Weitere Investitionen in die Eisarena am Königssee

Unbestritten ist die wirtschaftliche und sportliche Bedeutung der Lotto Bayern Eisarena am Königssee. Eine Bahn mit besonderen Ansprüchen die internationalen Ansprüchen genügen muss. „Das aber wird zunehmend schwieriger, denn es fehlt eine durchgehende Überdachung. Sonne, Wind und Wetter setzen der Bahn zu und darunter leiden Trainings- und Wettkampfveranstaltungen“, beklagt Thomas Schwab, Vorstand des Sport- und Schlittenverbandes Deutschland. Die Bahn soll darum eine neue Überdachung mit Beleuchtung, Beschallungs- und Videoanlage erhalten. Ob die Maßnahmen aber in den nächsten Jahren erfolgen können, darüber beschließt der Kreistag. Für den Landkreis bedeutet eine Gesamtinvestition von 4,6 Millionen Euro ein Aufwand von 920.000 Euro.

Markus Aschauer und Thomas Schwab warben im Kreisausschuss für eine Modernisierung der Eisarena am Königssee. – Foto: Gerd Spranger

Der Kreisausschuss beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit dem Anliegen. Im Sachvortrag wurden die Vorzüge einer Vollüberdachung herausgearbeitet, die insgesamt zu einer Verbesserung im Hochgeschwindigkeitsbereich führe und mehr Sicherheit für die Sportlerinnen und Sportler bedeute. Eine Vollüberdachung war bei der Sanierung und dem Ausbau der Eisarena bereits in den Jahren 2010 und 2011 angedacht, wurde aber zurückgestellt. Auch bei den Modernisierungen der letzten Jahre für 30 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket I und II habe man aus Kostengründen und Termindruck verzichtet.

Wetterschutz ist unverzichtbar

„Die letzten Jahre aber haben gezeigt, dass der fehlende Wetterschutz bei den sich über die Jahre veränderten Wetterbedingungen zwingend erforderlich ist. Die Erfahrungen anderer Bahnen zeige, dass sich diese Maßnahmen bei standardisierten Trainingsbedingungen zur Optimierung der Eisqualität bewährt haben“, heißt es im Sachvortrag. Darüber hinaus vermindere die Überdachung den Energieaufwand der Kälteanlage und führe zu einer Reduzierung der Lichtemissionen. Der Ausbau umfasst drei Bereiche und die Maßnahmen sollen bis zum Jahr 2024 umgesetzt werden. Bei einem 80-Prozentigen Förderanteil des Bundes und Landes verblieben 920.500 Euro beim Landkreis.

Wertschöpfung 3,3 Millionen jährlich

Markus Aschauer, Betriebsleiter der Eisarena Königsse und Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, präsentierten dem Kreisausschuss noch wirtschaftliche und sportliche Eckdaten der Kunsteisbahn. Aus 8.800 Übernachtungen bedeute eine Wertschöpfung von einer Million Euro für die Region allein für die internationalen Wettbewerbe und Trainingswochen. Weitere 678.000 Euro werde bei nationalen Veranstaltungen erzielt und knapp 200.000 Euro aus dem Betrieb des Rennbob-Taxi. Durch zwei Weltcup-Veranstaltungen erfahre die Region eine weltweite Medienpräsenz von über 146 Stunden und erreiche mehr als 103 Millionen Zuschauer. Die Wertschöpfung für Berchtesgaden und die umliegenden Gemeinden beziffert Thomas Schwab mit jährlich 3,3 Millionen Euro.

Bei so vielen Erfolgen fällt es schwer sich gegen eine Fortsetzung der Modernisierung auszusprechen. Kreisrätin Elisabeth Hagenauer (Grüne) verwies auf 30 Millionen Euro an Steuergeldern die bereits in die Bahn geflossen seien. Die Förderung des Spitzensports sei keine kommunale Aufgabe. Bereits der Bauunterhalt koste den Landkreis jedes Jahr 130.000 Euro, „ein schöner Batzen Geld“, kommentiert die Kreisrätin.
Agnes Thannbichler (ÖDP) pflichtete dem vollumfänglich bei. „Noch dazu in diesen schweren Zeiten, in denen Kinder geistig wie körperlich durch die Coronamaßnahmen stark betroffen sind, sollten solche Luxussanierungen, für die der Landkreis immerhin eine Million Euro aufbringen muss, hinten anstehen. Auch für Elisabeth Hagenauer bezeichnete es als „einen schlechter Zeitpunkt, dem Bürger das zu vermitteln. Viele stehen aktuell vor den Scherben ihres Unternehmens und kämpfen um ihre Existenz“, bekräftigt sie. Kreisrat Dr. Bernhard Zimmer (Grüne) schloss sich der Kritik an. „Der Bund müsste 100 Prozent der Kosten übernehmen. Hier böte sich ihm eine gute Gelegenheit die Kommunen zu entlasten. Die Maßnahme ist ein „nice to have“, also als nicht unbedingt notwendig. Dafür als Landkreis eine Million Euro zu investieren halte ich für falsch. Damit begründeten die Grünen geschlossen ihre Ablehnung des Vorhabens. Ebenso lehnte Hans Metzenleitner (SPD) ab. Man müsse sich als Landkreis auf dringende Aufgaben konzentrieren. Nicht umsonst hätte man im Sommer eine Prioritätenliste erarbeitet.

CSU und FWG für die Modernisierung

Geschlossen hinter dem Antrag stellten sich CSU und FWG. Für Kreisrat Richard Lenz (FWG) ist die internationale Bekanntheit und Bedeutung der Bahn nicht mit Geld aufzuwiegen. Man habe zudem der Modernisierung, Ausbau und Erweiterung längst zugestimmt und „wer damals „A“ gesagt hat, der muss heute auch „B“ sagen und die Sache zu einem guten Ende bringen.“ Kreisrat Thomas Weber (CSU) betonte die Nähe zur CJD-Eliteschule am Dürreck, die Bedeutung als Olympiastützpunkt, die Nachwuchsarbeit und die räumliche Nähe, denn „die Sportler brauchen nicht weit herumfahren. Sie finden alles hier vor Ort. Wir haben eine bestehende Anlage, müssen nichts Neues bauen und sollten uns auch weiter um Verbesserungen bemühen.“ Ebenso bekräftigte Landrat Bernhard Kern, dass man auf einer internationalen Ebene mit Investitionen Schritt halten müsse, um nicht abgehängt zu werden. Dennoch wolle er ’nach oben hin‘ Druck ausüben, um bei Land und Bund eine noch höhere Kostenbeteiligung zu bewirken. Kreisrat Hans Feil (CSU) könne die aktuellen Einwände gut nachvollziehen, die Lage sei angespannt. Es gelte aber die Anlage in einem guten Zustand zu erhalten und weiter zu verbessern.

Kein „nice to have“

Zu guter Letzt meldete sich noch einmal Thomas Schwab zu Wort. Er verwehrte sich gegen die Vorwurf, dass die Maßnahmen lediglich ein „nice to have“ seien. „Eine Überdachung ist zwingend notwendig, denn sonst entsprechen wir nicht mehr den internationalen Standards. Wir fallen dann bei der Vergabe internationaler Wettkämpfe hinten runter und das wäre der Anfang vom Ende der Lotto Bayern Eisarena am Königssee.“

Mit 9 zu 6 Stimmen empfiehlt der Kreisausschuss dem Kreistag den Neubau der Überdachung und Beleuchtung der Kunsteisbahn am Königssee. Die Planungskosten sollen bereits im Haushalt 2021 erfolgen, die baulichen Maßnahmen für 2022 eingeplant werden. „Die Maßnahme soll beim Bundesministerium des Inneren für Bau und Heimat angemeldet werden. Die Verwaltung wird beauftragt, nach erfolgter Förderzusage von mindestens 80 Prozent, das VGV-Verfahren für die Planersuche einzuleiten. Hierfür soll ein externer Rechtsbeistand beauftragt werden.“

Mehr Schutz vor häuslicher Gewalt

Kooperation mit Frauenhaus Rosenheim
Vereinbarung mit  Sozialdienst katholischer Frauen

Für Frauen die von häuslicher Gewalt betroffen sind, ist der erste Ansprechpartner die Polizei. Sie übermittelt den Fall dann mit einem unterschriebenen Fax an den Sozialdienst katholischer Frauen, der dann umgehend mit den Betroffenen Kontakt aufnimmt. „Ein pro-aktiver Prozess, der sich seit fünf Jahren bewährt hat“, erzählt auf Nachfrage Sozialpädagogin Sabine Weiß, Leiterin der landkreisübergreifenden Interventionsstelle. „Von 50 Frauen mit denen wir in Kontakt treten, nehmen 46 das Angebot an“, berichtet sie weiter. Die Zahl der Betroffenen nehme dabei kontinuierlich zu.

Image by Markus Winkler from Pixabay

Der Landkreis Berchtesgadener Land strebt darum einen Anschluss an das Frauenhaus Rosenheim an, denn er verfügt selbst über keine eigene Einrichtung. Der Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes stimmte dieser Lösung jetzt in seiner jüngsten Sitzung zu. Nach Paragraph 16a des Sozialgesetzbuches II ist es für den Landkreis eine Aufgabenverpflichtung, sich zum Schutz für von Gewalt betroffenen Frauen einem Frauenhaus „zuzuordnen“, verfügt man selbst über kein eigenes. Der Schutz muss rund um die Uhr sichergestellt sein. Im Sachvortrag heißt es, dass dieser Anschluss in der Vergangenheit aufgrund eines fehlendes Bedarfes nicht weiterverfolgt wurde. Das soll jetzt geändert werden.

Der Landkreis Berchtesgadener Land soll nun in einen Verbund mit den Landkreisen Traunstein und Rosenheim aufgenommen werden, für eine die Finanzierung betreffende Zweckvereinbarung mit dem Frauenhaus vom Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Südostbayern (SkF). Mit dieser Aufnahme ist eine Erweiterung des Platzangebotes im Frauenhaus in Rosenheim verbunden. Für den Landkreis Berchtesgadener Land bedeutet dies einen jährlichen finanzieller Aufwand von 5000 Euro für eine Beteiligung an den Personalkosten.

19.000 Euro für den SkF

Darüber hinaus benötige die Interventionsstelle SkF zum Ausbau der Beratung einen Zuschuss von 19.092 Euro um die Versorgungslücke für ein spezielles und weiterführendes Beratungsangebot zu schließen. Man will ein offenes Beratungsangebot für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen schaffen. „Dazu bedarf es einer Verdoppelung der bisherigen Stunden von 12 auf 24 Wochenstunden für die Landkreise Traunstein und Berchtesgaden. Im vergangenen Jahr wurde dieser Zuschuss mit der Förderzusage vom 24. September 2020 dem SkF zugesagt“, wird im Sachvortrag des Kreisausschusses festgehalten.

„Es besteht noch Handlungsbedarf“

Dabei habe man aber „wegen eines nicht eindeutigen Antrages des SkF“ die Förderung mit einer bereits gewährten jährlichen Unterstützung von 5.592 Euro verrechnet und dieser Betrag sei jetzt noch offen. „Das Beratungsangebot ist neben dem Anschluss an das Frauenhaus ein weiterer wichtiger Baustein, um das Hilfsangebot für unseren Landkreis für von Gewalt bedrohte Frauen vervollständigen zu können“, wird im Sachvortrag bekräftigt. Kreisrätin Elisabeth Hagenauer (Grüne) signalisierte zwar die Zustimmung ihrer Partei, sieht aber noch viel Handlungsbedarf. „Ein Platz reicht nicht. Gerade in schwierigen Zeiten unter den Corona-Maßnahmen verschlechtert sich die häusliche Situation der Frauen.“

Betreuung über Monate

Sabine Weiß vom SkF verweist auf die seelischen Wunden von misshandelten Frauen. „Es dauert häufig sieben Jahre, bevor sich Frauen öffnen, bereit sind darüber zu sprechen wenn sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Finanzielle Hilfe ist aber nur für drei Beratungen vorgesehen, dabei nimmt die Begleitung oft Monate in Anspruch.“ Sie verweist auch auf einen Grundsatz der im Gewaltschutzgesetz verankert ist und lautet: „Wer schlägt, muss gehen – das Opfer bleibt in der Wohnung.“

Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden für den Landkreis?

Branchenvertreter mit klarem Statement  Wirtschaftshilfe BGL zeigt sich zögerlich

Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger
Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger

Wie hoch ist der Schaden für den Tourismus mit den betroffenen Branchen von Hotellerie, Gastronomie, Handel und Freizeiteinrichtungen – von den Thermen bis zu den Bergbahnen – nach sechs Monaten Stillstand. Wie stellt sich die wirtschaftliche Lage im Landkreis dar, wollten wir als Redaktion wissen. Erster Ansprechpartner in der Region ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises. 

Sie unterstützt nach eigener Aussage mit einem Team von elf Mitarbeitern „Unternehmerinnen und Unternehmer umfassend, individuell und vertraulich“. Vor vier Wochen baten wir um aktuelle Zahlen, bis heute könne man dazu keine Angaben machen, „man wisse es ganz einfach nicht, arbeite aber daran“, ließ Geschäftsführerin Dr. Anja Friedrich-Hussong ausrichten. Jetzt steht endlich ein Termin fest. Wir haben uns vorher bereits umgehört.

Keiner nennt das Ausmaß
der Kollateralschäden

Interessiert hätte uns, wie hoch der Wirtschaftseinbruch für den Landkreis im Jahr 2020 ausfällt. Deutschlandweit sollen es fünf Prozent gewesen sein, in unserer vom Tourismus geprägten Region dürfte er höher ausfallen. Nach dem Wegfall des Weihnachtsgeschäftes bleiben im neuen Jahr für viele Unternehmer die Türen geschlossen. Sie dürfen nicht aufsperren, nicht vermieten und auch keine Gäste befördern oder bewirten. Ein Jahresumsatz von 487 Millionen Euro im Jahr 2019, laut Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif), zeigt die Bedeutung der Branche für das Berchtesgadener Land. Tourismusmanagerin Dr. Brigitte Schlögl bezifferte den Umsatzausfall für den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 bereits mit rund 50 Millionen Euro für den Landkreis.

Einbruch von 36 Prozent

Dehoge-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann

„Ein überaus starker Sommer verhinderte zwar das Schlimmste“, bekennt Dehoga-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann, „die Reisen ins Ausland waren ja nur erschwert möglich, doch die Einbrüche im Landkreis liegen zwischen 16 und 36 Prozent, je nach Region.“ So verlor Berchtesgaden im Jahr 2020 knapp 370.000 Übernachtungen und Bad Reichenhall mit Bayerisch Gmain 353.000 Übernachtungen. Für Bad Reichenhall aber bedeutet dies bei insgesamt nur 958.000 Nächtigungen ein Minus von 36 Prozent. Die fünf südlichen Landkreisgemeinden brachten es 2019 auf 2,27 Millionen Nächtigungen. Dazu verzeichnete der Landkreis jährlich noch knapp sechs Millionen Ausflugsgäste, die seit Oktober 2020 weitgehend ausbleiben. Je Tagesgast wird ein Umsatz von 24,80 Euro zugrunde gelegt.
Ein aktuelles pdf dazu hier: dwif-wirtschaftsfaktor-tourismus-bgl

Rücklagen aufgebraucht – 
Griff nach der Altersvorsorge

Wieninger Schwabenbräu überbrückt mit einem Außer-Haus-Verkauf.

Wie hoch der angerichtete Schaden dabei ist, kann auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Berchtesgadener Landes aktuell nicht benennen. Wie viel Unternehmerinnen und Unternehmer haben ihre Rücklagen aufgebraucht, teilweises sogar ihre Altersvorsorge investiert? Wie viele „arbeitslose Selbständige“ zählen wir im Landkreis? Wie viele Fachkräfte wenden sich von der Branche ab? Zu all dem gibt es keine Angaben und gerade sie wären zur Beurteilung der Lage wichtig. Erschwerend wirken sich darüber hinaus die verzögerten Hilfen aus. „Erst wenn klar ist was bei den Betrieben ankommt, kann man Bilanz ziehen und das kann noch dauern“, gibt Johannes Hofmann zu denken.

Wirte leben von Hartz IV
Tourismus ohne Zukunft

Tische stehen auf der Bergstation der Jennerbergbahn keine mehr, auch Gäste bleiben seit einem halben Jahr aus. Der Betrieb musste schließen.

Er macht sich Sorge um die Zukunft der Branche: „Ich kenne erste Wirte die Hartz IV beziehen und erste Köche und Servicekräfte die in die Verwaltung, das Handwerk oder in die Dienstleistungsbranche wechseln.“ Noch vor einem Jahr zeichnete sich die Tourismusbranche durch Innovation, Internationalität, Wachstum und einen guten Ruf aus. Das ist jetzt nachhaltig vorbei, „wer will in einer unsicheren Branche noch seine berufliche Zukunft investieren?“ fragt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Selbst Landrat Bernhard Kern, der die negativen Auswirkungen für das Berchtesgadener Land fürchtet, zeigt sich laut seiner jüngsten Pressemeldung „fassungslos über die jüngsten Beschlüsse der Staatsregierung“, sieht die Belange des Landkreises nicht berücksichtigt.

Wo bleiben
die Gelder und Hilfen?

Zu der wirtschaftlich angespannten Situation der Branche kommt noch die schleppende Auszahlung versprochener Hilfen. Hannes Lichtmannegger vom Hotel Rehlegg in der Ramsau, und mit ihm auch alle anderen betroffenen Unternehmen im Landkreis, können erst jetzt im März die Oktoberhilfe beantragen. „Und dabei haben wir aufgrund der Zwangsverordnung des Landkreises über Nacht bei Vollbelegung alle Gäste nach Hause schicken müssen“, erinnert der Hotelier. Für den gesamten Zeitraum von Oktober bis November seien bislang nur 150.000 Euro Überbrückungshilfe geflossen, bei einem Umsatzausfall von zwei Millionen Euro.

Nicht jeder
bekommt einen Kredit

Auch bei der Rupertustherme in Bad Reichenhall „geht nichts mehr“. Parkplatz und Therme sind seit sechs Monaten geschlossen.

“Die Hilfen für November wurden erst im Februar ausbezahlt und für Dezember und Januar sind ebenfalls noch keine Gelder angewiesen“, ergänzt er. Zudem müsse er als Unternehmer das Kurzarbeitergeld für die Angestellten am Monatsanfang ausbezahlen, bekommt es aber erst drei, vier Wochen später wieder erstattet, abzüglich des Arbeitgeberanteils. „Ich schätze mich heute glücklich, dass ich sofort das Gespräch mit meiner Hausbank gesucht habe und sie mir für diese schwere Zeit einen großzügigen Kredit gewährte. Den muss ich natürlich wieder zurückzahlen, größere Investitionen in den Betrieb sind damit für die nächsten Jahre erst einmal gestoppt“, bekennt Hannes Lichtmannegger. Nicht alle Hoteliers und Gastronomen dürften in dieser glücklichen Lage sein. „Bei Pachtbetrieben oder jungen Unternehmen wird es nur bedingt Kredite geben, um sich über diese Monate zu retten“, räumt Johannes Hofmann ein. „Die Situation vieler Betriebe wird zunehmend äußerst kritisch, weder ein Aufatmen durch Umsätze während der Weihnachtszeit, noch die Winter- und Skisaison konnten die schreckliche Situation in den Betrieben verbessern“, führt er in einem persönlichen Schreiben als Dehoga-Kreisvorsitzender an den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aus.

Klare Ansage der Bürgermeister

An ihn wandten sich bereits am 15. Februar alle fünf Bürgermeister des südlichen Landkreises sowie Dr. Bartl Wimmer, Vorsitzender des Zweckverbandes Tourismusregion Berchtesgaden- Königssee, und die Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen und vom Markt Oberstdorf. Sie bezeichnen den Tourismus in der Alpenregion für eine stabile Wirtschaftslage als unverzichtbar und warnen vor der Abwanderung von qualifizierten Fachkräften, denn „die Qualität in den touristischen Betrieben hängt stark von geeignetem Personal ab.“ Zudem „stößt eine mangelnde Planungsperspektive Gäste ab. Buchungen erscheinen unsicher und werden vermieden.“

Nichts für Ferienwohnungen

Sie appellieren bereits im Februar an den Ministerpräsidenten Markus Söder, Beherbergungsbetriebe, Gastronomie und Ausflugsziele gleichzeitig zu öffnen, denn „sonst verliert der Aufenthalt in der Urlaubsregion zu stark an Attraktivität.“ Ein in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommener Aspekt der Lockdowns ist die Schließung von nichtgewerblichen Privatvermietern und Ferienwohnungen. Die Bürgermeister treten auch für sie ein. „Sie zahlen wie jeder andere Betrieb Steuern und Gebühren, erhalten aber trotz großer Umsatzeinbußen keine finanziellen Hilfen.“

Protest gegen das Straßenbauamt

Die Lokalzeitung, das „Reichenhaller Tagblatt“, berichtete jüngst über die Vorhaben das Straßenbauamtes Traunstein zur Verbesserung der Verkehrssituation im Reichenhaller Talkessel. Problematisch wirkt sich der Transitverkehr aus, und hier der hohe Anteil an LKW, die über das „kleine deutsche Eck“ ihre Fahrten zwischen Salzburg und Tirol abkürzen. Abhilfe würde für das Staatsbad Bad Reichenhall eine leistungsfähige Ortsumfahrung schaffen, die jetzt zum fünften Male im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen ist, seit 2016 sogar wieder als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft. Das Straßenbauamt Traunstein allerdings verweigert eine entschlossene Umsetzung, sieht sich laut eigener Aussage personell dazu nicht in der Lage. Der Verein „Reichenhall pro Kirchholztunnel e.V.“ hat zu dem Artikel „Kirchholztunnel auf Eis gelegt“ vom Freitag, 26.02.2021, in einer Presseerklärung seinen Protest geäußert. Wir veröffentlichen hier das Schreiben an die Regionalzeitung vom zweiten März 2021.

Straßenbauamt Traunstein
festigt den Missstand

Nun also ist es amtlich, das Staatliche Bauamt in Traunstein (STBA) sieht sich nicht in der Lage, die Planung für eine leistungsfähige Ortsumfahrung von Bad Reichenhall und deren Verwirklichung umzusetzen. Es besteht zwar seit 2016 der vom Bund festgeschriebene Bundesverkehrswegeplan, und damit auch ganz offiziell der Auftrag an das STBA zur Umsetzung, doch seit Jahren verweist man auf fehlendes Personal. Selbst über das Verkehrsgutachten vom Herbst 2020 hüllt sich das STBA in tiefem Schweigen, bis heute ist darüber nicht einmal der Stadtrat von Bad Reichenhall informiert. Dabei bedankte sich Staatsministerin Kerstin Schreyer noch im Oktober 2020 beim Verein „Reichenhall pro Kirchholztunnel e.V.“ für die entsprechende Nachfrage. Die Ministerin bat um Geduld, das STBA in Traunstein werde das Gutachten noch dem Stadtrat präsentieren. Seitdem sind vier Monate vergangen und es ist wieder einmal nichts passiert. Grundlage des Gutachtens war übrigens eine Verkehrserhebung aus dem Jahr 2019. Auch hier brauchte die Behörde ein Jahr, um belastbare Rückschlüsse zu ziehen.

40.000 Fahrzeuge noch erträglich
für das Staatsbad ?

Darüber hinaus gibt es einen Stadtratsbeschluss vom April 2019, in dem man sich für eine Fortschreibung des Projektes aussprach und eine Verbesserung der kritischen Knotenpunkte forderte. Stattdessen präsentiert das STBA jetzt einen Gutachter, der die Verkehrssituation in Bad Reichenhall noch bis in das Jahr 2035 hinein als „noch verträglich“ bezeichnet. Damit stellt sich die Frage, warum alle anderen Gutachter, die für die Einbindung der Ortsumfahrung von Bad Reichenhall in den ‚Vordringlichen Bedarf‘ des Bundesverkehrswegeplanes stimmten, offenbar zu einem ganz anderen Schluss kamen. Selbst im Mobilitätskonzept des Landkreises wird die Umfahrung als dringend notwendig eingestuft.

Umfahrung seit 1970 gefordert

Ebenso eindeutig äußerste sich das Bundesministerium für Verkehr im November 2017 zur Situation: „Eine Ortsumfahrung von Bad Reichenhall ist bereits seit 1970 Bestandteil der Bedarfspläne. Das heißt, seit langer Zeit laufen bereits Bemühungen der Bayerischen Straßenbauverwaltung, die verkehrlich schwierige Situation in Bad Reichenhall mit seiner engen Tallage und dem hohen Durchgangsverkehr verkehrlich zu verbessern.“

Beim Durchgangsverkehr wiegen vor allem die LKW mit einem Anteil von bis zu 20 Prozent schwer. Eine Verkehrssituation, die für die nächsten 15 Jahre als „noch verträglich“ eingestuft wird, kann kein Kriterium für ein Staatsbad gegen Erkrankung der Atemwege sein. Die Stadt Bad Reichenhall aber übt sich in vornehmer Zurückhaltung, der Leidensdruck scheint noch nicht groß genug zu sein. Hingegen tut das Bauamt in Traunstein alles dafür, um die B20/ B21 für den Transitverkehr zu sichern und auszubauen:

Weg frei für den LKW-Transitverkehr

Ausbau am Bodenberg bei Melleck, Ausbau und Beruhigung der Staatsstraße 2101 in Richtung Thumsee, Ausbau und umfassende Lärmschutzmaßnahmen an der B20 in Unterjettenberg, der Bau einer großen Galerie und jetzt in Bad Reichenhall die Sanierung der „TÜV-Brücke“ und die Sanierung der Saalachbrücke nach Piding. Selbst der Vollanschluss der Bundesstraße B21 am Autobahngrenzübergang Walserberg soll vollzogen werden. Nur mit der Schaffung einer leistungsfähigen Ortsumfahrung für Bad Reichenhall scheint das Staatliche Bauamt in Traunstein komplett überfordert zu sein. Es drängt sich uns, als betroffene Anwohner, der Verdacht auf, dass neben der Unfähigkeit der fehlende Wille dazu kommt, eine seit 50 Jahren als notwendig eingestufte und für Bad Reichenhall zukunftsweisende Ortsumfahrung mit dem gebotenen Nachdruck auszuführen.

Mehr Infos zu „den Turbulenzen“ um die Ortsumfahrung lesen Sie unter: https://proreichenhall.wordpress.com/

Hier der Artikel des Reichenhaller Tagblatts