt ein besonderer Schutz. Zu den angebotenen Programmen etwa zählen noch Ergotherapie und Musik, wenn auch im eingeschränkten Umfang mit Beachtung der Hygieneregeln und des Abstandsgebotes. Wir sind bis heute mit den insgesamt 200 Bewohnern ohne einen einzigen Coronafall gut durch die Krise gekommen.

Redaktion: Gibt es auch positive Erfahrungen aus der Krise? Haben sich kleine Wohngruppen bzw. Wohnhäuser, wie sie die Lebenshilfe München betreibt, bewährt?

Peter Puhlmann: Unser Prinzip von kleinen Gruppen ist und war in der Coronazeit ein Vorteil. Glücklicherweise hatten wir keine einzige Infektion, und wenn doch, wäre es ein ‚Sektionsfall‘ gewesen, also nur eine kleine Gruppe betroffen und nicht gleich die ganze Einrichtung oder gar mehrere. In kleinen Gruppen ist es zudem leichter Entscheidungen, etwa über die Gestaltung der Freizeit, abzustimmen. Die Interessen der Einzelnen werden so mehr berücksichtigt.

Redaktion: Ein anderer großer Lebenshilfe-Bereich ist die OBA, die Offene Behinderten-Arbeit. Sie steht für die Begleitung bei Freizeitaktivitäten, bietet Treffen in Clubs und Kursen an, organisiert Veranstaltungen und für die Ferien eigene Programme. Hier gibt es aktuell ja einen Totalausfall, alles musste abgesagt werden. Wann ist hier wieder mit ersten Aktivitäten zu rechen und wie wird es organisiert?

Peter Puhlmann: Wir haben bereits zu den Pfingsferien wieder eine Ferienbetreuung angeboten. An den Wochenenden läuft die Betreuung von Kindern und Jugendlichen weiter, wenn auch in verringerter Zahl. Für den Sommer und Herbst arbeiten wir an abgespeckten Angeboten und mieten in Bayern und Österreich Ferienwohnungen an. Je mehr sich die Pandemie ausschleicht, desto umfassender können wir Angebote entwickeln. Das betrifft auch die Hilfe unserer vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Bislang decken die Hauptamtlichen die Betreuung ab. Damit wird auch das Risiko einer Ansteckung klein gehalten.

Harry Zipf, Bereichsleiter der Offenen Dienste: „Im Sommer bieten wir wieder eine Ferienbetreuung an und ergänzen mit Tagesangeboten. Auch jetzt schon ist gegen Sport im Freien, Radfahren und Wandern nichts einzuwenden. Wir achten immer auf die Bildung fester Gruppen. Vereinzelt nützen ältere Angehörige auch noch unseren Einkaufsservice und die Familienbetreuung durch den FuD hat eigentlich nie aufgehört. Bei allen Aktivitäten orientieren wir uns an die Infektionsschutzverordnung, aktuell ist es die sechste Fassung vom 19. Juni 2020.

Redaktion: Auch für die Eltern muss es eine schwere Zeit sein, die ja sonst zumindest zeitweise durch die Lebenshilfe München eine große Entlastung erfahren.

Peter Puhlmann: Ja, tatsächlich haben wir in diesen Wochen auch wieder einige ‚Rückkehrer‘ aufnehmen können. Einige Eltern hatten entschieden, ihre Kinder wegen des Coronavirus wieder zu sich nach Hause zu holen. Über die Wochen hinweg waren sie damit aber zum Teil überfordert. Man muss dabei wissen, dass sowohl ‚die Kinder‘ wie auch die Eltern bereits in einem fortgeschrittenem Alter sind. Insgesamt war und ist das Ansinnen der Eltern hoch, dass der Betrieb wieder im vollen Umfang weiterläuft.

Redaktion: Die Schulen bieten ja aktuell einen ‚Notbetrieb‘ an. Gilt das auch für die HPT (Heilpädagogische Tagesstätten)?

Peter Puhlmann: Wir haben in den HPT’s seit Pfingsten annähernd wieder einen Vollbetrieb. Die Bayerische Staatsregierung hat dazu aufgefordert, die Förderschulen wieder ganz zu öffnen. Dabei haben wir natürlich den Vorteil kleiner Gruppen von etwa sechs bis acht Kindern und Jugendlichen und ein größeres Raumkonzept, also mehr Platz zur Verfügung. Natürlich gelten strenge Hygiene-Maßnahmen und bei gesundheitlichen Einschränkung müssen die Kinder zuhause bleiben.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.

Investitionen von 17 Millionen Euro angestoßen

– 417 Beratungen im Jahr 2019
– Landkreis investiert 96.408 Euro

Energiepolitik und Klimaschutz sind längst zur Chefsache geworden, auch auf Landkreisebene, wie Landrat Bernhard Kern in der jüngsten Sitzung des Kreissauschusses im Landratsamt Bad Reichenhall betonte. So wurde bereits 2016 die Energieagentur Südostbayern GmbH gegründet, deren Träger die Landkreise Berchtesgaden und Traunstein mit einer Beteiligung von jeweils 50 Prozent sind. Gefördert werden soll ein sparsamer, effizienter und klimafreundlicher Energieeinsatz. Der Kreisausschuss befasste sich mit dem Jahresabschluss für das Jahr 2019 und ermächtigte den Landrat, dem Abschluss auf der Gesellschafterversammlung zuzustimmen.

Foto (v.l.): Energiemanager Manuel Münch vom Landratsamt Berchtesgaden; Bettina Mühlbauer von der Energieagentur Südostbayern GmbH und Landrat Bernhard Kern.

Das Wirtschaftsjahr 2019 der Gesellschaft schloss mit einer Bilanzsumme von knapp 129.000 Euro ab. Im Betriebsergebnis nach Steuern steht ein Minus von 220.290 Euro. Damit wurde der Haushaltsansatz um 9.413 Euro überschritten. Als Defizitausgleich bewilligte der Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes eine Nachzahlung von 4.120 Euro, zusätzlich der bereits bewilligten 92.288 Euro. Die noch fehlenden knapp 5.300 Euro übernimmt der Landkreis Traunstein. Der Kreistag stimmte dem Jahresabschluss für das Jahr 2019 einstimmig zu.

Die Prokuristin der Energieagentur Südöstbayern GmbH, Bettina Mühlbauer, begründete die zusätzlichen Kosten mit dem Wegfall von Leistungen und daraus resultierender Verluste bei den Einnahmen. Weggefallen seien etwa Einnahmen aus Gebühren für Weiterbildungen von rund 4900 Euro, eine Lücke von rund 10.700 Euro durch die Verzögerung von Förderprogrammen durch die Bayerische Staatsregierung und ein Mehraufwand für die Gewerbeschau „truna“ in Traunstein.

Die Energieagentur leistete 2019 im Bereich Fördermittel und Energie 417 Beratungen, woraus sich „theoretisch angestoßene Investitionsmaßnahmen“ von 17 Millionen Euro ergäben, führte Bettina Mühlbauer aus. Die Summe ergibt sich aus den persönlichen Angaben der Kunden, die in einem Rücklaufbogen jeweils ihre persönliche Einschätzung zu ihren möglichen Investitionen geben. Zusätzlich wurden noch 32 Veranstaltungen als Kooperationspartner und 17 eigene Veranstaltungen im Jahr 2019 geleistet. Bei allen Aktivitäten zählte die Agentur 224 Veröffentlichungsnachweise, die für die Kommunikation der Themen und Anliegen in der Öffentlichkeit von hoher Bedeutung sind, bekräftigte Mühlbauer.

Im kommunalen Energiemanagement begleitete die Agentur die Kommunen Tittmoning, Piding und Trostberg. Weitere Angebote im Bereich Weiterbildung und Klimaschutz runden die Leistungen ab. Auf 360 persönliche Einzelberatungen entfielen auf das Berchtesgadener Land 110 und auf den Landkreis Traunstein 250 Kundengespräche. Allein im Umfeld der regionalen Messe „truna“ ergaben sich 63 Beratungen. Im Bereich „Energieberatung und Öffentlichkeitsarbeit“ leistete die Agentur 17 eigene Veranstaltungen und begleitete weitere 32. Für den Bereich „Projektmanagement und Klimaschutz“ standen das Förderprojekt „Energiecoaching Plus“, kommunale Energieeffizienz-Netzwerke und zwei Veranstaltungen über „Energieeffizienz in Unternehmen“.

2020 steht für die Energieagentur Südostbayern GmbH die Suche nach einem neuen Geschäftsführer an. Aktuell betreut Alexandra Wolf vom Landratsamt Traunstein als Interimsgeschäftsführung diese Aufgabe. Verstärkt wurde die Agentur seit März durch eine Assistenzstelle und seit April mit einer Fachberatung, beide Stellen in Vollzeit. Auf einem guten Weg sieht man die Nachfrage nach Energieberatungen, die 2020 bereits um 12 Prozent angewachsen sind. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den telefonischen Beratungen, bedingt durch die Corona-Einschränkungen. In Frage stehen darum auch die Vortragsreihe „Mit regionaler Energie in die Zukunft“ und die Chiemgaumesse „MeinZuhause!“ in Trostberg. Es besteht die Hoffnung, dass diese Aktivitäten im Herbst wieder möglich sind. Die gesamte Planung für mögliche Veranstaltungen pausiere „Aufgrund von Corona“ auf absehbare Zeit. Im Arbeitsbereich „Projektmanagement Klimaschutz“ stehen unter dem Förderprojekt „Energiecoaching Plus“ die Betreuung von fünf Kommunen an. Beim „Kommunalen Energiemanagement“ verhandelt die Agentur aktuell über weitere Projekte.

Von Berchtesgaden in den den Bayerischen Wald

Von Lam auf den Osser
Heidelbeeren und Glimmerschiefer

Der tiefe Bayerische Wald. Welche Geheimnisse birgt er?

Unser erster kleiner Urlaub im Bayerischen Wald ist der Corona-Krise und den geschlossenen Grenzen geschuldet. Der führte uns vom äußersten Süden Bayerns, dem Berchtesgadener Land, bis in den Norden des Bayerischen Waldes in die Ökoregion Arrach, Lam und Lohberg. Wir benötigen für die 222 Kilometer über Landstraße ganze 3,5 Stunden. An die Adria, etwa nach Grado, ist die Strecke mit 365 Kilometern zwar deutlich länger, die Fahrt nimmt aber lediglich 45 Minuten mehr Zeit in Anspruch. Warum also in den Norden, in den Bayerischen Wald fahren, zumal die Berge dort 1000 Meter niedriger sind und das Berchtesgadener Land im Alpennationalpark liegt. Wir waren neugierig darauf, was uns hier erwartet. Von den Alpen in den Bayerischen Wald. Ist der Wald wirklich so einsam und tief, wie es uns die Klischees glauben machen wollen?

Der Trigano-Cherokey ohne Vorzelt im Einsatz – Rückseite (l.) und Vorderseite (r.)

Camping in Corona-Zeiten

Spontan entschieden wir uns für die Gemeinde Lam mit knapp 2900 Einwohnern und einem kleinen einfachen Campingplatz mit 30 Stellplätzen als Domizil für unseren autarken Faltcaravan, ein französisches Modell, dessen in Ostdeutschland weitverbreiteter Vorläufer in Campingkreisen bis heute als Klappfix bekannt ist. Mundschutz und eine eingeschränkte Nutzung von Sanitär- und Duschräumen waren in den Pfingstferien immer noch obligatorisch, worauf uns der Betreiber Hubert Falkner bei der Buchung hinwies. Am Platz selbst war davon nichts zu spüren, es war ein reges Kommen und Gehen bei wechselhaftem Wetter. Bei der Anfahrt führte uns „google“ auf den letzten Kilometern über kleine Nebenstraßen nach Bad Kötzting hinein in den Bayerischen Wald, einer unerwartet reizvollen, hügeligen, waldreichen und einsamen Landschaft, die wir so nicht erwartet hatten. Die Gemeinde Lam liegt an den Hängen des Großen und Kleinen Ossers, die bis zum Tal hinab zu dem kleinen Flüsschen „Weißer Regen“ reichen.

Ein malerischer Marktplatz

Viel von Oberbayern hat der Marktplatz in Lam – Fotos: Gerd und Christine Spranger

Im Ort Lam selbst fallen uns viele leerstehende Geschäfte auf. „In direkter Nähe zu unserem Campingplatz hatten wir früher einen Metzger, einen Bäcker und ein Einkaufsmarkt. Der kleine Lebensmittelladen an der Ecke neben der Eisdiele schließt in diesen Wochen auch für immer“, erzählt Hubert Falkner. Idyllisch gelegen, mit Mariensäule, Maibaum und etlichen gut geführten Gaststätten ist hingegen der Marktplatz oben an der Kirche. Hier kommt Urlaubsstimmung auf und in einigen Kilometern Entfernung sind die Osser-Wiesen und der Gipfel des Kleinen Ossers zu sehen, zu denen wir am nächsten Tag aufbrechen.

Vom Sattel auf den Osser

Die Aussicht könnte nicht besser sein. Ein Stückchen Heimat im Bayerischen Wald.

Etwa fünf Kilometer fahren wir zum Wanderparkplatz Sattel auf 933 Höhenmetern gelegen, von wo wir unsere kleine Tour mit etwa drei Stunden Gehzeit starten. Insgesamt sind wir fünf Stunden unterwegs, denn mit knapp 60 Jahren steht nicht die Schnelligkeit, sondern der Genuss der Wanderung im Vordergrund, ob in den Alpen oder im Bayerischen Wald. Zudem lassen uns die Landschaft, die Flora und Fauna, die ganz besonderen Natureindrücke und weite Ausblicke immer wieder innehalten, und am Ende summieren sich über 100 Fotos auf unserem Smartphone mit bleibenden Eindrücken.

Blick von den Osser-Wiesen hinüber zum Großen Arber.

Der Weg führt uns zunächst auf steinigem Boden durch den Fichtenwald, bevor dann immer mehr Blaubeersträucher den Waldboden bedecken, der ab 1000 Höhenmetern immer lichter wird. In dieser Dichte und Vielzahl haben wir die Heidelbeeren noch nie erlebt, die jetzt im Juni nicht blau, sondern noch grün sind. Der Blick ins Tal gibt über viele Kilometer hinweg den Blick auf den Bayerischen Wald frei, der gemeinsam mit dem Böhmerwald, dem tschechischen Nationalpark Šumava, das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas bildet.

Ein wenig ausruhen und die Aussicht genießen

Naturgewalten und weite Landschaften

Nach etwa einer Stunde erreichen wir die „Osserwiese“, eine bis vor 70 Jahren bewirtschaftete Almwiese, deren „offener Charakter“ nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz durch Pflegemaßnahmen erhalten wird. Darüber dürften sich vor allem die Wanderer freuen, denn so bleibt die Aussicht auf das Tal und hinüber bis zum Großen Arber erhalten und damit der naturgewaltige Eindruck von der Weite der Landschaft. Zusätzlich ragen noch steile Glimmerschieferfelsen und Blöcke einige Meter auf, wie wir es in den Alpen nur bei Felsabstürzen kennen. Der Glimmerschiefer aber ist selbst für den Bayerischen Wald eine Besonderheit. Er soll in dieser eindrucksvollen Formation nur auf dem Osser zu finden sein.

Der Große Arber winkt von Ferne

Imposante Steinformationen ragen in Gipfelnähe auf

Die Heidelbeer- und Grasflächen ziehen sich nahezu bis zum Kleinen Osser hinauf, der selbst als markanter Felsen aus dem Wald ragt und nur mit etwas Kletterei zu besteigen ist. Dann ist es geschafft, mit 1266 Metern zählt der Kleine Osser zu den 20 höchsten Gipfeln des Bayerischen Waldes. Mit 1293 Metern ist der „Große Osser“ nur unwesentlich höher und in weiteren 30 Minuten gut zu erreichen. Eindrucksvoll sind beide Erhebungen, ragen sie doch hoch über den Wald heraus und bilden auf ihren letzten Metern große Felsformationen. In etwa 10 Kilometer Luftlinie ist der höchste Gipfel, der große Arber mit 1456 Metern Höhe zu sehen. Er ist mit einer Bergbahn erschlossen und zählt zu den touristischen Hotspots der Region.

Viel Betrieb auf dem Großen Osser

Sehnsuchtsmomente auf dem Kleinen Osser genießen

Aber auch auf dem Großen Osser herrscht am zweiten Pfingstwochenende bei bestem Wetter großes Gedränge. Die Zahl der Gäste auf dem Gipfelrestaurant, dem Osser-Schutzhaus, zählt sicher Hunderte. Der Gastgarten ist eng besetzt, auch wenn man um etwas Abstand bemüht ist. In der Hütte selbst und bei der Essensausgabe gilt die Maskenpflicht. Die Stimmung aber ist an diesem Grenzberg gut und die Küche ist auf den Ansturm bestens vorbereitet. „An schönen Wochenenden ist ein hohe Gästefrequenz ganz normal,“ erzählt Hüttenwirt Georg Hatzinger. Die Zimmer sind bis August geschlossen. „In Corona-Zeiten sind wir damit auf der sicheren Seite. Hoffentlich entspannt sich die Situation bis August wieder und wir können wieder Übernachtung mit Frühstück anbieten“, hofft Hatzinger.

Zum Schluss dann doch noch ein wenig „Kraxelei“ hinauf zum Gipfel des Kleinen Osser

Das Osser-Schutzhaus zählt 32 Betten in Vier- und Acht-Bettzimmern und ein Matratzenlager. Quer über das Gipfelplateau verläuft die deutsch-tschechische Grenze. Das Versprechen mit einer „Aussicht bis zu den Alpen“ scheint dennoch etwas gewagt. Vielleicht bei starkem Föhnwetter und Vollmond, denke ich für mich. Auch hier ragen mächtige Schieferblöcke gleich hoher Schneeverwehungen auf dem Gipfelkamm entlang der Grenze. Wir müssen das einfach noch fotografisch festhalten und übertreten für einige Meter unerlaubter Weise die Grenze, bevor wir uns wieder auf den Rückweg in das Tal, zu unserem Domizil Campingplatz machen. Hier erfahren wir, dass sich unser Vermieter, Hubert Falkner, über Jahrzehnte hinweg im Verein für das Schutzhaus engagiert hat und plaudern vor unserer Abreise noch ein wenig.

Vom Zelt zum Luxus-Wohnmobil

Hubert Falkner ist seit einigen Jahren in Rente und kümmert sich heute ganz um den Campingplatz.

Die Mutter hat in den 60-Jahren das Anwesen als kleinen Zeltplatz mit elf Stellplätzen gegründet. 1984 übernahm dann Hubert die Geschäfte und kümmert sich seit seiner Rente ganztags um die Betreuung der Gäste. „Heute reist jeder zweite Gast mit einem großen Wohnmobil an, und die bleiben meistens nur zwei Tage“, erzählt er und fügt hinzu: „die sehen sich die Landschaft im Durchfahren an.“ Etwas länger am Ort blieben die Gäste mit Wohnwagen. Stark gestiegen seien die Anfragen über Buchungsplattformen. „Da bin ich erst seit zwei Jahren zu finden. Die Nachfrage dadurch ist hoch.“ Vielleicht liegt es an den günstigen Preisen. Denn wo sonst ist eine Übernachtung für 18 Euro inklusive Stellplatz und Personen möglich?

Unser kleines Fazit:

Auch auf dem Großen Osser ist es schön. HIer ist auch die Osser-Schutzhütte geöffnet.

Die Alpen und den Bayerischen Wald kann man nicht wirklich vergleichen, sollte man auch nicht. Jede Region überzeugt für sich und bietet viele Urlaubsmöglichkeiten. Die Alpen freilich erschließen ab 1500 Höhenmeter nochmal die ganz eigene Welt des Hochalpinen und erstrecken sich über fünf Länder. Der Bayerische Wald könnte mit einer besseren Erschließung in Richtung Osten (Tschechien) deutlich an Format gewinnen. Bei unserer kleinen Reise hatten wir den Eindruck, dass der Eiserne Vorhang noch nicht ganz gefallen ist.

Um zur Galerie zu gelangen, klicken Sie einfach auf eines der Fotos. Fotos: Christine & Gerd Spranger

Seit Wochen kein neuer Coronafall im Berchtesgadener Land

Seit drei Wochen gibt es keinen neuen Coronafall mehr im Berchtesgadener Land. Der Katastrophenfall wurde darum nach drei Monaten am 17. Juni vom Landratsamt für beendet erklärt. Wir haben Glück gehabt in unserer schönen Heimat, denn insgesamt kam es nur zu 306 Infektionen und bedauerlicher Weise zu 24 Todesfällen, alle älter als 65 Jahre, bei denen das Virus nachgewiesen wurde. Selbst von den knapp 890 Menschen, die aufgrund von persönlichen Kontakten in eine zweiwöchige Quarantäne gestellt wurden, haben sich nur 64 Personen infiziert. Die befürchtete „Massenansteckung“ ist damit ausgeblieben. Einen kleinen „Schönheitsfehler“ gibt es dabei, denn gerade – mit Stand vom 18.06. um 15.30 – meldet die Behörde nun doch wieder drei neue Infizierte. Damit steigt die Gesamtzahl auf 309 an.

Strahlend blauer Himmel und einsame Landschaften im Berchtesgadener Land. Hier zu sehen die Nonner Wiesen in Bad Reichenhall mit Zwiesel (l.) und Hochstaufen (r.).

Wir alle haben die mit den Zwangsmaßnahmen verbundenen Einschränkungen auf unsere Weise genutzt. Etwa mit langen Spaziergängen oder um „Haus und Garten“ wieder instand zu setzen. Auch genossen wir die Ruhe bei deutlich weniger Autoverkehr und strahlend blauem Himmel. Man hatte durchaus den Eindruck, dass sich die Natur und mit ihr auch wir selbst uns erholt haben.

Jetzt hat uns der Alltag wieder und hoffentlich auch die Rückkehr zur alten Normalität ohne Angst für eine gute Zukunft. Und natürlich steht auch der nächste Urlaub an, ob im schönen Berchtesgadener Land oder am sonnigen Strand.

Während der Corona-Krise waren auch in Bad Reichenhall die Geschäfte und Restaurants geschlossen.

Salzbergwerk Berchtesgaden: nach Wieder-Eröffnung gleich ausgebucht

 „Den Atem der Geschichte spüren“
Hygiene und Sicherheit im Focus –

Eigentlich ist hier in den Pfingstferien richtig Betrieb. Bus- und Reisegruppen begehren Eintritt in das Salzbergwerk Berchtesgaden, zumal bei bedeckten Himmel mit Tendenz zu leichtem Nieselregen. 2020 aber ist es anderes, die Besucher erleben die neue Normalität in Zeiten des Corona-Virus. Die Wartenden sitzen in kleinen Gruppen ruhig zusammen, selbst die Kinder sind leise, keine Reisegruppen und kaum internationale Gäste. In 16 Sprachen übersetzten Audio-Guides in normalen Zeiten die Führung. Sie sind aus Hygienegründen aktuell aber nicht im Einsatz.

Die Eingangs-, Laden- und Kassenpassage des Salzbergwerkes in Berchtesgaden wächst in die Länge. Sie wird um zwei neue Aussen-Kassen mit Überdachung erweitert. Aktuell, in Coronazeiten,  gibt es nur über Online-Reservierung die Karten. Fotos: Gerd Spranger

Seit Montag sind das Salzbergwerk Berchtesgaden und auch die Alte Saline in Bad Reichenhall wieder geöffnet. Man hat sich die letzten Wochen bei der Südwestdeutsche Salzwerke AG auf die neue Situation eingestellt und Vorkehrungen getroffen. „Nach den jüngsten gesetzlichen Verordnungen haben wir eine Gefährdungsbeurteilung – wegen SARS-CoV-2 und Covid-19 – im Betrieb vorgenommen“, erzählt Peter Botzleiner-Reber, Fachbereichsleiter Tourismus Bayern und für die regionale Presse zuständig. „Dazu zählen die bekannten Hygienemaßnahmen, Mundschutz und Abstand halten. Die Größe der Gruppen, die mit der Grubenbahn 600 Meter tief in den Berg einfahren, ist von 50 auf 20 Personen begrenzt“, erläutert er.

Karten für das Salzbergwerk Berchtesgaden gibt es nur mit Online-Reservierung

Ein ganz wesentlicher Baustein in dem neuen Konzept aber ist ein zwingender Erwerb der Karten im Onlineshop, die Kassen direkt beim Bergwerk sind geschlossen. „Der Anteil lag bei steigender Tendenz im Jahr 2019 bei etwa 25 Prozent. Jetzt geht es nur noch mit Reservierung. Dabei sind wir schon heute, am zweiten Tag unserer Wiedereröffnung nach einer dreimonatigen Corona-Zwangspause, bis zum Sonntag ausgebucht. Das liegt natürlich auch daran, dass wir den touristischen Betrieb mit nur 40 Prozent unserer Leistung fahren können. Doch die Sicherheit unserer Gäste und Mitarbeiter haben Vorrang.“

Auch im Salzbergwer Berchtesgaden gilt: Mundschutz und Abstand halten

Bereits am großen Parkplatz lässt das Unternehmen kontrollieren ob der Gast im Besitz eines Online-Tickets ist, um unnötigen Personenverkehr zu vermeiden. Auch im Ablauf hat sich einiges geändert, wovon nicht nur die farbigen Bänder am Boden im Abstand von 1,5 Metern zeugen.

„Im Shop dürfen sich gleichzeitig nur sieben Personen aufhalten. Das Überziehen des Overalls als Schutzkleidung haben wir jetzt ins Freie verlegt“, erläutert Peter Botzleiner-Reber. In wenigen Wochen folgen im Außenbereich zwei neue überdachte Kassen. „Auch das wird helfen die Besucherströme im Sommer zu entzerren. Für Reisegruppen wird es einen „Fast-Line-Zugang“ geben.“ Doch wichtig ist ihm etwas ganz anderes.

Alte Saline und Salzbergwerk
Wegbereiter der Geschichte

„Wir sind seit 1517 ein aktives Bergwerk und kein Museum, in welchem seit über 500 Jahren kontinuierlich gearbeitet wird“. Das ist weltweit einzigartig und zugleich ein großes Stück Berg- und Industriegeschichte, denkt man auch noch an die Alte Saline in Bad Reichenhall. Städte wie Traunstein und Rosenheim haben über Jahrhunderte hinweg mit dem Salz gelebt und sind damit gewachsen. Zeitgeschichtlich hängt die Gründung von München und selbst auch von Salzburg eng mit der Salzgewinnung in Bad Reichenhall zusammen. Bis heute erleben wir es hier „zum Anfassen“, direkt vor unserer Haustüre. In Berchtesgaden das aktive Salzbergwerk und in Bad Reichenhall ein Industriedenkmal und eine ‚Salz-Geschichte‘, die weit über tausend Jahre zurück reicht, und darauf können wir alle stolz sein.“

Peter Botzleiner-Reber vor dem Eingangsbereich des Salzbergwerkes in Berchtesgaden. Das Tragen eines Mund-Nasenschutzes ist für die ganze Zeit der Besichtigung verpflichtend.
Peter Botzleiner-Reber vor dem Eingangsbereich des Salzbergwerkes in Berchtesgaden.

Es ist vielleicht gerade dieser „Atem der Geschichte“, den die Besucher bei der Einfahrt in den Berg oder auf ihren Gang hinab zum Quellenbau spüren und die Faszination Salzbergwerk ausmachen, über Generationen hinweg. Beliebt und wegen des Fotos unvergessen ist die Rutsche. Die besondere Atmosphäre, die Mystik des Berges aber, spürt der Besucher in der Salzkathedrale, in der Steinsalzgrotte, im magischen Salzraum und bei der Floßfahrt über den Spiegelsee mit faszinierenden Lichteffekten.

Gibt es noch freie Campingplätze?

Spagat zwischen Beschränkungen
und laufendem Betrieb

Das Campingjahr läuft 2020 nur zögernd an, in Bayern ist das touristische Campen erst wieder seit dem 30. Mai erlaubt, in allen anderen Bundesländern sind die Campingplätze unter Auflagen bereits seit ein bis zwei Wochen geöffnet. Grundvoraussetzung für das Campen ist ein autarker Wohnwagen oder Wohnmobil. Es muss also über eine eigene Sanitäreinrichtung verfügen. Damit sind die Schranken für einfaches Zeltcamping noch geschlossen, sie bleiben noch ein Opfer der Coronakrise. Laut ADAC verdoppelte sich die Anzahl der Buchungen im Mai gegenüber dem sonst stärksten Buchungs-Monat Januar. Wie sieht die Situation im Berchtesgadener Land und im Chiemgau aus. Die Redaktion hat sich umgehört.

„Einfaches Campen“ bietet der Platz Staufeneck zwischen Piding und Bad Reichenhall. Aktuell fehlen noch die Zelte und Durchreisenden, bedauert die Betreiberin.

Der Wohnmobilstellplatz in Bad Reichenhall war auch über das Pfingstwochenende kaum halb belegt. Zwei Wohnmobilisten nächtigten bereits eine Nacht vor Eröffnung in Bad Reichenhall, um sich gleich am Samstag einen Platz zu sichern. Ihre Sorge war unbegründet, der Ansturm blieb aus. Sicher ist die Nähe zur Rupertustherme für viele Gäste ein Entscheidungsgrund für ihren Urlaub, doch die bleibt die nächsten Wochen noch geschlossen. Bei vielen Menschen ist Vorsicht und eine gewisse Unsicherheit in der abflauenden Corona-Pandemie spürbar. Auch Anton Lenz vom Campingplatz Grafenlehen hätte sich mehr Ansturm erwartet. „Die Medien haben von einem richtigen Hype gesprochen, und entsprechend groß war unsere Erwartung. Wir haben aber noch viele Plätze frei, wenn auch die Buchungsanfragen sehr hoch sind.“

Alle Plätze informieren auf ihren Webseiten zu den Einschränkungen, etwa der Maskenpflicht oder die eingeschränkte Nutzung von Sanitäranlagen bis hin zur gänzlichen Schließung von öffentlichen Duschen und Toiletten. Manche von ihnen, wie etwa der Campingplatz Ortnerhof in Ruhpolding, belegt den Platz nur bis 50 Prozent und gibt einen Mindestaufenthalt von fünf Tagen in Zeiten des Coronavirus vor, informiert die Familie Bichler. Dabei sind von den 180 Parzellen ein Drittel mit Dauercampern belegt.

Vom einfachen Camping hin zum Glamping

Etwas versteckt liegt der Campingplatz Staufeneck, an der Gemeindegrenze zwischen Piding und Bad Reichenhall. 98 Stellplätze zählt er, davon sind 20 mit Dauercampern belegt. „Wir haben viele Zeltcampern und nicht wenige machen nur für einen Tag Station auf den Weg in den Süden“, erzählt Melanie Schön. Von einem Run auf die Plätze merkt sie nichts, im Gegenteil. „Die Einschränkungen für die Zelte als auch die geschlossenen Grenzen treffen uns sehr, wir sind nicht einmal zur Hälfte belegt.“

Eindrucksvoll mit naturgewaltigem Panorama wirbt der Campingplatz Allweglehen auf seiner Webseite. Der Trend geht hin zum „Glamping“, der Luxusvariante des Campens.

Das Gegenteil vom einfachen Campen bietet etwa der 5-Sterne-Platz in Waging am See. Er ist zu 80 Prozent ausgebucht und am letzten Pfingstwochenende sind nur noch Restplätze zu haben. „Unsere sanitären Einrichtung sind zur Gänze geöffnet, informiert der Betreiber Nikolaus Jebinger. „Duschen in größeren Gruppen geht natürlich nicht, doch wir haben abgetrennte und gut belüftete Zellen, so dass beste Hygienevoraussetzungen gegeben sind.“ Mit 650 Parzellen zählt der Platz zu den größten in Bayern. „Vielleicht liegt die hohe Nachfrage an der direkten Nähe zum Waginger See“, spekuliert Jebinger. „Das Freibad öffnet aber erst am 8. Juni wieder.“

Investitionen rechnen sich

Auch in Berchtesgaden gibt es ein Camping-Delux beim Allweglehen. Den Gästen können ein umfassendes Outdoorprogramm nutzen, sowie Wellnessangebote und über das normale Camping hinaus ein luxuriöses Glamping. Dafür stehen kleine Ferienhäuser wie Chalets, Woodlodges, großräumige Campingfässer und seit 2020 kleine Almkaser bereit. Allesamt sind sie mit Terrasse und bester Aussicht versehen. Damit bleibt das gesamte Camping-Equipment zuhause, denn die Gäste reisen einfach an, finden vor Ort alles in bester Ausstattung und im Resort eine komplexe Infrastruktur für den Urlaub. Investitionen, die sich bezahlt machen, denn der Platz ist über die gesamten Pfingsferien hinweg so gut wie ausgebucht. Camping-Delux beim Allweglehen erstreckt sich über acht Hektar, weist 167 parzellierte Plätze aus, 25 freie Zeltplätze, 28 separate Wohnmobilstellplätze und 15 Mietunterkünfte mit 58 Betten. Im Jahr bringt es der Platz auf 100.000 Übernachtungen. „Wir sind bis September ausgebucht“, freut sich der Betreiber und Inhaber Thomas Fendt. „Der Anteil von ’normalen Campern‘ zur Deluxvariante liegt derzeit bei etwa 50 Prozent mit steigender Tendenz.“ Der Wellness-Sauna-Bereich und der Pool öffnen am achten Juni wieder. Zielgruppe sind für Fendt die jungen aktiven Menschen. In der Urlaubszeit Familien und in der Vor- und Nachsaison die Rentner.

Seit 40 Jahren immer im Berchtesgadener Land

Gute Lage, direkt am Saalach-Radweg und der Therme ist es nicht weit in die Innenstadt von Bad Reichenhall.
Der Wohnmobil-Stellplatz in Bad Reichenhall liegt direkt am Saalach-Radweg und zur Rupertus-Therme und in die Innenstadt ist es nicht weit. Georg und Regina vor ihrem Oldtimer-Wohnmobil.

Bei unserer Rundreise zu den Campingplätzen haben wir das Ehepaar Georg und Regina getroffen. Sie sind klassische Camper und reisen seit 25 Jahren mit ihrem Wohnmobil durch ganz Europa. Jedes Jahr aber stehen bei ihnen einige Tage in Bad Reichenhall auf dem Programm, seit 10 Jahren ist es der Wohnmobilstellplatz an der Rupertustherme. Früher reisten sie mit der ganzen Familie an und die längst erwachsene Tochter verbrachte ihren ersten Urlaub mit ihrem Lebenspartner ebenfalls in der Alpenstadt. Die Region zwischen Berchtesgaden, Salzburg und Chiemsee ist ihnen vertraut, zur zweiten Heimat geworden. „Zum ersten Mal bin ich als junger Mann mit 17 Jahren zu einer Atemwegs-Kur in Bad Reichenhall gewesen. Das ist 45 Jahre her, erinnert sich Georg, der heute in Frührente ist und seit 40 Jahren mit Regina verheiratet. „Wir haben es zuhause in Wackersdorf, 43 Kilometer nördlich von Regensburg, auch sehr schön. Doch der Reiz der Berge und der alpine Charme der Landschaft lassen uns nicht los.“ Gut gefällt ihnen die Lage des Stellplatzes direkt an der Saalach und die Innenstadt von Bad Reichenhall mit der großen Fußgängerzone und den vielen Parks.

Der Trend hin zum Camping hält seit Jahren an und dürfte durch die aktuelle Coronakrise noch verstärkt werden. 2019 zählte diese Urlaubsform knapp 36 Millionen Übernachtungen. Das waren 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Knapp 87 Prozent der Camper kamen aus Deutschland, so der ADAC.