„2G bietet uns Sicherheit“

Mit 16 Filialen ist das Modehaus Dollinger im Landkreis Traunstein, im Berchtesgadener Land und in Salzburg gut vertreten. Alle Geschäfte sind in bester Innenstadtlage. – Fotos: Gerd Spranger

Dollinger:
Im Gespräch mit Kathrin Proft

Seit 8. Dezember gelten für den Einzelhandel in Bayern Zugangsbeschränkungen. Davon ausgenommen sind Geschäfte des „täglichen Bedarfs“. Für alle anderen, wie etwa Boutiquen und Modehäuser ist der Zutritt nur noch mit einem 2G-Nachweis (geimpft oder genesen) möglich. Die Redaktion hat beim Modehaus Dollinger nachgefragt und die geschäftsführende Gesellschafterin, Kathrin Proft, gibt eine Einschätzung zur aktuellen Lage. Filialen des Modehauses sind auch in den Städten und Gemeinden Berchtesgaden, Freilassing, Inzell, Ruhpolding, Reit im Winkl, Traunstein und Salzburg zu finden. Wie werden die neuen Regelungen beurteilt, befürchtet man Umsatzeinbußen bei Dollinger?

Hilft 2G dem Handel?

Kathrin Proft

Kathrin Proft registriert bei ihren Kunden bislang entgegen der Erwartung sogar eine positive Einstellung. „Gerade ältere Kunden fühlen sich mit der 2G Regelung beim Einkaufen wieder sicherer.“ Sie ist aber skeptisch, dass 2G im Handel wirklich zur Verbesserung der Lage beiträgt. Durch die Maskenpflicht sei ausreichend Schutz gegeben, im Handel seien keine Ansteckungen bekannt geworden. Am ersten Adventswochenende registrierte das Modehaus vor allem viele Herren im Geschäft. Der Wintereinbruch habe zum Kauf animiert. Viele aber befürchten eine erneute Schließung der Läden, die Verunsicherung sei groß. Was beschließt die Regierung als Nächstes?

Tourismuseinbruch
auch im Handel spürbar

Sorge bereitet ihr der Rückgang des Tourismus. „Seit den Lockdowns sind in den Innenstädten viel weniger Menschen unterwegs, und das spüren wir. Wenn die Hotels, Gastronomie, Christkindlmärkte und Freizeiteinrichtungen zu sind, dann haben wir massive Probleme mit der Frequenz, 2G hin oder her.“ Für Kathrin Proft ist es keinesfalls sicher, dass sich der innerstädtische Handel in den Fußgängerzonen nach der Pandemie erholen wird. Sie sieht im Moment „erschreckend viel Leerstand, gerade in Bad Reichenhall und Freilassing, aber auch in Traunstein und Berchtesgaden.“ Die neue 2G-Regelung aber ist ihr lieber, als ein kompletter Lockdown wie etwa in Salzburg.

Kurzarbeit für die Mitarbeiter

Winterstimmung in der Fußgängerzone vor dem Modehaus Dollinger.

Die bestehenden Unsicherheiten durch die Lockdowns und neuen Beschränkungen und der daraus resultierende Umsatzrückgang schlägt auch beim Personal durch. „Nach einem ordentlichen Sommer und Frühherbst mussten wir für sie jetzt wieder Kurzarbeit anmelden. Das ist für uns und unsere MitarbeiterInnen zermürbend und finanziell schwierig.“ Betroffen sei davon der Textil-Einzelhandel insgesamt, denn begeisterte und qualifizierte MitarbeiterInnen sind gesucht und langfristig wolle man auch Nachwuchskräfte gewinnen. Kathrin Proft befürchtet, „dass sich die Unsicherheiten in der Beschäftigung beim Personal niederschlagen und die Folgen noch lange zu spüren sein werden, auch nach Corona.“

Die Festivitäten fehlen

Wichtiger als das Weihnachtsgeschäft sei für das Modehaus Dollinger der Sommer und Herbst, und der entwickelte sich gut. Ein anderer Trend aber sei im Bereich der Trachtenmode spürbar. „Es gibt seit Beginn der Pandemie viel weniger festliche Anlässe und Gelegenheiten durch den Einbruch in Kultur, Brauchtum und Gastronomie bis hin zu großen Familienfeiern. Da kleidet man sich im Alpenraum gerne in Tracht und hochwertiger Mode. Fällt dies weg, kaufen die Leute sich einfach weniger neue Kleidung. Das ist unser Hauptproblem,“ ob im Chiemgau, im Berchtesgadener Land oder Salzburg.

Lockdowns als Brandbeschleuniger

Für den Online-Handel bezeichnet Kathrin Proft die verschärften Bedingungen und Lockdowns als Brandbeschleuniger. „Davon betroffen aber ist der stationäre Handel insgesamt. Selbst investieren wir darum auch in unseren eigenen Online-Shop, daran führt kein Weg vorbei.“ Sie wünscht sich für die Region wieder einen florierenden Tourismus.

Interview: Gerd Spranger

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