Archiv der Kategorie: Allgemein

Private Vermieter sind keine anonymen Investoren

Jahresversammlung  der
Haus & Grund Bayern
in Berchtesgaden

(gsp) Vor 100 Jahren gründete sich der Haus- und Grundbesitzerverein (H&G) Berchtesgaden und Umgebung e.V.. Grund genug für den Landesverband, der auf eine 125jährige Geschichte zurückblickt und seine Anfänge in München nahm, seine Jahresversammlung im AlpenCongress Berchtesgaden zu halten. Dabei bringen Vorstand Dr. Ulrike Kirchhoff und Aufsichtsratsvorsitzender Rudolf Stürzer deutlich ihren Unmut zum Ausdruck.

Die im Verein ‚Haus & Grund Bayern‘ organisierten privaten Vermieter distanzieren sich von den gewerblichen Vermieten, die häufig nur an einer hohen Rendite Interesse hätten. Auf unserem Foto Vereinsvorstand Dr. Ulrike Kirchhoff mit Immobilienfachmann Armin Nowak (l.) und Aufsichtsratsvorsitzenden Rudolf Stürzer. – Foto: Gerd Spranger

„Es wird immer ganz allgemein von ‚den Vermietern‘ gesprochen und geschrieben, wenn es um hohe Mieten geht. Das aber ist auf private Vermieter nicht zutreffend. Unser Verein vertritt ihre Interessen, die von 144.000 privaten Vermietern in Bayern, und die wollen mit ihren Mietern in einem guten Verhältnis und Übereinkommen leben. Wir sind keine Heuschrecken oder eine Investorengruppe, die auf einer anonymen Ebene versucht, möglichst viel Kapital aus großen Objekten zu ziehen.“

Forderung nach mehr Baugebieten

80 Prozent der Wohnungen würden zudem im Eigentum von Privatpersonen stehen, und 78 Prozent der Mieter seien zufrieden mit ihren privaten Vermietern. Die Liste an Forderungen der Haus & Grund Bayern ist lang, „um Rahmenbedingungen für einen hochwertigen Wohnraum zu fairen Preisen zu schaffen.“ Knappes Bauland etwa führe zu hohen Preisen, darum müssten deutlich mehr Baugebiete ausgewiesen werden. In die gleiche Richtung zielt die Forderung, Baulandreserven zu mobilisieren, „allerdings würden dabei private Investoren kaum berücksichtigt“, bedauert die Haus & Grund. Preiswertes Bauen ginge nur mit einer Senkung von Baukosten. Neue Vorschriften und Auflagen hingegen treiben sie in die Höhe. Konkret benannte Dr. Ulricke Kirchhof zusätzlich geforderte Gutachten oder die Energie-Effizienz auf höchstem Niveau. Rudolf Stürzer ging in der Forderung noch einen Schritt weiter. „Wirklich günstige Wohnungen können nur mit Zuschüssen in einer Größenordnung von 30 Prozent realisiert werden“, weiß er aus gemachten Erfahrungen im Raum München.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Für Armin Nowak, Vorsitzender der H&G Berchtesgaden, ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum im Landkreis ebenfalls ein Thema. Der Druck wachse in Berchtesgaden durch die Nähe zu Salzburg, aber auch durch die steigende Zahl von Zweitwohnungen. „Dieser Trend wurde jetzt mit einer deutlichen Anhebung der Zweitwohnungssteuer und seit April 2019 mit einem strengen Genehmigungsverfahren gestoppt“, erklärt der Immobilienfachmann. Auch in Bad Reichenhall gibt es seit 1995 eine Zweitwohnungssteuer. Sie ist gestaffelt nach Höhe der Kaltmiete von 420 bis 1260 Euro jährlich. Weiter legt Nowak dar, dass sich die Zahl der Bauvorschriften in den letzten zehn Jahren von 5.000 auf 20.000 vervierfacht habe und bekräftigt damit die Forderung des Vereins nach einem Bürokratieabbau. Ebenso sieht er die Besitzer von erschlossenem Bauland in der Verantwortung. „Es dürfen keine Grundstücke ‚gehortet‘ werden. Besitz verpflichtet und ist soziale Verantwortung“, argumentiert er.

„Es darf keine Enteignung geben“

„Eine Enteignung darf es nicht geben, diese Diskussion muss sofort beendet werden“, ereifert sich Dr. Ulrike Kirchhoff. Ebenso solle die Mietpreisbremse (MiBe) abgeschafft werden, denn sie schütze keine einkommensschwachen Mieter und würde privates Wohneigentum vernichten. Betroffene Eigentümer verkauften dann lieber an große Investoren, argumentiert sie. Zudem habe die MiBe im Hinblick auf die gesetzlichen Vorgaben bereits im Vorfeld in vielen Bereichen zu starken Erhöhungen geführt. Sie habe damit das Gegenteil dessen, was bezweckt war, erreicht.

„Die Steuern wurde längst bezahlt“

Die Haus & Grund möchte die Übergabe von Immobilieneigentum im Erbrecht der von Unternehmen gleichzustellen. „Die Steuern sind längst und vielfach bezahlt. Von der Grunderwerbsteuer bis hin zur Einkommenssteuer,“ argumentiert Rudolf Stürzer. Die Freibeträge für Familienangehörige reichten in der Regel nicht aus, so dass daraus Erbschaftssteuern in Millionenhöhe bezahlt werden müssten. Anders sehe es bei gewerblichen Wohnungsunternehmen aus. Die Immobilien zählen hier als Betriebsvermögen.

„Politik und staatliches Handeln muss den Bau von bezahlbarem Wohnraum fördern und Vermietung attraktiver machen. Ihm stehen dafür die Instrumente wie Abschreibungen oder Bau- und Wohngeld zur Verfügung. Für die richtigen Impulse und Rahmenbedingungen ist die Politik gefordert“, resümiert Dr. Ulrike für den „Landesverband Bayerischer Haus-, Wohnungs- und Grundbesitzer e.V.“ abschließend.

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Innovation und Technik für Aufschwung in Berchtesgaden

Aktive Unternehmen Berchtesgaden modernisieren Gutschein-System

Im dritten Anlauf konnte Berni Zauner sein Amt als erster Vorsitzender der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden e.V. (AUB) übergeben. Die Suche nach einem guten Nachfolger war bei der Jahresversammlung im Hotel Kempinski endlich erfolgreich. Steffi Kohl wurde einstimmig zur neuen Vorsitzenden gewählt. 80 Mitglieder waren der Einladung zur Jahresversammlung gefolgt.

Fast 100 Gäste und Mitglieder der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden waren der Einladung in das 5-Sterne Kempinski Hotel auf den Obersalzberg gefolgt – Fotos: Gerd Spranger

Vor der Neuwahl konnte Berni Zauner, der die aktiven Unternehmen Berchtesgaden seit 2007 als Vorstand führte, noch ein großes Projekt zum Abschluss bringen, nämlich die Digitalisierung der Gutscheine, die es seit 2013 nur als gedruckte Variante gibt. Bislang, also von 2013 bis 2018 haben die Gewerbetreibenden über diesen Weg fast 1,5 Millionen Euro umgesetzt.

Steuerberater Bernhard Holleitner und Unternehmer Berni Zauner sind ein gutes Team bei den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden.

Bernhard Holleitner, Kassier des Vereins, schlüsselte die aktuellen Umsätze des Vereins genau auf, bevor er ausführlich auf die Situation der Geschenkgutscheine einging, Vor- und Nachteile abwog und mit den Zahlen ‚jonglierte‘, was ihm als Steuerberater sichtlich leicht viel.

Der Verwaltungsaufwand
sprengt die Grenzen

So erfolgreich und beliebt die Gutscheine bei Kunden und Mitarbeitern sind, so komplex und herausfordernd stellen sie sich für den Gewerbeverein dar. Berni Zauner: „Zu Beginn haben wir über Excel-Dateien die Grundlage der Datenerfassung und Abrechnung gelegt. Das ist auch bis heute so geblieben. Doch ist damit mittlerweile eine Halbtagskraft beschäftigt, und in Spitzenzeiten sind wir damit überfordert, die Grenze des Machbaren ist erreicht.“

Ein symbolischer Dank für viele Jahre Engagement bei den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden von Bürgermeister Franz Rasp.

Jährlich werden etwa 25.000 Gutscheine mit einem Wert von je 10 bis 44 Euro umgesetzt, jährlich also 450.000 bis 500.000 Euro. Das ist ein guter Umsatz, doch das ‚Handling‘, also die Organisation im Hintergrund hat es in sich, ist umständlich und birgt Risiken in sich, erklärt Bernhard Holleitner. Das betrifft sowohl die Abrechnung wie auch den Schutz vor Missbrauch. Ein weiterer Nachteil ergibt sich daraus, dass keine Teilbeträge eingelöst werden können, im Gegensatz zu einem digitalen System.

Gibt es Zuschüsse
für die Umstellung?

So hat sich die Vorstandschaft darauf verständigt, sich nach einem neuen System umzusehen. Nach einigen Monaten viel die Wahl auf einen Anbieter aus Salzburg, auf die Firma Brain Behind GmbH mit ihrem System Valuemaster. Damit werden die gedruckten Gutscheine auf eine digitale Ebene gehoben und die Erfassung und Bezahlung erfolgt über ein Kartenlesegerät oder über eine App am Handy. Für die AUB bedeutet dies eine Erstinvestition von 45.000 bis 60.000 Euro und jährliche Kosten von rund 33.000 Euro.

„Durch eine bessere Abrechnung, ohne Verluste und eine kleine Gebühr aber sollte der Großteil der Kosten gedeckt sein“, stellt Bernhard Holleitner in Aussicht. Auch könnte es Zuschüsse von bis zu 50 Prozente geben, etwa aus den Fördermitteln ‚Bayern digital‘ durch das Bayerische Wirtschaftsministerium. Der Verein ist auf alle Fälle in der Lage, dieses Investition zu bewältigen, ob mit oder ohne Förderung, führt Berni Zauner aus. Darüber hinaus ergeben sich auch innerhalb der Gemeinde viele Möglichkeiten der Vernetzung, bis hin zur BGLT. So begrüßte auch Bürgermeister Franz Rasp das System, ebenso wie Peter Nagel, Geschäftsführer der BGLT.

Weihnachten muss das neue System laufen

„Um das System für das Weihnachtsgeschäft rechtzeitig zur Verfügung zu stellen, müssen wir dafür aber jetzt einen Beschluss fassen,“ resümiert Berni Zauner. Die Mitglieder stimmten bei vier Enthaltungen einstimmig zu. Die Beschlussvorlage lautete: „Die Mitgliederversammlung beschließt die Einführung einer neuen Gutschein-Lösung auf Basis des Valuemaster-Systems von Brain Behind.“

Mit der neu gewählten Vorsitzenden Steffi Kohl wurde der bestehende Vorstand wieder gewählt, einstimmig. Neu im Team ist als Schriftführerin Franziska Böhnlein.

Auf den neuen Vorstand der Aktiven Unternehmer Berchtesgaden warten viele Herausforderungen v.l.: Kathrin Schuster, Stefan Schlagbauer, Franziska Böhnlein, Florian Schmidt, Steffi Kohl, Bernhard Holleitner – Foto: Gerd Spranger

Der neu gewählte Vorstand:
Vorstand: Steffi Kohl – Stefan Schlagbauer
Kasse: Bernhard Holleitner – Kathrin Schuster
Schriftführer: Franziska Böhnlein – Florian Schmidt
Rechnungsprüfer: Martin Beierl und Max Köppl

Als Beiräte wurden ernannt:
Berni Zauner, Thomas Hettegger, Petra Auer, Engelbert Aigner, Werner Müller, Peter Beierl, Holzwimmer Helmut, Franz Stangassinger, Anneliese Zauner, Vroni Schlagbauer, Arno Fellinger und Anna Schlagbauer.

Wohnen und Kindergartenplätze
ein Problem

Bürgermeister Franz Rasp informierte die Mitglieder der AUB über aktuelle Themen aus der Gemeinde. Zunächst hielt er fest, dass die Zusammenarbeit mit Claudia Schülein im bisherigen Umfang bestehen bleibt. Gute Neuigkeiten hatte er für den Kreisverkehr am Bahnhof. Die Untersuchungen für einen eigenen Abschleifer (Beipass) am Knoten in Richtung Ramsau wurden positiv abgeschlossen. Das Staatliche Bauamt Traunstein werde die Maßnahme noch 2019 beginnen. Der sich bildende Rückstau in der Hochsaison werde dadurch der Vergangenheit angehören, seien sich die Experten einig. Als ‚ein Desaster‘ bezeichnete er die derzeitige Situation bei der Abfallentsorgung. Hier müsse noch viel aufgearbeitet und einiges nachgebessert werden. Es werde auch ein kommunale Verkehrsüberwachung geben, doch in Verbindung mit der Politesse werde der Stand nicht über die Kapazität vom Juni 2018 hinausgehen. Durchfahrtsverbote aber, etwa am Schlossplatz, werde von der Polizei kontrolliert. Darauf habe man sich verständigt.

Ein weiteres Problem sieht Franz Rasp bei der Schaffung neuer Kindergartenplätze, die die Gemeinde dringend benötigt. „Problem dabei sind nicht die räumlichen Voraussetzungen, sondern das Finden von Fachpersonal“, erläutert der Bürgermeister. Ein weiteres Problemfelld sieht er in der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. „Im Markt können wir fast keinen Umbau oder bauliche Erweiterung ohne Auflagen des Denkmalschutzes durchführen. ‚Wohnraumverdichtung‘ lautet zwar die aktuelle Forderung, doch niemand möchte einen Nachbarn direkt vor seiner Haustüre haben.“ Die Situation habe sich auch in Berchtesgaden extrem verschärft. „Hatten wir noch vor zehn Jahren beim Wohnbauwerk Berchtesgadener Land Wohnbau Wohnungen zur Verfügung, so blicken wir heute auf eine Warteliste von 300 Anträgen.“

Mehr Wertschöpfung
für den Landkreis

BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel gab noch ein Statement zur grundsätzlichen Position der BGLT und ihrer Aufgabe ab. „Wir sind nicht dazu da, jedem Haus die Betten möglichst voll zu machen. Wir entwickeln Strategien und Visionen, die für die Region zu einer nachhaltigen Wertschöpfung führen“, stellt er klar. Dabei müsse eine Balance gefunden werden um den Tourismus in gesunde Bahnen zu lenken. Das aber gehe nur durch eine weitere Qualitätssteigerung. Dabei lobte er ausdrücklich die Aktivitäten der AUB, die mit ihren Aktionen und Initiativen wie Berchtesgaden leuchtet, Marktfest, Ganghofertage, Montag-Musi viel zu einer qualitativen Verbesserung des Angebotes beitragen.

Als positive Beispiele der Bemühungen der BGLT dazu nannte er die jetzt angelaufene Serie ‚Watzmann ermittelt‘, das Crossmarketing zusammen mit der Industrie oder Veranstaltungen wie die Nationalen Winterspiele von Special Olympics Deutschland 2020 in Berchtesgaden. Auch innerhalb der Region ist noch viel Potential vorhanden. So sei etwa der Auftritt des Philharmonischen Orchesters aus Bad Reichenhall im AlpenCongress Berchtesgaden mit viel Zustimmung aufgenommen worden. Als Ziel nannte er auch die Verweildauer von Gästen von derzeit 3,5 bis 3,7 Tage auf fünf Tage zu erhöhen.

Hohe Erwartungen in das neue Aja-Resort in Ruhpolding

Hohe Erwartungen werden in das Aja-Resort in Ruhpolding gesetzt. Fotos: Gerd Spranger

(gsp) Touristisch ist die Eröffnung des Aja-Hotelresorts in Ruhpoling am 3. Mai ein Paukenschlag, ein Weckruf für die kleine 7000 Einwohner zählende Gemeinde, die jährlich 608.000 Übernachtungen bei 122.000 Gästen verbucht. Das ist ordentlich, doch 1981 zählte man bereits über eine Million Übernachtungen. Auch hat der Ort in den letzten 20 Jahren rund 2000 Gästebetten verloren, bekennt Tourismusmanager Herbert Ringsgwandl. Bürgermeister Claus Pichler spricht von einem Strukturwandel, den der Ort durchlaufen habe, so wie die meisten Urlaubsorte in Oberbayern. „Die Gäste reisen kurzfristiger, bleiben kürzer und dafür mehrmals jährlich,“ führt das Gemeindeoberhaupt aus und ergänzt: „Das neue Ressort könnte eine gute Antwort auf diesen Wandel sein, vorausgesetzt, die Betreiber halten das Geschäft am Laufen und finden gutes Fachpersonal, es wird sich zeigen.“

Blickt man von Inzell kommend auf Ruhpolding, so sind die Greens des Golfplatzes dem Ort direkt vorgelagert. Rechts, direkt am Rand der Greens, liegt das Aja-Resort Ruhpolding

Ruhpolding der Inbegriff Bayerns

Claus Pichler sprach bewusst die glanzvollen Tourismusjahre des Ortes an, als sogar die renommierte Wochenzeitung ‚Die Zeit‘ 1967 schrieb: „Für viele hunderttausend Bundesbürger ist Ruhpolding zugleich der Inbegriff Bayerns geworden, versinnbildlicht Almenrausch und Edelweiß, Schuhplattler und Sepplhose.“ Er meint, dass „Ruhpolding im Tourismus nie so weit gekommen wäre, hätte es nicht den Mut gehabt, neue Wege zu gehen.“ Und dafür steht der Ort im oberbayerischen Chiemgau, im Landkreis Traunstein.

In Bestlage direkt am Golfplatz

Durch die verwinkelte Architektur – drei große Baukörper laufen schräg zueinander zusammen – wirkt das 500-Betten-Hotel nicht so dominierend und passt sich gut in das Landschaftsbild ein.

Das Aja-Hotelresort steht in Bestlage direkt am Rand des Golfplatzes. „Wir haben auch 20 Jahre lang nach einem potenten Investor und Betreiber gesucht“, erzählt Herbert Ringsgwandl. Die Suche hat sich gelohnt, denn in 230 Komfort-Kingsize-Doppelzimmer und 14 Suiten stehen knapp 500 Gästebetten und der Betreiber, die ‚A-ja-Resort und Hotel GmbH‘ (eine 100prozentige Tochter der ‚Deutschen Seereederei GmbH‘), investiert 40 Millionen Euro in den dreigeschossigen Neubau. „Für den gesamten Chiemgau ein interessantes und spannendes Projekt“, freut sich Stephan Semmelmayr von der Chiemsee-Chiemgau-Tourismus. Es fehlen Hotels im gehobenen 3-Sterne und 4-Sterne-Bereich. Hier verzeichnen wir den größten Anfrage-Überhang.“

Größe und Markt
müssen sich entsprechen

Und immer wieder der Blick auf die Ruhpoldinger Bergwelt. HIer der Rauschberg im Hintergrund.

Auf die Größe des ländlich geprägten Umfeldes angesprochen bricht Bürgermeister Claus Pichler eine Lanze für den Investor. „Von den ersten Entwürfen bis hin zur Umsetzung haben die Betreiber viel getan der Landschaft und und dem Umfeld zu entsprechen. Allerdings“, schränkt er ein, „werden Sie nirgendwo ein kleines Haus finden, dass viele Zimmer, Appartements und Suiten bietet und den modernen Erfordernissen des viel gereisten Gastes von heute entsprechen kann. Das ist eine Utopie und der Blick nach anderen touristischen Destinationen zeigt, dass Größe und die Anforderungen des Marktes entsprechen müssen.“

DEHOGA erwartet
neue Impulse für die Region

Frontcooking mit alpenländischen Spezialitäten und besondere Noten von der See, von der Nordsee im Aja-Resort Ruhpolding

Ein Befürworter des Aja-Resort ist der DEHOGA mit seiner Kreisstelle in Traunstein. Hotelier und DEHOGA-Vorstand Peter Stocker sieht für Ruhpolding neue Impulse für einen nötigen Aufschwung. „Ein vergleichbares Projekt findet sich im Chiemgau bislang nicht, doch mehr solcher Hotelprojekte, vor allem im 4-Sterne-Superior-Bereich wünschen wir uns“, bekräftigt Peter Stocker. Selbst führt er seit Jahrzehnten das familieneigene Seehotel Wassermann in Seebruck am Chiemsee. Er sieht keine Konkurrenz für klassische Familienhotels, „die liegen seit Jahren voll im Trend“, ist sich der Hotelier sicher. Und: „ein Resort dieser Größe und Ausrichtung spricht ganz andere Gästekreise an.“

Genügend Platz auf den Greens

Im Aja-Resort Ruhpolding hat man einen Sinn für das Besondere. Resort-Manager Ralf Meister will das Hotel zu touristischen Höhen führen. Dafür steht symbolisch die Gondel einer Bergbahn.

Ebenso freut sich der Golfclub Ruhpoding über diese neue Klientel. Der Präsident des Clubs, Herbert Fritzenwenger, sieht der Eröffnung des direkt an den Greens angrenzenden neuen Aja-Resorts gelassen entgegen. „Wir haben aktuell 1000 Mitglieder und davon etwa 250 aktive, die mehrmals die Woche spielen. Täglich sind etwa 100 Golfer am Platz und wir haben eine Kapazität bis 200, ohne dabei an unsere Grenzen zu stoßen. Das neue Hotelressort ist für den Golfclub Ruhpolding eine große Chance.“

Ruhpoldinger Hoteliers
befürworten das Aja-Resort

Hotelier Markus Eismann
vom 4-Sterne-Alpenhotel Wittelsbach (32 Zimmer/ 60 Betten):

„Wir haben das Projekt immer unterstützt, denn wir brauchen Investment im Tourismus und freuen uns, dass jemand in den Ort und die Region investiert. Ruhpolding bietet bislang kein Haus mit 100 Einzelzimmer für große Tagungen und Kongresse. Es ergeben sich Synergien mit der nahen Chiemgau-Arena, die Biathlon Trainings- und Wettkampfstätte.“

Die Pfarrer Thomas Schmeckenbecher (evang.) und Otto Stangl (kath.) segnen das neue Resort als einen besonderen Ort der Gastlichkeit.

Hotelier Theo Stegmeier
vom 4-Sterne-Wohlfühlhotel Ortnerhof
(44 Zimmer/ 95 Betten)

„Das neue Ressort ist positiv für den Ort. Ein Haus mit dieser Größe und mit diesen Möglichkeiten wird Ruhpolding gut tun.“ Persönlich hätte er sich zwar ein 5-Sterne-Haus gewünscht, doch so ist es ein anderes Konzept und ein anderer Gästekreis, die ihren Weg finden werden.“ Theo Stegmeier hofft auf eine ‚Gute Nachbarschaft‘ und ist überzeugt davon, dass es auch unter den Gästen zu einem gegenseitigen Austausch kommen wird.

Hotelier Christian Mono
vom 4-Sterne Steinbach-Hotel (75 Zimmer/ 130 Betten):

„Von der fachlichen Seite wird es wohl funktionieren, denn es haben sich über viele Jahre hinweg viele Köpfe viele Gedanken gemacht und dabei viel Geld investiert. Das Aja wird einen neuen Gästekreis ansprechen und das wird dem Ort gut tun. Allerdings halte ich persönlich das Projekt für Ruhpolding als zu groß und es passt nicht in das Landschaftsbild. Andere Bauherren haben bereits Probleme ein Dachfenster einzubauen.“

Der Chiemsee-Chiemgau-Touristiker
Stephan Semmelmayr egänzt:

„Die Struktur der Vermieterbetriebe im Landkreis ist extrem klein strukturiert. Nirgendwo sonst ist der Anteil an Kleinvermieter (bis 8 Betten) höher als im Chiemgau. Deswegen brauchen wir dringend solche Betriebe, die hoffentlich auch andere Investoren ermutigen sich in der Region zu engagieren.“

„Ozapft is“ mit dem Bier vom Hofbräuhaus Traunstein, das als regionale Brauerei in das Sortiment mit aufgenommen wurde. Von links: Bräu Maximilian Sailer, Verkaufsleiter Andreas Hell, Resort-Manager Ralf Meister, Richard Hundhammer, DSR-Projektentwickler Torsten Vey und Daniel Bär von der Geschäftsleitung der DSR Hotel Holding.

Keine Tagungen im Ferienhotel

Bereits am zweiten Wochenende nach Eröffnung ist das Aja-Resort ausgebucht, knapp 500 Gäste werden das Hotel an seine Grenzen bringen, der erste wirkliche Testbetrieb. Angestrebt wird eine jährliche Auslastung von 80 Prozent. Zum Konzept des Hotels gehört der bewusste Verzicht auf Veranstaltungsräume, „obwohl die Nachfrage dafür vorhanden ist“, bekennt Ralf Meister. Es gäbe im Ort aber mit dem Kurhaus oder auch mit der nur wenige Kilometer außerhalb gelegenen Chiemgau-Arena genug Räumlichkeiten selbst für größere Events. Damit entfällt auch der Tagungs- und Seminarbereich. „Wir sind ein Urlaubs- und Ferienhotel mit Wellnessausrichtung, das verträgt sich nicht mit dem Geschäftsbereich“, ergänzt der Resort-Manager.

Daniel Bär von der DSR Hotel Holding (Deutsche Seereederei) und Resort-Manager Ralf Meister begrüßen die ersten Gäste im Aja-Resort Ruhpolding.

Das Aja-Resort Ruhpolding ist das erste Ferienhotel des Betreibers in den Alpen. Vor einem halben Jahr eröffnete man das City-Resort in Zürich und in 18 Monaten soll Garmisch Partenkirchen folgen. Die Aja-Resort und Hotel GmbH ist eine Tochter der Deutschen Seereederei GmbH (DSR). 2013 wurde in Warnemünde das erste Aja-Resort eröffnet.

3,5 Sterne für das neue
Aja-Resort in Ruhpolding

Zur Eröffnung des Aja-Resort in Ruhpolding liegt noch keine Sterneklassifizierung durch den DEHOGA vor. Resort-Manager Ralf Meister spricht jedoch von einem 4-Sterne-Haus. Damit dürfte er im Bereich des Spa mit Nivea-Wellnessabteilung, Fitnessraum, Sauna und Schwimmbad richtig liegen, auch mit dem großen Restaurant. Überhaupt ist es für den ländlich geprägten Chiemgau in jeder Hinsicht ein Haus der Superlative. Es braucht Größe, allein im Restaurant werden 220, auf der Terrasse 122 und im Biergarten 60 Plätze geboten. Dem Restaurant vorgelagert ist ein großer Barbereich und eine eigene Lounge für Stammgäste. Hohe Glasfronten geben den Blick in fast alle Richtungen auf die Ruhpoldinger Bergwelt, vom Rauschberg hinüber zum Unternberg und bis zum Sonntagshorn, mit 1961 Meter der höchste Berg im Chiemgau, auf dessen Gipfel die Grenze nach Österreich verläuft.

Der Spa-Bereich von Nivea hat auch für Männer viel zu bieten.

Bei einer 4-Sterne-Klassifizierung dürfte es bei den 230 Hotelzimmern knapp werden. Die Räume wirken beengt, das große Doppelbett füllt fast den ganzen Raum aus und die meisten Zimmer haben noch nicht einmal einen Balkon. Hier wurde mit spitzem Rotstift geplant, doch Hotelmanager Ralf Meister spricht bei einem Preis von 89 Euro pro Person inklusive Frühstück und Nutzung des Spa-Bereiches von einem günstigen Angebot. Der Eröffnungspreis liegt aktuell noch bei 64 Euro. Urlaubsstimmung wird auf den Zimmern nur schwer aufkommen, zum Schlafen aber sind sie ausreichend und das ist wohl auch der Plan. Die 14 Suiten mit großzügigem Raumangebot werden mit 120 Euro p.P. und Nacht berechnet.

Platz nehmen, sich entspannen – Wellness hautnah erleben.

Tagsüber sollen sich die Gäste im Hotel mit seiner breiten Infrastruktur entspannen, im nahen Ort oder an einem der Ausflugs- und Aktivprogramme teilnehmen. Aja-Wunscherfüller beraten dabei und die inkludierte Chiemgau-Karte bietet die kostenlose Nutzung von 30 Attraktionen der Region zum Nulltarif, darunter drei Bergbahnen, zwei Bäder und sechs Museen. Das dieser Trend richtig ist, zeigen auch die Buchungen. Zu 90 Prozent werden Übernachtung mit Halbpension gebucht. Darum gibt es mittags in dem Marktrestaurant mit Frontcooking auch nur ein kleines Angebot aus der alpenländischen Küche, ergänzt mit Fischgerichten und mediterraner Spezialitäten.

Reportage: Gerd Spranger

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Hohe Auszeichnung für Fritz Eberlein und Elisabeth Homberg

Fritz Eberlein und Elisabeth Homberg
mit dem Ehrenzeichen des
Bayerischen Ministerpräsidenten gewürdigt

Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ‚für im Ehrenamt tätige Männer und Frauen‘ verlieh Landrat Georg Grabner an Elisabeth Homberg aus Berchtesgaden und an Friedrich Eberlein aus Bad Reichenhall. Mit Blick auf die Lebensgeschichte und das Engagement der Geehrten betonte der Landrat, dass „die Ehrennadel als Zeichen ja nur sichtbar mache, was über Jahrzehnte hinweg über jedes Maß und jede Verpflichtung hinaus geleistet wurde.“ Er zitierte den ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit den Worten: „solange es noch Leute gibt, die da sind um für Andere da zu sein, ist es um die Welt gut bestellt.“ In Würdigung der Verdienste gratulierten vor Ort Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.

Fritz Eberlein 27 Jahre Hüttenrefernt
für das Staufenhaus

Fritz Eberlein ist ein seit Jahrzehnten über jedes Maß hinaus ehrenamtlich Tätiger. 385.000 Höhenmeter hat er zu Fuß von 1989 bis 2016 auf dem Staufen überwunden. 385 Mal war er auf dem Reichenhaller Haus und als Hüttenreferent das Bindeglied zwischen Vorstandschaft und Hüttenwirt. „Heute bräuchten wir einen Gönner der bereit wäre eine Million zu investieren, denn sehr umfangreiche Sanierungsarbeiten und eine Kanalisation stehen an“, erzählt Fritz, dem das Staufenhaus bis heute am Herzen liegt. Seine Leidenschaft aber gilt der Natur, seit 1949 beschäftigt er sich intensiv damit. Nur so ist es erklärbar, dass er fast 40.000 Einzelfunde in eine Datenbank des Nationalparks eingepflegt hat. Seit Ende der 90-Jahre dokumentiert Eberlein ehrenamtlich seine detaillierten floristischen Beobachtungen. Sorge bereitet ihm aktuell das Insektensterben. „Wenn man früher unterwegs war, so herrschte ein Summen und auf einer Blüte waren nicht selten mehrere Bienen und Käfer zu sehen. Da ist es heute sehr still geworden.“

Der Naturforscher gibt sein umfangreiches Wissen gerne an Doktoranden und Masterstudenten weiter, unterstützt und hilft bei zahlreichen Forschungsprojekten im Nationalpark Berchtesgaden und führt auch heute noch gerne Exkursionen durch. Seine Arbeiten legten den Grundstein für eine künftige Beobachtung von Umweltveränderungen im Klimawandel. Fast schon nebenbei kartierte Fritz Eberlein 70 aufgelassene Almen im Gebiet des Nationalparks und historische Felszeichnungen. Freude bereitet ihm, wenn er die Selbstheilungskraft der Natur beobachtet. „Sieht man heute jene Regionen, die unter den großen Stürmen in den 90er- und 2000er-Jahren schwer litten, so ist hier eine wunderbare vielfältige Vegetation mit einem gesunden Mischwald nachgewachsen.“

Eberlein ist ein scharfer Beobachter und hat als Mitglied der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zahlreiche Publikationen veröffentlicht und unterstützt, die seine in Fachkreisen anerkannte wissenschaftliche Tätigkeit belegen. Er ist auch wieder in der Neufassung der Artenliste des Nationalparks involviert. Darüber hinaus ist er ein fleißiger Sammler von einigen Tausend Herbarbelegen für die Botanische Staatssammlung München. Dabei wird eine getrocknete oder flach gepresste Pflanze auf einen Karton oder einen Bogen Papier aufgeklebt, zu dem man früher etwa dicke Bücher benutzte. Wem die Natur so am Herzen liegt, der engagiert sich auch für den Umweltschutz und so ist Fritz Eberlein bis heute Naturschutzwart und Naturschutzausbilder bei der Reichenhaller Bergwacht. Er freut sich über die vielen jungen Menschen, die sich ganz in seinem Sinne für die Natur und Heimat engagieren. Sein Dank gilt vor allem aber seiner Frau Christa, die seit 50 Jahren treu an seiner Seite steht und in all den Jahren häufig auf ihren Mann ‚verzichten‘ musste.

Elisabeth Homberg 28 Jahre lang
beim Evangelischen Diakonieverein Berchtesgaden

Das ‚Da sein‘ für andere Menschen hat die heute 74jährige Elisabeth Homberg aus Berchtesgaden von ihrer Jugend an praktiziert, als sie als junges Mädchen bereits mehrmals wöchentlich in das Berchtesgadener Krankenhaus radelte um dort mitzuhelfen. Später durchlief sie dann eine Ausbildung zur Krankenschwester und bildete sich mehrfach fort. Als katholische Schwester kam sie 1981 zum „Evangelischen Diakonieverein Berchtesgaden“, zunächst als Halbtagskraft neben einer evangelischen Diakonisse. 28 Jahre lang, bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2009, war sie dort als Pflegedienstleitung. Zuletzt arbeiteten beim Verein acht Vollzeit- und sieben Teilzeitkräfte plus zwei Haushaltshilfen. Sie erinnert sich noch gut an das Jahr 2002, als der Neubau in Bischofswiesen an der Aschauerweiher-Straße entstand. „Wir waren alle aus dem Pflegebereich, keiner hatte eine betriebswirtschaftliche Ausbildung, dennoch haben wir uns über dieses Millionenprojekt drüber getraut.“

Und getraut hat sich Elisabeth Homberg immer und häufig. Sie hatte zum Beispiel eine „Daseinsvorsorge zu Hause“ möglich gemacht. „Wir sind vier bis sechs Mal täglich zu den hilfebedürftigen Senioren nach Hause gefahren, von morgens 6.30 bis abends um 22.30, und halfen ihnen bei den wichtigen Alltagsdingen. So konnten sie weiter in ihrem Zuhause bleiben,“ erklärt sie. Nebenbei habe sie damit die Gehälter der Mitarbeiter gesichert und zwar längerfristig und als gesicherte Einnahmen.

In diese Richtung zielte auch die 1995 eingeführte Pflegeversicherung, mit der vieles leichter geworden ist, erinnert sie sich. „Zuvor musste alles über die Krankenkassen abgerechnet werden und das war nicht einfach. Jetzt wurde das Prinzip ‚ambulant vor stationär‘ forciert und somit war Hilfe in vielen Lebenslagen möglich. Wie selbstverständlich engagierte sich Elisabeth auch in der Sterbebegleitung mit einemTeam von ausgebildeten Krankenschwestern, die das gleiche Anliegen hatten und haben. „Für einen Menschen in den letzten Stunden da sein, für und mit ihm ein Gebet zu sprechen, seine Hand zu halten, ihn nicht alleine zu lassen“, das sollte doch selbstverständlich sein.

Einmal wöchentlich bietet Elisabeht Homberg als Seniorenbeauftragte des Marktes Berchtesgaden eine Sprechstunde, die sehr gut angenommen wird. Häufig geht es um Pflege, um Hilfeleistungen, einen anderen Pflegegrad oder einfach nur den Menschen ihre Ängste zu nehmen. Weiters ist die aktive Seniorin seit sechs Jahren für die Freiwilligenagentur des Landkreises tätig, gründete das Demenzcafe Rosenrot im Werk 24, das Mehrgenerationenhaus von Berchtesgaden, hat Besuchsdienste auf der Abteilung Geriatrische Rehabilitation im Krankenhaus Berchtesgaden aufgebaut und ist Gründungsmitglied der Seniorengemeinschaft BGL Süd e.V..

Dennoch kam der Anruf aus dem Landratsamt anlässlich ihrer Ehrung überraschend. „Es gibt so viele Menschen die sich ehrenamtlich engagieren“, meint sie. Auch habe man sie mit allen ihren Initiativen in ihre Bemühungen immer wieder gefördert. Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ist für Elisabeth Homberg aber schon eine ganz besondere Auszeichnung, eine tolle Wertschätzung. „Gefreut hat es mich, dass unser Bürgermeister Franz Rasp trotz seines Urlaubes bei der Auszeichnung zugegen war“, betont sie. Dabei war auch ihr Mann Harry und ihr Enkel Niklas.

Von links: Barbara Müller (Senioren- und Behindertenbeauftragte des Landkreises Berchtesgadener Land), Walter Parma (Seniorengemeinschaft Süd e.V.), Landrat Georg Grabner, die Geehrte Elisabeth Homberg mit ihrem Mann Harry und Enkel Niklas sowie Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.

Von links: Fritz Eder und Dr. Hubert Zierl (Nationalpark Berchtesgaden), Landrat Georg Grabner, der Geehrte Friedrich Eberlein mit dessen Frau Christa, Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Helmut Schöndorfer

Fotos: Gerd Spranger

Wann kommt der Wandel in der Autobranche?

Von einem Wandel in der Autobranche war bei der Berchtesgadener Automobil-Ausstellung auf dem ersten Blick nichts zu spüren. Wunderschöne große Fahrzeuge, viele von ihnen ab 50.000 Euro aufwärts, buhlten um die Gunst der Besucher im Berchtesgadener Kongresshaus mit 70 Modellen und 15 Automarken bei freiem Eintritt und attraktivem Rahmenprogramm. Seit 1973 ist die Show alle zwei Jahre im Terminkalender des Alpencongress zu finden.

Bürgermeister Franz Rasp und Bernd Buchwinkler eröffnen die Automobil-Ausstellung. Bernd Buchwinkler ist der Senior unter den Händlern. Bereits seit 1968, gleich nach der Lehre, arbeitete er in der elterlichen Werkstatt und leitete später über Jahrzehnte das Unternehmen. – Fotos: Gerd Spranger

Bürgermeister Franz Rasp freut sich über das Miteinander aller Autohäuser im inneren Landkreis und diese besondere Leistungsschau im Herzen von Berchtesgaden. Dabei bietet das 45 Jahre alte Alpencongress mit großer Tiefgarage im Zentrum die besten Voraussetzungen. „Die Zeit für eine radikale Wende in der Autoindustrie ist noch nicht reif“, glaubt Rasp. „Die Stromnetze wären in einer Großstadt völlig überfordert, wenn der Anteil an Elektroautos innerhalb eines Jahres auf 50 Prozent klettern würde“, ist sich der Bürgermeister sicher. So hat die Marktgemeinde im Bauhof ein erstes E-Auto für Kurzstrecken im Einsatz, „und es wird bei den Mitarbeitern immer beliebter“, so Franz Rasp.

Für Berchtesgaden sei die intelligente Nutzung und Vernetzung des Verkehrs zukunftsweisend, also ein gutes Zusammenspiel von Auto, Bahn, Bus, Rufbusse und Taxi. „Experten sagen, dass es künftig nicht mehr darum gehe ein Auto zu besitzen, sondern es zu nutzen“, so der Bürgermeister.

Ein Beleg dieses Umdenkens sieht er in den seit neun Jahren fahrenden Gratis-Gäste-Bussen in Verbindung mit den Park- & Ride-Parkplätzen. „Im Sommer ist er immer voll, ja geradezu überfüllt in Richtung Salzburg, so dass wir zusätzliche Busse einsetzen müssen.“

Bei der Berchtesgadener Autobmobil-Ausstellung fällt der hohe Anteil der SUV auf. „Am liebsten mit Allrad“, sind sich viele Aussteller einig. Der Anteil liege bei manchen Modellen bei bis zu 70 Prozent. Hinter den Kulissen aber arbeiten immer mehr Hersteller an bezahlbaren und leistungsfähigen Elektroautos. „Ab 2020 kommen sie und das nach und nach für alle Modelle,“ bestätigten einige Hersteller auf Nachfrage. Viele aber setzen auf Hybridantriebe, also auf einen konventionellen Benzinmotor mit einem Elektroantrieb, die sich gegenseitig ergänzen und so zu einer merkbaren Kraftstoffersparnis beitragen. „In Berlin etwa fahren heute 60 Prozent aller Taxis mit Hybrid und wir sind seit 20 Jahren damit erfolgreich auf dem Markt“, freut sich ein Händler.

Selbst bei dem weltweit größten Autohersteller in bester deutscher Tradition steht aktuell wieder ein SUV im Vordergrund, auch wenn es ihm auf dem ersten Blick nicht gleich anzusehen ist. Natürlich gibt es dieses Modell auch mit einem Allrad-Antrieb. „Ob nun E-Autos oder Hybridantrieb, generell verbrauchen alle modernen Fahrzeuge heute rund 40 Prozent weniger Energie als noch von 20 Jahren. Dabei ist das Gewicht deutlich gestiegen, signifikant wird das allein schon an den schweren, großen Reifen,“ bekräftigt der Händler und bringt damit auch seinen Zweifel an der aufgeheizten öffentlichen Diskussion um Fahrverbote zum Ausdruck. „Es kann nicht sein, dass ein Familienvater, der ein älteres Modell fährt und wirtschaftlich haushalten muss, quasi kriminalisiert wird, weil er nicht das neueste und sauberste Auto fährt.“

Es waren zwei sonnige Tage und eine eindrucksvolle Leistungsschau der Autohändler in Berchtesgaden bei gutem Besuch. Zum Kauf animieren durchwegs gute Konditionen bis hin zu einer Null-Prozent-Finanzierung, attraktive Leasing-Angebote und ’satte Prozente‘. Auch das Publikum orientiert sich neu, nicht zuletzt wegen der vielen Schlagzeilen und Umbrüche, denen sich die Branche heute mehr denn je ausgesetzt sieht. Aktuell aber scheint sich die Lage langsam zu beruhigen. Sehenswert waren die Automobil-Raritäten mit ‚Schmuckstücken aus der Vergangenheit‘, Informationen zum ‚Rossfeldrennen‘, Sicherheit im Verkehr durch die aktive Mitarbeit der Deutschen Verkehrswacht und ein großes Rahmenprogramm für Kinder mit Schminken, Bauklötze-Areal und Kasperltheater.

Vizeweltmeister Stefan Eberharter, der sich diesen Titel 2015 im Mountainbike-Trail in Spanien erkämpfte, begeistert heute viele Menschen mit seiner Leistungsschau, die er bei Events in ganz Europa zeigt.

Dass die Freude und Bewegung am Fahren auch ganz ohne PS, Benzin und Elektroantrieb auskommen kann, zeigte Vizeweltmeister (2015) Stefan Eberharter im Mountainbike-Trail mit einer akrobatischen Leistungsschau und perfekten Beherrschung von Bike, Bewegung und Körper. Folgende Autohäuser waren im Alpencongress Berchtesgaden dabei: Moderegger (BMW), Brandner (Opel), Angerer (Ford), Höfler (Fiat), Eppich (Toyota), Czech (Peugeot), Stockklausner (Subaru), Eppich (Seat), Sauder (Suzuki), Buchwinkler (VW, Audi, Skoda) und Benischke (Renault, Dacia, Nissan). Und einmal mehr überzeugt der ‚Preisbrecher‘ Dacia. Der neue Duster ist eine echte Aufwertung der Marke. Ein neuer Stepway soll bis zum Jahresende folgen.

Integration durch Bildung und Sprache

– Integrationskonferenz des Berchtesgadener Landes
– Respekt vor dem Anderssein und vor dem  Leben

(gsp) Zur zweiten Integrationskonferenz des Landkreises trafen sich am Freitag die an diesem Prozess beteiligten Organisationen und Vereine. Es war darum auch die Integrations-Lotsin Astrid Kaeswurm, zu deren Aufgabe die Vernetzung der regionalen Akteure zählt, die die zahlreichen haupt- und ehrenamtlich Tätigen begrüßte. Sie erklärte den Wandel bei den Aufgaben der Integration von Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Beweggründen und Ländern in Deutschland um Asyl angesucht haben. „Standen in den Jahren 2015 und 2016 die Unterbringung und Betreuung im Focus, so sind es heute die Bereiche Wohnen, Schule und Ausbildung“, erklärt die Integrations-Lotsin.

Gemeinsam steckten Sie das Feld einer weiten Integrationsarbeit ab. Von links: Astrid Kaeswurm, MdL Gudrun Brendel-Fischer und Landrat Rudolf Schaupp – Fotos: Gerd Spranger

Für das Berchtesgadener Land bewertete sie die Situation positiv und sprach im Hinblick auf die christlichen und kulturellen Werte von einem Schatz, zu dem auch das Ehrenamt zähle. Der stellvertretende Landrat Rudolf Schaupp bezog sich auf den Buddhisten Dalai Lama, der den Respekt vor dem Anderssein und vor der Vielfältigkeit des Lebens als unabdingbare Voraussetzung für den Frieden bezeichnete. Schaupp hob vor allem das Engagement der Spotvereine hervor, aber auch Einrichtungen wie Büchereien, VHS, BFZ, Jobcenter bis hin zur Stiftung von Max Aicher. „Der Unternehmer war einer der ersten im Landkreis, die sich aktiv für die Migranten einsetzten“, bekräftigt der stellvertretende Landrat. Unverzichtbar aber sind auch die Blaulicht-Organisationen, und künftig wird es verstärkt die landkreiseigene Wohnbau sein, wenn es um die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum gehe.

Thomas Kadereit vom Max-Aicher Bildungszentrum versteht es, den Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern die deutsche Sprache mit viel Humor zu vermitteln.

In ihrem Gastvortrag sprach die Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, MdL Gudrun Brendel-Fischer, über Herausforderungen in der Integrationsarbeit und betonte zunächst die Pflege der Heimat, eben dort, wo man sich wohl fühle. Ein wichtiger Schlüssel zur Integration sei dabei der Austausch und die Vernetzung, vor allem aber die Jugendverbandsarbeit. „Hier wird den jungen Menschen Haltung und Orientierung gegeben, ob beim Fußball, der Feuerwehr oder in kirchlichen Organisationen. Integration ist interessant, darf uns nicht gleichgültig sein und ist ein beständiger Prozess“, bekräftigte sie. In diesem Zusammenhang bedauerte sie, dass etwa die Ehrenamts- und Übungsleiterpauschale noch nicht erhöht werden konnte. „Wir müssen dieses Ehrenamt noch viel mehr fördern“, fordert Brendel-Fischer, „allerdings nicht monetär“, schränkte sie ein.

MDL Gudrun Brendel-Fischer spricht vor einem vollbesetzten Auditorium bei der zweiten Integrationskonferenz des Landratsamtes Berchtesgadener Land.

„In Bayern werde die Integrationsarbeit deutlich besser gefördert wie insgesamt bundesweit“, gab sich die Abgeordnete selbstbewusst. Und die Zahlen würden den Erfolg bestätigen. „Von 2016 bis 2018 haben sich die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse von 28.000 auf 54.000 gesteigert. Die Teilnahme von Menschen mit Fluchthintergrund am Bayerischen Arbeitsmarkt nahm damit in zwei Jahren um über 95 Prozent zu“, führte sie aus, und man müsse diesen Weg weiter gehen.

„Frauen sollen sich ebenfalls mehr qualifizieren, denn bislang sind es vor allem Männer, die sich beruflich qualifizieren und integrieren. Dabei sind Frauen immer der Schlüssel rund um die Familie. „Wir müssen darum genau hinsehen, welche Tätigkeiten von Frauen auch innerhalb ihres Kulturkreises akzeptiert werden“, folgerte die Integrationsbeauftragte. Es sei darum ein denkbarer Weg, die Hürden von beruflicher Qualifikation zu senken und im Bereich von hauswirtschaftlichen Tätigkeiten Möglichkeiten zu schaffen.

Die vielen ehrenamtlichen Vereine und Organisationen präsentierten sich dem Publikum. Zweites Foto (von links) Wolfgang Heitmeier informiert über die Arbeit der Tafeln.

Als ein gelungenes Projekt bezeichnete sie die speziellen Sprach-Förderklassen, bis hin zu Berufs-Integrationslassen als Grundvoraussetzung für einen schulischen Erfolg, denn Sprache und Bildung bleiben der Schlüssel zur Integration. Sie bedauerte dabei auch das Misstrauen vieler Eltern von deutschen Kindern, die eine Benachteiligung befürchten, wenn mehrere Kinder ohne gute Deutschkenntnisse in der Klasse sitzen. Es dominiere die Sorge, dass man mit dem Stoff dann nicht schnell genug voran käme und die eigenen Kinder dadurch Nachteile hätten. Eltern seien so schnell verunsichert, bedauert sie.

Von einer gelungenen Integration zeugte eine kleine Theatergruppe aus der ersten Klasse vom Max-Aicher Bildungszentrum unter der Anleitung des Lehrers Thomas Kadereit. Mit einfachen Wortspielen verdeutlichten die Akteure Herausforderungen der deutschen Sprache. So habe ein Stuhlgang eben nichts mit einem Stuhl zu tun und ein Menschenauflauf nichts mit Gemüse. Selbst ein Mann, wie er im Buche steht, muss kein Literat sein und gleiches gelte für einen Armleuchter. Zu Beziehungsproblemen komme es mitunter schon bei der Entscheidung, ob eine Fahrt nun ins Grüne oder lieber doch ins Blaue unternommen werde. Dabei unterscheide es sich, ob man letztlich die Nase voll habe oder alles in in Butter sei. Schwein gehabt, mögen manche denken ohne dabei gleich ein Schwein zu haben. Und treulose Tomaten begegne man immer wieder.

Christina Hobmaier verdeutlichte mit Lied und Gitarre, dass es immer um den Menschen, das Menschliche, das Zwischenmenschliche bei der Integration von Menschen gehe.

Für Emotionen und ein wenig ‚Gänsehautfeeling‘ sorgte Christina Hobmaier mit Lied und Gitarre. Sie sang vom sich Mut machen und nicht aufgeben. Von der Entscheidung für die Liebe und den Frieden. Darauf, auf das eigene Herz zu hören, denn wir Menschen sind es uns wert. Dabei gelte es, Wut und Ängste abzulegen und im Alltag nicht wegzusehen. Ein engagiertes Lied mit einem Appell an die Zivilcourage und die Nächstenliebe.

An diesem Tag war auch Gelegenheit, sich an den im Foyer und Treppenaufgang verteilten Ständen direkt über die Arbeit der Vereine und Organisationen zu informieren.

Die Integrationsbeauftragte der Bayernsichen Staatsregierung, MdL Gudrun Brendel-Fischer, mit den Theater-Aktiven der Max-Aicher-Stiftung (Gruppenfoto). Rechts im Bild Integrations-Lotsin Astrid Kaeswurm und Unternehmer Max Aicher und links der stellvertretende Landrat Rudolf Schaupp.

 

Starke Worte und ein starkes Bier im Brenner-Bräu

 

‚Ozapft is‘ – die erste Maß im Krug. Von links: Bürgermeister Thomas Weber, Ministerin Michaela Kaniber, CSU-Generalsekretär Markus Blume, Bezirksrat Georg Wetzelsperger, CSU-Ortsvorsitzender Josef Pletzer und Wieninger-Braumeister Bernhard Löw. – Fotos: Gerd Spranger

(gsp) War es 2018 die damalige Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber, die dem Starkbieranstich im Gasthof Brennerbräu die politische Note gab, so übernahm dies am Freitag CSU-Generalsekretär Markus Blume aus München-Ramersdorf. Bevor es aber so richtig politisch wurde, zapfte Braumeister Bernhard Löw von der Brauerei Wieninger mit Markus Blume erst einmal das erste Fass Starkbier an. „Unser Impulsator ist mit 18 % Stammwürze aus gutem Aromahopfen und fünf Monaten der Reifung zu einem süffigen Starkbier mit 7,3 Prozent Alkohol und einer ausgeprägten Malznote gereift“, schwärmt er für das nahrhafte Fastengetränk.

Gute Stimmung und viel Prominenz

Und die Stimmung hätte nicht besser sein können. ‚A zünftige Musi‘ von der Musikkapelle Bischofswiesen, ein Wirtshaus, voll besetzt mit Gesellschaft in festlicher Tracht, wo schon früh lebhaft diskutiert und getratscht wurde – ganz im gelebten Klischee einer bayerischen Wirtschaft zum Starkbieranstich. Gekommen war die Prominenz des Ortes und darüber hinaus, angefangen bei den Bürgermeistern und Gemeinderäten über den Kommandeur des Gebirgsjägerbataillon 232 Markus Sonnenberger, Monsignore Thomas Frauenlob, bis hin zu Vertretern der Vereine und Bürgern der Gemeinde Bischofswiesen.

Die Festrede von Markus Blume war über weite Strecken ein Appell für eine ehrliche Politik, die er immer wieder mit launige Beiträgen würzte. „Der Aschermittwoch soll der Kirche als christlicher Feiertag erhalten bleiben. Es ist in Bischofswiesen Brauch, erst am Freitag zu feiern und die Fastenzeit für eine „Innere Einkehr“ zu nutzen.“

Die Musikkapelle Bischofswiesen sorgte für gute Stimmung

„Und warum soll nur im Wein und nicht auch im Bier, im Starkbier, der mit seinem kräftigen Aroma und Alkoholgehalt ja einem guten Wein gleichkommt, die Wahrheit liegen? Und was ist treffender, als mit einem Impulsator, quasi als Turbo unseres Denkens, sich über die Welt im Allgemeinen und der Politik im Besonderen auszutauschen. Die große Herausforderung dabei ist allerdings, ob wir am nächsten Tag noch wissen, was wir alles gehört und diskutiert haben“, gab er zu bedenken.

Fastenzeit sei ja für eine Besinnung die gute Gelegenheit, und diese bräuchten wir heute dringend. „Unsere Gefühlswelt, angespornt durch die Medien via TV und Talkshows, malen uns fast täglich schreckliche Bilder vor Augen. „Die Krise, ist sie da – wirklich?“ fragte er in die Runde.

CSU-Generalsekretär Markus Blume bewegt sich gut auf dem politischen Parkett.

Der Politikwissenschaftler und ehemalige Unternehmensberater Markus Blume schwenkte nach diesem Statement elegant zur europäischen Bühne. So seien die Probleme in England, Frankreich oder Italien ja um ein Vielfaches größer. „Solange wir in Deutschland über Bienensterben, ein drittes Geschlecht – was kaum einer versteht – und über ein Verbot von ‚Indianerkleidung‘ zum Fasching streiten, geht es uns gut“, meinte er und erntete damit kräftigen Applaus.

Weiter gab Markus Blume zu bedenken: „Wir sind bombastisch unterwegs, verzeichnen seit 10 Jahren ein stabiles Wirtschaftswachstum und haben die niedrigste Arbeitslosigkeit! Und doch verändern sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen drastisch, aber wir dürften nicht den Fehler machen, immer in den Rückspiegel zu schauen.“ Und das lastete er der SPD an. Sie vergäßen, was dieses Land groß gemacht habe, nämlich die Reformen auf dem Arbeitsmarkt. „Es ist nicht die Zeit, hier den Rückwärtsgang einzulegen, sondern endlich den Soli abzuschaffen – davon profitieren alle!“ Und auch hier erntete er wieder lebhafte Zustimmung vom Publikum. Der CSU-Generalsekretär schloss die anderen Parteien von seiner pointierten launischen Kritik nicht aus.

Nicht von Emotionen leiten lassen

Die deutsche Politik dürfe sich nicht von Emotionen bei wichtigen Entscheidungen leiten lassen. Es dürfe nicht aus jeder Sachdebatte heraus eine moralische Grundsatzdebatte geführt und der vermeidliche Gegner dann als ’schlechter Mensch‘ abgestempelt werden. „Natürlich sprechen wir bei dringenden Lebensgrundlagen für die Bienen auch von der „Bewahrung der Schöpfung“. Aber es darf keine Spaltung der Gesellschaft voran getrieben werden, etwa „Bienen gegen Bauern“. Das muss man zusammen bringen. Warum haben denn die Grünen dagegen gestimmt, den Klimaschutz als Staatsziel in der Bayerischen Verfassung zu verankern?“ fragt er. Emotionen versus Ratio, etwa bei der führenden und weltweit geachteten Leitindustrie unseres Landes, nämlich der Autoindustrie. „Sie wird in einer selbst-zerstörenden Art kaputt geredet, ungeachtet der wirtschaftlichen Bedeutung und der Arbeitsplätze. Das ist unserem Land nicht würdig. Wir wollen die Mobilität erhalten, sie ist ein Grundrecht von uns Menschen, unserer Freiheit.“

Bezirksrat Georg Wetzelsperger, Ministerin Michaela Kaniber und CSU-Generalsekretär Markus Blume in gutem Einvernehmen.

„Es ist sehr zu begrüßen, dass wir in unserem Land wieder über Politik sprechen. Wir dürfen es aber nicht ‚den Rändern‘, ob links oder rechts, überlassen“, so Markus Blume. Und immer wieder findet er einen Bezug zur europäischen Ebene. „Die etablierten Parteien sind geschwächt, der Druck von allen Seiten wächst. Immer wichtiger werden die sozialen Medien. Es kann nicht sein, dass sich hier jeder anonym über alles auslässt – bis hin zu üblen Beschuldigungen und Beleidigungen. Selbst ein internationaler Konzern wie Facebook wird sich gefallen lassen müssen, dass hier die Regeln der Presse gelten, auf der Grundlage von Transparenz und Öffentlichkeit“, mahnte er an.

Zuletzt konnte die AfD nicht außen vor bleiben. „Eine Partei, die es mit Recht, Gesetz und Wahrheit nicht so ernst nimmt, die sich immer mehr in Spendenskandale verwickelt und im braunen Sumpf versinke“, skizzierte er die aktuelle Situation aus seiner Sicht.

Sein Schlussplädoyer galt dem CSU-Europakandidaten Manfred Weber, der ein ganz ausgezeichneter Spitzenkandidaten für Brüssel sei. Er bringe hier ein Stück bayerische Identität und Werte in ‚dieses unser Europa‘ ein. Es gehe um ein starkes Europa, in dem wir uns selbst stark machen müssen.

Bruder Barnabas vertritt das Untersbergmandl

Das launige Element vertiefte beim Starkbieranstich der CSU in Bischofswiesen „Bruder Barnabas“ (Wasti Rasp), der in Vertretung des ‚Untersbergmandls‘ sein Debüt feierte. Der Mann vom Untersberg wollte dieses Jahr nicht herab steigen, denn es liege noch immer zu viel Schnee vor den tiefen Höhlen, ließ er sich entschuldigen.

„Bruder Barnabas“ (Wasti Rasp) feierte seine Premiere im Gasthof Brenner-Bräu in Bischofswiesen

Und Bruder Barnabas übte sich in Vorsicht, war doch ’sein Chef‘, Monsignore Thomas Frauenlob, zugegen. Er gab sich bibelfest und zitierte aus dem Korintherbrief. Darin fragte schon Paulus, ober er mit der Rute oder im Geiste der Sanftmut kommen solle. Barnabas entschied sich für die Sanftmut. Noch bewegt von der Rede des CSU-Generalsekretärs erinnerte er sich an dessen Jugend. Markus Blume schaffte es in jungen Jahren, im Eiskunstlauf mit seiner Schwester zum Deutschen Juniorenmeister. „Da wundert es nicht, dass er sich auf dem glatten politischen Parkett so gut zu bewegen weiß“, konstatierte Barnabas.

„Und überhaupt, bei diesem Namen und diesem Geburtstag, nämlich der 14. Februar, müssen ihm die Frauenherzen ja zufliegen.“ Er sei auch weltoffen und tolerant, denn als Münchner einen Franken an der Spitze von Bayern zu unterstützen, zeuge von Weltoffenheit. Auch beherrsche er bereits das ‚richtige Draufhauen‘, denn mit drei Schlägen anzuzapfen zeige seine Geschicklichkeit. Ganz im Gegensatz zum Bürgermeister der Gemeinde, Thomas Weber, der sich aus unerklärlichen Gründen stets vor dem Anzapfen drücke. Respekt zollte er auch der Ministerin Michaela Kaniber, die es schnell verstand, sich in der CSU-Herrenriege zurecht zu finden. Das sei in Bischofswiesen ganz anders. „Von wegen Frauenquote“, ereifert sich Bruder Barnabas. „Da muss man auf dem Foto des Gemeinderates die Frau ja mit der Lupe suchen. Frauenquote ist hier bei fünf Prozent.“

MIt Interesse und skeptischem Blick verfolgen Markus Blume und Prof. Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen die Auslassungen des Bruder Barnabas

Ein wenig schämen müsse er sich als Einwohner des Berchtesgadener Talkessels allerdings schon, „denn der Familienname des grünen Fraktionsvorsitzenden sei auch in Berchtesgaden zu finden“, bekennt Bruder Barnabas. „Ja, Laptop und Lederhose hieß es in Bayern. Dabei hat die Elfenbeinküste heute ein besseres Netz als Deutschland. Ein schlechtes Netz wäre für die USA gar nicht schlecht“, sinniert er, „denn was man auf Twitter alles so anrichten kann, zeigt uns Herr Trump.“

Bruder Barnabas fand noch viele Anknüpfungspunkte in seiner Rede. Sie reichten vom Areal des ehemaligen Hotels Geiger über Hotelchalets am Königssee bis hin zu einem Doktor vom Doktorberg, dem Götschen und der Beruhigung der Ortsdurchfahrt als Meisterstück der Kommunikation in sechs Akten.

Meisterstück in sechs Akten

„Zuerst herrschte Begeisterung, dann Verwirrung und schließlich Ernüchterung beim Ausbau. Es folgten Fluchtbewegungen, die Suche nach Schuldigen, bis zur Bestrafung von Unschuldigen und schließlich die Belobigung von Nichtbeteiligten.“ Als eine neue bahnbrechende Idee brachte Bruder Barnabas einen Skywalk in Bischofswiesen ins Spiel. „Da könne man dann über die erforderlichen 70 Parkplätze hinweg einen Blick auf alle Kreisverkehre der Gemeinde hinweg richten.“

Auch zu lesen im Berchtesgadener Anzeiger:
https://www.berchtesgadener-anzeiger.de/region-und-lokal/lokales-berchtesgadener-land_artikel,-starke-worte-und-starkes-bier-im-brenner-braeu-_arid,475954.html