Archiv der Kategorie: freilassing

Die Gebäude im Landkreis im Visier

Auf der Suche nach Einsparpotentialen beim Energieverbrauch sind im Landkreis jetzt die einzelnen Häuser im Visier. Der Energienutzungsplan des Berchtesgadener Landes liefert dazu detaillierte Informationen für über 30.000 Gebäude, so genannte „energetische Gebäudesteckbriefe“. Sie werden im Rahmen einer kostenlosen Energieberatung der Energieagentur Südostbayern herangezogen. „Dadurch können die Eigentümer, ob privat, gewerblich oder kommunal, bei der Abschätzung des Potentials noch besser unterstützt werden“, informierte der Landkreis den Ausschuss für Umweltfragen, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität. Der energetische Gebäudesteckbrief ersetze allerdings keinen Energieausweis, auch nicht die Beratung und Planung vor Ort.

Bettine Mühlbauer von der Energieagentur Südostbayern GmbH rät zu einer zeitnahen Information, bevor Förderprogramme wieder auslaufen. – Foto: Gerd Spranger

Die Energieagentur Südostbayern ist eine Gesellschaft der Kreise Berchtesgadener Land und Traunstein und stellt sich als „Ihr unabhängiger Partner für Energiefragen vor Ort“ vor. Für mehr Energie-Effizienz werden für einen Beitrag zum Klimaschutz vor allem erneuerbare Energien heran gezogen. Ab 2021 verteuert sich das Heizen mit fossilen Energieträgern durch eine CO2-Abgabe nämlich empfindlich. Parallel dazu fördert der Bund das Heizen mit erneuerbaren Energien und zahlt 35 bis 45 Prozent der Investitionskosten über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausführkontrolle (BafA). Doch aufgepasst: „es gibt etwa für 30 Jahre alte Ölkessel eine Austauschpflicht, und damit entfällt die Förderung. Eine Beratung sollte darum immer frühzeitig erfolgen, manche Programme gelten auch nur befristet“, merkt Bettina Mühlbauer an, Prokuristin der Energieagentur in Traunstein.

Basisinformation mit Energie-Förderkompass

Ganz grundsätzlich informiert der Förderkompass Energie der Bayerischen Energieagenturen als hilfreiches und bewährtes Nachschlagewerk für Bürger, Kommunen und Unternehmen. Er liefert Basisinformationen zu Fördermöglichkeiten in den Bereichen energetische Sanierung, energieeffizientes Bauen, Energiesparen und über den Einsatz von erneuerbaren Energien und steht zum Download auf der Webseite der Agentur zur Verfügung. Die Kreisräte des Berchtesgadener Landes haben bereits erste Erfahrungen mit der neuen Software für den energetische Gebäudesteckbrief gesammelt.

Kreisrat Franz Eder hat den Link für sein Haus gleich mal ausprobiert. „Ich sehe bei meinem Hausdach welche theoretischen Möglichkeiten ich habe. Auch ist ein ‚Istzustand‘ meines aktuellenWärmebedarfs benannt. Wie realistisch ist das“, fragt er.

„Es sind die Daten des bayerischen Vermessungsverwaltung hinterlegt. Es kann natürlich ‚Unschärfen‘ geben, doch die werden im persönlichen Gespräch geklärt. Grundsätzlich wurden das Baujahr und der zu jener Zeit gültige Standard mit einbezogen“, informiert Energieberater Manuel Münch über die Hintergründe des mit Mitteln des Bayerischen Wirtschaftsministeriums geförderten Programmes.

Bessere Information sicherstellen

Auch Kreisrat Thomas Gasser ist überzeugt von dem Programm, bezeichnet es als „ein perfektes Werkzeug“, und fragt nach, wie es denn zum Bürger komme. Münch setzt hier auf die Medien, Kreisrat Simon Köppl auf eine gute Mund-zu-Mund-Werbung durch die Kreisräte, in den Gemeinden und Vereinen. Selbst will er bei Freunden und Bekannten über diese neue Möglichkeit informieren. Landrat Bernhard Kern will zum Herbst eine eigenes landkreisweites Journal herausgeben um die Information der Bürger sicherzustellen. Aktueller Ansprechpartner für das neue Modell der Energieeinsparung ist die Energieagentur Südost. Zu erreichen ist sie unter: http://www.energieagentur-suedost.bayern, direkt über die Landratsämter oder auch vor Ort:

Bad Reichenhall im Landratsamt,
Zimmer 236 – Jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat

Berchtesgaden im Rathaus
Jeden 3. Mittwoch im Monat

Freilassing im Rathaus
Jeden 2. Mittwoch im Monat

Grassau Biomassehof Achental
Jeden 3. Dienstag im Monat

Laufen im Rathaus
Jeden 4. Donnerstag im Monat

Obing Rathaus, Sitzungssaal
Jeden 4. Dienstag im Monat

Traunstein in der Energieagentur Südostbayern
Jeden Montag

Traunstein im Rathaus, Zimmer 103
Jeden 2. Mittwoch im Monat

Traunreut im Rathaus, Zimmer E201
Jeden 1. Donnerstag im Monat

Trostberg im Rathaus
Jeden 3. Donnerstag im Monat

„An Urlaub ist in diesen Wochen nicht zu denken“

– Landrat Bernhard Kern zwei Wochen im Amt
– Die laufenden Geschäfte weiter voran bringen

Landrat Bernhard Kern ist gerade mal seit zwei Wochen im Amt und hat längst einen vollen Terminkalender. Vieles drehte sich natürlich um die aktuelle Entwicklung der Situation um den Coronavirus, wo das Landratsamt die zentrale Steuerungsstelle des Krisenstabes ist. Jeden Tag ist eine Besprechung in der Führungsgruppe Katastrophenschutz, der FüGK, angesetzt. Schon im April war Bernhard Kern mehrfach bei den Sitzungen des FüGK dabei, pendelte häufig zwischen dem Rathaus in Saaldorf-Surheim und dem Landratsamt. „An Urlaub war und ist in dieser herausfordernden Zeit nicht zu denken“, bekennt Kern. „Glücklicherweise entspannt sich die Situation jetzt“, ergänzt er.

Bernhard Kern ist überzeugt von der Kraft des Teams, das aus Ärzten, Gesundheitsexperten aus den Kliniken, Helfern der Freiwilligen Feuerwehr, den Rettungsdiensten, der Bundeswehr und der Landes- und Bundespolizei besteht. Eine zentrale Rolle in der Coronakrise nimmt das Bürgertelefon ein, bei dem an Spitzentagen bis zu 360 Anrufe eingingen. Vier Mitarbeiterinnen des Landratsamtes nahmen sich der Nöte und Sorgen an. Ergänzend dazu ist eine „Corona-Hotline“ der Bayerischen Staatsregierung geschalten.

26 Jahre lang ein Teamleader

Der neue Landrat Bernhard Kern macht einen entspannten Eindruck bei unserem Gespräch, hat den Termin kurzfristig zwischen rein geschoben. Sechs Jahre als Bürgermeister von Saaldorf-Surheim und 20 Jahre Selbständigkeit haben ihm einen guten Umgang mit Stress gelehrt. Er pflegt eine offene Kommunikation und setzte dafür ein erstes Zeichen. Alle kommunalen Verwaltungen des Landkreises erhielten eine aktuelle Liste mit den Kontaktdaten und Ansprechpartnern für die einzelnen Bereiche im Landratsamt.

„Bei allen Kommunen werden die gleichen Fragen gestellt, vor allem jetzt im Hinblick auf die Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Da ist es hilfreich zu wissen, wo man anrufen kann, und bei Bedarf wird die entsprechende Nummer an den Bürger weitergegeben. Sie ist zwar auch so zu finden, doch ein wenig Hilfe dabei schadet nicht und die Menschen sollen wissen, dass wir als Behörde für sie da sind.“

Hilfe durch BGLT und Wirtschaftsservice

Auch wenn sich die Lage insgesamt beruhigt, so nimmt sie in der Hotellerie und Gastronomie sowie bei vielen Wirtschaftsbetrieben an Dramatik zu. Landrat Bernhard Kern ist dankbar für die BGLT (Berchtesgadener Land Tourismus GmbH) und den Wirtschaftsservice des Landkreises. „Hier gibt es eigene Hotlines und die Bedarfe nach Hilfe und Unterstützung sind hoch. Erst am Mittwoch gab es ein enges Krisengespräch mit den Geschäftsführern und auch ein Treffen mit den Bürgermeistern des Landkreises. Das alles gehört zu den festen Terminen von Bernhard Kern.

„Im Hintergrund laufen zudem sämtliche anderen Bereiche weiter“, so der Landrat und nennt Verkehrsprojekte wie das Alltagsradwegenetz, Nahverkehr, ÖPNV und Schiene. „Klimaschutz und die Energiebilanz des Landkreises werden voran getrieben und natürlich kümmern wir uns um die Schulen“, ergänzt Kern. Selbst der Neubau des Landratsamtes braucht eine Neubewertung des Raumkonzeptes. „Die Krise hat uns gezeigt, dass viel mehr Homeoffice möglich ist, als viele geglaubt haben. Nach anfänglicher Skepsis hat sich das gut eingespielt.“

Der Alltag muss auch
im Landkreis wieder anlaufen

Im März 2020 war die Wahl um den neuen Landrat im Berchtesgadener Land noch nicht entschieden. Bernhard Kern zeigte sich zuversichtlich.

Verstärkt werde künftig die Besetzung des Gesundheitsamtes. „Der Leiter fiel in den letzten Wochen aus, seine beiden Vertreter aber haben einen guten Job gemacht. Es wird hier Neubesetzungen geben und darüber hinaus die Stelle eines Veterinärs geschaffen“, informiert Bernhard Kern.

Den Mitarbeitern des Landratsamtes stellt er ein gutes Zeugnis aus. „Das Haus ist gut bestellt, die Bediensteten arbeiten konstruktiv zusammen. Wichtig ist, dass am Ende etwas Sinnvolles und Zielführendes heraus kommt, und das tut es in der Regel. Die Chemie untereinander stimmt.“

Die Grenzöffnung muss noch warten

Kaum sind wir mit unserem Interview fertig, bricht Bernhard Kern zu einem nächsten Treffen mit dem Landrat von Traunstein auf. Persönlich hat er sich bereits in der Causa Grenzöffnung an das Innenministerium sowie an die Bayerische Staatsregierung gewandt und steht auch mit Landesrat Stefan Schnöll im engen Kontakt.

Syrische Familie findet neue Heimat in Deutschland

2016 wurde für den heute 43jährigen Syrer Bassam Almawas und seiner Familie zu einem Schicksalsjahr. Er floh im Februar mit seiner Frau und vier Kindern im Alter von 6 bis 15 Jahren über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Österreich nach Deutschland. Wenige Wochen zuvor waren in seiner Heimat 50 Dörfer im Umfeld der Stadt Hamas zerstört worden, auch das Haus der Familie. „Da lebt heute niemand mehr“, ist sich Bassam sicher. Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges war er in seiner Gemeinde beim Ordungsamt angestellt und für die Kontrolle von Neubauten zuständig.

Bassam Almawas flüchtete mit seiner Familie 2016 aus Syrien. Heute spricht er fließend Deutsch, ist als Fussballer aktiv, hat die Prüfung zum Schiedsrichter abgelegt und leistet ein FSJ beim Malteser Hilfsdienst. - Foto: Gerd Spranger
Bassam Almawas flüchtete mit seiner Familie 2016 aus Syrien. Heute spricht er fließend Deutsch, ist als Fussballer aktiv, hat die Prüfung zum Schiedsrichter abgelegt und leistet ein FSJ beim Malteser Hilfsdienst. – Foto: Gerd Spranger

Über die Zerstörung seiner Heimat hiaus trieb ihn vor allem die Sorge um die Zukunft der Kinder zur Flucht. „Es gibt dort heute keine Schulen mehr, keine Ausbildung und keine Arbeit. Welche Zukunft haben junge Menschen dort“, fragt der Familienvater. Schuld am Terror ist für Bassam Almawas der IS und das Assad-Regime. Und so verlässt er das Land, bricht in Richtung türkischer Grenze auf und fand für sechs Monate Unterkunft in einem kleinen Dorf. Zwei Monate lebte er mit der Familie in einem kleinen Zelt. Seine Freunde und Bekannte waren damals selbst auf der Flucht.

In drei Wochen
von der Türkei nach Deutschland

Am 1. Februar 2016 überquerte er mit einem Flüchtlingshelfer die Grenze zur Türkei, und lohnte für diesen Dienst für jede Person 600 Euro. Es war nicht das letzte Mal, dass er zahlen musste. Mit dem Bus ging die Reise weiter nach Izmir und von dort aus nach Griechenland. Erneut wurden für jede Person über 600 Euro „Hilfsgeld“ erhoben. „Auf einem kleinen Schlauchboot, bei der Überfahrt vom türkischem Festland zu einer griechischen Insel, mit 60 Personen beladen, bekamen wir es das erste Mal richtig mit der Angst zu tun, vor allem die Kinder“, erinnert er sich. Die nächste Reise auf einem großen Schiff kostete die sechsköpfige Familie 1200 Euro und brachte sie bis nach Serbien. Weiter ging es auf weiten Fußmärschen und mit Bussen, bis die Familie am 25. Februar 2016 bei Passau an der deutschen Grenze stand. „Wollen Sie weiterreisen nach Skandinavien oder Kanada oder in Deutschland bleiben“, wurde Bassam gefragt. Er wollte bleiben, und schon am nächsten Tag ging es mit Bussen in die Nähe von Nürnberg in eine Sammelunterkunft.

Da war sie nun, die kleine Familie, am Ziel ihrer Träume?, sie und weitere Zehntausende, die Schutz, Versorgung und Zukunft in Deutschland suchten. Es gab dort glücklicherweise auch einen Ansprechpartner der gut arabisch und deutsch sprach. Er half schnell bei den nötigen Formalitäten. „Wir habe in Deutschland vom ersten Monat an Unterstützung erhalten, auch für die Kinder“, freut sich Bassam. Drei Wochen später ging es weiter in das Berchtesgadener Land, wo die Familie bis heute lebt. „Das größte Handicap war immer die Sprache gewesen“, erzählt Bassam, doch er und seine Familie lernten schnell. „Die Kinder kamen in Bad Reichenhall innerhalb weniger Tage in die Schule und lernten in ihrer freien Zeit intensiv deutsch, so dass sie die Sprache innerhalb weniger Monate weitgehend beherrschten, sie zumindest gut verstanden.

Sprachunterricht im Schroffen
und im bfz-Freilassing

Untergebracht waren sie im ‚Schroffen‘ mit zehn Familien, den der Unternehmer Max Aicher renovieren und als Flüchtlingsunterkunft ausbauen ließ. Über das Netzwerk des Unternehmens organisierte man kurzfristig drei Lehrkräfte, die allen dort wohnenden Sprachunterricht gaben. Später folgte im bfz Freilassing ein regulärer Deutschunterricht mit Vermittlung der Sprachzertifikate A1, A2 und B1 – so dass einer fließenden Unterhaltung nichts im Wege steht. Damit war man nun „endlich angekommen in Deutschland“ und Bassam ließ keine Zeit verstreichen. Wann immer möglich, vertiefte er seine Deutschkenntnisse. Schon 2018 hatte er in Freilassing einen ‚ersten Job‘ gefunden und legte die deutsche Führerscheinprüfung ab. Nicht das Fahren selbst – er fährt seit 20 Jahren Auto – sondern die Sprache setzte bei der Prüfung Herausforderungen, die er aber mit Ehrgeiz und Fleiß zu meistern wusste.

Kinder in Deutschland zuhause

2017 findet er für sich und seine Familie eine eigene Wohnung, über Bekannte, über die so vieles läuft. Bassam ist ein aktiver Mensch, blickt selten zurück und meist nach vorne. Dennoch haben er und seine Frau bis heute Heimweh nach Syrien, ihrer alten Heimat. Die Kinder hingegen, heute zwischen 10 und 19 Jahre alt, möchten bleiben. „Was sollen wir dort in Syrien“, fragen sie. Der Große hat bereits im Beruf Fuß gefasst, der jüngere Bruder will eine Ausbildung zum Automechatroniker durchlaufen. Die beiden Schwestern gehen noch zur Schule. Bassam arbeitet seit einem halben Jahr beim Malteser Hilfsdienst in Vollzeit im Rahmen eines „Freiwilligen Sozialen Jahres“ , ist im Fahrdienst für Menschen mit Behinderung und im Menüservice eingesetzt. Die Mutter, die sich zuhause um die sechsköpfige Familie kümmert, legt aktuell den dritten Deutschkurs, die Prüfung zum B1-Niveau ab. Auch sie will sich die nächsten Monate für einen Job bewerben.

Zertifikat zum Schiedsrichter

Für Bassam ist die Arbeit eine Bereicherung, denn „so komme ich mit Einheimischen ins Gespräch und kann viele Kontakte knüpfen.“ Das ist aber nicht sein einziger Bezug, denn als leidenschaftlicher Fußballer spielt er für den Verein „BGL International Freilassing“ und hat die Gelegenheit genutzt, eine Ausbildung zum Schiedsrichter zu durchlaufen. „Die Regeln kenne ich natürlich, die sind auch in Syrien nicht anders. Schwer war es, die ganzen Fachbegriffe auf deutsch zu lernen.“ Doch auch das meisterte der engagierte und optimistische 43jährige. Aktuell hat er sich einer neuen Aufgabe gestellt und absolviert einen Grundkurs beim Technischen Hilfswerk in Mitterfelden.

Syrischer Reisepass
oder deutscher Ausweis?

Kontakt zur seiner alten Heimat pflegt er in täglichen Telefonaten. Drei seiner Brüder leben noch dort und auch seine Mutter. Bassam überlegt wie er ihnen dort helfen kann. „Die Kosten für Lebensmittel sind in Syrien sehr hoch, doppelt so hoch wie in Deutschland“, erzählt er. Bassam strebt eine Festanstellung im sozialen Bereich an, doch das braucht seine Zeit. Einen Personen-Beförderungsschein etwa kann er erst im Herbst erwerben, denn dazu muss er den deutschen Führerschein zwei Jahre lang besitzen. Eine Ausbildung erscheint ihm als zu problematisch, vor allem der Wechsel zwischen Arbeitsstelle und Berufsschule. Vor Herausforderungen stellt ihn zudem die alle zwei Jahre nötige Verlängerung des syrischen Reisepasses für die ganze Familie. „Dafür müssen wir alle in das Konsulat nach Berlin reisen und die Kosten belaufen sich auf 2500 Euro plus Reisespesen und Übernachtung“, gibt er an. Warum er keinen deutschen Pass erhält, versteht er nicht. Ansonsten ist Bassam Almawas längst angekommen in Deutschland, hat sich und seine Familie schnell integriert, will nicht nur nehmen, sondern auch geben, sich in die Gesellschaft einbringen. Er ist dem deutschen Staat dankbar, der ihm ein neues Leben fern der Heimat ermöglicht hat. Die Menschen hier im Berchtesgadener Land erlebt er als aufgeschlossen und sehr hilfsbereit. Mit Ausländerfeindlichkeit sah er sich in den drei Jahren noch nie konfrontiert.

Drei Betriebe beim Umweltpakt Bayern ausgezeichnet

Drei Betriebe aus dem Berchtesgadener Land wurden jetzt für qualifizierte freiwillige Umweltleistungen als Teilnehmer am Umweltpakt Bayern ausgezeichnet. Der stellvertretende Landrat Rudolf Schaupp hob dessen Bedeutung für die Wirtschaft hervor und bekräftigte die Vorreiterrolle Bayerns. „Seit 25 Jahren prägen Freiwilligkeit und die Übernahme von Eigenverantwortung beim Umweltpakt Bayern den Charakter der Initiative. Ökologie und Ökonomie ergänzen sich auf sinnvolle Weise.“ Schaupp bezeichnet das Berchtesgadener Land mit Nationalpark und Biosphärenregion als den führenden Naturschutz-Landkreis in Bayern.

Wirtschaft und Ökologie sollen beim Umweltpakt Bayern zusammen gestalten. Die Preisträger im Berchtesgadener Land (v.l.): Markus Jung und Geschäftsführer Franz Praxenthaler von dem Unternehmen Hörl Kunststofftechnik in Laufen, Geschäftsführende Gesellschafterin Irene Wagner von der psm protech aus Marktschellenberg, stellvertretender Landrat Rudolf Schaupp, Rogger Peter-Eggerdinger und Vorstand Karl-Heinz Schörghofer von der MAFO Systemtechnik aus Teisendorf – Foto gsp

Leistungsstark: Hörl, Mafo und psm

Mit den Unternehmen „psm protech“, Marktschellenberg, Mafo Systemtechnik AG, Teisendorf, sowie Hörl Kunststofftechnik, Laufen, sind drei familiär geprägte Betriebe des Mittelstandes mit insgesamt 510 Beschäftigten ausgezeichnet worden. Allein 71 Auszubildende zeugen vom Engagement der drei Unternehmen über den Umweltschutz hinaus mit sozialer Verantwortung in und für die Region. Dies bekräftigten unisono die Bürgermeister der drei Gemeinden, Franz Halmich (Marktschellenberg), Thomas Gasser (Teisendorf) und Hans Feil (Laufen).

Sie hoben ihre Bedeutung als herausragende Arbeitgeber im Ort hervor, die hohe Beiträge an Gewerbesteuer leisten und sich für das Allgemeinwohl engagieren. Bürgermeister Franz Halmich dankte für die großzügige Praxis bei Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr bei der „psm protech“, für die selbstlose Freistellung ihrer Arbeitskräfte. Als freiwillige Umweltleistung gestaltete die psm die Parkplatzrandstreifen neu, verwandelte eine 500 Quadratmeter große Wiese in eine artenreiche Blumenwiese mit regionalem Saatgut, setzte heimische Pflanzen, legte eine Streuobstwiese an und sorgte im Heckensaum für eine Anreicherung von Arten. Geschäftsführerin Irene Wagner: „Ein wenig Wildwuchs tut der Natur und uns Menschen gut.“

Auch die Bürgermeister der Gemeinden freuen sich über das Engagement und die gute Entwicklung ihrer Betriebe. Links Bürgermeister Hans Feil (Laufen), Mitte Bürgermeister Franz Halmich (Marktschellenberg), Rechts Bürgermeister Thomas Gasser (Teisendorf)

Die Hörl Kunststofftechnik GmbH aus Laufen machte die Gestaltung einer neuen Blumenwiese gleich zu einem Azubiprojekt und realisierte mit der Biosphärenregion BGL eine naturnahe Gestaltung des Außenbereichs. Aber auch im Betrieb selbst setzt man ganz auf Umweltschutz. Auf dem Dach des Betriebsgebäudes sorgen Photovoltaikanlagen für Energieeinsparung und einer Verminderung der CO2-Emissionen. Selbst für die Heizung fällt kein Energieverbrauch an, denn die Wärme wird aus der Abwärme der Spritzgussmaschinen gewonnen. Die Kunststoffabfälle werden im Haus regranuliert und erneut zugemischt. Zur Sicherung einer umweltgerechten Mobilität hat das Unternehmen ein Elektrofahrzeug für den Kurzstreckenverkehr bestellt. Geschäftsführer Franz Praxenthaler erinnerte an das Jahr 2013, als das Unternehmen am Ortseingang von Laufen auf der grünen Wiese komplett neu erstand. „Damals haben wir mit auf den Weg bekommen, was Schönes für den Ort zu tun, einen repräsentativen Entrée für den Ort zu gestalten. Daran haben wir uns bis heute gehalten.“ Das Unternehmen will 2020 neben Radweg und Straße noch einen eigenen naturnahen Themengarten anlegen und so zu einer weiteren Verbesserung des Ortsbildes beitragen.

Und vor dem Betrieb
grasen die Kälber

Bei dem Unternehmen Mafo Systemtechnik in Teisendorf grasen im Sommer Kälber vor dem Betriebsgelände und die Grünflächen machen zeitweise einen ungepflegten Eindruck. „Das aber ist so gewollt, wir wollen ein Stück Natur zurückholen und setzen auf Biodiversität. In idyllischer Lage, nahe am Wald gelegen, passt es zu uns“, erklärt Vorstand Karl-Heinz Schörghofer. Unterstützung hat er durch Roger Peter-Eggerdinger, Leiter des Qualitätsmanagements, der sich privat im Gartenbauverein engagiert. Bei der Verleihung der Urkunde vom Umweltpakt Bayern im Landratsamt hob Rudolf Schaupp die freiwilligen Leistungen des Betriebes hervor: „Sie haben als Teilnehmer am Blühpaket Bayern 13.000 Quadratmeter Fläche neu gestaltet und verzichten auf chemische Pflanzenschutzmittel. Bereiche der Blühflächen bleiben über den Winter ungemäht.“ Die Urkunden für die drei Betriebe wurden von Bayerischen Staatsminister für Umweltschutz, Thorsten Glauber gezeichnet.

Biosphärenregion
leistet aktive Hilfe

Aktive Hilfe erführen die ausgezeichneten Unternehmen von der Verwaltungsstelle der Biosphärenregion Berchtesgadener Land e.V., die Unternehmen, Schulen, Vereine und Kommunen beraten. „Zum Einsatz kommt autochthones, also in der Region wachsendes Saatgut, das in den letzten Jahren aufwändig gezüchtet und geerntet wurde“, erklärt Sabine Pinterits von der Biosphärenregion. Zuvor aber müsse der Boden von einem fetten und humsreichen Erdreich hin zu einem mageren Boden bearbeitet werden, was mit der Einbringung von Kies und Sand erfolgt. Bei den Unternehmen selbst werden Mitarbeiter geschult und eingewiesen, was widerrum eine hohe Kooperationsbereitschaft der Betriebe voraussetzt. „Die Maßnahmen gehen über das Schaffen von kulturtypischen Blumenwiesen hinaus, wie sie etwa bis in die 50er-Jahre typisch für die Region waren. Wir realisieren gemeinsam mit den Firmen sogar Streuobstwiesen, Heckenpflanzungen und schaffen insgesamt eine artenreiche Struktur des Umfeldes der Betriebe, so dass selbst Wildbienen wieder einen Lebensraum finden.

Den KFZ-Bereich für die Zukunft rüsten

 

Berufsschule Freilassing:
Investitionen in das Kompetenzzentrum gefordert

Die Staatliche Berufsschule Freilassing bildet in sechs Handwerksberufen und in acht kaufmännischen Berufen aus. Außerdem bietet sie Zusatzangebote bis hin zur Erlangung der Fachhochschulreife. Jetzt will die Bildungseinrichtung ihre Kompetenz im Bereich Kfz-Technik erweitern. Durch den wachsenden Schwerpunkt der Hochvolt- und Systemtechnik für die KFZ-Mechatronik besteht zusätzlicher Bedarf.

Dabei ist die Staatliche Berufsschule für die Landkreise Berchtesgaden und Traunstein Kompetenzzentrum für Kraftfahrzeugtechnik. Die Ausbildung der angehenden KFZ-Mechatroniker soll auf dem modernen Stand der Technik weiterhin gewährleistet sein. Landrat Georg Grabner erinnerte, wie sehr man sich damals für eine Aufwertung des Standorts Freilassing einsetzte.

Wir müssen im Landkreis wettbewerbsfähig bleiben und brauchen dafür vor allem auch im Handwerk beste Ausbildungsbedingungen. Berufliche Bildung ist eine Kern- und Zukunftsaufgabe“, bekräftigt er. Der Landrat informierte dabei über eine eigene Woche der beruflichen Bildung. Vom 11. bis 15 November präsentieren sich 75 Betriebe aus dem ganzen Landkreis. Schwerpunkt der Veranstaltung werden die Berufsschule und die benachbarte Realschule sein, wo einzelne Marktstände über die beruflichen Perspektiven informieren. Auch dezentral gibt es in den Betrieben dazu Angebote. Am 14. November ist ein Aktionstag als „Markt der Berufe“ angesetzt.

Schulleiter Hermann Kunkel verweist darauf, dass es ein KFZ-Kompetenzzentrum wie in Freilassing nur noch in München und Ingolstadt gebe. Es soll jetzt ein wichtiger Schritt ‚in die neue Zeit‘ erfolgen, um den Auszubildenden die neueste Technik von Verbrennungs-, Elektro-, und Hybrid-Antrieb zu vermitteln. „Dafür brauchen wir mehr Platz und Technik. Die aktuellen Räume aus den 80er-Jahren sind dafür nicht mehr ausreichend“, begründet er den Antrag. Das ursprünglich für die Metallbearbeitung konzipierten Raumangebot werte man als nicht mehr optimal für einen handlungsorientierten Unterricht. Dabei entwickelt sich die Branche im Bereich von neuen Technologien insgesamt sehr rasant, und es ist offen, welche Technik die nächsten Jahre noch kommen wird.

Markus Hiebl, Fachbereichsleiter für das zentrale Gebäudemanagement des Landkreises, betont die enge Abstimmung mit der Schulleitung. Dabei liegt die Erweiterungsfläche für den Neubau auf einem anderen Grundstück, das aber im Besitz des Landkreises ist. Dennoch sei es schwierig, den Zeithorizont schon jetzt genau abzuschätzen. Zuvor gelte es den Schulstandort mit seinen Gebäuden ganzheitlich zu betrachten. Es braucht eine Bestandsanalyse, was bei dem bestehenden Gebäude noch möglich ist und eine Abstimmung mit der Regierung von Oberbayern. Ziel soll eine richtige Weichenstellung für die nächsten zwanzig, dreißig Jahre sein.

Die Verwaltung schlägt vor, dass eine Bestands- und Bedarfsanalyse mit einer Beurteilung der vorhandenen baulichen und technischen Substanz nach folgenden Kriterien erstellt wird: Die schulische und pädagogische Funktionalität, die Organisation der Gastschüler, die Sicherheit und Statik, der Brandschutz sowie die Möglichkeit von Energieeinsparungen. Dieser Prozess soll bis zum Sommer 2020 abgeschlossen sein.

Kreisrat Dr. Bernhard Ziemer merkt kritisch an: „Das wird Jahre brauchen, und doch besteht der Bedarf schon heute.“

Kreisrat Hans Metzenleitner bestätigte die Wichtigkeit der Berufsausbildung, besonders in Zeiten eines Mangels an Facharbeitern. „Das beginnt schon in der Schulzeit, und das Problem sind häufig die Eltern, die von den guten Perspektiven einer fundierten Berufsausbildung im Handwerk überzeugt werden müssen.“

Letztlich wurde die Beschlussvorlage als eine Empfehlung für den Kreistag einstimmig gefasst. Die Verwaltung soll dann eine Bestands- und Bedarfsanalyse für die gesamte Schulanlage erstellen.