KSOB nimmt Stellung zum Neubau

Auf eine redaktionelle Nachfrage, warum ein Klinik-Neubau in Bad Reichenhall nötig sei, nimmt die KSOB (Kliniken Südostbayern AG) Stellung. Unternehmenssprecher Ralf Reuter schreibt:

Altersstruktur der Bauten

Die bauliche Altersstruktur der Kreisklinik Bad Reichenhall mit etlichen zentralen Komponenten aus den 1960er Jahren war Grundlage der Überlegungen zur Sanierung der Bestandsgebäude oder zum Neubau einer Klinik. Im Rahmen eines Logistik- und Kostenvergleichs wurde die Umsetzung eines Klinikneubaus seitens des Landkreises und Aufsichtsrates favorisiert.

Viele Gründe sprechen für einen Klinikneubau in Bad Reichenhall
Vieles spricht für einen Neubau der Klinik in Bad Reichenhall. Es regt sich aber auch Widerstand gegen den Standort „auf der grünen Wiese“ und der Vernichtung von Infrastruktur für Freizeit, Kinder und Jugend. Unsere Foto (Google) zeigt den Bestand mit dem alten Schachnerbau (rotes Dach).
Kostensicherheit und Bauzeit

Für einen Neubau spricht eine größere Kostensicherheit und eine wesentlich kürzere Bauzeit. Eine Sanierung der Kreisklinik müsste im laufenden Betrieb geschehen und wäre für Patienten und auch Mitarbeiter auf diesem begrenzten Platz in Bad Reichenhall eine ziemliche Herausforderung. Eine Sanierung würde ca. 15 Jahre dauern, ein Neubau stünde in drei Jahren. Auch ist eine Sanierung teurer als ein kompletter Neubau, unter anderem deshalb, weil auf aufwändige und kostenintensive Interimsmaßnahmen verzichtet werden kann.

Interne Abläufe und neue Konzepte

Bei einem Neubau haben wir zur Neugestaltung sämtlicher Abläufe bessere räumliche Optionen – auch Erweiterungen betreffend. Die Verbesserung der internen Abläufe durch die vollständige Neukonzipierung der Reichenhaller Klinik ist nur durch einen Neubau möglich. Das heißt als Beispiel, zusammenarbeitende medizinische Bereiche sollen wesentlich näher räumlich angeordnet werden – also eine Klinik der kurzen Wege entstehen.

Mehr Servic und Flexibilität

Auch sehen wir im Neubau eine Verbesserung der Services für Patienten und Besucher unter anderem allein schon durch die Parkplatzsituation. In einen Neubau sehen wir auch weitere Gestaltungsspielräume für neue bzw. zusätzliche medizinische Disziplinen durch räumliche Flexibilität, die wir auf dem bestehenden Gelände nicht mehr haben. Ferner können wir nur bei einem Neubau den sog. „Green Hospital“-Gedanken, also Nachhaltigkeit, Energie- und Umweltgedanken entsprechend umsetzen.

Der Neubau war bereits 2018 beschlossene Sache

Für den Chef der Kliniken Südostbayern AG (KSOB), Dr. Uwe Gretscher, war bereits 2018 klar, dass man in Bad Reichenhall nicht um einen Neubau umhinkomme. Man will den Verbund aus sechs Kliniken zukunftssicher machen. Der Kreistag forderte darauf hin ein medizinisches Gesamtkonzept, denn allein für den Neubau veranschlagte man damals 125 Millionen Euro, in der jüngsten Kreistagssitzung, im Dezember 2021, waren es dann 175 Millionen Euro. Die Zukunft des Klinikverbundes KSOB geht im Wesentlichen von zwei Hauptstandorten aus, nämlich Traunstein und Bad Reichenhall. Die anderen Standorte, zu denen auch die Kliniken in Berchtesgaden und Freilassing zählen, werden wie berichtet in ihrem Leistungsangebot zum Jahr 2028 zurück gefahren.

Stv. Landrat Michael Koller
fordert öffentliche Debatte

Der stellvertretende Landrat und Kreisrat Michael Koller (FWG) aus Berchtesgaden mahnte beim jüngsten Kreistagsbeschluss für den Standort Bad Reichenhall an, einen gesellschaftlichen Konzens zu den Veränderungen zu finden und regte dabei eine breite gesellschaftliche Debatte an. Dabei habe er selbst ebenso dem neuen Standort und Klinikkonzept zugestimmt. „Wir können die Entwicklung nicht aufhalten, zumal die Vorgaben ja vom Gesetzgeber und den Kassen selbst gestellt werden“, führt er aus.

Notfallversorgung in Berchtesgaden

Wichtig aber sei etwa die Notfallversorgung in Berchtesgaden sicher zu stellen, wenn die Notfallaufnahme im Krankenhaus geschlossen werde. „Wir müssen uns unterhalten und diskutieren, wie es dann weitergehen soll. Wird es einen Ärzteverbund geben oder der Rettungsdienst verstärkt? Muss ein Kind bei einer Platzwunde zur Notaufnahme nach Bad Reichenhall gefahren werden? Welche Kapazitäten brauchen wir, wenn sommers wie winters tausende Touristen in den Bergen und der Natur unterwegs sind“, fragt er an.

Für Michael Koller ist es wichtig, die Notwendigkeiten der Entscheidungen aufzuzeigen. „Wenn etwa Dr. Uwe Gretscher dem Kreistag in einer einstündigen Präsentation die Hintergründe darlegt, erschließen sich die Entscheidungen noch lange nicht der Bevölkerung. Natürlich haben Menschen Angst, dass im Falle eines Notfalles die Versorgung leiden könnte“, so der stellvertretende Landrat.

Landkreis stemmt viele Großprojekte

Von der Kostenseite sind die Kreisräte aktuell ja mehr denn je gefordert. Anstehende Großprojekte wie der Neubau des Berufsbildungszentrums in Freilassing für 115 Millionen Euro, die Erweiterung des Rottmayer-Gymnasiums in Laufen für über 20 Millionen Euro und die Wiederherstellung der Bob- und Rodelbahn für 57 Millionen Euro sowie nun auch der Neubau der Klinik in Bad Reichenhall für 175 Millionen Euro. Überall ist der Landkreis Träger der Einrichtungen und daneben stehen noch viele kleinere Projekte, ebenfalls in Millionenhöhe. „Das ist nur die finanzielle Seite, so Michael Koller. Die Verwaltung ist auch bei der Projektierung, der Vergabe und Durchführung gefordert und braucht dafür Personal und hoch dotierte Fachkräfte. Dabei dürfen eben auch kleine Projekte, wie etwa die Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei in Berchtesgaden, nicht zurück stehen.

Bei den Kliniken gilt es darüber hinaus langfristig sicherzustellen, dass man über genug Fachärzte und Fachkräfte verfüge. Auch das habe eine entscheidende Rolle für den Neubau in Bad Reichenhall gespielt. Das Credo des Arzt und Krankenhausbetriebswirt Gretscher kommt darum nicht von ungefähr wenn er konstatiert: „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man überall alles vorhalten kann und noch dazu in hoher Qualität allen Anforderungen entsprechend.“

Zentrale Rolle des Rettungsdienstes

„Wir müssen uns zusammen setzen und ausloten, ob etwa niedergelassene Ärzte bei leichteren Fällen eine Notfallversorgung durchführen können und ob die Rettungsdienste das schaffen.“ Bei den Rettungsdiensten verweist Pressesprecher Markus Leitner vom Roten Kreuz darauf, dass man bereits jetzt schwere Fälle nach Bad Reichenhall oder Salzburg bringe, was angesichts der Belastungen durch die Coronapandemie nicht immer ganz einfach gewesen sei. In Berchtesgaden sei man aktuell an zwei Standorten zu finden, plane aber bereits einen Neubau, um die Platzverhältnisse zu verbessern. Auch der Notarztstandort ist in die Rettungswache integriert. Darüber hinaus „haben wir ein großes Polster an Ehrenamtlichen, gut ausgebildete Kräfte für die Spitzenabdeckung“, argumentiert Markus Leitner sowie „große Unterstützung durch die Bergwacht und Wasserwacht.“

Für Michael Koller bildete von Anfang an das „Medizinische Gesamtkonzept“ den Schlüssel für die Planungen. „Damit sind wir fähig, die sechs Standorte zu halten,“ bekräftigt er. Andernfalls, deutet etwa Dr. Uwe Gretscher an, hätte es mittelfristig das Aus für die Klinikstandorte Berchtesgaden und Freilassing bedeuten können.

Die wilden Jahre von Bad Reichenhall

Die wilden Jahre von Bad Reichenhall in den 60er- bis in die 80er-Jahre mit täglich Live-Musik in 18 Tanzlokalen

Tanzlokale, Alleinunterhalter und Ensembles prägten die Zeit

Bad Reichenhall war Ende der 60er- bis weit in die 80er-Jahre hinein bekannt für seine Tanzlokale mit Livemusik. Nicht nur der hohe Anteil an Kurgästen, denen damals vorwiegend die „Offene Badekur“ verschrieben wurde und die in vielen Kurheimen, Pensionen oder bei Privatvermietern logierten, bestimmte die Szene. Es reisten auch viele Tanzfreudige eigens an, sogar aus Niederbayern oder München. Bad Reichenhall hatte sich in der Szene einen guten Namen gemacht, war bis weit über die Grenzen hinaus bekannt. Begünstigt hatte diese Entwicklung ein „Casinobus“, der seine Kunden kostenlos mehrmals wöchentlich nach Bad Reichenhall fuhr. Neben dem Spiel im Casino, nutzten viele die Gelegenheit zu einem Besuch der Tanzlokale.

Seit 60 Jahren kennt er die Szene

Ein Kenner und Akteur dieser Zeit ist Martin Koch (78), der von 1969 bis 1980 selbst wöchentlich sechsmal als Alleinunterhalter auftrat und in den Folgejahren die Szene mit einem eigenen Tonstudio begleitete und weiterhin bei besonderen Veranstaltungen zu hören war. Die Redaktion hat sich mit ihm getroffen, um mehr über ihn und „seine Zeit“ zu erfahren.

Martin Koch und sein Equipment für stimmungsvolle Abende mit Musik und Gesang mit Gesangsanlage, Rythmusgerät, Orgelverstärker, Elektronik sowie die gesamte Verstärkeranlage und Effektgeräte. – Fotos: Gerd Spranger

Seine musikalischen Talente entwickelte er in seiner Kindheit und Jugend in der Trachtenkapelle in Anger-Höglwörth und im Quintett „Höglwörther Buam“. Gebürtig ist er vom Högl, wo seine Familie über Generationen hinweg einen Bauernhof betreibt. Seine Musikerkarriere als Alleinunterhalter startete er im Jahr 1969. „Ich spielte das ganze Jahr durch ohne Urlaube, täglich sechs Stunden, und meist bis weit in die Nacht hinein. Nur im Dezember nahm ich mir eine zweiwöchige Pause“, erzählt er und betont: „Es ist mir nicht schwer gefallen, ich konnte mit dem Publikum immer interagieren“, und meint damit, dass er es als Alleinunterhalter verstand, sein Publikum mitzureißen. „Nicht immer die Perfektion zählt, sondern die Stimmung muss passen und dafür braucht es immer ein gewisses Gespür für die Gäste und natürlich die Wahl der richtigen Titel.“ Für Martin Koch ist die Musik bis heute seine große Leidenschaft.

Hochkonjunktur des Deutschen Schlagers

Gespielt wurde in jenen Jahren hauptsächlich der deutsche Schlager, der zu jener Zeit eine Hochkonjunktur erlebte. Martin spielte und sang zudem noch Wiener Lieder, G’stanzl und zwischendurch hielten „ruhige Schleicher“ das Publikum bei Laune. In seinen ersten Jahren trat er im Reichenhaller Heustadel, in den Winzerstuben des Kurhauses und in der Klosterklause auf. Eine Wintersaison spielte er in Reit im Winkl, häufig auch in Berchtesgaden und eine Saison auf der Nordseeinsel Borkum, wo der Gastronom Österreicher einen Zweigbetrieb des Bad Reichenhaller Tanzlokals Heustadel eröffnete.

Die Einladung zum Tanz

„Es war eine ganz andere Zeit damals“, erinnert sich Martin. „Von den vielen Tanzlokalen ist auch ohne die Corona-Pandemie keins mehr geblieben. An Namen wie Meran, Winzerstuben im Kurhaus, Azteka, White Horse, Enzianstüberl oder Schroffen erinnert sich heute nur noch die ältere Generation. Manche Namen wie Klosterklause, Salzburger Hof, Kammererbräu, Kurcafé oder das Axelstüberl sind geblieben, doch Livemusik oder die Einladung zum Tanz sind die Ausnahme.

Martin Koch in seinen jungen Jahren und ein Blick in das ehemalige Lokal Heustadl am Kaiserplatz.

Um die Dynamik jener Zeit zu verstehen, muss man die großen Veranstaltungen im Staatlichen Kurhaus mit einbeziehen. Es war mit „prallem Leben“ erfüllt und internationale bekannte Bands und Ensembles wechselten sich wöchentlich ab wie etwa: Hugo Strasser, Egerländer Musikanten, Original Oberkrainer, Max Greger und ebenso bekannte Unterhalter und Musiker wie Iwan Rebroff, Roy Black, Franzl Lang, Maria Hellwig, Roberto Blanko, Hermann Prey und viele andere mehr. Martin Koch erinnert sich:

Dicke Autos und große Namen
Martin Koch vor alten Plakaten mit ihm als Alleinunterhalter und seine Kinder Martin und Renate, die ebenfalls bei bekannten Musikgruppen aktiv waren.

„Es fuhren die großen und teuren Autos vor, wie Lamborghinis, Rolls-Royce, Porsches und schwere Mercedes und BMW. Der Parkplatz war meist voll belegt. Es lag wohl auch daran, dass bis zum Bau des Kurgastzentrums auch das Spielcasino im Kurhaus integriert war.“

Martin Koch vor alten Plakaten mit ihm als Alleinunterhalter und seine Kinder Martin und Renate, die ebenfalls bei bekannten Musikgruppen aktiv waren.

Froh ist Martin bis heute im Salzburger Musikschulwerk, dass dem Mozarteum angegliedert ist, eine Gesangsausbildung gemacht zu haben. „Die Stimme muss für Auftritte bis zu sechs Stunden lang gehalten werden. Davor helfen Übungen zur Lockerung der Stimmbänder“, verrät er. Damals hatte man sich richtig ‚fein gemacht‘, das Tragen einer Krawatte etwa war in manchen Lokalen obligatorisch, es gab an der Garderobe auch immer welche zum Ausleihen. Mit Turnschuhen etwa fand man ebenfalls keinen Einlass. Die Damen machten sich im Kostüm oder im Dirndl zum Fortgehen fesch.

200 Titel im Repertoire

Die Abende begannen um 19.00 Uhr, manchmal wurde bereits am Nachmittag zum Tanztee geladen. „Die Kurgäste waren im Alter von 20 bis 70 Jahren und sie blieben bis zu vier Wochen, manche verlängerten noch um weitere zwei Wochen“, erinnert sich Martin. „Viele waren richtig tanzbegeistert, bereits nach dem ersten oder zweiten Lied war die Tanzfläche voll.“ Getanzt wurde alles. Ob Foxtrott, Tango, Wiener Walzer oder Tschatschatscha (Cha-Cha-Cha). Entsprechend groß war das Repertoire von Martin, wenn er mit seiner Akkordeonorgel aufspielte, mit der damals möglichen zusätzlichen Technik verstärkte und live gesungen hat. „In meinen besten Zeiten konnte ich an die 200 Titel auswendig spielen und singen, heute schaffe ich noch etwa 100, muss dafür aber viel üben,“ räumt er ein. Corona hat seinen Auftritten vor zwei Jahren ein jähes Ende gesetzt. „Wenn du ein gewisses Alter erreicht hast und nicht wöchentlich auftreten kannst, verlierst du manches. Um es auf Neudeutsch zu sagen: der Flow ist dann weg und es wird psychisch immer schwieriger, wieder hinein zu finden bei heute gestiegenen Ansprüchen“, bedauert er.

Ein eigenes Tonstudio

Die Karriere als Alleinunterhalter mit täglichen Auftritten beendete Martin 1980, als er ein eigenes Tonstudio gründete. Er war aber weiterhin mehrmals die Woche zu hören, etwa auf dem Berghof Schroffen, im Haus des Gastes in Bayerisch Gmain, im Kurcafè, im Luisenbad, wo er 15 Jahre lang aufspielte, ebenso wie zum Apress-Ski in Berchtesgaden-Oberau, im Café Waldluft in Berchtesgaden und 52 Jahren lang immer an Silvester, zu Hochzeiten, an Fasching und bei großen Familienfeiern.

Martin Koch mit seinem Hohner Knopfakkordeon

2003 übergab er das Tonstudio, das sich in den 25 Jahren seines Bestehens mehrfach gewandelt und gut entwickelt hatte, an seinen Sohn Martin junior, der es bis heute erfolgreich führt und erweitert hat. Auch hier unterlag die Zeit einem großen Wandel. „1979 gab es zwischen Salzburg und München nur wenige Studios für professionelle Aufnahmen. Es gab damals kaum Möglichkeiten für eine Ausbildung zum Tontechniker, ich habe mir das alles selbst beigebracht.

LPs, Kassetten und CDs

„Es war damals schon eine große Sache, eine eigene Kassettenproduktion zu betreiben“, erzählt er. „Das Gerät, eine Kasetten-Duplizieranlage, überspielte ein Band in 62-facher Geschwindigkeit auf Kopierplätze und ermöglichte eine Produktion von 120 bis 130 Stück in der Stunde. Für die Produktion von LP (Langspielplatten und Singles) fertigten wir Masterbänder (Mutterband), die dann in einem Presswerk in München oder Gütersloh auf Platte gebracht wurden. 2005 begann Martin Junior mit einer eigenen CD-Herstellungsanlage und eine kleine Druckwerkstatt für die Produktion der Cover. Größere CD-Aufträge wurden dann über das Sonypresswerk in Anif abgewickelt.

Tradition wird weiter geführt

Sein Sohn Martin führt die Tradition seines Vaters fort. Früh schon war er gemeinsam mit seiner Schwester Renate mit verschiedenen Musikgruppen bei Liveauftritten unterwegs. Heute ist Martin aktiv im Studio, hat dazu einen Musikalienhandel von Verstärkeranlagen, und auswärts sorgt er mit Beschallungstechnik, Licht- und Videoanlagen bei kleinen und großen Veranstaltungen für den richtigen Ton und gute Stimmung. In Coronazeiten wuchs das Geschäft für Kommunen und Schulen mit der Ausstattung von Bild-, Ton- und Übertragungstechnik – zum Glück – „denn leider wurden allein im letzten Jahr über 200 Veranstaltungen ersatzlos abgesagt“, bedauert er.

Anekdoten zur Unterhaltung

Eine heimliche Leidenschaft von Martin Koch Senior sind kleine Anekdoten und Witze, die er heute bei seinen Auftritten zum Besten gibt. „Früher passte es bei einem tanzfreudigen Publikum nicht so, doch im Laufe der Zeit habe ich etwas umgestellt“, erzählt er. Die Schlager von 1951 bis 1993 sind ihm bestens geläufig, aber auch aktuellere Titel wie „Eine Nacht mit Dir“, „Atemlos“, „Warum hast Du nicht Nein gesagt“, „Einen Stern der Deinen Namen trägt“. Und ältere Klassiker wie: „Aber Dich gibt’s nur einmal für mich“, Rote Lippen soll man Küssen“, „Griechischer Wein“, „Marmor Stein uns Eisen bricht“ oder „Blue Spanish Eyes“.

„Livemusik war mein Leben“

Für Martin Koch war es eine wunderschöne Zeit. „Die Livemusik war mein Leben“, bekennt er. Zudem „waren die Menschen geselliger, tanzfreudiger und aufgeschlossener für diese Art der Musik und Unterhaltung“. Es war auch eine Zeit ohne Computer, Privat-TV, Internet, Sozial-Media, Handy und Smartphone. Die Welt war damals vielleicht nicht besser, aber womöglich etwas gemütlicher. Ein Brief brauchte eben seine Zeit und die Dinge im Allgemeinen.

Die wilden Jahre von Bad Reichenhall und die Tanzlokale:

Tanzcafé Meran, täglich internationale Tanz- und Show-Kapelle – Tanzlokal Azteka, täglich im Hotel Bayerischer Hof mit Profi-Kapelle – Tanzcafe Bayerischer Hof, täglich Alleinunterhalter – Kurhaus Winzerstube, täglich Tanzmusik und Alleinunterhalter – Kurcafé am Kurpark, täglich Tanzmusik und Alleinunterhalter – Heustadl am Kaiserplatz, täglich Tanzmusik und Alleinunterhalter – Berghof Schroffen (Saal), in der Saison mit Tanzkapelle – Berghof Schroffen (Stüberl), täglich Alleinunterhalter für Tanz u Unterhaltung – Weinlokal Klosterklause, täglich mit Alleinunterhalter – Wettersteinkeller, täglich Alleinunterhalter für Tanz und Unterhaltung – White Horse, täglich Alleinunterhalter für Tanz und Unterhaltung – Kammererbräu, täglich Alleinunterhalter und Duos – Hotel Axelmannstein (Bar), täglich Pianomusik, teilw. Tanzkapelle im Saal – Hotel Axelmannstein (Stüberl), täglich Alleinunterhalter und Zithermusik – Hotel Luisenbad, mittwochs Alleinunterhalter, samstags Tanzkapelle – Weinlokal „s’Herzl“, täglich Pianospieler und Schrammelmusik – Weinlokal Enzianstüberl, täglich Alleinunterhalter, Harfenspieler – Wienerwald, täglich Alleinunterhalter mit echter Wiener Musik – Große Veranstaltungen im Kurhaus: Wahl der „Miss Kurgast“, Wahl der „Miss Rosenkönigin“, große Bälle und international bekannte Musiker, Künstler und Interpreten (siehe Bericht).

Kliniken im Verbund mit neuen Aufgaben

In seiner jüngsten Sitzung entschied sich der Kreistag für den neuen Klinikstandort in Bad Reichenhall. Die Zusammenführung der Kliniken im Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein vor 20 Jahren leitete die richtige Entwicklung ein, „dabei war die Situation in den ersten Jahren teilweise desaströs“, bekennt Aufsichtsratsvorsitzender der KSOB (Kliniken Südostbayern AG), Dr. Uwe Gretscher.

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„An die neue Situation gewöhnen“

Beim Kaufhaus Juhasz in Bad Reichenhall hofft Geschäftsführer Ulrich Wassermann mittelfristig auf eine Normalisierung der neuen Situation mit der 2G-Regel für den Einzelhandel. „Die letzten Tage haben viele genutzt, um noch ohne Auflagen zu shoppen. Einige äußerten ihren Unmut über die neue 2G-Regelung. Wir werden uns alle aber an die neue Situation gewöhnen müssen und es wird die neue Normalität werden“, hofft er.

Kaufhaus Juhasz:
Im Gespräch mit Ulrich Wassermann

Beim Kaufhaus Juhasz in Bad Reichenhall hofft Geschäftsführer Ulrich Wassermann mittelfristig auf eine Normalisierung der neuen Situation mit der 2G-Regel für den Einzelhandel. „Die letzten Tage haben viele genutzt, um noch ohne Auflagen zu shoppen. Einige äußerten ihren Unmut über die neue 2G-Regelung. Wir werden uns alle aber an die neue Situation gewöhnen müssen und es wird die neue Normalität werden“, hofft er.

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10 Naturgärten im Landkreis ausgezeichnet

Im Berchtesgadener Land gibt es jetzt die ersten zehn vom Kreisverband für Gartenbau und Landschaftspflege ausgezeichnete Naturgärten. Er ist der Dachverband der 19 Obst- und Gartenbauvereine im Landkreis und sein Geschäftsführer heißt Josef Stein. Er ist beim Landratsamt erster „Garten-Ansprechpartner“.

Im Berchtesgadener Land gibt es jetzt die ersten zehn vom Kreisverband für Gartenbau und Landschaftspflege ausgezeichnete Naturgärten. Er ist der Dachverband der 19 Obst- und Gartenbauvereine im Landkreis und sein Geschäftsführer heißt Josef Stein. Er ist beim Landratsamt erster „Garten-Ansprechpartner“, gelernter Landschaftsgärtner, Geograph (BA), Ingenieur für Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur (MA) und damit hoch qualifiziert. Er selbst aber winkt ab: „Die Natur und Umwelt ist in ihrer Biodiversität so komplex, dass man letztlich in der Praxis lernt. Da bin ich an der richtigen Stelle und habe noch viel zu tun.“

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DJ Börnsen freut sich auf den neustart in den clubs

DJ Börnsen) freut sich, wieder mit guter Musik für beste Stimmung zu sorgen. Die den Corona-Maßnahmen geschuldete zweijährige Abstinenz war auch für ihn eine schwere Zeit. Er freut sich, wenn die Clubs wieder öffnen und private Feiern „ohne Handicap“ wieder möglich sind. Für Termine einfach unter Facebook-Messenger (Diyay Börnsen) anfragen. Hier seine Geschichte und ein Revival auf gute alte Zeiten:

Aktuell freut sich Bernhard (DJ Börnsen) wieder mit guter Musik für beste Stimmung zu sorgen. Die den Corona-Maßnahmen geschuldete zweijährige Abstinenz war auch für ihn eine schwere Zeit. Er freut sich, wenn die Clubs wieder öffnen und private Feiern „ohne Handicap“ wieder möglich sind. Für Termine einfach unter Facebook-Messenger (Diyay Börnsen) anfragen. Hier seine Geschichte und ein Revival auf gute alte Zeiten:

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Wie viele Menschen sterben in Deutschland?

K O M M E N T A R

Sind Tote normal? Ja, sie sind es, denn der Tod gehört zum Leben dazu. Brutal? Ja, vielleicht, doch das Leben ist endlich. Wie viele Tote aber „sind normal“, fragt Data-Journalist Mathias Brandt im Januar 2021. Wir fragen es uns auch heute, wie viele Menschen starben im ersten Halbjahr 2021 und haben dafür ebenfalls die Daten des Bundesamtes für Statistik bemüht. Zunächst aber zurück zum Jahr 2020. Rund 982.500 mussten sterben, ein 30-Jahres-Rekord, merkt der Kollege Brandt an.

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Mikrodepots: der Wille des Kreistages

Verbannen Mikrodepots wirklich den Verkehr aus den Kleinstädten. Der Landkreis Berchtesgadener Land muss eine Entscheidung treffen.

Kommentar:

– Neue Stadtlogistik für den Handel –

Der politische Wille ist erklärt, der Lieferverkehr muss aus den Städten verbannt werden. E-Lastenfahrräder und Mikrodepots sollen den Emissionen von alten Vans ein Ende bereiten. Bislang hat sich aber noch nicht ein KEP-Dienstleister im Berchtesgadener Land (BGL) als Kurier-, Express- oder Paketdienstleister für diese Idee entschieden, man ist selbst nämlich auf das Beste organisiert. DHL errichtet in Freilassing sogar ein neues Logistikzentrum.

Stattdessen entschied der Kreisausschuss des BGL sich im Aufbau einer regionalen Stadtlogistik zu profilieren, selbst Ideen-und Impulsgeber im Warenlieferverkehr für den Einzelhandel zu werden. Damit aber nicht genug. Um die Sache wirklich voran zu bringen ist, ob ihr nun Erfolg beschieden ist oder nicht, ein Regionalmanager und ein Dienstleister zu verpflichten. Funktionieren kann die Idee ebenso nur mit einer professionellen E-Commerce-Plattform auf der Kunden und Einzelhändler bitte künftig zugreifen sollen. Kosten wird es jeder einzelnen Kommune (sofern sie sich beteiligt) im Landkreis jährlich zwischen 30.000 und 47.000 Euro. Dabei ist der Aufwand zum Aufbau einer eigenen E-Commerce-Plattform noch nicht einmal eingerechnet.

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Schule, Wirtschaft und Corona

Bildung, Corona und die Folgen. Auch das Berchtesgadener Land will die Schäden begrenzen

Aus der Sitzung des Kreisausschusses vom 12. Mai 2021

Drei Fremdsprachen für das Rottmayr-Gymnasium in Laufen

Noch nie habe der Schulleiter des Rottmayr-Gymnasium, Oberstudiendirektor Maurice Flatscher, in Laufen eine so uneingeschränkte Zustimmung von Lehrern, Eltern und Schülern erfahren, bekannte er in seinem Sachvortrag vor dem Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes. Das Anliegen ist die Einrichtung einer Fremdsprachenfolge mit drei modernen Fremdsprachen, nämlich Englisch, Französisch und Spanisch an dem Laufener Gymnasium. Zustimmung für diese Pläne, die ab dem Schuljahr 2022/23 umgesetzt werden sollen, gab es nach Rücksprache auch mit dem Schulleiter des Karlsgymnasiums in Bad Reichenhall. Der Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes empfiehlt dem Landkreis als Sachaufwandsträger einstimmig, dieser Änderung zuzustimmen. Die letzte Entscheidung allerdings liege beim Kultusministerium, räumt Maurice Flatscher ein.

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Aus dem Kreisausschuss: Testpflicht, Amtshilfe, Zuschüsse und Bürgerbegehren

Testpflicht für Kommunalpolitiker

Unmittelbar nach Inkrafttreten des Bundes-Lockdowns am 24. April hat das Landratsamt Berchtesgadener Land am Montag, den 26. April, die Mitglieder der Gremien des Kreistages über eine Testpflicht auf Coronaviren informiert. Die Entscheidung des Landratsamtes stützt sich nach Auskunft der Pressestelle auf eine Mitteilung des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren für Sport und Integration. Damit sei durch das Hausrecht und das Recht zur Ausübung der Sitzungsordnung die Verpflichtung zum Testen für alle Teilnehmer der Ausschusssitzungen des Landkreises gegeben.

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Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden für den Landkreis?

Branchenvertreter mit klarem Statement  Wirtschaftshilfe BGL zeigt sich zögerlich

Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger
Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger

Wie hoch ist der Schaden für den Tourismus mit den betroffenen Branchen von Hotellerie, Gastronomie, Handel und Freizeiteinrichtungen – von den Thermen bis zu den Bergbahnen – nach sechs Monaten Stillstand. Wie stellt sich die wirtschaftliche Lage im Landkreis dar, wollten wir als Redaktion wissen. Erster Ansprechpartner in der Region ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises. 

Sie unterstützt nach eigener Aussage mit einem Team von elf Mitarbeitern „Unternehmerinnen und Unternehmer umfassend, individuell und vertraulich“. Vor vier Wochen baten wir um aktuelle Zahlen, bis heute könne man dazu keine Angaben machen, „man wisse es ganz einfach nicht, arbeite aber daran“, ließ Geschäftsführerin Dr. Anja Friedrich-Hussong ausrichten. Jetzt steht endlich ein Termin fest. Wir haben uns vorher bereits umgehört.

Keiner nennt das Ausmaß
der Kollateralschäden

Interessiert hätte uns, wie hoch der Wirtschaftseinbruch für den Landkreis im Jahr 2020 ausfällt. Deutschlandweit sollen es fünf Prozent gewesen sein, in unserer vom Tourismus geprägten Region dürfte er höher ausfallen. Nach dem Wegfall des Weihnachtsgeschäftes bleiben im neuen Jahr für viele Unternehmer die Türen geschlossen. Sie dürfen nicht aufsperren, nicht vermieten und auch keine Gäste befördern oder bewirten. Ein Jahresumsatz von 487 Millionen Euro im Jahr 2019, laut Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif), zeigt die Bedeutung der Branche für das Berchtesgadener Land. Tourismusmanagerin Dr. Brigitte Schlögl bezifferte den Umsatzausfall für den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 bereits mit rund 50 Millionen Euro für den Landkreis.

Einbruch von 36 Prozent

Dehoge-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann

„Ein überaus starker Sommer verhinderte zwar das Schlimmste“, bekennt Dehoga-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann, „die Reisen ins Ausland waren ja nur erschwert möglich, doch die Einbrüche im Landkreis liegen zwischen 16 und 36 Prozent, je nach Region.“ So verlor Berchtesgaden im Jahr 2020 knapp 370.000 Übernachtungen und Bad Reichenhall mit Bayerisch Gmain 353.000 Übernachtungen. Für Bad Reichenhall aber bedeutet dies bei insgesamt nur 958.000 Nächtigungen ein Minus von 36 Prozent. Die fünf südlichen Landkreisgemeinden brachten es 2019 auf 2,27 Millionen Nächtigungen. Dazu verzeichnete der Landkreis jährlich noch knapp sechs Millionen Ausflugsgäste, die seit Oktober 2020 weitgehend ausbleiben. Je Tagesgast wird ein Umsatz von 24,80 Euro zugrunde gelegt.
Ein aktuelles pdf dazu hier: dwif-wirtschaftsfaktor-tourismus-bgl

Rücklagen aufgebraucht – 
Griff nach der Altersvorsorge

Wieninger Schwabenbräu überbrückt mit einem Außer-Haus-Verkauf.

Wie hoch der angerichtete Schaden dabei ist, kann auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Berchtesgadener Landes aktuell nicht benennen. Wie viel Unternehmerinnen und Unternehmer haben ihre Rücklagen aufgebraucht, teilweises sogar ihre Altersvorsorge investiert? Wie viele „arbeitslose Selbständige“ zählen wir im Landkreis? Wie viele Fachkräfte wenden sich von der Branche ab? Zu all dem gibt es keine Angaben und gerade sie wären zur Beurteilung der Lage wichtig. Erschwerend wirken sich darüber hinaus die verzögerten Hilfen aus. „Erst wenn klar ist was bei den Betrieben ankommt, kann man Bilanz ziehen und das kann noch dauern“, gibt Johannes Hofmann zu denken.

Wirte leben von Hartz IV
Tourismus ohne Zukunft

Tische stehen auf der Bergstation der Jennerbergbahn keine mehr, auch Gäste bleiben seit einem halben Jahr aus. Der Betrieb musste schließen.

Er macht sich Sorge um die Zukunft der Branche: „Ich kenne erste Wirte die Hartz IV beziehen und erste Köche und Servicekräfte die in die Verwaltung, das Handwerk oder in die Dienstleistungsbranche wechseln.“ Noch vor einem Jahr zeichnete sich die Tourismusbranche durch Innovation, Internationalität, Wachstum und einen guten Ruf aus. Das ist jetzt nachhaltig vorbei, „wer will in einer unsicheren Branche noch seine berufliche Zukunft investieren?“ fragt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Selbst Landrat Bernhard Kern, der die negativen Auswirkungen für das Berchtesgadener Land fürchtet, zeigt sich laut seiner jüngsten Pressemeldung „fassungslos über die jüngsten Beschlüsse der Staatsregierung“, sieht die Belange des Landkreises nicht berücksichtigt.

Wo bleiben
die Gelder und Hilfen?

Zu der wirtschaftlich angespannten Situation der Branche kommt noch die schleppende Auszahlung versprochener Hilfen. Hannes Lichtmannegger vom Hotel Rehlegg in der Ramsau, und mit ihm auch alle anderen betroffenen Unternehmen im Landkreis, können erst jetzt im März die Oktoberhilfe beantragen. „Und dabei haben wir aufgrund der Zwangsverordnung des Landkreises über Nacht bei Vollbelegung alle Gäste nach Hause schicken müssen“, erinnert der Hotelier. Für den gesamten Zeitraum von Oktober bis November seien bislang nur 150.000 Euro Überbrückungshilfe geflossen, bei einem Umsatzausfall von zwei Millionen Euro.

Nicht jeder
bekommt einen Kredit

Auch bei der Rupertustherme in Bad Reichenhall „geht nichts mehr“. Parkplatz und Therme sind seit sechs Monaten geschlossen.

“Die Hilfen für November wurden erst im Februar ausbezahlt und für Dezember und Januar sind ebenfalls noch keine Gelder angewiesen“, ergänzt er. Zudem müsse er als Unternehmer das Kurzarbeitergeld für die Angestellten am Monatsanfang ausbezahlen, bekommt es aber erst drei, vier Wochen später wieder erstattet, abzüglich des Arbeitgeberanteils. „Ich schätze mich heute glücklich, dass ich sofort das Gespräch mit meiner Hausbank gesucht habe und sie mir für diese schwere Zeit einen großzügigen Kredit gewährte. Den muss ich natürlich wieder zurückzahlen, größere Investitionen in den Betrieb sind damit für die nächsten Jahre erst einmal gestoppt“, bekennt Hannes Lichtmannegger. Nicht alle Hoteliers und Gastronomen dürften in dieser glücklichen Lage sein. „Bei Pachtbetrieben oder jungen Unternehmen wird es nur bedingt Kredite geben, um sich über diese Monate zu retten“, räumt Johannes Hofmann ein. „Die Situation vieler Betriebe wird zunehmend äußerst kritisch, weder ein Aufatmen durch Umsätze während der Weihnachtszeit, noch die Winter- und Skisaison konnten die schreckliche Situation in den Betrieben verbessern“, führt er in einem persönlichen Schreiben als Dehoga-Kreisvorsitzender an den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aus.

Klare Ansage der Bürgermeister

An ihn wandten sich bereits am 15. Februar alle fünf Bürgermeister des südlichen Landkreises sowie Dr. Bartl Wimmer, Vorsitzender des Zweckverbandes Tourismusregion Berchtesgaden- Königssee, und die Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen und vom Markt Oberstdorf. Sie bezeichnen den Tourismus in der Alpenregion für eine stabile Wirtschaftslage als unverzichtbar und warnen vor der Abwanderung von qualifizierten Fachkräften, denn „die Qualität in den touristischen Betrieben hängt stark von geeignetem Personal ab.“ Zudem „stößt eine mangelnde Planungsperspektive Gäste ab. Buchungen erscheinen unsicher und werden vermieden.“

Nichts für Ferienwohnungen

Sie appellieren bereits im Februar an den Ministerpräsidenten Markus Söder, Beherbergungsbetriebe, Gastronomie und Ausflugsziele gleichzeitig zu öffnen, denn „sonst verliert der Aufenthalt in der Urlaubsregion zu stark an Attraktivität.“ Ein in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommener Aspekt der Lockdowns ist die Schließung von nichtgewerblichen Privatvermietern und Ferienwohnungen. Die Bürgermeister treten auch für sie ein. „Sie zahlen wie jeder andere Betrieb Steuern und Gebühren, erhalten aber trotz großer Umsatzeinbußen keine finanziellen Hilfen.“

Staatsforsten fahren Verlust ein

Verlust von 2,13 Millionen Euro
Gefallene Holzpreise in Deutschland
Aufarbeitung der Waldschäden 

Was es neues in unseren Wäldern gibt, darüber informiert Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten. Der Verwaltungsbereich erstreckt sich auf das Berchtesgadener Land und die Landkreise Traunstein auf 28.400 Hektar, die Hälfte davon ist Schutzwald. Dieses Jahr jedoch hatte er die Situation der Wälder in ganz Deutschland im Blick, was in den herausragenden Dürrejahren 2018 und 2019 begründet ist. „Wir verzeichnen bei uns zwar durchgängig eine Klimaerwärmung von knapp zwei Grad, doch das verkraften die Wälder. Nicht aber große Dürren, die vor allem in Nordbayern und Mitteldeutschland zu massiven Schäden, vor allem der starken Ausbreitung des Borkenkäfers führten. Bei uns war die Lage hingegen stabil, wir hatten in den Alpen wassergesättigte Böden.“

Dr. Daniel Müller zeigt die Dürrezeiten und betroffenen Regionen in den Jahren 2018 bis 2020 auf. – Foto: Gerd Spranger

Kopfzerbrechen bereiteten darum stark gefallene Holzpreise wegen der Gesamtsituation in Deutschland.. „Die massiven Schäden der Schneekatastrophe im Januar 2019 arbeiteten wir mit viel Aufwand und hohen Kosten bis in den Herbst 2020 hinein auf. Einen großen Teil der unter der Schneelast gebrochenen und gesplitterten Bäume konnte nur noch zu Hackschnitzel verarbeitet werden, um dem Borkenkäfer seinen Brutraum zu entziehen. „Der erzielte Preis dafür lag deutlich unter den dafür nötigen Aufwand.“ Für das Sägeholz waren die Preise ebenfalls niedrig.“ Allerdings, schränkt der Forstbetriebsleiter ein, „erzielten wir durch langfristige Verträge noch 70 Euro je Festmeter. Manche Private mussten für 25 Euro verkaufen, bei stabilen Märkten liegt der Preis bei 100 Euro.“

Das führte für das Geschäftsjahr 2020 bei den Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden zu einem Minus von 2,13 Millionen Euro. Bis auf eine Ausnahme (2018) erzielte das Unternehmen die letzten acht Jahre immer Gewinne. „Unter dem Strich aber“, so Dr. Daniel Müller, „haben wir in den letzten neun Jahren einen jährlichen Gewinn von 0,56 Millionen Euro erwirtschaftet.

Man täte den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) aber Unrecht, reduzierte man sie auf ihre reine Wirtschaftlichkeit. „Die BaySF so wertvoll wie nie!“, wählte Müller als Motto der Bilanzpressekonferenz 2020. Und die Beseitigung der Schäden in den Wäldern war alternativlos. Bei der Holzausbeutung werde man sich die nächsten Jahre bewusst zurückhalten. „Mit 103.400 Kubikmetern Ausbeute werden wir deutlich unter dem natürlichen Holzzuwachs von 158.000 Kubikmeter im Jahr liegen“, führt er aus. Der Wald muss sich wieder erholen, leistungsfähig sein und seine Schutzfunktion erhalten. Eine Basis dafür ist der Bestand an Tannen. „Ihr Anteil sollte bei 30 Prozent liegen, tatsächlich macht er je Region aber nur zwischen drei und sieben Prozent aus. Vor allem Tannen im mittleren Alter fehlen meistens komplett. Mut aber mache die aktuelle Entwicklung. Die Zahl der Jungtannen bis fünf Meter Höhe ist von 5,2 Millionen auf 12,9 Millionen gestiegen. 540.000 Tannen wurden die letzten 14 Jahre für insgesamt zwei Millionen Euro gepflanzt und ihr Anteil am Gesamtbestand ist von fünf auf sieben Prozent gestiegen.

Auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber machte sich persönlich ein Bild von den durch Schneebruch verursachten Schäden im Berchtesgadener Land.

Mit 51 Prozent bleibt die Fichte der dominierende Baum im Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein. Mit 20 Prozent ist die Buche ebenfalls stark vertreten. Zwischen sechs und acht Prozent entfallen auf Kiefer, Tanne und Lärche. Ein Nischenbaum ist die Zirbe und auch die Eibe. Für sie werden die Geodaten erhoben und an einem eigenen Pflanzprogramm gearbeitet. Für die Douglasie sieht Dr. Müller vor allem im Alpenraum keine Zukunft, wenn in ausgewählten Lagen auch einige gepflanzt werden. Ebenso werde die Libanonzeder vereinzelt gesetzt.

Als besondere „Ökologische und Gesellschaftliche Leistung“ der Staatsforsten nannte Dr. Müller die Adlerfütterung im Lattengebirge. Die Umstellung auf bleifreie Munition zum Schutz von Adler, Gänse- und Bartgeier ist zum 01. Januar abgeschlossen. Das sei wichtig, da der Nationalpark 2021 die Auswilderung von Bartgeiern betreiben will. „Wir unterstützen das, sammeln bereits jetzt Futter in Säcken von zwei bis fünf Kilo und frieren sie bis zur Ausbringung ein“, so Müller. Für ein verstärktes Monitoring des Gamswildes arbeiten die Bayerischen Staatsforsten eng mit den Jagdbehörden und dem Bayerischen Jagdverband zusammen. „Wir hatten dabei wissenschaftliche Unterstützung von einem Schweizer Biologen und wollen sicherstellen, dass der Bestand an Gämsen in der Region gehalten wird.“

Hans Berger, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, macht sich vor Ort ein Bild über die Population an Gämsen.

Leuchtturmprojekte des Allgemeinwohls waren 2020 die Eröffnung eines Moosobservatoriums im Ainringer Moos. „Viele seltene Vögel sind zu beobachten, denn das Moor dient auch als Rastplatz für Zugvögel,“ Ebenso die Freigabe der Weißbachschlucht, die nun wieder für Besucher geöffnet ist. „In enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Schneizlreuth wurden viele Bauwerke erneuert und der Weg ertüchtigt.“

Das neu errichtete Observatorium im Ainringer Moos.

Besonders freut sich Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller über die Auszeichnung als „UN-Dekade Biologische Vielfalt für den Biodiversitäts Hotspot Gaßalm“ an den Ausläufern des Staufens. „Wir haben hier einen engagierten Förster, der das Moor und die Feuchtwiesen über Jahrzehnte gepflegt und so eine große Pflanzenvielfalt erhalten hat. Ohne diese Arbeit wäre die Wiese verbuscht und die Vielfalt verschwunden,“ führt Dr. Müller aus. Ebenso ging er auf den Jagderfolg am Fortsbetrieb Berchtesgaden ein. Ein eigener Bericht folgt.

Bei Neupflanzungen werden häufig vier verschiedene Baumarten ausgebracht.

Soziale Spannungen verschärfen sich

Caritas-Schuldnerberaterin Ania Winter
registriert einen deutlichen Anstieg
in der Sozialberatung

Ania Winter vor der Caritas-Beratungsstelle in Bad Reichenhall – Foto: Gerd Spranger

Eine zentrale Anlaufstelle für Menschen in Not ist die Soziale Beratung der Caritas für die Region Berchtesgadener Land. Dabei hat die Not viele Gesichter und schleicht sich häufig auf leisen Sohlen ins Leben. Es sind die Verbraucherinsolvenzen, mit denen die Caritas konfrontiert wird, denn Firmeninsolvenzen zählen nicht zu ihrem Bereich. „Und hier stehen demnächst gesetzliche Änderungen, wie etwa eine Restschuldbefreiung nach drei Jahren, in greifbarer Nähe. Das lässt viele Menschen mit der Antragstellung noch warten“, erläutert Ania Winter, die als Fachdienstleitung der Gemeindeorientierten sozialen Arbeit und damit auch für die Schuldner- und Insolvenz-Beratung der Caritas Berchtesgadener Land zuständig ist.

Anstieg um 25 Prozent

Zugenommen habe der Bereich ‚Allgemeine Sozialberatung‘ im Landkreis mit bis zu 300 Menschen in der Beratung. „2020 werden es knapp 400, also 25 Prozent mehr sein“, schätzt Ania Winter die Lage ein. “Zunehmend suchen Menschen Hilfe, die normaler Weise gut im beruflichen und sozialen Leben integriert sind, auch ältere Menschen. Dabei sind die Ursachen vielfältig und werden durch die Corona-Maßnahmen verschärft.“

Zunächst trifft es viele, die aufgrund der Kurzarbeiterregelung auf etwa 30 Prozent ihres Einkommens verzichten müssen. „Das ist über mehrere Monate gesehen ein erheblicher Einbruch. Bei laufenden Krediten für Autos oder Konsumgütern kann dies schnell Probleme verursachen, auch wenn häufig eine Stundung von drei Monaten erwirkt werden kann. Dann aber ist in der Regel die ganze Summe fällig und diese Hürde können viele nicht nehmen“, erklärt die Schuldnerberaterin. „Auch sind Familien zur Haltung des Lebensstandards oft auf einen Zuverdienst aus einer geringfügigen Tätigkeit angewiesen. Sie sind häufig im Bereich Gastronomie, Hotellerie, Reinigung und Tourismus beschäftigt, und dieses Zusatzeinkommen fällt dann ersatzlos weg.“

Herausforderungen:
„Unmittelbar, handfest, konkret“

Selbst die vorübergehende Schließung von Ämtern oder der Agentur für Arbeit für den Personenverkehr wirft Probleme auf. „Eine Onlineberatung ist nicht das Gleiche. Manche Menschen brauchen den persönlichen Kontakt, die persönliche Hilfe. Und sei es nur für Kleinigkeiten wie das Einscannen von Dokumenten oder nötige Ausdrucke“, weiß sie aus vielen Gesprächen. „Finanzielle Herausforderungen zeigen sich unmittelbar, sind handfest, konkret und klar erkennbar. Ein anderer Bereich aber wiegt oft schwerer, die psychischen Belastungen, die die Betroffenen nicht alleine bewältigen können.“

Schleichende Vereinsamung

„Vereinsamung und Depressionen sind ein schleichender Prozess, geschehen unmerklich, wird von den Betroffenen selbst kaum wahrgenommen,“ so Ania Winter. „Es sind manchmal sogar Nachbarn, Familienangehörige oder Freunde, die uns auf Menschen aufmerksam machen, die sich immer mehr zurückziehen, vereinsamen. Mit ihrer Erlaubnis suchen wir dann einen ersten telefonischen Kontakt um zu helfen. Es sind die kleinen Dinge die fehlen und das Leben aktuell erschweren. Das kurze Gespräch beim Einkaufen, beim Spazieren gehen oder gesellschaftliche Anlässe. Das alles findet unter eingeschränkten Bedingungen statt, viele Menschen sind zudem verängstigt. Die Kontaktpflege von ‚Mensch zu Mensch‘ ist gestört und wird es jetzt auch zu Weihnachten und zur Jahreswende.“

Ania Winter nennt als positives Beispiel regionaler Hilfe das Corona-Projekt der „Aktion Mensch“, das von den Pfarreien und der Caritas mit getragen wird und noch bis zum 31. Dezember läuft. „Vor allem in jenen Wochen, als selbst die Tafeln geschlossen hatten, konnten wir schnell und unkompliziert helfen. Sachspenden von etwa 3000 bis 4000 Euro wurden an Bedürftige ausgegeben.“ Und noch etwas beobachten Ania Winter und ihre Mitarbeiter des Caritaszentrums: „Die Leute sind sparsamer geworden und reagieren so auf die anhaltenden Einschränkungen und die Lockdowns.

Alltag zusehends belastet

Sie fürchtet, dass diese Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. „Wäre es nur für ein paar Wochen, könnten wir die Defizite wohl gut kompensieren. Vom 14. Oktober, mit den ersten Beschränkungen für das Berchtesgadener Land, bis zum 10. Januar aber leben wir erneut drei Monate mit massiven Beschränkungen. Essen gehen mit der Familie, ein Konzert oder Kino besuchen, in der Therme entspannen, feiern mit Freunden, alles das bringt Farbe und Lebensfreude in unseren Alltag“, fasst Ania Winter das Runterfahren des öffentlichen Lebens zusammen und ergänzt:

Die Folgen werden andauern

„Die Caritas-Beratungsstelle kann zwar als Ansprechpartner und Unterstützer zur Verfügung stehen, ersetzt aber nicht den zwischenmenschlichen Kontakt, der gerade für Menschen am Rande der Gesellschaft oft nur der einzige positive Aspekt im Leben ist. Wenn dann für viele Mitbürger wieder weitgehende Normalität in den Alltag zurückkehren wird, bedeutet das für die Soziale- und Schuldner-Beratungsstelle, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie dort noch lange in Form von erhöhtem Bedarf an Beratung und Unterstützung nachwirken werden“, ist sich Ania Winter sicher.

Probleme mit hohen Mieten

Die Einschätzungen von Ania Winter bestätigt Sabine Schuster von der Erzdiözese München für ganz Oberbayern. „Seit Sommer sind der Beratungsbedarf und die Hilfen deutlich angestiegen. Im Großraum München wirkt sich zunehmend auch das hohe Mietniveau aus. Fällt ein Zusatzeinkommen weg, sind die finanziellen Lasten häufig nicht mehr zu tragen.“

LESEN SIE MEHR:
Ania Winter ist heute zweite Bürgermeisterin von Bad Reichenhall.
Im Februar 2020 empfahl sie sich für die FWG  als Oberbürgermeisterin. Lesen Sie mehr: https://meinreichenhall.wordpress.com/2020/02/02/es-ist-zeit-fuer-einen-politischen-neuanfang/

„Wenn Du kein Geld mehr verdienen darfst“

Berufsmusiker Klaus Mehlig:
„Die staatlichen Hilfen greifen nicht“

Eigentlich ist Klaus Mehlig ein lebensfroher und bejahender Mensch. Er ist Berufsmusiker, Alleinunterhalter und tritt seit Jahrzehnten auch in wechselnden Arrangements mit Kollegen auf. Klaus sorgt für Stimmung, für gute Musik und Unterhaltung. Doch 2020 sieht er sich zunehmend mit einem Berufsverbot konfrontiert. Er darf nicht mehr auftreten. Die Konzerte sind abgesagt, auch viele Hochzeitsfeiern für die er gebucht war. Der zweite von der Regierung verhängte Lockdown und das weitgehend stillgelegte öffentliche Leben trifft ihn voll.

Klaus Mehlig, wie ihn seine Fans lieben.
Klaus Mehlig, wie ihn seine Fans lieben.

„Bereits der erste Lockdown von März bis in den Mai hinein haben Erspartes aufgezehrt. Jetzt zieht sich der zweite Lockdwon im Berchtesgadener Land bereits von Oktober bis zu Weihnachten hin. Wieder drei Monate keine Einnahmen und auch keine finanzielle Hilfen.“ Einmalig konnte Klaus Mehlig 5000 Euro in Anspruch nehmen, doch das reichte nicht mal für betrieblichen Ausgaben von zwei Monaten. Lebenshaltungskosten lassen sich mit Kleinaufträgen nicht decken, dazu ist finanzielle Unterstützung seiner Familie und von Freunden nötig. Jetzt gibt es seit dem 14. Oktober keine Hilfen für ihn, für den kleinen Soloselbständigen. „Die Leute sagen zwar häufig, dass wir eh alle Geld bekommen. Doch das stimmt ganz einfach nicht. Wir haben quasi ein Berufsverbot, mussten alle gebuchten Termine absagen und stehen ohne Einnahmen da“, macht er seinen Unmut Luft. „Ich kenne Kollegen, die bereits ihre Wohnung kündigen mussten.“

Seinen Protest verleiht Klaus Mehlig vor dem Rathaus in Freilassing Ausdruck.

„Protestiert man dagegen, wird man sogleich als Nazi beschimpft, was bei mir ganz sicher nicht zutrifft“, legt er nach. „Was also soll ich machen, daheim in der Ecke sitzen und einsam sterben? Selbst Videos, wo ich und Freunde und Kollegen von mir diesen Missstand anprangern, werden etwa von Facebook einfach gelöscht. Sogar die Möglichkeit des Protestes werden uns genommen.“

Von seinen Einnahmen hat er jährlich fünfstellige Beträge in Technik und Ausrüstung investiert und für die vielen Auftritte auch einen Mercedes-Bus gekauft um das Equipment transportieren zu können. „Jetzt sollen wir über das vom Finanzamt genutzte Softwareprogramm „Elster“ endlich einen Antrag stellen können, doch das ist kompliziert und ich bin gespannt, ob es gleich funktioniert, jetzt, nach sechs Wochen Lockdown im Landkreis.

Ein Vorwurf, den er nach erneuten acht Wochen Berufsverbot mit ‚viel Ärger im Bauch‘ an die Politik richtet: „Die haben seit Monaten gewusst und geplant einen zweiten Lockdown über das Land zu verhängen. Und jetzt tun sie so, als ob sie sämtliche Hilfen und Programme neu entwickeln müssen. Das hätte gleich von Anfang an laufen müssen und zwar für jeden, auch für kleine Soloselbständige und nicht nur für ausgewählte Kreise, die ja bis jetzt auch kaum finanzielle Hilfe erhalten haben sollen.“

Auch in Bad Reichenhall sucht er auf einer Demo die Öffentlichkeit.

Klaus hat sogar überlegt Hartz IV zu beantragen, doch dafür hätte er seine über Jahrzehnte mühsam aufgebaute Altersvorsorge zuerst auflösen müssen, meint er. „Und das kann es doch nicht sein“, ereifert er sich. „Ich habe Jahrzehnte lang mit viel Fleiß, Engagement und Arbeit immer mein Auskommen selbst bestritten. Und es gab zwischendurch auch immer mal ‚harte Zeiten‘. Ich habe aber nie Almosen oder Hilfen in Anspruch genommen, ich habe mir immer wieder selbst zu helfen gewusst, wenn man mich gelassen hat.“ Jetzt in dieser schweren Zeit freut er sich natürlich über einen wachsenden Freundeskreis und selbst über kleine Beträge, die er mit Livestreams erzielen kann. „Zum Leben aber reicht es nicht“, stellt er klar.

Dabei sei er kein Corona-Leugner, trägt die Maske nach Vorschrift und hält sich auch sonst an die „AHA-Regeln“, genauso wie es fast alle bodenständigen Lokale und Restaurants gemacht haben. „Nutzen aber tut es alles nichts, die lassen uns hier völlig im Stich“, bemerkt er dann doch noch sichtlich resigniert.

Mit Merkel und Söder eiskalt in die Zukunft

K O M M E N T A R

Irgendwo müssen wir ja anfangen, sagen sich viele Menschen, wenn sie vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe stehen. In Aktion zu kommen, Dinge anzupacken hilft, ist besser als Stillstand und schweigendes Abwarten. Was aber wenn auf Staatsebene genau so agiert wird? „Irgendwo müsse man ja anfangen, denn man brauche eine Reduzierung der Kontakte um 75 Prozent“, erklärt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder öffentlich. Nach acht Monaten Erfahrung mit dem Virus Covid19 gibt es kein Konzept ihm zu begegnen. Hilflos müssen hochbezahlte Virologen und Politiker zusehen, wie die Infektionsraten immer weiter nach oben steigen. Das ‚Allheilmittel‘ einer Impfung ist noch in weiter Ferne.

Kann Bayern ohne Tourismus, ohne Gastronomie und Hotellerie überleben? Nichts als nackte Landschaft mit (v.l.) Zwiesel, Hochstaufen und Fuderheuberg.

Die Gastronomie und Hotellerie, die Freizeitwirtschaft und der Tourismus werden zum Bauernopfer, denn wo sonst sind eine Reduzierung von Kontakten um 75 Prozent möglich. Das Zentrum unseres gesellschaftlichen Lebens bricht weg und mit ihm wohl auch der Handel in den Innenstädten. Österreich geht mit Kanzler Kurz noch einen Schritt weiter. Um eine Verlagerung von Treffen in privaten Räumen zu verhindern, wird kurzerhand eine Ausgangssperre von 20 bis 6 Uhr verhängt. Das kennen wir in Europa nur noch aus Kriegszeiten. Wir der Kampf gegen den Virus zu einem Krieg gegen das eigene Volk? Der Mediziner und SPD-Abgeordnete Lauterbach fordert Kontrollen in privaten Wohnungen, um die weitere Verbreitung von Covid19 zu unterbinden.

Masken und Abstand halten wird seit Monaten verlangt, bei Missachtung drohen hohe Strafen. Ob in Geschäften oder im Freien. In den deutschen Innenstädten patrouillieren dafür eigens Polizeistreifen, die Gesundheit der Nation sei in Gefahr. Allein geholfen hat es nichts. Beim Einkaufen, in geschlossenen Räumen und bei Menschenansammlungen mag es als Vorsichtsmaßnahme ja noch angenommen werden. Im Freien, bei genügend Abstand zu den Mitmenschen, entlarvt sich das Tragen von Masken als völlig sinnentleert, doch die Politik macht mit, fordert es sogar. Ein Offenbarungseid an Ratlosigkeit und auch nach achtmonatiger Pandemie mit dem Virus Covid19 von Konzeptlosigkeit.

Ausgerechnet jene Branchen trifft es jetzt, die mit angemessenen Schutzkonzepten vorbildlich handelten. Könnte es sein, dass die Politik einen gefährlichen Irrweg einschlägt, hin zu einem totalitären Überwachungs- und Verbotsstaat? Wie kam es dazu? Wie kann es sein, dass unser Land seit Monaten am Parlament vorbei regiert wird und Notverordnungen nach 87 Jahren wieder ein Renaissance in Deutschland erleben? Haben wir aus der Geschichte nichts gelernt? Sind zweifelhafte einfache PCR-Tests ohne Bestätigungstests eine Grundlage, um gar mit einer „nationalen Gesundheitsnotlage“ zu drohen? Verzeichnen wir in Deutschland wirklich eine sprunghafte Überbelegung der Intensivbetten im Vergleich mit den entsprechenden Zeiträumen der Vorjahre? Welche Rolle spielt die WHO?

Die WHO definierte im April 2009 ganz neu, was als Pandemie zu gelten habe. Bis dahin war nämlich eine „ beträchtliche Zahl von Toten“ zur Ausrufung einer Pandemie und nicht so sehr das Infektionsgeschehen maßgeblich. Unter dem Eindruck der H5N1-Vogelgrippe 1997 und später der Schweinegrippe hatten weite Kreise der Pharmaindustrie ein hohes Interesse andere Faktoren in den Blickpunk zu rücken. Und heute stellt sich mehr wie jemals die Frage, ob allein das Infektionsgeschehen und düstere Prognosen als Grundlage eines Lockdowns wirklich geeignet sind und dem Wohl des Volkes dienen. Eines ist bereits heute klar. Die sich daraus ergebenden Schäden für Wirtschaft und Gesellschaft gehen in hohe Milliardenbeträge. 500.000 Arbeitsplätze und selbständige Erwerbsgrundlagen werden vernichtet, die Zahl der Kurzarbeit bewegt sich zwischen vier und sieben Millionen Menschen. Weitere Schäden an Gesundheit und Wohl der Menschen sind nicht abzusehen.

Man möchte dem bayerischen Ministerpräsidenten gerne zurufen, „es ist Ihre Aufgabe den Nachweise zu erbringen, dass in der Gastronomie und Hotellerie eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht.“ Noch gilt auch in Deutschland der Rechtsgrundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“. Konsequenter Weise müsste demnach ebenso die Bundeswehr, wie auch große Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten schließen. Sie sind ein Born der Infektionen. Lieber aber zeigt man gegenüber den kleinen Unternehmen harte Kante, ist der starke Mann in Bayern. Im Übrigen, Herr Ministerpräsident, ist es eine medizinische Unmöglichkeit, symptomlos erkrankt zu sein.