Schöne Worte für den Miss-Stand

K O M M E N T A R

Ein Wettbewerb der Ideen, Inspirationen und Impulse, Projekte und Marketing – das alles klingt gut und vorwärts gewandt. Von was aber sprechen wir eigentlich? Von einem hohen Leerstand der Geschäfte in Bad Reichenhall. Dahinter stehen hunderte Tragödien, denn niemand schließt sein Geschäft freiwillig. Im Stadtrat von Bad Reichenhall wird bei jeder Wahl, seit einem Jahrzehnt und länger, immer wieder betont, wie dringend doch ein Stadtmarketing für Bad Reichenhall wäre.

Ganz viel Abstand und ohne Maske: Da kommt Shopping-Laune auf. Von links: OB Dr. Christoph Lung, Dr. Brigitte Schlögl, Maria Fuschlberger und Martin Schoberth

Wir haben jetzt eines, nämlich Dr. Brigitte Schlögl und wie auf dem Foto in der Lokalpresse zu entnehmen war, auch eine Mitarbeiterin, Maria Fuschlberger, und einen CSU-Wirtschaftsreferenten, Martin Schoberth. Nicht zu vergessen natürlich der jung-dynamische Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung.

Dr. Schlögl sollte ja eigentlich einen Schwerpunkt ihrer Arbeit, neben der Leitung der BGLT im Zweierteam, im Stadtmarketing für Bad Reichenhall finden. Seit acht Monaten aber ist sie alleinige Geschäftsführerin der BGLT und „im Nebenjob“ noch ein wenig für das Stadtmarketing zuständig. Das ist symptomatisch für Bad Reichenhall. Stadtmarketing im Nebenjob. Und weil das Problem seit über einem Jahrzehnt bekannt ist, sollen jetzt Gespräche mit Hauseigentümern und in Folge auch mit den Pächtern, den noch verbliebenen, geführt werden. Es dauert eben ein wenig in der Alpenstadt. Zwei Jahre später soll ein Ideenwettbewerb erhellende Erkenntnisse liefern. Bis zur Umsetzung, wenn überhaupt, dürften dann erneut zwei Jahre vergehen. Frequenzmessungen und die Ströme des Geldes (Kaufkraft) sind ebenfalls Ziel einer Analyse.

Das klingt nach viel Aktionismus und Profilierungs-Ambitionen. Unterdessen schließen weitere Geschäfte und bunte Bilder an den Schaufenstern, so schön und gut gemeint sie auch sein mögen, ändern die Situation nicht. Längst müssten die Zahlen und Analysen auf dem Tisch liegen. Woher kommen die Käufer, wie viel Geld geben sie aus, was fehlt im Sortiment des Branchenmixes? Fehlt es etwa an Parkplätzen, an guter Erreichbarkeit, an Service-Freundlichkeit? Was wurde an Innovationen in den letzten Jahren umgesetzt, außer einer Reihe sehr guter Veranstaltungen, die jetzt, in Corona-Zeiten, leider obsolet sind. Warum sollten Einheimische und Gäste aus dem Umland nach Bad Reichenhall fahren? Wie hoch ist das Werbebudget, nimmt die Stadt „Geld in die Hand“?

Allein an der Hauptzielgruppe, nämlich in Stadt und Land Salzburg, wird deutlich, wie wenig hier in den letzten Jahren angestoßen wurde. Wer zu geizig ist, in Werbung zu investieren, verbunden mit einer klaren Strategie, der kann gleich zusperren. Darüber hinaus braucht es Konzepte und Ideen die sofort bewegen, und nicht in zwei Jahren diskutiert und in Schubläden abgelegt werden. Die CIMA Stadtmarketing ist nicht die erste Organisation, die Fehlentwicklungen aufzeigen wird. Zusperren: ein Schicksal, von dem in Bad Reichenhall immer mehr Selbständige, ihre Familien und Angestellten betroffen sind. Da helfen auch schöne Worte und Absichtserklärungen nicht weiter. Es muss gehandelt werden, und zwar sofort!

Eine leichte Brise an der Adria

Juli nur zu 50 bis 70 Prozent gebucht –
August nur etwas besser

Mit gemischten Gefühlen starteten wir im Juli 2020 in unseren schon längst gebuchten Italienurlaub an der Adria zwischen Jesolo und Venedig. Seit zehn Jahren sind wir leidenschaftliche Camper, lieben das Leben in der freien Natur und einen unkomplizierten Tagesablauf. Was aber erwartet uns im Coronajahr, nur vier Monate nach dem ersten europäischen Hotspot in Bergamo? Venedig liegt 230 Kilometer südöstlich, zählt mit knapp 20.000 bestätigten Fällen aber nur ein Viertel wie die Lombardei. Die Grenzen nach Italien sind seit dem dritten Juni wieder offen, der große Run an Touristen aber bleibt aus. Bei der rund 450 Kilometer langen Anfahrt begegnen uns kaum Wohnwagen oder Reisemobile, ein ungewohntes Bild in der Ferienzeit.

Nur wenige Menschen sind im Meer und der Strand ist eher halbleer, als halbvoll. Im Hintergrund ist die Sunshine-Bar, ein zentraler Treffpunkt am Strand. Selbst am späten Vormittag finden sich im Juli nur wenig Gäste ein.- Fotos: Gerd Spranger

Hauptsaison an der Adria bedeutet für gewöhnlich volle Strände und Plätze, von denen sich zwischen Venedig und Jesolo 25 große Anlagen mit Kapazitäten für je 2.000 bis 12000 Urlaubern reihen. „Man spricht deutsch“, denn Urlauber aus Deutschland, der Schweiz und Österreich zählen zum Stammpublikum, halten einen Anteil von etwa 50 Prozent an dem lebhaften Tourismusgeschäft. Die Italiener selbst verbringen ihren Urlaub ebenfalls gerne am Meer. In diesem Jahr aber war es anders. Unser 3-Sterne-Campingplatz ist im Juli nur etwa zu einem Drittel belegt, darunter viele italienische Familien. Das ändert sich mit Beginn der Ferien in Bayern nur langsam.

Freie Platzwahl und ruhiger Strand

Gespenstisch wirkt der einsame Wohnwagen auf dem Campingplatz, wo die Jahre zuvor die während der Hochsaison alles ausgebucht war.

Bei freier Platzwahl platzieren wir unseren Zeltcaravan in Wunschlage und mit reichlichem Abstand. Die Leere unter den alten Pinien, Kiefern, Pappeln und Ahornbäumen sind ein völlig ungewohntes Bild während der Hauptsaison. Sie spenden bei Temperaturen über 30 Grad Schatten etwas Kühle, ebenso die leichte beständige Brise vom Meer, ein mediterranes Gesundheitsklima zum Wohlfühlen. Jeder genießt diese Freiheit abseits des Alltags in entspannter Stimmung auf seine Weise. Selbst der weite Sandstrand füllt sich gegen elf Uhr nur zögerlich, während die Temperaturen langsam aber deutlich über die 30 Grad steigen.

Ein herber Schlag für die Branche

Die Betreiber des Camping Ca’Savio, die Familie Vianello, ist sich der neuen Situation bewusst. Juniorchefin Nicoletta Vianello, die seit vier Jahren in das Marketing und Management des Campingressorts eingebunden ist, gesteht:

Mit 5600 Stellplätzen und drei Sternen bietet der Camping Ca’Savio etwas weniger Infrastruktur, lässt dafür aber mehr Freiheiten.

„Wir müssen aktuell einen Rückgang um bis zu 60 Prozent hinnehmen. 2020 kamen zwar mehr Italiener, doch die Hauptgruppe der Urlauber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz fehlen. Ebenso haben sich kleinere Veranstalter mit festen Kontingenten zurückgezogen und es fehlen die Fluggäste, die über Venedig anreisen.“

Ein Klientel, dass die Mobilhomes und komplett ausgestatteten Zelte und Bungalows bevorzugt, die etwa 55 Prozent des Platzes ausmachen. „Immer mehr Gäste reisen mit leichtem Gepäck an und viele probieren das Campen erst einmal aus, bevor sie sich möglicherweise für ein Reisemobil entscheiden,“ erklärt Nicoletta.

Wirklich beunruhigt sei man nicht, auch wenn dieses Jahr einen noch nie dagewesenen schmerzlichen Einschnitt mit sich bringe. „Die Freiheit und Sicherheit des Camping ist gefragter wie je zuvor. Gerade jetzt merken wir, wie die Gäste verantwortungsbewusst mit der Situation umgehen. Dabei haben Sie genügend Platz zur Verfügung und das nötige Stück Privatsphäre. Wir als Betreiber tun alles, um den Komfort und die Sicherheit für die Gäste zu erhöhen“, verspricht die Juniorchefin.

Investitionen vorerst zurück gestellt

Vorerst stehen keine neuen Investition an. Man wolle zuerst die aktuelle Entwicklung abwarten. Die letzte große Investition war in den Jahren 2018 und 2019 der Neubau des zweistöckigen Empfangsgebäudes mit großen modernen Empfangs- und Verwaltungsräumen, Supermarkt und Cafeteria. „Wir haben dafür fünf Jahre lang geplant und um Genehmigungen ansuchen müssen,“ merkt sie an.“Seit zwei Jahren planen wir bereits die Sanierung unserer alten Bungalows aus den 70er-Jahren, die in der ersten Reihe hin zum Strand stehen. Doch wird es bis zur Genehmigung wohl noch einige Jahre dauern.“ Mit einer Kapazität von bis zu 5600 Gästen ist der Platz nach dem „Union Lido“ und „Marina di Venezia“ das drittgrößte Campingressort in Venezien“, merkt Nicoletta Vianello an.

Der ‚Marina di Venezia‘ hat die letzten Jahre viel investiert und die Gäste schätzen die Nähe zur den Venedig-Fähren in Punta Sabbioni.

Bessere Situation bei den 5-Sterne-Plätzen

Die Situation bei den beiden 5-Sterne-Campingplätzen ‚Marina di Venezia‘ und ‚Union Lido‘ ist deutlich besser. Sie haben eine Kapazität für 11.000 bis 12.000 Personen und verzeichnen eine Auslastung von 70 Prozent. Dabei sind die zu mietenden Einheiten mit 80 Prozent noch besser gebucht, erläutert Dr. Massimo Battaglio, seit 2006 Manager des Marina die Venezia, der zu Recht den Zusatz ‚Camping-Village‘ trägt. Eine eigene kleine Stadt mit moderner Einkaufspromenade und vier Restaurants, wie sie ähnlich auch der Union-Lido bietet. Die Freunde des Glamping fühlen sich hier gut aufgehoben. „Wir haben aus der Krise gelernt, die Restriktionen in Italien waren deutlich schärfer als etwa in Deutschland,“ erzählt Massimo. An die Gäste wird eine eigene Broschüre mit dem Titel „Happy Safe Holiday“ ausgegeben, für noch mehr Hygiene zusätzliches Personal eingestellt und in den Bungalows und sanitären Einrichtungen zusätzliche Maßnahmen getroffen.

Der Union Lido bezeichnet sich selbst als erstes Fünf-Sterne-Camping in Italien und hat eine große Fangemeinde.

Wie gehen die Gäste
mit der Situation um?

Wie gehen unsere Camping-Nachbarn mit den Ängsten und Urlaubswarnungen in Coronazeiten um? Wie wir selbst erlebten, verzichten die Meisten auf ihren Sommerurlaub im Süden. Nicht so Reinhard (39) und Astrid (36) aus Landeck in Tirol mit ihrer 13jährigen Tochter Emma. Sie sind zum vierten Mal in Ca‘ Savio mit großen Zelt nebst Equipment beim Campen. Eigentlich wollten sie 2020 nach Kroatien reisen, die Situation und aktuelle Entwicklung aber erschien ihnen zu unsicher. Auch der Faaker See stand zur Wahl, dort aber sei der Andrang enorm hoch. Sie bereuen ihre Entscheidung für die Adria nicht. „Es ist unkompliziert und wir fühlen uns hier sicher, zumal ja für die Hochsaison kaum Urlauber hier sind,“ bekräftigen sie. Der Platz hält nur drei Sterne und bietet etwas weniger Komfort und Badelandschaft mit Animation. Dafür aber lässt er viele Freiheiten und die Familie schätzt das, selbst die 13jährige Tochter, die auch nächstes Jahr unbedingt wieder hier auf Urlaub sein möchte.

Es braucht Zeit um abzuschalten

Wir haben bei unserem Urlaub auch die vorsichtigen Gäste kennen gelernt, etwa Matthias (72) und Ingrid (69) aus Augsburg. Sie kennen den Platz seit 1976 und sind seit dieser Zeit immer wieder zu Gast gewesen, dennoch musste sich Ingrid bei der Anreise erst einmal ein Bild von den sanitären Einrichtungen machen. Zum Geschirr abwaschen etwa bevorzugt sie den eigenen Wohnwagen, entsorgt dann lieber das Spülwasser in den öffentlichen Anlagen. Sonst aber fühlen sie sich sicher, sind mit den seit Jahren bekannten Nachbarn im regen Austausch. „In diesem Jahr ist nur ein Drittel belegt, wir haben jede Menge Platz um uns herum. Auch am Strand liegen die Gäste in einem Mindestabstand von fünf Metern. Versorgt sind wir durch den eigenen Wohnwagen selbst, was also soll uns bitte passieren,“ fragen Matthias und Ingrid. „Ich habe wirklich drei Tage gebraucht, um die uns seit Wochen begleitenden Schreckensmeldungen wegen Corona aus dem Kopf zu bringen, und endlich hier im Urlaub anzukommen,“ bekennt Ingrid.

Ein anderes Paar sind Hans (69) und Marianne (69), seit dreißig Jahren besuchen sie den Platz, haben ihre Wohnwagen dauerhaft in Ca‘ Savio eingestellt und verbringen hier jedes Jahr fünr Wochen. „In der Schweiz ist aktuell jede Berghütte und jedes freie Wohnmobil gebucht“, bekräftigen sie. „Hier, auf unserem Campingplatz, erleben wir in diesem Jahr eine Leere wie noch nie. Das ist zwar gut für uns, doch macht es uns auch ein wenig Angst. Was macht es mit der Region, mit den hier lebenden Menschen?“

Der Zeltanhänger von Trigano bietet mit dem Vorzelt viel Platz. Der Auf- und Abbau ist etwas aufwändig, doch es geht auch ohne Vorzelt bei Wochenendausflügen. – Foto: Gerd Spranger

 

154 Millionen für den Landkreis BGL

Sie stellten sich den Fragen der Presse: Nicole Fegg, Leiterin des Finanzmanagements; Hans Jahn, Geschäftsbereichsleiter für Zentrale Angelegenheiten, Landrat Bernhard Kern und Klaus Willberger, Leiter des zentralen Gebäudemanagements. – Foto: Gerd Spranger

Es geht in den nächsten Jahren um hohe Investitionen von knapp 154 Millionen Euro im Landkreis Berchtesgadener Land für die Schulen, Straßen und den Neubau des Landratsamtes. Weitere 40 Millionen sind für den Unterhalt und laufende Kosten angesetzt. Der Landkreis lud darum zu einem Pressegespräch, um „Missverständnissen und Gerüchten vorzubeugen“, wie etwa, dass der Neubau des Landratsamtes jetzt ganz wegfalle. Landrat Bernhard Kern bekräftigte die drei Beschlüsse des Kreistages. „Der Neubau wurde einstimmig beschlossen, und zwar in einer Holzhybridbauweise und auch der neu gewählte Kreistag steht einstimmig zum Neubau.“ Allerdings würden sich die Bauarbeiten von 2024 bis 2027 hinziehen.

Knappe Personal- Ressourcen

Hans Jahn, Geschäftsbereichsleiter für Zentrale Angelegenheiten des Landkreises, verwies auf die personellen Ressourcen des Landratsamtes, die laufende Planung und nötige Ausschreibungen. Darum stehe der Neubau nicht mehr im Finanzplanungszeitraum 2023. „Wir müssen realistisch bleiben. Wir haben aktuell zwei neue Stellen für Planung, Bau- und Gebäudemanagement genehmigt, doch bislang nicht besetzten können.“

Investition in die Bildung

Oberste Priorität des Investitionsprogrammes des Landkreises Berchtesgadener Land aber habe die Bildung, betont Landrat Bernhard Kern immer wieder. Konkret werden dabei das Sonderpädagogische Zentrum St. Zeno, das Rottmayr-Gymnasium in Laufen und das Karlsgymnasium in Bad Reichenhall genannt. Ebenso stehen Investitionen bei der Staatlichen Berufsschule in Freilassing und bei der Berufsfachschule für Holzschnitzer und Schreiner in Berchtesgaden an.

60 Millionen für die Berufsschule

Die Berufsschule Freilassing verfüge generell über zu wenig Platz und müsse in Teilen komplett saniert werden, führt Bernhard Kern aus. Mit Investitionen bis zu 60 Millionen Euro will man sie weiter zukunftsfähig machen. „Wir sprechen dabei von den nächsten zehn bis zwanzig Jahren“, erläutert Hans Jahn. Zunächst aber müsse die technische und bauliche Substanz geprüft und viel Planungsarbeit geleistet werden. Vor 2024 werde es darum auch noch keine konkreten Baumaßnahmen geben. Ähnlich ist die Situation an der Berufsfachschule für Holzschnitzer und Schreiner in Berchtesgaden. „Die Gebäude sind alt und an Räumen und Technik werden heute andere Anforderungen gestellt.“

Landrat: „Nicht ängstlich sein“

Der Landrat hob gleichwohl den hohen Stand der Ausbildung hervor. Im KFZ-Bereich etwa sei man mit einem starken Focus auf die E-Mobilität hervorragend aufgestellt und der Tourismus in der Region sei wieder stark ansteigend. „Wir wollen weiter nach vorne schauen und nicht ängstlich die Projekte zurück stellen, weil vielleicht die eine oder andere Unsicherheit herrsche. Die jetzige Struktur wird erhalten und weiter ausgebaut.“

20 Millionen für die Schulen

Für die Schulen Rottmayr-Gymnasium in Laufen, Sonderpädagogische Zentrum St. Zeno und das Karlsgymnasium in Bad Reichenhall sind insgesamt über 20 Millionen Euro Investitionen bis 2025 vorgesehen. Beim Karlsgymnasium werden aktuell vier Container im Erdgeschoss aufgestellt und nächstes Jahr sollen weitere vier als Obergeschoss folgen. Wie es mit den Unterrichten in den Schulen unter Auflagen und reduzierten Klassen weitergehe, könne man von Seiten des Landratsamtes nicht sagen. Das liege im Zuständigkeitsbereich des Bayerischen Kultusministeriums.

Auch für die Kunsteisbahn Königssee sind Mittel eingeplant. Für eine neue Bobgarage 270.000 Euro und für die Sanierung der Rodlerhalle des Olympiastützpunktes Berchtesgaden 4,5 Millionen Euro.

50 Millionen Schulden-Obergrenze

Der aktuelle Schuldenstand des Landkreises liegt bei 12 Millionen Euro. Die Obergrenze wurde in der letzten Kreistagssitzung von 40 auf 50 Millionen angehoben. Nicole Fegg, Leiterin des Finanzmanagements merkt dazu an: „Der niedrige Schuldenstand von 12 Millionen Euro ist darin begründet, dass manche Projekte zurück gestellt wurden. Von der Genehmigung der Mittel bis zur tatsächlichen Verwendung vergehen oft Jahre. Das wird allein schon bei der Dauer von der Planung bis zur Fertigstellung größerer Projekte wie Landratsamt oder Schulen deutlich.“

Für die Sanierung der Kreisstraßen (KS) für rund 14 Millionen Euro ist folgender Zeitplan vorgesehen: KS-BGL 1: 2020/21 – KS-BGL 12: 2023/24 – KS-BGL 4: 2024/25 – KS-BGL 3: ab 2026

Auf den Spuren der evangelischen Gemeinde in Bad Reichenhall

Eine spirituelle Stadtführung
mit Diakon Markus Sellner


In einem spiritueller Stadtspaziergang führte Diakon Markus Sellner auf den Spuren der Protestanten durch die Innenstadt von Bad Reichenhall. Die Gruppe war aufgrund der Corona-Verordnungen auf zwölf Personen begrenzt und Sellner bat zudem um Einhaltung des nötigen Abstandes. Der erste eigene Raum für Gottesdienste war für Evangelische ab 1860 ein Lagerraum in der Alten Saline im Obergeschoss, der heute von der Reichenhaller Akademie genutzt wird. Das heutige Industriedenkmal Alte Saline mit Ensembleschutz war damals, nach dem großen Stadtbrand von 1834, erst 25 Jahre alt. 20 Jahre lang traf sich die evangelische Gemeinde hier zum Gottesdienst und verschönerte den Raum mit Holzvertäfelungen. „Vorher traf man sich im ehemaligen „Schweizer Haus“ auf Initiative der Freifrau von der Thann, der Gattin des Adjutanten von König Max II., zum Gottesdienst, aufgrund des Andrangs später im Festsaal des ehemaligen Hotels Luisenbad“, erzählt Diakon Sellner. Die Geschichte beginnt aber früher, nämlich 1799 in München. Zuvor waren die Evangelischen im katholischen Kurfürstentum Bayern der Wittelsbacher nicht gern Gesehene.

Diakon Markus Sellner führt auf den Spuren der Evangelischen durch Bad Reichenhall. Hier im Innenhof der Alten Saline, vor dem Salinenbrunnen mit dem Salzburger Bischof St. Rupert. – Foto: Gerd Spranger

Und es war eine Frau, die den Evangelischen in Oberbayern ein Leben ermöglichte, es war die lutherische Prinzessin Karoline von Baden die dem bayerischen Kurfürst Max IV. Joseph, ab 1806 König Max I., vermählt war und sich im Ehevertrag das Recht auf Ausübung ihres evangelischen Glaubens sichern ließ. „1799 wurde der erste evangelische Gottesdienst in München abgehalten und die Entourage der kurfürstlichen Familie siedelte sich im Großkarolinenfeld an“, erinnert Diakon Markus Sellner. Es dauerte aber noch Jahrzehnte, bis der evangelische Glaube auch nach Bad Reichenhall fand. 1830 zählte man lediglich drei evangelisch Gläubige und 1846 war es elf. „Ein Besuch, eine geistliche Unterstützung aus München war schwer, denn die Reise nach Bad Reichenhall dauerte damals mit der Postkutsche noch drei Tage. Die Eisenbahn fuhr erst ab 1860 in die alte Salinenstadt.“

Gewachsen ist die evangelische Gemeinde in Bad Reichenhall durch den beginnenden Badtourismus und eines aufstrebenden Handels und der Wirtschaft. Positiv wirkte sich ebenso die mit Hilfe von König Ludwig I. in weiten Teilen neu erbaute Stadt aus, die sich „wie ein Phönix aus der Asche nach dem Stadtbrand, gemäß der architektonischen Konzeption des 19. Jahrhunderts, erhob“, schrieb Dr. Herbert Pfisterer in seinem Buch „Bad Reichenhall in seiner bayerischen Geschichte“.

Alte Saline, Beamtenstock
und Altes Rathaus

Zu diesen neu erstandenen Gebäudekomplexen zählte nicht nur die Alte Saline und ihr Ensemble, sondern auch der Beamtenstock und 1849 wurde ebenso das damals neue Schul- und Rathaus (heute Altes Rathaus) fertiggestellt. Auch in diesen Gebäuden lebt ein Stück evangelischer Geschichte in Bad Reichenhall. Im Alten Rathaus und nach dem zweiten Weltkrieg auch im Beamtenstock war eine evangelische Schule untergebracht.

Blick in die Poststraße, in der früher der Stadtbach entlang plätscherte und als offene Kanalisation diente. Diakon Sellner verweist auf die Inschrift am „Alten Brothaus“, das die Leistung zum Bau der Soleleitung nach Traunstein würdigt und die alte Stadt mit ihren Toren und Türmen zeigt.

Es waren aber auch viele Persönlichkeiten, die das Wachsen der evangelischen Gemeinde in Bad Reichenhall prägten und förderten. So war etwa auch der aus Sachsen stammende Zollinspektor Ernst Rinck (1801 – 1877), der das Schlössl Axelmannstein erbte, und es 1846 zur Sole- und die Molkenkuranstalt ausbaute, ein Evangelischer gewesen. Er war ein Förderer der Gemeinde und Mitbegründer des Kurbetriebes in Reichenhall. Ein weiterer prominenter Vertreter und Ehrenbürger von Bad Reichenhall war der Bezirks- und Salinenarzt Freiherr Georg von Liebig (1827 – 1903), der erste evangelische Arzt in Bad Reichenhall, auf den bis heute viele Indikatoren der örtlichen Kurmittel zurück gehen und der Namenspatron des Krankenhauses in Bad Reichenhall ist. Dr. Adolf Schmid (1846 – 1908), ebenfalls Ehrenbürger, war von 1876 bis 1878 erster Vorstand der evangelischen Kirchenverwaltung und gründete eine Kinderheilstätte, die von 1887 bis zum ersten Weltkrieg bestand. Zur Liste der prominenten evangelischen Gemeindemitglieder in jenen Gründerjahren zählte auch die Freifrau Frances Isabella „Fanny“ von Karg-Bebenburg (1847-1899), deren Mann die Karg-Villa im Karlspark 1869/70 bauen ließ. Sie war ab 1873 Leiterin des evangelischen Frauenvereins.

An zu wenigen Gebäuden in Bad Reichenhall finden sich HInweise auf die lange und bewegte Geschichte

Bis hin zu einem eigenen evangelischen Gottesdienst im Betsaal der Alten Saline hatte die kleine evangelische Schar bis 1860 also einen langen Weg hinter sich. 1861 bekam Bad Reichenhall eine erste evangelische Prediger- und Seelsorgestelle zugesprochen und von da an wuchs die Gemeinde, wurde für den aufstrebenden Kurort und seiner Gäste immer wichtiger.

„Es gab in jenen Jahren auch ein jüdisches Restaurant mit eigener Schlachtung und Bestrebungen zur Gründung einer Synagoge. Selbst Gespräche zur Gründung einer orthodoxen Kirche, zumindest aber eines orthodoxen Gottesdienstes, wurden geführt. Im Russischen Hof, dem späteren Hotel Deutsches Haus, dass nach dem Abriss seit Jahrzehnten als Baulücke zwischen Ludwig- und Poststraße brach liegt, verkehrten viele Gäste aus Russland auch aus dem Umfeld der Zarenfamilie und des russischen Adels,“ erinnert Markus Sellner an jene Zeit. Bad Reichenhall zählte bis 1875 noch weniger als 5000 Einwohner.

Seit 140 Jahren eine eigene evangelische Kirche 

Ab 1870 reifte bei den Evangelischen der Wunsch nach einer eigenen Kirche in Bad Reichenhall, obwohl die Kirchengemeinde im Ort kaum 200 Mitglieder zählte, doch von vielen Badegästen, die häufig aus evangelisch geprägten Regionen stammten, gerne besucht wurde. Freifrau Fanny von Karg-Bebenburg rief für den Bau sogar eine eigene Lotterie ins Leben. „Der überwiegend große Teil aber kam von Spenden außerhalb, wenn die kleine Gemeinschaft auch nicht arm war. Es zählten leitende Beamte, Hoteliers, Ärzte und Unternehmer zu den Evangelischen, auch sie kamen meist von auswärts, waren also ‚Zuagroaste’“, erzählt Diakon Sellner.

„Man wies der evangelischen Gemeinde dann ein Grundstück weit außerhalb der Stadtmauern zu, in deren Grenzen sich bis zu dieser Zeit die Stadt erstreckte. Sicher war innerhalb der Stadt kaum ein Platz zu finden, zumal die Katholischen die Evangelischen auch nicht in der Stadt wollten. Der Bauplatz für die Kirche (Grundsteinlegung 14.08. 1877) war abgelegen, zwischen Bahnhof (ab 1860), der Stadt und dem neu angelegten Kurpark (ab 1868). Mit dem Bau des Königlichen Kurhauses 1900 rückte die Kirche dann allerdings in das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens und erlebte eine Blütezeit“, führt Markus Sellner aus.

Diakon Markus Sellner geht ausführlich auf die Geschichte der Evangelischen Kirche in Bad Reichenhall ein, die von 1877 bis 1881 außerhalb der Stadt erbaut wurde.
Diakon Markus Sellner geht ausführlich auf die Geschichte der Evangelischen Kirche in Bad Reichenhall ein, die von 1877 bis 1881 außerhalb der Stadt erbaut wurde.

Der spirituellen Stadtspaziergang ging am Rathaus vorbei weiter durch die Poststraße, die ebenso wie der Rathausplatz als Ensemble in die Bayerische Denkmalliste eingetragen ist. Zentral und historisch sind hier das alte Salzmaierhaus (Polizei) mit dem Denkmal des Salzamtsschreiber, gegenüber der Ägidikirche, das vor 1840 Amtssitz der Salinenverwaltung war. „Historisch aber ist auch der Platz selbst“, erzählt Markus Sellner, “denn hier befand sich der historische Markt und hier verlief ebenso der alte Stadtbach, der der alten Salinenstadt zugleich als offene Kanalisation diente.“

Weitere „evangelische Stationen“ war das heute als Bücherei genutzte Gebäude in der Gabelsbergerstraße, „eine der größten evangelischen Büchereien in Bayern“, merkt Diakon Sellner an und verweist auf das Nebengebäude. „Das große Wohnhaus nebenan, die Villa Hindenburg, zählte ursprünglich auch zum Besitz und beherbergte die Wohnung des Pfarrers.“ Das Pfarrhaus an der Wittelsbacherstraße erwarb die Gemeinde bereits 1866. Sie wurde damit zugleich zur eigenen Pfarrei erhoben.

Der „Bismark-Brunnen“
ist heute stillgelegt

Auf dem Weg zur Kirche legte die Gruppe noch einen Stopp am Bismarck-Brunnen ein, der lange Jahre hinweg der größte Brunnen der Stadt war und heute leider stillgelegt ist. Der preußische Fürst Otto von Bismarck (1850 – 1898) und Reichskanzler war evangelischen Glaubens, mehrfach in Bad Reichenhall zur Kur und ist Ehrenbürger von Bad Reichenhall.

Zentrum der evangelischen Gemeinde ist die Stadtkirche wo der kleine Rundgang endete. Sie wurde 1877 bis 1881 im damals modernen „neugotischen“ Stil erbaut. Architekt war Ludwig Hoffstatt aus München. „Zweimal wurde sie modernisiert“, erläutert Diakon Sellner, „zuletzt 1981, wo auch das große Altarbild entstand. Es symbolisiert den Weg von der Erde über das Kreuz in das himmlische Jerusalem. Es steht als Symbol des Zieles, der Vollendung.“ Ein weiterer „Meilenstein“ war 1994 der Bau des achteckigen Pavillons. Durch den Aufzug und die Anbindung an die Kirche wurde ein behindertengerechter Zugang zur Kirche ermöglicht und ein Gemeinderaum im Umkreis der Kirche geschaffen. Stolz ist man bis heute auf die Orgel in der Kirche mit 36 Register und 2583 Pfeifen. Das große Gemeindehaus in der Adolf-Schmid-Straße wurde 2019 verkauft.

Eine Blütezeit erlebte die evangelische Gemeinde durch die Folgen des zweiten Weltkrieges, als sich von insgesamt 12 Millionen Heimatvertriebenen 6000 in Bad Reichenhall und der Umgebung (Piding) ansiedelten. 2010 zählte die evangelische Gemeinde noch 4567 Mitglieder und heute rund 3.900. „Wir verlieren viele Gemeindemitglieder altersbedingt. Ihre Kinder sind vielfach durch Studium und Beruf nicht mehr im Berchtesgadener Land ansässig“, bedauert Diakon Markus Sellner.