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154 Millionen für den Landkreis BGL

Sie stellten sich den Fragen der Presse: Nicole Fegg, Leiterin des Finanzmanagements; Hans Jahn, Geschäftsbereichsleiter für Zentrale Angelegenheiten, Landrat Bernhard Kern und Klaus Willberger, Leiter des zentralen Gebäudemanagements. – Foto: Gerd Spranger

Es geht in den nächsten Jahren um hohe Investitionen von knapp 154 Millionen Euro im Landkreis Berchtesgadener Land für die Schulen, Straßen und den Neubau des Landratsamtes. Weitere 40 Millionen sind für den Unterhalt und laufende Kosten angesetzt. Der Landkreis lud darum zu einem Pressegespräch, um „Missverständnissen und Gerüchten vorzubeugen“, wie etwa, dass der Neubau des Landratsamtes jetzt ganz wegfalle. Landrat Bernhard Kern bekräftigte die drei Beschlüsse des Kreistages. „Der Neubau wurde einstimmig beschlossen, und zwar in einer Holzhybridbauweise und auch der neu gewählte Kreistag steht einstimmig zum Neubau.“ Allerdings würden sich die Bauarbeiten von 2024 bis 2027 hinziehen.

Knappe Personal- Ressourcen

Hans Jahn, Geschäftsbereichsleiter für Zentrale Angelegenheiten des Landkreises, verwies auf die personellen Ressourcen des Landratsamtes, die laufende Planung und nötige Ausschreibungen. Darum stehe der Neubau nicht mehr im Finanzplanungszeitraum 2023. „Wir müssen realistisch bleiben. Wir haben aktuell zwei neue Stellen für Planung, Bau- und Gebäudemanagement genehmigt, doch bislang nicht besetzten können.“

Investition in die Bildung

Oberste Priorität des Investitionsprogrammes des Landkreises Berchtesgadener Land aber habe die Bildung, betont Landrat Bernhard Kern immer wieder. Konkret werden dabei das Sonderpädagogische Zentrum St. Zeno, das Rottmayr-Gymnasium in Laufen und das Karlsgymnasium in Bad Reichenhall genannt. Ebenso stehen Investitionen bei der Staatlichen Berufsschule in Freilassing und bei der Berufsfachschule für Holzschnitzer und Schreiner in Berchtesgaden an.

60 Millionen für die Berufsschule

Die Berufsschule Freilassing verfüge generell über zu wenig Platz und müsse in Teilen komplett saniert werden, führt Bernhard Kern aus. Mit Investitionen bis zu 60 Millionen Euro will man sie weiter zukunftsfähig machen. „Wir sprechen dabei von den nächsten zehn bis zwanzig Jahren“, erläutert Hans Jahn. Zunächst aber müsse die technische und bauliche Substanz geprüft und viel Planungsarbeit geleistet werden. Vor 2024 werde es darum auch noch keine konkreten Baumaßnahmen geben. Ähnlich ist die Situation an der Berufsfachschule für Holzschnitzer und Schreiner in Berchtesgaden. „Die Gebäude sind alt und an Räumen und Technik werden heute andere Anforderungen gestellt.“

Landrat: „Nicht ängstlich sein“

Der Landrat hob gleichwohl den hohen Stand der Ausbildung hervor. Im KFZ-Bereich etwa sei man mit einem starken Focus auf die E-Mobilität hervorragend aufgestellt und der Tourismus in der Region sei wieder stark ansteigend. „Wir wollen weiter nach vorne schauen und nicht ängstlich die Projekte zurück stellen, weil vielleicht die eine oder andere Unsicherheit herrsche. Die jetzige Struktur wird erhalten und weiter ausgebaut.“

20 Millionen für die Schulen

Für die Schulen Rottmayr-Gymnasium in Laufen, Sonderpädagogische Zentrum St. Zeno und das Karlsgymnasium in Bad Reichenhall sind insgesamt über 20 Millionen Euro Investitionen bis 2025 vorgesehen. Beim Karlsgymnasium werden aktuell vier Container im Erdgeschoss aufgestellt und nächstes Jahr sollen weitere vier als Obergeschoss folgen. Wie es mit den Unterrichten in den Schulen unter Auflagen und reduzierten Klassen weitergehe, könne man von Seiten des Landratsamtes nicht sagen. Das liege im Zuständigkeitsbereich des Bayerischen Kultusministeriums.

Auch für die Kunsteisbahn Königssee sind Mittel eingeplant. Für eine neue Bobgarage 270.000 Euro und für die Sanierung der Rodlerhalle des Olympiastützpunktes Berchtesgaden 4,5 Millionen Euro.

50 Millionen Schulden-Obergrenze

Der aktuelle Schuldenstand des Landkreises liegt bei 12 Millionen Euro. Die Obergrenze wurde in der letzten Kreistagssitzung von 40 auf 50 Millionen angehoben. Nicole Fegg, Leiterin des Finanzmanagements merkt dazu an: „Der niedrige Schuldenstand von 12 Millionen Euro ist darin begründet, dass manche Projekte zurück gestellt wurden. Von der Genehmigung der Mittel bis zur tatsächlichen Verwendung vergehen oft Jahre. Das wird allein schon bei der Dauer von der Planung bis zur Fertigstellung größerer Projekte wie Landratsamt oder Schulen deutlich.“

Für die Sanierung der Kreisstraßen (KS) für rund 14 Millionen Euro ist folgender Zeitplan vorgesehen: KS-BGL 1: 2020/21 – KS-BGL 12: 2023/24 – KS-BGL 4: 2024/25 – KS-BGL 3: ab 2026

Auf den Spuren der evangelischen Gemeinde in Bad Reichenhall

Eine spirituelle Stadtführung
mit Diakon Markus Sellner


In einem spiritueller Stadtspaziergang führte Diakon Markus Sellner auf den Spuren der Protestanten durch die Innenstadt von Bad Reichenhall. Die Gruppe war aufgrund der Corona-Verordnungen auf zwölf Personen begrenzt und Sellner bat zudem um Einhaltung des nötigen Abstandes. Der erste eigene Raum für Gottesdienste war für Evangelische ab 1860 ein Lagerraum in der Alten Saline im Obergeschoss, der heute von der Reichenhaller Akademie genutzt wird. Das heutige Industriedenkmal Alte Saline mit Ensembleschutz war damals, nach dem großen Stadtbrand von 1834, erst 25 Jahre alt. 20 Jahre lang traf sich die evangelische Gemeinde hier zum Gottesdienst und verschönerte den Raum mit Holzvertäfelungen. „Vorher traf man sich im ehemaligen „Schweizer Haus“ auf Initiative der Freifrau von der Thann, der Gattin des Adjutanten von König Max II., zum Gottesdienst, aufgrund des Andrangs später im Festsaal des ehemaligen Hotels Luisenbad“, erzählt Diakon Sellner. Die Geschichte beginnt aber früher, nämlich 1799 in München. Zuvor waren die Evangelischen im katholischen Kurfürstentum Bayern der Wittelsbacher nicht gern Gesehene.

Diakon Markus Sellner führt auf den Spuren der Evangelischen durch Bad Reichenhall. Hier im Innenhof der Alten Saline, vor dem Salinenbrunnen mit dem Salzburger Bischof St. Rupert. – Foto: Gerd Spranger

Und es war eine Frau, die den Evangelischen in Oberbayern ein Leben ermöglichte, es war die lutherische Prinzessin Karoline von Baden die dem bayerischen Kurfürst Max IV. Joseph, ab 1806 König Max I., vermählt war und sich im Ehevertrag das Recht auf Ausübung ihres evangelischen Glaubens sichern ließ. „1799 wurde der erste evangelische Gottesdienst in München abgehalten und die Entourage der kurfürstlichen Familie siedelte sich im Großkarolinenfeld an“, erinnert Diakon Markus Sellner. Es dauerte aber noch Jahrzehnte, bis der evangelische Glaube auch nach Bad Reichenhall fand. 1830 zählte man lediglich drei evangelisch Gläubige und 1846 war es elf. „Ein Besuch, eine geistliche Unterstützung aus München war schwer, denn die Reise nach Bad Reichenhall dauerte damals mit der Postkutsche noch drei Tage. Die Eisenbahn fuhr erst ab 1860 in die alte Salinenstadt.“

Gewachsen ist die evangelische Gemeinde in Bad Reichenhall durch den beginnenden Badtourismus und eines aufstrebenden Handels und der Wirtschaft. Positiv wirkte sich ebenso die mit Hilfe von König Ludwig I. in weiten Teilen neu erbaute Stadt aus, die sich „wie ein Phönix aus der Asche nach dem Stadtbrand, gemäß der architektonischen Konzeption des 19. Jahrhunderts, erhob“, schrieb Dr. Herbert Pfisterer in seinem Buch „Bad Reichenhall in seiner bayerischen Geschichte“.

Alte Saline, Beamtenstock
und Altes Rathaus

Zu diesen neu erstandenen Gebäudekomplexen zählte nicht nur die Alte Saline und ihr Ensemble, sondern auch der Beamtenstock und 1849 wurde ebenso das damals neue Schul- und Rathaus (heute Altes Rathaus) fertiggestellt. Auch in diesen Gebäuden lebt ein Stück evangelischer Geschichte in Bad Reichenhall. Im Alten Rathaus und nach dem zweiten Weltkrieg auch im Beamtenstock war eine evangelische Schule untergebracht.

Blick in die Poststraße, in der früher der Stadtbach entlang plätscherte und als offene Kanalisation diente. Diakon Sellner verweist auf die Inschrift am „Alten Brothaus“, das die Leistung zum Bau der Soleleitung nach Traunstein würdigt und die alte Stadt mit ihren Toren und Türmen zeigt.

Es waren aber auch viele Persönlichkeiten, die das Wachsen der evangelischen Gemeinde in Bad Reichenhall prägten und förderten. So war etwa auch der aus Sachsen stammende Zollinspektor Ernst Rinck (1801 – 1877), der das Schlössl Axelmannstein erbte, und es 1846 zur Sole- und die Molkenkuranstalt ausbaute, ein Evangelischer gewesen. Er war ein Förderer der Gemeinde und Mitbegründer des Kurbetriebes in Reichenhall. Ein weiterer prominenter Vertreter und Ehrenbürger von Bad Reichenhall war der Bezirks- und Salinenarzt Freiherr Georg von Liebig (1827 – 1903), der erste evangelische Arzt in Bad Reichenhall, auf den bis heute viele Indikatoren der örtlichen Kurmittel zurück gehen und der Namenspatron des Krankenhauses in Bad Reichenhall ist. Dr. Adolf Schmid (1846 – 1908), ebenfalls Ehrenbürger, war von 1876 bis 1878 erster Vorstand der evangelischen Kirchenverwaltung und gründete eine Kinderheilstätte, die von 1887 bis zum ersten Weltkrieg bestand. Zur Liste der prominenten evangelischen Gemeindemitglieder in jenen Gründerjahren zählte auch die Freifrau Frances Isabella „Fanny“ von Karg-Bebenburg (1847-1899), deren Mann die Karg-Villa im Karlspark 1869/70 bauen ließ. Sie war ab 1873 Leiterin des evangelischen Frauenvereins.

An zu wenigen Gebäuden in Bad Reichenhall finden sich HInweise auf die lange und bewegte Geschichte

Bis hin zu einem eigenen evangelischen Gottesdienst im Betsaal der Alten Saline hatte die kleine evangelische Schar bis 1860 also einen langen Weg hinter sich. 1861 bekam Bad Reichenhall eine erste evangelische Prediger- und Seelsorgestelle zugesprochen und von da an wuchs die Gemeinde, wurde für den aufstrebenden Kurort und seiner Gäste immer wichtiger.

„Es gab in jenen Jahren auch ein jüdisches Restaurant mit eigener Schlachtung und Bestrebungen zur Gründung einer Synagoge. Selbst Gespräche zur Gründung einer orthodoxen Kirche, zumindest aber eines orthodoxen Gottesdienstes, wurden geführt. Im Russischen Hof, dem späteren Hotel Deutsches Haus, dass nach dem Abriss seit Jahrzehnten als Baulücke zwischen Ludwig- und Poststraße brach liegt, verkehrten viele Gäste aus Russland auch aus dem Umfeld der Zarenfamilie und des russischen Adels,“ erinnert Markus Sellner an jene Zeit. Bad Reichenhall zählte bis 1875 noch weniger als 5000 Einwohner.

Seit 140 Jahren eine eigene evangelische Kirche 

Ab 1870 reifte bei den Evangelischen der Wunsch nach einer eigenen Kirche in Bad Reichenhall, obwohl die Kirchengemeinde im Ort kaum 200 Mitglieder zählte, doch von vielen Badegästen, die häufig aus evangelisch geprägten Regionen stammten, gerne besucht wurde. Freifrau Fanny von Karg-Bebenburg rief für den Bau sogar eine eigene Lotterie ins Leben. „Der überwiegend große Teil aber kam von Spenden außerhalb, wenn die kleine Gemeinschaft auch nicht arm war. Es zählten leitende Beamte, Hoteliers, Ärzte und Unternehmer zu den Evangelischen, auch sie kamen meist von auswärts, waren also ‚Zuagroaste’“, erzählt Diakon Sellner.

„Man wies der evangelischen Gemeinde dann ein Grundstück weit außerhalb der Stadtmauern zu, in deren Grenzen sich bis zu dieser Zeit die Stadt erstreckte. Sicher war innerhalb der Stadt kaum ein Platz zu finden, zumal die Katholischen die Evangelischen auch nicht in der Stadt wollten. Der Bauplatz für die Kirche (Grundsteinlegung 14.08. 1877) war abgelegen, zwischen Bahnhof (ab 1860), der Stadt und dem neu angelegten Kurpark (ab 1868). Mit dem Bau des Königlichen Kurhauses 1900 rückte die Kirche dann allerdings in das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens und erlebte eine Blütezeit“, führt Markus Sellner aus.

Diakon Markus Sellner geht ausführlich auf die Geschichte der Evangelischen Kirche in Bad Reichenhall ein, die von 1877 bis 1881 außerhalb der Stadt erbaut wurde.
Diakon Markus Sellner geht ausführlich auf die Geschichte der Evangelischen Kirche in Bad Reichenhall ein, die von 1877 bis 1881 außerhalb der Stadt erbaut wurde.

Der spirituellen Stadtspaziergang ging am Rathaus vorbei weiter durch die Poststraße, die ebenso wie der Rathausplatz als Ensemble in die Bayerische Denkmalliste eingetragen ist. Zentral und historisch sind hier das alte Salzmaierhaus (Polizei) mit dem Denkmal des Salzamtsschreiber, gegenüber der Ägidikirche, das vor 1840 Amtssitz der Salinenverwaltung war. „Historisch aber ist auch der Platz selbst“, erzählt Markus Sellner, “denn hier befand sich der historische Markt und hier verlief ebenso der alte Stadtbach, der der alten Salinenstadt zugleich als offene Kanalisation diente.“

Weitere „evangelische Stationen“ war das heute als Bücherei genutzte Gebäude in der Gabelsbergerstraße, „eine der größten evangelischen Büchereien in Bayern“, merkt Diakon Sellner an und verweist auf das Nebengebäude. „Das große Wohnhaus nebenan, die Villa Hindenburg, zählte ursprünglich auch zum Besitz und beherbergte die Wohnung des Pfarrers.“ Das Pfarrhaus an der Wittelsbacherstraße erwarb die Gemeinde bereits 1866. Sie wurde damit zugleich zur eigenen Pfarrei erhoben.

Der „Bismark-Brunnen“
ist heute stillgelegt

Auf dem Weg zur Kirche legte die Gruppe noch einen Stopp am Bismarck-Brunnen ein, der lange Jahre hinweg der größte Brunnen der Stadt war und heute leider stillgelegt ist. Der preußische Fürst Otto von Bismarck (1850 – 1898) und Reichskanzler war evangelischen Glaubens, mehrfach in Bad Reichenhall zur Kur und ist Ehrenbürger von Bad Reichenhall.

Zentrum der evangelischen Gemeinde ist die Stadtkirche wo der kleine Rundgang endete. Sie wurde 1877 bis 1881 im damals modernen „neugotischen“ Stil erbaut. Architekt war Ludwig Hoffstatt aus München. „Zweimal wurde sie modernisiert“, erläutert Diakon Sellner, „zuletzt 1981, wo auch das große Altarbild entstand. Es symbolisiert den Weg von der Erde über das Kreuz in das himmlische Jerusalem. Es steht als Symbol des Zieles, der Vollendung.“ Ein weiterer „Meilenstein“ war 1994 der Bau des achteckigen Pavillons. Durch den Aufzug und die Anbindung an die Kirche wurde ein behindertengerechter Zugang zur Kirche ermöglicht und ein Gemeinderaum im Umkreis der Kirche geschaffen. Stolz ist man bis heute auf die Orgel in der Kirche mit 36 Register und 2583 Pfeifen. Das große Gemeindehaus in der Adolf-Schmid-Straße wurde 2019 verkauft.

Eine Blütezeit erlebte die evangelische Gemeinde durch die Folgen des zweiten Weltkrieges, als sich von insgesamt 12 Millionen Heimatvertriebenen 6000 in Bad Reichenhall und der Umgebung (Piding) ansiedelten. 2010 zählte die evangelische Gemeinde noch 4567 Mitglieder und heute rund 3.900. „Wir verlieren viele Gemeindemitglieder altersbedingt. Ihre Kinder sind vielfach durch Studium und Beruf nicht mehr im Berchtesgadener Land ansässig“, bedauert Diakon Markus Sellner.

Die Gebäude im Landkreis im Visier

Auf der Suche nach Einsparpotentialen beim Energieverbrauch sind im Landkreis jetzt die einzelnen Häuser im Visier. Der Energienutzungsplan des Berchtesgadener Landes liefert dazu detaillierte Informationen für über 30.000 Gebäude, so genannte „energetische Gebäudesteckbriefe“. Sie werden im Rahmen einer kostenlosen Energieberatung der Energieagentur Südostbayern herangezogen. „Dadurch können die Eigentümer, ob privat, gewerblich oder kommunal, bei der Abschätzung des Potentials noch besser unterstützt werden“, informierte der Landkreis den Ausschuss für Umweltfragen, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität. Der energetische Gebäudesteckbrief ersetze allerdings keinen Energieausweis, auch nicht die Beratung und Planung vor Ort.

Bettine Mühlbauer von der Energieagentur Südostbayern GmbH rät zu einer zeitnahen Information, bevor Förderprogramme wieder auslaufen. – Foto: Gerd Spranger

Die Energieagentur Südostbayern ist eine Gesellschaft der Kreise Berchtesgadener Land und Traunstein und stellt sich als „Ihr unabhängiger Partner für Energiefragen vor Ort“ vor. Für mehr Energie-Effizienz werden für einen Beitrag zum Klimaschutz vor allem erneuerbare Energien heran gezogen. Ab 2021 verteuert sich das Heizen mit fossilen Energieträgern durch eine CO2-Abgabe nämlich empfindlich. Parallel dazu fördert der Bund das Heizen mit erneuerbaren Energien und zahlt 35 bis 45 Prozent der Investitionskosten über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausführkontrolle (BafA). Doch aufgepasst: „es gibt etwa für 30 Jahre alte Ölkessel eine Austauschpflicht, und damit entfällt die Förderung. Eine Beratung sollte darum immer frühzeitig erfolgen, manche Programme gelten auch nur befristet“, merkt Bettina Mühlbauer an, Prokuristin der Energieagentur in Traunstein.

Basisinformation mit Energie-Förderkompass

Ganz grundsätzlich informiert der Förderkompass Energie der Bayerischen Energieagenturen als hilfreiches und bewährtes Nachschlagewerk für Bürger, Kommunen und Unternehmen. Er liefert Basisinformationen zu Fördermöglichkeiten in den Bereichen energetische Sanierung, energieeffizientes Bauen, Energiesparen und über den Einsatz von erneuerbaren Energien und steht zum Download auf der Webseite der Agentur zur Verfügung. Die Kreisräte des Berchtesgadener Landes haben bereits erste Erfahrungen mit der neuen Software für den energetische Gebäudesteckbrief gesammelt.

Kreisrat Franz Eder hat den Link für sein Haus gleich mal ausprobiert. „Ich sehe bei meinem Hausdach welche theoretischen Möglichkeiten ich habe. Auch ist ein ‚Istzustand‘ meines aktuellenWärmebedarfs benannt. Wie realistisch ist das“, fragt er.

„Es sind die Daten des bayerischen Vermessungsverwaltung hinterlegt. Es kann natürlich ‚Unschärfen‘ geben, doch die werden im persönlichen Gespräch geklärt. Grundsätzlich wurden das Baujahr und der zu jener Zeit gültige Standard mit einbezogen“, informiert Energieberater Manuel Münch über die Hintergründe des mit Mitteln des Bayerischen Wirtschaftsministeriums geförderten Programmes.

Bessere Information sicherstellen

Auch Kreisrat Thomas Gasser ist überzeugt von dem Programm, bezeichnet es als „ein perfektes Werkzeug“, und fragt nach, wie es denn zum Bürger komme. Münch setzt hier auf die Medien, Kreisrat Simon Köppl auf eine gute Mund-zu-Mund-Werbung durch die Kreisräte, in den Gemeinden und Vereinen. Selbst will er bei Freunden und Bekannten über diese neue Möglichkeit informieren. Landrat Bernhard Kern will zum Herbst eine eigenes landkreisweites Journal herausgeben um die Information der Bürger sicherzustellen. Aktueller Ansprechpartner für das neue Modell der Energieeinsparung ist die Energieagentur Südost. Zu erreichen ist sie unter: http://www.energieagentur-suedost.bayern, direkt über die Landratsämter oder auch vor Ort:

Bad Reichenhall im Landratsamt,
Zimmer 236 – Jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat

Berchtesgaden im Rathaus
Jeden 3. Mittwoch im Monat

Freilassing im Rathaus
Jeden 2. Mittwoch im Monat

Grassau Biomassehof Achental
Jeden 3. Dienstag im Monat

Laufen im Rathaus
Jeden 4. Donnerstag im Monat

Obing Rathaus, Sitzungssaal
Jeden 4. Dienstag im Monat

Traunstein in der Energieagentur Südostbayern
Jeden Montag

Traunstein im Rathaus, Zimmer 103
Jeden 2. Mittwoch im Monat

Traunreut im Rathaus, Zimmer E201
Jeden 1. Donnerstag im Monat

Trostberg im Rathaus
Jeden 3. Donnerstag im Monat

Kein Gleisabbau in Berchtesgaden

Kreisausschuss wendet sich
mit Resolution an Entscheidungsträger

Großer Unmut herrscht bei Landrat, Bürgermeistern und Kreisräten des Berchtesgadener Landes über die Pläne der DB Netz AG, die Gütergleisanlagen in Berchtesgaden entfernen zu lassen. Der Ausschuss des Landkreises für Umwelt, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität fasste darum einstimmig eine Resolution und wendet sich an die zuständigen Entscheidungsträger, „sich für den Erhalt der Gütergleisanlagen am Bahnhof Berchtesgaden einzusetzen. Der Landkreis Berchtesgadener Land lehnt dieses Vorhaben entschieden ab. Das dortige Gütergleis 22 stellt in Verbindung mit dem Ausziehgleis sowie der vorhandenen Laderampe die einzige Zugangsmöglichkeit des Güterverkehrs für Schiene im südlichen Landkreis dar.“ Die Resolution soll insbesondere der Bundeswehr, der Deutschen Bahn AG, dem Eisenbahn-Bundesamt und dem Freistaat Bayern zugeleitet werden.

Auch die BaWa, direkt am Gleis gelegen, nutzt die Möglichkeit der Verladerampe nicht. Einzige Hoffnung ist aktuell die Bundeswehr, die mit ihrem Standort in Bischofswiesen-Strub für ihre Manöver die Verlademöglichkeit nutzen könnte. – Fotos: Gerd Spranger

Auf jeden Fall sei vorab zu prüfen, „ob solche Infrastrukturen mit behördlicher Zustimmung als betrieblich gesperrt deklariert werden können.“ Aktuell sei nach derzeitigen Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freie Wähler der Ausbau des bayernweiten Netzes an Güterverkehrszentren und sonstigen Umschlaganlagen nach der Devise „Ausbau statt Rückbau“ voran zu treiben. Bei der Entfernung der Gütergleisanlagen macht die Deutsche Bahn hingegen Druck. Sie möchte die Anlagen bereits im Sommer, „im Rahmen der Bündelbaustelle und der damit einhergehenden Streckensperrung entfernen.“ Die Bahn argumentiert, dass eine „Investition von 190.000 Euro für die Erneuerung einer Zugangsweiche, sowie für den Austausch der Holzschwellen durch Betonschwellen erforderlich ist.“ Darüber hinaus stünden den Vorhaltekosten für diese Gleise keine Erlöse gegenüber.

Der Freistaat unternimmt nichts

Das Land Bayern wurde über die Pläne des Rückbaus bereits im April 2019 informiert und erhob dagegen keine Einwände. Die Zeit drängt jetzt also für den Landkreis, der „kein Verständnis dafür hat, dass ein Rückbau ohne vorliegender Notwendigkeit überhaupt vorgenommen werden soll.“ Er stehe im deutlichen Widerspruch zum Koalitionsvertrag, in dem festgehalten ist, „dass Verkehrszuwächse so weit wie möglich auf umweltfreundliche Verkehrsträger verlagert werden sollen. Dafür treiben wir den Ausbau des landesweiten Netzes an Güterverkehrszentren uns sonstigen Umschlaganlagen voran.“

Der Bahnhof in Berchtesgaden ist eine Sackgasse. Die Gleisanlage zur Güterverladung soll nach Willen der DB Netz AG abgebaut werden, weil sie seit Jahren nicht mehr genutzt wird. Ebenfalls seit Jahren gesperrt ist die Brücke als Fußgängerübergang vom Markt Berchtesgaden direkt in das Bahnhofsgebäude.

„Alle fünf Bürgermeister des südlichen Landkreises haben sich deutlich für den Erhalt der Gütergleisanlagen ausgesprochen. Der Markt Berchtesgaden hat zudem für den Bau der Verladerampe am Gleis 22 einen sechsstelligen Betrag aufgewendet“, informierte Landrat Bernhard Kern. Er habe bereits Gespräche mit dem Bataillonskommandeur der Bundeswehr in Bischofswiesen, Oberstleutnant Martin Sonnenberger, geführt und will das Gespräch mit Brigadekommandeur Oberst Maik Keller in Bad Reichenhall fortführen. „Ich habe noch kein offizielles Statement, doch das Signal zum Erhalt der Gleisanlage ist positiv.“

Hintergrund ist, dass für Großübungen und Manöver die Bundeswehrfahrzeuge aus Bischofswiesen in Bad Reichenhall verladen werden, und damit über die B20 anfahren. Sie könnten ebenso in Berchtesgaden verladen, zumal der Bahnhof nur zwei, drei Kilometer vom Truppenstandort entfernt ist, wenn die Anlage erhalten bleibt. „Eventuell können wir damit sogar eine Lösung für die anstehende Ertüchtigung finden“, hofft der Landrat.

Bahn verspielt das Vertrauen

Die Kreisräte (KR) äußerten sich eindeutig zum Erhalt der Gütergleisanlagen am Bahnhof Berchtesgaden. KR Roman Niedergerber (SPD). „Es wäre an der Zeit auch beim Güterverkehr in der Realität des 21. Jahrhundert anzukommen und nicht nur mit einem Schienenpakt große Versprechungen abzuliefern. KR Bernhard Heitauer (CSU): Wir führen mehr als 10 Jahre Verhandlungen für einen zweiten Haltepunkt in der Gemeinde Bischofswiesen, ohne Erfolg. Ein Gleisabbau aber wird möglichst unverzüglich vollzogen. Da stimmt ganz Grundsätzlich einiges nicht.“ KR Sven Kluba (CSU): „Gibt es noch andere Perspektiven, etwa einer Übernahme der Anlagen durch dritte?“ Für KR Franz Eder (Grüne) verschwindet das Vertrauen in die Bahn ganz grundsätzlich. Vor allem was Zusagen und Versprechen betrifft. Auch in Laufen wünsche man sich lange einen Ausbau und eine Haltestelle Gastag, die es in Zeiten der Deutschen Bundesbahn gegeben habe. KR Helmut Langosch (Freie Wähler) ist der Zustand des Bahnhofs insgesamt, vor allem auf der Rückseite, ein Dorn im Auge. „Es ist für ankommende Touristen ein eher trostloser Anblick“, moniert er. KR Thomas Gasser (CSU) hofft auf den Erfolg der Resolution. „Wenn wir aber nicht zum gewünschten Ziel kommen, muss die Trasse auf alle Fälle erhalten werden. Es darf keinen Rückbau geben.“

Von Berchtesgaden in den den Bayerischen Wald

Von Lam auf den Osser
Heidelbeeren und Glimmerschiefer

Der tiefe Bayerische Wald. Welche Geheimnisse birgt er?

Unser erster kleiner Urlaub im Bayerischen Wald ist der Corona-Krise und den geschlossenen Grenzen geschuldet. Der führte uns vom äußersten Süden Bayerns, dem Berchtesgadener Land, bis in den Norden des Bayerischen Waldes in die Ökoregion Arrach, Lam und Lohberg. Wir benötigen für die 222 Kilometer über Landstraße ganze 3,5 Stunden. An die Adria, etwa nach Grado, ist die Strecke mit 365 Kilometern zwar deutlich länger, die Fahrt nimmt aber lediglich 45 Minuten mehr Zeit in Anspruch. Warum also in den Norden, in den Bayerischen Wald fahren, zumal die Berge dort 1000 Meter niedriger sind und das Berchtesgadener Land im Alpennationalpark liegt. Wir waren neugierig darauf, was uns hier erwartet. Von den Alpen in den Bayerischen Wald. Ist der Wald wirklich so einsam und tief, wie es uns die Klischees glauben machen wollen?

Der Trigano-Cherokey ohne Vorzelt im Einsatz – Rückseite (l.) und Vorderseite (r.)

Camping in Corona-Zeiten

Spontan entschieden wir uns für die Gemeinde Lam mit knapp 2900 Einwohnern und einem kleinen einfachen Campingplatz mit 30 Stellplätzen als Domizil für unseren autarken Faltcaravan, ein französisches Modell, dessen in Ostdeutschland weitverbreiteter Vorläufer in Campingkreisen bis heute als Klappfix bekannt ist. Mundschutz und eine eingeschränkte Nutzung von Sanitär- und Duschräumen waren in den Pfingstferien immer noch obligatorisch, worauf uns der Betreiber Hubert Falkner bei der Buchung hinwies. Am Platz selbst war davon nichts zu spüren, es war ein reges Kommen und Gehen bei wechselhaftem Wetter. Bei der Anfahrt führte uns „google“ auf den letzten Kilometern über kleine Nebenstraßen nach Bad Kötzting hinein in den Bayerischen Wald, einer unerwartet reizvollen, hügeligen, waldreichen und einsamen Landschaft, die wir so nicht erwartet hatten. Die Gemeinde Lam liegt an den Hängen des Großen und Kleinen Ossers, die bis zum Tal hinab zu dem kleinen Flüsschen „Weißer Regen“ reichen.

Ein malerischer Marktplatz

Viel von Oberbayern hat der Marktplatz in Lam – Fotos: Gerd und Christine Spranger

Im Ort Lam selbst fallen uns viele leerstehende Geschäfte auf. „In direkter Nähe zu unserem Campingplatz hatten wir früher einen Metzger, einen Bäcker und ein Einkaufsmarkt. Der kleine Lebensmittelladen an der Ecke neben der Eisdiele schließt in diesen Wochen auch für immer“, erzählt Hubert Falkner. Idyllisch gelegen, mit Mariensäule, Maibaum und etlichen gut geführten Gaststätten ist hingegen der Marktplatz oben an der Kirche. Hier kommt Urlaubsstimmung auf und in einigen Kilometern Entfernung sind die Osser-Wiesen und der Gipfel des Kleinen Ossers zu sehen, zu denen wir am nächsten Tag aufbrechen.

Vom Sattel auf den Osser

Die Aussicht könnte nicht besser sein. Ein Stückchen Heimat im Bayerischen Wald.

Etwa fünf Kilometer fahren wir zum Wanderparkplatz Sattel auf 933 Höhenmetern gelegen, von wo wir unsere kleine Tour mit etwa drei Stunden Gehzeit starten. Insgesamt sind wir fünf Stunden unterwegs, denn mit knapp 60 Jahren steht nicht die Schnelligkeit, sondern der Genuss der Wanderung im Vordergrund, ob in den Alpen oder im Bayerischen Wald. Zudem lassen uns die Landschaft, die Flora und Fauna, die ganz besonderen Natureindrücke und weite Ausblicke immer wieder innehalten, und am Ende summieren sich über 100 Fotos auf unserem Smartphone mit bleibenden Eindrücken.

Blick von den Osser-Wiesen hinüber zum Großen Arber.

Der Weg führt uns zunächst auf steinigem Boden durch den Fichtenwald, bevor dann immer mehr Blaubeersträucher den Waldboden bedecken, der ab 1000 Höhenmetern immer lichter wird. In dieser Dichte und Vielzahl haben wir die Heidelbeeren noch nie erlebt, die jetzt im Juni nicht blau, sondern noch grün sind. Der Blick ins Tal gibt über viele Kilometer hinweg den Blick auf den Bayerischen Wald frei, der gemeinsam mit dem Böhmerwald, dem tschechischen Nationalpark Šumava, das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas bildet.

Ein wenig ausruhen und die Aussicht genießen

Naturgewalten und weite Landschaften

Nach etwa einer Stunde erreichen wir die „Osserwiese“, eine bis vor 70 Jahren bewirtschaftete Almwiese, deren „offener Charakter“ nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz durch Pflegemaßnahmen erhalten wird. Darüber dürften sich vor allem die Wanderer freuen, denn so bleibt die Aussicht auf das Tal und hinüber bis zum Großen Arber erhalten und damit der naturgewaltige Eindruck von der Weite der Landschaft. Zusätzlich ragen noch steile Glimmerschieferfelsen und Blöcke einige Meter auf, wie wir es in den Alpen nur bei Felsabstürzen kennen. Der Glimmerschiefer aber ist selbst für den Bayerischen Wald eine Besonderheit. Er soll in dieser eindrucksvollen Formation nur auf dem Osser zu finden sein.

Der Große Arber winkt von Ferne

Imposante Steinformationen ragen in Gipfelnähe auf

Die Heidelbeer- und Grasflächen ziehen sich nahezu bis zum Kleinen Osser hinauf, der selbst als markanter Felsen aus dem Wald ragt und nur mit etwas Kletterei zu besteigen ist. Dann ist es geschafft, mit 1266 Metern zählt der Kleine Osser zu den 20 höchsten Gipfeln des Bayerischen Waldes. Mit 1293 Metern ist der „Große Osser“ nur unwesentlich höher und in weiteren 30 Minuten gut zu erreichen. Eindrucksvoll sind beide Erhebungen, ragen sie doch hoch über den Wald heraus und bilden auf ihren letzten Metern große Felsformationen. In etwa 10 Kilometer Luftlinie ist der höchste Gipfel, der große Arber mit 1456 Metern Höhe zu sehen. Er ist mit einer Bergbahn erschlossen und zählt zu den touristischen Hotspots der Region.

Viel Betrieb auf dem Großen Osser

Sehnsuchtsmomente auf dem Kleinen Osser genießen

Aber auch auf dem Großen Osser herrscht am zweiten Pfingstwochenende bei bestem Wetter großes Gedränge. Die Zahl der Gäste auf dem Gipfelrestaurant, dem Osser-Schutzhaus, zählt sicher Hunderte. Der Gastgarten ist eng besetzt, auch wenn man um etwas Abstand bemüht ist. In der Hütte selbst und bei der Essensausgabe gilt die Maskenpflicht. Die Stimmung aber ist an diesem Grenzberg gut und die Küche ist auf den Ansturm bestens vorbereitet. „An schönen Wochenenden ist ein hohe Gästefrequenz ganz normal,“ erzählt Hüttenwirt Georg Hatzinger. Die Zimmer sind bis August geschlossen. „In Corona-Zeiten sind wir damit auf der sicheren Seite. Hoffentlich entspannt sich die Situation bis August wieder und wir können wieder Übernachtung mit Frühstück anbieten“, hofft Hatzinger.

Zum Schluss dann doch noch ein wenig „Kraxelei“ hinauf zum Gipfel des Kleinen Osser

Das Osser-Schutzhaus zählt 32 Betten in Vier- und Acht-Bettzimmern und ein Matratzenlager. Quer über das Gipfelplateau verläuft die deutsch-tschechische Grenze. Das Versprechen mit einer „Aussicht bis zu den Alpen“ scheint dennoch etwas gewagt. Vielleicht bei starkem Föhnwetter und Vollmond, denke ich für mich. Auch hier ragen mächtige Schieferblöcke gleich hoher Schneeverwehungen auf dem Gipfelkamm entlang der Grenze. Wir müssen das einfach noch fotografisch festhalten und übertreten für einige Meter unerlaubter Weise die Grenze, bevor wir uns wieder auf den Rückweg in das Tal, zu unserem Domizil Campingplatz machen. Hier erfahren wir, dass sich unser Vermieter, Hubert Falkner, über Jahrzehnte hinweg im Verein für das Schutzhaus engagiert hat und plaudern vor unserer Abreise noch ein wenig.

Vom Zelt zum Luxus-Wohnmobil

Hubert Falkner ist seit einigen Jahren in Rente und kümmert sich heute ganz um den Campingplatz.

Die Mutter hat in den 60-Jahren das Anwesen als kleinen Zeltplatz mit elf Stellplätzen gegründet. 1984 übernahm dann Hubert die Geschäfte und kümmert sich seit seiner Rente ganztags um die Betreuung der Gäste. „Heute reist jeder zweite Gast mit einem großen Wohnmobil an, und die bleiben meistens nur zwei Tage“, erzählt er und fügt hinzu: „die sehen sich die Landschaft im Durchfahren an.“ Etwas länger am Ort blieben die Gäste mit Wohnwagen. Stark gestiegen seien die Anfragen über Buchungsplattformen. „Da bin ich erst seit zwei Jahren zu finden. Die Nachfrage dadurch ist hoch.“ Vielleicht liegt es an den günstigen Preisen. Denn wo sonst ist eine Übernachtung für 18 Euro inklusive Stellplatz und Personen möglich?

Unser kleines Fazit:

Auch auf dem Großen Osser ist es schön. HIer ist auch die Osser-Schutzhütte geöffnet.

Die Alpen und den Bayerischen Wald kann man nicht wirklich vergleichen, sollte man auch nicht. Jede Region überzeugt für sich und bietet viele Urlaubsmöglichkeiten. Die Alpen freilich erschließen ab 1500 Höhenmeter nochmal die ganz eigene Welt des Hochalpinen und erstrecken sich über fünf Länder. Der Bayerische Wald könnte mit einer besseren Erschließung in Richtung Osten (Tschechien) deutlich an Format gewinnen. Bei unserer kleinen Reise hatten wir den Eindruck, dass der Eiserne Vorhang noch nicht ganz gefallen ist.

Um zur Galerie zu gelangen, klicken Sie einfach auf eines der Fotos. Fotos: Christine & Gerd Spranger

Seit Wochen kein neuer Coronafall im Berchtesgadener Land

Seit drei Wochen gibt es keinen neuen Coronafall mehr im Berchtesgadener Land. Der Katastrophenfall wurde darum nach drei Monaten am 17. Juni vom Landratsamt für beendet erklärt. Wir haben Glück gehabt in unserer schönen Heimat, denn insgesamt kam es nur zu 306 Infektionen und bedauerlicher Weise zu 24 Todesfällen, alle älter als 65 Jahre, bei denen das Virus nachgewiesen wurde. Selbst von den knapp 890 Menschen, die aufgrund von persönlichen Kontakten in eine zweiwöchige Quarantäne gestellt wurden, haben sich nur 64 Personen infiziert. Die befürchtete „Massenansteckung“ ist damit ausgeblieben. Einen kleinen „Schönheitsfehler“ gibt es dabei, denn gerade – mit Stand vom 18.06. um 15.30 – meldet die Behörde nun doch wieder drei neue Infizierte. Damit steigt die Gesamtzahl auf 309 an.

Strahlend blauer Himmel und einsame Landschaften im Berchtesgadener Land. Hier zu sehen die Nonner Wiesen in Bad Reichenhall mit Zwiesel (l.) und Hochstaufen (r.).

Wir alle haben die mit den Zwangsmaßnahmen verbundenen Einschränkungen auf unsere Weise genutzt. Etwa mit langen Spaziergängen oder um „Haus und Garten“ wieder instand zu setzen. Auch genossen wir die Ruhe bei deutlich weniger Autoverkehr und strahlend blauem Himmel. Man hatte durchaus den Eindruck, dass sich die Natur und mit ihr auch wir selbst uns erholt haben.

Jetzt hat uns der Alltag wieder und hoffentlich auch die Rückkehr zur alten Normalität ohne Angst für eine gute Zukunft. Und natürlich steht auch der nächste Urlaub an, ob im schönen Berchtesgadener Land oder am sonnigen Strand.

Während der Corona-Krise waren auch in Bad Reichenhall die Geschäfte und Restaurants geschlossen.

Salzbergwerk Berchtesgaden: nach Wieder-Eröffnung gleich ausgebucht

 „Den Atem der Geschichte spüren“
Hygiene und Sicherheit im Focus –

Eigentlich ist hier in den Pfingstferien richtig Betrieb. Bus- und Reisegruppen begehren Eintritt in das Salzbergwerk Berchtesgaden, zumal bei bedeckten Himmel mit Tendenz zu leichtem Nieselregen. 2020 aber ist es anderes, die Besucher erleben die neue Normalität in Zeiten des Corona-Virus. Die Wartenden sitzen in kleinen Gruppen ruhig zusammen, selbst die Kinder sind leise, keine Reisegruppen und kaum internationale Gäste. In 16 Sprachen übersetzten Audio-Guides in normalen Zeiten die Führung. Sie sind aus Hygienegründen aktuell aber nicht im Einsatz.

Die Eingangs-, Laden- und Kassenpassage des Salzbergwerkes in Berchtesgaden wächst in die Länge. Sie wird um zwei neue Aussen-Kassen mit Überdachung erweitert. Aktuell, in Coronazeiten,  gibt es nur über Online-Reservierung die Karten. Fotos: Gerd Spranger

Seit Montag sind das Salzbergwerk Berchtesgaden und auch die Alte Saline in Bad Reichenhall wieder geöffnet. Man hat sich die letzten Wochen bei der Südwestdeutsche Salzwerke AG auf die neue Situation eingestellt und Vorkehrungen getroffen. „Nach den jüngsten gesetzlichen Verordnungen haben wir eine Gefährdungsbeurteilung – wegen SARS-CoV-2 und Covid-19 – im Betrieb vorgenommen“, erzählt Peter Botzleiner-Reber, Fachbereichsleiter Tourismus Bayern und für die regionale Presse zuständig. „Dazu zählen die bekannten Hygienemaßnahmen, Mundschutz und Abstand halten. Die Größe der Gruppen, die mit der Grubenbahn 600 Meter tief in den Berg einfahren, ist von 50 auf 20 Personen begrenzt“, erläutert er.

Karten für das Salzbergwerk Berchtesgaden gibt es nur mit Online-Reservierung

Ein ganz wesentlicher Baustein in dem neuen Konzept aber ist ein zwingender Erwerb der Karten im Onlineshop, die Kassen direkt beim Bergwerk sind geschlossen. „Der Anteil lag bei steigender Tendenz im Jahr 2019 bei etwa 25 Prozent. Jetzt geht es nur noch mit Reservierung. Dabei sind wir schon heute, am zweiten Tag unserer Wiedereröffnung nach einer dreimonatigen Corona-Zwangspause, bis zum Sonntag ausgebucht. Das liegt natürlich auch daran, dass wir den touristischen Betrieb mit nur 40 Prozent unserer Leistung fahren können. Doch die Sicherheit unserer Gäste und Mitarbeiter haben Vorrang.“

Auch im Salzbergwer Berchtesgaden gilt: Mundschutz und Abstand halten

Bereits am großen Parkplatz lässt das Unternehmen kontrollieren ob der Gast im Besitz eines Online-Tickets ist, um unnötigen Personenverkehr zu vermeiden. Auch im Ablauf hat sich einiges geändert, wovon nicht nur die farbigen Bänder am Boden im Abstand von 1,5 Metern zeugen.

„Im Shop dürfen sich gleichzeitig nur sieben Personen aufhalten. Das Überziehen des Overalls als Schutzkleidung haben wir jetzt ins Freie verlegt“, erläutert Peter Botzleiner-Reber. In wenigen Wochen folgen im Außenbereich zwei neue überdachte Kassen. „Auch das wird helfen die Besucherströme im Sommer zu entzerren. Für Reisegruppen wird es einen „Fast-Line-Zugang“ geben.“ Doch wichtig ist ihm etwas ganz anderes.

Alte Saline und Salzbergwerk
Wegbereiter der Geschichte

„Wir sind seit 1517 ein aktives Bergwerk und kein Museum, in welchem seit über 500 Jahren kontinuierlich gearbeitet wird“. Das ist weltweit einzigartig und zugleich ein großes Stück Berg- und Industriegeschichte, denkt man auch noch an die Alte Saline in Bad Reichenhall. Städte wie Traunstein und Rosenheim haben über Jahrhunderte hinweg mit dem Salz gelebt und sind damit gewachsen. Zeitgeschichtlich hängt die Gründung von München und selbst auch von Salzburg eng mit der Salzgewinnung in Bad Reichenhall zusammen. Bis heute erleben wir es hier „zum Anfassen“, direkt vor unserer Haustüre. In Berchtesgaden das aktive Salzbergwerk und in Bad Reichenhall ein Industriedenkmal und eine ‚Salz-Geschichte‘, die weit über tausend Jahre zurück reicht, und darauf können wir alle stolz sein.“

Peter Botzleiner-Reber vor dem Eingangsbereich des Salzbergwerkes in Berchtesgaden. Das Tragen eines Mund-Nasenschutzes ist für die ganze Zeit der Besichtigung verpflichtend.
Peter Botzleiner-Reber vor dem Eingangsbereich des Salzbergwerkes in Berchtesgaden.

Es ist vielleicht gerade dieser „Atem der Geschichte“, den die Besucher bei der Einfahrt in den Berg oder auf ihren Gang hinab zum Quellenbau spüren und die Faszination Salzbergwerk ausmachen, über Generationen hinweg. Beliebt und wegen des Fotos unvergessen ist die Rutsche. Die besondere Atmosphäre, die Mystik des Berges aber, spürt der Besucher in der Salzkathedrale, in der Steinsalzgrotte, im magischen Salzraum und bei der Floßfahrt über den Spiegelsee mit faszinierenden Lichteffekten.

Gibt es noch freie Campingplätze?

Spagat zwischen Beschränkungen
und laufendem Betrieb

Das Campingjahr läuft 2020 nur zögernd an, in Bayern ist das touristische Campen erst wieder seit dem 30. Mai erlaubt, in allen anderen Bundesländern sind die Campingplätze unter Auflagen bereits seit ein bis zwei Wochen geöffnet. Grundvoraussetzung für das Campen ist ein autarker Wohnwagen oder Wohnmobil. Es muss also über eine eigene Sanitäreinrichtung verfügen. Damit sind die Schranken für einfaches Zeltcamping noch geschlossen, sie bleiben noch ein Opfer der Coronakrise. Laut ADAC verdoppelte sich die Anzahl der Buchungen im Mai gegenüber dem sonst stärksten Buchungs-Monat Januar. Wie sieht die Situation im Berchtesgadener Land und im Chiemgau aus. Die Redaktion hat sich umgehört.

„Einfaches Campen“ bietet der Platz Staufeneck zwischen Piding und Bad Reichenhall. Aktuell fehlen noch die Zelte und Durchreisenden, bedauert die Betreiberin.

Der Wohnmobilstellplatz in Bad Reichenhall war auch über das Pfingstwochenende kaum halb belegt. Zwei Wohnmobilisten nächtigten bereits eine Nacht vor Eröffnung in Bad Reichenhall, um sich gleich am Samstag einen Platz zu sichern. Ihre Sorge war unbegründet, der Ansturm blieb aus. Sicher ist die Nähe zur Rupertustherme für viele Gäste ein Entscheidungsgrund für ihren Urlaub, doch die bleibt die nächsten Wochen noch geschlossen. Bei vielen Menschen ist Vorsicht und eine gewisse Unsicherheit in der abflauenden Corona-Pandemie spürbar. Auch Anton Lenz vom Campingplatz Grafenlehen hätte sich mehr Ansturm erwartet. „Die Medien haben von einem richtigen Hype gesprochen, und entsprechend groß war unsere Erwartung. Wir haben aber noch viele Plätze frei, wenn auch die Buchungsanfragen sehr hoch sind.“

Alle Plätze informieren auf ihren Webseiten zu den Einschränkungen, etwa der Maskenpflicht oder die eingeschränkte Nutzung von Sanitäranlagen bis hin zur gänzlichen Schließung von öffentlichen Duschen und Toiletten. Manche von ihnen, wie etwa der Campingplatz Ortnerhof in Ruhpolding, belegt den Platz nur bis 50 Prozent und gibt einen Mindestaufenthalt von fünf Tagen in Zeiten des Coronavirus vor, informiert die Familie Bichler. Dabei sind von den 180 Parzellen ein Drittel mit Dauercampern belegt.

Vom einfachen Camping hin zum Glamping

Etwas versteckt liegt der Campingplatz Staufeneck, an der Gemeindegrenze zwischen Piding und Bad Reichenhall. 98 Stellplätze zählt er, davon sind 20 mit Dauercampern belegt. „Wir haben viele Zeltcampern und nicht wenige machen nur für einen Tag Station auf den Weg in den Süden“, erzählt Melanie Schön. Von einem Run auf die Plätze merkt sie nichts, im Gegenteil. „Die Einschränkungen für die Zelte als auch die geschlossenen Grenzen treffen uns sehr, wir sind nicht einmal zur Hälfte belegt.“

Eindrucksvoll mit naturgewaltigem Panorama wirbt der Campingplatz Allweglehen auf seiner Webseite. Der Trend geht hin zum „Glamping“, der Luxusvariante des Campens.

Das Gegenteil vom einfachen Campen bietet etwa der 5-Sterne-Platz in Waging am See. Er ist zu 80 Prozent ausgebucht und am letzten Pfingstwochenende sind nur noch Restplätze zu haben. „Unsere sanitären Einrichtung sind zur Gänze geöffnet, informiert der Betreiber Nikolaus Jebinger. „Duschen in größeren Gruppen geht natürlich nicht, doch wir haben abgetrennte und gut belüftete Zellen, so dass beste Hygienevoraussetzungen gegeben sind.“ Mit 650 Parzellen zählt der Platz zu den größten in Bayern. „Vielleicht liegt die hohe Nachfrage an der direkten Nähe zum Waginger See“, spekuliert Jebinger. „Das Freibad öffnet aber erst am 8. Juni wieder.“

Investitionen rechnen sich

Auch in Berchtesgaden gibt es ein Camping-Delux beim Allweglehen. Den Gästen können ein umfassendes Outdoorprogramm nutzen, sowie Wellnessangebote und über das normale Camping hinaus ein luxuriöses Glamping. Dafür stehen kleine Ferienhäuser wie Chalets, Woodlodges, großräumige Campingfässer und seit 2020 kleine Almkaser bereit. Allesamt sind sie mit Terrasse und bester Aussicht versehen. Damit bleibt das gesamte Camping-Equipment zuhause, denn die Gäste reisen einfach an, finden vor Ort alles in bester Ausstattung und im Resort eine komplexe Infrastruktur für den Urlaub. Investitionen, die sich bezahlt machen, denn der Platz ist über die gesamten Pfingsferien hinweg so gut wie ausgebucht. Camping-Delux beim Allweglehen erstreckt sich über acht Hektar, weist 167 parzellierte Plätze aus, 25 freie Zeltplätze, 28 separate Wohnmobilstellplätze und 15 Mietunterkünfte mit 58 Betten. Im Jahr bringt es der Platz auf 100.000 Übernachtungen. „Wir sind bis September ausgebucht“, freut sich der Betreiber und Inhaber Thomas Fendt. „Der Anteil von ’normalen Campern‘ zur Deluxvariante liegt derzeit bei etwa 50 Prozent mit steigender Tendenz.“ Der Wellness-Sauna-Bereich und der Pool öffnen am achten Juni wieder. Zielgruppe sind für Fendt die jungen aktiven Menschen. In der Urlaubszeit Familien und in der Vor- und Nachsaison die Rentner.

Seit 40 Jahren immer im Berchtesgadener Land

Gute Lage, direkt am Saalach-Radweg und der Therme ist es nicht weit in die Innenstadt von Bad Reichenhall.
Der Wohnmobil-Stellplatz in Bad Reichenhall liegt direkt am Saalach-Radweg und zur Rupertus-Therme und in die Innenstadt ist es nicht weit. Georg und Regina vor ihrem Oldtimer-Wohnmobil.

Bei unserer Rundreise zu den Campingplätzen haben wir das Ehepaar Georg und Regina getroffen. Sie sind klassische Camper und reisen seit 25 Jahren mit ihrem Wohnmobil durch ganz Europa. Jedes Jahr aber stehen bei ihnen einige Tage in Bad Reichenhall auf dem Programm, seit 10 Jahren ist es der Wohnmobilstellplatz an der Rupertustherme. Früher reisten sie mit der ganzen Familie an und die längst erwachsene Tochter verbrachte ihren ersten Urlaub mit ihrem Lebenspartner ebenfalls in der Alpenstadt. Die Region zwischen Berchtesgaden, Salzburg und Chiemsee ist ihnen vertraut, zur zweiten Heimat geworden. „Zum ersten Mal bin ich als junger Mann mit 17 Jahren zu einer Atemwegs-Kur in Bad Reichenhall gewesen. Das ist 45 Jahre her, erinnert sich Georg, der heute in Frührente ist und seit 40 Jahren mit Regina verheiratet. „Wir haben es zuhause in Wackersdorf, 43 Kilometer nördlich von Regensburg, auch sehr schön. Doch der Reiz der Berge und der alpine Charme der Landschaft lassen uns nicht los.“ Gut gefällt ihnen die Lage des Stellplatzes direkt an der Saalach und die Innenstadt von Bad Reichenhall mit der großen Fußgängerzone und den vielen Parks.

Der Trend hin zum Camping hält seit Jahren an und dürfte durch die aktuelle Coronakrise noch verstärkt werden. 2019 zählte diese Urlaubsform knapp 36 Millionen Übernachtungen. Das waren 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Knapp 87 Prozent der Camper kamen aus Deutschland, so der ADAC.

Bürgertelefon: 6700 Anfragen in neun Wochen

– Zentrale Nummer am Landratsamt
– Vom Shutdown bis zum Startup

Die Diplom-Sozialpädagogin Petra Neubauer ist beim Landratsamt Berchtesgadener Land beschäftigt und an der Staatlichen Berufsschule Berchtesgadener Land in Freilassing für die Jugendsozialarbeit zuständig. In den letzten neun Wochen aber verlegte sie ihren Arbeitsplatz direkt in das Landratsamt in Bad Reichenhall und arbeitete für das Bürgertelefon der Führungsgruppe Katastrophenschutz. Der Umgang mit Menschen, ihren Nöten und Anliegen ist ihr vertraut und so war sie zusammen mit weiteren Kolleginnen Ansprechpartnerin für das Bürgertelefon, wo vom 16. März bis zum 17. Mai Ratsuchende in der Coronakrise Hilfe fanden. Insgesamt nutzen 6700 Anrufer diesen Service, an Spitzentagen waren es über 600 Anrufe täglich und bis zu vier Telefonplätze besetzt.

Entlastung für das Gesundheitsamt

Viel Hilfe in der Corona-Krise leistete das Landratsamt Berchtesgadener Land. Von links: FüGK-Leiter Thomas Schmid, Diplom-Sozialpädagogin Petra Neubauer, stv. Pressesprecher Stefan Neiber,

Für Thomas Schmid, Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) am Landratsamt eine unverzichtbare Einrichtung. „Wir haben das Bürgertelefon mit bis zu vier zeitgleich besetzten Arbeitsplätzen zum ersten Mal im Januar 2019, als die großen Schneemengen vor allem im südlichen Landkreis den Katastrophenfall auslösten, eingerichtet. Das Landratsamt mit seiner zentralen Nummer wäre mit der Vielzahl der Anrufe jetzt zur Corona-Pandemie ebenso überfordert gewesen, wie das Gesundheitsamt.“

Am Tagesbeginn stand für Petra Neubauer und ihr Team zuerst eine kurze Besprechung mit den Bereichsleitern an, um immer auf dem ganz aktuellen Stand zu sein. Die Diplom-Sozialpädagogin erinnert sich an den ersten Tag. Ministerpräsident Markus Söder hatte am 16. März die verhängten Maßnahmen der Bayerischen Staatsregierung zur Eindämmung des Virus beschlossen und in einer Erklärung über die Medien verbreitet. „Sofort liefen bei uns die Telefone heiß. Es war ja quasi ein Vorgriff auf den Shutdown, der eine Woche später erfolgte. Wir waren zu dieser Zeit im Detail nicht informiert, es war schwierig. Künftig aber ließen wir keine Regierungserklärung des Ministerpräsidenten zu den Maßnahmen aus.“

Wie funktioniert die Gesundheitskette

„Es waren vor allem die mehrfachen Änderungen, von der Verschärfung im Lockdown und die langsame Lockerung, die häufig zu Fragen und Verunsicherungen führten,“ erzählt Petra Neubauer. „Besonders in den ersten Wochen meldeten sich Bürger, die sich bereits bei Halsschmerzen oder einer leichten Erkältung sorgten an dem Virus Covid-19 erkrankt zu sein. Es herrschte auch noch Unsicherheit, wie die Gesundheitskette funktioniert, etwa ob nun der Hausarzt konsultiert werden soll oder nicht.“

Ein besonderer Fall war für Neubauer etwa der Anruf einer älteren Dame, die unter Einsamkeit litt und sich mit einer guten Bekannten auf eine Tasse Kaffee treffen wollte. „In der Wohnung war das bei der Kontaktbeschränkung zu der Zeit nicht möglich. Wir haben ein Treffen im Kurpark arrangiert.“

„Wichtig war für diese Zeit im Landratsamt immer den richtigen Ansprechpartner zu haben. Das schaffte Vertrauen und gibt Sicherheit,“ ergänzt Stefan Neiber, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamtes. Die Fragen rund um die Beschränkungen und Lockerungen um die Corona-Pandemie sind ein Spiegel der letzten Wochen. „Viel Unmut rief etwa die Sperrung der Wanderparkplätze hervor. Es gab zu dieser Zeit die einzigen Anrufe, bei denen die Anrufer persönlich wurden, ihren Unmut freien Lauf ließen“, erinnert sich Neubauer.

Nur mit Liebesbrief nach Salzburg

In den letzten Tagen gab es noch viele Fragen zur Öffnung der Grenzen, wann, wie und wo man nach Salzburg fahren darf. „Dabei gibt es aktuell eine Besonderheit,“ erzählt die Sozialpädagogin schmunzelnd. „Einen Freund oder eine Freundin darf man nur mit einem „Liebesbrief“ besuchen, als eine Art persönlicher Einladung. Auch müsse mit der gemeldeten Adresse nachgewiesen werden, dass die Person auch in Österreich wohnhaft ist.“

Mit der Zeit habe man ein gutes Gespür für die Menschen und diese besondere Situation entwickelt. Selbst nach Dienstschluss oder an freien Tagen hielten sich die Mitarbeiter vom Bürgertelefon über die aktuellen Entwicklungen am Laufenden. Manche Anrufer suchten kurze und schnelle Auskunft, andere brauchten Zeit, jemanden zum Reden. „Auch die haben wir uns genommen“, versichert Neubauer.

Kein Fall in den Asylunterkünften

Thomas Schmid freut sich, dass es in den Asylunterkünften im Landkreis keinen Coronafall gegeben hat. Vorsichtig optimistisch blickt er in die Zukunft. „Nachdem jetzt die Gastronomie unter Einschränkungen wieder geöffnet ist, folgen am 30. Mai die Hotels und damit läuft der Tourismus vorsichtig wieder an. Am 15. Juni sind auch die Grenzen nach Österreich und in andere EU-Länder wieder offen. Wir hoffen die Lage entspannt sich weiter und wir erleben keine zweite Welle“, so der FüGK-Leiter. Dann aber sei man gut gerüstet und mit ausreichend Material versorgt, ergänzt er.

Geholfen habe das gut eingespielte Team im Katastrophenschutz, das die letzten Jahre bereits mehrere Male aktiv war. Das ermöglichte schnelle Hilfe, vor allem dort wo sie nötig war, etwa bei den Senioreneinrichtungen. Rettungskräfte, Feuerwehr und THW haben ‚Hand in Hand‘ gearbeitet, ebenso alle weiteren beteiligten Kräfte wie die Bayerische Polizei, Bundespolizei, Bundeswehr und alle Mitglieder der Führungsgruppe Katastrophenschutz am Landratsamt.

Schnelle Hilfe über die Organisationen hinweg

„Eine gute Logistik ist eine Sache und absolut notwendig. Eine schnelle Umsetzung über verschiedene Organisationen hinweg eine ganz andere. Das aber funktioniert hervorragend. Wir treffen uns als Team vom Katastrophenschutz mehrmals im Jahr führen auch gemeinsame Übungen durch. Letztlich aber ist man auf meterhohe Schneemassen oder auf dreimonatige Ausnahmesituationen wie jetzt bei der Corona-Pandemie nicht wirklich vorbereitet. Was zählt ist ein schnelles und gutes menschliches Miteinander.“

Für Petra Neubauer geht der Arbeitsalltag jetzt wieder in der Berufsschule Freilassing weiter. „Das ist irgendwie durchgesickert und am ersten Tag fragten gleich fünf Schüler um ein persönliches Gespräch an. Die Folgen von Corona, der Isolation und Wegfall des öffentlichen Lebens bis hin zum Shutdown der Sportvereine, zeigt Spuren bei den jungen Menschen. Zwei von ihnen erzählten von einem richtigen Corona-Kollaps nach zwei Wochen. Ich bin gespannt, was da noch auf mich und unsere Gesellschaft zukommt.“

„An Urlaub ist in diesen Wochen nicht zu denken“

– Landrat Bernhard Kern zwei Wochen im Amt
– Die laufenden Geschäfte weiter voran bringen

Landrat Bernhard Kern ist gerade mal seit zwei Wochen im Amt und hat längst einen vollen Terminkalender. Vieles drehte sich natürlich um die aktuelle Entwicklung der Situation um den Coronavirus, wo das Landratsamt die zentrale Steuerungsstelle des Krisenstabes ist. Jeden Tag ist eine Besprechung in der Führungsgruppe Katastrophenschutz, der FüGK, angesetzt. Schon im April war Bernhard Kern mehrfach bei den Sitzungen des FüGK dabei, pendelte häufig zwischen dem Rathaus in Saaldorf-Surheim und dem Landratsamt. „An Urlaub war und ist in dieser herausfordernden Zeit nicht zu denken“, bekennt Kern. „Glücklicherweise entspannt sich die Situation jetzt“, ergänzt er.

Bernhard Kern ist überzeugt von der Kraft des Teams, das aus Ärzten, Gesundheitsexperten aus den Kliniken, Helfern der Freiwilligen Feuerwehr, den Rettungsdiensten, der Bundeswehr und der Landes- und Bundespolizei besteht. Eine zentrale Rolle in der Coronakrise nimmt das Bürgertelefon ein, bei dem an Spitzentagen bis zu 360 Anrufe eingingen. Vier Mitarbeiterinnen des Landratsamtes nahmen sich der Nöte und Sorgen an. Ergänzend dazu ist eine „Corona-Hotline“ der Bayerischen Staatsregierung geschalten.

26 Jahre lang ein Teamleader

Der neue Landrat Bernhard Kern macht einen entspannten Eindruck bei unserem Gespräch, hat den Termin kurzfristig zwischen rein geschoben. Sechs Jahre als Bürgermeister von Saaldorf-Surheim und 20 Jahre Selbständigkeit haben ihm einen guten Umgang mit Stress gelehrt. Er pflegt eine offene Kommunikation und setzte dafür ein erstes Zeichen. Alle kommunalen Verwaltungen des Landkreises erhielten eine aktuelle Liste mit den Kontaktdaten und Ansprechpartnern für die einzelnen Bereiche im Landratsamt.

„Bei allen Kommunen werden die gleichen Fragen gestellt, vor allem jetzt im Hinblick auf die Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Da ist es hilfreich zu wissen, wo man anrufen kann, und bei Bedarf wird die entsprechende Nummer an den Bürger weitergegeben. Sie ist zwar auch so zu finden, doch ein wenig Hilfe dabei schadet nicht und die Menschen sollen wissen, dass wir als Behörde für sie da sind.“

Hilfe durch BGLT und Wirtschaftsservice

Auch wenn sich die Lage insgesamt beruhigt, so nimmt sie in der Hotellerie und Gastronomie sowie bei vielen Wirtschaftsbetrieben an Dramatik zu. Landrat Bernhard Kern ist dankbar für die BGLT (Berchtesgadener Land Tourismus GmbH) und den Wirtschaftsservice des Landkreises. „Hier gibt es eigene Hotlines und die Bedarfe nach Hilfe und Unterstützung sind hoch. Erst am Mittwoch gab es ein enges Krisengespräch mit den Geschäftsführern und auch ein Treffen mit den Bürgermeistern des Landkreises. Das alles gehört zu den festen Terminen von Bernhard Kern.

„Im Hintergrund laufen zudem sämtliche anderen Bereiche weiter“, so der Landrat und nennt Verkehrsprojekte wie das Alltagsradwegenetz, Nahverkehr, ÖPNV und Schiene. „Klimaschutz und die Energiebilanz des Landkreises werden voran getrieben und natürlich kümmern wir uns um die Schulen“, ergänzt Kern. Selbst der Neubau des Landratsamtes braucht eine Neubewertung des Raumkonzeptes. „Die Krise hat uns gezeigt, dass viel mehr Homeoffice möglich ist, als viele geglaubt haben. Nach anfänglicher Skepsis hat sich das gut eingespielt.“

Der Alltag muss auch
im Landkreis wieder anlaufen

Im März 2020 war die Wahl um den neuen Landrat im Berchtesgadener Land noch nicht entschieden. Bernhard Kern zeigte sich zuversichtlich.

Verstärkt werde künftig die Besetzung des Gesundheitsamtes. „Der Leiter fiel in den letzten Wochen aus, seine beiden Vertreter aber haben einen guten Job gemacht. Es wird hier Neubesetzungen geben und darüber hinaus die Stelle eines Veterinärs geschaffen“, informiert Bernhard Kern.

Den Mitarbeitern des Landratsamtes stellt er ein gutes Zeugnis aus. „Das Haus ist gut bestellt, die Bediensteten arbeiten konstruktiv zusammen. Wichtig ist, dass am Ende etwas Sinnvolles und Zielführendes heraus kommt, und das tut es in der Regel. Die Chemie untereinander stimmt.“

Die Grenzöffnung muss noch warten

Kaum sind wir mit unserem Interview fertig, bricht Bernhard Kern zu einem nächsten Treffen mit dem Landrat von Traunstein auf. Persönlich hat er sich bereits in der Causa Grenzöffnung an das Innenministerium sowie an die Bayerische Staatsregierung gewandt und steht auch mit Landesrat Stefan Schnöll im engen Kontakt.