Archiv der Kategorie: freilassing

Staatsforsten fahren Verlust ein

Verlust von 2,13 Millionen Euro
Gefallene Holzpreise in Deutschland
Aufarbeitung der Waldschäden 

Was es neues in unseren Wäldern gibt, darüber informiert Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten. Der Verwaltungsbereich erstreckt sich auf das Berchtesgadener Land und die Landkreise Traunstein auf 28.400 Hektar, die Hälfte davon ist Schutzwald. Dieses Jahr jedoch hatte er die Situation der Wälder in ganz Deutschland im Blick, was in den herausragenden Dürrejahren 2018 und 2019 begründet ist. „Wir verzeichnen bei uns zwar durchgängig eine Klimaerwärmung von knapp zwei Grad, doch das verkraften die Wälder. Nicht aber große Dürren, die vor allem in Nordbayern und Mitteldeutschland zu massiven Schäden, vor allem der starken Ausbreitung des Borkenkäfers führten. Bei uns war die Lage hingegen stabil, wir hatten in den Alpen wassergesättigte Böden.“

Dr. Daniel Müller zeigt die Dürrezeiten und betroffenen Regionen in den Jahren 2018 bis 2020 auf. – Foto: Gerd Spranger

Kopfzerbrechen bereiteten darum stark gefallene Holzpreise wegen der Gesamtsituation in Deutschland.. „Die massiven Schäden der Schneekatastrophe im Januar 2019 arbeiteten wir mit viel Aufwand und hohen Kosten bis in den Herbst 2020 hinein auf. Einen großen Teil der unter der Schneelast gebrochenen und gesplitterten Bäume konnte nur noch zu Hackschnitzel verarbeitet werden, um dem Borkenkäfer seinen Brutraum zu entziehen. „Der erzielte Preis dafür lag deutlich unter den dafür nötigen Aufwand.“ Für das Sägeholz waren die Preise ebenfalls niedrig.“ Allerdings, schränkt der Forstbetriebsleiter ein, „erzielten wir durch langfristige Verträge noch 70 Euro je Festmeter. Manche Private mussten für 25 Euro verkaufen, bei stabilen Märkten liegt der Preis bei 100 Euro.“

Das führte für das Geschäftsjahr 2020 bei den Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden zu einem Minus von 2,13 Millionen Euro. Bis auf eine Ausnahme (2018) erzielte das Unternehmen die letzten acht Jahre immer Gewinne. „Unter dem Strich aber“, so Dr. Daniel Müller, „haben wir in den letzten neun Jahren einen jährlichen Gewinn von 0,56 Millionen Euro erwirtschaftet.

Man täte den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) aber Unrecht, reduzierte man sie auf ihre reine Wirtschaftlichkeit. „Die BaySF so wertvoll wie nie!“, wählte Müller als Motto der Bilanzpressekonferenz 2020. Und die Beseitigung der Schäden in den Wäldern war alternativlos. Bei der Holzausbeutung werde man sich die nächsten Jahre bewusst zurückhalten. „Mit 103.400 Kubikmetern Ausbeute werden wir deutlich unter dem natürlichen Holzzuwachs von 158.000 Kubikmeter im Jahr liegen“, führt er aus. Der Wald muss sich wieder erholen, leistungsfähig sein und seine Schutzfunktion erhalten. Eine Basis dafür ist der Bestand an Tannen. „Ihr Anteil sollte bei 30 Prozent liegen, tatsächlich macht er je Region aber nur zwischen drei und sieben Prozent aus. Vor allem Tannen im mittleren Alter fehlen meistens komplett. Mut aber mache die aktuelle Entwicklung. Die Zahl der Jungtannen bis fünf Meter Höhe ist von 5,2 Millionen auf 12,9 Millionen gestiegen. 540.000 Tannen wurden die letzten 14 Jahre für insgesamt zwei Millionen Euro gepflanzt und ihr Anteil am Gesamtbestand ist von fünf auf sieben Prozent gestiegen.

Auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber machte sich persönlich ein Bild von den durch Schneebruch verursachten Schäden im Berchtesgadener Land.

Mit 51 Prozent bleibt die Fichte der dominierende Baum im Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein. Mit 20 Prozent ist die Buche ebenfalls stark vertreten. Zwischen sechs und acht Prozent entfallen auf Kiefer, Tanne und Lärche. Ein Nischenbaum ist die Zirbe und auch die Eibe. Für sie werden die Geodaten erhoben und an einem eigenen Pflanzprogramm gearbeitet. Für die Douglasie sieht Dr. Müller vor allem im Alpenraum keine Zukunft, wenn in ausgewählten Lagen auch einige gepflanzt werden. Ebenso werde die Libanonzeder vereinzelt gesetzt.

Als besondere „Ökologische und Gesellschaftliche Leistung“ der Staatsforsten nannte Dr. Müller die Adlerfütterung im Lattengebirge. Die Umstellung auf bleifreie Munition zum Schutz von Adler, Gänse- und Bartgeier ist zum 01. Januar abgeschlossen. Das sei wichtig, da der Nationalpark 2021 die Auswilderung von Bartgeiern betreiben will. „Wir unterstützen das, sammeln bereits jetzt Futter in Säcken von zwei bis fünf Kilo und frieren sie bis zur Ausbringung ein“, so Müller. Für ein verstärktes Monitoring des Gamswildes arbeiten die Bayerischen Staatsforsten eng mit den Jagdbehörden und dem Bayerischen Jagdverband zusammen. „Wir hatten dabei wissenschaftliche Unterstützung von einem Schweizer Biologen und wollen sicherstellen, dass der Bestand an Gämsen in der Region gehalten wird.“

Hans Berger, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, macht sich vor Ort ein Bild über die Population an Gämsen.

Leuchtturmprojekte des Allgemeinwohls waren 2020 die Eröffnung eines Moosobservatoriums im Ainringer Moos. „Viele seltene Vögel sind zu beobachten, denn das Moor dient auch als Rastplatz für Zugvögel,“ Ebenso die Freigabe der Weißbachschlucht, die nun wieder für Besucher geöffnet ist. „In enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Schneizlreuth wurden viele Bauwerke erneuert und der Weg ertüchtigt.“

Das neu errichtete Observatorium im Ainringer Moos.

Besonders freut sich Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller über die Auszeichnung als „UN-Dekade Biologische Vielfalt für den Biodiversitäts Hotspot Gaßalm“ an den Ausläufern des Staufens. „Wir haben hier einen engagierten Förster, der das Moor und die Feuchtwiesen über Jahrzehnte gepflegt und so eine große Pflanzenvielfalt erhalten hat. Ohne diese Arbeit wäre die Wiese verbuscht und die Vielfalt verschwunden,“ führt Dr. Müller aus. Ebenso ging er auf den Jagderfolg am Fortsbetrieb Berchtesgaden ein. Ein eigener Bericht folgt.

Bei Neupflanzungen werden häufig vier verschiedene Baumarten ausgebracht.

Soziale Spannungen verschärfen sich

Caritas-Schuldnerberaterin Ania Winter
registriert einen deutlichen Anstieg
in der Sozialberatung

Ania Winter vor der Caritas-Beratungsstelle in Bad Reichenhall – Foto: Gerd Spranger

Eine zentrale Anlaufstelle für Menschen in Not ist die Soziale Beratung der Caritas für die Region Berchtesgadener Land. Dabei hat die Not viele Gesichter und schleicht sich häufig auf leisen Sohlen ins Leben. Es sind die Verbraucherinsolvenzen, mit denen die Caritas konfrontiert wird, denn Firmeninsolvenzen zählen nicht zu ihrem Bereich. „Und hier stehen demnächst gesetzliche Änderungen, wie etwa eine Restschuldbefreiung nach drei Jahren, in greifbarer Nähe. Das lässt viele Menschen mit der Antragstellung noch warten“, erläutert Ania Winter, die als Fachdienstleitung der Gemeindeorientierten sozialen Arbeit und damit auch für die Schuldner- und Insolvenz-Beratung der Caritas Berchtesgadener Land zuständig ist.

Anstieg um 25 Prozent

Zugenommen habe der Bereich ‚Allgemeine Sozialberatung‘ im Landkreis mit bis zu 300 Menschen in der Beratung. „2020 werden es knapp 400, also 25 Prozent mehr sein“, schätzt Ania Winter die Lage ein. “Zunehmend suchen Menschen Hilfe, die normaler Weise gut im beruflichen und sozialen Leben integriert sind, auch ältere Menschen. Dabei sind die Ursachen vielfältig und werden durch die Corona-Maßnahmen verschärft.“

Zunächst trifft es viele, die aufgrund der Kurzarbeiterregelung auf etwa 30 Prozent ihres Einkommens verzichten müssen. „Das ist über mehrere Monate gesehen ein erheblicher Einbruch. Bei laufenden Krediten für Autos oder Konsumgütern kann dies schnell Probleme verursachen, auch wenn häufig eine Stundung von drei Monaten erwirkt werden kann. Dann aber ist in der Regel die ganze Summe fällig und diese Hürde können viele nicht nehmen“, erklärt die Schuldnerberaterin. „Auch sind Familien zur Haltung des Lebensstandards oft auf einen Zuverdienst aus einer geringfügigen Tätigkeit angewiesen. Sie sind häufig im Bereich Gastronomie, Hotellerie, Reinigung und Tourismus beschäftigt, und dieses Zusatzeinkommen fällt dann ersatzlos weg.“

Herausforderungen:
„Unmittelbar, handfest, konkret“

Selbst die vorübergehende Schließung von Ämtern oder der Agentur für Arbeit für den Personenverkehr wirft Probleme auf. „Eine Onlineberatung ist nicht das Gleiche. Manche Menschen brauchen den persönlichen Kontakt, die persönliche Hilfe. Und sei es nur für Kleinigkeiten wie das Einscannen von Dokumenten oder nötige Ausdrucke“, weiß sie aus vielen Gesprächen. „Finanzielle Herausforderungen zeigen sich unmittelbar, sind handfest, konkret und klar erkennbar. Ein anderer Bereich aber wiegt oft schwerer, die psychischen Belastungen, die die Betroffenen nicht alleine bewältigen können.“

Schleichende Vereinsamung

„Vereinsamung und Depressionen sind ein schleichender Prozess, geschehen unmerklich, wird von den Betroffenen selbst kaum wahrgenommen,“ so Ania Winter. „Es sind manchmal sogar Nachbarn, Familienangehörige oder Freunde, die uns auf Menschen aufmerksam machen, die sich immer mehr zurückziehen, vereinsamen. Mit ihrer Erlaubnis suchen wir dann einen ersten telefonischen Kontakt um zu helfen. Es sind die kleinen Dinge die fehlen und das Leben aktuell erschweren. Das kurze Gespräch beim Einkaufen, beim Spazieren gehen oder gesellschaftliche Anlässe. Das alles findet unter eingeschränkten Bedingungen statt, viele Menschen sind zudem verängstigt. Die Kontaktpflege von ‚Mensch zu Mensch‘ ist gestört und wird es jetzt auch zu Weihnachten und zur Jahreswende.“

Ania Winter nennt als positives Beispiel regionaler Hilfe das Corona-Projekt der „Aktion Mensch“, das von den Pfarreien und der Caritas mit getragen wird und noch bis zum 31. Dezember läuft. „Vor allem in jenen Wochen, als selbst die Tafeln geschlossen hatten, konnten wir schnell und unkompliziert helfen. Sachspenden von etwa 3000 bis 4000 Euro wurden an Bedürftige ausgegeben.“ Und noch etwas beobachten Ania Winter und ihre Mitarbeiter des Caritaszentrums: „Die Leute sind sparsamer geworden und reagieren so auf die anhaltenden Einschränkungen und die Lockdowns.

Alltag zusehends belastet

Sie fürchtet, dass diese Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. „Wäre es nur für ein paar Wochen, könnten wir die Defizite wohl gut kompensieren. Vom 14. Oktober, mit den ersten Beschränkungen für das Berchtesgadener Land, bis zum 10. Januar aber leben wir erneut drei Monate mit massiven Beschränkungen. Essen gehen mit der Familie, ein Konzert oder Kino besuchen, in der Therme entspannen, feiern mit Freunden, alles das bringt Farbe und Lebensfreude in unseren Alltag“, fasst Ania Winter das Runterfahren des öffentlichen Lebens zusammen und ergänzt:

Die Folgen werden andauern

„Die Caritas-Beratungsstelle kann zwar als Ansprechpartner und Unterstützer zur Verfügung stehen, ersetzt aber nicht den zwischenmenschlichen Kontakt, der gerade für Menschen am Rande der Gesellschaft oft nur der einzige positive Aspekt im Leben ist. Wenn dann für viele Mitbürger wieder weitgehende Normalität in den Alltag zurückkehren wird, bedeutet das für die Soziale- und Schuldner-Beratungsstelle, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie dort noch lange in Form von erhöhtem Bedarf an Beratung und Unterstützung nachwirken werden“, ist sich Ania Winter sicher.

Probleme mit hohen Mieten

Die Einschätzungen von Ania Winter bestätigt Sabine Schuster von der Erzdiözese München für ganz Oberbayern. „Seit Sommer sind der Beratungsbedarf und die Hilfen deutlich angestiegen. Im Großraum München wirkt sich zunehmend auch das hohe Mietniveau aus. Fällt ein Zusatzeinkommen weg, sind die finanziellen Lasten häufig nicht mehr zu tragen.“

LESEN SIE MEHR:
Ania Winter ist heute zweite Bürgermeisterin von Bad Reichenhall.
Im Februar 2020 empfahl sie sich für die FWG  als Oberbürgermeisterin. Lesen Sie mehr: https://meinreichenhall.wordpress.com/2020/02/02/es-ist-zeit-fuer-einen-politischen-neuanfang/

„Wenn Du kein Geld mehr verdienen darfst“

Berufsmusiker Klaus Mehlig:
„Die staatlichen Hilfen greifen nicht“

Eigentlich ist Klaus Mehlig ein lebensfroher und bejahender Mensch. Er ist Berufsmusiker, Alleinunterhalter und tritt seit Jahrzehnten auch in wechselnden Arrangements mit Kollegen auf. Klaus sorgt für Stimmung, für gute Musik und Unterhaltung. Doch 2020 sieht er sich zunehmend mit einem Berufsverbot konfrontiert. Er darf nicht mehr auftreten. Die Konzerte sind abgesagt, auch viele Hochzeitsfeiern für die er gebucht war. Der zweite von der Regierung verhängte Lockdown und das weitgehend stillgelegte öffentliche Leben trifft ihn voll.

Klaus Mehlig, wie ihn seine Fans lieben.
Klaus Mehlig, wie ihn seine Fans lieben.

„Bereits der erste Lockdown von März bis in den Mai hinein haben Erspartes aufgezehrt. Jetzt zieht sich der zweite Lockdwon im Berchtesgadener Land bereits von Oktober bis zu Weihnachten hin. Wieder drei Monate keine Einnahmen und auch keine finanzielle Hilfen.“ Einmalig konnte Klaus Mehlig 5000 Euro in Anspruch nehmen, doch das reichte nicht mal für betrieblichen Ausgaben von zwei Monaten. Lebenshaltungskosten lassen sich mit Kleinaufträgen nicht decken, dazu ist finanzielle Unterstützung seiner Familie und von Freunden nötig. Jetzt gibt es seit dem 14. Oktober keine Hilfen für ihn, für den kleinen Soloselbständigen. „Die Leute sagen zwar häufig, dass wir eh alle Geld bekommen. Doch das stimmt ganz einfach nicht. Wir haben quasi ein Berufsverbot, mussten alle gebuchten Termine absagen und stehen ohne Einnahmen da“, macht er seinen Unmut Luft. „Ich kenne Kollegen, die bereits ihre Wohnung kündigen mussten.“

Seinen Protest verleiht Klaus Mehlig vor dem Rathaus in Freilassing Ausdruck.

„Protestiert man dagegen, wird man sogleich als Nazi beschimpft, was bei mir ganz sicher nicht zutrifft“, legt er nach. „Was also soll ich machen, daheim in der Ecke sitzen und einsam sterben? Selbst Videos, wo ich und Freunde und Kollegen von mir diesen Missstand anprangern, werden etwa von Facebook einfach gelöscht. Sogar die Möglichkeit des Protestes werden uns genommen.“

Von seinen Einnahmen hat er jährlich fünfstellige Beträge in Technik und Ausrüstung investiert und für die vielen Auftritte auch einen Mercedes-Bus gekauft um das Equipment transportieren zu können. „Jetzt sollen wir über das vom Finanzamt genutzte Softwareprogramm „Elster“ endlich einen Antrag stellen können, doch das ist kompliziert und ich bin gespannt, ob es gleich funktioniert, jetzt, nach sechs Wochen Lockdown im Landkreis.

Ein Vorwurf, den er nach erneuten acht Wochen Berufsverbot mit ‚viel Ärger im Bauch‘ an die Politik richtet: „Die haben seit Monaten gewusst und geplant einen zweiten Lockdown über das Land zu verhängen. Und jetzt tun sie so, als ob sie sämtliche Hilfen und Programme neu entwickeln müssen. Das hätte gleich von Anfang an laufen müssen und zwar für jeden, auch für kleine Soloselbständige und nicht nur für ausgewählte Kreise, die ja bis jetzt auch kaum finanzielle Hilfe erhalten haben sollen.“

Auch in Bad Reichenhall sucht er auf einer Demo die Öffentlichkeit.

Klaus hat sogar überlegt Hartz IV zu beantragen, doch dafür hätte er seine über Jahrzehnte mühsam aufgebaute Altersvorsorge zuerst auflösen müssen, meint er. „Und das kann es doch nicht sein“, ereifert er sich. „Ich habe Jahrzehnte lang mit viel Fleiß, Engagement und Arbeit immer mein Auskommen selbst bestritten. Und es gab zwischendurch auch immer mal ‚harte Zeiten‘. Ich habe aber nie Almosen oder Hilfen in Anspruch genommen, ich habe mir immer wieder selbst zu helfen gewusst, wenn man mich gelassen hat.“ Jetzt in dieser schweren Zeit freut er sich natürlich über einen wachsenden Freundeskreis und selbst über kleine Beträge, die er mit Livestreams erzielen kann. „Zum Leben aber reicht es nicht“, stellt er klar.

Dabei sei er kein Corona-Leugner, trägt die Maske nach Vorschrift und hält sich auch sonst an die „AHA-Regeln“, genauso wie es fast alle bodenständigen Lokale und Restaurants gemacht haben. „Nutzen aber tut es alles nichts, die lassen uns hier völlig im Stich“, bemerkt er dann doch noch sichtlich resigniert.

Mit Merkel und Söder eiskalt in die Zukunft

K O M M E N T A R

Irgendwo müssen wir ja anfangen, sagen sich viele Menschen, wenn sie vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe stehen. In Aktion zu kommen, Dinge anzupacken hilft, ist besser als Stillstand und schweigendes Abwarten. Was aber wenn auf Staatsebene genau so agiert wird? „Irgendwo müsse man ja anfangen, denn man brauche eine Reduzierung der Kontakte um 75 Prozent“, erklärt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder öffentlich. Nach acht Monaten Erfahrung mit dem Virus Covid19 gibt es kein Konzept ihm zu begegnen. Hilflos müssen hochbezahlte Virologen und Politiker zusehen, wie die Infektionsraten immer weiter nach oben steigen. Das ‚Allheilmittel‘ einer Impfung ist noch in weiter Ferne.

Kann Bayern ohne Tourismus, ohne Gastronomie und Hotellerie überleben? Nichts als nackte Landschaft mit (v.l.) Zwiesel, Hochstaufen und Fuderheuberg.

Die Gastronomie und Hotellerie, die Freizeitwirtschaft und der Tourismus werden zum Bauernopfer, denn wo sonst sind eine Reduzierung von Kontakten um 75 Prozent möglich. Das Zentrum unseres gesellschaftlichen Lebens bricht weg und mit ihm wohl auch der Handel in den Innenstädten. Österreich geht mit Kanzler Kurz noch einen Schritt weiter. Um eine Verlagerung von Treffen in privaten Räumen zu verhindern, wird kurzerhand eine Ausgangssperre von 20 bis 6 Uhr verhängt. Das kennen wir in Europa nur noch aus Kriegszeiten. Wir der Kampf gegen den Virus zu einem Krieg gegen das eigene Volk? Der Mediziner und SPD-Abgeordnete Lauterbach fordert Kontrollen in privaten Wohnungen, um die weitere Verbreitung von Covid19 zu unterbinden.

Masken und Abstand halten wird seit Monaten verlangt, bei Missachtung drohen hohe Strafen. Ob in Geschäften oder im Freien. In den deutschen Innenstädten patrouillieren dafür eigens Polizeistreifen, die Gesundheit der Nation sei in Gefahr. Allein geholfen hat es nichts. Beim Einkaufen, in geschlossenen Räumen und bei Menschenansammlungen mag es als Vorsichtsmaßnahme ja noch angenommen werden. Im Freien, bei genügend Abstand zu den Mitmenschen, entlarvt sich das Tragen von Masken als völlig sinnentleert, doch die Politik macht mit, fordert es sogar. Ein Offenbarungseid an Ratlosigkeit und auch nach achtmonatiger Pandemie mit dem Virus Covid19 von Konzeptlosigkeit.

Ausgerechnet jene Branchen trifft es jetzt, die mit angemessenen Schutzkonzepten vorbildlich handelten. Könnte es sein, dass die Politik einen gefährlichen Irrweg einschlägt, hin zu einem totalitären Überwachungs- und Verbotsstaat? Wie kam es dazu? Wie kann es sein, dass unser Land seit Monaten am Parlament vorbei regiert wird und Notverordnungen nach 87 Jahren wieder ein Renaissance in Deutschland erleben? Haben wir aus der Geschichte nichts gelernt? Sind zweifelhafte einfache PCR-Tests ohne Bestätigungstests eine Grundlage, um gar mit einer „nationalen Gesundheitsnotlage“ zu drohen? Verzeichnen wir in Deutschland wirklich eine sprunghafte Überbelegung der Intensivbetten im Vergleich mit den entsprechenden Zeiträumen der Vorjahre? Welche Rolle spielt die WHO?

Die WHO definierte im April 2009 ganz neu, was als Pandemie zu gelten habe. Bis dahin war nämlich eine „ beträchtliche Zahl von Toten“ zur Ausrufung einer Pandemie und nicht so sehr das Infektionsgeschehen maßgeblich. Unter dem Eindruck der H5N1-Vogelgrippe 1997 und später der Schweinegrippe hatten weite Kreise der Pharmaindustrie ein hohes Interesse andere Faktoren in den Blickpunk zu rücken. Und heute stellt sich mehr wie jemals die Frage, ob allein das Infektionsgeschehen und düstere Prognosen als Grundlage eines Lockdowns wirklich geeignet sind und dem Wohl des Volkes dienen. Eines ist bereits heute klar. Die sich daraus ergebenden Schäden für Wirtschaft und Gesellschaft gehen in hohe Milliardenbeträge. 500.000 Arbeitsplätze und selbständige Erwerbsgrundlagen werden vernichtet, die Zahl der Kurzarbeit bewegt sich zwischen vier und sieben Millionen Menschen. Weitere Schäden an Gesundheit und Wohl der Menschen sind nicht abzusehen.

Man möchte dem bayerischen Ministerpräsidenten gerne zurufen, „es ist Ihre Aufgabe den Nachweise zu erbringen, dass in der Gastronomie und Hotellerie eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht.“ Noch gilt auch in Deutschland der Rechtsgrundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“. Konsequenter Weise müsste demnach ebenso die Bundeswehr, wie auch große Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten schließen. Sie sind ein Born der Infektionen. Lieber aber zeigt man gegenüber den kleinen Unternehmen harte Kante, ist der starke Mann in Bayern. Im Übrigen, Herr Ministerpräsident, ist es eine medizinische Unmöglichkeit, symptomlos erkrankt zu sein.

Das Gewerbe wehrt sich

Die am 20. Oktober vom Landratsamt erlassene Allgemeinverfügung kommt zumindest aus touristischer Sicht, aus der Perspektive des Hotel- und Gaststättengewerbes und des Handels einem Lockdown des Berchtesgadener Landes gleich. Aktuell wehrt sich die Branche gegen die Verfügung und Michael Rupin, Vorsitzender der Reichenhaller Unternehmerforum e.V. (RUFO), vormals: Handels und Gewerbeverein Bad Reichenhall und Umgebung e.V., hat eine Klage gegen die Verfügung initiiert. Hier sein Schreiben im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bedanken uns für die bisherige Berichterstattung und wie zugesagt, übermitteln wir Ihnen im Anhang die Klage, den Eilantrag und besonders wichtig auch die Liste der 150 Betriebe welche mit ihrer Stimme und mit Ihrem Firmennamen diese Klage solidarisch unterstützen! Es ist kein einzelner, der hier wie Don Quijote gegen Windmühlen kämpft, es ist das Unternehmertum und es sind die Bürger eines ganzen Landkreises welche aufstehen und ihre demokratischen Mittel nutzen!

Sei es mit stummen Protesten vor den geschlossenen Schulen und Kindergärten, sei es dass die Bedürftigen mit der übrig gebliebenen Ware aus der Gastronomie unterstützt werden, oder sei es mit dem, dass wir letztendlich als Gemeinschaft diese Klage und den Eilantrag beim bayerischen Verwaltungsgericht eingereicht haben!

Wir haben bewusst als Kläger, einen mittelständischen Betrieb der Hotellerie/Gastronomie ausgesucht! Denn wenn Sie sich die Struktur der Beherbergungsbetriebe im Berchtesgadener Land genauer anschauen, werden Sie feststellen dass wir sehr große und sehr gute Hotels mit internationalen Renommee haben, jedoch noch viel mehr mittelständische und kleine Unternehmen.

Oftmals wird nur das Schlaglicht auf die ganz großen gerichtet und die anderen bleiben im Halbschatten. Wir haben bewusst dieses Zeichen gesetzt, dass es einer aus der Mitte ist, der letztendlich genau die gleichen Schwierigkeiten hat wie die ganz großen Unternehmen, oder wie die ganz kleinen. Denn fast jedes Hotel, jeder Gastronom, der direkt von diesen Maßnahmen getroffen ist, kämpft ums finanzielle Überleben.

Ums Überleben kämpfen auch viele andere Betriebe im Landkreis, welche zwar offiziell von der Allgemeinverfügung nicht oder nur leicht getroffen sind, jedoch in Wirklichkeit vor dem existenziellen Aus stehen.

Selbst wenn es jetzt irgendwann eventuell staatliche Hilfsmaßnahmen gibt, wer soll das noch finanzieren, wenn nicht nur im Berchtesgadener Land sondern eventuell sogar bayern- oder bundesweit, dem Rückgrat der deutschen Steuerkraft, den heimischen Betrieben ins Herz getroffen wird?

Wir bedanken uns für die weiterhin sachliche und abwägende Berichterstattung.

Mit vielen Grüßen aus dem Berchtesgadener Land / Mike Rupin

Michael Rupin / 1. Vorsitzender
Reichenhaller Unternehmerforum e.V. (RUFO)
Vormals: Handels und Gewerbeverein Bad Reichenhall und Umgebung e.V.

Folge uns auf facebook: https://www.facebook.com/rufo.reichenhall/
Homepage: https://www.reichenhaller-unternehmerforum.de/rufo

Die Gebäude im Landkreis im Visier

Auf der Suche nach Einsparpotentialen beim Energieverbrauch sind im Landkreis jetzt die einzelnen Häuser im Visier. Der Energienutzungsplan des Berchtesgadener Landes liefert dazu detaillierte Informationen für über 30.000 Gebäude, so genannte „energetische Gebäudesteckbriefe“. Sie werden im Rahmen einer kostenlosen Energieberatung der Energieagentur Südostbayern herangezogen. „Dadurch können die Eigentümer, ob privat, gewerblich oder kommunal, bei der Abschätzung des Potentials noch besser unterstützt werden“, informierte der Landkreis den Ausschuss für Umweltfragen, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität. Der energetische Gebäudesteckbrief ersetze allerdings keinen Energieausweis, auch nicht die Beratung und Planung vor Ort.

Bettine Mühlbauer von der Energieagentur Südostbayern GmbH rät zu einer zeitnahen Information, bevor Förderprogramme wieder auslaufen. – Foto: Gerd Spranger

Die Energieagentur Südostbayern ist eine Gesellschaft der Kreise Berchtesgadener Land und Traunstein und stellt sich als „Ihr unabhängiger Partner für Energiefragen vor Ort“ vor. Für mehr Energie-Effizienz werden für einen Beitrag zum Klimaschutz vor allem erneuerbare Energien heran gezogen. Ab 2021 verteuert sich das Heizen mit fossilen Energieträgern durch eine CO2-Abgabe nämlich empfindlich. Parallel dazu fördert der Bund das Heizen mit erneuerbaren Energien und zahlt 35 bis 45 Prozent der Investitionskosten über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausführkontrolle (BafA). Doch aufgepasst: „es gibt etwa für 30 Jahre alte Ölkessel eine Austauschpflicht, und damit entfällt die Förderung. Eine Beratung sollte darum immer frühzeitig erfolgen, manche Programme gelten auch nur befristet“, merkt Bettina Mühlbauer an, Prokuristin der Energieagentur in Traunstein.

Basisinformation mit Energie-Förderkompass

Ganz grundsätzlich informiert der Förderkompass Energie der Bayerischen Energieagenturen als hilfreiches und bewährtes Nachschlagewerk für Bürger, Kommunen und Unternehmen. Er liefert Basisinformationen zu Fördermöglichkeiten in den Bereichen energetische Sanierung, energieeffizientes Bauen, Energiesparen und über den Einsatz von erneuerbaren Energien und steht zum Download auf der Webseite der Agentur zur Verfügung. Die Kreisräte des Berchtesgadener Landes haben bereits erste Erfahrungen mit der neuen Software für den energetische Gebäudesteckbrief gesammelt.

Kreisrat Franz Eder hat den Link für sein Haus gleich mal ausprobiert. „Ich sehe bei meinem Hausdach welche theoretischen Möglichkeiten ich habe. Auch ist ein ‚Istzustand‘ meines aktuellenWärmebedarfs benannt. Wie realistisch ist das“, fragt er.

„Es sind die Daten des bayerischen Vermessungsverwaltung hinterlegt. Es kann natürlich ‚Unschärfen‘ geben, doch die werden im persönlichen Gespräch geklärt. Grundsätzlich wurden das Baujahr und der zu jener Zeit gültige Standard mit einbezogen“, informiert Energieberater Manuel Münch über die Hintergründe des mit Mitteln des Bayerischen Wirtschaftsministeriums geförderten Programmes.

Bessere Information sicherstellen

Auch Kreisrat Thomas Gasser ist überzeugt von dem Programm, bezeichnet es als „ein perfektes Werkzeug“, und fragt nach, wie es denn zum Bürger komme. Münch setzt hier auf die Medien, Kreisrat Simon Köppl auf eine gute Mund-zu-Mund-Werbung durch die Kreisräte, in den Gemeinden und Vereinen. Selbst will er bei Freunden und Bekannten über diese neue Möglichkeit informieren. Landrat Bernhard Kern will zum Herbst eine eigenes landkreisweites Journal herausgeben um die Information der Bürger sicherzustellen. Aktueller Ansprechpartner für das neue Modell der Energieeinsparung ist die Energieagentur Südost. Zu erreichen ist sie unter: http://www.energieagentur-suedost.bayern, direkt über die Landratsämter oder auch vor Ort:

Bad Reichenhall im Landratsamt,
Zimmer 236 – Jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat

Berchtesgaden im Rathaus
Jeden 3. Mittwoch im Monat

Freilassing im Rathaus
Jeden 2. Mittwoch im Monat

Grassau Biomassehof Achental
Jeden 3. Dienstag im Monat

Laufen im Rathaus
Jeden 4. Donnerstag im Monat

Obing Rathaus, Sitzungssaal
Jeden 4. Dienstag im Monat

Traunstein in der Energieagentur Südostbayern
Jeden Montag

Traunstein im Rathaus, Zimmer 103
Jeden 2. Mittwoch im Monat

Traunreut im Rathaus, Zimmer E201
Jeden 1. Donnerstag im Monat

Trostberg im Rathaus
Jeden 3. Donnerstag im Monat

„An Urlaub ist in diesen Wochen nicht zu denken“

– Landrat Bernhard Kern zwei Wochen im Amt
– Die laufenden Geschäfte weiter voran bringen

Landrat Bernhard Kern ist gerade mal seit zwei Wochen im Amt und hat längst einen vollen Terminkalender. Vieles drehte sich natürlich um die aktuelle Entwicklung der Situation um den Coronavirus, wo das Landratsamt die zentrale Steuerungsstelle des Krisenstabes ist. Jeden Tag ist eine Besprechung in der Führungsgruppe Katastrophenschutz, der FüGK, angesetzt. Schon im April war Bernhard Kern mehrfach bei den Sitzungen des FüGK dabei, pendelte häufig zwischen dem Rathaus in Saaldorf-Surheim und dem Landratsamt. „An Urlaub war und ist in dieser herausfordernden Zeit nicht zu denken“, bekennt Kern. „Glücklicherweise entspannt sich die Situation jetzt“, ergänzt er.

Bernhard Kern ist überzeugt von der Kraft des Teams, das aus Ärzten, Gesundheitsexperten aus den Kliniken, Helfern der Freiwilligen Feuerwehr, den Rettungsdiensten, der Bundeswehr und der Landes- und Bundespolizei besteht. Eine zentrale Rolle in der Coronakrise nimmt das Bürgertelefon ein, bei dem an Spitzentagen bis zu 360 Anrufe eingingen. Vier Mitarbeiterinnen des Landratsamtes nahmen sich der Nöte und Sorgen an. Ergänzend dazu ist eine „Corona-Hotline“ der Bayerischen Staatsregierung geschalten.

26 Jahre lang ein Teamleader

Der neue Landrat Bernhard Kern macht einen entspannten Eindruck bei unserem Gespräch, hat den Termin kurzfristig zwischen rein geschoben. Sechs Jahre als Bürgermeister von Saaldorf-Surheim und 20 Jahre Selbständigkeit haben ihm einen guten Umgang mit Stress gelehrt. Er pflegt eine offene Kommunikation und setzte dafür ein erstes Zeichen. Alle kommunalen Verwaltungen des Landkreises erhielten eine aktuelle Liste mit den Kontaktdaten und Ansprechpartnern für die einzelnen Bereiche im Landratsamt.

„Bei allen Kommunen werden die gleichen Fragen gestellt, vor allem jetzt im Hinblick auf die Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Da ist es hilfreich zu wissen, wo man anrufen kann, und bei Bedarf wird die entsprechende Nummer an den Bürger weitergegeben. Sie ist zwar auch so zu finden, doch ein wenig Hilfe dabei schadet nicht und die Menschen sollen wissen, dass wir als Behörde für sie da sind.“

Hilfe durch BGLT und Wirtschaftsservice

Auch wenn sich die Lage insgesamt beruhigt, so nimmt sie in der Hotellerie und Gastronomie sowie bei vielen Wirtschaftsbetrieben an Dramatik zu. Landrat Bernhard Kern ist dankbar für die BGLT (Berchtesgadener Land Tourismus GmbH) und den Wirtschaftsservice des Landkreises. „Hier gibt es eigene Hotlines und die Bedarfe nach Hilfe und Unterstützung sind hoch. Erst am Mittwoch gab es ein enges Krisengespräch mit den Geschäftsführern und auch ein Treffen mit den Bürgermeistern des Landkreises. Das alles gehört zu den festen Terminen von Bernhard Kern.

„Im Hintergrund laufen zudem sämtliche anderen Bereiche weiter“, so der Landrat und nennt Verkehrsprojekte wie das Alltagsradwegenetz, Nahverkehr, ÖPNV und Schiene. „Klimaschutz und die Energiebilanz des Landkreises werden voran getrieben und natürlich kümmern wir uns um die Schulen“, ergänzt Kern. Selbst der Neubau des Landratsamtes braucht eine Neubewertung des Raumkonzeptes. „Die Krise hat uns gezeigt, dass viel mehr Homeoffice möglich ist, als viele geglaubt haben. Nach anfänglicher Skepsis hat sich das gut eingespielt.“

Der Alltag muss auch
im Landkreis wieder anlaufen

Im März 2020 war die Wahl um den neuen Landrat im Berchtesgadener Land noch nicht entschieden. Bernhard Kern zeigte sich zuversichtlich.

Verstärkt werde künftig die Besetzung des Gesundheitsamtes. „Der Leiter fiel in den letzten Wochen aus, seine beiden Vertreter aber haben einen guten Job gemacht. Es wird hier Neubesetzungen geben und darüber hinaus die Stelle eines Veterinärs geschaffen“, informiert Bernhard Kern.

Den Mitarbeitern des Landratsamtes stellt er ein gutes Zeugnis aus. „Das Haus ist gut bestellt, die Bediensteten arbeiten konstruktiv zusammen. Wichtig ist, dass am Ende etwas Sinnvolles und Zielführendes heraus kommt, und das tut es in der Regel. Die Chemie untereinander stimmt.“

Die Grenzöffnung muss noch warten

Kaum sind wir mit unserem Interview fertig, bricht Bernhard Kern zu einem nächsten Treffen mit dem Landrat von Traunstein auf. Persönlich hat er sich bereits in der Causa Grenzöffnung an das Innenministerium sowie an die Bayerische Staatsregierung gewandt und steht auch mit Landesrat Stefan Schnöll im engen Kontakt.

Syrische Familie findet neue Heimat in Deutschland

2016 wurde für den heute 43jährigen Syrer Bassam Almawas und seiner Familie zu einem Schicksalsjahr. Er floh im Februar mit seiner Frau und vier Kindern im Alter von 6 bis 15 Jahren über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Österreich nach Deutschland. Wenige Wochen zuvor waren in seiner Heimat 50 Dörfer im Umfeld der Stadt Hamas zerstört worden, auch das Haus der Familie. „Da lebt heute niemand mehr“, ist sich Bassam sicher. Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges war er in seiner Gemeinde beim Ordungsamt angestellt und für die Kontrolle von Neubauten zuständig.

Bassam Almawas flüchtete mit seiner Familie 2016 aus Syrien. Heute spricht er fließend Deutsch, ist als Fussballer aktiv, hat die Prüfung zum Schiedsrichter abgelegt und leistet ein FSJ beim Malteser Hilfsdienst. - Foto: Gerd Spranger
Bassam Almawas flüchtete mit seiner Familie 2016 aus Syrien. Heute spricht er fließend Deutsch, ist als Fussballer aktiv, hat die Prüfung zum Schiedsrichter abgelegt und leistet ein FSJ beim Malteser Hilfsdienst. – Foto: Gerd Spranger

Über die Zerstörung seiner Heimat hiaus trieb ihn vor allem die Sorge um die Zukunft der Kinder zur Flucht. „Es gibt dort heute keine Schulen mehr, keine Ausbildung und keine Arbeit. Welche Zukunft haben junge Menschen dort“, fragt der Familienvater. Schuld am Terror ist für Bassam Almawas der IS und das Assad-Regime. Und so verlässt er das Land, bricht in Richtung türkischer Grenze auf und fand für sechs Monate Unterkunft in einem kleinen Dorf. Zwei Monate lebte er mit der Familie in einem kleinen Zelt. Seine Freunde und Bekannte waren damals selbst auf der Flucht.

In drei Wochen
von der Türkei nach Deutschland

Am 1. Februar 2016 überquerte er mit einem Flüchtlingshelfer die Grenze zur Türkei, und lohnte für diesen Dienst für jede Person 600 Euro. Es war nicht das letzte Mal, dass er zahlen musste. Mit dem Bus ging die Reise weiter nach Izmir und von dort aus nach Griechenland. Erneut wurden für jede Person über 600 Euro „Hilfsgeld“ erhoben. „Auf einem kleinen Schlauchboot, bei der Überfahrt vom türkischem Festland zu einer griechischen Insel, mit 60 Personen beladen, bekamen wir es das erste Mal richtig mit der Angst zu tun, vor allem die Kinder“, erinnert er sich. Die nächste Reise auf einem großen Schiff kostete die sechsköpfige Familie 1200 Euro und brachte sie bis nach Serbien. Weiter ging es auf weiten Fußmärschen und mit Bussen, bis die Familie am 25. Februar 2016 bei Passau an der deutschen Grenze stand. „Wollen Sie weiterreisen nach Skandinavien oder Kanada oder in Deutschland bleiben“, wurde Bassam gefragt. Er wollte bleiben, und schon am nächsten Tag ging es mit Bussen in die Nähe von Nürnberg in eine Sammelunterkunft.

Da war sie nun, die kleine Familie, am Ziel ihrer Träume?, sie und weitere Zehntausende, die Schutz, Versorgung und Zukunft in Deutschland suchten. Es gab dort glücklicherweise auch einen Ansprechpartner der gut arabisch und deutsch sprach. Er half schnell bei den nötigen Formalitäten. „Wir habe in Deutschland vom ersten Monat an Unterstützung erhalten, auch für die Kinder“, freut sich Bassam. Drei Wochen später ging es weiter in das Berchtesgadener Land, wo die Familie bis heute lebt. „Das größte Handicap war immer die Sprache gewesen“, erzählt Bassam, doch er und seine Familie lernten schnell. „Die Kinder kamen in Bad Reichenhall innerhalb weniger Tage in die Schule und lernten in ihrer freien Zeit intensiv deutsch, so dass sie die Sprache innerhalb weniger Monate weitgehend beherrschten, sie zumindest gut verstanden.

Sprachunterricht im Schroffen
und im bfz-Freilassing

Untergebracht waren sie im ‚Schroffen‘ mit zehn Familien, den der Unternehmer Max Aicher renovieren und als Flüchtlingsunterkunft ausbauen ließ. Über das Netzwerk des Unternehmens organisierte man kurzfristig drei Lehrkräfte, die allen dort wohnenden Sprachunterricht gaben. Später folgte im bfz Freilassing ein regulärer Deutschunterricht mit Vermittlung der Sprachzertifikate A1, A2 und B1 – so dass einer fließenden Unterhaltung nichts im Wege steht. Damit war man nun „endlich angekommen in Deutschland“ und Bassam ließ keine Zeit verstreichen. Wann immer möglich, vertiefte er seine Deutschkenntnisse. Schon 2018 hatte er in Freilassing einen ‚ersten Job‘ gefunden und legte die deutsche Führerscheinprüfung ab. Nicht das Fahren selbst – er fährt seit 20 Jahren Auto – sondern die Sprache setzte bei der Prüfung Herausforderungen, die er aber mit Ehrgeiz und Fleiß zu meistern wusste.

Kinder in Deutschland zuhause

2017 findet er für sich und seine Familie eine eigene Wohnung, über Bekannte, über die so vieles läuft. Bassam ist ein aktiver Mensch, blickt selten zurück und meist nach vorne. Dennoch haben er und seine Frau bis heute Heimweh nach Syrien, ihrer alten Heimat. Die Kinder hingegen, heute zwischen 10 und 19 Jahre alt, möchten bleiben. „Was sollen wir dort in Syrien“, fragen sie. Der Große hat bereits im Beruf Fuß gefasst, der jüngere Bruder will eine Ausbildung zum Automechatroniker durchlaufen. Die beiden Schwestern gehen noch zur Schule. Bassam arbeitet seit einem halben Jahr beim Malteser Hilfsdienst in Vollzeit im Rahmen eines „Freiwilligen Sozialen Jahres“ , ist im Fahrdienst für Menschen mit Behinderung und im Menüservice eingesetzt. Die Mutter, die sich zuhause um die sechsköpfige Familie kümmert, legt aktuell den dritten Deutschkurs, die Prüfung zum B1-Niveau ab. Auch sie will sich die nächsten Monate für einen Job bewerben.

Zertifikat zum Schiedsrichter

Für Bassam ist die Arbeit eine Bereicherung, denn „so komme ich mit Einheimischen ins Gespräch und kann viele Kontakte knüpfen.“ Das ist aber nicht sein einziger Bezug, denn als leidenschaftlicher Fußballer spielt er für den Verein „BGL International Freilassing“ und hat die Gelegenheit genutzt, eine Ausbildung zum Schiedsrichter zu durchlaufen. „Die Regeln kenne ich natürlich, die sind auch in Syrien nicht anders. Schwer war es, die ganzen Fachbegriffe auf deutsch zu lernen.“ Doch auch das meisterte der engagierte und optimistische 43jährige. Aktuell hat er sich einer neuen Aufgabe gestellt und absolviert einen Grundkurs beim Technischen Hilfswerk in Mitterfelden.

Syrischer Reisepass
oder deutscher Ausweis?

Kontakt zur seiner alten Heimat pflegt er in täglichen Telefonaten. Drei seiner Brüder leben noch dort und auch seine Mutter. Bassam überlegt wie er ihnen dort helfen kann. „Die Kosten für Lebensmittel sind in Syrien sehr hoch, doppelt so hoch wie in Deutschland“, erzählt er. Bassam strebt eine Festanstellung im sozialen Bereich an, doch das braucht seine Zeit. Einen Personen-Beförderungsschein etwa kann er erst im Herbst erwerben, denn dazu muss er den deutschen Führerschein zwei Jahre lang besitzen. Eine Ausbildung erscheint ihm als zu problematisch, vor allem der Wechsel zwischen Arbeitsstelle und Berufsschule. Vor Herausforderungen stellt ihn zudem die alle zwei Jahre nötige Verlängerung des syrischen Reisepasses für die ganze Familie. „Dafür müssen wir alle in das Konsulat nach Berlin reisen und die Kosten belaufen sich auf 2500 Euro plus Reisespesen und Übernachtung“, gibt er an. Warum er keinen deutschen Pass erhält, versteht er nicht. Ansonsten ist Bassam Almawas längst angekommen in Deutschland, hat sich und seine Familie schnell integriert, will nicht nur nehmen, sondern auch geben, sich in die Gesellschaft einbringen. Er ist dem deutschen Staat dankbar, der ihm ein neues Leben fern der Heimat ermöglicht hat. Die Menschen hier im Berchtesgadener Land erlebt er als aufgeschlossen und sehr hilfsbereit. Mit Ausländerfeindlichkeit sah er sich in den drei Jahren noch nie konfrontiert.

Drei Betriebe beim Umweltpakt Bayern ausgezeichnet

Drei Betriebe aus dem Berchtesgadener Land wurden jetzt für qualifizierte freiwillige Umweltleistungen als Teilnehmer am Umweltpakt Bayern ausgezeichnet. Der stellvertretende Landrat Rudolf Schaupp hob dessen Bedeutung für die Wirtschaft hervor und bekräftigte die Vorreiterrolle Bayerns. „Seit 25 Jahren prägen Freiwilligkeit und die Übernahme von Eigenverantwortung beim Umweltpakt Bayern den Charakter der Initiative. Ökologie und Ökonomie ergänzen sich auf sinnvolle Weise.“ Schaupp bezeichnet das Berchtesgadener Land mit Nationalpark und Biosphärenregion als den führenden Naturschutz-Landkreis in Bayern.

Wirtschaft und Ökologie sollen beim Umweltpakt Bayern zusammen gestalten. Die Preisträger im Berchtesgadener Land (v.l.): Markus Jung und Geschäftsführer Franz Praxenthaler von dem Unternehmen Hörl Kunststofftechnik in Laufen, Geschäftsführende Gesellschafterin Irene Wagner von der psm protech aus Marktschellenberg, stellvertretender Landrat Rudolf Schaupp, Rogger Peter-Eggerdinger und Vorstand Karl-Heinz Schörghofer von der MAFO Systemtechnik aus Teisendorf – Foto gsp

Leistungsstark: Hörl, Mafo und psm

Mit den Unternehmen „psm protech“, Marktschellenberg, Mafo Systemtechnik AG, Teisendorf, sowie Hörl Kunststofftechnik, Laufen, sind drei familiär geprägte Betriebe des Mittelstandes mit insgesamt 510 Beschäftigten ausgezeichnet worden. Allein 71 Auszubildende zeugen vom Engagement der drei Unternehmen über den Umweltschutz hinaus mit sozialer Verantwortung in und für die Region. Dies bekräftigten unisono die Bürgermeister der drei Gemeinden, Franz Halmich (Marktschellenberg), Thomas Gasser (Teisendorf) und Hans Feil (Laufen).

Sie hoben ihre Bedeutung als herausragende Arbeitgeber im Ort hervor, die hohe Beiträge an Gewerbesteuer leisten und sich für das Allgemeinwohl engagieren. Bürgermeister Franz Halmich dankte für die großzügige Praxis bei Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr bei der „psm protech“, für die selbstlose Freistellung ihrer Arbeitskräfte. Als freiwillige Umweltleistung gestaltete die psm die Parkplatzrandstreifen neu, verwandelte eine 500 Quadratmeter große Wiese in eine artenreiche Blumenwiese mit regionalem Saatgut, setzte heimische Pflanzen, legte eine Streuobstwiese an und sorgte im Heckensaum für eine Anreicherung von Arten. Geschäftsführerin Irene Wagner: „Ein wenig Wildwuchs tut der Natur und uns Menschen gut.“

Auch die Bürgermeister der Gemeinden freuen sich über das Engagement und die gute Entwicklung ihrer Betriebe. Links Bürgermeister Hans Feil (Laufen), Mitte Bürgermeister Franz Halmich (Marktschellenberg), Rechts Bürgermeister Thomas Gasser (Teisendorf)

Die Hörl Kunststofftechnik GmbH aus Laufen machte die Gestaltung einer neuen Blumenwiese gleich zu einem Azubiprojekt und realisierte mit der Biosphärenregion BGL eine naturnahe Gestaltung des Außenbereichs. Aber auch im Betrieb selbst setzt man ganz auf Umweltschutz. Auf dem Dach des Betriebsgebäudes sorgen Photovoltaikanlagen für Energieeinsparung und einer Verminderung der CO2-Emissionen. Selbst für die Heizung fällt kein Energieverbrauch an, denn die Wärme wird aus der Abwärme der Spritzgussmaschinen gewonnen. Die Kunststoffabfälle werden im Haus regranuliert und erneut zugemischt. Zur Sicherung einer umweltgerechten Mobilität hat das Unternehmen ein Elektrofahrzeug für den Kurzstreckenverkehr bestellt. Geschäftsführer Franz Praxenthaler erinnerte an das Jahr 2013, als das Unternehmen am Ortseingang von Laufen auf der grünen Wiese komplett neu erstand. „Damals haben wir mit auf den Weg bekommen, was Schönes für den Ort zu tun, einen repräsentativen Entrée für den Ort zu gestalten. Daran haben wir uns bis heute gehalten.“ Das Unternehmen will 2020 neben Radweg und Straße noch einen eigenen naturnahen Themengarten anlegen und so zu einer weiteren Verbesserung des Ortsbildes beitragen.

Und vor dem Betrieb
grasen die Kälber

Bei dem Unternehmen Mafo Systemtechnik in Teisendorf grasen im Sommer Kälber vor dem Betriebsgelände und die Grünflächen machen zeitweise einen ungepflegten Eindruck. „Das aber ist so gewollt, wir wollen ein Stück Natur zurückholen und setzen auf Biodiversität. In idyllischer Lage, nahe am Wald gelegen, passt es zu uns“, erklärt Vorstand Karl-Heinz Schörghofer. Unterstützung hat er durch Roger Peter-Eggerdinger, Leiter des Qualitätsmanagements, der sich privat im Gartenbauverein engagiert. Bei der Verleihung der Urkunde vom Umweltpakt Bayern im Landratsamt hob Rudolf Schaupp die freiwilligen Leistungen des Betriebes hervor: „Sie haben als Teilnehmer am Blühpaket Bayern 13.000 Quadratmeter Fläche neu gestaltet und verzichten auf chemische Pflanzenschutzmittel. Bereiche der Blühflächen bleiben über den Winter ungemäht.“ Die Urkunden für die drei Betriebe wurden von Bayerischen Staatsminister für Umweltschutz, Thorsten Glauber gezeichnet.

Biosphärenregion
leistet aktive Hilfe

Aktive Hilfe erführen die ausgezeichneten Unternehmen von der Verwaltungsstelle der Biosphärenregion Berchtesgadener Land e.V., die Unternehmen, Schulen, Vereine und Kommunen beraten. „Zum Einsatz kommt autochthones, also in der Region wachsendes Saatgut, das in den letzten Jahren aufwändig gezüchtet und geerntet wurde“, erklärt Sabine Pinterits von der Biosphärenregion. Zuvor aber müsse der Boden von einem fetten und humsreichen Erdreich hin zu einem mageren Boden bearbeitet werden, was mit der Einbringung von Kies und Sand erfolgt. Bei den Unternehmen selbst werden Mitarbeiter geschult und eingewiesen, was widerrum eine hohe Kooperationsbereitschaft der Betriebe voraussetzt. „Die Maßnahmen gehen über das Schaffen von kulturtypischen Blumenwiesen hinaus, wie sie etwa bis in die 50er-Jahre typisch für die Region waren. Wir realisieren gemeinsam mit den Firmen sogar Streuobstwiesen, Heckenpflanzungen und schaffen insgesamt eine artenreiche Struktur des Umfeldes der Betriebe, so dass selbst Wildbienen wieder einen Lebensraum finden.

Den KFZ-Bereich für die Zukunft rüsten

 

Berufsschule Freilassing:
Investitionen in das Kompetenzzentrum gefordert

Die Staatliche Berufsschule Freilassing bildet in sechs Handwerksberufen und in acht kaufmännischen Berufen aus. Außerdem bietet sie Zusatzangebote bis hin zur Erlangung der Fachhochschulreife. Jetzt will die Bildungseinrichtung ihre Kompetenz im Bereich Kfz-Technik erweitern. Durch den wachsenden Schwerpunkt der Hochvolt- und Systemtechnik für die KFZ-Mechatronik besteht zusätzlicher Bedarf.

Dabei ist die Staatliche Berufsschule für die Landkreise Berchtesgaden und Traunstein Kompetenzzentrum für Kraftfahrzeugtechnik. Die Ausbildung der angehenden KFZ-Mechatroniker soll auf dem modernen Stand der Technik weiterhin gewährleistet sein. Landrat Georg Grabner erinnerte, wie sehr man sich damals für eine Aufwertung des Standorts Freilassing einsetzte.

Wir müssen im Landkreis wettbewerbsfähig bleiben und brauchen dafür vor allem auch im Handwerk beste Ausbildungsbedingungen. Berufliche Bildung ist eine Kern- und Zukunftsaufgabe“, bekräftigt er. Der Landrat informierte dabei über eine eigene Woche der beruflichen Bildung. Vom 11. bis 15 November präsentieren sich 75 Betriebe aus dem ganzen Landkreis. Schwerpunkt der Veranstaltung werden die Berufsschule und die benachbarte Realschule sein, wo einzelne Marktstände über die beruflichen Perspektiven informieren. Auch dezentral gibt es in den Betrieben dazu Angebote. Am 14. November ist ein Aktionstag als „Markt der Berufe“ angesetzt.

Schulleiter Hermann Kunkel verweist darauf, dass es ein KFZ-Kompetenzzentrum wie in Freilassing nur noch in München und Ingolstadt gebe. Es soll jetzt ein wichtiger Schritt ‚in die neue Zeit‘ erfolgen, um den Auszubildenden die neueste Technik von Verbrennungs-, Elektro-, und Hybrid-Antrieb zu vermitteln. „Dafür brauchen wir mehr Platz und Technik. Die aktuellen Räume aus den 80er-Jahren sind dafür nicht mehr ausreichend“, begründet er den Antrag. Das ursprünglich für die Metallbearbeitung konzipierten Raumangebot werte man als nicht mehr optimal für einen handlungsorientierten Unterricht. Dabei entwickelt sich die Branche im Bereich von neuen Technologien insgesamt sehr rasant, und es ist offen, welche Technik die nächsten Jahre noch kommen wird.

Markus Hiebl, Fachbereichsleiter für das zentrale Gebäudemanagement des Landkreises, betont die enge Abstimmung mit der Schulleitung. Dabei liegt die Erweiterungsfläche für den Neubau auf einem anderen Grundstück, das aber im Besitz des Landkreises ist. Dennoch sei es schwierig, den Zeithorizont schon jetzt genau abzuschätzen. Zuvor gelte es den Schulstandort mit seinen Gebäuden ganzheitlich zu betrachten. Es braucht eine Bestandsanalyse, was bei dem bestehenden Gebäude noch möglich ist und eine Abstimmung mit der Regierung von Oberbayern. Ziel soll eine richtige Weichenstellung für die nächsten zwanzig, dreißig Jahre sein.

Die Verwaltung schlägt vor, dass eine Bestands- und Bedarfsanalyse mit einer Beurteilung der vorhandenen baulichen und technischen Substanz nach folgenden Kriterien erstellt wird: Die schulische und pädagogische Funktionalität, die Organisation der Gastschüler, die Sicherheit und Statik, der Brandschutz sowie die Möglichkeit von Energieeinsparungen. Dieser Prozess soll bis zum Sommer 2020 abgeschlossen sein.

Kreisrat Dr. Bernhard Ziemer merkt kritisch an: „Das wird Jahre brauchen, und doch besteht der Bedarf schon heute.“

Kreisrat Hans Metzenleitner bestätigte die Wichtigkeit der Berufsausbildung, besonders in Zeiten eines Mangels an Facharbeitern. „Das beginnt schon in der Schulzeit, und das Problem sind häufig die Eltern, die von den guten Perspektiven einer fundierten Berufsausbildung im Handwerk überzeugt werden müssen.“

Letztlich wurde die Beschlussvorlage als eine Empfehlung für den Kreistag einstimmig gefasst. Die Verwaltung soll dann eine Bestands- und Bedarfsanalyse für die gesamte Schulanlage erstellen.