Leere Strände und Plätze in Italien

Der große Run bleibt aus
Die Lockdowns hallen nach

Sieben Monate im Lockdown und der Sommer hält im Mai zögerlich seinen Einzug. Unser Verlangen nach Freizeit ohne Einschränkungen und Urlaub steigt. 9 Grad sind eindeutig zu kalt, in Italien immerhin 24 Grad und Sonne. Doch was ist möglich in dieser von der Corona-Pandemie geprägten Zeiten, wie ist die Stimmung? Wir wagen früh den Versuch und starten am 15. Mai zu unserem italienischen Urlaubsdomizil, zu unseren seit Jahren bevorzugten Campingplatz zwischen Jesolo und Venedig. Die Quarantäne-Pflicht wurde ja beendet und eine Impfung oder PCR-Test für die Einreise und erholsamen Urlaub reichen aus.

Sehnsuchtsort: Strand, Sonne, Meer. Richtig heiß wird es erst im Juni. Das Klima und die Meerluft stärken aber auch so die Gesundheit, das Immunsystem und natürlich das Rundum-Wohlgefühl. Fotos: Gerd Spranger

Bereits vor einem Jahr, im Juni 2020, eine Woche nachdem Italien wieder für Urlauber öffnete, machten wir unsere ersten Erfahrungen, wie die Menschen mit den massiven Einschnitten umgehen. Signifikant war die Belegung zu etwa nur 40 Prozent auf dem Campingplatz, in einer Jahreszeit, in der der Platz sonst weitgehend ausgebucht ist. Es war ein erholsamer und ruhiger Urlaub mit weiten Spaziergängen und idyllischer Stimmung. Was erwartet uns 2021, jetzt wo Reisen an die Adria wieder möglich ist? So früh in der Saison waren die Plätze in den letzten Jahren etwa zu einem Drittel belegt. Wird es 2021 einen Run geben oder sind die Menschen weiter zurückhaltend?

Allein auf der Autobahn

Die Antwort fanden wir bereits bei der Anreise. Zwischen Salzburg und Udine zählten wir keine zehn Wohnmobile oder Wohnwagen auf der Autobahn. Waren wir etwa zu früh dran? Öffnete Italien erst am 16. Mai? Was ist los, was erwartet uns? Keine Kontrolle an der italienische Grenze und auch unterwegs nicht. Nach fünf Stunden und 450 Kilometern stehen wir dann an der Einfahrt zu unserem Domizil auf Zeit, alleine. Ein aktueller PCR-Test ist ausreichend, Quarantäne nicht mehr nötig, der Urlaub kann beginnen. Wir fahren ein in den Platz mit Kapazitäten für 5500 Gäste. Im Mai 2021 aber sind kaum Bungalows oder Zelte belegt, auf dem großen Areal der Stellplätze, die sich auf einer Länge von einem Kilometer zum Meer hinziehen, stehen sechs einsame Wohnmobile, in der Zone C kein einziger. Wir haben das Gefühl, allein zu sein auf dem Platz. Wo sind die Menschen?

Einsam steht unser Zelt-Caravan auf dem Platz. Wir genießen die Ruhe und lange Spaziergänge.

Am ersten Tag genießen wir die Ruhe, die Idylle, das Meer, den Strand und natürlich ‚unsere‘ Sunshine Strandbar von Omar, bei der wir seit zehn Jahren immer wieder gerne zu Gast sind, neben zahlreichen italienische Urlaubern und Einheimischen, man spricht aber deutsch. Wie sieht es auf den anderen Plätzen in der Nachbarschaft aus? Bei ausgedehnten Strandspaziergängen besuchen wir vier weitere. Überall das gleiche Bild. Kaum Gäste an der Adria. Zugegeben, es ist noch früh im Jahr, nachts Regen und die Pfingstferien beginnen erst in einer Woche. Das Meer ist noch kalt, und bestenfalls bei strahlender Sonne zu genießen, dazu das Wetter wechselhaft. Das milde Klima aber, der stetige Wind vom Meer, das sanfte Brausen der Wellen, die auf den gepflegten feinen Sandstrand auflaufen, das alles tut der Seele, dem Körper und Geist gut.

Italien im Mai: Leere Strände und leere Plätze bei zu kaltem Wetter. Dennoch: Sehnsuchtsort, mildes Klima und immer eine Brise vom Meer her. Wir kommen wieder.

Nach einer Woche wandelt sich das Bild kaum. Der Platz zählt nun 50 Wohnmobile und Cravans, wo sonst 500 stehen. Besonders beliebt ist die sonnige Ecke hin zur Sunshine-Bar, hier stehen die Wohnmobile eng an eng, ansonsten gähnenden Leere. Es sind fast ausschließlich Wohnmobile, der Anteil an Caravans geht seit zehn Jahren beständig zurück. Für viele Menschen ist es die neue Form des schnellen und leichten Reisens, wenn sie uns denn lassen. Die Heimfahrt starten wir nach einem letzten „Strand-Cappuccino“ bei 24 Grad in der Sonne und werden in Arnoldstein mit sieben Grad und Schnee auf den Bergen begrüßt. Willkommen im Urlaub, willkommen in Italien, es sind noch Plätze frei, daheim ist es viel zu kalt.

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Parkplätze und Autobahn bieten ein ungewohntes Bild. Es sind keine Wohnmobile oder Wohnwagen unterwegs, auch sonst herrscht wenig Verkehr am zweiten Maiwochenende.

Schule, Wirtschaft und Corona

Aus der Sitzung des Kreisausschusses vom 12. Mai 2021

Drei Fremdsprachen für das Rottmayr-Gymnasium in Laufen

Noch nie habe der Schulleiter des Rottmayr-Gymnasium, Oberstudiendirektor Maurice Flatscher, in Laufen eine so uneingeschränkte Zustimmung von Lehrern, Eltern und Schülern erfahren, bekannte er in seinem Sachvortrag vor dem Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes. Das Anliegen ist die Einrichtung einer Fremdsprachenfolge mit drei modernen Fremdsprachen, nämlich Englisch, Französisch und Spanisch an dem Laufener Gymnasium. Zustimmung für diese Pläne, die ab dem Schuljahr 2022/23 umgesetzt werden sollen, gab es nach Rücksprache auch mit dem Schulleiter des Karlsgymnasiums in Bad Reichenhall. Der Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes empfiehlt dem Landkreis als Sachaufwandsträger einstimmig, dieser Änderung zuzustimmen. Die letzte Entscheidung allerdings liege beim Kultusministerium, räumt Maurice Flatscher ein.

Hintergrund des Anliegens ist die geringe Akzeptanz der Schüler für den sprachlichen Zweig mit Englisch, Latein und Französisch. Spanisch wird bislang nur ab der 11. Klasse optional angeboten. Belegten vor zehn Jahren noch 70 Schüler den sprachlichen Zweig, sind es heute mit 37 Schülern nur noch gut die Hälfte. „Dadurch ist der sprachliche Zweig gefährdet und die kleinen Gruppen von sieben bis neun Schülern belasten das Stundenbudget der Lehrer enorm“, trägt Schulleiter Flatscher vor. Im aktuellen Lehrplan des Gymnasiums mussten alle Schüler, die als zweite Fremdsprache nicht Latein sondern Französisch wählten, sich bereits automatisch in der fünften Jahrgangsstufe für den naturwissenschaftlichen Zweig entscheiden. Das sei zu früh, sind sich Lehrer und Eltern einig. Ab 2022 habe man dann bis zur siebten Jahrgangsstufe die Option für den Naturwissenschaftlich-Technischen Bereich (NTG) oder für das Sprachliche Gymnasium. Im NTG erhalten die Schüler in den Fächern Physik, Chemie und Informatik ab der achten Klasse einen vertiefenden Unterricht. Mehrkosten für die Umstellung belaufen sich für den Landkreis durch Mehrausgaben für neue Schulbücher auf jährlich 1150 Euro.

650.000 Euro für die Berchtesgadener Land
Wirtschaftsservice GmbH

Der Wirtschaftsservice des Berchtesgadener Landes verwaltet ein jährliches Budget von von einer Million Euro (1.020.000,- €). Den größten Anteil trägt mit 650.000 Euro der Landkreis Berchtesgadener Land und mit 130.000 Euro Sponsoring die Sparkasse Berchtesgadener Land. Durch Projektförderungen nimmt der Wirtschaftsservice nochmals 180.000 Euro ein und durch das Bayerische Regionalmanagement weitere 60.000 Euro. So sieht es zumindest der Wirtschaftsplan für das Jahr 2021 vor, dem der Kreisausschuss jetzt einstimmig zustimmte und dem Kreistag damit eine eindeutige Empfehlung aussprach. Bei den Ausgaben belasten die Personalkosten mit 790.000 Euro fast 80 Prozent der Einnahmen. 600.000 Euro werden dabei an Aufwendungen für „unbefristetes Personal“ ausgewiesen. Im Stellenplan werden knapp 10 vollzeitäquivalente Stellen ausgewiesen, darunter 1,6 für Teilzeitstellen und einen Praktikumsplatz. „In der Julisitzung des Kreistages wird die Geschäftsführerin des Wirtschaftsservice BGL, Dr. Anja Friedrich-Hussong, über die aktuellen Projekte berichten“, informierte Nicole Fegg den Ausschuss.

Landrat Bernhard Kern informiert

  • Seit Oktober 2020 unterstützt die Bundeswehr, bedingt durch die Corona-Pandemie, personell das Landratsamt Berchtesgadener Land. Die Kooperation laufe jetzt aus und „es wird mit Brigadekommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Brigadegeneral Maik Franz Josef Keller, im Landratsamt noch eine kleine Verabschiedung geben“, informierte Landrat Bernhard Kern und richtete seinen Dank an die Soldaten und Soldatinnen für ihren Dienst.
  • Einen holprigen Start gab es bei der Grenzöffnung für den „Kleinen Grenzverkehr“, ein Mitglied des Kreisausschusses wurde eine Stunde aufgehalten. Landrat Bernhard Kern versprach aber, dass ab dem Wochenende alles reibungslos funktionieren werde und es ab dem 19. Mai wieder mehr Freiheiten für die Bürger gäbe.
  • Trotz Bemühungen des Landratsamtes, unter Verweis auf die besondere Situation des Berchtesgadener Landes, sei es nicht gelungen, die Außengastronomie bereits für den Vatertag öffnen zu können. Leider habe man in München dafür kein Verständnis gezeigt. Man sei aber hoch erfreut, heute am 14. Mai, endlich grünes Licht für die Gastronomiebetriebe geben zu können.
  • „Endlich wieder einen eigenen Amtsarzt für das Gesundheitsamt“, wünscht sich Landrat Bernhard Kern. Die Ausschreibung dafür sei bereits erfolgt und die Regierung von Oberbayern habe dem zugestimmt. Seinen Dank richtete der Landrat an Dr. Rüttger Clasen und Dr. Reinhard Reichelt sowie an alle Haus- und Fachärzte für ihre Kooperation und Hilfe.

Leidenschaftlicher Appell

Einen leidenschaftlichen Appell richtete Kreisrätin Agnes Thannbichler (ÖDP) an den Kreisausschuss. Der Landkreis müsse alles dafür tun, um die Inzidenz bei Corona weiter niedrig zu halten. „Es geht dabei vor allem um unsere Kinder und Enkel. Sie tragen in ganz besonderer Weise die Last dieser Pandemie. Sie dürfen durch die einschränkenden Maßnahmen in ihrer persönlichen und schulischen Entwicklung nicht zurück bleiben. Es ist unsere Aufgabe hier zu helfen,“ bekräftigt sie. Dabei verwies Agnes Thannbichler auf andere Landkreise, in denen Studenten für schulische Nachhilfe gewonnen werden konnten. „Wir müssen die Kinder auffangen, sie nicht alleine lassen, ihnen auch bei der persönlichen Aufarbeitung von Defiziten helfen, sie brauchen soziale Unterstützung“, fordert die Kreisrätin weiter.

Aus dem Kreisausschuss: Testpflicht, Amtshilfe, Zuschüsse und Bürgerbegehren

Testpflicht für Kommunalpolitiker

Unmittelbar nach Inkrafttreten des Bundes-Lockdowns am 24. April hat das Landratsamt Berchtesgadener Land am Montag, den 26. April, die Mitglieder der Gremien des Kreistages über eine Testpflicht auf Coronaviren informiert. Die Entscheidung des Landratsamtes stützt sich nach Auskunft der Pressestelle auf eine Mitteilung des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren für Sport und Integration. Damit sei durch das Hausrecht und das Recht zur Ausübung der Sitzungsordnung die Verpflichtung zum Testen für alle Teilnehmer der Ausschusssitzungen des Landkreises gegeben. Die Kommunalpolitiker müssen nun ebenso wie die Vertreter der Presse und Besucher eine vollständige Impfung oder einen Test nachweisen, um ihren kommunalpolitischen und gesellschaftlichen Pflichten nachgehen zu können. Wörtlich heißt es in der Einladung zur Sitzung: „Eine Testung ist für jede/n Teilnehmer/in (Kreisräte/in, Vertreter der Presse, Zuhörer, Verwaltung) verpflichtend. Von der Testpflicht ausgenommen sind Personen, die bereits die zweite Impfung vor mindestens 14 Tagen bekommen haben. Ein entsprechender Nachweis ist bereit zu halten.“

Bürgerbegehren und Bürgerentscheide

Erst 1995 wurde im Wege der direkten Demokratie das Recht auf kommunale Bürgerbegehren und Bürgerentscheiden in die Bayerische Verfassung aufgenommen. So besteht auch für den Landkreis Berchtesgadener Land eine eigene Satzung für Bürgerbegehren (BBG) und den daraus resultierenden Bürgerentscheiden. Die letzte Änderung erfolgte im Jahr 2013 und muss jetzt, vor allem durch die neue Corona bedingte Situation, erneut angepasst werden. Aber auch ganz allgemein habe der Gesetzgeber zwischenzeitlich Vorschriften geändert und der Landkreis und die Gemeinden hätten ihre eigenen Erfahrungen sammeln können.

Der Kreisausschuss stimmte darum über 65 von der Verwaltung vorgeschlagenen Änderungen und Ergänzungen ab. Letztlich gehe es auch um „Gründe der Rechtssicherheit und um die Erfüllung gewisser demokratischer Mindeststandards“, hieß es in der Begründung. Neueste und wohl wichtigste Änderung ist, dass die Abstimmung ausschließlich mit Briefwahl erfolgen kann. Dafür müssen „alle Stimmberechtigten spätestens am 21. Tag vor der Abstimmung von Amts wegen Abstimmungsscheine und Briefabstimmungsunterlagen erhalten.“

Neu aufgenommen in die Satzung wurde ein Passus zur Rücknahme des Bürgerbegehrens, wenn „sich die Abstimmungsfrage sachlich vollständig erledigt hat.“ Gedacht wurde jetzt auch an Menschen mit Behinderung, die etwa des Lesens unkundig sind. Hier ist eine Unterstützung, „beschränkt auf technische Hilfe“, durch eine andere Person möglich. Ausdrücklich wird eine missbräuchliche Einflussnahme zur Änderung einer selbstbestimmten Willensbildung dabei ausgeschlossen und in Paragraph 16 darauf hingewiesen, dass selbst der Versuch dazu strafbar ist.

Mehrkosten von 4000 Euro für die BBG entstünden künftig bei „Erfrischungsgelder für die Abstimmungsvorstände und Briefabstimmungsvorstände“ mit insgesamt 14.000 Euro. Die Gesamtkosten für einen Landkreis-Bürgerentscheid werden mit rund 77.000 Euro angegeben, wie etwa der Bürgerentscheid für eine Olympiabewerbung aus dem Jahr 2013 gezeigt habe. Der Kreisausschuss empfiehlt dem Kreistag einstimmig die Änderung der Satzung anzunehmen.

Amtshilfevereinbarung
zwischen Landkreis und Gemeinden

Mit der Anpassung der Landkreissatzung für Bürgerbegehren (siehe gesonderter Bericht) soll auch die Amtshilfevereinbarung durch einen Vertrag zwischen dem Landkreis und den Kommunen geregelt werden. In diesem Zuge sollen „kleinere redaktionelle Anpassungen“ erfolgen und Erfahrungswerte einfließen. Der Kreisausschuss empfiehlt in seiner jüngsten Sitzung dem Kreistag einstimmig den vorgelegten Entwurf der Verwaltung anzunehmen. Der Vertragsentwurf werde dann den Gemeinden unterbreitet und bei Annahme würde mit den 15 Kommunen jeweils Einzelverträge unterzeichnet werden. Die Amtshilfevereinbarung zu Bürgerbegehren und Bürgerentscheide umfasst die Überprüfung von Unterschriftenlisten zur Abklärung von Antragsberechtigungen der Unterzeichner. Der Landkreis erstattet die Kosten dafür mit 60 Cent je geprüfter Person. Näher geregelt wird darüber hinaus die konkrete Durchführung eines Bürgerentscheides. Die Kosten für die Prüfung der Unterschriftenlisten sollen, je nach Zahl der geleisteten Unterschriften, um bis zu 66 Prozent erhöht werden. Angesetzt sind 2.800 bis 5.000 Euro.

Zuschuss für die Philharmoniker

Im März 2021 stellten die Bad Reichenhaller Philharmoniker den Landkreis um einen Zuschuss-Antrag von 100.000 Euro an den Landkreis. Sie begründeten die Mehrkosten von 10.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr mit der Anpassung an Tarifverträge. Allerdings weise der Wirtschaftsplan bei voller Förderung einen Jahresüberschuss von 5.083 Euro aus. Die Verwaltung des Landkreises sieht darum eine Förderung von 95.000 Euro als ausreichend an. Der Kreisausschuss folgte der Empfehlung und stimmt einstimmig zu. Landrat Bernhard Kern will es als Zeichen der Wertschätzung von Kultur verstanden wissen. Dem schloss sich der Oberbürgermeister von Bad Reichenhall, Dr. Christoph Lung, an. „Auch die Stadt Bad Reichenhall unterstützt die Philharmonie erheblich“, bekräftigte er.

Weniger Kosten
für Eltern in der Tagespflege

Mit monatlichen Zahlungen von 140 Euro für die Kindertagespflege wurden Eltern auch während der Corona-Pandemie belastet, obwohl ein staatliches Betretungsverbot in der Versorgung von Kindern bestand, ausgenommen einer Notbetreuung, die aber nicht alle Kinder nutzen konnten. Der Freistaat Bayern hat nun eine Richtlinie erlassen, um „Eltern nicht mit einer Zahlung zu belasten und den Trägern eine Kompensation zu bieten.“ Für die Monate Januar bis Mai 2021 sollen darum keine Beiträge erhoben oder diese bis zum 31. September 2021 wieder erstattet werden. Eingeschränkt wird die Erstattung allerdings, wenn die Notbetreuung monatlich an sechs Tagen und mehr in Anspruch genommen und von den Trägern keine weiteren Kosten- oder Elternbeiträge erhoben wurden. Dieser an sich logische Vorgang, nämlich keine Kosten zu erheben wenn keine Betreuung stattfindet, ist auf dem Verwaltungsweg aber nicht einfach. Die Leistungen des Landkreises für die Kindertagespflege konnten nämlich nicht eingestellt werden. Sie wurden im ursprünglichen Leistungsumfang fortgeführt, um die Möglichkeit einer Notbetreuung aufrecht zu erhalten. Es bestand also Handlungsbedarf. Der Kreistag empfiehlt dem Kreistag darum „abweichend von der Satzung der Kindertagespflege auf eine Kostenbeitragsforderung zur Entlastung für Eltern in der Tagespflege für die Monate Januar bis März 2021 sowie unter Voraussetzung der Richtlinie auch für die Monate April und Mai 2021 abzusehen.“ Darüber hinaus soll die Verwaltung beauftragt werden, die staatliche Förderung des Freistaates Bayern zu beantragen.

Auf in goldene Zeiten

K O M M E N T A R

Die Medien machen Stimmung, ein Silberstreif, ja ein strahlender Sonnenaufgang scheint am Horizont sichtbar. Schnell sollen die dunklen Coronajahre vergessen werden, obwohl man noch gar nicht weiß, ob sie überhaupt überwunden sind. Der Wirtschaft tut’s keinen Abbruch. Das von Wirtschaftsminister Altmaier kürzlich präsentierte Wirtschafts-Gutachten geht sogar von einem deutschlandweiten Plus von 3,5 Prozent aus. Corona scheint es die ersten vier Monate des Jahres 2021 nicht gegeben zu haben, zumindest was die Wirtschaft betrifft. Der Pulsschlag werde dabei vom Export, internationalen Lieferketten und gefüllten Auftragsbüchern bestimmt. Ebenso dürften sich die großen Handelsglobalisten wie Edeka, Lidl, Aldi und Co bester Umsätze erfreuen.

Es scheint im Lande keine Rolle zu spielen, dass Handel, Tourismus und Kultur um bis zu 90 Prozent eingebrochen sind, teilweise sogar ganz zum Erliegen kamen. Hier würde mit weit über100 Milliarden an Hilfen und Krediten geholfen und mit vielen Milliarden die Kurzarbeit gefördert, so der Minister. Kein Wort davon, woher der große Geldsegen kommt. Vor so viel Optimismus, wo die Milliarde als geläufige Recheneinheit erscheint, kann sich der Normalbürger, Kleinunternehmer, Arbeiter und Angestellte nur verwundert die Augen reiben. Die Rechnung aber geht zumindest für den Wirtschaftsminister und die deutsche Industrie auf.

Ein kleines Beispiel mag verdeutlichen, dass der Optimismus womöglich auf sehr zerbrechlichen Füßen steht. Verbuchen Leitindustrien etwa im Gesundheitsbereich Gewinne von 100 Milliarden Euro, und der Mittelstand branchenbezogen Verluste von 97 Milliarden Euro, verbleibt gesamtwirtschaftlich betrachtet immer noch „ein Gewinn“ von drei Milliarden Euro. Der Mittelstand aber besteht zu 95 Prozent aus Familienunternehmen und davon gibt es in Deutschland rund 3,5 Millionen.

Aber bislang sei ja eine große Insolvenzwelle ausgeblieben und mit so einer sei auch nicht zu rechnen, prognostiziert Altmaier. Kein Wort davon, dass Millionen von Menschen in Kurzarbeit auf ein Drittel ihres Einkommens über Monate hinweg verzichten mussten. Im Gegenteil, es werde eine deutliche Erholung der Binnenwirtschaft und der privaten Konsumausgaben erwartet. Die Reichen werden noch reicher. Es werden wohl sie sein, die die Kassen wieder zum Klingeln bringen, während der Normalbürger und Kleinunternehmer das nächste Jahrzehnt daran arbeiten wird, den aufgehäuften Schuldenberg wieder abzutragen, sofern die Politik von endlos scheinenden Lockdowns ein Ende finden wird und man nicht wieder für ganze Branchen ein Berufsverbot ausspricht. Denn wirklich zu brauchen scheint man sie ja nicht. Es lebe der Export und die deutsche Wirtschaft. Oder wie es Wirtschaftsminister Altmaier ausdrückt: „Ich appelliere an alle, die Verantwortung tragen werden, für die nächsten vier Jahre dem Stellenwert der Industrie gebührenden Platz einzuräumen.“ Die Industrie dürfe nicht zu sehr mit Abgaben und Bürokratie belastet werden. Also jene, die glänzende Geschäfte machen, dürfen steuerlich ja nicht belastet werden.

Gut ins Bild und in die Handelsbeziehungen passt da auch die neue Liebe zu den USA. Der medial verehrte neue Präsident werde endlich die großen Schäden seines wenig geliebten Vorgängers wieder beheben. Die lang und teuer bezahlten Impfkampagnen zeigen langsam Wirkung und sogar Impfstoffe stehen zur Verfügung. Es winke die neue Freiheit für alle Geimpfte, Getestete und Genesene und zumindest dieses Geschäftsmodell ist auf Jahr hinweg bestens abgesichert.

Quelle:

Ein kleines Gartenparadies am Rande der Stadt

  • Die ersten Kleingärten gab es bereits 1919
  • Soziale, ökologische, kulturelle und wirtschaftliche Funktion

Seit über 100 Jahren stehen die ersten kleinen Gartenhäuschen in der Alpenstadt Bad Reichenhall, in der Kleingartenanlage gegenüber den Kasernen. Der Kleingartenverein Bad Reichenhall e.V. zählt heute 180 Mitglieder, und die Anlage mit den kleinen Wegen zwischen den Gärten wird bei Spaziergängen und Radtouren gerne besucht. Die kleinen beschaulichen Parzellen mit Größen von 200 bis 500 Quadratmetern sind liebevoll gepflegt und die vielen Blumen, Beete und Sträucher ein kultiviertes Naturparadies.

Sommerliche Blumenpracht

„Typisch deutsch“ meinen viele und vor allem die erste deutsche Kleingartenverordnung aus dem Jahr 1919 atmet den Geist deutscher Gründlichkeit. Bis ins Detail sind Nutzung, Größe und Anbau geregelt, was erlaubt und was nicht im deutschen Kleingarten. 1983 wurde dann das Bundeskleingartengesetz erlassen und 1990 und 1994 revidiert. Es soll garantieren, dass Kleingärten ihrer sozialen, ökologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Funktion in Städten und Gemeinden heute und in Zukunft gerecht werden können.

Gartenvorstand Thomas Rager – Fotos: Gerd Spranger

„Heute, und auch die Jahre zuvor, ist die Nachfrage von Menschen mit Migrationshintergrund nach einem begehrten Stückchen Land mit Gartenhäuschen zu einem leistbaren Pachtpreis groß“, erzählt Vereinsvorstand Thomas Rager. „Über 70 Prozent beträgt ihr Anteil und die Nachfrage ist, angeheizt durch die Corona-Lockdowns, enorm gestiegen. Wir haben 100 Haushalte auf der Warteliste stehen.“ Dabei werden jährlich höchstens zehn Parzellen vergeben, denn der Pachtvertrag ist unbefristet. „Einige hören aus Altersgründen auf, andere ziehen in andere Regionen und dann erlischt der Pachtvertrag“, so Thomas Rager. Pachtpreisdeckelung und Kündigungsschutz waren bereits 1919 wichtige Inhalte der Kleingarten- und Pachtlandordnung.

Viel Liebe zu Hege und Pflege der Kleingärten

So mancher junge Kleingärtner sieht sich dann aber schnell mit der Realität konfrontiert. Hinter der Gartenidylle verbirgt sich nämlich viel Arbeit und das kontinuierlich, mehrere Tage die Woche und über Jahre hinweg. „Von allein wächst nur das Unkraut und auch um die Schnecken muss man sich nicht zu sorgen“, bemerkt Vorstand Rager augenzwinkernd. Meistens gilt es, die kleine Gartenhütte, Wege und Beete wieder instand zu setzen. Über eine Wasserentnahmestelle verfügt übrigens jede Parzelle, Strom aber und selbst Solar gibt es nicht. Auch laute, mit Benzin betriebene Rasenmäher, Heckenscheren und anderes Gartengerät sind verboten. „In einer solchen Anlage, wo man Zaun an Zaun mit den Nachbarn lebt, ist ohne gegenseitige Rücksichtnahme das Miteinander nicht möglich. Wenn sich zwei „Streithansel“ gar nicht einig werden, wird beiden als letztes Mittel der Garten entzogen.“

Idyllische Lage zwischen den Reichenhaller Bergen Predigtstuhl, Zwiesel (Foto) und Hochstaufen in den Nonner Auen von Bad Reichenhall

Miteinander ist ebenfalls bei der Gemeinschaftsarbeit im Frühjahr und Herbst geboten. Jeder Gartler ist dazu angehalten, zwei Tage Zeit und Arbeitskraft in den Erhalt von Wege, Zäune und Infrastruktur zu investieren. „Im Verein halten wir zusammen, das Miteinander funktioniert, freut sich Thomas Rager, seit Sommer 2020 neuer Vereinsvorstand und seit acht Jahren Pächter einer Gartenparzelle. Für die Wartung und Pflege steht ein lang gestrecktes Werkstattgebäude mit einem kleinen Maschinen- und Fuhrpark zur Verfügung. Natürlich gibt es dafür auch zwei Gerätewarte, nämlich Mohamed und Uwe, die sich um die Funktionstüchtigkeit und Sicherheit der Anlagen sorgen.

Jeder Garten hat seine „kleinen Geheimnisse“.

Die Nutzung der Gärten hat sich über die Jahrzehnte hinweg gewandelt. Standen in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren die Versorgung mit Lebensmitteln im absoluten Mittelpunkt, so ist es heute vermehrt die Freizeitnutzung. „Da müssen wir gelegentlich Aufklärungsarbeit leisten. Ein Kleingarten ist kein reines Freizeitgrundstück, er muss auch gärtnerisch genutzt werden. Das ist in der Gartenverordnung festgeschrieben und es ist auch richtig so, denn nur so werden die Kleingärten ihren Charakter bewahren können“, ist sich Thomas Rager sicher.

Ein Mittelpunkt im Zusammenleben der Kleingärtner ist die Gaststätte in den Heimgärten, „Beim Bergei“, die von einem Pächter öffentlich betrieben wird. „Aktuell aber ist es nicht möglich, sich als Verein, Vorstand oder Stammtisch zu treffen. Das ist ein gesellschaftlich harter Schnitt, der nicht nur uns, sondern alle Vereine trifft, und davon soll es in Deutschland über eine halbe Million geben. Zu unseren jährlich wiederkehrenden Aktivitäten zählen auch die Beleuchtung der Heimgärten, unsere Maiandacht und Erntedank.

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Gerd Spranger

Mit Unternehmergeist gegen den Lockdown arbeiten

  • Warten auf die Öffnung der Biergärten und warten auf Hilfsgelder
  • Gasthof Heimgarten „Zum Bergei“
  • To-Go und Lieferservice mit bayerischer Küche

Der Lockdown im Berchtesgadener Land für Hotellerie, Gastronomie, Tourismus- und Kultubranche hält an. Lieferservice und ein Ausser-Haus-Verkauf (To-Go) lohnen wirtschaftlich häufig nicht, zumindest für 87 Prozent der Branche nach offiziellen Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Lieferdienste hätten sich vor allem in städtischen Bereichen etabliert. Es gibt aber auch Ausnahmen, die mit To-Go zumindest eine Firmenpleite abwenden. Einer dieser Betriebe ist in Bad Reichenhall die Gaststätte in den Heimgärten, „Zum Bergei“. Die Redaktion hat sich mit den Wirtsleuten unterhalten.

Biergarten in idyllischer Lage

Cristoph und Barbara Berger übernahmen den Betrieb im Februar 2017. Sie etablierten in den folgenden Jahren ein kleines Angebot an Speisen, das sie bis heute, vor allem an den Wochenenden, konstant erweitern. Mit einem großen sonnigen Biergarten, einer idyllische Lage mitten in der Gartenanlage und die Nähe zu den Radwegen entlang der Saalach und den Nonner Auen entwickelten sie sich zu einer beliebten Ausflugsgastronomie. Dabei sind Christoph und Barbara Branchen-Quereinsteiger, ließen sich aber über Monate hinweg von einem versierten Küchenchef schulen und beschäftigen heute einen gelernten Koch. Der 33 Jahre junge Christoph Berger baute sich seit 2014 bereits mit einem speziellen Getränkeservice für Großveranstaltungen und Festivals ein Nebeneinkommen auf. „Mit selbst entwickelten Cocktailanlagen, eigenen Rezepturen und eigener Abfüllung kamen wir ganz gut ins Geschäft“, so der Jungunternehmer, der sich jetzt ganz neuen Herausforderungen stellen muss.

Engagement für den Betrieb

„Corona mit den langen Lockdowns und Betriebsschließungen brachten uns jetzt nach sechs Monaten an den Rand unserer wirtschaftlichen Existenz, wenn wir die Zeit auch zu nutzen wussten. Heute sind alle finanziellen Reserven aufgebraucht, finanziellen Hilfen vom Staat erhielten wir bis dato nicht“, so der Gastronom. Aufgeben wollte und will er aber nicht. Immer wieder hat er mit viel Eigenleistung in den Betrieb investiert, vor allem im Bereich des Biergartens. Bis zuletzt gab es ja Hoffnung, zumindest die Außen-Gastronomie wieder zu öffnen. „Wir setzten die strengen Hygienekonzepte im Sommer 2020 erfolgreich um. Soweit ich weiß, hat sich in der Außen-Gastronomie im gesamten Berchtesgadener Land nicht ein einziger Gast infiziert.“

Um nicht einen wirtschaftlichen Totalausfall hinzunehmen, entschlossen wir uns früh, sowohl einen Außer-Haus-Verkauf als auch einen Lieferservice anzubieten. Zugute komme ihnen dabei die Struktur als Familienunternehmen, Schwester Evelyn ist ebenfalls im Team, übernimmt den Lieferservice. Für die drei Kinder (14,11 und vier Jahre) wurde der aktuell geschlossene Gastraum zur „Lernstube“ umfunktioniert. Das hilft in Zeiten von Homeschooling, in denen auch die Eltern stärker gefordert sind.

Service mit bayerischer Küche

„Wir mussten den Rhytmus für die Küche komplett umstellen, ein Liefer- und Warmhaltesystem installieren und leider auch Personal freistellen“, erzählt der Gastronom. Einen Pluspunkt für den sich langsam einstellenden Erfolg, sieht er in der Ausrichtung auf die bayerische Küche. „Das klassische Liefergeschäft hat sich vor Corona ja weitgehend auf ‚Pizza und Pasta‘ beschränkt. Kaum aber wurde die traditionelle Küche geliefert. Das schätzen immer mehr Kunden, zumal die Gastronomie insgesamt geschlossen ist.“ Geholfen habe den Wirtsleuten Berger auch die regelmäßige Präsenz in den sozialen Medien, Postwurfsendungen und Werbung in der regionalen Zeitung.

Christoph Berger sieht in der kleinen Betriebsgröße ein weiteres Plus, denn es helfe Betriebskosten zu sparen. Die allerdings laufen auch während des Lockdowns weiter und neue Verhandlungen mit dem Kleingartenverein Reichenhall e.V. stehen an. Auch fielen die Nebenkosten in einem alten Gebäude wie die Heimgartengaststätte insgesamt höher aus.

Alles zum Wohl der Gäste geben

Der Betriebsstart im Jahr 2017 war für ihn und seine Partnerin als Quereinsteiger nicht leicht und die Anspannung wurde mit der Pandemie erneut verschärft. „Du liebst oder hasst die Gastronomie, lernst damit zu leben oder gibst auf. Gastronomie kann man nicht eben mal ein- oder ausschalten. Das ganze Umfeld, von den Räumlichkeiten, Warenhaltung, Pflege, Personal, Reinigung, Schulungen und das ganze Team sind aufeinander abgestimmt. Es ist ein komplexes Zusammenwirken zum Wohl unserer Gäste. Im Hintergrund laufen noch der Einkauf, Bankgeschäfte, Versicherungen, Steuerberater und betriebliche Auflagen. Es ist kein leichtes Geschäft plus einem 14- bis 16-Stundentag, häufig sieben Tage die Woche,“ erzählen Christoph und Barbara Berger rückblickend auf die vier Jahre ihrer gemeinsamen Selbständigkeit.

Natürlich wünschen sie sich, den Gartenbereich bald wieder öffnen zu können. Sie setzen aber auch auf die Idylle der Kleingartenanlage,die immer mehr Spaziergänger anziehe, vor allem jetzt im Frühjahr. Freuen würden sie sich auch über mehr gemeinsame Aktionen mit dem Gartenverein.

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