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DJ Börnsen freut sich auf den neustart in den clubs

Aktuell freut sich Bernhard (DJ Börnsen) wieder mit guter Musik für beste Stimmung zu sorgen. Die den Corona-Maßnahmen geschuldete zweijährige Abstinenz war auch für ihn eine schwere Zeit. Er freut sich, wenn die Clubs wieder öffnen und private Feiern „ohne Handicap“ wieder möglich sind. Für Termine einfach unter Facebook-Messenger (Diyay Börnsen) anfragen. Hier seine Geschichte und ein Revival auf gute alte Zeiten:

Mit 15 Jahren legte er die ersten Platten im ‚Haus der Jugend‘ in Bad Reichenhall auf und durchlief zu jener Zeit eine Ausbildung zum Metzger, seinem Beruf, in dem er 20 Jahre lang gearbeitet hat. Es waren die frühen 80er-Jahre und es waren noch echte Schallplatten, meistens Singles, die er damals auflegte, erzählt Bernhard, der in der Alpenstadt und weit darüber hinaus als DJ Börnsen bekannt ist.

„Jede Woche durfte ich dafür zehn neue Singles aus den Charts im Auftrag von Rupert Fegg, dem damaligen Leiter der städtischen Einrichtung, beim Kaufhaus Juhasz kaufen“, erzählt er. „Wir hatten zuletzt einen Fundus von 300 LP’s und 1000 Singles um bei den Disc-Partys für gute Stimmung zu sorgen.

Hunderte Jugendliche
bei den Partys

Und die Stimmung war gut, denn die 14tägig angesetzten Partys im Haus der Jugend waren begehrte Treffs unter den Jugendlichen. In der Kurstadt gab es dazu keine Alternative und nicht selten besuchten sie einige hundert Jugendliche. Als ‚Disc-Jockey“ war man bei den Mädchen beliebt und irgendwie stand man damit auch im Mittelpunkt, was dem jungen Mann schmeichelte. „Ein Gefühl, dass ich von Anfang an mochte und zu dem ich heute, mit 50 Jahren, auch stehe. Ich bin nun mal extrovertiert und dennoch seit über 25 Jahren glücklich verheiratet.“

Gutes Geld und
ein hoher Zeitaufwand

Den Sprung ganz in das „Musik-Business“ einzusteigen hat DJ Börnsen nie gemacht. „Es ist zwar ein gutes Gefühl an einem Abend die Leute zu begeistern, und viele glauben damit reich zu werden, die Realität aber sieht anders aus. Will man wirklich in diesem Geschäft bestehen, muss die Soundanlage gestellt werden, was mit hohen Investitionen und dem Auf- und Abbau bei jeder Veranstaltung einhergeht. Und dann wächst der Zeitaufwand von fünf auf neun Stunden an, und so relativiert sich das gute Einkommen.“ Eines der ganz großen Events, an die sich Bernhard bis heute gerne erinnert, war die Snow-Board-WM am Götschen. „Ich bespielte über mehrere Tage den Zielbereich und legte auch bei den Siegerehrungen im Gasthof Brennerbräu auf, ein tolles Erlebnis und eine Super-Stimmung.“

Von den Singles auf die CD’s

Doch selbst nebenberuflich war der Zuspruch stark. Kontakte und Auftritte vertiefte Börnsen über das Sternenzelt, über die Event-Lokation Kaktus, Baamhake und in vielen Lokalen in Bad Reichenhall. Gerne erinnert er sich an die großen Faschingsbälle auf dem Schroffen im Brauereigasthof Bürgerbräu oder Kammerer-Bräu. Von der umfangreichen Sammlung an Langspielplatten und Singles trennte sich Bernhard gegen Ende der 80er-Jahre. „Da habe ich alles auf CD umgestellt. Das war dann schon bedeutend einfacher.“

Große Namen und große Rockbands

Es ist die Musik jener Jahre, die Nach-Beatles- und die Nach-Abba-Zeit. Als die Neue Deutsche Welle und der Electro-Synth-Pop seine Erfolge feierte. Es ist die Zeit von Madonna, Prince, Michael Jackson und Falco, aber auch von Udo Jürgens, Frank Zander, Boy George, Laid Back. Es ist aber auch die Aera der großen Rockbands, die die Jahrzehnte überdauert haben. Namen wie Beatles, Rolling Stones, Pink Floyd, AC/DC, Queen, Led Zeppelin, Eagles, Santana, Beach Boys, Scorpions und Status Quo sind unvergessen.

Den Stimmungspegel hoch halten

Der Erfolg des Metzger-Fachverkäufers Bernhard als DJ Börnsen wuchs weiter. Ab 2000 meldete er dann doch ein eigenes Gewerbe an, nebenberuflich war es die aktivste Zeit für ihn. Es verging keine Woche, an der er nicht mindestens zweimal in Rosenheim, Traunstein, Salzburg oder im Berchtesgadener Land irgendwo die Musik einspielte und mit Licht und Lasershows das Publikum unterhielt. Auch Bands engagierten ihn gerne, um vornweg, zwischendurch und zum Ausklang den Stimmungspegel oben zu halten.

Online und mit Tonstudio

Technisch stand ab 2004 der nächste Sprung an. Ab da an ging’s online mit Laptop zu den Auftritten. Sein langjähriger Partner, das Tonstudio Martin, sorgte jetzt für die Technik und das ist bis heute so geblieben. „Das macht es für mich einfacher, ich kann mich auf das Kerngeschäft konzentrieren, und die Profis vom Tonstudio machen einen guten Job. Stimmt nämlich die Akustik nicht, dann kommt auch gute Musik nicht zur Geltung“, weiß DJ Börnsen.

Die Generation 50-Plus

Beruflich ist Bernhard nicht stehen geblieben. Er machte noch eine Ausbildung zum Kaufmann, engagiert sich heute als Fahrer bei den Malteser Hilfsdiensten und legt auch weiterhin bei Events und privaten Feiern auf, online versteht sich, mit der guten alten Musik aus den 70-, 80- und 90-er Jahren. „Da dominiert im Publikum meist die Generation 50-Plus, eben meine Generation, die mich über die vielen Jahre hinweg kennt und schätzen gelernt hat.

„Qualität ist geil“

„Die Zeiten sind für einen Entertainer mit regionalem Bezug heute besser geworden“, meint Bernhard. „Die ‚Geiz-ist-geil-Welle‘ ist ausgelaufen. Gern werden zwei, drei Euro mehr bezahlt oder ein kleiner Obolus für den Eintritt, wenn die Show und damit auch die Stimmung passen.“ Das kommt ihm selbst, vor allem aber den Gastronomen und Veranstaltern zugute. Wer DJ Börnsen live erleben möchte, hat dazu am 26. Oktober in ‚Kopp’s Vinothek‘ Gelegenheit.

Bergbahnen mit unterschiedlichen Konzepten aus der Krise

Nicht alles für jeden,
für jeden aber etwas auf dem Berg

Seit einigen Wochen läuft auch in Oberbayern der Tourismus wieder an. Gaststätten und Hotels sind geöffnet, Bergbahnen und Schiffe verkehren wieder. Die Redaktion hat sich bei den Bergbahnen in der Region umgehört, wie sie die Lockdowns verkraftet haben, ob der Neustart erfolgreich war und wie man die Zukunft einschätzt. In Bad Reichenhall steht dabei natürlich die Predigtstuhlbahn im Focus, die wegen einer starken Preiserhöhung in den Sozialen Medien großer Kritik ausgesetzt war.

Endlich fahren die Bergbahnen wieder (v.l.): Klaus Unterharnscheidt von der Predigtstuhlbahn, die Talstation der Untersbergbahn, Franz Moderegger von der Jennerbahn – Fotos: Gerd Spranger

Zahlte der erwachsene Besucher vor Corona noch 39 Euro für die Berg- und Talfahrt, so werden ihm für die Fahrt auf den Predigtstuhl jetzt 49 Euro berechnet, doppelt so viel wie bei anderen Seilbahnen in der Region. „Nein, es ist nicht der Pandemie geschuldet“, erklärt Geschäftsführer Klaus Unterharnscheidt, es sei die Fortschreibung eines Gesamtkonzeptes, den man jetzt als Premium-Entschleunigungsberg vermarkten möchte.“ Der Predigtstuhl und das alpine Gelände vom Hotel zur Schlegelalm, hinauf zur Schlegelmulde und weiter zum Hochschlegel, soll als Erweiterung der Kurstadt verstanden werden. „Mit gesunder pollenfreier Luft, Höhenkurwegen und ohne Massentourismus, ein Ort der alpinen Ruhe und Entschleunigung“, so der Geschäftsführer.

Predigtstuhl: Bei uns kein Massentourismus

Für Massentourismus sei der Berg ohnehin der falsche Ort, was die Geschichte und den Sonderstatus der Bergbahn, der ‚Grande Dame der Alpen‘, wie sie von Liebhabern gern bezeichnet wird, betrifft. Allein die Förderkapazitäten sind mit täglich bis zu 900 Personen völlig ausgereizt und dürften sich coronabedingt aktuell bei höchstens 450 Personen bewegen. Die 2019 komplett neu sanierte Jennerbahn etwa schafft in einer einzigen Stunde bis zu 1.600 Fahrgäste. Damit scheint es für die Bahn auf den Reichenhaller Hausberg keinen anderen Weg zu geben, als Klasse statt Masse zu fahren. „Wir wollen das einheimische Publikum aber mit hohen Preisen nicht aussperren“, beteuert Klaus Unterharnscheidt. „Es gibt einen deutlich verbilligten Abendtarif, und von Oktober bis März werden die Preise gesenkt“, verspricht er.

Die Folgen der Coronakrise musste die Predigtstuhlbahn, die seit 2015 Teil der Max Aicher Stiftung ist, selbst tragen. „Im Gegensatz zu vielen anderen Bahnen zählt die Predigtstuhlbahn zu einem Unternehmensverbund und dafür gibt es keine Coronahilfen“, beteuert Klaus Unterharnscheidt. Ganz anders verhält es sich bei der Jennerbahn. Hier sei man mit einem ‚blauen Auge‘ durch die Lockdowns der Jahre 2020 und 2021 gekommen, die staatlichen Hilfen haben gegriffen. „Nicht aber bei vielen Skiliften und Bahnen, die stark auf den Winterbetrieb fixiert sind. Hier gehen die Hilfen komplett am Bedarf vorbei und sind absolut unzureichend,“ stellt der Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG, Franz Moderegger klar.

Jenner: Mit hohen Kapazitäten gut gerüstet

„Uns brachte die starke Sommersaion 2020 auf dem Jenner mit 275.000 Fahrgästen noch ein gutes Ergebnis“, berichtet er weiter. „Freilich wären die Zahlen mit einem guten Ostergeschäft 2020 besser gewesen, das aber durch den ersten Lockdown ausfiel. Wenige Monate später mussten wir erneut schließen. Es war der früheste Lockdown in Deutschland, und der Anordnung des Landratsamtes Berchtesgadener Land musste auch die Berchtesgadener Bergbahn AG im Oktober 2020 unverzüglich Folge leisten. Es gab keinen zeitlichen Puffer“, erinnerte Moderegger, “und wir mussten sieben lange Monate warten, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können.“ Den Geschäftsverlauf habe er sich 2019, nach der Investition von rund 60 Millionen Euro in Bahn, Gebäude und Technik, anders vorgestellt.

Mit etwas Bangen sieht man in den Herbst und Winter, wird es einen weiteren Lockdown geben? Freude hingegen herrscht über die Treue der Mitarbeiter. „Alle sind geblieben, trotz teilweise massiver Einschränkungen und dem durch Kurzarbeit bedingten Lohnausfall“, so Moderegger. Die Situation in der Gastronomie hingegen sei angespannt, da Österreich die Maßnahmen einige Wochen früher lockerte. Die Preise will die Jennerbahn mit 34 Euro für die Berg- und Talfahrt pro Erwachsenen beibehalten. Und durch die Erweiterung der Kapazitäten von bis zu 1600 Personen in der Stunde werde es auch bei der Beförderung mit Maske und Abstand keine Probleme geben. Zudem greife ein bewährtes und verfeinertes Sicherheitskonzept für die Einhaltung der AHA-Regeln.

Salzburg und Chiemgau:
deutlich günstiger auf den Berg

Verhalten startete die Saison auch im nahen Österreich bei der Untersbergbahn. Die letzten zwei Wochen ziehe das Geschäft langsam an. Mit 26,50 Euro für die Berg- und Talfahrt ist die Fahrt auf den Untersberg ein erschwingliches Vergnügen, zudem gibt es Seniorentarife und Familienpreise mit verbilligten Karten. Betreiber der Bahn ist zu 96,8 Prozent die Stadt Salzburg, was bei der Preisgestaltung offensichtlich hilfreich war. Aktuell wurde die Talstation, als letzter Teil eines sieben Millionen teuren Investitionspaketes, saniert.

Ebenfalls sehr günstig fährt man im nahen Chiemgau von Bergen aus auf den Hochfelln. Mit 24 Euro ist die Berg- und Talfahrt, ebenso wie auf den Rauschberg in Ruhpolding, günstig. Beide Gipfelerlebnisse erschließen herrliche Ausblicke, eine bodenständige Gastronomie auf dem Berg und Wandermöglichkeiten. Eine Konkurrenz dazu sieht man bei der Predigtstuhlbahn nicht. „Für Familien mit Kindern sind diese Angebote gut geeignet. Bei uns erwartet die Gäste eine gehobene Küche mit regionalen und frischen Produkten, wie sie selbst im Tal kaum zu finden ist“, gibt sich Geschäftsführer Klaus Unterharnscheidt selbstbewusst. Davon profitiere ebenso die Alm in der Schlegelmulde, auch wenn das Angebot hier etwas bodenständiger sei, almtypisch eben. Man erhofft sich auf dem Reichenhaller Hausberg mit kleinen exklusiven Feiern und Hochzeiten ein weiteres gutes Zusatzgeschäft.

Eine Bahn mit Museumscharakter

Unwidersprochen ist der Aufwand zum Erhalt und Betrieb der Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall höher, ist es doch die weltälteste Seilbahn im Originalzustand und die gesamte Anlage ist seit 2008 ein technisches Denkmal. „Wir können also nicht einfach moderne Technik einbauen oder bestellen. Das Meiste muss individuell von zertifizierten Betrieben gefertigt, von der Seilbahnaufsicht zugelassen sein und das kostet. Dennoch sind wir immer auf dem neuesten Stand der Technik und Sicherheit“, informiert der Geschäftsführer und ergänzt, „ohne dem persönlichen Engagement von Max Aicher, mit Investitionen im zweistelligen Millionenbereich, wäre die Bahn nicht zu halten.“ Die Kooperation mit der Stadt Bad Reichenhall beurteilt er als gut und „Saline, Bahn, Therme, Innenstadt und Kultur brauchen einander“, ist sich Klaus Unterharnscheidt sicher.

Kleine Bahnen trifft es härter

Nicht jeder Betrieb aber stützt sich auf den Rückhalt großer Unternehmen und Konzerne. Es gibt im Landkreis auch die kleinen Bahnen, wie die Obersalzbergbahn oder die Hirscheck-Sesselbahn. Sie sind für die großen Bahnen keine Konkurrenz und bieten Preise von 13 bis 14 Euro für die Berg- und Talfahrt. Die staatlich verordnete Schließung der Betriebe während der Corona-Lockdowns aber hat sie hart getroffen. Unternehmer Andreas Bruckmann von der Obersalzbergbahn etwa spricht von dreimal 30.000 Euro die ihm im Frühjahr 2020 und 2021 sowie im Herbst 2020 verloren gegangen sind. „Eigentlich wollten wir wieder in die Technik investieren, das aber ist jetzt in weite Ferne gerückt.“ Er bedauert auch das Schicksal eines Mitarbeiters mit drei Kindern, der durch das reduzierte Einkommen während der Kurzarbeit in große finanzielle Schwierigkeiten geraten sei.

Auch beim Hirscheck-Sessellift wartet man auf Gäste und man habe sämtliche Rücklagen aufgebraucht. Ebenfalls möchte man noch für einen Antrag auf Überbrückungshilfe III auf Empfehlung des Steuerberaters warten. „Wir müssen sonst womöglich wieder viel zurück bezahlen, auch wenn es bei uns um relativ überschaubare Beträge im niederen fünfstelligen Bereich geht“, so der Geschäftsführer.

Predigtstuhlbahn bleibt Preistreiber

Mit 49 Euro für eine Berg- und Talfahrt bleibt die Predigtstuhlbahn ein einsamer Spitzenreiter. Etwas entspannt soll diese Hochpreispolitik mit einem Abendtarif für 25 Euro und Veranstaltungen werden. Angeboten werden aktuell inklusive Berg- und Talfahrt:
Freitag ein 4-Gänge-Abendmenü zu 69 Euro,
Samstag italienische Antipasti mit Prosecco zu 63 Euro,
Sonntag ein Brunch für 85 Euro und immer
Weißwurstfrühstück für 59 Euro.

Schule, Wirtschaft und Corona

Aus der Sitzung des Kreisausschusses vom 12. Mai 2021

Drei Fremdsprachen für das Rottmayr-Gymnasium in Laufen

Noch nie habe der Schulleiter des Rottmayr-Gymnasium, Oberstudiendirektor Maurice Flatscher, in Laufen eine so uneingeschränkte Zustimmung von Lehrern, Eltern und Schülern erfahren, bekannte er in seinem Sachvortrag vor dem Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes. Das Anliegen ist die Einrichtung einer Fremdsprachenfolge mit drei modernen Fremdsprachen, nämlich Englisch, Französisch und Spanisch an dem Laufener Gymnasium. Zustimmung für diese Pläne, die ab dem Schuljahr 2022/23 umgesetzt werden sollen, gab es nach Rücksprache auch mit dem Schulleiter des Karlsgymnasiums in Bad Reichenhall. Der Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes empfiehlt dem Landkreis als Sachaufwandsträger einstimmig, dieser Änderung zuzustimmen. Die letzte Entscheidung allerdings liege beim Kultusministerium, räumt Maurice Flatscher ein.

Hintergrund des Anliegens ist die geringe Akzeptanz der Schüler für den sprachlichen Zweig mit Englisch, Latein und Französisch. Spanisch wird bislang nur ab der 11. Klasse optional angeboten. Belegten vor zehn Jahren noch 70 Schüler den sprachlichen Zweig, sind es heute mit 37 Schülern nur noch gut die Hälfte. „Dadurch ist der sprachliche Zweig gefährdet und die kleinen Gruppen von sieben bis neun Schülern belasten das Stundenbudget der Lehrer enorm“, trägt Schulleiter Flatscher vor. Im aktuellen Lehrplan des Gymnasiums mussten alle Schüler, die als zweite Fremdsprache nicht Latein sondern Französisch wählten, sich bereits automatisch in der fünften Jahrgangsstufe für den naturwissenschaftlichen Zweig entscheiden. Das sei zu früh, sind sich Lehrer und Eltern einig. Ab 2022 habe man dann bis zur siebten Jahrgangsstufe die Option für den Naturwissenschaftlich-Technischen Bereich (NTG) oder für das Sprachliche Gymnasium. Im NTG erhalten die Schüler in den Fächern Physik, Chemie und Informatik ab der achten Klasse einen vertiefenden Unterricht. Mehrkosten für die Umstellung belaufen sich für den Landkreis durch Mehrausgaben für neue Schulbücher auf jährlich 1150 Euro.

650.000 Euro für die Berchtesgadener Land
Wirtschaftsservice GmbH

Der Wirtschaftsservice des Berchtesgadener Landes verwaltet ein jährliches Budget von von einer Million Euro (1.020.000,- €). Den größten Anteil trägt mit 650.000 Euro der Landkreis Berchtesgadener Land und mit 130.000 Euro Sponsoring die Sparkasse Berchtesgadener Land. Durch Projektförderungen nimmt der Wirtschaftsservice nochmals 180.000 Euro ein und durch das Bayerische Regionalmanagement weitere 60.000 Euro. So sieht es zumindest der Wirtschaftsplan für das Jahr 2021 vor, dem der Kreisausschuss jetzt einstimmig zustimmte und dem Kreistag damit eine eindeutige Empfehlung aussprach. Bei den Ausgaben belasten die Personalkosten mit 790.000 Euro fast 80 Prozent der Einnahmen. 600.000 Euro werden dabei an Aufwendungen für „unbefristetes Personal“ ausgewiesen. Im Stellenplan werden knapp 10 vollzeitäquivalente Stellen ausgewiesen, darunter 1,6 für Teilzeitstellen und einen Praktikumsplatz. „In der Julisitzung des Kreistages wird die Geschäftsführerin des Wirtschaftsservice BGL, Dr. Anja Friedrich-Hussong, über die aktuellen Projekte berichten“, informierte Nicole Fegg den Ausschuss.

Landrat Bernhard Kern informiert

  • Seit Oktober 2020 unterstützt die Bundeswehr, bedingt durch die Corona-Pandemie, personell das Landratsamt Berchtesgadener Land. Die Kooperation laufe jetzt aus und „es wird mit Brigadekommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Brigadegeneral Maik Franz Josef Keller, im Landratsamt noch eine kleine Verabschiedung geben“, informierte Landrat Bernhard Kern und richtete seinen Dank an die Soldaten und Soldatinnen für ihren Dienst.
  • Einen holprigen Start gab es bei der Grenzöffnung für den „Kleinen Grenzverkehr“, ein Mitglied des Kreisausschusses wurde eine Stunde aufgehalten. Landrat Bernhard Kern versprach aber, dass ab dem Wochenende alles reibungslos funktionieren werde und es ab dem 19. Mai wieder mehr Freiheiten für die Bürger gäbe.
  • Trotz Bemühungen des Landratsamtes, unter Verweis auf die besondere Situation des Berchtesgadener Landes, sei es nicht gelungen, die Außengastronomie bereits für den Vatertag öffnen zu können. Leider habe man in München dafür kein Verständnis gezeigt. Man sei aber hoch erfreut, heute am 14. Mai, endlich grünes Licht für die Gastronomiebetriebe geben zu können.
  • „Endlich wieder einen eigenen Amtsarzt für das Gesundheitsamt“, wünscht sich Landrat Bernhard Kern. Die Ausschreibung dafür sei bereits erfolgt und die Regierung von Oberbayern habe dem zugestimmt. Seinen Dank richtete der Landrat an Dr. Rüttger Clasen und Dr. Reinhard Reichelt sowie an alle Haus- und Fachärzte für ihre Kooperation und Hilfe.

Leidenschaftlicher Appell

Einen leidenschaftlichen Appell richtete Kreisrätin Agnes Thannbichler (ÖDP) an den Kreisausschuss. Der Landkreis müsse alles dafür tun, um die Inzidenz bei Corona weiter niedrig zu halten. „Es geht dabei vor allem um unsere Kinder und Enkel. Sie tragen in ganz besonderer Weise die Last dieser Pandemie. Sie dürfen durch die einschränkenden Maßnahmen in ihrer persönlichen und schulischen Entwicklung nicht zurück bleiben. Es ist unsere Aufgabe hier zu helfen,“ bekräftigt sie. Dabei verwies Agnes Thannbichler auf andere Landkreise, in denen Studenten für schulische Nachhilfe gewonnen werden konnten. „Wir müssen die Kinder auffangen, sie nicht alleine lassen, ihnen auch bei der persönlichen Aufarbeitung von Defiziten helfen, sie brauchen soziale Unterstützung“, fordert die Kreisrätin weiter.

Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden für den Landkreis?

Branchenvertreter mit klarem Statement  Wirtschaftshilfe BGL zeigt sich zögerlich

Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger
Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger

Wie hoch ist der Schaden für den Tourismus mit den betroffenen Branchen von Hotellerie, Gastronomie, Handel und Freizeiteinrichtungen – von den Thermen bis zu den Bergbahnen – nach sechs Monaten Stillstand. Wie stellt sich die wirtschaftliche Lage im Landkreis dar, wollten wir als Redaktion wissen. Erster Ansprechpartner in der Region ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises. 

Sie unterstützt nach eigener Aussage mit einem Team von elf Mitarbeitern „Unternehmerinnen und Unternehmer umfassend, individuell und vertraulich“. Vor vier Wochen baten wir um aktuelle Zahlen, bis heute könne man dazu keine Angaben machen, „man wisse es ganz einfach nicht, arbeite aber daran“, ließ Geschäftsführerin Dr. Anja Friedrich-Hussong ausrichten. Jetzt steht endlich ein Termin fest. Wir haben uns vorher bereits umgehört.

Keiner nennt das Ausmaß
der Kollateralschäden

Interessiert hätte uns, wie hoch der Wirtschaftseinbruch für den Landkreis im Jahr 2020 ausfällt. Deutschlandweit sollen es fünf Prozent gewesen sein, in unserer vom Tourismus geprägten Region dürfte er höher ausfallen. Nach dem Wegfall des Weihnachtsgeschäftes bleiben im neuen Jahr für viele Unternehmer die Türen geschlossen. Sie dürfen nicht aufsperren, nicht vermieten und auch keine Gäste befördern oder bewirten. Ein Jahresumsatz von 487 Millionen Euro im Jahr 2019, laut Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif), zeigt die Bedeutung der Branche für das Berchtesgadener Land. Tourismusmanagerin Dr. Brigitte Schlögl bezifferte den Umsatzausfall für den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 bereits mit rund 50 Millionen Euro für den Landkreis.

Einbruch von 36 Prozent

Dehoge-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann

„Ein überaus starker Sommer verhinderte zwar das Schlimmste“, bekennt Dehoga-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann, „die Reisen ins Ausland waren ja nur erschwert möglich, doch die Einbrüche im Landkreis liegen zwischen 16 und 36 Prozent, je nach Region.“ So verlor Berchtesgaden im Jahr 2020 knapp 370.000 Übernachtungen und Bad Reichenhall mit Bayerisch Gmain 353.000 Übernachtungen. Für Bad Reichenhall aber bedeutet dies bei insgesamt nur 958.000 Nächtigungen ein Minus von 36 Prozent. Die fünf südlichen Landkreisgemeinden brachten es 2019 auf 2,27 Millionen Nächtigungen. Dazu verzeichnete der Landkreis jährlich noch knapp sechs Millionen Ausflugsgäste, die seit Oktober 2020 weitgehend ausbleiben. Je Tagesgast wird ein Umsatz von 24,80 Euro zugrunde gelegt.
Ein aktuelles pdf dazu hier: dwif-wirtschaftsfaktor-tourismus-bgl

Rücklagen aufgebraucht – 
Griff nach der Altersvorsorge

Wieninger Schwabenbräu überbrückt mit einem Außer-Haus-Verkauf.

Wie hoch der angerichtete Schaden dabei ist, kann auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Berchtesgadener Landes aktuell nicht benennen. Wie viel Unternehmerinnen und Unternehmer haben ihre Rücklagen aufgebraucht, teilweises sogar ihre Altersvorsorge investiert? Wie viele „arbeitslose Selbständige“ zählen wir im Landkreis? Wie viele Fachkräfte wenden sich von der Branche ab? Zu all dem gibt es keine Angaben und gerade sie wären zur Beurteilung der Lage wichtig. Erschwerend wirken sich darüber hinaus die verzögerten Hilfen aus. „Erst wenn klar ist was bei den Betrieben ankommt, kann man Bilanz ziehen und das kann noch dauern“, gibt Johannes Hofmann zu denken.

Wirte leben von Hartz IV
Tourismus ohne Zukunft

Tische stehen auf der Bergstation der Jennerbergbahn keine mehr, auch Gäste bleiben seit einem halben Jahr aus. Der Betrieb musste schließen.

Er macht sich Sorge um die Zukunft der Branche: „Ich kenne erste Wirte die Hartz IV beziehen und erste Köche und Servicekräfte die in die Verwaltung, das Handwerk oder in die Dienstleistungsbranche wechseln.“ Noch vor einem Jahr zeichnete sich die Tourismusbranche durch Innovation, Internationalität, Wachstum und einen guten Ruf aus. Das ist jetzt nachhaltig vorbei, „wer will in einer unsicheren Branche noch seine berufliche Zukunft investieren?“ fragt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Selbst Landrat Bernhard Kern, der die negativen Auswirkungen für das Berchtesgadener Land fürchtet, zeigt sich laut seiner jüngsten Pressemeldung „fassungslos über die jüngsten Beschlüsse der Staatsregierung“, sieht die Belange des Landkreises nicht berücksichtigt.

Wo bleiben
die Gelder und Hilfen?

Zu der wirtschaftlich angespannten Situation der Branche kommt noch die schleppende Auszahlung versprochener Hilfen. Hannes Lichtmannegger vom Hotel Rehlegg in der Ramsau, und mit ihm auch alle anderen betroffenen Unternehmen im Landkreis, können erst jetzt im März die Oktoberhilfe beantragen. „Und dabei haben wir aufgrund der Zwangsverordnung des Landkreises über Nacht bei Vollbelegung alle Gäste nach Hause schicken müssen“, erinnert der Hotelier. Für den gesamten Zeitraum von Oktober bis November seien bislang nur 150.000 Euro Überbrückungshilfe geflossen, bei einem Umsatzausfall von zwei Millionen Euro.

Nicht jeder
bekommt einen Kredit

Auch bei der Rupertustherme in Bad Reichenhall „geht nichts mehr“. Parkplatz und Therme sind seit sechs Monaten geschlossen.

“Die Hilfen für November wurden erst im Februar ausbezahlt und für Dezember und Januar sind ebenfalls noch keine Gelder angewiesen“, ergänzt er. Zudem müsse er als Unternehmer das Kurzarbeitergeld für die Angestellten am Monatsanfang ausbezahlen, bekommt es aber erst drei, vier Wochen später wieder erstattet, abzüglich des Arbeitgeberanteils. „Ich schätze mich heute glücklich, dass ich sofort das Gespräch mit meiner Hausbank gesucht habe und sie mir für diese schwere Zeit einen großzügigen Kredit gewährte. Den muss ich natürlich wieder zurückzahlen, größere Investitionen in den Betrieb sind damit für die nächsten Jahre erst einmal gestoppt“, bekennt Hannes Lichtmannegger. Nicht alle Hoteliers und Gastronomen dürften in dieser glücklichen Lage sein. „Bei Pachtbetrieben oder jungen Unternehmen wird es nur bedingt Kredite geben, um sich über diese Monate zu retten“, räumt Johannes Hofmann ein. „Die Situation vieler Betriebe wird zunehmend äußerst kritisch, weder ein Aufatmen durch Umsätze während der Weihnachtszeit, noch die Winter- und Skisaison konnten die schreckliche Situation in den Betrieben verbessern“, führt er in einem persönlichen Schreiben als Dehoga-Kreisvorsitzender an den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aus.

Klare Ansage der Bürgermeister

An ihn wandten sich bereits am 15. Februar alle fünf Bürgermeister des südlichen Landkreises sowie Dr. Bartl Wimmer, Vorsitzender des Zweckverbandes Tourismusregion Berchtesgaden- Königssee, und die Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen und vom Markt Oberstdorf. Sie bezeichnen den Tourismus in der Alpenregion für eine stabile Wirtschaftslage als unverzichtbar und warnen vor der Abwanderung von qualifizierten Fachkräften, denn „die Qualität in den touristischen Betrieben hängt stark von geeignetem Personal ab.“ Zudem „stößt eine mangelnde Planungsperspektive Gäste ab. Buchungen erscheinen unsicher und werden vermieden.“

Nichts für Ferienwohnungen

Sie appellieren bereits im Februar an den Ministerpräsidenten Markus Söder, Beherbergungsbetriebe, Gastronomie und Ausflugsziele gleichzeitig zu öffnen, denn „sonst verliert der Aufenthalt in der Urlaubsregion zu stark an Attraktivität.“ Ein in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommener Aspekt der Lockdowns ist die Schließung von nichtgewerblichen Privatvermietern und Ferienwohnungen. Die Bürgermeister treten auch für sie ein. „Sie zahlen wie jeder andere Betrieb Steuern und Gebühren, erhalten aber trotz großer Umsatzeinbußen keine finanziellen Hilfen.“

175 Jahre Badekurort Reichenhall mit Symbolcharakter

1844 nahm die damals völlig neu erbaute Alte Saline ihren Betrieb auf. Die Anlage bildet zudem den Kern des Ensembles Alte Saline, der Ensembleschutz umfasst neben der Alten Saline auch die Salinenstraße, den Beamtenstock, den Oberen und Unteren Lindenplatz sowie den Feuerwachturm auf dem Gruttenstein.

Die Stadt will nun auf ein 175-jähriges Jubiläum als Badekurort zurückblicken und macht dies an der Öffnung der „Sole- und Molkekuranstalt Achselmannstein“ im Jahre 1846 fest. Der Salinenarzt Dr. Osterhammer verabreichte aber bereits 1822 in Bad Kirchberg mit Sole vermischte Bäder. Man könnte also ebenso nächstes Jahr ein 200-jähriges Jubiläum der Solebäder in Bad Reichenhall feiern. 1846 aber schien den Verantwortlichen wohl passender, da 12 Jahre nach dem verheerenden Stadtbrand die Stadt erneuert wurde, im Zentrum die Anlagen der Alten Saline, die unter König Ludwig I. einen großen Förderer fanden. Das Stadtbild wandelte sich, mehr und mehr verschwand die alte Salinenstadt. 

Die Kuranstalten von Bad Reichenhall sind längst Geschichte. Sie standen in Besonderer Weise für die Tradition der Kur in der alten Badestadt.

Vielleicht aber steht das ehemalige Grandhotel Axelmannstein ja symbolisch wirklich für eine über 175-jährige Badetradition in Reichenhall, den Titel Bad erhielt die Stadt erst 1890. Das einst so stolze Anwesen, die viel beschworene Wiege des Staatsbades, ist heute baufällig und bröckelt vor sich hin. Der Glanz der alten Tage ist längst vergangen und eine Modernisierung wird seit Jahrzehnten immer weiter hinausgezogen. Ob sie jemals kommt, dürfte in Zeiten, in denen die Regierungen dieser Welt Hotellerie und Tourismus gewaltsam zum Erliegen bringen, fraglich sein.

Bad Reichenhall:
Aufbruch oder Niedergang?

Gewaltsam zum Erliegen kam das blühende Staatsbad bereits während zweier Weltkriege und der großen Welt-Wirtschaftskrise, erinnert der Reichenhaller Stadtarchivar Dr. Johannes Lang. Die von ihm beschworene Aufbruchstimmung ließ dann bis in die 60er-Jahre auf sich warten und hielt dreißig Jahre lang. Dann kam das jähe Ende durch die Gesundheitsreform unter dem heutigen CSU-Innenminister Horst Seehofer und mit ihnen ein Ende der Offenen Badekur. In der Folge schlossen ein Dutzend privater Pensionen und die Zahl der Übernachtungen erreichte Nachkriegsniveau, sie sank von 1,6 Millionen auf unter 800.000. Einst so stolze Kuranstalten, wie etwa das Victoriabad oder das Staatlich Städtische Kurmittelhaus – insgesamt gab es ein halbes Dutzend – sind alle verschwunden. Besonders sie standen für die lange Tradition der Kur in Bad Reichenhall. Ein Niedergang, der sich bis zur Jahrtausendwende hinzog und nur sehr langsam erholte sich die Badestadt von diesem Schlag, suchte neue Wege der Vermarktung und neue Zielgruppen zu gewinnen.

Bad Reichenhall:
Eigenvermarktung scheiterte

2005 dann erfolgte unter der Leitung von Gabriele Deml, zuvor 9 Jahre lang Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins in Bad Reichenhall, die Gründung der BGL-Tourismus GmbH, die fortan den gesamten Landkreis vermarkten sollte. Bad Reichenhall verzichtete damit auf die Eigenvermarktung, man könnte auch den Schluss ziehen, dass sie damit gescheitert ist und sich der gewünschte Erfolg nicht einstellte. Heute, 15 Jahre später zerbricht auch diese Organisation. Wobei Bad Reichenhall, wohl im Geld zu sparen, mit Dr. Brigitte Schlögl, die Leiterin der Tourismusorganisation, gleich mit dem Stadtmarketing beauftragte. Ob Stadtmarketing oder touristische Vermarktung, für die Stadtoberen scheint es da kaum Unterschiede zu geben, nach dem Motto, wer schon vor der Haustür des Nachbarn kehrt, der kann ja das eigene Haus gleich mitbestellen.

Wer soll jetzt Millionen investieren?

Und jetzt, wo seit vier Monaten und auf unabsehbare Zeit die Hotels und die gesamte touristische Infrastruktur zwangsweise geschlossen wurden, wie etwa die Rupertustherme oder die Predigtstuhlbahn, hofft man auf neue Projekte. Zudem warnen politische Stimmen bereits vor einem neuen Lockdown im Herbst und vor weiteren schrecklichen Corona-Mutationen, die das Volk in Angst und Schrecken versetzen sollen. Wer möchte da noch Millionen investieren? Ja, Bad Reichenhall hat sich wahrlich ein gutes Symbol für seine 175-jährige Badetradition ausgesucht. Ein altes Hotel, dem die Kraft und Innovation zur Modernisierung fehlt. Wer mag es ihm verdenken, in Zeiten wie diesen.

Hotel Panorama wird zum neuen „Rundum“

Boardinghouse mit 98 Zimmern – 12 Millionen investiert


Seit Jahren steht ein hoher Kran am ehemaligen Hotel Panorama, zuletzt als ‚Golden Tulip‘ geführt, in Bad Reichenhall. Die Bauarbeiten scheinen sich in die Länge zu ziehen und manche Spaziergänger fragen sich, ob es wieder eine Eröffnung für das seit vielen Jahren aufgelassene Hotel geben wird. 2017 kaufte es der in Bad Reichenhall geborene Unternehmer Max Aicher. 

Bereits damals stand es seit Jahren leer und dämmerte in einem Dornröschenschlaf vor sich hin. 2018 gab es dann konkrete Pläne für eine Wiederbelegung als Tagungshotel. Der Monate andauernde Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 machte dem geplanten Konzept und der Eröffnung aber ein Ende. „Wir haben uns im Sommer neu ausgerichtet und die Eröffnung jetzt auf unbestimmte Zeit verschoben. Niemand weiß, wie sich die wirtschaftliche Situation und das gesellschaftliche Leben in den nächsten Monaten entwickeln wird. Aktuell besteht für das Berchtesgadener Land ja sogar ein Besuchsverbot“, kommentiert Unternehmenssprecherin Angela Aicher die aktuelle Entwicklung.

Die Bauarbeiten am neuen Hotel „Das Rundum“ (ehemals Panorama) machen Fortschritte. Die gesamte 50 Jahre alte Technik wurde bereits erneuert und die Außenfassade weitgehend fertiggestellt. Jetzt folgt der Ausbau der Innenräume bis hin zu bezugsfertigen Zimmern. Für einen Baustellentermin trafen sich (v.l.): Dr. Christian Schwab von den Max Aicher Immobilien, Architekt Andreas Traunfellner, Dipl. BW (FH) Angela Aicher und der Bereichsleiter für Immobilien und Projekte, Peter Hutterer. – Fotos: Gerd Spranger

Der Umbau und die Modernisierungsarbeiten für insgesamt 12 Millionen Euro sollen bis zum Herbst fertig gestellt sein. Das neue Konzept sieht dann eine Eröffnung als Boardinghouse mit 98 Zimmern unter dem Namen „Das Rundum“ vor. Das große Panorama-Restaurant wird zunächst nicht geöffnet, Hausgästen wird hier ein Frühstück angeboten. Eine Sanierung des ehemaligen Schwimmbades ist ebenfalls nicht geplant und ein Ausbau der Tagungsräume vorerst zurückgestellt.

„Gerade in Zeiten von Corona zeigt sich, dass Flexibilität in der Konzeptausrichtung und digitalen Anbindung maßgeblich entscheidend sind“, erläutert Angela Aicher. „Der Focus liegt auf die Gestaltung eines hochwertigen Boardinghauses mit 98 Zimmern. Jedes erhält eine Miniküche, eine schöne Ausstattung und Zusatzleistungen wie Frühstück oder Wäscheservice können gebucht werden.“ Laut Wikipedia trägt ein Boardinghouse den Charakter „eines Beherbergungsbetriebes, welcher Zimmer oder Apartments mit hotelähnlichen Leistungen in meist städtischer Umgebung vermietet. Im Gegensatz zu einer Pension oder einem Hotel ist ein längerer Aufenthalt geplant.“

Für einen schönen Rundum-Blick auf Bad Reichenhall sorgen hohe Glasfronten im neu entstehenden Frühstücksraum.

Für Bad Reichenhall könnte das neue Konzept ein Meilenstein in der Neuausrichtung der Hotellandschaft werden. Das neue Hotel Luisenbad soll im Herbst als IBIS-Hotel mit 132 Zimmern eröffnen. In einigen Jahren werde das Hotel Hofwirt mit einem angebauten, großen langgestreckten Baukörper als Vier-Sterne-Hotel Superior eröffnen. In der Schwebe sind aktuell noch ein Hotel an der Rupertustherme, die Nutzung und Revitalisierung des Alpenhotels Fuchs, eine Sanierung des Hotels Axelmannstein und eine Wiederbelebung des Berghotels Predigtstuhl.

Die beste Aussicht werden Gäste künftig vom fünften Stockwerk aus genießen. Auf dem Foto (v.l.): der Bereichsleiter für Immobilien und Projekte, Peter Hutterer, Dipl. BW (FH) Angela Aicher und Dr. Christian Schwab von den Max Aicher Immobilien.

Für Bad Reichenhall sind damit die Weichen für einen touristischen Neustart gestellt. Werden aber weiter Reisebeschränkungen, die Schließung von Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie etwa der Rupertustherme oder der Predigtstuhlbahn, und das Zusperren von Gastronomie und Handel vorangetrieben, ist einer positiven Entwicklung der Weg verstellt.

Über die direkte Blickachse zum Berghotel Predigtstuhl freut sich Angela Aicher besonders, wenn auch Bahn und Hotel aktuell ebenfalls ein Opfer des Lockdowns sind. Links von ihr Peter Hutterer, Bereichsleiter für Immobilien und Projekte sowie Dr. Christian Schwab von den Max Aicher Immobilien.

Lesen Sie auch unseren Beitrag aus dem Jahr 2018. 
https://meinreichenhall.wordpress.com/2018/12/29/steht-bad-reichenhall-vor-einer-neuen-bluetezeit/

1,3 Millionen für das Schloss Adelsheim

Museum Schloss Adelsheim in Berchtesgaden:
Kann man so eine Einrichtung
mit wirtschaftlichen Kennzahlen bewerten?
Das Museum Schloss Adelsheim in Berchtesgaden gibt der Heimat ein Gesicht
Das Museum Schloss Adelsheim in Berchtesgaden gibt der Heimat ein Gesicht, ist aktuell aber geschlossen und wird saniert. – Foto: Gerd Spranger

Einmal mehr stand das Museum Schloss Adelsheim auf der Tagesordnung des Kreisausschusses. Konkret ging es um die Sanierung des Daches für 1,3 Millionen Euro, und die Arbeiten haben bereits begonnen, so Landrat Bernhard Kern. Mit der Ertüchtigung des Daches soll auch die Hausmeisterwohnung wieder nutzbar sein. In dem Sachvortrag des Landratsamtes wurde dem Ausschuss eine Aufstellung der Kosten der letzten zehn Jahre vorgelegt. 2,7 Millionen Euro waren eingeplant, tatsächlich aber nur 1,8 Millionen verausgabt. Auf den Gebäudeunterhalt entfielen 614.100 Euro und auf den Museumsbetrieb knapp 1,14 Millionen. Im letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr 2019 entstanden Kosten von 146.800 Euro. In Spitzenjahren nahm man über die Besucher 34.000 bis 39.000 Euro ein, zuletzt waren es noch 15.660 Euro.

Zahl der Besucher hat sich halbiert

Kreisrat Sven Kluba (CSU) hatte sich die Zahlen genau angesehen und setzte die Investitionen in Relation. „Bezieht man die Kosten für den Unterhalt des Gebäudes mit ein, so ergeben sich pro Besucher Ausgaben von deutlich über 500 Euro.“ Er würdigte zwar die historische Bedeutung des kleinen Schlösschens von 1614, hinterfragte aber den Aufwand. Das gab Anlass zu einer ganzen Reihe von Wortmeldungen. Dr. Bernhard Zimmer (Grüne) stellte den Bezug auf wirtschaftliche Kennzahlen für so ein Gebäude und so eine Einrichtung grundsätzlich in Frage. Darüber hinaus seien „600.000 Euro Aufwendungen für den Erhalt so eines Gebäudes in zehn Jahren durchaus zu vertreten. Zudem ist das Museum eine Sammlung historisch wertvoller Güter unserer Heimat.“ Er regte an, etwa über den Kreistag, mehr Gutscheine für das Museum Schloss Adelsheim zu vergeben. „Ich bin überzeugt, dass viele unserer Kreisräte noch nicht persönlich in dem Museum waren, ich eingeschlossen“, merkte er an.

Der „Heimat ein Gesicht geben“

Michael Koller (FWG) erinnert sich gut an seine Besuche im Heimatmuseum, zuerst mit der Schule und zuletzt mit der FWG-Fraktion. Museumsleiterin Friederike Reinbold bescheinigter er „der Heimat ein Gesicht zu geben.“ Ausdrücklich begrüßte er, dass im Schloss demnächst auch wieder jemand wohne und das Gebäude nicht verwaist dastehe. Auch für den Landkreis gelte, dass Eigentum verpflichtet.

Das Museum Schloss Adelsheim in Berchtesgaden gibt der Heimat ein Gesicht
Das Museum Schloss Adelsheim in Berchtesgaden gibt der Heimat ein Gesicht, ist aktuell aber geschlossen und wird saniert.

Investieren und den Blick nach vorne offen halten

Hotels in der Krise: 
Olya Linnberg betreibt drei Hotels in Berchtesgaden- 
– Das Personal trifft es besonders hart –

Der zweite Lockdown in Deutschland trifft vor allem die Hotellerie hart, in der Regel bleibt der Branche nichts anderes übrig, als den Betrieb komplett zu schließen. Einige wenige Ausnahmen, vor allem im ländlichen Bereich, sind Häuser die speziell für Geschäftsreisende offen halten. Die Redaktion hat bei Olya Linnberg in Berchtesgaden nachgefragt, wie sie mit der Krise umgeht und welche Perspektiven sie für ihre drei Hotels, das Hotel Brennerbascht in Bischofswiesen, das Hotel AlpinaRos-Demming und das Home-Hotel Salzberg in Berchtesgaden sieht. Gemeinsam bringen es die drei Betriebe auf etwas über 200 Betten und sind im Bereich 3-Sterne-Superior einzuordnen. „Ich habe die Häuser nicht zertifizieren lassen, von den Gästen und über die Buchungsplattformen aber durchwegs sehr gute Bewertungen erhalten“, freut sich Olya Linnberg. „Das positive Feedback ist mir wichtiger, als eine kostenaufwendige Bewertung durch einen Verband“, ergänzt sie.

Gute Geschäfte im Sommer

Mit der Sommersaison war die Unternehmerin sehr zufrieden. „Wir hatten nahezu Vollbelegung und waren guter Hoffnung, die durch die Regierung verhängte coronabedingte Schließungen von Ostern und Pfingsten weitgehend wieder aufzuholen. Der jetzige zweite Lockdown, in Berchtesgaden, noch 14 Tage früher als in Restdeutschland, hat uns und unsere Gäste völlig überrascht.“ Dabei hatte sie bereits der erste Lockdown hart getroffen, als er ab 21. März 2020 mit den Vollzug des Infektionsschutzgesetzes in Kraft trat. „Ich vergab gerade die Aufträge für die Renovierung unseres neu erworbenen Hotels Salzberg, da hatte uns der Lockdown mit der Schließung aller drei Hotels kalt erwischt. Natürlich wussten wir die Zeit zu nutzen und waren im Juni mit allen Handwerksarbeiten fertig.“ 20 Angestellte aber mussten in Kurzarbeit wechseln und so erhebliche Einkommenseinbußen verkraften. „Sie sind die Leidtragenden, denn trotz eines reduzierten Einkommens laufen die Kosten für Miete, Auto und Lebenshaltung ja voll weiter. Und in Berchtesgaden sind die Mieten nicht ganz billig. Die Programme der Regierung greifen auch hier viel zu kurz,“ mahnt Olya Linnberg an.

„Uns fehlt die Planungssicherheit“

Sie wünscht sich für die Branche mehr Planungssicherheit mit einer Vorlaufzeit von mindestens zehn Tagen. „Hier im Berchtesgadener Land mussten wir die Gäste aufgrund einer Allgemeinverfügung des Landratsamtes zum 20. Oktober über Nacht nach Hause schicken. Das kann man so nicht machen“, ereifert sich die Hoteliersfrau. „Die Gastronomie traf es dabei noch härter, denn sie hatten die Lebensmittel für die nächsten Tage ja bereits eingekauft.“ Selbst betreibt Olya Linnberg kein Restaurant, sondern bietet den Gäste ein großes Frühstücksbuffet an. Aber selbst das ist in Coronazeiten nur mehr sehr eingeschränkt möglich.

Schlechte Prognose für den Dezember

Keine Sicherheit für die Planung gibt es auch für den Dezember. „Niemand kann sagen, ob wir zum Advent die Betriebe wieder aufsperren dürfen. Dann aber soll ebenfalls über Nacht wieder alles laufen, vom Personal bis über die Zimmer und sämtliche Serviceleistungen. Das ist schlichtweg ein unhaltbarer Zustand, der die gesamte Branche beschwert. Die Weihnachtsfeiern sind bereits alle abgesagt und selbst der über die Jahre so gut angenommene Berchtesgadener Christkindlmarkt.“ Das stößt bei ihr auf besonderes Unverständnis. „Es gab bereits ein gutes Konzept mit Einlasskontrollen. Die Menschen bewegen sich in der frischen Luft, wie kann man so eine traditionsreiche und positive Veranstaltung für den Markt Berchtesgaden absagen, das ist extrem traurig und ein hoher Schaden für Berchtesgaden.

Mit 20 Jahren erstes Hotel gekauft

Als Unternehmerin und gelernte Betriebswirtin schaut Olya Linnberg aber immer noch vorne und lässt sich ihren Optimismus nicht nehmen. Gebürtig ist sie in Moskau, ihre Eltern betreiben dort bis heute einen Lebensmittelhandel. Mit 20 Jahren ist sie mit dem Flugzeug nach München gereist und von dort mit einem Koffer nach Berchtesgaden um 2010 ihren ersten Betrieb, das Hotel Brennerbascht in Bischofswiesen zu kaufen. Heute ist sie mit ganzer Seele in Berchtesgaden zuhause, liebt die Berge, die Natur und die Ruhe und Beschaulichkeit der Region. Mit den Menschen kommt sie gut aus, freut sich über das gute Einvernehmen mit den Handwerksbetrieben wie Hölzl, Hummer, Koll, Lochner, Stangassinger, Rath und anderen Gewerken.

Investitionen im Wellnessbereich

Selbst sagt sie von sich, dass sie ein unruhiger Geist ist, aber dennoch in sich selbst ruht. Immer wieder möchte sie neue Ideen und Projekte verwirklichen. In die Häuser investiert sie jährlich fünf- oder sechsstellige Beträge. Demnächst soll auch das Brennerbascht eine eigene kleine Wellnessabteilung bekommen, wie sie die beiden anderen Häusern bereits haben. „Unterschätzt habe ich in den ersten Jahren den Arbeitsaufwand, das eigene betriebswirtschaftliche Konzept stand natürlich von Anfang an fest“, gesteht sie. Zeit findet sie aber immer wieder für ihren zweijährigen Sohn Emanuel.

Hält die Regierung was sie verspricht?

Das aktuelle „Rettungsprogramm“ der Regierung für die Hotellerie und Gastronomie mit dem Versprechen einer 75-prozentigen Entschädigung, gemessen am letztjährigen Novemberumsatz, hinterfragt sie kritisch. „In Abzug gebracht werden angeblich Wareneinsatz und Personalkosten, so dass bei mir höchstens 10 Prozent ankommen, hat mein Steuerberater errechnet. Da habe ich entschieden, das AlpinaRos offen zu halten, zumal der November traditionell einer der schwachen Monate ist.“

Niedergang des Tourismus in Bayern?

Gastronomie & Hotellerie zu Freizeiteinrichtungen geschlossen – Handel in den Städten vor massiven Problemen

– Im Gespräch mit Johannes Hofmann, Kreisvorsitzendes des DEHOGA-Bayern –

Zahlt der Staat ist alles gut? Diese Frage stellt der Kreisvorsitzendes des DEHOGA-Bayern, Johannes Hofmann, im Berchtesgadener Land. Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern sollen vom Staat pauschal 75 Prozent ihres im November 2019 gemachten Umsatzes erhalten. Der von der Politik inszenierte Lockdown-Light soll damit in der Gastronomie und Hotellerie abgefedert werden, um so Betriebsschließungen zu vermeiden. „Das klingt zunächst sehr großzügig und hilft den Betrieben ‚das Schlimmste‘ zu verhindern“, so Hofmann. Doch er bewertet den gesamtwirtschaftlichen Schaden sehr hoch. „Die ganze Zulieferkette, vom Bäcker bis hin zu den Zulieferbetrieben wie Brauereien und der Lebensmittelhandel bleiben auf der Strecke. Was ist mit unserem Personal und vor allem den Auszubildenden? Auch sie sind von dem Lockdown betroffen. 

Weihnachtsfeiern abgesagt

Johannes Hofmann vor dem Rathaus in Bad Reichenhall, in dem er als Stadtrat auch Jahre aktiv war.

Wie sollen wir verhindern, dass gute Mitarbeiter, die mit reduziertem Gehalt (Kurzarbeit) und Teilzeitbeschäftigung sowie Jobverlust rechnen müssen, der Branche den Rücken kehren oder in weniger betroffene Regionen zum Arbeiten abwandern?“ Und auch ein Zweites treibt den DEHOGA-Vorsitzenden um. „Im Sommer kamen viele Gäste, die sonst im Ausland ihren Urlaub verbringen, in das Berchtesgadener Land und waren begeistert“, weiß er aus vielen Gespräche mit seinen Kollegen. „Im Oktober mussten sie aufgrund der Verfügung des Landratsamtes über Nacht abreisen. Der positive Effekt, den wir nach dem ersten Lockdown für unsere Region verzeichnen konnten, wird so wieder leichtfertig auf’s Spiel gesetzt. Dazu kommt die Angst“, so Hofmann, „dass es im Dezember nicht besser wird, das gesamte Weihnachtsgeschäft wegbricht. Die vielen, für die Branche so wichtigen Weihnachtsfeiern der Betriebe, haben wir bereits absagen müssen.“ Hat die Politik über das Ziel hinausgeschossen?

Eine verunsicherte Branche

Die Verunsicherung der Branche sei bei Gastgebern wie bei potenziellen Gästen riesig. So habe der überstürzte Shotdown im Landkreis eine hohe Stornierungswelle ausgelöst. „Der Staat wird die Schließung der Betriebe auf Dauer nicht finanzieren können. Wir brauchen ein tragfähiges Konzept für den Tourismus, bis hin zu den Freizeiteinrichtungen. Kein Gast wird anreisen, wenn die gesamte Infrastruktur, von den Bergbahnen, über die Schifffahrten bis hin zu den Museen, Bädern und Thermen geschlossen bleiben“, fordert Johannes Hofmann.

Perspektiven für unternehmerisches Risiko

Ausschlaggebend für die Zukunft werde es sein, „dem Tourismusgewerbe wieder bessere Bedingungen zur Erwirtschaftung von Profiten zu ermöglichen, hier ist die Politik gefordert. Nur dann werden Betriebe auch ein gewisses unternehmerisches Risiko wagen. Das heißt Ausbildungsplätze schaffen und in die Betriebe investieren, was wiederum dem Fiskus ein Vorteil sein wird“, bekräftigt der DEHOGA-Kreisvorsitzende. So habe etwa das Hotelgewerbe beim reduzierten Steuersatz auf Übernachtungen wieder den nötigen Raum für Investitionen gewonnen.

Motivation ist schwindend

Für Johannes Hofmann gehe die Rechnung nur bei einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive auf. Es würden alle gewinnen, die Gastronomie und Hotellerie, die Urlauber, der Einzelhandel und das Handwerk. Letztlich profitiere der Staat selbst durch höhere Steuereinnahmen. „Das ganze personalintensive ortsgebundene Gewerbe braucht diesen reduzierten Steuersatz anhand der fürchterlichen jetzigen Situation dringend“, so Hofmann. Die Motivation, die Unternehmen überhaupt weiterzuführen, sei schwindend.

Sein Appell an die Politik: „Der Tourismus in Bayern funktioniert ohne bayerische Gastronomie nicht. Mittelstand und Handel gehen Hand in Hand mit dem Tourismus. Was der Politik der Mittelstand wert ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Anscheinend wurde vergessen, wer das stabile Rückgrat der Finanz und Wirtschaftskrise war. Politiker aller Couleur denkt darüber nach.“

Schöne Worte für den Miss-Stand

K O M M E N T A R

Ein Wettbewerb der Ideen, Inspirationen und Impulse, Projekte und Marketing – das alles klingt gut und vorwärts gewandt. Von was aber sprechen wir eigentlich? Von einem hohen Leerstand der Geschäfte in Bad Reichenhall. Dahinter stehen hunderte Tragödien, denn niemand schließt sein Geschäft freiwillig. Im Stadtrat von Bad Reichenhall wird bei jeder Wahl, seit einem Jahrzehnt und länger, immer wieder betont, wie dringend doch ein Stadtmarketing für Bad Reichenhall wäre.

Ganz viel Abstand und ohne Maske: Da kommt Shopping-Laune auf. Von links: OB Dr. Christoph Lung, Dr. Brigitte Schlögl, Maria Fuschlberger und Martin Schoberth

Wir haben jetzt eines, nämlich Dr. Brigitte Schlögl und wie auf dem Foto in der Lokalpresse zu entnehmen war, auch eine Mitarbeiterin, Maria Fuschlberger, und einen CSU-Wirtschaftsreferenten, Martin Schoberth. Nicht zu vergessen natürlich der jung-dynamische Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung.

Dr. Schlögl sollte ja eigentlich einen Schwerpunkt ihrer Arbeit, neben der Leitung der BGLT im Zweierteam, im Stadtmarketing für Bad Reichenhall finden. Seit acht Monaten aber ist sie alleinige Geschäftsführerin der BGLT und „im Nebenjob“ noch ein wenig für das Stadtmarketing zuständig. Das ist symptomatisch für Bad Reichenhall. Stadtmarketing im Nebenjob. Und weil das Problem seit über einem Jahrzehnt bekannt ist, sollen jetzt Gespräche mit Hauseigentümern und in Folge auch mit den Pächtern, den noch verbliebenen, geführt werden. Es dauert eben ein wenig in der Alpenstadt. Zwei Jahre später soll ein Ideenwettbewerb erhellende Erkenntnisse liefern. Bis zur Umsetzung, wenn überhaupt, dürften dann erneut zwei Jahre vergehen. Frequenzmessungen und die Ströme des Geldes (Kaufkraft) sind ebenfalls Ziel einer Analyse.

Das klingt nach viel Aktionismus und Profilierungs-Ambitionen. Unterdessen schließen weitere Geschäfte und bunte Bilder an den Schaufenstern, so schön und gut gemeint sie auch sein mögen, ändern die Situation nicht. Längst müssten die Zahlen und Analysen auf dem Tisch liegen. Woher kommen die Käufer, wie viel Geld geben sie aus, was fehlt im Sortiment des Branchenmixes? Fehlt es etwa an Parkplätzen, an guter Erreichbarkeit, an Service-Freundlichkeit? Was wurde an Innovationen in den letzten Jahren umgesetzt, außer einer Reihe sehr guter Veranstaltungen, die jetzt, in Corona-Zeiten, leider obsolet sind. Warum sollten Einheimische und Gäste aus dem Umland nach Bad Reichenhall fahren? Wie hoch ist das Werbebudget, nimmt die Stadt „Geld in die Hand“?

Allein an der Hauptzielgruppe, nämlich in Stadt und Land Salzburg, wird deutlich, wie wenig hier in den letzten Jahren angestoßen wurde. Wer zu geizig ist, in Werbung zu investieren, verbunden mit einer klaren Strategie, der kann gleich zusperren. Darüber hinaus braucht es Konzepte und Ideen die sofort bewegen, und nicht in zwei Jahren diskutiert und in Schubläden abgelegt werden. Die CIMA Stadtmarketing ist nicht die erste Organisation, die Fehlentwicklungen aufzeigen wird. Zusperren: ein Schicksal, von dem in Bad Reichenhall immer mehr Selbständige, ihre Familien und Angestellten betroffen sind. Da helfen auch schöne Worte und Absichtserklärungen nicht weiter. Es muss gehandelt werden, und zwar sofort!