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Erfolgreicher ARD-Krimi ‚Watzmann ermittelt‘

Neue Folgen ab Sommer 2020

Sie drehen für die neue Folge „Watzmann ermittelt“ in Berchtesgaden (v.r.): Geneveva Mayer, Andreas Giebel, Nadine, Regisseur John Delbrigde, Peter Marton, Marie Theres Kroetz-Relin, Rosalie Schlagheck und Sven Gielnik.

(gsp) Die neue Krimiserie „Watzmann ermittelt“ ist mit 3,3 Millionen Zuschauern seit Jahren die erfolgreichste ARD-Vorabendserie. Jetzt werden weitere acht Folgen zur ersten Staffel gedreht, auch für eine zweite Staffel wurde bereits ein Auftrag erteilt informierte Boris Ausserer von der Produktions‎firma ‎“Lucky Bird Pictures GmbH“. Sendestart soll im Sommer 2020 sein und vorab nochmals die ersten acht Folgen ausgestrahlt werden.

Dreharbeiten in Berchtesgaden

„Wir versuchen die Klischees zu umschiffen“, bekennt Hauptdarsteller Andreas Giebel, der die Rolle des etwas ‚grantelnden‘, aber herzlichen Hauptkommissars Benedikt Beissl spielt. Und doch lebt die Serie von den Klischees einzigartiger Landschaftsbilder, idyllisch gelegenen bäuerlicher Anwesen und den alten malerischen Gassen der Marktgemeinde Berchtesgaden. Für Krimispannung sorgen meist familiäre und private Tragödien, die sich im Rahmen der Ermittlungen weitgehend erschließen. So soll es in der neuen Folge eine Wirtin treffen, gespielt von Marie Theres Kroetz-Relin, deren Mann sich plötzlich von ihr trennt und sie mit der ganzen Lebenssituation alleine lässt. „Kein Klischee“, betont sie. Privat engagiert sie sich für die Rechte der Frau und für eine Inklusion von Flüchtlingen, etwa mit dem Projekt ‚kino-frauen-aller-kulturen‘.

Keiner stiehlt die Show

Hauptkommissars Benedikt Beissl ( Andreas Giebel) und sein Ermittlerteam.- Fotos: Gerd Spranger

Ein junges und dynamisches Gesicht der Serie ‚Watzmann ermittelt‘ ist der gebürtige Wiener Peter Marton in seiner Rolle als Kommissar Jerry Paulsen. Er geht spontan und mit Empathie auf die Menschen zu und erobert schnell die Herzen. Auch privat fährt er damit gut, versichert Marton. Neuland war für ihn Berchtesgaden, den Watzmann kannte er nur von der Ferne. „Die Leute hier sind natürlich etwas anders geprägt, wie etwa in einer Großstadt wie Wien.“ Damit aber komme er gut zurecht. Gut zusammen kommen auch die beiden Kommissare der Serie. Die Beziehung zwischen Andreas Giebel und Peter Marton habe sich vertieft. „Keiner stiehlt dem Anderen die Pointe und wir lernen vermehrt in leisen Tönen zwischen den Zeilen unseren Humor zu entfalten“, verrät Andreas Giebel.

Die Freiheit des Schauspielers

Regisseur John Delbrigde und Marie Theres Kroetz-Relin

Dass dazu Raum bleibt, sind sich die Akteure einig. Regisseur John Delbrigde gibt dafür die schauspielerische Freiheit. „Als Darsteller passen wir uns den besonderen Gegebenheiten vor Ort an und da gibt es immer wieder unbekannte Situationen und Umstände, die so im Drehbuch nicht zu finden sind. Ein gutes Team setzt das erfolgreich um, und wir machen unsere Sache nicht schlecht“, erklärt Giebel augenzwinkernd. Eine Vorabendserie sei auch nicht dazu angetan mit allzu viel Aktion oder psychologischen Tiefgang gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen. Sie soll unterhaltsame Spannung, eingebunden in einer reizvollen Kulisse, vermitteln. Und da macht der Watzmannkrimi seine Sache gut, wie die Einschaltquoten belegen. Ein wenig ist er zwischen Bergdoktor und Bozen-Krimi angesiedelt.

Berchtesgaden gewinnt
durch das Filmbusiness

Die Kommissare Jerry Paulsen (Peter Marton) und Benedikt Beissl (Andreas Giebel) posieren vor der Polizeistation in Berchtesgaden.

Für Maren Hauke, die die Dreharbeiten vor Ort für die BGL-Tourismus GmbH begleitet, ist der Erfolg der Serie für Berchtesgaden schon jetzt durch die zahlreichen positiven Rückmeldungen mehr als belegt. „„Die Berchtesgadener Land Tourismus GmbH freut sich sehr darüber, dem Team von „Watzmann ermittelt“ optimale Rahmenbedingungen für den Dreh zu schaffen und die Region wiederholt in den neuen Folgen in Szene zu setzen. Durch das Film- und TV-Business gewinnt das Berchtesgadener Land nicht nur ein ausgezeichnetes Image, sondern erzielt auch eine hohe Reputation und Wertschöpfung. Wir freuen uns über den Film-Tourismus, den wir mittlerweile an beliebten Drehorten erleben dürfen“, bekennt BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel.

Peter Marton mit Regisseur John Delbrigde und Geneveva Mayer, die Gerichtsmedizinerin in der ARD-Serie ‚Watzmann ermittelt‘.

 

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TSV  zum seniorenfreundlichen Verein ausgezeichnet

Ein Siegel soll neue Anreize geben – Bürgerschaftlich engagierte Hilfe

(gsp) Als einer der ersten Vereine hat der TSV Bad Reichenhall vom Bayerischen Turnerverband (BTV) das Qualitätssiegel ‚Seniorenfreundlicher Verein‘ erhalten. Vereinsvorsitzender Josef Dennerl und sein Team ließen dafür eigens zwei Übungsleiter des Sportvereins weiterbilden, die sich jetzt verstärkt der Senioren annehmen. „Von den 1700 Mitgliedern des TSV (Turn- und Sportverein 1862 Bad Reichenhall e.V.) zählen wir rund 700 Kinder und Jugendliche. Der Anteil unserer Senioren dürfte sich auch auf einige Hundert summieren und so verpflichten wir uns mit dieser Auszeichnung ihnen zusätzliche Aufmerksamkeit zu geben.“ Die neu gekürten Seniorenbeauftragten Renate Bosch und Rudi Sprinzing möchten einige ’niederschwellige Angebote‘ mit leichter Gymnastik ins Leben rufen und mit kulturellen Programmen und Ausflügen für besseren Kontakt untereinander sorgen.

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Thomas Bender, ehemaliger Vicepräsident des BTV und aktives Mitglied des TSV, überreicht das Qualitätssiegel des Bayerischen Turnerverbandes. Von links: Thomas Bender, Josef Dennerl mit den beiden Seniorenbeauftragten Renate Bosch und Rudi Sprinzing. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner wünscht dem Verein viel Erfolg und bedankt sich für das Engagement über alle Altersgruppen hinweg. – Foto: Gerd Spranger

Gefördert soll mit der Auszeichnung zum seniorenfreundlichen Verein ebenso die Kooperation hin zu Senioreneinrichtungen und Krankenkassen mit ihren Gesundheitsprogrammen. Der BTV will mit dieser Initiative die Vereine bei der Gewinnung neuer Mitglieder unterstützen und die Senioren besser Einbinden. Die Vereine sollen ihre Angebote im Sinne einer bürgerschaftlich engagierten Nachbarschaftshilfe verbessern. Das Qualitätssiegel füge sich gut in das Programm der Bayerischen Staatsregierung ‚Selbstbestimmtes Leben im Alter‘ ein. Zu den Förderern des Siegels zählen die zwei Sponsoren Flexo-Handlaufsysteme GmbH und die TOGU GmbH in Prien am Chiemsee.

Traktoren: ein Leben lang und mehr

100 Oldtimer-Traktoren präsentieren sich am Wochenende auf dem Festplatz in Bad Reichenhall. Vielleicht muss man ein wenig verrückt sein, um die alten landwirtschaftlichen Arbeitsgeräte über viele Jahrzehnte hinweg zu pflegen und zu hegen. Oft sind es aber auch Erinnerung an die eigene Kindheit und über Generationen hinweg, die man mit den Oldtimer-Traktoren verbindet. Angereist waren die Landwirte aus dem Landkreis Traunstein, aus dem Berchtesgadener Land und selbst aus Wals und Salzburg präsentierten sie ihre alten Traktoren. Als Belohnung gab es im Bürgerbräu-Festzelt eine große Brotzeit und eine Maß Bier dazu. Die war bei hochsommerlichen Temperaturen von deutlich über 30 Grad auch gut zu verkraften.

Ich habe einige Fotos mit ‚kleinen Geschichten‘ zusammengestellt, denn erst mit der persönlichen Geschichte zum Oldtimer wird es spannend. Man hätte Stunden verbringen können, allein die Technik, die alten Motoren und Modelle wären es wert. Leider aber bin ich kein technisch versierter Mensch, schon gar nicht bei Traktoren. Doch seht selbst, ein wenig ‚zwischenmenschliches‘ habe ich zusammen getragen. – Fotos: Gerd Spranger

Opa Franz Neureiter bereiste mit seinem Gespann alle Landeshauptstädte Österreichs und erlebte auf seiner 33 Tage dauernden Rundfahrt vieles. Mit seinem Lieblingstraktor, einem 30er-Steyrer Wohnwagen, Baujahr 1954, und Hündin Lucy ging er auf Tour. „Man erlebt viel und lernt mit wenig auszukommen“, gibt er sich bescheiden. Campiert hat er stets an einem Waldrand. „Angesprochen bin ich von den Bauern häufig geworden. Bis auf eine Ausnahme waren alle sehr nett.“ Auch einige Verkehrskontrollen musste er über sich ergehen lassen.“

Dieses junge Pärchen aus Marzoll hat zwar keinen eigenen Bauernhof, sind aber leidenschaftliche Fans alter Traktoren und stolz auf ihren Fendt. Die alten Traktoren werden, falls überhaupt, nur an wirkliche Liebhaber weiter verkauft.

Pammer Michaela ist stolz auf ihren alten Lanz-Traktor aus dem Jahr 1940 und verbindet viele Erinnerungen damit. „Als kleines Mädchen bin ich schon mit Opa damit viel über die Felder gefahren“, erinnert sie sich gerne. Heute ist der Oldtimer im Besitz ihres Sohnes Julian und ist damit in der dritten Generation im Einsatz.

Viele der alten Traktoren sind ‚wie aus dem Ei gepellt‘ und echte Schmuckstücke, wie der alte Steyr aus dem Jahr 1961 mit 28 PS von Martin Leberer aus Anthering bei Salzburg.

Dem Eicher-Traktor aus dem Jahr 1951 ist sein Alter deutlich anzusehen. Er läuft aber bis heute, obwohl das Werk im oberbayerischen Forstern längst Geschichte ist.

Dieser Odtimer von Gaisreiter Muchei aus Inzell mit der Typbezeichnung JW20 ist Baujahr 1948, wird mit einem großen Schwungrad angetrieben und leistet 18 PS.

Das Organisationstem der Inzeller „Oid-Traggei-Freind“ gab die großen Schilder für die Oldtimer-Traktoren aus. Von rechts: Friedl Egger, Franz Kaml und Christian Strobl. „Ein Traktor hält fünfzig Jahre und mehr. Viele der ausgestellten Oldtimer sind bis heute im täglichen Einsatz“, bekräftigten sie.

 

 

 

 

 

Wege aus dem Massentourismus?

Entlang des Grates am Jennergipfel (1874 m) drängen sich die Besucher. Im Hintergrund ‚König Watzmann‘ (2713 m) mit Hocheck, Mittelspitze und Südspitze – Fotos: Gerd Spranger

BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel im Gespräch mit der Redaktion

(gsp) Die Eröffnung der Bergstation Jennerbahn am zweiten Juni-Wochenende mit deutlich verbilligten Fahrkarten führte zu einem ungewohnten Besucheransturm. Über viele Stunden hinweg bildeten sich lange Warteschlangen für die Bergfahrt, und es ging im Minutentakt nonstop in den großen Zehner-Gondeln auf den Jenner. Der große Parkplatz war bereits um elf Uhr voll besetzt und die für 300 Besucher ausgelegte Restaurant-Terrasse ab zehn Uhr. Auf der Wanderung zum Gipfel, der 74 Höhenmeter über der Bergstation liegt, drängten sich die Menschen bergauf wie bergab. Es war einerseits für die Bergbahn und das gastronomische Team um Thomas Hettegger von der Jenneralm GmbH eine echte Belastungsprobe, anderseits aber bekam man eine sehr klare Vorstellung davon, was den Massentourismus, gedrängt auf wenige Kilometer, so problematisch macht.

Zu viele Touristen in Berchtesgaden?

Dichtes Gedränge herrscht auf dem Gipfel des Jenners (1874 m) bei Hochbetrieb, wie vergangenes Wochenende. Gipfelromantik geht anders, dafür ist der Ausblick sensationell auf den Königssee, den Watzmann, das Steinerne Meer und über das Berchtesgadener Tal.

Die Redaktion hat sich mit Peter Nagel, Geschäftsführer der BGLT-Tourismus bei der Eröffnung der Jenner-Bergstation eingehend darüber unterhalten. Von einem ‚Overtourism‘, also eine das gesunde Maß überschreitende Zahl an Gästen, möchte Peter Nagel im Berchtesgadener Land nicht sprechen, räumt aber ein, „dass es einige Spitzen gibt“. So will der Touristiker auch nicht die Gästezahlen erhöhen, sondern mehr Wertschöpfung erreichen und die Dauer der Übernachtungen von 3,5 auf fünf bis sechs Tage steigern. Gerne spricht er von einer ausgewogenen Balance im touristischen Geschäft, auf den Tagestouristen, wie er typisch für den Jenner und auch den Königssee ist, ging Peter Nagel konkret nicht ein. Dabei strömen aus dem Berchtesgadener Land während der Saison ebenso tausende von Touristen nach Salzburg wie umgekehrt aus dem Salzburger Land zu den bayerischen Sehenswürdigkeiten.

Der tiefblaue fjordartige Königssee am Fuße des Watzmanns inmitten des Nationalparks Berchtesgaden.

Kann man die Besucher besser lenken?

Er denkt über eine Steuerung der Touristenströme nach. „Über Zwang geht so etwas nicht, ein wenig über zeitliche Beschränkung und über Eintrittspreise“, sinniert er. „Besser ist es, den Besuchern Alternativen zu bieten und das zeitnah.“ Um dies konkret zu machen nennt Peter Nagel ein Beispiel: „Fährt etwa ein Besucher in Piding von der Autobahn, so muss er bereits am Gablerknoten in Bad Reichenhall informiert werden, dass am Königssee alle Parkplätze belegt sind. Wir müssen ihm Alternativen anbieten.“ Konkret nannte er etwa das Ausweichen auf den Hintersee, zu den anderen Bergbahnen im Landkreis oder sogar darüber hinaus, wie etwa nach Lofer. „Genau das meine ich, wenn wir über den eigenen Kirchturm, die eigene Gemeinde und Region hinaus denken müssen.“

Bessere Absprache bei Aktionen

So wie in Salzburg sehen auch viele Parkwegweiser in großen deutschen Städten aus. Bietet sich diese Lösung auch für den Tourismus an?

Noch ein zweites Anliegen ist dem Chef der BGLT-Tourismus wichtig. „Zwischen den beteiligten Partnern vor Ort ist eine bessere Absprache nötig“, sagte er und gab ein weiteres Beispiel: „Wenn wir etwa Gäste aus Italien werben, dann können im Sommer nicht um 22 Uhr die meisten Gaststätten geschlossen sein. Der Italiener hat ein anderes Lebensgefühl, bei ihm beginnt der vergnügliche Teil ‚des Tages‘ häufig erst nach 21.00 Uhr und dauert an lauen Sommerabenden bis weit nach Mitternacht, zumal er in Urlaubsstimmung ist. Enttäuschen wir hier, dann fahren wir bei dieser Zielgruppe in den nächsten Jahren ein deutliches Minus ein, und das können wir nicht wollen, es wäre der Marke Berchtesgaden sehr abträglich.“

Kommt ein Wechsel der Perspektiven?

Die BGLT mit Peter Nagel und Dr. Brigitte Schlögl an der Spitze, arbeitet aktuell an einem Positionspapier mit dem Titel „Perspektivenwechsel, Ziele und Maßnahmen für die Zukunft“. Es soll in wenigen Wochen in der Gesellschafter-Versammlung vorgestellt werden. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich der Tourismus im Berchtesgadener Land weiterentwickeln wird. Franz Rasp, Vertreter des Hauptgesellschafters Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, sieht in der Fortsetzung des Markenprozesses den richtigen Weg.

‚Großes Kino‘ in 3D vor der Terrasse der Jenner-Bergstation auf der Jenneralm.
Jenner mit Prominenz
Die Gesellschafter der Berchtesgadener Bergbahn AG, Eigentümer der Jennerbahn, bei der Eröffnung.

 

Jennerbahn eröffnet am 8. Juni die Bergstation

Investition von  56 Millionen Euro
schafft dreifache Kapazität

– Deutliche Steigerung angestrebt
– 550 Restaurantplätze auf dem Berg

(gsp) Am 08. Juni geht die Jennerbahn in Schönau am Königssee wieder in vollem Umfang in Betrieb. Seit August 2018 läuft der Fahrbetrieb nach Neubau der Talstation und Mittelstation mit einer Komplettsanierung und Erneuerung der bahntechnischen Anlagen bereits im eingeschränkten Betrieb bis zur Mittelstation. „Wir haben damit in der Wintersaison bereits wieder an die Zahlen vor der Renovierung anknüpfen können und sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, berichtet Geschäftsführer Thomas Hetteger von der Jenneralm GmbH, die eine hundertprozentige Tochter der Berchtesgadener Bergbahn AG ist, der Eigentümerin der Anlagen.

Vom Hebst bis weit in das Frühjahr hinein weitet sich vor dem Besucher auf der Jenner-Bergstation das Panorama einer unberührten, hochalpinen Winterlandschaft aus

Investiert werden rund 56 Millionen Euro und angestrebt wird eine deutliche Steigerung der Frequenz. Das ermöglichen die neuen 10-er Gondelbahnen und die moderneTechnik, die die Fahrgäste in nur 17 Minuten bis hinauf zur Bergstation, der Jenneralm, befördern. Die Kapazität ist damit von 500 auf 1600 Gästen stündlich verdreifacht worden. Deshalb soll es keine Wartezeiten mehr geben.

Der Nationalpark liegt zu Füßen

Im Mai liegt noch viel Schnee auf dem Hohen Brett (2341 m) und der Terrasse der Jenner-Bergstation.

Mit Spannung wird nun die Eröffnung der Bergstation erwartet, die nochmals die Dimension von Mittel- und Talstation übersteigt. Sie wird von der 10er-Kabinenbahn und von der Mitterkaser-6er-Sesselbah angefahren, und bietet den Gästen auf 1800 Metern Höhe gelegen, ein Restaurant mit 250 und weiteren 300 Plätzen auf der Aussichtsterrasse. Von hier weitet sich der Blick in den Nationalpark Berchtesgadener Land mit Hohem Göll, Schneibstein, Steinernes Meer, Schönfeldspitze, Funtenseetauern und Watzmann.

Zuerst balzt das Birkhuhn

Noch ist das große Restaurant in weiten Teilen eine Baustelle, doch bis zum 08. Juni soll alles fertig sein. „Im Außenbereich mussten wir vom 23. März bis Juni alle Arbeiten einstellen, und auch ab September, denn die Balzzeit des Birkhuhnes muss eingehalten werden“, informiert Thomas Hetteger. Die Gäste werden sich also noch einige Wochen gedulden müssen, bis die letzten Außenarbeiten abgeschlossen sind. Für sie unsichtbar ist auch die große Küche mit allen Funktionsräumen, die in ihrer Dimension dem Restaurant in nichts nachsteht. Öffentlich zugänglich hingegen sind eine Nationalpark-Ausstellung und die vielen Wanderwege, die den Jennergipfel bis hinüber zum Schneibstein- und Stahlhaus und darüber hinaus erschließen.

Auch für den Geschäftsführer der Jenneralm GmbH, Thomas Hetteger war der vom Bund Naturschutz gegen die Jennerbahn erwirkte Baustopp eine Belastungsprobe. Alle Arbeiten im Aussenbereich mussten über Monate hinweg eingestellt werden.

Lounge-Bar und Hochzeiten

In das Gebäude sind auch einige Personalzimmer inklusive Funktions- und Personalräume integriert. Der Gast, auf den Berg ankommend, sieht von all dem nur wenig. Einzig ein Baukörper in der Größe eines Einfamilienhauses fällt sofort auf. Dessen Erdgeschoss wird zu einer Lounge-Bar gestaltet und darüber – als ganz besonderes Highlight, ein großer Hochzeitsraum. Denn auf dem Jenner wird ab Juni auch geheiratet. Der Raum steht ebenso für kleine Seminare zur Verfügung. Das meiste genutzte Fläche ist unterirdisch angelegt, und so sind die Gebäude der Bergstationen mit Restaurant, Funktions- und Ausstellungsräumen miteinander verbunden. Wert wurde dabei auf Barrierefreiheit gelegt, so dass auch für Menschen mit Handicap ein ungetrübtes Bergerlebnis wartet. Das gilt auch für die neuen Gondeln der Jenner-Bergbahn und für die Tal- und Mittelstation.

Vor wenigen Wochen noch waren die Räumlichkeiten des Restaurants mit den hohen Panoramafenstern eine einzige große Baustelle.

Schnitzel, Burger und Pommes

Für das gastronomische Angebot entschied sich Hetteger für eine gute bodenständige Küche. „Die Gäste erwarten auf dem Berg keine extravagante Speisen, sondern Schnitzel, Burger und für die Kinder auch mal eine Portion Pommes.“ Abgerundet wird das Angebot mit Suppen, Salaten und kleinen Gerichten. „Punkten möchten wir mit einem guten Service, es gibt kein Marktrestaurant wie in früheren Jahren.“ Dafür hat Hettegger ein Team von 30 Fachkräften im Service und in der Küche verpflichtet. „Natürlich ist der Arbeitsplatz auf dem Berg speziell, doch er hat für die Gastronomie sehr geregelte Arbeitszeiten, nämlich täglich von 9 bis 18 Uhr.“ Sicher halfen das und der gute Ruf des Unternehmers sowie das besondere alpine Umfeld alle ausgeschriebenen Stellen zu besetzen. „Wir reden dabei von einer ganzjährigen Anstellung“, ergänzt er. Thomas Hettegger war vor seinem Engagement bei der Jenneralm GmbH neun Jahre lang Geschäftsführer des 4-Sterne-Superior-Hotels Edelweiß in Berchtesgaden.

Ob Trauung, Tagung oder einfach nur gemütlich in der Lounge. Dieser Anblick bleibt unvergessen. – Fotos: Gerd Spranger –

Klimaschutz und Fake-News beim Kreistag

(gsp) Der Kreistag befasste sich im Mai mit Klimazielen, Bauprojekten und Fake-News. Dabei ging es einmal mehr um den geplanten Neubau des Landratsamtes und einer kleinen Gruppe von Bürgern, namentlich wurden Stefan Glas, Wolfgang Wagner und Ludwig Unterreiner genannt, die ein Bürgerbegehren gegen den Neubau des Landratsamtes initiiert haben. „Es wird mit falschen Anschuldigungen gearbeitet und das ganz persönlich gegen mich“, stellte der Landrat klar.

Aus der Vogelperspektive wird das Wohngebiet iin Ricchtung Marzoll erweitert, was durchaus Sinn macht. Für das neue Landratsamt steht dann viel Platz zur Verfügung. Anderseits: ist ein Neubau wirklich erforderlich? Die Kreisräte bejahen dies einstimmig.

 

Hans Metzenleitner (SPD) sprach in der Sache gar von einem Demokratieprojekt, denn der Kreisrat habe sich über mehrere Jahre und sehr intensiv mit der Thematik Landratsamt befasst und und einstimmig für den Neubau gestimmt.  Agnes Thannbichler (ÖDP) verwehrte sich gegen Bürgerbegehren, die auf Grundlage von Fake-News aufgebaut sind und Silvester Enzinger (CSU) war gar erschüttert über die Diffamierung des gesamten Kreisrates mit haltlosen Anschuldigungen.

Jennerbahn-Bergstation
ohne Genehmigung?

Der gastronomische Schwerpunkt vom Restaurant „Halbzeit“ der Jennerbahn-Mittelstation verlagert sich am Wochenende hinauf zur Bergstation, wenn die Bahn wieder über die gesamte Länge, vom Tal bis hinauf auf 1800 Höhenmeter, fährt.

Einen Verbreiter von Fake-News ganz anderer Art machte Hannes Rasp (CSU) in seinem Kreistagskollegen Dr. Bartl Wimmer (Grüne) aus. Der sprach im Hinblick auf die Eröffnung der Jennerbahn-Bergstation am 08. Juni von einem „Schwarzbau“. Rasp wies dies entschieden zurück. Es habe mit dem Juristen vom Bund Naturschutz eingehende Gespräche gegeben, und der Vorwurf des Schwarzbaues durch ein BN-Mitglied wurde zurück genommen. Das war es dann auch mit den Fake-News in der Sitzung des Kreistages. Auf der Tagesordnung standen sechs Punkte. Den größten Raum in der Diskussion nahm der Klimaschutz ein.

Rückschläge bei der Energieplanung

Landrat Georg Grabner und Klimaschutzbeauftragter Manuel Münch informierten über die Entwicklung der kommunalen Energieplanung im Landkreis und auf Landkreisebene. Der Landrat erinnerte an die Auszeichnung im November 2018 mit dem Klimapreis. Das Berchtesgadener Land habe damit Vorbild- und Signalwirkung für ganz Bayern. Manuel Münch sprach von 150 unterschiedlichen Projekten, von denen 50 bereits in der Planung und Umsetzung seien. Er appellierte an die Städte und Gemeinden sich aktiv an das Landratsamt zu wenden. Es gibt bis zu 70 Prozent Fördergelder und auch viele Hilfen und Informationen für die Vorplanung.

„Was kostet es,
wenn wir es nicht machen“

Für Simon Köppl (Grüne) ist der Energienutzungsplan des Landkreises ein gute Grundlage. Es gehe jetzt darum die Projekte umzusetzen und weiter zu entwickeln. Er sprach von einem grundsätzlichen Umdenken, das gefordert sei. „Heute sprechen wir darüber was uns die einzelne Maßnahme kostet, künftig werden wir darüber sprechen, was die Maßnahme kostet wenn wir sie nicht umsetzen.“ Und dabei hatte der Kreisrat vor allem den Schutz der Umwelt im Blick. Grabner bezeichnete es als eine Daueraufgabe nachhaltige Politik zu betreiben und bekräftigte nochmals die Möglichkeiten der Einsparung und Nutzung von natürlicher Energiegewinnung. Leider sehe es aktuell mit einem Flusskraftwerk an der Salzach nicht gut aus, wurde ihm bei einem Gespräch im Bayerischen Umweltministerium signalisiert. „Wir sprachen mit einigen Bürgermeistern und MdB Michaela Kaniber in der Sache vor und nahmen den sehr intensiven Eindruck mit, dass sich in der Sache nichts bewegt.“

Windkraft und Mobilitätskonzept

Georg Wetzelsperger (CSU) lobte den Energienutzungsplan, denn man habe damit ein handwerkliches Werkzeug für die Umsetzung von Einsparungen in der Hand. Doch „werden dann konkrete Einzelmaßnahmen in der Praxis häufig ausgebremst“, bedauert er. Dr. Bartl Wimmer klagte über selbst gemachte Erfahrungen bei der Installation einer Hackschnitzelanlage im Verbund mit einigen Nachbarn. „Da geht man einen dezentralen und klimafreundlichen Weg und dann werden von den Bayerischen Staatsforsten für Leitungen so hohe Gebühren erhoben, dass das ganze Projekt zum Fall kommt. Das kann so nicht gehen.“ Grabner stimmte zu, er habe vor Jahren bereits ähnliche Erfahrungen gemacht. „Da muss man kämpfen, sich durchsetzen,“ ermutigte er. Ebenso wurde das Thema Windkraft angesprochen, die Mobilität, eine Verkehrswende und Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr.

Wer reinigt die Biotonnen?

Ein anderes Umweltthema, nämlich ein FDP-Antrag zur Reinigung von Biotonnen, löste weitere Diskussionen aus. Die Auffassungen, ob die Leerung der Tonnen, die Trennung des Mülls bis hin zum pünktlichen Abtransport der gelben Säcke denn jetzt wirklich funktioniere, gingen weit auseinander. Für Grabner war klar, es funktioniert nach Anlaufschwierigkeiten jetzt bestens. Im Landratsamt selbst habe man dafür neue Kräfte eingeschult, Ressourcen erschlossen und die Mitarbeiter hätten sich sehr engagiert, sich auch viel anhören müssen. Edwin Hertlein (Grüne) sieht das anders. „Es läuft ganz und gar nicht, auch nach fünf Monaten nicht. Die Bürger unterscheiden auch nicht, ob es um den gelben Sack oder um die Biotonne gehe. Da liegt noch viel im Argen.“ Dr. Bartl Wimmer forderte eine Stellungnahme des Geschäftsführers des verantwortlichen Unternehmens im Kreistag. „Er muss uns Rede und Antwort stehen.“ Der FDP Antrag selbst wurde mit zwei Gegenstimmen abgelehnt, was Tilo Schöne (Republikaner) bedauerte. Mit einem Hausmeisterservice betreut er über 100 Anlagen im Landkreis und meint: „Mieter in größeren Wohnanlagen trennen nicht sauber, nehmen keine eigenen Papiertüten und es kommt zu erheblichen Verschmutzungen der Tonnen.“

Kindertagespflege und Jugendhilfeausschuss

Ohne Diskussion wurde der Antrag auf die Anpassung der Kostenbeitragsatzung Kindertagespflege ab dem ersten Juni beschlossen. Die Kosten richten sich nach dem Jahresbruttoeinkommen und der täglichen Betreuungszeit. Die maximale monatliche Elternbeteiligung bei der Betreuung eines Kindes bis zu sechs Stunden täglich steigt von 1073,07 auf 1131,22 Euro. Kostenpflichtig wird die Betreuung ab einem Jahreseinkommen von 10.000 Euro.

Gestärkt wurde der Jugendhilfeausschuss des Landkreises mit der Bestellung neuer Mitglieder. Einstimmig wählte der Kreistag Bernd Rohrbach als beratendes Mitglied als Nachfolger für Tabea Seidel. Als stellvertretendes beratendes Mitglied wurde Veronika Pummerer benannt. Des weiteren hat der Kreistag beschlossen Monika Tauber-Spring als beratendes Mitglied zu benennen.

Mehr Geld für die Sanierung
des Rottmayr-Gymnasium Laufen

Die Sanierung des aus dem Jahr 1964 stammenden Rottmayer-Gymnasium in Laufen macht Fortschritte. Der erste Bauabschnitt wurde abgeschlossen und der zweite soll bis September 2019 fertiggestellt sein. Der Kreistag befasste sich jetzt mit dem dritten Bauabschnitt und einer Steigerung der Kosten um 1,074 Millionen (1.074.707,44 €) für die ersten beiden Bauabschnitte. Dazu entfallen noch Mehrkosten von 147.000 Euro für die Anpassung der Nebenkosten „Damit haben wir Mehrkosten von unter 10 Prozent. Bedenkt man die allgemeine Kostensteigerung auf dem Baumarkt, so kommen wir damit noch günstig weg“, erklärt Landrat Georg Grabner. In dem aufgestockten Budget sind auch vorgezogene Kosten und Inventar mit eingerechnet. Ein noch zu klärender Umstand sei dabei die Verwirklichung einer Aula oder die eines großen Pausenraumes. Der Kreistag wird dazu noch zu einem späteren Zeitpunkt eine Entscheidung treffen müssen. „Positiv ist“, so der Landrat, „dass der Zuschuss durch die Regierung von Oberbayern voraussichtlich von 60 auf 65 Prozent steigen wird.“ Insgesamt belaufen sich die Kosten auf knapp 16 Millionen Euro.

Dr. Bernhard Zimmer (Grüne) mahnte an, dass man daraus seine Lehre ziehen sollte und solche Projekte in der Vorbereitung besser durchzurechnen sind. Auch solle man die Lebenserwartung und Ökobilanz stärker in die Planung mit einbeziehen. Grabner entgegnete, dass selbst bei gründlicher Vorplanung, bei fehlenden oder fehlerhaften Altplänen, und vorher nicht abzusehende lokalen Umständen, immer ein Risiko bestehen bleibe. Der Bau des Gymnasiums war noch zu einer Zeit, als Laufen ein eigener Landkreis war. Der Kreistag stimmte einstimmig für die Genehmigung und Änderung des Bau-Umfanges sowie der Genehmigung der überplanmäßigen Mittel für den Bauabschnitt I und II.

Die Vorwürfe an Landrat Georg Grabner:

Er habe behauptet, dass

  • die Neubaumaßnahme Alternativlos ist
  • während seiner Amtszeit für das Landratsamt keinerlei Bauunterhalt geleistet wurde
  • wissentlich gegen Auflagen des Brandschutzes verstoßen wurde
  • Ziel sei der Verkauf des Grundstückes mit 800 Euro je Quadratmeter

„Alle diese Anschuldigungen sind falsch und haltlos“, so der Landrat.

Auszeichnung
für Simon Metzendorf

Simon Metzendorf wurde für seine besonderen Leistungen im Wettbewerb ‚Jugend forscht‘ von Landrat Georg Grabner ausgezeichnet. Er hat eine ‚Murmel-Musik-Maschine“ erfunden, die durch den Fall von Stahlmurmeln auf ein Xylophon Musikstücke abspielt. Unterstützt wurde er dabei vom Gymnasium Berchtesgaden, und vom Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land. Simon will nach Abschluss seines Abiturs im Sommer 2019 eine Lehre als Elektromechaniker absolvieren.

Auf dem Foto (v.l.n.r.): Oberstudienrat Martin Hofreiter (Gymnasium Berchtesgaden), Landrat Georg Grabner, Jürgen Gasteiger (Projektbetreuer am Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land), Simon Metzendorf, Christoph Geistlinger (Geschäftsführer Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land) – Foto: Gerd Spranger

Junger Judo-Olympia-Sieger sucht Arbeit

Special Olympics in Abu Dhabi

(gsp) Samuel Dietz ist ein geborener Münchner (Pasing) und seit seinem dritten Lebensjahr ein aktiver Judoka. Seine Mutter förderte früh seine Begeisterung für Sport und Bewegung. Im März ist Samuel Dietz mit 19 Jahren bei den Special Olympics World Summer Games 2019 in Abu Dhabi Judo-Olympiasieger im Schwergewicht geworden. Samuel lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München, macht einen selbstsicheren Eindruck, von einer geistigen Behinderung ist ihm kaum etwas anzumerken.

Olympiasieger mit dem sanften Weg

Groß und durchtrainiert ist er, und erklärt den Judo-Kampfsport als ‚den sanften Weg‘. Es gehe dabei im Wesentlichen um ‚Werfen, Halten und Bodentechnik‘. „Das Würgen und Hebeln ist verboten“, erklärt er. 2016 war er bereits Deutscher Meister und 2018 schaffte er es in London als Vice-Europameister ganz nach oben. Bei seinem Kampf in Abu Dhabi hatte er es nicht leicht. Sein Gegner war um 30 Kilo schwerer. Dennoch konnte er den Kampf mit einem (3)2 : 1 für sich entscheiden, bei den Special Olympics in Abu Dhabi.

Wunsch nach Arbeit
und eigener Wohnung

Sein normales Training leistet er zweimal wöchentlich in seinem Verein in Pasing. In der Wettkampf-Vorbereitung trainierte er fünfmal in der Woche. Privat baut er im Krafttraining Muskeln auf und beim Joggen Kondition. „Entscheidend für den Erfolg sind aber auch Beweglichkeit und Schnelligkeit“, erklärt Samuel. Aktuell bewegen ihn zwei große Ziele. Er möchte mit einer eigenen Wohnung ein selbstbestimmtes Leben führen und er ist auf der Suche nach Arbeit. „Ich kann ‚gut mit anpacken‘ und einen 8-Stunden-Tag schaffe ich“, ist er überzeugt, nimmt es als sportliche Herausforderung. Selbst als Olympia-Weltmeister ist Samuel mit einer leichten geistigen Behinderung (Autismus) arbeitslos. Auch vor Diskriminierung ist dieser sanfte Riese nicht ganz sicher. „Wenn die Leute mein Handicap merken, machen sie mich auch gerne fertig“, erzählt er aus gemachten Erfahrungen.

Echte Lebenshilfe für Hilfe im Alltag

Vom Bayerischen Meistertitel im Judo hat Samuel Dietz es bis zum Judo-Olympiasieger und zugleich Weltmeister geschafft. Stolz präsentiert er seine Medaillen.  –  Foto: Gerd Spranger

Was das selbständige Wohnen betrifft, so ist Samuel Dietz auf einem guten Weg, denn die Wohngemeinschaft (WG) der Lebenshilfe München an der Landsberger Straße wird nur ambulant betreut. „Es reicht in der Regel, wenn wir zweimal wöchentlich beim Klienten/in sind, auch wenn wir regelmäßigen Kontakt zur WG halten“, erklärt Daniela Holzmann, die Leiterin des Ambulant Betreuten Wohnens. „Meist regeln wir dann anstehende Belange, im lebenspraktischen Bereich, mit den Behörden, sprechen uns mit den Betreuern ab, kümmern uns um medizinische Angelegenheiten. Sehr selten müssen wir Konflikte lösen, denn das Zusammenleben funktioniert sehr gut“, ergänzt sie. Acht Bewohner mit geistiger oder psychischen Einschränkungen leben hier auf zwei Etagen zusammen. Es gibt eine gemeinsame Küche, einen großen Gemeinschaftsraum, Garten, Terrasse, Funktionsräume, und sonst hat jeder sein eigenes Zimmer, sein ganz privates Reich.

WG als Weg in die Selbständigkeit

Die meisten Bewohner der WG streben längerfristig ein eigenständiges Leben mit einer eigenen Wohnung an. Für sie ist die WG ein guter Weg dorthin. „Die meist jungen Leute haben sich untereinander gut angefreundet und wir sind mit den Erfolgen sehr zufrieden“, bekräftigt Daniela Holzmann. Die WG der Lebenshilfe München an der Landsberger Straße besteht im vierten Jahr.