Archiv der Kategorie: bad reichenhall

Private Vermieter sind keine anonymen Investoren

Jahresversammlung  der
Haus & Grund Bayern
in Berchtesgaden

(gsp) Vor 100 Jahren gründete sich der Haus- und Grundbesitzerverein (H&G) Berchtesgaden und Umgebung e.V.. Grund genug für den Landesverband, der auf eine 125jährige Geschichte zurückblickt und seine Anfänge in München nahm, seine Jahresversammlung im AlpenCongress Berchtesgaden zu halten. Dabei bringen Vorstand Dr. Ulrike Kirchhoff und Aufsichtsratsvorsitzender Rudolf Stürzer deutlich ihren Unmut zum Ausdruck.

Die im Verein ‚Haus & Grund Bayern‘ organisierten privaten Vermieter distanzieren sich von den gewerblichen Vermieten, die häufig nur an einer hohen Rendite Interesse hätten. Auf unserem Foto Vereinsvorstand Dr. Ulrike Kirchhoff mit Immobilienfachmann Armin Nowak (l.) und Aufsichtsratsvorsitzenden Rudolf Stürzer. – Foto: Gerd Spranger

„Es wird immer ganz allgemein von ‚den Vermietern‘ gesprochen und geschrieben, wenn es um hohe Mieten geht. Das aber ist auf private Vermieter nicht zutreffend. Unser Verein vertritt ihre Interessen, die von 144.000 privaten Vermietern in Bayern, und die wollen mit ihren Mietern in einem guten Verhältnis und Übereinkommen leben. Wir sind keine Heuschrecken oder eine Investorengruppe, die auf einer anonymen Ebene versucht, möglichst viel Kapital aus großen Objekten zu ziehen.“

Forderung nach mehr Baugebieten

80 Prozent der Wohnungen würden zudem im Eigentum von Privatpersonen stehen, und 78 Prozent der Mieter seien zufrieden mit ihren privaten Vermietern. Die Liste an Forderungen der Haus & Grund Bayern ist lang, „um Rahmenbedingungen für einen hochwertigen Wohnraum zu fairen Preisen zu schaffen.“ Knappes Bauland etwa führe zu hohen Preisen, darum müssten deutlich mehr Baugebiete ausgewiesen werden. In die gleiche Richtung zielt die Forderung, Baulandreserven zu mobilisieren, „allerdings würden dabei private Investoren kaum berücksichtigt“, bedauert die Haus & Grund. Preiswertes Bauen ginge nur mit einer Senkung von Baukosten. Neue Vorschriften und Auflagen hingegen treiben sie in die Höhe. Konkret benannte Dr. Ulricke Kirchhof zusätzlich geforderte Gutachten oder die Energie-Effizienz auf höchstem Niveau. Rudolf Stürzer ging in der Forderung noch einen Schritt weiter. „Wirklich günstige Wohnungen können nur mit Zuschüssen in einer Größenordnung von 30 Prozent realisiert werden“, weiß er aus gemachten Erfahrungen im Raum München.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Für Armin Nowak, Vorsitzender der H&G Berchtesgaden, ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum im Landkreis ebenfalls ein Thema. Der Druck wachse in Berchtesgaden durch die Nähe zu Salzburg, aber auch durch die steigende Zahl von Zweitwohnungen. „Dieser Trend wurde jetzt mit einer deutlichen Anhebung der Zweitwohnungssteuer und seit April 2019 mit einem strengen Genehmigungsverfahren gestoppt“, erklärt der Immobilienfachmann. Auch in Bad Reichenhall gibt es seit 1995 eine Zweitwohnungssteuer. Sie ist gestaffelt nach Höhe der Kaltmiete von 420 bis 1260 Euro jährlich. Weiter legt Nowak dar, dass sich die Zahl der Bauvorschriften in den letzten zehn Jahren von 5.000 auf 20.000 vervierfacht habe und bekräftigt damit die Forderung des Vereins nach einem Bürokratieabbau. Ebenso sieht er die Besitzer von erschlossenem Bauland in der Verantwortung. „Es dürfen keine Grundstücke ‚gehortet‘ werden. Besitz verpflichtet und ist soziale Verantwortung“, argumentiert er.

„Es darf keine Enteignung geben“

„Eine Enteignung darf es nicht geben, diese Diskussion muss sofort beendet werden“, ereifert sich Dr. Ulrike Kirchhoff. Ebenso solle die Mietpreisbremse (MiBe) abgeschafft werden, denn sie schütze keine einkommensschwachen Mieter und würde privates Wohneigentum vernichten. Betroffene Eigentümer verkauften dann lieber an große Investoren, argumentiert sie. Zudem habe die MiBe im Hinblick auf die gesetzlichen Vorgaben bereits im Vorfeld in vielen Bereichen zu starken Erhöhungen geführt. Sie habe damit das Gegenteil dessen, was bezweckt war, erreicht.

„Die Steuern wurde längst bezahlt“

Die Haus & Grund möchte die Übergabe von Immobilieneigentum im Erbrecht der von Unternehmen gleichzustellen. „Die Steuern sind längst und vielfach bezahlt. Von der Grunderwerbsteuer bis hin zur Einkommenssteuer,“ argumentiert Rudolf Stürzer. Die Freibeträge für Familienangehörige reichten in der Regel nicht aus, so dass daraus Erbschaftssteuern in Millionenhöhe bezahlt werden müssten. Anders sehe es bei gewerblichen Wohnungsunternehmen aus. Die Immobilien zählen hier als Betriebsvermögen.

„Politik und staatliches Handeln muss den Bau von bezahlbarem Wohnraum fördern und Vermietung attraktiver machen. Ihm stehen dafür die Instrumente wie Abschreibungen oder Bau- und Wohngeld zur Verfügung. Für die richtigen Impulse und Rahmenbedingungen ist die Politik gefordert“, resümiert Dr. Ulrike für den „Landesverband Bayerischer Haus-, Wohnungs- und Grundbesitzer e.V.“ abschließend.

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Stefanie Kohl bringt viele Branchen zusammen

Im Team den neuen Kurs bestimmen
Über Grenzen hinaus gehen

(gsp) Aktuell segelt der Gewerbeverein der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden in einer kräftigen Brise bei ruhiger See. Ein ganzes Dutzend erfolgreicher und wiederkehrender Veranstaltung sind bestens organisiert und sorgen für eine Belebung der Marktgemeinde, der Zusammenhalt und die Stimmung im Verein ist gut, und es herrscht eine Aufbruchstimmung. Doch gebrauchen die Unternehmer lieber das Bild eines großen Ruderbootes, in dem jeder seinen Platz findet und im gleichen Takt Fahrt aufgenommen wird. Neue Steuerfrau ist seit vergangene Woche Stefanie Kohl, die zur ersten Vorsitzenden gewählt wurde (wie berichtet).

Sie kennt ‚das Rudern‘, stammt aus einer Unternehmerfamilie, hat sich viele Jahre als alleinerziehende Mutter behaupten müssen, und parallel dazu eine Karriere gemacht, die von Wechsel und Herausforderungen geprägt war. Von der Textilreinigung über die Steuerfachgehilfin hin zur Finanzbuchhalterin war es ein weiter Weg. Doch für ‚Steffi‘, wie sie hier in Berchtesgaden genannt wird, war damit nicht Schluss. Sie machte weiter als Microsoft Office-Beraterin in Stuttgart, war Assistentin der kaufmännischen Leitung der Schönklinik und machte ihre Fachwirtin im Gesundheitswesen. Einen neuen Weg schlug sie ein, als sie 2013 ihren heutigen Mann und Unternehmer Alexander Kohl kennenlernte.

„Heute arbeite ich im Unternehmen mit und freue mich in einer Großfamilie zu leben“, bekennt sie. Ihre vier Söhne sind mittlerweile erwachsen und auch ein erster Enkel zählen zur Familie, ebenso wie ein Hund. Das hört sich nicht nach Langeweile an, sondern nach einem ausgefüllten Leben. Dennoch hat sie sich bei den AUB zur Wahl gestellt, ‚ein Herzensanliegen‘, nannte sie es. Was aber hat Stefanie Kohl vor, was bewegt sie?

Mit Diplomatie zum Erfolg

Selbst sieht sie sich, ebenso wie ihren Vorgänger Berni Zauner, als Diplomatin die anpacken kann und Ziele erreicht. Als geborene Waage wünscht sie sich gut im Team zu arbeiten und hier scheint der Vergleich zum Ruderboot wieder durch. Bei einer großen Besatzung – und die Aktiven Unternehmen zählen 150 Mitglieder – kommt es auf den Gleichklang an, um vorwärts zu kommen. Darum möchte sie sich zuerst mit ‚den Machern‘ und Beiräten über gemeinsame Ziele unterhalten.

Eines aber ist ihr schon heute am Herzen. Sie will den Verein weiter öffnen. „Wir haben von der Marktgemeinschaft Berchtesgaden bis hin zu den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden schon einen weiten Weg hinter uns. Zugleich gibt es noch viel Potential in anderen Berufen und Dienstleistungsunternehmen und auch aus den anderen vier Gemeinden des inneren Landkreises finden hoffentlich noch viele Selbständige den Weg zu uns“, wünscht sich Steffi. „Auch ein Arzt oder Heilpraktiker, ein Handwerker oder Dienstleister haben gute Ideen und ihre spezielle Sicht auf die Dinge. Das hilft uns insgesamt und jedem Einzelnen weiter.“

Die eigenen Stärken erkennen

Zugute kommt ihr die breite Ausbildung in ganz unterschiedlichen Berufsfeldern. Sie kennt viele Facetten, vom Familienbetrieb bis hin zum Großunternehmen, und das in unterschiedlichen Branchen. Flexibilität in Verbindung mit fachlicher Kompetenz sind heute gefragte Tugenden. Steffi Kohl hat sich entschlossen, das zum Wohl von Berchtesgaden einzubringen. „Wenn wir gemeinsam stark sind, müssen wir eine Konkurrenz aus Salzburg oder über das Internet nicht scheuen. Wir haben unsere ganz eigenen Stärken und das weit über das eigene Geschäft hinaus, wie etwa die Marktfeste – von den Wochenmärkten bis zu den Ganghofer-Sonntagen, die Live-Musik jeden Montag oder ganz besondere Events wie ‚Berchtesgaden leuchtet‘ – zeigen.

Auf dem Jenner ist jetzt ein weiterer ‚besonderer Termin‘ gesetzt. Es ist der Event und die 40-Jahr-Feier der City Blues Connection mit Norbert Egger an der Spitze unter dem Motto: „Blues, Jazz ’n‘ Rock on Top“ am 31. August. Auch hier wirken viele potente Partner zusammen wie die Aktiven Unternehmen Berchtesgaden e.V., die Jennerbahn GmbH und die Familie Egger Holding AG. „Der Event ist in erster Linie unseren Mitarbeitern gewidmet. Es ist ein großes DANKESCHÖN für ihre Leistungen, ihren Einsatz, den sie das ganze Jahr über aufbringen“, betont Stefanie Kohl.

Bergerlebnis und weite Talblicke

Unser 1. Beitrag: Almen in Bad Reichenhall

Wieder Ziegen
auf der Zwieselalm

Bad Reichenhall hat keine große Almlandschaften wie der Chiemgau, Berchtesgaden oder das Salzburger Land. Aber ganz ohne Almen ist die liebenswerte Alpenstadt nicht. Wir haben uns auf Spurensuche begeben und stellen zuerst die Zwieselalm vor, die ab dem 18. Mai wieder geöffnet ist. Eigentlich hatten wir bereits zu Ostern (19. bis 22. April) auf einen milden Frühling gehofft, der Mai aber hat Kälte, Regen und Schnee mit sich gebracht.

Der weite Blick auf das Reichhenhaller Tal und den Untersberg genießen von der Zwieselalm aus jedes Jahr tausende von Wanderern und Berrgsteiger

Das hatten die Land- und Hüttenwirte Gabi und Andreas Potschacher bei meinem Besuch Anfang April schon im Gefühl. Sie kennen das launische Wetter und ihre Alm. Sie ist wohl die bekannteste in Bad Reichenhall, und vom Tal aus weithin sichtbar, die Zwieselalm mit Kaiser-Wilhelms-Haus.

Keine Betten
im Kaiser-Wilhelms-Haus

„Das ist nicht bewirtschaftet, es gibt keine Übernachtungsmöglichkeiten, entgegen anders lautender Berichte,“ stellen die Wirtsleute gleich klar. Erste Ideen zu einer Revitalisierung scheiterten gleich im Ansatz, „denn sowohl vom Denkmalschutz wie auch vom Brandschutz aus ist das unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ganz und gar illusorisch“, weiß die Familie Potschacher aus gemachter Erfahrung.

Bis weit in den Mai liegen noch Schneereste auf dem Weg zur Zwieselalm

Ganz anders sieht es mit der Zwieselalm aus, sie floriert seit Jahrzehnten, seit drei Jahren sind hier wieder 20 Ziegen auf der Weide. Waliser Schwarzhalsziegen mit großem Gehörn und vornehmlich schwarz-weißen dichtem Fell. Bevor auf der Zwieselalm aber aufgesperrt wird, sind noch einige durch den Winter verursachte Schäden zu beseitigen. Bereits beim Aufstieg zählt man dutzende von der Schneelast umgeworfene und abgebrochene Bäume. Das Dach der Alm war beschädigt, der Boden aufgeworfen und den Stall hat es verschoben. Vor dem Aufsperren wartete auf die Hüttenwirte also  viel Arbeit und  Investitionen.

Ein 100 Jahre alter Ofen
auf der Alm

Dann aber ist die Alm mit ihrem über 100 Jahre alten Ofen in der Küche, ihrem herrlichen Ausblick bis weit in die Berchtesgadener Alpen und guten Brotzeiten vom Kaiserschmarrn über Käseplatten bis hin zum Speckbrot bereit für die Saison, wie sie seit 1900 von der Familie gewahrt wird. „Zuerst hat sie Willi Maitz bewirtschaftete, ein Onkel meines Vaters Grazi, der sie 1965 übernommen hat und mit seiner Frau Brigitte ganze 50 Jahre, bis 2015 bewirtschaftete“, erzählt Andreas Potschacher. Heute hilft mit den beiden Töchtern Christina und Barbara bereits die dritte Generation auf der Alm mit.

Die Zwieselalm vor dem Panorama (v.l.) von Watzmann, Hochkalter, Reiteralpe bis hinüber zu den Loferer Steinbergen – Fotos: Gerd Spranger

Versorgt wird die Zwieselalm bis heute über Hubschrauber und Mulis der Tragtierkompanie der Bundeswehr, denn einen Versorgungsweg zur Alm hin gibt es nicht, die Bayerischen Staatsforsten haben jede Initiative dazu bislang blockiert.  Es bleibt der Weg über den Mulisteig. „Das Engagement der Bundeswehr wird übrigens nicht aus dem Wehretat bestritten, wir zahlen für diese Dienstleistung ganz regulär und die Preise sind durchaus mit den Hubschrauberflügen vergleichbar,“ klärt Gabi Potschacher mich auf. Kostenlos hilft ein Freundeskreis frische Ware wie Milch und Gemüse vom Einstieg des Mulisteigs hinauf auf die Alm zu bringen. Dafür gibt es dann eine Brotzeit und ein Bier dazu, was nach der Mühe besonders gut schmeckt.

Andreas und Gabi Potschacher in der Küche der Zwieselalm

Auf dem Berg pflegt man ein kameradschaftliches Miteinander, ob Frauen oder Männer. Auch wenn der Weg auf die Alm nicht sehr lang ist, führt der kürzeste Weg vom Parkplatz Jochberg aus (Gemeinde Schneizlreuth) von 840 auf 1400 Höhenmeter hinauf. Ungeübte Geher sollten 90 Minuten Wegzeit einrechnen und unbedingt feste Bergschuhe tragen. Die Strecke ist zwar mit einer ausgedehnten Wanderung vergleichbar, doch es geht stetig bergauf und ein Bergpfad ist kein ausgebauter Wanderweg. Eine Stunde länger dauert es vom Parkplatz beim Listwirt in Bad Reichenhall. Geübte Bergsteiger setzen ihre Tour dann noch auf den Gipfel des Zwiesels oder Hochstaufens fort, tauchen tiefer in die Bergwelt ein.

Das ganze Bergerlebnis
auf der Zwieselalm

Das ganze Bergerlebnis aber hat man schon auf der Zwieselalm und das Wetter und die Landschaft laden zum längeren Verweilen ein. Den Blick über das weite Reichenhaller Tal schweifen lassen, hinüber zum Untersberg und Predigtstuhl bis hinein in die Berchtesgadener Alpen und hinüber zu den Loferer Steinbergen. Selbst wenn es im Gastgarten mal voll ist, findet man im Gelände etwas abseits immer noch ein ruhiges Plätzchen für sich.

Wer am Kaiser-Wilhelms-Haus dem kleinen Pfad noch einige hundert Meter weiter folgt, der kommt zu einer kleinen Bank, zum Staufenblick. Der Hochstaufen mit 1771 m

Hohe Auszeichnung für Fritz Eberlein und Elisabeth Homberg

Fritz Eberlein und Elisabeth Homberg
mit dem Ehrenzeichen des
Bayerischen Ministerpräsidenten gewürdigt

Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ‚für im Ehrenamt tätige Männer und Frauen‘ verlieh Landrat Georg Grabner an Elisabeth Homberg aus Berchtesgaden und an Friedrich Eberlein aus Bad Reichenhall. Mit Blick auf die Lebensgeschichte und das Engagement der Geehrten betonte der Landrat, dass „die Ehrennadel als Zeichen ja nur sichtbar mache, was über Jahrzehnte hinweg über jedes Maß und jede Verpflichtung hinaus geleistet wurde.“ Er zitierte den ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit den Worten: „solange es noch Leute gibt, die da sind um für Andere da zu sein, ist es um die Welt gut bestellt.“ In Würdigung der Verdienste gratulierten vor Ort Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.

Fritz Eberlein 27 Jahre Hüttenrefernt
für das Staufenhaus

Fritz Eberlein ist ein seit Jahrzehnten über jedes Maß hinaus ehrenamtlich Tätiger. 385.000 Höhenmeter hat er zu Fuß von 1989 bis 2016 auf dem Staufen überwunden. 385 Mal war er auf dem Reichenhaller Haus und als Hüttenreferent das Bindeglied zwischen Vorstandschaft und Hüttenwirt. „Heute bräuchten wir einen Gönner der bereit wäre eine Million zu investieren, denn sehr umfangreiche Sanierungsarbeiten und eine Kanalisation stehen an“, erzählt Fritz, dem das Staufenhaus bis heute am Herzen liegt. Seine Leidenschaft aber gilt der Natur, seit 1949 beschäftigt er sich intensiv damit. Nur so ist es erklärbar, dass er fast 40.000 Einzelfunde in eine Datenbank des Nationalparks eingepflegt hat. Seit Ende der 90-Jahre dokumentiert Eberlein ehrenamtlich seine detaillierten floristischen Beobachtungen. Sorge bereitet ihm aktuell das Insektensterben. „Wenn man früher unterwegs war, so herrschte ein Summen und auf einer Blüte waren nicht selten mehrere Bienen und Käfer zu sehen. Da ist es heute sehr still geworden.“

Der Naturforscher gibt sein umfangreiches Wissen gerne an Doktoranden und Masterstudenten weiter, unterstützt und hilft bei zahlreichen Forschungsprojekten im Nationalpark Berchtesgaden und führt auch heute noch gerne Exkursionen durch. Seine Arbeiten legten den Grundstein für eine künftige Beobachtung von Umweltveränderungen im Klimawandel. Fast schon nebenbei kartierte Fritz Eberlein 70 aufgelassene Almen im Gebiet des Nationalparks und historische Felszeichnungen. Freude bereitet ihm, wenn er die Selbstheilungskraft der Natur beobachtet. „Sieht man heute jene Regionen, die unter den großen Stürmen in den 90er- und 2000er-Jahren schwer litten, so ist hier eine wunderbare vielfältige Vegetation mit einem gesunden Mischwald nachgewachsen.“

Eberlein ist ein scharfer Beobachter und hat als Mitglied der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zahlreiche Publikationen veröffentlicht und unterstützt, die seine in Fachkreisen anerkannte wissenschaftliche Tätigkeit belegen. Er ist auch wieder in der Neufassung der Artenliste des Nationalparks involviert. Darüber hinaus ist er ein fleißiger Sammler von einigen Tausend Herbarbelegen für die Botanische Staatssammlung München. Dabei wird eine getrocknete oder flach gepresste Pflanze auf einen Karton oder einen Bogen Papier aufgeklebt, zu dem man früher etwa dicke Bücher benutzte. Wem die Natur so am Herzen liegt, der engagiert sich auch für den Umweltschutz und so ist Fritz Eberlein bis heute Naturschutzwart und Naturschutzausbilder bei der Reichenhaller Bergwacht. Er freut sich über die vielen jungen Menschen, die sich ganz in seinem Sinne für die Natur und Heimat engagieren. Sein Dank gilt vor allem aber seiner Frau Christa, die seit 50 Jahren treu an seiner Seite steht und in all den Jahren häufig auf ihren Mann ‚verzichten‘ musste.

Elisabeth Homberg 28 Jahre lang
beim Evangelischen Diakonieverein Berchtesgaden

Das ‚Da sein‘ für andere Menschen hat die heute 74jährige Elisabeth Homberg aus Berchtesgaden von ihrer Jugend an praktiziert, als sie als junges Mädchen bereits mehrmals wöchentlich in das Berchtesgadener Krankenhaus radelte um dort mitzuhelfen. Später durchlief sie dann eine Ausbildung zur Krankenschwester und bildete sich mehrfach fort. Als katholische Schwester kam sie 1981 zum „Evangelischen Diakonieverein Berchtesgaden“, zunächst als Halbtagskraft neben einer evangelischen Diakonisse. 28 Jahre lang, bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2009, war sie dort als Pflegedienstleitung. Zuletzt arbeiteten beim Verein acht Vollzeit- und sieben Teilzeitkräfte plus zwei Haushaltshilfen. Sie erinnert sich noch gut an das Jahr 2002, als der Neubau in Bischofswiesen an der Aschauerweiher-Straße entstand. „Wir waren alle aus dem Pflegebereich, keiner hatte eine betriebswirtschaftliche Ausbildung, dennoch haben wir uns über dieses Millionenprojekt drüber getraut.“

Und getraut hat sich Elisabeth Homberg immer und häufig. Sie hatte zum Beispiel eine „Daseinsvorsorge zu Hause“ möglich gemacht. „Wir sind vier bis sechs Mal täglich zu den hilfebedürftigen Senioren nach Hause gefahren, von morgens 6.30 bis abends um 22.30, und halfen ihnen bei den wichtigen Alltagsdingen. So konnten sie weiter in ihrem Zuhause bleiben,“ erklärt sie. Nebenbei habe sie damit die Gehälter der Mitarbeiter gesichert und zwar längerfristig und als gesicherte Einnahmen.

In diese Richtung zielte auch die 1995 eingeführte Pflegeversicherung, mit der vieles leichter geworden ist, erinnert sie sich. „Zuvor musste alles über die Krankenkassen abgerechnet werden und das war nicht einfach. Jetzt wurde das Prinzip ‚ambulant vor stationär‘ forciert und somit war Hilfe in vielen Lebenslagen möglich. Wie selbstverständlich engagierte sich Elisabeth auch in der Sterbebegleitung mit einemTeam von ausgebildeten Krankenschwestern, die das gleiche Anliegen hatten und haben. „Für einen Menschen in den letzten Stunden da sein, für und mit ihm ein Gebet zu sprechen, seine Hand zu halten, ihn nicht alleine zu lassen“, das sollte doch selbstverständlich sein.

Einmal wöchentlich bietet Elisabeht Homberg als Seniorenbeauftragte des Marktes Berchtesgaden eine Sprechstunde, die sehr gut angenommen wird. Häufig geht es um Pflege, um Hilfeleistungen, einen anderen Pflegegrad oder einfach nur den Menschen ihre Ängste zu nehmen. Weiters ist die aktive Seniorin seit sechs Jahren für die Freiwilligenagentur des Landkreises tätig, gründete das Demenzcafe Rosenrot im Werk 24, das Mehrgenerationenhaus von Berchtesgaden, hat Besuchsdienste auf der Abteilung Geriatrische Rehabilitation im Krankenhaus Berchtesgaden aufgebaut und ist Gründungsmitglied der Seniorengemeinschaft BGL Süd e.V..

Dennoch kam der Anruf aus dem Landratsamt anlässlich ihrer Ehrung überraschend. „Es gibt so viele Menschen die sich ehrenamtlich engagieren“, meint sie. Auch habe man sie mit allen ihren Initiativen in ihre Bemühungen immer wieder gefördert. Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ist für Elisabeth Homberg aber schon eine ganz besondere Auszeichnung, eine tolle Wertschätzung. „Gefreut hat es mich, dass unser Bürgermeister Franz Rasp trotz seines Urlaubes bei der Auszeichnung zugegen war“, betont sie. Dabei war auch ihr Mann Harry und ihr Enkel Niklas.

Von links: Barbara Müller (Senioren- und Behindertenbeauftragte des Landkreises Berchtesgadener Land), Walter Parma (Seniorengemeinschaft Süd e.V.), Landrat Georg Grabner, die Geehrte Elisabeth Homberg mit ihrem Mann Harry und Enkel Niklas sowie Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.

Von links: Fritz Eder und Dr. Hubert Zierl (Nationalpark Berchtesgaden), Landrat Georg Grabner, der Geehrte Friedrich Eberlein mit dessen Frau Christa, Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Helmut Schöndorfer

Fotos: Gerd Spranger

Es gibt keine Alternative zum Kirchholztunnel

(gsp) Im zähen Ringen um eine Ortsumfahrung für Bad Reichenhall hat jetzt das Staatliche Bauamt Traunstein für Klarheit gesorgt. Die von der Stadt vorgelegten vier Alternativen zur bereits im Planfeststellungsverfahren verankerten Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel fallen im Vergleich durch, und zwar eindeutig.

Baudirektor Christian Rehm zog in der außerordentlichen Stadtratssitzung im Alten Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall vor den Stadträten und etwa 200 Besuchern der Sitzung ein klares Fazit, nachdem Bernadette Wallner, ebenfalls vom Staatlichen Bauamt Traunstein, die relevanten Zusammenhänge und Aspekte ausführlich dargestellt hatte.

Baudirektor Chrisian Rehm und Bernadette Wallner und das gesamte Team des Staatlichen Bauamtes Traunstein haben viel Zeit in die 131 Folien umfassende Auswertung und Präsentation des Variantenvergleichs investiert.

„Bei allen ausgewerteten, für die Ortsumfahrung relevanten Parameter, ergibt sich ein eindeutiges Bild“, führt Rehm aus. Zunächst sei grundsätzlich festzuhalten, dass es sehr zweifelhaft ist, ob man für die vorgeschlagenen vier Varianten der Stadt Bad Reichenhall überhaupt ein Baurecht bekommt. Darüber hinaus besteht ein hohes Risiko bei der Einstufung im Bundesverkehrswegeplan 2030. „Es könnte zu einer völligen Neubewertung des gesamten Projektes mit ungewissem Ausgang kommen“, führt der Baudirektor aus.

Die Tunnelvarianten im Bestand und in der Saalachau erfüllen zudem die Voraussetzungen für eine Genehmigung nicht. Entscheidend sei der Variantenvergleich, und hier drängt sich die Ortsumfahrung über den Kichholz- und Stadtbergtunnel eindeutig auf. „Es besteht darum keine reelle Chance auf Zustimmung durch das Bundesministerium für Verkehr (BMVI)“, so Christian Rehm weiter. „Die aktuelle Einstufung im Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegplanes ist nicht übertragbar.“

Von links: Auentunnel mit zwei Tunnelbahnen – 1A, Ausbau im Bestand mit zwei Tunnelbahnen und (Entlastungs-)Straße oben – 1B Ausbau im Bestand mit einer Tunnelbahn und Straße oben – Ausbau im Bestand mit Trennung von B20 und B21 auf zwei Ebenen.

Mit einer „Ampelbewertung“ wog das Staatliche Bauamt Traunstein jeden einzelnen Teilbereich im Vergleich der vier von der Stadt vorgelegten Alternativen zur Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel ab. Es ging konkret um die Variante X, den so genannten Auentunnel entlang der Saalach und um einen Ausbau im Bestand der jetzigen Umgehungsstraße, der B20 und B21 um Bad Reichenhall herum. Hier wurden drei Varianten eingereicht, nämlich ein Ausbau mit einer oder mit zwei Tunnelröhren und einer Trennung von B20 und B21 auf zwei Ebenen, also im Tunnel die B21 und oben verlaufend die B20.

Dabei wurde schnell deutlich, dass eine leistungsfähige Entlastungsstraße erhalten bleiben muss, damit bei Wartungsarbeiten oder unfallbedingten Sperrungen des Tunnels der Verkehr ausweichen kann. Auch ist während der Bauzeit neben der jetzigen Umfahrung eine Ausweichstraße nötig, denn der gesamte Verkehr kann nicht einfach über Jahre durch die Stadt geführt werden. Allein diese Umstände führen bei einem Ausbau im Bestand schon zu einer negativen Bewertung. Erschwerend ist noch die Grundwassersituation, die sich bei einer Tunnelbauweise in diesem Bereich auswirkt. „Wir müssen dann ‚im Wasser bauen‘ und erst nach der Trockenlegung kann mit der eigentlichen Tunnelröhre begonnen werden. Das ist zeit- und kostenintensiv“, führt Bernadette Wallner aus. Weitere grundsätzliche Erfordernisse sprechen gegen die Alternativ-Varianten einer Ortsumfahrung, wie sie die Stadt Bad Reichenhall vorgeschlagen hat.

Wann muss ein Tunnel gebaut werden?

Bewertet wurde, ob aufgrund des Geländes oder wegen einer Lärmemission ein Tunnel notwendiger Weise gebaut werden muss. Das scheidet bei allen vier Varianten aus. Das Bauamt hat auch die Planungsziele hinterfragt, nämlich eine Trennung vom Ziel- und Quellverkehr (verkehrliche Beurteilung) und eine Entlastung der Stadt (raumstrukturelle Wirkung). Auch hier fallen die Alternativen durch, werden nicht den Ansprüchen gerecht. Bei der Bauweise und dem Ablauf der Baustelle seien ebenso die Beeinträchtigung der Anlieger und die Auswirkung auf die Stadt zu prüfen und beides spricht nicht für einen Ausbau im Bestand. Weitere Parameter waren der Naturschutz, die Beschaffenheit des Baugrundes (sicherheitstechnische Beurteilung), der Hochwasserschutz und die Kosten des Projekts. Alle Varianten einer Ortsumfahrung, einschließlich der genehmigten Variante Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel liegen die Kosten zwischen 220 und 290 Millionen Euro. Einzig die Variante 1b mit ‚Ausbau im Bestand und einer einspurigen Tunnelröhre‘, liegt mit 160 Millionen an geschätzten Kosten deutlich darunter.

Sole aus 500 Metern Tiefe

Was die Grundwasserproblematik bei den alternativen Varianten ist die schwierige Geologie im Bereich das Kirchholz und einige unterstellen sogar eine Gefährdung der Solequellen. Baudirektor Christian Rehm und Bernadette Wallner vom Staatlichen Bauamt Traunstein schlossen das aber entschieden aus. „Die für Bad Reichenhall relevanten Solevorkommen sind mittels Bohrungen von 500 Metern Tiefe erschlossen. „Da steht eine 475 Meter starke Schicht als Grundwasserstauer darüber und die Bohrungen sind versiegelt. Das kann nichts passieren“, bekräftigt Christian Rehm. „Auch fahren wir mit dem Kirchholztunnel nicht im Grundwasser, sondern treffen auf Schichtwasser. Diese Probleme aber sind lösbar.“

Stadtrat entscheidet am 9. April

Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Baudirektor Christian Rehm freuen sich über den großen Andrang bei der außerordentlichen Stadtratssitzung.

Die Stellungnahme des Staatlichen Bauamtes war eindeutig. Entscheiden aber muss der Stadtrat von Bad Reichenhall in seiner Sitzung am 09. April, ob er sich mehrheitlich für die Ortsumfahrung Kirchholz- und Stadtbergtunnel ausspricht. Dann, führt Christian Rehm aus, ist ein neues Planfeststellungsverfahren nötig. Dabei werden die Linienführung und die Konzeption der Knotenpunkte optimiert. Hoffnung macht er auf eine deutliche Reduzierung des Knotens am Golling. „Es müssen nicht alle Verkehrsbeziehungen in alle Richtungen erfolgen“, deutet er an. Für Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner ist die Beurteilung durch das Bauamt ein klares Signal sich für eine schnelle Realisierung der Ortsumfahrung Kirchholz- und Stadtbergtunnel einzusetzen.

Die gesamte Präsentation ist auf der Homepage des Bauamtes zu finden unter:

https://www.stbats.bayern.de/strassenbau/projekte/B16S.ABBA0022.00.html

Integration durch Bildung und Sprache

– Integrationskonferenz des Berchtesgadener Landes
– Respekt vor dem Anderssein und vor dem  Leben

(gsp) Zur zweiten Integrationskonferenz des Landkreises trafen sich am Freitag die an diesem Prozess beteiligten Organisationen und Vereine. Es war darum auch die Integrations-Lotsin Astrid Kaeswurm, zu deren Aufgabe die Vernetzung der regionalen Akteure zählt, die die zahlreichen haupt- und ehrenamtlich Tätigen begrüßte. Sie erklärte den Wandel bei den Aufgaben der Integration von Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Beweggründen und Ländern in Deutschland um Asyl angesucht haben. „Standen in den Jahren 2015 und 2016 die Unterbringung und Betreuung im Focus, so sind es heute die Bereiche Wohnen, Schule und Ausbildung“, erklärt die Integrations-Lotsin.

Gemeinsam steckten Sie das Feld einer weiten Integrationsarbeit ab. Von links: Astrid Kaeswurm, MdL Gudrun Brendel-Fischer und Landrat Rudolf Schaupp – Fotos: Gerd Spranger

Für das Berchtesgadener Land bewertete sie die Situation positiv und sprach im Hinblick auf die christlichen und kulturellen Werte von einem Schatz, zu dem auch das Ehrenamt zähle. Der stellvertretende Landrat Rudolf Schaupp bezog sich auf den Buddhisten Dalai Lama, der den Respekt vor dem Anderssein und vor der Vielfältigkeit des Lebens als unabdingbare Voraussetzung für den Frieden bezeichnete. Schaupp hob vor allem das Engagement der Spotvereine hervor, aber auch Einrichtungen wie Büchereien, VHS, BFZ, Jobcenter bis hin zur Stiftung von Max Aicher. „Der Unternehmer war einer der ersten im Landkreis, die sich aktiv für die Migranten einsetzten“, bekräftigt der stellvertretende Landrat. Unverzichtbar aber sind auch die Blaulicht-Organisationen, und künftig wird es verstärkt die landkreiseigene Wohnbau sein, wenn es um die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum gehe.

Thomas Kadereit vom Max-Aicher Bildungszentrum versteht es, den Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern die deutsche Sprache mit viel Humor zu vermitteln.

In ihrem Gastvortrag sprach die Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, MdL Gudrun Brendel-Fischer, über Herausforderungen in der Integrationsarbeit und betonte zunächst die Pflege der Heimat, eben dort, wo man sich wohl fühle. Ein wichtiger Schlüssel zur Integration sei dabei der Austausch und die Vernetzung, vor allem aber die Jugendverbandsarbeit. „Hier wird den jungen Menschen Haltung und Orientierung gegeben, ob beim Fußball, der Feuerwehr oder in kirchlichen Organisationen. Integration ist interessant, darf uns nicht gleichgültig sein und ist ein beständiger Prozess“, bekräftigte sie. In diesem Zusammenhang bedauerte sie, dass etwa die Ehrenamts- und Übungsleiterpauschale noch nicht erhöht werden konnte. „Wir müssen dieses Ehrenamt noch viel mehr fördern“, fordert Brendel-Fischer, „allerdings nicht monetär“, schränkte sie ein.

MDL Gudrun Brendel-Fischer spricht vor einem vollbesetzten Auditorium bei der zweiten Integrationskonferenz des Landratsamtes Berchtesgadener Land.

„In Bayern werde die Integrationsarbeit deutlich besser gefördert wie insgesamt bundesweit“, gab sich die Abgeordnete selbstbewusst. Und die Zahlen würden den Erfolg bestätigen. „Von 2016 bis 2018 haben sich die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse von 28.000 auf 54.000 gesteigert. Die Teilnahme von Menschen mit Fluchthintergrund am Bayerischen Arbeitsmarkt nahm damit in zwei Jahren um über 95 Prozent zu“, führte sie aus, und man müsse diesen Weg weiter gehen.

„Frauen sollen sich ebenfalls mehr qualifizieren, denn bislang sind es vor allem Männer, die sich beruflich qualifizieren und integrieren. Dabei sind Frauen immer der Schlüssel rund um die Familie. „Wir müssen darum genau hinsehen, welche Tätigkeiten von Frauen auch innerhalb ihres Kulturkreises akzeptiert werden“, folgerte die Integrationsbeauftragte. Es sei darum ein denkbarer Weg, die Hürden von beruflicher Qualifikation zu senken und im Bereich von hauswirtschaftlichen Tätigkeiten Möglichkeiten zu schaffen.

Die vielen ehrenamtlichen Vereine und Organisationen präsentierten sich dem Publikum. Zweites Foto (von links) Wolfgang Heitmeier informiert über die Arbeit der Tafeln.

Als ein gelungenes Projekt bezeichnete sie die speziellen Sprach-Förderklassen, bis hin zu Berufs-Integrationslassen als Grundvoraussetzung für einen schulischen Erfolg, denn Sprache und Bildung bleiben der Schlüssel zur Integration. Sie bedauerte dabei auch das Misstrauen vieler Eltern von deutschen Kindern, die eine Benachteiligung befürchten, wenn mehrere Kinder ohne gute Deutschkenntnisse in der Klasse sitzen. Es dominiere die Sorge, dass man mit dem Stoff dann nicht schnell genug voran käme und die eigenen Kinder dadurch Nachteile hätten. Eltern seien so schnell verunsichert, bedauert sie.

Von einer gelungenen Integration zeugte eine kleine Theatergruppe aus der ersten Klasse vom Max-Aicher Bildungszentrum unter der Anleitung des Lehrers Thomas Kadereit. Mit einfachen Wortspielen verdeutlichten die Akteure Herausforderungen der deutschen Sprache. So habe ein Stuhlgang eben nichts mit einem Stuhl zu tun und ein Menschenauflauf nichts mit Gemüse. Selbst ein Mann, wie er im Buche steht, muss kein Literat sein und gleiches gelte für einen Armleuchter. Zu Beziehungsproblemen komme es mitunter schon bei der Entscheidung, ob eine Fahrt nun ins Grüne oder lieber doch ins Blaue unternommen werde. Dabei unterscheide es sich, ob man letztlich die Nase voll habe oder alles in in Butter sei. Schwein gehabt, mögen manche denken ohne dabei gleich ein Schwein zu haben. Und treulose Tomaten begegne man immer wieder.

Christina Hobmaier verdeutlichte mit Lied und Gitarre, dass es immer um den Menschen, das Menschliche, das Zwischenmenschliche bei der Integration von Menschen gehe.

Für Emotionen und ein wenig ‚Gänsehautfeeling‘ sorgte Christina Hobmaier mit Lied und Gitarre. Sie sang vom sich Mut machen und nicht aufgeben. Von der Entscheidung für die Liebe und den Frieden. Darauf, auf das eigene Herz zu hören, denn wir Menschen sind es uns wert. Dabei gelte es, Wut und Ängste abzulegen und im Alltag nicht wegzusehen. Ein engagiertes Lied mit einem Appell an die Zivilcourage und die Nächstenliebe.

An diesem Tag war auch Gelegenheit, sich an den im Foyer und Treppenaufgang verteilten Ständen direkt über die Arbeit der Vereine und Organisationen zu informieren.

Die Integrationsbeauftragte der Bayernsichen Staatsregierung, MdL Gudrun Brendel-Fischer, mit den Theater-Aktiven der Max-Aicher-Stiftung (Gruppenfoto). Rechts im Bild Integrations-Lotsin Astrid Kaeswurm und Unternehmer Max Aicher und links der stellvertretende Landrat Rudolf Schaupp.

 

Investitionen von 278 Millionen Euro in den Landkreis

Der neue Haushaltsplan des Landkreises – Hohe Hilfen für Jugend und Senioren

Für Landrat Georg Grabner hängt vom neuen Haushalt des Landkreises 2019 die Zukunftsfähigkeit des Landkreises ab. Und in der Tat ist der Haushalt bemerkenswert. Die Kreisumlage fällt um drei Prozent auf 46 Prozent, den niedrigsten Wert seit 1991. Die Investitionen aller Gemeinden beträgt von 2018 bis 2022 rund 278 Millionen Euro. Für das Jahr 2019 weist der Verwaltungshaushalt für die Landkreisaufgaben Einnahmen und Ausgaben von 111,7 Millionen Euro aus. Der Landrat betont: „Das gemeinsame Anpacken und Zusammenhalten ist Grundlage für die erfolgreiche Arbeit für unseren Landkreis und seine Bürgerinnen und Bürger. Angefangen beim Kreistag über die Fraktionsgrenzen hinweg und hin zu den Städten und Gemeinden und vielen Akteuren.“

Auf der noch schneebedeckten sonnigen Wiese soll der Neubau des Landratsamtes für 37,5 Millionen Euro entstehen. Im hinteren, schattigen Teil dann eine Siedlung mit 162 Wohneinheiten. Kritiker merken an, dass bei einem Erhalt des jetzigen Landratsamtes die Siedlung ebenso auf der Wiese gebaut werden könnte und werten die Argumentation für eine Schaffung von sozialverträglichen Wohnraum als eine Schutzbehauptung. Foto: Gerd Spranger

Gleichzeitig mahnt Georg Grabner an, dass man sich von der guten Entwicklung nicht täuschen lassen dürfe, es werde so nicht endlos weitergehen. Der Ausblick in die Zukunft sei bei weitem nicht mehr so positiv. Wer legte er auch auf die Feststellung, das der Landkreis Berchtesgadener Land „zwar immer noch die geringste Umlagekraft in Oberbayern hat, aber einen überdurchschnittlich hohen Zuwachs. Das heißt, wir holen kräftig auf!“ Die Verschuldung steigt leicht von 82,2 Millionen auf 90,2 Millionen Euro an.

Von dem Geld, das der Landkreis einnimmt verbleibt ihm mit 49,6 Prozent knapp die Hälfte. „Er muss die Bezirksumlage an den Bezirk Oberbayern und die Krankenhausumlage entrichten“, erklärt der Landrat. Im Einzelnen sieht der Haushalt folgende Ausgaben vor:

Sieben Ausgaben-Schwerpunkte

33,3 Millionen für die Jugend- und Sozialhilfe sowie Hilfen für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung. Der größte Posten ist hier mit fast 11,7 Millionen der Jugendhilfebereich. Für die Seniorenarbeit, die Behindertenarbeit und das Freiwilligen-Engagement sind im Haushalt des Landkreises 282.000 Euro angesetzt.

14 Millionen weist der Verwaltungshaushalt für Schule und Bildung aus. Unter Berücksichtigung des Vermögenshaushalts, also der Investitionen vor allem in das Rottmayr Gymnasium und das Förderzentrum in Höhe von 6,3 Millionen Euro für das Jahr 2019, sind im Bereich Schule und Bildung 20,9 Millionen Euro veranschlagt.

Mit 9 Millionen schlägt die Abfallwirtschaft zu Buche. Dabei wird der Landkreis die Abfallbeseitigung von den Gemeinden übernehmen. Gleichzeitig führt er ein neues Entsorgungskonzept inklusive Biomülltonne ein und begründet es mit einer Reduzierung der Restmüllmengen sowie einer gebühren- und bedarfsgerechten Entsorgung mit modernem Service.

600.000 Euro gehen in die Landkreisentwicklung und hier ganz konkret an die Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH (BGLW). 279.000 Euro im Verwaltungshaushalt und 75.000 Euro im Vermögenshaushalt werden für das Landkreisnetz GIS ausgewiesen.

Zwei Millionen sind zunächst für die Kliniken Südostbayern AG angesetzt und danach jährlich eine Million. Der gesamte hier nötige Investitionsbedarf wird jedoch mit 418,5 Millionen für die Jahre 2018 bis 2033 beziffert. Für die Kreisklinik Traunstein werden 289,5 benötigt, für die Kreisklinik Ruhpolding 4,24 Millionen und für die Kreisklinik Bad Reichenhall rund 125 Millionen. Offen bleibt, ob es für einen Neubau oder eine Generalsanierung benötigt wird.

Und das wiederum war ein guter Übergang zum Landratsamt selbst. Denn hier waren die Gemüter ob Neubau oder Generalsanierung um 37,5 Millionen Euro die letzten Monate doch etwas bewegt. Der Landkreis nun müht sich um eine gute Öffentlichkeitsarbeit und will mit 25. März diese auch beteiligen. Georg Grabner bekräftigt die Notwendigkeit eines Neubaues mehrfach.

Es soll ein neues Zentrum des Landkreises für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Bürgerinnen und Bürger werden. Auch ist die Schaffung zeitgemäßer Arbeitsplätze in ausreichender Zahl an einem Standort ein wichtiger Aspekt. Aktuell seien 100 Arbeitsplätze ausgelagert, denn im jetzigen Landratsamt sei einfach zu wenig Platz.

Errichtet werde das neue Landratsamt überwiegend in Holzbauweise. Damit leiste der Landkreis seinen Beitrag zum Klimaschutz. Darüber hinaus mit Energiesparmaßnahmen, Eigenstromversorgung durch eine Photovoltaikanlage und Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien. Der kompaktere Baukörper spare zudem Energie, Betriebs- und Bauunterhaltskosten.

Und von ganz besonderer Bedeutung sei für den Landkreis und die Stadt Bad Reichenhall die Schaffung von dringend notwendigen Wohnungen zu sozialverträglichen Preisen.

1.260 Wohnungen und Gewerbeeinheiten gehören dem Landkreis über die „Wohnbauwerk Berchtesgadener Land GmbH“, eine 100-prozentige kommunale Gesellschaft des Landkreises Berchtesgadener Land und zehn kreisangehöriger Kommunen. Sie soll mit 1 Million Euro Kapital zusätzlich gestärkt werden. Grabner ermutigte auch andere Gemeinden, sich hier stärker zu engagieren.

Trotz aller Investitionen soll der Schuldenstand bis 2023 insgesamt nur 27,4 Millionen Euro betragen. Dabei sei auch für 2019 eine Sondertilgung von zwei Millionen Euro eingerechnet, eine Kreditaufnahme von 8,7 Millionen im Jahr 2021 und eine weiterer Kredit von 11,42 Millionen im Jahr 2022.