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Mehr Schutz vor häuslicher Gewalt

Kooperation mit Frauenhaus Rosenheim
Vereinbarung mit  Sozialdienst katholischer Frauen

Für Frauen die von häuslicher Gewalt betroffen sind, ist der erste Ansprechpartner die Polizei. Sie übermittelt den Fall dann mit einem unterschriebenen Fax an den Sozialdienst katholischer Frauen, der dann umgehend mit den Betroffenen Kontakt aufnimmt. „Ein pro-aktiver Prozess, der sich seit fünf Jahren bewährt hat“, erzählt auf Nachfrage Sozialpädagogin Sabine Weiß, Leiterin der landkreisübergreifenden Interventionsstelle. „Von 50 Frauen mit denen wir in Kontakt treten, nehmen 46 das Angebot an“, berichtet sie weiter. Die Zahl der Betroffenen nehme dabei kontinuierlich zu.

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Der Landkreis Berchtesgadener Land strebt darum einen Anschluss an das Frauenhaus Rosenheim an, denn er verfügt selbst über keine eigene Einrichtung. Der Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes stimmte dieser Lösung jetzt in seiner jüngsten Sitzung zu. Nach Paragraph 16a des Sozialgesetzbuches II ist es für den Landkreis eine Aufgabenverpflichtung, sich zum Schutz für von Gewalt betroffenen Frauen einem Frauenhaus „zuzuordnen“, verfügt man selbst über kein eigenes. Der Schutz muss rund um die Uhr sichergestellt sein. Im Sachvortrag heißt es, dass dieser Anschluss in der Vergangenheit aufgrund eines fehlendes Bedarfes nicht weiterverfolgt wurde. Das soll jetzt geändert werden.

Der Landkreis Berchtesgadener Land soll nun in einen Verbund mit den Landkreisen Traunstein und Rosenheim aufgenommen werden, für eine die Finanzierung betreffende Zweckvereinbarung mit dem Frauenhaus vom Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Südostbayern (SkF). Mit dieser Aufnahme ist eine Erweiterung des Platzangebotes im Frauenhaus in Rosenheim verbunden. Für den Landkreis Berchtesgadener Land bedeutet dies einen jährlichen finanzieller Aufwand von 5000 Euro für eine Beteiligung an den Personalkosten.

19.000 Euro für den SkF

Darüber hinaus benötige die Interventionsstelle SkF zum Ausbau der Beratung einen Zuschuss von 19.092 Euro um die Versorgungslücke für ein spezielles und weiterführendes Beratungsangebot zu schließen. Man will ein offenes Beratungsangebot für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen schaffen. „Dazu bedarf es einer Verdoppelung der bisherigen Stunden von 12 auf 24 Wochenstunden für die Landkreise Traunstein und Berchtesgaden. Im vergangenen Jahr wurde dieser Zuschuss mit der Förderzusage vom 24. September 2020 dem SkF zugesagt“, wird im Sachvortrag des Kreisausschusses festgehalten.

„Es besteht noch Handlungsbedarf“

Dabei habe man aber „wegen eines nicht eindeutigen Antrages des SkF“ die Förderung mit einer bereits gewährten jährlichen Unterstützung von 5.592 Euro verrechnet und dieser Betrag sei jetzt noch offen. „Das Beratungsangebot ist neben dem Anschluss an das Frauenhaus ein weiterer wichtiger Baustein, um das Hilfsangebot für unseren Landkreis für von Gewalt bedrohte Frauen vervollständigen zu können“, wird im Sachvortrag bekräftigt. Kreisrätin Elisabeth Hagenauer (Grüne) signalisierte zwar die Zustimmung ihrer Partei, sieht aber noch viel Handlungsbedarf. „Ein Platz reicht nicht. Gerade in schwierigen Zeiten unter den Corona-Maßnahmen verschlechtert sich die häusliche Situation der Frauen.“

Betreuung über Monate

Sabine Weiß vom SkF verweist auf die seelischen Wunden von misshandelten Frauen. „Es dauert häufig sieben Jahre, bevor sich Frauen öffnen, bereit sind darüber zu sprechen wenn sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Finanzielle Hilfe ist aber nur für drei Beratungen vorgesehen, dabei nimmt die Begleitung oft Monate in Anspruch.“ Sie verweist auch auf einen Grundsatz der im Gewaltschutzgesetz verankert ist und lautet: „Wer schlägt, muss gehen – das Opfer bleibt in der Wohnung.“

Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden für den Landkreis?

Branchenvertreter mit klarem Statement  Wirtschaftshilfe BGL zeigt sich zögerlich

Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger
Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger

Wie hoch ist der Schaden für den Tourismus mit den betroffenen Branchen von Hotellerie, Gastronomie, Handel und Freizeiteinrichtungen – von den Thermen bis zu den Bergbahnen – nach sechs Monaten Stillstand. Wie stellt sich die wirtschaftliche Lage im Landkreis dar, wollten wir als Redaktion wissen. Erster Ansprechpartner in der Region ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises. 

Sie unterstützt nach eigener Aussage mit einem Team von elf Mitarbeitern „Unternehmerinnen und Unternehmer umfassend, individuell und vertraulich“. Vor vier Wochen baten wir um aktuelle Zahlen, bis heute könne man dazu keine Angaben machen, „man wisse es ganz einfach nicht, arbeite aber daran“, ließ Geschäftsführerin Dr. Anja Friedrich-Hussong ausrichten. Jetzt steht endlich ein Termin fest. Wir haben uns vorher bereits umgehört.

Keiner nennt das Ausmaß
der Kollateralschäden

Interessiert hätte uns, wie hoch der Wirtschaftseinbruch für den Landkreis im Jahr 2020 ausfällt. Deutschlandweit sollen es fünf Prozent gewesen sein, in unserer vom Tourismus geprägten Region dürfte er höher ausfallen. Nach dem Wegfall des Weihnachtsgeschäftes bleiben im neuen Jahr für viele Unternehmer die Türen geschlossen. Sie dürfen nicht aufsperren, nicht vermieten und auch keine Gäste befördern oder bewirten. Ein Jahresumsatz von 487 Millionen Euro im Jahr 2019, laut Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif), zeigt die Bedeutung der Branche für das Berchtesgadener Land. Tourismusmanagerin Dr. Brigitte Schlögl bezifferte den Umsatzausfall für den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 bereits mit rund 50 Millionen Euro für den Landkreis.

Einbruch von 36 Prozent

Dehoge-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann

„Ein überaus starker Sommer verhinderte zwar das Schlimmste“, bekennt Dehoga-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann, „die Reisen ins Ausland waren ja nur erschwert möglich, doch die Einbrüche im Landkreis liegen zwischen 16 und 36 Prozent, je nach Region.“ So verlor Berchtesgaden im Jahr 2020 knapp 370.000 Übernachtungen und Bad Reichenhall mit Bayerisch Gmain 353.000 Übernachtungen. Für Bad Reichenhall aber bedeutet dies bei insgesamt nur 958.000 Nächtigungen ein Minus von 36 Prozent. Die fünf südlichen Landkreisgemeinden brachten es 2019 auf 2,27 Millionen Nächtigungen. Dazu verzeichnete der Landkreis jährlich noch knapp sechs Millionen Ausflugsgäste, die seit Oktober 2020 weitgehend ausbleiben. Je Tagesgast wird ein Umsatz von 24,80 Euro zugrunde gelegt.
Ein aktuelles pdf dazu hier: dwif-wirtschaftsfaktor-tourismus-bgl

Rücklagen aufgebraucht – 
Griff nach der Altersvorsorge

Wieninger Schwabenbräu überbrückt mit einem Außer-Haus-Verkauf.

Wie hoch der angerichtete Schaden dabei ist, kann auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Berchtesgadener Landes aktuell nicht benennen. Wie viel Unternehmerinnen und Unternehmer haben ihre Rücklagen aufgebraucht, teilweises sogar ihre Altersvorsorge investiert? Wie viele „arbeitslose Selbständige“ zählen wir im Landkreis? Wie viele Fachkräfte wenden sich von der Branche ab? Zu all dem gibt es keine Angaben und gerade sie wären zur Beurteilung der Lage wichtig. Erschwerend wirken sich darüber hinaus die verzögerten Hilfen aus. „Erst wenn klar ist was bei den Betrieben ankommt, kann man Bilanz ziehen und das kann noch dauern“, gibt Johannes Hofmann zu denken.

Wirte leben von Hartz IV
Tourismus ohne Zukunft

Tische stehen auf der Bergstation der Jennerbergbahn keine mehr, auch Gäste bleiben seit einem halben Jahr aus. Der Betrieb musste schließen.

Er macht sich Sorge um die Zukunft der Branche: „Ich kenne erste Wirte die Hartz IV beziehen und erste Köche und Servicekräfte die in die Verwaltung, das Handwerk oder in die Dienstleistungsbranche wechseln.“ Noch vor einem Jahr zeichnete sich die Tourismusbranche durch Innovation, Internationalität, Wachstum und einen guten Ruf aus. Das ist jetzt nachhaltig vorbei, „wer will in einer unsicheren Branche noch seine berufliche Zukunft investieren?“ fragt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Selbst Landrat Bernhard Kern, der die negativen Auswirkungen für das Berchtesgadener Land fürchtet, zeigt sich laut seiner jüngsten Pressemeldung „fassungslos über die jüngsten Beschlüsse der Staatsregierung“, sieht die Belange des Landkreises nicht berücksichtigt.

Wo bleiben
die Gelder und Hilfen?

Zu der wirtschaftlich angespannten Situation der Branche kommt noch die schleppende Auszahlung versprochener Hilfen. Hannes Lichtmannegger vom Hotel Rehlegg in der Ramsau, und mit ihm auch alle anderen betroffenen Unternehmen im Landkreis, können erst jetzt im März die Oktoberhilfe beantragen. „Und dabei haben wir aufgrund der Zwangsverordnung des Landkreises über Nacht bei Vollbelegung alle Gäste nach Hause schicken müssen“, erinnert der Hotelier. Für den gesamten Zeitraum von Oktober bis November seien bislang nur 150.000 Euro Überbrückungshilfe geflossen, bei einem Umsatzausfall von zwei Millionen Euro.

Nicht jeder
bekommt einen Kredit

Auch bei der Rupertustherme in Bad Reichenhall „geht nichts mehr“. Parkplatz und Therme sind seit sechs Monaten geschlossen.

“Die Hilfen für November wurden erst im Februar ausbezahlt und für Dezember und Januar sind ebenfalls noch keine Gelder angewiesen“, ergänzt er. Zudem müsse er als Unternehmer das Kurzarbeitergeld für die Angestellten am Monatsanfang ausbezahlen, bekommt es aber erst drei, vier Wochen später wieder erstattet, abzüglich des Arbeitgeberanteils. „Ich schätze mich heute glücklich, dass ich sofort das Gespräch mit meiner Hausbank gesucht habe und sie mir für diese schwere Zeit einen großzügigen Kredit gewährte. Den muss ich natürlich wieder zurückzahlen, größere Investitionen in den Betrieb sind damit für die nächsten Jahre erst einmal gestoppt“, bekennt Hannes Lichtmannegger. Nicht alle Hoteliers und Gastronomen dürften in dieser glücklichen Lage sein. „Bei Pachtbetrieben oder jungen Unternehmen wird es nur bedingt Kredite geben, um sich über diese Monate zu retten“, räumt Johannes Hofmann ein. „Die Situation vieler Betriebe wird zunehmend äußerst kritisch, weder ein Aufatmen durch Umsätze während der Weihnachtszeit, noch die Winter- und Skisaison konnten die schreckliche Situation in den Betrieben verbessern“, führt er in einem persönlichen Schreiben als Dehoga-Kreisvorsitzender an den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aus.

Klare Ansage der Bürgermeister

An ihn wandten sich bereits am 15. Februar alle fünf Bürgermeister des südlichen Landkreises sowie Dr. Bartl Wimmer, Vorsitzender des Zweckverbandes Tourismusregion Berchtesgaden- Königssee, und die Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen und vom Markt Oberstdorf. Sie bezeichnen den Tourismus in der Alpenregion für eine stabile Wirtschaftslage als unverzichtbar und warnen vor der Abwanderung von qualifizierten Fachkräften, denn „die Qualität in den touristischen Betrieben hängt stark von geeignetem Personal ab.“ Zudem „stößt eine mangelnde Planungsperspektive Gäste ab. Buchungen erscheinen unsicher und werden vermieden.“

Nichts für Ferienwohnungen

Sie appellieren bereits im Februar an den Ministerpräsidenten Markus Söder, Beherbergungsbetriebe, Gastronomie und Ausflugsziele gleichzeitig zu öffnen, denn „sonst verliert der Aufenthalt in der Urlaubsregion zu stark an Attraktivität.“ Ein in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommener Aspekt der Lockdowns ist die Schließung von nichtgewerblichen Privatvermietern und Ferienwohnungen. Die Bürgermeister treten auch für sie ein. „Sie zahlen wie jeder andere Betrieb Steuern und Gebühren, erhalten aber trotz großer Umsatzeinbußen keine finanziellen Hilfen.“

Fast 15 Millionen Euro für die Jugendhilfe im Landkreis

Noch ist der Haushalt des Landkreise Berchtesgadener Land für die Jugendhilfe über 14,7 Millionen Euro vom Kreistag nicht angenommen, doch der Jugendhilfeausschuss hat ihm bereits zugestimmt. Bringt man Erträge von 3,7 Millionen zum Abzug, verbleibt dem Landkreis eine Belastung von knapp 11 Millionen Euro.  

Emotionen entfalten sich auf ihre eigene Weise. Bild von Free-Photos von Pixabay

Zu den Hintergründen: „Hinter ADS/ADHS, Legasthenie oder Dyskalkulie, Autismus und ähnlichen Auffälligkeiten können sich seelische Störungen verbergen, die dazu führen können, dass ein Kind von der seinem Lebensalter entsprechenden Entwicklung abweicht und im schulischen Alltag oder auch in der Familie und im Zusammensein mit Freunden auffällig ist.“ Der Jugendhilfeausschuss wurde dabei über Schwerpunkt der Arbeit und die Maßnahmen der Eingliederungshilfe informiert. Eine tragende Rolle spielen die Eingliederungshilfe und der Schutz vor einer Gefährdung des Kindeswohl.

Seelische emotionale Störungen

Als größter Posten der Jugendhilfe werden unter „Sonstige Leistungen“ 9,7 Millionen ausgewiesen. „Dahinter verbergen sich 36 Einzelleistungen, wie die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche gemäß Paragraph 35a des achten Sozialgesetzbuches (SGB) mit 1.963.000 Euro. Darüber hinaus sind 1,3 Millionen Euro Zuschussbedarf für die Heimerziehung und sonstige betreute Wohnform nach Paragraph 34 des achten SGB eingeplant. Auch zählen zu den sonstigen Leistungen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe die Jugendsozialarbeit, Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz, Förderung der Erziehung in der Familie und weitere Hilfen zur Erziehung“, führt Nicole Fegg, Fachbereichsleiterin des Finanzmanagements im Landratsamt, aus.

Eine Gefährdung des Kindeswohl?

Mathias Kunz, Fachbereichsleiter des Amtes für Kinder, Jugend und Familien ergänzt: „Im Bereich der Gefährdungsabklärung, der mit einem Hausbesuch verbunden ist, verzeichnen wir eine signifikante Steigerung von jährlich 115 auf 192 Fälle, also eine Steigerung von 67 Prozent. Der Bedarf in der Jugendhilfe also wird weiter steigen.“ In der Sozialraumanalyse aber habe man die Situation im Blick, führte er weiter aus, um eine Gefährdung des Kindeswohl zu vermeiden.

Von 800.000 auf zwei Millionen

Als besonderen Bereich präsentierte Nicole Fegg dem Jugendhilfeausschuss die Entwicklung der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche in einer zehnjährigen Übersicht. Der Zuschussbedarf hat sich von 811.500 Euro im Jahr 2012 auf fast zwei Millionen Euro im Jahr 2021 entwickelt. Der größte Sprung war in den Jahren 2016 und 2017 zu verzeichnen, als der Bedarf von 809.000 auf 1.345.00 Euro anstieg. Eine Ursache davon dürfte der steigende Immigrationsdruck sein, auch wenn das Amt dazu keine Angaben macht. Doch vor allem bei ihnen dürfte eine schnelle  Eingliederungshilfe geboten sein.

SPD macht Druck im Kreistag bei der Sozialraumanalyse

Konsequenzen aus der Sozialraumanalyse des Landkreises vom Juli 2020 fordert die SPD-Kreistagsfraktion. Die Analyse fordere die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum, die Gewinnung von Fachkräften und Verbesserungen im Bereich ‚Bildung und Betreuung‘ mit integrativen Schwerpunkt. Eine Lenkungsgruppe soll nun innerhalb der nächsten 18 Monate Lösungsansätze entwickeln.

Landkreis muss ins Handeln kommen

Bezahlbarer Wohnraum ist auch im Berchtesgadener Land selten. Image by ptra from Pixabay.

„Die Stabsstelle für Landkreisentwicklung im Landratsamt befürwortet den SPD-Antrag grundsätzlich“, heißt es in der Stellungnahme. Die Firma Demosplan habe im Sommer ihren Ergebnisbericht vorgestellt, im Detail sogar eine Bestandsaufnahme für die einzelnen 15 Gemeinden erarbeitet. Dabei „dürften viele Themen nicht isoliert für jede Gemeinde betrachtet werden, sondern verlangen eine gemeindeübergreifende Strategie. Darüber wäre man sich in der Julisitzung des Kreistages einig gewesen“, hieß es im Fachvortrag.

Man will die Kontrolle behalten

Die Stabsstelle im Landratsamt habe erste Planungsschritte für einen weiteren Arbeitsprozess entwickelt. „Sie decken sich in weiten Teilen mit den im SPD-Antrag enthaltenen Aussagen und Begründungen.“ Der Kreistag soll darum einen Beschluss für „eine landkreisweite Gesamtstrategie zu den wichtigsten Themenfeldern der Sozialraumanalyse bis 2030“, fassen. Nach entsprechenden Beschluss des Kreistages werde dann eine Lenkungsgruppe bestimmt. Für dieses Vorgehen sprach sich der Kreisausschuss bei drei Gegenstimmen aus. Man einigte sich darauf, dass der Ausschuss für Umweltfragen, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität selbst als Lenkungsgruppe agiert. Er trifft damit „alle strategischen Entscheidungen für die Entwicklung einer landkreisweiten Umsetzungsstrategie in den wesentlichen Handlungsfeldern der Sozialraumanalyse für die nächsten zehn Jahre und steuert zugleich den entsprechenden Arbeitsprozess.“ Damit greife man auf bewährte Arbeitsstrukturen zurück.

Projektgruppen sollen liefern

Roman Niederberger, Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion, wollte sich damit nicht gleich anfreunden. Der Ausschuss sei ja bereits jetzt mit seinen Aufgaben gut ausgelastet. Bei einer neuen Lenkungsgruppe hätten die Fraktionen des Kreistages Gelegenheit, noch andere Personen mit einzubeziehen, „Leute die für die Idee brennen.“ Dem entgegnete Landrat Bernhard Kern, dass es der Ausschuss ist, der sich für die Projekte und Ziele des Landkreises begeistere, zudem würden in Projektgruppen auch Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen mitwirken. Kreisrat und Bürgermeister Thomas Gasser sieht das ähnlich. „Die Fraktionen haben ihre Kandidaten für diese Aufgabe im Ausschuss ja bereits bestimmt und in 18 Monaten sollen ja schon erste Ergebnisse präsentiert werden.“

Letztes Wort hat der Kreistag

Er bezog sich dabei auf die Bildung von Projektgruppen, die von der Lenkungsgruppe einberufen werden. Die Themenschwerpunkte und konkrete Arbeitsaufträge gibt die Lenkungsgruppe, also der Kreisausschuss, vor. Ebenso werden von ihm je zwei Sprecher als Leiter der Gruppe ernannt. Die Ergebnisse sollen dann nach 18 Monaten zusammengefasst und nach Freigabe durch den Ausschuss dem Kreistag zum Beschluss vorgelegt werden.

175 Jahre Badekurort Reichenhall mit Symbolcharakter

1844 nahm die damals völlig neu erbaute Alte Saline ihren Betrieb auf. Die Anlage bildet zudem den Kern des Ensembles Alte Saline, der Ensembleschutz umfasst neben der Alten Saline auch die Salinenstraße, den Beamtenstock, den Oberen und Unteren Lindenplatz sowie den Feuerwachturm auf dem Gruttenstein.

Die Stadt will nun auf ein 175-jähriges Jubiläum als Badekurort zurückblicken und macht dies an der Öffnung der „Sole- und Molkekuranstalt Achselmannstein“ im Jahre 1846 fest. Der Salinenarzt Dr. Osterhammer verabreichte aber bereits 1822 in Bad Kirchberg mit Sole vermischte Bäder. Man könnte also ebenso nächstes Jahr ein 200-jähriges Jubiläum der Solebäder in Bad Reichenhall feiern. 1846 aber schien den Verantwortlichen wohl passender, da 12 Jahre nach dem verheerenden Stadtbrand die Stadt erneuert wurde, im Zentrum die Anlagen der Alten Saline, die unter König Ludwig I. einen großen Förderer fanden. Das Stadtbild wandelte sich, mehr und mehr verschwand die alte Salinenstadt. 

Die Kuranstalten von Bad Reichenhall sind längst Geschichte. Sie standen in Besonderer Weise für die Tradition der Kur in der alten Badestadt.

Vielleicht aber steht das ehemalige Grandhotel Axelmannstein ja symbolisch wirklich für eine über 175-jährige Badetradition in Reichenhall, den Titel Bad erhielt die Stadt erst 1890. Das einst so stolze Anwesen, die viel beschworene Wiege des Staatsbades, ist heute baufällig und bröckelt vor sich hin. Der Glanz der alten Tage ist längst vergangen und eine Modernisierung wird seit Jahrzehnten immer weiter hinausgezogen. Ob sie jemals kommt, dürfte in Zeiten, in denen die Regierungen dieser Welt Hotellerie und Tourismus gewaltsam zum Erliegen bringen, fraglich sein.

Bad Reichenhall:
Aufbruch oder Niedergang?

Gewaltsam zum Erliegen kam das blühende Staatsbad bereits während zweier Weltkriege und der großen Welt-Wirtschaftskrise, erinnert der Reichenhaller Stadtarchivar Dr. Johannes Lang. Die von ihm beschworene Aufbruchstimmung ließ dann bis in die 60er-Jahre auf sich warten und hielt dreißig Jahre lang. Dann kam das jähe Ende durch die Gesundheitsreform unter dem heutigen CSU-Innenminister Horst Seehofer und mit ihnen ein Ende der Offenen Badekur. In der Folge schlossen ein Dutzend privater Pensionen und die Zahl der Übernachtungen erreichte Nachkriegsniveau, sie sank von 1,6 Millionen auf unter 800.000. Einst so stolze Kuranstalten, wie etwa das Victoriabad oder das Staatlich Städtische Kurmittelhaus – insgesamt gab es ein halbes Dutzend – sind alle verschwunden. Besonders sie standen für die lange Tradition der Kur in Bad Reichenhall. Ein Niedergang, der sich bis zur Jahrtausendwende hinzog und nur sehr langsam erholte sich die Badestadt von diesem Schlag, suchte neue Wege der Vermarktung und neue Zielgruppen zu gewinnen.

Bad Reichenhall:
Eigenvermarktung scheiterte

2005 dann erfolgte unter der Leitung von Gabriele Deml, zuvor 9 Jahre lang Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins in Bad Reichenhall, die Gründung der BGL-Tourismus GmbH, die fortan den gesamten Landkreis vermarkten sollte. Bad Reichenhall verzichtete damit auf die Eigenvermarktung, man könnte auch den Schluss ziehen, dass sie damit gescheitert ist und sich der gewünschte Erfolg nicht einstellte. Heute, 15 Jahre später zerbricht auch diese Organisation. Wobei Bad Reichenhall, wohl im Geld zu sparen, mit Dr. Brigitte Schlögl, die Leiterin der Tourismusorganisation, gleich mit dem Stadtmarketing beauftragte. Ob Stadtmarketing oder touristische Vermarktung, für die Stadtoberen scheint es da kaum Unterschiede zu geben, nach dem Motto, wer schon vor der Haustür des Nachbarn kehrt, der kann ja das eigene Haus gleich mitbestellen.

Wer soll jetzt Millionen investieren?

Und jetzt, wo seit vier Monaten und auf unabsehbare Zeit die Hotels und die gesamte touristische Infrastruktur zwangsweise geschlossen wurden, wie etwa die Rupertustherme oder die Predigtstuhlbahn, hofft man auf neue Projekte. Zudem warnen politische Stimmen bereits vor einem neuen Lockdown im Herbst und vor weiteren schrecklichen Corona-Mutationen, die das Volk in Angst und Schrecken versetzen sollen. Wer möchte da noch Millionen investieren? Ja, Bad Reichenhall hat sich wahrlich ein gutes Symbol für seine 175-jährige Badetradition ausgesucht. Ein altes Hotel, dem die Kraft und Innovation zur Modernisierung fehlt. Wer mag es ihm verdenken, in Zeiten wie diesen.

TV-Team von Kontrovers besucht den Schwabenbräu

Aufschwung für Bad Reichenhall erwartet
In den Sozialen Medien profilieren 

Bereits im November hat die Redaktion sich mit Thomas Riedl, seit 23 Jahren Wirt vom Schwabenbräu in Bad Reichenhall, über die Folgen des erneuten Lockdowns für die Branche unterhalten. Schon damals befürchtete er einen Umsatzverlust von fünfzig Prozent für das Jahr 2020. Er beklagte hohe fünfstellige Investitionen, um etwa auch den hohen Hygieneauflagen für den laufenden Betrieb gerecht zu werden. Einen Lieferservice, wie Kollegen von ihm anbieten, wollte er im November nicht starten. Jetzt aber hat er sich für die Variante „Essen to Go“ entschieden, eine kleine Karte zusammengestellt und am vergangenen Wochenende nach drei Monaten die Küche wieder aufgesperrt. Und er ist überwältigt von dem Zuspruch.

Personal mit hohen Einbußen

Auf Facebook zählt der Schwabenbräu eine große Fangemeinde von fast 2000 Gästen, fünfstellige Aufrufzahlen und seine Ankündigung werden mehrfach geteilt. Für seinen Küchenstart hatte er großes Glück, denn am Wochenende war bei ihm gleich ein Fernsehteam von Kontrovers, dem Politmagazin des Bayerischen Rundfunks, mehrere Stunden zu Gast. Thomas Riedl hat bei dem Service auch seine Mitarbeiter im Blick. „Für sie ist die Situation ebenfalls schwer. Seit drei Monaten haben sie keine Arbeit und ein reduziertes Einkommen. Sie beziehen Kurzarbeitergeld und der Wegfall von Trinkgeldern, ein wichtiger Teil des Einkommens, müssen sie ebenfalls verkraften. Da verbleiben nur 50 Prozent des sonst üblichen Einkommens und weniger. Dazu kommt die psychische Belastung und die Unsicherheit, wie es beruflich weitergeht.“ Der Unternehmer beschäftigte zuletzt einen Personalstamm von 35 Mitarbeitern.

Junge Gäste sind begeistert

Thomas Riedl und seine Frau Ruth sind trotz aller Umstände aber Optimisten geblieben. Bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 haben sie sich darauf geeinigt, „nicht zurück, sondern nach vorne zu schauen.“ Sie freuen sich über die Filmaufnahmen, weil es vor allem auch Bad Reichenhall zugute kommt. Mit der Filmcrew waren sie zwei Stunden in der Innenstadt unterwegs. Thomas Riedl ist als Gastronom und Unternehmer aber auch Realist und räumt ein, dass womöglich jeder zweite Gastronomiebetrieb die Krise nicht überstehen wird, wie aktuelle Prognosen der IHK aufzeigen würden. „Insgesamt aber werden wir in den nächsten Jahren in Bad Reichenhall einen starken Aufschwung spüren“, ist er sich sicher. In seinen Ferienwohnungen registrierte er aufmerksam, dass im Sommer auch viele junge Menschen kamen, teilweise mit Kindern und teilweise noch nicht einmal verheiratet. „Viele von ihnen waren begeistert, von der Landschaft, der Ruhe und den unzähligen Möglichkeiten, die die Region bietet.“ Das Auseinanderbrechen der BGLT sei zwar ein Wermutstropfen für den Landkreis, doch Bad Reichenhall werde einen Aufschwung erleben, müsse sich insgesamt aber moderner präsentieren.

In der Krise Zeichen setzen

Dabei geht der Wirt vom Schwabenbräu selbst neue Wege. Zu Weihnachten etwa hat er seinen Gastgarten über Wochen hinweg in ein lebendiges kleines Weihnachts-Wunderland verwandelt und über Livestream eine Rock-Christmas übertragen mit 10.000 Zuschauern. Sein ebenfalls im Livestream übertragene „Vor-Silvester-Party“ verfolgten sogar 13.000 Zuschauer. Beide Veranstaltungen führte er seit 22 Jahren erfolgreich in seinem Betrieb durch, bei vollem Lokal und Gastgarten. Für den Livestream sicherte er sich professionelle Hilfe von seinem Freund, dem Alleinunterhalter Klaus Mehlig, der für ihn in den sozialen Medien für „echte Hingucker“ sorgt. „Natürlich war er auch bei den aktuellen Fernsehaufnahmen von Kontrovers mit dabei,“ bekräftigt Thomas Riedl. Für ihn ist es der Weg „nach außen“, hin zu seinen Gästen und zu einem großen Publikum. Mit den Angestellten halten er und seine Frau über eine WhatsApp-Gruppe Kontakt.

Der Erfolg von seinem auf die Wochenenden (Freitag bis Sonntag) begrenzten Außer-Haus-Verkauf kommt darum nicht von ungefähr. „Zwischen 50 und 100 Essen verkaufen wir am Tag und viele Gäste zeigen sich beim Trinkgeld großzügig. Sie wollen uns unterstützen und ihren Schwabenbräu auch in den nächsten Jahren noch erleben“, hört er häufig. Was nach großem Erfolg klingt, wird aber wohl eher die Kosten decken, und ist mit viel Arbeit verbunden. „Allein die Pflege in den sozialen Medien, die Beantwortung vieler Kommentare und Emails verlangen ihm und seiner Frau Ruth täglich viele Stunden ab. „Ohne geht es aber nicht, und das vielfache positive Feedback zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Wer sich näher über die Aktivitäten des Gastronomen informieren möchte, muss etwa bei Facebook nach Wieninger Schwabenbräu suchen.

Der aktuelle Beitrag ist im Bayerischen Fernsehen in der Sendung Kontrovers am Mittwoch ab 21.15 zu sehen.

Die Umwelt in einer gesunden Balance bewahren

„Was ist ein Klimawald?“ Diese Frage beantwortete Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller bei der Bilanzpressekonferenz der Bayerischen Staatsforsten in Berchtesgaden. Kurz zusammengefasst meint er damit, den Wuchs jener Baumarten zu fördern, die den Witterungsbedingungen am besten standhalten. Gleichzeitig seien jene Baumarten zu stärken, die den Klimawandel bremsen. „Holz speichert in langlebigen Produkten große Mengen an Kohlenstoff aus der Atmosphäre und entlastet so das Klima,“ führt Müller aus, und spricht sich für den Einsatz von mehr Holz als Bau- und Werkstoff aus. „Ein Klimawald ist darum nur der genutzte Wald, weil er Co² intensive Rohstoffe vermeidet“, bekräftigt er und argumentiert weiter: „Die Herstellung und Verarbeitung von Zement verbraucht mehr CO² als der gesamte Flugverkehr.“ Ebenso seien Fenster aus Aluminium oder Kunststoffe keine gute Wahl für die Umwelt.

Ein gesunder Wald
für eine gesunde Umwelt

Für einen gesunden Wald und eine gesunde Umwelt aber sei noch ein ganz anderer Faktor entscheidend, es ist der Bestand an Reh- und Rotwild. Es müsse die richtige Balance gefunden werden, um Populationen zu erhalten, sie aber nicht überhand nehmen zu lassen und so vor allem den Jungwald vor zu hohem Verbiss zu schützen. Aktuell wolle man im Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein den Rehbestand etwas dezimieren und weniger Hirsche erlegen, „um das Geschlechterverhältnis zu verbessern“, führt Dr. Daniel Müller aus. Darüber hinaus trage das Rehwild die höchste Vermehrungs-Potenz, auch wenn es leichter sei Hirsche zu schießen.

44.000 Euro für die Wildfütterung

An Abschüssen verzeichneten die Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden in der vergangenen Saison (2019/20) 1205 Rehe, 161 Rotwild und 339 Gämsen und lag damit beim Schalenwild etwas über der angesetzten Abschussquote. Der Aufwand für die Fütterung der Wildtiere wird mit 44.348 Euro angesetzt, „nur das Futter ohne Personal“, bestätigt Dr. Daniel Müller. Früher übrigens wurden die Wildtiere nicht gefüttert. „Sie wanderten im Winter aus den Bergen in die Tallagen, häufig bis in die Auen der Salzach oder der Traun. Das ist ihnen heute verwehrt“, erklärt der Forstbetriebsleiter. „In der Schweiz gab es sogar den Versuch, das Füttern im Alpenraum einzustellen. Das Ergebnis waren viel zu hohe Verbissschäden und das wollen wir nicht.“

Wildfütterung immer artgerecht

Bei der Fütterung gelte es nicht nur artgerecht anzurichten, sondern auch gemäß der Jahreszeiten den biologischen Bedürfnissen zu entsprechen. „Das Rotwild benötigt je nach Jahreszeit unterschiedliche Kost, Eiweißreiche im Herbst und Frühjahr, im Winter viel Raufutter mit wenig Eiweiß und vielen Fasern, so wie es die Natur ja eigentlich auch vorgibt.“ Früher habe man auch im Hochwinter noch Kraftfutter gegeben, was völlig falsch wäre, wie viele Studien belegen. „Es schadet dem Rehwild, der Magen übersäuert und es kann sogar zum Tode führen,“ bekräftigt Müller.

Fütterungsverbot für das Rehwild

In den Bayerischen Staatsforsten besteht durch die Hegerichtlinie sogar ein Fütterungsverbot für Rehwild, ausgenommen seien Notzeiten, also wirklich strenge Winter mit viel Schnee. Für das Rotwild wird mit der Futtervorlage bereits im November begonnen, nicht weil es schon notwendig wäre, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass es was gibt. Darum stehe kaum Rotwild an der Fütterung, doch wenige Kilometer entfernt im Bergwald. „Sobald es im Wald durch Schnee und Frost nichts mehr gibt, laufen die Wildtiere schnurstracks zur Fütterung“, erzählt Dr. Daniel Müller.

Der Forstbetrieb Berchtesgaden bewirtschaftet fünf Wintergatter und eine Fütterung. Die Gatter sind großräumig eingezäunt, damit das Wild seine Ruhe findet. Die intensive Zeit von Verbissschäden ist der März und April, wenn es die Tiere schon raus, hin zu den Südwesthängen der Berge zieht. Doch sie finden dort noch kein frisches Futter. „Darum öffnen wir die Zäune erst im Mai, um Schäden zu vermeiden und mehr Rotwild in den Bergen zu halten.“

Hohe Nachfrage beim Wildladen
über den Waldshop.de

Gut entwickelt habe sich auch der Wildladen an der Geschäftsstelle der Staatsforsten in Berchtesgaden. Er war vor zwei Jahren bayernweit mit Wasserburg und Kehlheim ein Pilotprojekt. „Die Nachfrage ist sehr hoch“, weiß Dr. Daniel Müller, „zu Weihnachten sind wir so gut wie ausverkauft.“ Es empfiehlt sich darum eine telefonische Voranfrage, denn das Sortiment richtet sich nach den Abschusszeiten und „dem, was da ist“. Generell aber bietet sich so jedem Bürger die Möglichkeit, Wildfleisch aus der Region zu kaufen. Müller ergänzt: „Nur zehn Prozent aus den Abschüssen werden in der Wildboutique verkauft. Es wird durch den Verkauf kein einziges Stück Wild mehr oder weniger geschossen.“ Mehr Informationen gibt es unter baysf-waldshop.de.

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Staatsforsten fahren Verlust ein

Soziale Spannungen verschärfen sich

Caritas-Schuldnerberaterin Ania Winter
registriert einen deutlichen Anstieg
in der Sozialberatung

Ania Winter vor der Caritas-Beratungsstelle in Bad Reichenhall – Foto: Gerd Spranger

Eine zentrale Anlaufstelle für Menschen in Not ist die Soziale Beratung der Caritas für die Region Berchtesgadener Land. Dabei hat die Not viele Gesichter und schleicht sich häufig auf leisen Sohlen ins Leben. Es sind die Verbraucherinsolvenzen, mit denen die Caritas konfrontiert wird, denn Firmeninsolvenzen zählen nicht zu ihrem Bereich. „Und hier stehen demnächst gesetzliche Änderungen, wie etwa eine Restschuldbefreiung nach drei Jahren, in greifbarer Nähe. Das lässt viele Menschen mit der Antragstellung noch warten“, erläutert Ania Winter, die als Fachdienstleitung der Gemeindeorientierten sozialen Arbeit und damit auch für die Schuldner- und Insolvenz-Beratung der Caritas Berchtesgadener Land zuständig ist.

Anstieg um 25 Prozent

Zugenommen habe der Bereich ‚Allgemeine Sozialberatung‘ im Landkreis mit bis zu 300 Menschen in der Beratung. „2020 werden es knapp 400, also 25 Prozent mehr sein“, schätzt Ania Winter die Lage ein. “Zunehmend suchen Menschen Hilfe, die normaler Weise gut im beruflichen und sozialen Leben integriert sind, auch ältere Menschen. Dabei sind die Ursachen vielfältig und werden durch die Corona-Maßnahmen verschärft.“

Zunächst trifft es viele, die aufgrund der Kurzarbeiterregelung auf etwa 30 Prozent ihres Einkommens verzichten müssen. „Das ist über mehrere Monate gesehen ein erheblicher Einbruch. Bei laufenden Krediten für Autos oder Konsumgütern kann dies schnell Probleme verursachen, auch wenn häufig eine Stundung von drei Monaten erwirkt werden kann. Dann aber ist in der Regel die ganze Summe fällig und diese Hürde können viele nicht nehmen“, erklärt die Schuldnerberaterin. „Auch sind Familien zur Haltung des Lebensstandards oft auf einen Zuverdienst aus einer geringfügigen Tätigkeit angewiesen. Sie sind häufig im Bereich Gastronomie, Hotellerie, Reinigung und Tourismus beschäftigt, und dieses Zusatzeinkommen fällt dann ersatzlos weg.“

Herausforderungen:
„Unmittelbar, handfest, konkret“

Selbst die vorübergehende Schließung von Ämtern oder der Agentur für Arbeit für den Personenverkehr wirft Probleme auf. „Eine Onlineberatung ist nicht das Gleiche. Manche Menschen brauchen den persönlichen Kontakt, die persönliche Hilfe. Und sei es nur für Kleinigkeiten wie das Einscannen von Dokumenten oder nötige Ausdrucke“, weiß sie aus vielen Gesprächen. „Finanzielle Herausforderungen zeigen sich unmittelbar, sind handfest, konkret und klar erkennbar. Ein anderer Bereich aber wiegt oft schwerer, die psychischen Belastungen, die die Betroffenen nicht alleine bewältigen können.“

Schleichende Vereinsamung

„Vereinsamung und Depressionen sind ein schleichender Prozess, geschehen unmerklich, wird von den Betroffenen selbst kaum wahrgenommen,“ so Ania Winter. „Es sind manchmal sogar Nachbarn, Familienangehörige oder Freunde, die uns auf Menschen aufmerksam machen, die sich immer mehr zurückziehen, vereinsamen. Mit ihrer Erlaubnis suchen wir dann einen ersten telefonischen Kontakt um zu helfen. Es sind die kleinen Dinge die fehlen und das Leben aktuell erschweren. Das kurze Gespräch beim Einkaufen, beim Spazieren gehen oder gesellschaftliche Anlässe. Das alles findet unter eingeschränkten Bedingungen statt, viele Menschen sind zudem verängstigt. Die Kontaktpflege von ‚Mensch zu Mensch‘ ist gestört und wird es jetzt auch zu Weihnachten und zur Jahreswende.“

Ania Winter nennt als positives Beispiel regionaler Hilfe das Corona-Projekt der „Aktion Mensch“, das von den Pfarreien und der Caritas mit getragen wird und noch bis zum 31. Dezember läuft. „Vor allem in jenen Wochen, als selbst die Tafeln geschlossen hatten, konnten wir schnell und unkompliziert helfen. Sachspenden von etwa 3000 bis 4000 Euro wurden an Bedürftige ausgegeben.“ Und noch etwas beobachten Ania Winter und ihre Mitarbeiter des Caritaszentrums: „Die Leute sind sparsamer geworden und reagieren so auf die anhaltenden Einschränkungen und die Lockdowns.

Alltag zusehends belastet

Sie fürchtet, dass diese Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. „Wäre es nur für ein paar Wochen, könnten wir die Defizite wohl gut kompensieren. Vom 14. Oktober, mit den ersten Beschränkungen für das Berchtesgadener Land, bis zum 10. Januar aber leben wir erneut drei Monate mit massiven Beschränkungen. Essen gehen mit der Familie, ein Konzert oder Kino besuchen, in der Therme entspannen, feiern mit Freunden, alles das bringt Farbe und Lebensfreude in unseren Alltag“, fasst Ania Winter das Runterfahren des öffentlichen Lebens zusammen und ergänzt:

Die Folgen werden andauern

„Die Caritas-Beratungsstelle kann zwar als Ansprechpartner und Unterstützer zur Verfügung stehen, ersetzt aber nicht den zwischenmenschlichen Kontakt, der gerade für Menschen am Rande der Gesellschaft oft nur der einzige positive Aspekt im Leben ist. Wenn dann für viele Mitbürger wieder weitgehende Normalität in den Alltag zurückkehren wird, bedeutet das für die Soziale- und Schuldner-Beratungsstelle, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie dort noch lange in Form von erhöhtem Bedarf an Beratung und Unterstützung nachwirken werden“, ist sich Ania Winter sicher.

Probleme mit hohen Mieten

Die Einschätzungen von Ania Winter bestätigt Sabine Schuster von der Erzdiözese München für ganz Oberbayern. „Seit Sommer sind der Beratungsbedarf und die Hilfen deutlich angestiegen. Im Großraum München wirkt sich zunehmend auch das hohe Mietniveau aus. Fällt ein Zusatzeinkommen weg, sind die finanziellen Lasten häufig nicht mehr zu tragen.“

LESEN SIE MEHR:
Ania Winter ist heute zweite Bürgermeisterin von Bad Reichenhall.
Im Februar 2020 empfahl sie sich für die FWG  als Oberbürgermeisterin. Lesen Sie mehr: https://meinreichenhall.wordpress.com/2020/02/02/es-ist-zeit-fuer-einen-politischen-neuanfang/

Mehr Routen für Bikes im Nationalpark?

Alte Verordnung endlich der Realität anpassen

Aus dem einst beschaulichen Radfahren ist längst ein Trendsport geworden, der mithilfe von E-bikes auch vor längeren und steileren Wegen nicht Halt macht. Aufgeheizt wird dieser Trend aktuell durch die Corona-Zwangsverordnungen und Reiseverbote in beliebte ausländische Urlaubsländer der Deutschen. Urlaub im eigenem Lande ist darum wieder angesagt, wie der letzte Sommer gezeigt hat.

Verträgt sich der Nationalparkgedanke mit der Nutzung durch E-Bikes? Drei Strecken könnten bald freigegeben werden: vom Hintersee in Richtung Hirschbichl bis zur Ragertalm (Klausbachtal), am Watzmann den Weg nach Kühroint bis zur Abzweigung Stubenalm und am Jenner die Strecke zur Priesbergalm.

Auch im Nationalpark Berchtesgaden ist dies spürbar, wie Nationalparkleiter Dr. Roland Baier bestätigt. Doch hat man sich im Landkreis schon früh Gedanken über das Radfahren in geschützten Zonen gemacht. Das Landratsamt Berchtesgadener Land erließ bereits 1992 eine „Verordnung über die Regelung des Betretens in Form des Radfahrens im Nationalpark Berchtesgaden“. Nach Art. 57 des Bayerischen Naturschutzgesetzes können Bußgelder bis zu 25.000 Euro verhängt werden für jene, die außerhalb der genehmigten Routen fahren.

Verbote werden einfach missachtet

„Die Praxis aber zeigt, dass in der Regel weder Bußgelder verhängt, noch häufigere Kontrollen zur Einhaltung der Verordnung durchgeführt werden“, gibt der Ramsauer Bürgermeister Herbert Gschoßmann zu denken. „Es ist darum an der Zeit, die Verordnung zu ändern und den Realitäten anzupassen“, fordert er in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates.

Dazu habe man in Vorgesprächen mit dem Nationalpark, dem Landratsamt, dem Bund Naturschutz und auch der Gemeinde Schönau bereits versucht, einige Varianten zu überarbeiten und empfiehlt zunächst drei Strecken: vom Hintersee in Richtung Hirschbichl bis zur Ragertalm (Klausbachtal), am Watzmann den Weg nach Kühroint bis zur Abzweigung Stubenalm und am Jenner die Strecke zur Priesbergalm. Sie könnten für die Biker freigegeben werden, was aber durch eine Änderung der Radverordnung erwirkt werden müsse. Im Gegenzug solle dann der Weg zur Blaueishütte gänzlich für Radfahrer gesperrt werden, informierte Herbert Gschossmann den Gemeinderat.

Weg zur Blaueishütte bleibt tabu

Die Gemeinderäte der Ramsau waren darüber geteilter Meinung. Franz Schwab etwa zweifelt daran, dass ein Verbot für Bikes auf einer vier Meter breiten Forststraße, wie etwa vom Hintersee zum Blaueisgletscher, von der Bevölkerung akzeptiert werde. Rudi Fendt ist ebenso nicht glücklich, dass der Forstweg in Richtung Blaueishütte gesperrt werden soll, zumal es getrennt davon einen eigenen Fußweg gibt. „Erfahrungen in Italien und der Schweiz zeigen, dass ein gutes Nebeneinander von Bergsteigern und Bikern möglich ist“, bekräftigt er seinen Einwand. Dr. Hans-Michael Müller-Bardorff hält dagegen. „Es ist ein Wahnsinn, wie die Biker in hoher Geschwindigkeit bergab rasen „Downhillracing“ heißt das auf Neudeutsch. Es gibt keine Rücksichtnahme, Kinder sind in Lebensgefahr.“

„Kinder haben Vorrang“

Bürgermeister Herbert Gschossmann schloss sich dieser Meinung an. Kinder haben Vorrang. Längst sei der Missbrauch und die Überschreitung von Grenzen an der Tagesordnung und dies könne man nicht hinnehmen. Selbst habe er etwa an der Halsalm an den Südhängen der Reiter-Alm erlebt, für die ein absolutes Fahrradverbot bestehe, dass an allen Ruhebänken abgesperrte Bikes lehnen. Bis zu 18 habe er schon gezählt. Selbst direkt am letzten Wegstück zur Blaueishütte, wo ein Weiterkommen nur noch zu Fuß möglich ist, stolperte er fast über drei direkt am Weg abgestellte Fahrräder. „Das Schlimme dabei war, ich wusste von allen drei Bikes wem sie gehören. Selbst ein Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung war darunter.“

Selbst auf dem Soleleitungsweg unterwegs

Ebenso registrierte Gemeinderat Michael Malten den Missbrauch, machte selbst auf dem Soleleitungsweg oberhalb der Gemeinde Ramsau immer wieder Radfahrer aus. „Es stört scheinbar nicht, dass alle 100 Meter ein Gatter zum Absteigen zwinge. Die fahren einfach, oft in kleinen Gruppen, trotz eines Verbotes auf dem engen Weg, wo es häufig kaum Ausweichmöglichkeiten gibt.“ Bürgermeister Herbst Geschoßmann bekräftigt: „Auf alle Fälle braucht es Kontrollen, denn sonst hilft ein Verbot nichts. Insgesamt nimmt der Druck auf die Natur und auch auf den Nationalpark zu. Hier trage der DAV (Deutsche Alpenverein) Verantwortung das Bewusstsein für die Natur und die in ihr lebenden Tierwelt zu stärken.“ Für die Kontrollen zur Einhaltung der Verbote sieht er die Nationalparkverwaltung mit den Rangern in der Pflicht.

Die Ranger sollen kontrollieren

„Natürlich ist es nicht angenehm die Radfahrer zur Rede zu stellen, die man womöglich noch persönlich kennt. Doch wenn wir nicht kontrollieren, werden sich viele nicht an die Verbote halten, leider.“ Nationalparkleiter Dr. Roland Baier stimmt zu, verweist aber auf das Landratsamt und die Untere Naturschutzbehörde, die für die Verordnung und Festlegung von Bußgeldern zuständig ist. Dabei gäbe es auch einen Ermessensspielraum. Insgesamt gehe es um Kriterien für radtaugliche Wege und es werde an einem Konzept gearbeitet. „Es ist ein öffentlicher Prozess in den die Gemeinden ebenso wie das Landratsamt und Verbände mit einbezogen sind. Sie werden letztlich die Entscheidung treffen müssen.“

Die Tagespflegen arbeiten im Notbetrieb

Hilfen mit reduzierten Angeboten und Hygienekonzepten ermöglichen

„Tagespflegen zögern einen dauerhaften Heimaufenthalt hinaus“ sagt Martina Motz, seit zehn Jahren stellvertretende Pflegeleiterin der Caritas-Tagespflege in Bad Reichenhall. Die Tagespflegen sind von den drastischen Einschnitten der verordneten Corona-Maßnahmen genauso betroffen wie Senioreneinrichtungen, sie arbeiten im Notbetrieb. Beim ersten Lockdown im Frühjahr mussten sie fast drei Monate lang ganz schließen, seitdem herrscht Notbetrieb mit reduzierten Angebot und reduzierter Betreuung.

Martine Motz betreut seit zehn Jahren Senioren in der Caritas Tagespflege Bad Reichenhall. Foto: Gerd Spranger

„Die zunehmende Vereinsamung und die Defizite nach der monatelangen Betreuungspause waren spürbar,“ bekennt Rainer Hoffmann, Kreisgeschäftsführer der Caritas. Selbst jetzt, im Notbetrieb, dürfen in Bad Reichenhall nur sechs Personen gleichzeitig betreut werden, sonst sind es 19. Sitzen am großen runden Tisch, gemeinsames Singen und Frühstücken gibt es nicht mehr. „Zudem halten die Masken auf Abstand und Berührungen wie ein kurzes Umarmen sind erschwert“, erzählt Martina Motz.

Auch in  Freilassing
stellt man sich den Herausforderungen

Einschränkungen, die auch die Tagespflege des Roten Kreuzes in Freilassing betreffen. Doch hier habe man gute Erfahrungen gemacht, viel kompensieren können. „Ja, die fortschreitende Vereinsamung nach dem ersten Lockdown war spürbar,“ bestätigt Petra Jeuter, Leiterin der Tagespflege. „Doch gewöhnten sich auch unsere Senioren, von denen einige unter einer leichten Demenz leiden, an die Masken. Sie kompensieren es durch die vertraute Umgebung und die Stimme,“ meint Petra Jeuter.

In der Tagespflege Bad Reichenhall etwa kamen vor Corona auch Pyhsio- und Ergotherapeuten in die Einrichtung, selbst um die Fußpflege kümmerten sich Fachkräfte. Wir haben dafür eigene Räumlichkeiten, sogar ein behindertengerechtes Bad mit großer Wanne. Das aber pausiert aktuell durch die Notverordnung, wir sind im Notbetrieb. Beim Roten Kreuz hingegen setzt man auf die Fahrdienste. „Wir fahren immer nur mit zwei oder drei Leuten im großen Bus zur Tagespflege, der Kapazitäten von acht Personen hat“, erzählt Rot-Kreuz Pressesprecher Markus Leitner. „Das lässt genügend Abstand und wir haben unser Hygienekonzept bereits im März zum Schutz unserer Mitarbeiter, Gäste und Bewohner entwickelt.“

Martine Motz vor der Tagesflege – Foto: gsp

Der Schutz gelingt auch in der Seniorenwelt der Insula, wo bislang keiner der rund 200 Bewohner an Corona erkrankt oder infiziert wurde. „Das ist für die Zukunft zwar nicht garantiert, doch spricht es für unser Hygiene-Konzept und die AHA-Reglen“, erklärt Rocco Eidam, Geschäftsbereichsleiter für Senioren und Pflege. Man habe die Einrichtung auch nie ganz für Besuche geschlossen. Heute, im zweiten Lockdown, sind halbstündige Besuche fast immer möglich, allerdings nach Voranmeldung. „Ich hinterfrage darum die Diskussion über eine zunehmende Vereinsamung. Wir pflegen die soziale Kommunikation über die Dienste und Betreuer und haben unsere Senioren nie ‚weggesperrt‘.“ Das Angebot der Tagespflege in der Insula ist aktuell von 20 auf zwölf Plätze reduziert und die Nachfrage weiterhin hoch.

Aktivitäten sind gestrichen

Was in Bad Reichenhall wie auch in Freilasing fehlt, sind viele Aktivitäten. Vom gemeinschaftlichen Sommer- und Herbstfest, bis hin zu Adventsnachmittage und Weihnachten oder kleinere Ausflüge. Spurlos aber geht die Advents- und Weihnachtszeit nicht vorbei. In der Freilassinger Tagespflege etwa stellte man gemeinschaftlich kleine Päckchen für die Aktion ‚Schuhkarton‘ zusammen. In Bad Reichenhall wird für einen Hilfsdienst die Aktion ‚Die Glücksbringer‘ unterstützt. Fest zum Programm zählen etwa die tägliche Gymnastik oder das Lesen einer Zeitung zur Stärkung der kognitiven Fähigkeiten, ebenso das Gespräch und der Austausch darüber.

In Freilassing beim Roten Kreuz können von 28 Plätzen aktuell zwölf belegt werden. „Das ist keine enge Vorgabe, sondern wir haben es als Verantwortliche selbst so entschieden, um die Abstände und Hygieneregeln einhalten zu können“, erzählt Petra Jeuter. Die Caritas hat eine Notbetreuung organisiert, mit der sie Senioren zuhause im eigenen Umfeld besuchen. „Bei manchen reicht es mal für eine halbe Stunde vorbeizuschauen, andere brauchen zweimal täglich Unterstützung, je nach persönlicher und familiärer Situation.“

„Die Unsicherheit bleibt“

So komplex wie unsere Gesellschaft, ist auch der Hintergrund der Gäste in der Tagespflege. Unter ihnen finden sich allein lebende Senioren ebenso wie solche die in einer Beziehung leben. „Ist einer der Partner zunehmend dement, so kann der andere nur schwer das Haus verlassen, denn es bleibt die Unsicherheit, dass immer ‚etwas passieren kann‘. Ob eine nicht ausgeschaltete Herdplatte, eine überlaufende Wanne oder der oder die Partnerin bricht spontan zu einer Wanderung auf und verliert nach einer Weile die Orientierung. Die Unsicherheit bleibt,“ erzählt Petra Jeuter. „Manchmal leben unsere Gäste auch in einem größeren Familienverbund. Da ist unsere Tagespflege dann auch mal eine Entlastung, ob für eine begrenzte Zeit, oder etwa nur für einen Wochentag“, ergänzt Martine Motz von der Caritas. Bei ihr und auch in den anderen Tagespflege-Einrichtungen im Landkreis sind die Wartelisten lang, und in Coronazeiten noch länger geworden. Das liegt nicht allein an den reduzierten Belegung, sondern immer öfters auch an sich zuspitzenden familiären Situationen, weiß Rainer Hoffmann aus vielen Gesprächen mit den Leitern der verschiedenen Bereiche des Caritasverbandes.