Kliniken im Verbund mit neuen Aufgaben

In seiner jüngsten Sitzung entschied sich der Kreistag für den neuen Klinikstandort in Bad Reichenhall. Die Zusammenführung der Kliniken im Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein vor 20 Jahren leitete die richtige Entwicklung ein, „dabei war die Situation in den ersten Jahren teilweise desaströs“, bekennt Aufsichtsratsvorsitzender der KSOB (Kliniken Südostbayern AG), Dr. Uwe Gretscher.

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Eine Pandemie der Ungeimpften?

KOMMENTAR:
Auch wenn es sich mittlerweile nicht mehr leugnen lässt, dass ebenso geimpfte Menschen zu den aktuell hohen Inzidenzzahlen beitragen, richtet sich der Blick doch immer wieder auf jene, die nicht geimpft sind. Die Gruppe wird mit rund 30 Prozent angegeben. Wie viele davon bereits genesen und damit über einen natürlichen Immunschutz verfügen, darüber ist in den Medien wenig zu lesen. Es bleibt dabei: die Ungeimpften sind schuld.

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Das wilde Virus

Die tagesaktuellen Meldungen überschlagen sich. Wir haben den höchsten je gemessenen Wert (7-Tages-Inzidenz) von bayernweit 256, im Landkreis Mühdorf sogar 696. Im Landkreis Traunstein liegt er über 600 (623) und im Berchtesgadener Land über 500 (552) und auch im Landkreis Rosenheim nähert er sich der Marke von 500. Markus Söder schaltet darum, und wen verwundert es, in den alten Kampfmodus.

Die tagesaktuellen Meldungen überschlagen sich. Wir haben den höchsten je gemessenen Wert (7-Tages-Inzidenz) von bayernweit 348, im Landkreis Traunstein liegt er über 800 (818) und im Berchtesgadener Land über 600 (689, er wird die 1000-er-Marke noch überspringen. Markus Söder schaltet darum, und wen verwundert es, in den alten Kampfmodus. Maßnahmen zur Drittimpfung, fälschungssichere Impfpässe und mehr Kontrollen fordert er.

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Ministerin Kaniber zeigt Solidarität mit der Hotellerie und Gastronomie

Die Gastronomie und Hotellerie hat die Corona-Lockdowns überstanden, doch in wie weit, ist abschließend noch nicht zu sagen. Die Hilfen des Freistaates Bayern (wir berichteten) hat zwar auch im Berchtesgadener Land gegriffen, „doch die Nachwirkungen sind trotz eines sehr guten Sommergeschäftes noch deutlich spürbar“, äußert sich der Kreisgeschäftsführer des Dehoha-Bayern, Johannes Hofmann.

Gleich zwei prominente Gäste konnte der Kreisvorsitzende der Dehoga-Bayern zur Jahresversammlung im Wellness- und Natur-Ressort Gut Edermann in Teisendorf begrüßen. Die Präsidentin des Dehoga-Bayern und Geschäftsführerin von Brauerei und Gaststätte Aiying, Angela Inselkammer, und als Überraschungsgast Michaela Kaniber, Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Sie wollte ein Jahr nach dem abrupten Lockdown im Berchtesgadener Land ihre Solidarität mit der Branche zeigen.

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10 Naturgärten im Landkreis ausgezeichnet

Im Berchtesgadener Land gibt es jetzt die ersten zehn vom Kreisverband für Gartenbau und Landschaftspflege ausgezeichnete Naturgärten. Er ist der Dachverband der 19 Obst- und Gartenbauvereine im Landkreis und sein Geschäftsführer heißt Josef Stein. Er ist beim Landratsamt erster „Garten-Ansprechpartner“.

Im Berchtesgadener Land gibt es jetzt die ersten zehn vom Kreisverband für Gartenbau und Landschaftspflege ausgezeichnete Naturgärten. Er ist der Dachverband der 19 Obst- und Gartenbauvereine im Landkreis und sein Geschäftsführer heißt Josef Stein. Er ist beim Landratsamt erster „Garten-Ansprechpartner“, gelernter Landschaftsgärtner, Geograph (BA), Ingenieur für Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur (MA) und damit hoch qualifiziert. Er selbst aber winkt ab: „Die Natur und Umwelt ist in ihrer Biodiversität so komplex, dass man letztlich in der Praxis lernt. Da bin ich an der richtigen Stelle und habe noch viel zu tun.“

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DJ Börnsen freut sich auf den neustart in den clubs

DJ Börnsen) freut sich, wieder mit guter Musik für beste Stimmung zu sorgen. Die den Corona-Maßnahmen geschuldete zweijährige Abstinenz war auch für ihn eine schwere Zeit. Er freut sich, wenn die Clubs wieder öffnen und private Feiern „ohne Handicap“ wieder möglich sind. Für Termine einfach unter Facebook-Messenger (Diyay Börnsen) anfragen. Hier seine Geschichte und ein Revival auf gute alte Zeiten:

Aktuell freut sich Bernhard (DJ Börnsen) wieder mit guter Musik für beste Stimmung zu sorgen. Die den Corona-Maßnahmen geschuldete zweijährige Abstinenz war auch für ihn eine schwere Zeit. Er freut sich, wenn die Clubs wieder öffnen und private Feiern „ohne Handicap“ wieder möglich sind. Für Termine einfach unter Facebook-Messenger (Diyay Börnsen) anfragen. Hier seine Geschichte und ein Revival auf gute alte Zeiten:

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Wie viele Menschen sterben in Deutschland?

K O M M E N T A R

Sind Tote normal? Ja, sie sind es, denn der Tod gehört zum Leben dazu. Brutal? Ja, vielleicht, doch das Leben ist endlich. Wie viele Tote aber „sind normal“, fragt Data-Journalist Mathias Brandt im Januar 2021. Wir fragen es uns auch heute, wie viele Menschen starben im ersten Halbjahr 2021 und haben dafür ebenfalls die Daten des Bundesamtes für Statistik bemüht. Zunächst aber zurück zum Jahr 2020. Rund 982.500 mussten sterben, ein 30-Jahres-Rekord, merkt der Kollege Brandt an.

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Leere Strände und Plätze in Italien

Willkommen in Italien. 24 Grad und Sonne, daheim ist es viel zu kalt.

Der große Run bleibt aus
Die Lockdowns hallen nach

Sieben Monate im Lockdown und der Sommer hält im Mai zögerlich seinen Einzug. Unser Verlangen nach Freizeit ohne Einschränkungen und Urlaub steigt. 9 Grad sind eindeutig zu kalt, in Italien immerhin 24 Grad und Sonne. Doch was ist möglich in dieser von der Corona-Pandemie geprägten Zeiten, wie ist die Stimmung? Wir wagen früh den Versuch und starten am 15. Mai zu unserem italienischen Urlaubsdomizil, zu unseren seit Jahren bevorzugten Campingplatz zwischen Jesolo und Venedig. Die Quarantäne-Pflicht wurde ja beendet und eine Impfung oder PCR-Test für die Einreise und erholsamen Urlaub reichen aus.

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Auf in goldene Zeiten

K O M M E N T A R

Die Medien machen Stimmung, ein Silberstreif, ja ein strahlender Sonnenaufgang scheint am Horizont sichtbar. Schnell sollen die dunklen Coronajahre vergessen werden, obwohl man noch gar nicht weiß, ob sie überhaupt überwunden sind. Der Wirtschaft tut’s keinen Abbruch. Das von Wirtschaftsminister Altmaier kürzlich präsentierte Wirtschafts-Gutachten geht sogar von einem deutschlandweiten Plus von 3,5 Prozent aus. Corona scheint es die ersten vier Monate des Jahres 2021 nicht gegeben zu haben, zumindest was die Wirtschaft betrifft. Der Pulsschlag werde dabei vom Export, internationalen Lieferketten und gefüllten Auftragsbüchern bestimmt. Ebenso dürften sich die großen Handelsglobalisten wie Edeka, Lidl, Aldi und Co bester Umsätze erfreuen.

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Mit Unternehmergeist gegen den Lockdown arbeiten

Der Gasthof „Zum Bergei“, in den Heimgärten von Bad Reichenhall: Mit einem großen sonnigen Biergarten, einer idyllische Lage mitten in der Gartenanlage und die Nähe zu den Radwegen entlang der Saalach und den Nonner Auen entwickelten sie sich zu einer beliebten Ausflugsgastronomie.

  • Warten auf die Öffnung der Biergärten und warten auf Hilfsgelder
  • Gasthof Heimgarten „Zum Bergei“
  • To-Go und Lieferservice mit bayerischer Küche

Der Lockdown im Berchtesgadener Land für Hotellerie, Gastronomie, Tourismus- und Kultubranche hält an. Lieferservice und ein Ausser-Haus-Verkauf (To-Go) lohnen wirtschaftlich häufig nicht, zumindest für 87 Prozent der Branche nach offiziellen Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Lieferdienste hätten sich vor allem in städtischen Bereichen etabliert. Es gibt aber auch Ausnahmen, die mit To-Go zumindest eine Firmenpleite abwenden. Einer dieser Betriebe ist in Bad Reichenhall die Gaststätte in den Heimgärten, „Zum Bergei“. Die Redaktion hat sich mit den Wirtsleuten unterhalten.

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Stadt verspielte die Chance

Die Stadt hat ihre Chance für eine leistungsstarke Ortsumfahrung vertan. 50 Jahre umsonst bemüht. Verkehr und Feinstaub bleiben in der Kurstadt.

K O M M E N T A R :

Die Stadt Bad Reichenhall hatte die Chance als Kurstadt und Staatsbad gegen Erkrankungen der Atemwege nachhaltig und zukunftsweisend den Verkehr aus dem Tal zu bringen. Diese Chance ist nun vergeben, wie im Artikel der Lokalzeitung vom 23. April dargestellt und in der Stadtratssitzung ausführlich dargelegt. Eine Ortsumfahrung sei nun „hinten runter gefallen“. „Erst Brücke, dann Vollanschluss“ lautet die Entscheidung des Straßenbauamtes Traunstein, die so bereits im September 2020 mit kommunalen CSU-Spitzenvertretern und der bayerischen Verkehrsministerin Kerstin Schreyer getroffen wurde. Bad Reichenhall, und hier die Mehrheit der politischen Parteien, inklusive der Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Dr. Christian Lung, haben abgewartet, als hätte man alle Zeit der Welt.

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Mehr Schutz vor häuslicher Gewalt

Kooperation mit Frauenhaus Rosenheim
Vereinbarung mit  Sozialdienst katholischer Frauen

Für Frauen die von häuslicher Gewalt betroffen sind, ist der erste Ansprechpartner die Polizei. Sie übermittelt den Fall dann mit einem unterschriebenen Fax an den Sozialdienst katholischer Frauen, der dann umgehend mit den Betroffenen Kontakt aufnimmt. „Ein pro-aktiver Prozess, der sich seit fünf Jahren bewährt hat“, erzählt auf Nachfrage Sozialpädagogin Sabine Weiß, Leiterin der landkreisübergreifenden Interventionsstelle. „Von 50 Frauen mit denen wir in Kontakt treten, nehmen 46 das Angebot an“, berichtet sie weiter. Die Zahl der Betroffenen nehme dabei kontinuierlich zu.

Image by Markus Winkler from Pixabay

Der Landkreis Berchtesgadener Land strebt darum einen Anschluss an das Frauenhaus Rosenheim an, denn er verfügt selbst über keine eigene Einrichtung. Der Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes stimmte dieser Lösung jetzt in seiner jüngsten Sitzung zu. Nach Paragraph 16a des Sozialgesetzbuches II ist es für den Landkreis eine Aufgabenverpflichtung, sich zum Schutz für von Gewalt betroffenen Frauen einem Frauenhaus „zuzuordnen“, verfügt man selbst über kein eigenes. Der Schutz muss rund um die Uhr sichergestellt sein. Im Sachvortrag heißt es, dass dieser Anschluss in der Vergangenheit aufgrund eines fehlendes Bedarfes nicht weiterverfolgt wurde. Das soll jetzt geändert werden.

Der Landkreis Berchtesgadener Land soll nun in einen Verbund mit den Landkreisen Traunstein und Rosenheim aufgenommen werden, für eine die Finanzierung betreffende Zweckvereinbarung mit dem Frauenhaus vom Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Südostbayern (SkF). Mit dieser Aufnahme ist eine Erweiterung des Platzangebotes im Frauenhaus in Rosenheim verbunden. Für den Landkreis Berchtesgadener Land bedeutet dies einen jährlichen finanzieller Aufwand von 5000 Euro für eine Beteiligung an den Personalkosten.

19.000 Euro für den SkF

Darüber hinaus benötige die Interventionsstelle SkF zum Ausbau der Beratung einen Zuschuss von 19.092 Euro um die Versorgungslücke für ein spezielles und weiterführendes Beratungsangebot zu schließen. Man will ein offenes Beratungsangebot für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen schaffen. „Dazu bedarf es einer Verdoppelung der bisherigen Stunden von 12 auf 24 Wochenstunden für die Landkreise Traunstein und Berchtesgaden. Im vergangenen Jahr wurde dieser Zuschuss mit der Förderzusage vom 24. September 2020 dem SkF zugesagt“, wird im Sachvortrag des Kreisausschusses festgehalten.

„Es besteht noch Handlungsbedarf“

Dabei habe man aber „wegen eines nicht eindeutigen Antrages des SkF“ die Förderung mit einer bereits gewährten jährlichen Unterstützung von 5.592 Euro verrechnet und dieser Betrag sei jetzt noch offen. „Das Beratungsangebot ist neben dem Anschluss an das Frauenhaus ein weiterer wichtiger Baustein, um das Hilfsangebot für unseren Landkreis für von Gewalt bedrohte Frauen vervollständigen zu können“, wird im Sachvortrag bekräftigt. Kreisrätin Elisabeth Hagenauer (Grüne) signalisierte zwar die Zustimmung ihrer Partei, sieht aber noch viel Handlungsbedarf. „Ein Platz reicht nicht. Gerade in schwierigen Zeiten unter den Corona-Maßnahmen verschlechtert sich die häusliche Situation der Frauen.“

Betreuung über Monate

Sabine Weiß vom SkF verweist auf die seelischen Wunden von misshandelten Frauen. „Es dauert häufig sieben Jahre, bevor sich Frauen öffnen, bereit sind darüber zu sprechen wenn sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Finanzielle Hilfe ist aber nur für drei Beratungen vorgesehen, dabei nimmt die Begleitung oft Monate in Anspruch.“ Sie verweist auch auf einen Grundsatz der im Gewaltschutzgesetz verankert ist und lautet: „Wer schlägt, muss gehen – das Opfer bleibt in der Wohnung.“

Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden für den Landkreis?

Branchenvertreter mit klarem Statement  Wirtschaftshilfe BGL zeigt sich zögerlich

Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger
Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger

Wie hoch ist der Schaden für den Tourismus mit den betroffenen Branchen von Hotellerie, Gastronomie, Handel und Freizeiteinrichtungen – von den Thermen bis zu den Bergbahnen – nach sechs Monaten Stillstand. Wie stellt sich die wirtschaftliche Lage im Landkreis dar, wollten wir als Redaktion wissen. Erster Ansprechpartner in der Region ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises. 

Sie unterstützt nach eigener Aussage mit einem Team von elf Mitarbeitern „Unternehmerinnen und Unternehmer umfassend, individuell und vertraulich“. Vor vier Wochen baten wir um aktuelle Zahlen, bis heute könne man dazu keine Angaben machen, „man wisse es ganz einfach nicht, arbeite aber daran“, ließ Geschäftsführerin Dr. Anja Friedrich-Hussong ausrichten. Jetzt steht endlich ein Termin fest. Wir haben uns vorher bereits umgehört.

Keiner nennt das Ausmaß
der Kollateralschäden

Interessiert hätte uns, wie hoch der Wirtschaftseinbruch für den Landkreis im Jahr 2020 ausfällt. Deutschlandweit sollen es fünf Prozent gewesen sein, in unserer vom Tourismus geprägten Region dürfte er höher ausfallen. Nach dem Wegfall des Weihnachtsgeschäftes bleiben im neuen Jahr für viele Unternehmer die Türen geschlossen. Sie dürfen nicht aufsperren, nicht vermieten und auch keine Gäste befördern oder bewirten. Ein Jahresumsatz von 487 Millionen Euro im Jahr 2019, laut Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif), zeigt die Bedeutung der Branche für das Berchtesgadener Land. Tourismusmanagerin Dr. Brigitte Schlögl bezifferte den Umsatzausfall für den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 bereits mit rund 50 Millionen Euro für den Landkreis.

Einbruch von 36 Prozent

Dehoge-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann

„Ein überaus starker Sommer verhinderte zwar das Schlimmste“, bekennt Dehoga-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann, „die Reisen ins Ausland waren ja nur erschwert möglich, doch die Einbrüche im Landkreis liegen zwischen 16 und 36 Prozent, je nach Region.“ So verlor Berchtesgaden im Jahr 2020 knapp 370.000 Übernachtungen und Bad Reichenhall mit Bayerisch Gmain 353.000 Übernachtungen. Für Bad Reichenhall aber bedeutet dies bei insgesamt nur 958.000 Nächtigungen ein Minus von 36 Prozent. Die fünf südlichen Landkreisgemeinden brachten es 2019 auf 2,27 Millionen Nächtigungen. Dazu verzeichnete der Landkreis jährlich noch knapp sechs Millionen Ausflugsgäste, die seit Oktober 2020 weitgehend ausbleiben. Je Tagesgast wird ein Umsatz von 24,80 Euro zugrunde gelegt.
Ein aktuelles pdf dazu hier: dwif-wirtschaftsfaktor-tourismus-bgl

Rücklagen aufgebraucht – 
Griff nach der Altersvorsorge

Wieninger Schwabenbräu überbrückt mit einem Außer-Haus-Verkauf.

Wie hoch der angerichtete Schaden dabei ist, kann auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Berchtesgadener Landes aktuell nicht benennen. Wie viel Unternehmerinnen und Unternehmer haben ihre Rücklagen aufgebraucht, teilweises sogar ihre Altersvorsorge investiert? Wie viele „arbeitslose Selbständige“ zählen wir im Landkreis? Wie viele Fachkräfte wenden sich von der Branche ab? Zu all dem gibt es keine Angaben und gerade sie wären zur Beurteilung der Lage wichtig. Erschwerend wirken sich darüber hinaus die verzögerten Hilfen aus. „Erst wenn klar ist was bei den Betrieben ankommt, kann man Bilanz ziehen und das kann noch dauern“, gibt Johannes Hofmann zu denken.

Wirte leben von Hartz IV
Tourismus ohne Zukunft

Tische stehen auf der Bergstation der Jennerbergbahn keine mehr, auch Gäste bleiben seit einem halben Jahr aus. Der Betrieb musste schließen.

Er macht sich Sorge um die Zukunft der Branche: „Ich kenne erste Wirte die Hartz IV beziehen und erste Köche und Servicekräfte die in die Verwaltung, das Handwerk oder in die Dienstleistungsbranche wechseln.“ Noch vor einem Jahr zeichnete sich die Tourismusbranche durch Innovation, Internationalität, Wachstum und einen guten Ruf aus. Das ist jetzt nachhaltig vorbei, „wer will in einer unsicheren Branche noch seine berufliche Zukunft investieren?“ fragt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Selbst Landrat Bernhard Kern, der die negativen Auswirkungen für das Berchtesgadener Land fürchtet, zeigt sich laut seiner jüngsten Pressemeldung „fassungslos über die jüngsten Beschlüsse der Staatsregierung“, sieht die Belange des Landkreises nicht berücksichtigt.

Wo bleiben
die Gelder und Hilfen?

Zu der wirtschaftlich angespannten Situation der Branche kommt noch die schleppende Auszahlung versprochener Hilfen. Hannes Lichtmannegger vom Hotel Rehlegg in der Ramsau, und mit ihm auch alle anderen betroffenen Unternehmen im Landkreis, können erst jetzt im März die Oktoberhilfe beantragen. „Und dabei haben wir aufgrund der Zwangsverordnung des Landkreises über Nacht bei Vollbelegung alle Gäste nach Hause schicken müssen“, erinnert der Hotelier. Für den gesamten Zeitraum von Oktober bis November seien bislang nur 150.000 Euro Überbrückungshilfe geflossen, bei einem Umsatzausfall von zwei Millionen Euro.

Nicht jeder
bekommt einen Kredit

Auch bei der Rupertustherme in Bad Reichenhall „geht nichts mehr“. Parkplatz und Therme sind seit sechs Monaten geschlossen.

“Die Hilfen für November wurden erst im Februar ausbezahlt und für Dezember und Januar sind ebenfalls noch keine Gelder angewiesen“, ergänzt er. Zudem müsse er als Unternehmer das Kurzarbeitergeld für die Angestellten am Monatsanfang ausbezahlen, bekommt es aber erst drei, vier Wochen später wieder erstattet, abzüglich des Arbeitgeberanteils. „Ich schätze mich heute glücklich, dass ich sofort das Gespräch mit meiner Hausbank gesucht habe und sie mir für diese schwere Zeit einen großzügigen Kredit gewährte. Den muss ich natürlich wieder zurückzahlen, größere Investitionen in den Betrieb sind damit für die nächsten Jahre erst einmal gestoppt“, bekennt Hannes Lichtmannegger. Nicht alle Hoteliers und Gastronomen dürften in dieser glücklichen Lage sein. „Bei Pachtbetrieben oder jungen Unternehmen wird es nur bedingt Kredite geben, um sich über diese Monate zu retten“, räumt Johannes Hofmann ein. „Die Situation vieler Betriebe wird zunehmend äußerst kritisch, weder ein Aufatmen durch Umsätze während der Weihnachtszeit, noch die Winter- und Skisaison konnten die schreckliche Situation in den Betrieben verbessern“, führt er in einem persönlichen Schreiben als Dehoga-Kreisvorsitzender an den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aus.

Klare Ansage der Bürgermeister

An ihn wandten sich bereits am 15. Februar alle fünf Bürgermeister des südlichen Landkreises sowie Dr. Bartl Wimmer, Vorsitzender des Zweckverbandes Tourismusregion Berchtesgaden- Königssee, und die Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen und vom Markt Oberstdorf. Sie bezeichnen den Tourismus in der Alpenregion für eine stabile Wirtschaftslage als unverzichtbar und warnen vor der Abwanderung von qualifizierten Fachkräften, denn „die Qualität in den touristischen Betrieben hängt stark von geeignetem Personal ab.“ Zudem „stößt eine mangelnde Planungsperspektive Gäste ab. Buchungen erscheinen unsicher und werden vermieden.“

Nichts für Ferienwohnungen

Sie appellieren bereits im Februar an den Ministerpräsidenten Markus Söder, Beherbergungsbetriebe, Gastronomie und Ausflugsziele gleichzeitig zu öffnen, denn „sonst verliert der Aufenthalt in der Urlaubsregion zu stark an Attraktivität.“ Ein in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommener Aspekt der Lockdowns ist die Schließung von nichtgewerblichen Privatvermietern und Ferienwohnungen. Die Bürgermeister treten auch für sie ein. „Sie zahlen wie jeder andere Betrieb Steuern und Gebühren, erhalten aber trotz großer Umsatzeinbußen keine finanziellen Hilfen.“

Fast 15 Millionen Euro für die Jugendhilfe im Landkreis

14,7 Millionen Euro für die Förderung von Jugend im Berchtesgadener Land. Viel Geld wird für in „schwierige Fälle“ aufgewandt und heute als „besonderer Bedarf“ bezeichnet. Die Abklärung von Gefährdungslagen ist stark ansteigend.

Noch ist der Haushalt des Landkreise Berchtesgadener Land für die Jugendhilfe über 14,7 Millionen Euro vom Kreistag nicht angenommen, doch der Jugendhilfeausschuss hat ihm bereits zugestimmt. Bringt man Erträge von 3,7 Millionen zum Abzug, verbleibt dem Landkreis eine Belastung von knapp 11 Millionen Euro.  

Emotionen entfalten sich auf ihre eigene Weise. Bild von Free-Photos von Pixabay

Zu den Hintergründen: „Hinter ADS/ADHS, Legasthenie oder Dyskalkulie, Autismus und ähnlichen Auffälligkeiten können sich seelische Störungen verbergen, die dazu führen können, dass ein Kind von der seinem Lebensalter entsprechenden Entwicklung abweicht und im schulischen Alltag oder auch in der Familie und im Zusammensein mit Freunden auffällig ist.“ Der Jugendhilfeausschuss wurde dabei über Schwerpunkt der Arbeit und die Maßnahmen der Eingliederungshilfe informiert. Eine tragende Rolle spielen die Eingliederungshilfe und der Schutz vor einer Gefährdung des Kindeswohl.

Seelische emotionale Störungen

Als größter Posten der Jugendhilfe werden unter „Sonstige Leistungen“ 9,7 Millionen ausgewiesen. „Dahinter verbergen sich 36 Einzelleistungen, wie die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche gemäß Paragraph 35a des achten Sozialgesetzbuches (SGB) mit 1.963.000 Euro. Darüber hinaus sind 1,3 Millionen Euro Zuschussbedarf für die Heimerziehung und sonstige betreute Wohnform nach Paragraph 34 des achten SGB eingeplant. Auch zählen zu den sonstigen Leistungen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe die Jugendsozialarbeit, Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz, Förderung der Erziehung in der Familie und weitere Hilfen zur Erziehung“, führt Nicole Fegg, Fachbereichsleiterin des Finanzmanagements im Landratsamt, aus.

Eine Gefährdung des Kindeswohl?

Mathias Kunz, Fachbereichsleiter des Amtes für Kinder, Jugend und Familien ergänzt: „Im Bereich der Gefährdungsabklärung, der mit einem Hausbesuch verbunden ist, verzeichnen wir eine signifikante Steigerung von jährlich 115 auf 192 Fälle, also eine Steigerung von 67 Prozent. Der Bedarf in der Jugendhilfe also wird weiter steigen.“ In der Sozialraumanalyse aber habe man die Situation im Blick, führte er weiter aus, um eine Gefährdung des Kindeswohl zu vermeiden.

Von 800.000 auf zwei Millionen

Als besonderen Bereich präsentierte Nicole Fegg dem Jugendhilfeausschuss die Entwicklung der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche in einer zehnjährigen Übersicht. Der Zuschussbedarf hat sich von 811.500 Euro im Jahr 2012 auf fast zwei Millionen Euro im Jahr 2021 entwickelt. Der größte Sprung war in den Jahren 2016 und 2017 zu verzeichnen, als der Bedarf von 809.000 auf 1.345.00 Euro anstieg. Eine Ursache davon dürfte der steigende Immigrationsdruck sein, auch wenn das Amt dazu keine Angaben macht. Doch vor allem bei ihnen dürfte eine schnelle  Eingliederungshilfe geboten sein.

SPD macht Druck im Kreistag bei der Sozialraumanalyse

Konsequenzen aus der Sozialraumanalyse des Landkreises vom Juli 2020 fordert die SPD-Kreistagsfraktion. Die Analyse fordere die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum, die Gewinnung von Fachkräften und Verbesserungen im Bereich ‚Bildung und Betreuung‘ mit integrativen Schwerpunkt. Eine Lenkungsgruppe soll nun innerhalb der nächsten 18 Monate Lösungsansätze entwickeln.

Landkreis muss ins Handeln kommen

Bezahlbarer Wohnraum ist auch im Berchtesgadener Land selten. Image by ptra from Pixabay.

„Die Stabsstelle für Landkreisentwicklung im Landratsamt befürwortet den SPD-Antrag grundsätzlich“, heißt es in der Stellungnahme. Die Firma Demosplan habe im Sommer ihren Ergebnisbericht vorgestellt, im Detail sogar eine Bestandsaufnahme für die einzelnen 15 Gemeinden erarbeitet. Dabei „dürften viele Themen nicht isoliert für jede Gemeinde betrachtet werden, sondern verlangen eine gemeindeübergreifende Strategie. Darüber wäre man sich in der Julisitzung des Kreistages einig gewesen“, hieß es im Fachvortrag.

Man will die Kontrolle behalten

Die Stabsstelle im Landratsamt habe erste Planungsschritte für einen weiteren Arbeitsprozess entwickelt. „Sie decken sich in weiten Teilen mit den im SPD-Antrag enthaltenen Aussagen und Begründungen.“ Der Kreistag soll darum einen Beschluss für „eine landkreisweite Gesamtstrategie zu den wichtigsten Themenfeldern der Sozialraumanalyse bis 2030“, fassen. Nach entsprechenden Beschluss des Kreistages werde dann eine Lenkungsgruppe bestimmt. Für dieses Vorgehen sprach sich der Kreisausschuss bei drei Gegenstimmen aus. Man einigte sich darauf, dass der Ausschuss für Umweltfragen, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität selbst als Lenkungsgruppe agiert. Er trifft damit „alle strategischen Entscheidungen für die Entwicklung einer landkreisweiten Umsetzungsstrategie in den wesentlichen Handlungsfeldern der Sozialraumanalyse für die nächsten zehn Jahre und steuert zugleich den entsprechenden Arbeitsprozess.“ Damit greife man auf bewährte Arbeitsstrukturen zurück.

Projektgruppen sollen liefern

Roman Niederberger, Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion, wollte sich damit nicht gleich anfreunden. Der Ausschuss sei ja bereits jetzt mit seinen Aufgaben gut ausgelastet. Bei einer neuen Lenkungsgruppe hätten die Fraktionen des Kreistages Gelegenheit, noch andere Personen mit einzubeziehen, „Leute die für die Idee brennen.“ Dem entgegnete Landrat Bernhard Kern, dass es der Ausschuss ist, der sich für die Projekte und Ziele des Landkreises begeistere, zudem würden in Projektgruppen auch Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen mitwirken. Kreisrat und Bürgermeister Thomas Gasser sieht das ähnlich. „Die Fraktionen haben ihre Kandidaten für diese Aufgabe im Ausschuss ja bereits bestimmt und in 18 Monaten sollen ja schon erste Ergebnisse präsentiert werden.“

Letztes Wort hat der Kreistag

Er bezog sich dabei auf die Bildung von Projektgruppen, die von der Lenkungsgruppe einberufen werden. Die Themenschwerpunkte und konkrete Arbeitsaufträge gibt die Lenkungsgruppe, also der Kreisausschuss, vor. Ebenso werden von ihm je zwei Sprecher als Leiter der Gruppe ernannt. Die Ergebnisse sollen dann nach 18 Monaten zusammengefasst und nach Freigabe durch den Ausschuss dem Kreistag zum Beschluss vorgelegt werden.