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Landkreis reagiert auf hohe Coronazahlen

Neue Corona-Allgemeinverfügung für das Berchtesgadener Land
Schulen und Kitas, Gastronomie und private Feiern betroffen

(gsp) Mit einem rasanten Anstieg ist des Sieben-Tage-Inzidenz-Wert der Infektionszahlen mit dem Coronavirus über das Wochenende von 16 mit insgesamt 468 Fällen im Berchtesgadener Land auf 72,7 mit insgesamt 530 Fällen von Freitag auf Dienstag angewachsen. Das Landratsamt Berchtesgadener Land muss darum die Einschränkung für die Bevölkerung verschärfen und hat diese jetzt in einer Allgemeinverfügung, die ab dem heutigen Mittwoch gilt, bekannt gegeben. Grundlage ist eine enge Abstimmung mit der Regierung von Oberbayern und dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

Droht dem Landkreis Berchtesgadener Land ein zweiter Lockdown? Diese Frage treibt (v.r.) Landrat Bernhard Kern, Dr. Wolfgang Krämer als Leiter des Gesundheitsamtes und Schulamtsdirektor Klaus Biersack um – Fotos: Gerd Spranger

Der Auslöser für den starken Anstieg der Fallzahlen im Berchtesgadener Land ist in der Gemeinde Anger bei einer privaten Feier verortet worden. So hat der Bürgermeister gleich für Montag eine eintägige Schulschließung veranlasst, das Rathaus bleibt aktuell noch geschlossen. „Etwa 60 Prozent der neuen Corona-Infektionen gehen auf den Hotspot in Anger zurück, 40 Prozent registrierten wir über das Testzentrum des Landkreises in Bayerisch Gmain und aufgrund der Meldungen von den Arztpraxen“, informiert Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes in Traunstein und Berchtesgaden.

Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes

Für Landrat Bernhard Kern ist die neue Allgemeinverfügung, die zunächst für eine Woche in Kraft ist, ein dringender Appell an alle Bürger sich an die Regeln zu halten. „Es fordert viel Disziplin, ich bin mir aber sicher, dass wir diese Hochphase gut bestehen“, zeigt er sich zuversichtlich. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen und die Hygienemaßnahmen sowie Abstandsregeln einhalten, um so rasch als möglich zum Normalbetrieb zurückzukehren. Eine Eindämmung des Infektionsgeschehens ist möglich.“

Was das Öffentliche Leben betrifft, gelten ab sofort Beschränkungen der Teilnehmer bei Veranstaltungen auf 25 Personen bei Feiern, Hochzeiten und anderen Festivitäten in geschlossenen Räumen. Bei Vorlage eines Schutz-und Hygienekonzeptes sind im Freien 50 Personen zugelassen. Begrenzt wird ebenso bei privaten Zusammenkünften und in der Gastronomie auf fünf Personen am Tisch. Dabei grenzt die Verfügung genau ein nach: Angehörige des eigenen Hausstands, Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, Verwandte in gerader Linie, Geschwister, sowie Angehörige eines weiteren Hausstands.

Angelika Niedl, Juristin des Landratsamtes

In der Gastronomie „ist die Abgabe von Speisen und Getränken zum Verzehr an Ort und Stelle nach § 13 Abs. 4 der 7. BayIfSMV in der Zeit von 23:00 bis 6:00 Uhr untersagt. „Für einen ruhigen Ausklang des Abends wird noch eine halbe Stunde gewährt, dann aber ist endgültig Sperrstunde für die Gastronomiebetriebe“, ergänzt Angelika Niedl, Juristin des Landratsamtes. Als sensibler Bereich gelten Pflege-Einrichtungen, Seniorenheime und Krankenhäuser. Hier wird jetzt verbindlich nur ein Besucher pro Tag zugelassen. Eine Ausnahme gibt es für Minderjährige denen ein gemeinsamer Elternbesuch erlaubt ist. Dabei habe man bei der Verordnung auch Erfahrungen aus der Praxis einfließen lassen. „So ist der Besuch in einer Senioreneinrichtung nicht nur den nahen Angehörigen gestattet, sondern auch engen Bekannten. Es gibt nämlich viele von ihnen, die keine Angehörigen mehr haben und so unter Vereinsamung zu leiden hätten,“ erläutert Angelika Niedl.

Einen großen Raum in der Allgemeinverfügung des Landratsamtes Berchtesgadener Land nehmen die Schulen ein. „Es ist uns bewusst“, so Landrat Bernhard Kern, „dass es Kinder, Eltern und Lehrer gleichermaßen viel abverlangt. Wir müssen aber die Infektionsketten unterbrechen.“

„In den Schulen ist ab der fünften Jahrgangsstufe auch am Platz ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Zudem muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet sein. Ist dies nicht möglich sind Klassen zu teilen und im Wechsel von Distanz- und Präsenz-Unterricht zu beschulen“, verlangt die Verordnung. Schulamtsdirektor Klaus Biersack bekennt, „dass Schulen und Lehrkräfte von der aktuellen Entwicklung völlig überrascht wurden. Wir haben aber aus den Monaten von April bis Juli gelernt und sind für diese Situation nicht unvorbereitet“, ergänzt er. Eine Notfallbetreuung sei zwar nicht vorgesehen, „wir werden uns für besondere Härtefälle aber was einfallen lassen“, verspricht der Schuldirektor.

Weiter legt die Verfügung fest, dass Kindertagesstätten jetzt feste Gruppen bilden müssen. Das gilbt auch für die Mahlzeiten. Verschärft wird die Regelung für Bahnhöfe und Bushaltestationen. Hier ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtend.

Mit dem Hinweis, Verstöße mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro zu belegen, bekräftigt das Landratsamt nochmal den Ernst der Situation. „Die Maßnahmen sollen uns alle helfen, einen zweiten Lockdown zu vermeiden“, bekräftigt Landrat Bernhard Kern.

Landkreis unterstützt die Nachbarschaftshilfe mit 31.000 Euro

Früher war es die Nachbarschaftshilfe und die Hilfe in der Familie, die im ländlichen Raum gut funktionierte, und das ist in vielen Bereichen auch heute noch so. Doch die Zahl jener Menschen nimmt zu, bei denen dieses Netzwerk aus unterschiedlichen Gründen versagt. So haben sich im Landkreis des Berchtesgadener Landes vor fünf Jahren zwei Vereine gegründet, die diesen Mangel ausfüllen. Es ist die Seniorengemeinschaft Berchtesgadener Land-Süd in Bischofswiesen und der Generationenbund BGL, mit Sitz in Anger. Beide Vereine werden von den Gemeinden und vom Landkreis unterstützt, der ihnen in der Sitzung des Kreistages am Dienstag eine jährliche Förderung von 31.172 Euro zusicherte, zunächst auf vier Jahre begrenzt. Den Löwenanteil erhält mit 23.846 Euro der Generationenbund für den mittleren und nördlichen Landkreis. Die Redaktion hat beim Verein über seine Tätigkeit nachgefragt.

Lena und Luna sind die jüngsten Helferinnen im Generationenbund (l.). Sie führen regelmäßig den Hund einer alten Dame aus. Das junge Ehepaar aus Laufen (r.) engagierte sich besonders während der Corona-Krise als Einkaufshelfer. – Foto: Spranger/ Generationenbund

Um ‚die Presse‘ kümmert sich Günther Wolf, Gründungsmitglied und dritter Vorstand. Aktuell zählt der Verein rund 1000 Mitglieder und darunter 200 Helfer. Sie leisten im Monat 600 bis 800 Stunden ‚Nachbarschaftshilfe‘. Bei der Vereinsgründung habe man sich an das Seniorenentwicklungskonzept des Landkreises orientiert. Wer hilft oder Hilfe in Anspruch nimmt, muss Vereinsmitglied sein, für die eine Jahresgebühr von 10 Euro berechnet wird. „Damit wissen wir, mit wem wir zusammen arbeiten und zugleich können versicherungsrechtliche Angelegenheiten geregelt werden“, informiert Günther Wolf. Auf der Webseite des Vereins ist zu lesen, dass „die geltenden steuerrechtlichen Bestimmungen erlauben, dass das Entgelt für die Helfer bis zu einem Jahresbetrag von höchstens 2.400,- € steuer- und sozialversicherungsfrei bleibt.“

Kleines Honorar für große Hilfe

Ganz ohne monetäre Zuwendung funktioniert das System nicht“, bekennt Wolf. „Da bleiben die Menschen nicht über einen längeren Zeitraum hinweg aktiv.“ So aber funktioniert die Nachbarschaftshilfe und für die Koordination und Abrechnungen sind sogar zwei Halbtagskräfte angestellt und es wird ein kleines Büro unterhalten. „Das geht nicht anders, selbst die EDV haben wir professionell einrichten lassen und viel Zeit verbringen wir am Telefon“, erzählt Wolf.

Helfer beim Putzen gesucht

Was aber macht der Verein? „Fast alles, außer pflegerische Leistungen sowie Steuer- und Rechtsberatung“, bekennt Wolf. Von der Hilfe im Garten, im Haushalt, bei Behördengängen, im Krankheitsfall oder bei der Tierbetreuung, alle Arbeiten eben, die im Alltag so anfallen. Mangel herrsche bei den Reinigungsdiensten (putzen), auch wenn hier statt der üblichen sechs Euro mit zehn Euro die Stunde deutlich mehr verrechnet werden. „Helfer sind immer willkommen“, richtet Günther Wolf seinen Appell an die Leser. Mehr Informationen über den Verein ist auf der Webseite (www.generationenbund-bgl.de) zu finden.

Elf zusätzliche Busse als Hygienekonzept für den Schulweg

Die erste Woche des neuen Schuljahres ist vorbei. Für Schüler und Lehrkräfte ebnet sich der Weg hin zur Normalität. Das gilt nicht nur für die neuen Schuljahrgänge, sondern auch für erschwerte Bedingungen der vom Coronavirus verursachten Umstände. Bündnis 90/ Die Grünen fragten darum beim Landkreis am 26. August nach, wie es mit dem Hygienekonzept für den Schulbusverkehr für das laufende Schuljahr bestellt sei. Konkret interessierten Absprachen und Umsetzung eines Hygienekonzeptes mit den Busunternehmen und Förderungen durch das Gesundheitsministerium. Johann Wick, Verkehrsmanager des Landratsamtes, ging in der gestrigen Sitzung des Kreistages ausführlich darauf ein.

In der ersten Septemberwoche habe das Landratsamt der Fraktion eine Zwischenantwort übermittelt, eine Besprechung mit den Busunternehmern initiiert und darüber in einer Presseaussendung informiert. Wick bekräftigte, dass „der Landkreis bis auf wenige Ausnahmen selbst keine Bestellung von Verkehrsleistungen für die Schülerbeförderung vornimmt, sondern die dafür nötigen Jahreskarten bestellt. Eine Sonderstellung nimmt der klassische Schulbusverkehr ein. Sachaufwandsträger für den Schulbusverkehr zu den Grund- und Mittelschulen sind in der Regel die Gemeinden.“

Mehr Sicherheit für die Schüler

Entsprechend sei für die Ausarbeitung eines Hygienekonzeptes immer der Veranstalter und Betreiber, in der Regel also der Unternehmer, verantwortlich. Die Prüfung des von den Verkehrsteilnehmern vorgelegten Konzeptes obliegt dem Gesundheitsamt. Gleichwohl sehe sich der Landkreis in der Verantwortung, „auch im Bereich der Schülerbeförderung die größtmögliche Sicherheit für die Schülerinnen und Schüler des Landkreises zu gewährleisten.“

Masken und Abstand halten

Zentraler Ansatz für ein Hygienekonzept bei der Schulbusbeförderung sei die Maskenpflicht für die gesamte Fahrzeit, das Abstandsgebot an den Haltestellen sowie eine ausreichende Lüftung und Desinfektion der Busse. Im Gespräch mit den Busunternehmen sei schnell klar geworden, dass es für mehr Abstand zusätzliche Buskapazitäten brauche. Acht Verstärkerbusse und drei Kleinbusse sind zunächst vorgesehen. Ab der 39. Woche wird neu justiert. „Wir prüfen laufend, auf welchen Linien der Verstärker-Verkehr noch sinnvoll und notwendig ist, um den tatsächlichen Bedarf abzudecken“, erläutert Johann Wick. Die Verkehrsunternehmen veranschlagen wegen der hohen Vorhaltekosten von Fahrzeug und Fahrer in der Hauptverkehrszeit morgens und mittags einen Pauschalpreis. Das Landratsamt rechnet mit täglichen Kosten von bis zu 4500 Euro für die Ausweitung des Schulbusverkehrs um acht Linienbusse und drei Kleinbusse.

Zur Finanzierung des erhöhten Bedarfs nimmt der Landkreis Berchtesgadener Land ein Förderprogramm des Freistaates Bayern in Anspruch, das zunächst bis zu den Herbstferien festgeschrieben ist. Gezahlt werden 4 Euro je Kilometer mit einem Tageshöchstsatz von 300 Euro. Landrat Bernhard Kern verweist darauf, dass der Landkreis die Mehrkosten voraussichtlich selbst tragen werden muss. Er bedankte sich bei den Mitarbeitern, die sich die letzten zwei Wochen dem Thema sehr intensiv annahmen. Die Bayerische Staatsregierung beschloss erst am ersten September die Kosten für zusätzliche Verstärkerbusse im Linienverkehr zu übernehmen.

Wortmeldungen aus dem Kreisrat

Kreisrätin Elisabeth Hagenauer (Grüne) übte Kritik an der späten Reaktion der Regierung in München. „Das Problem war längst bekannt und es wäre Zeit für ein grundlegendes Konzept gewesen. Eine Woche vor Schulbeginn besinnt man sich dann auf Verstärkerbusse und setzt die Landkreise unter Druck.“ Landrat Bernhard Kern hingegen bescheinigte den Ministerien eine hervorragende Arbeit.

Kreisrat und Schulleiter Hans Metzenleitner (SPD) aus Bischofswiesen erkennt in den Ausführungen zur Umsetzung eines Hygienekonzeptes „ein unglaubliches Improvisieren.“ Gleichwohl räumt er ein, dass „die Kreisbehörde in kurzer Zeit sehr viel geleistet hat. Für die aktuelle Situation gibt es keine Blaupause, keine Vorlage. Eltern und Schulen haben gut zusammen gearbeitet. Auch sie mussten sich den neuen Bedingungen stellen.“

Kreis- und Bezirksrat Georg Wetzelsperger (CSU) informierte sich über die Akzeptanz und den Bedarf bei der Schulbusbeförderung. „Fahren, nicht zuletzt auch aufgrund der Corona-Pandemie, nicht viele Eltern ihre Kinder selbst in die Schule? Kommen nicht viele mit dem Fahrrad?“

Johannes Wick räumt ein, dass dies für sonnige Herbsttage wohl zutreffe. „Die Spitze aber kommt erst in der kälteren Jahreszeit und bei schlechtem Wetter. Auch darum müssen wird die aktuellen Maßnahmen laufend überprüfen.“ Insgesamt spiele die Entwicklung der Infektionszahlen im Herbst ebenso eine starke Rolle.

Schöne Worte für den Miss-Stand

K O M M E N T A R

Ein Wettbewerb der Ideen, Inspirationen und Impulse, Projekte und Marketing – das alles klingt gut und vorwärts gewandt. Von was aber sprechen wir eigentlich? Von einem hohen Leerstand der Geschäfte in Bad Reichenhall. Dahinter stehen hunderte Tragödien, denn niemand schließt sein Geschäft freiwillig. Im Stadtrat von Bad Reichenhall wird bei jeder Wahl, seit einem Jahrzehnt und länger, immer wieder betont, wie dringend doch ein Stadtmarketing für Bad Reichenhall wäre.

Ganz viel Abstand und ohne Maske: Da kommt Shopping-Laune auf. Von links: OB Dr. Christoph Lung, Dr. Brigitte Schlögl, Maria Fuschlberger und Martin Schoberth

Wir haben jetzt eines, nämlich Dr. Brigitte Schlögl und wie auf dem Foto in der Lokalpresse zu entnehmen war, auch eine Mitarbeiterin, Maria Fuschlberger, und einen CSU-Wirtschaftsreferenten, Martin Schoberth. Nicht zu vergessen natürlich der jung-dynamische Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung.

Dr. Schlögl sollte ja eigentlich einen Schwerpunkt ihrer Arbeit, neben der Leitung der BGLT im Zweierteam, im Stadtmarketing für Bad Reichenhall finden. Seit acht Monaten aber ist sie alleinige Geschäftsführerin der BGLT und „im Nebenjob“ noch ein wenig für das Stadtmarketing zuständig. Das ist symptomatisch für Bad Reichenhall. Stadtmarketing im Nebenjob. Und weil das Problem seit über einem Jahrzehnt bekannt ist, sollen jetzt Gespräche mit Hauseigentümern und in Folge auch mit den Pächtern, den noch verbliebenen, geführt werden. Es dauert eben ein wenig in der Alpenstadt. Zwei Jahre später soll ein Ideenwettbewerb erhellende Erkenntnisse liefern. Bis zur Umsetzung, wenn überhaupt, dürften dann erneut zwei Jahre vergehen. Frequenzmessungen und die Ströme des Geldes (Kaufkraft) sind ebenfalls Ziel einer Analyse.

Das klingt nach viel Aktionismus und Profilierungs-Ambitionen. Unterdessen schließen weitere Geschäfte und bunte Bilder an den Schaufenstern, so schön und gut gemeint sie auch sein mögen, ändern die Situation nicht. Längst müssten die Zahlen und Analysen auf dem Tisch liegen. Woher kommen die Käufer, wie viel Geld geben sie aus, was fehlt im Sortiment des Branchenmixes? Fehlt es etwa an Parkplätzen, an guter Erreichbarkeit, an Service-Freundlichkeit? Was wurde an Innovationen in den letzten Jahren umgesetzt, außer einer Reihe sehr guter Veranstaltungen, die jetzt, in Corona-Zeiten, leider obsolet sind. Warum sollten Einheimische und Gäste aus dem Umland nach Bad Reichenhall fahren? Wie hoch ist das Werbebudget, nimmt die Stadt „Geld in die Hand“?

Allein an der Hauptzielgruppe, nämlich in Stadt und Land Salzburg, wird deutlich, wie wenig hier in den letzten Jahren angestoßen wurde. Wer zu geizig ist, in Werbung zu investieren, verbunden mit einer klaren Strategie, der kann gleich zusperren. Darüber hinaus braucht es Konzepte und Ideen die sofort bewegen, und nicht in zwei Jahren diskutiert und in Schubläden abgelegt werden. Die CIMA Stadtmarketing ist nicht die erste Organisation, die Fehlentwicklungen aufzeigen wird. Zusperren: ein Schicksal, von dem in Bad Reichenhall immer mehr Selbständige, ihre Familien und Angestellten betroffen sind. Da helfen auch schöne Worte und Absichtserklärungen nicht weiter. Es muss gehandelt werden, und zwar sofort!

154 Millionen für den Landkreis BGL

Sie stellten sich den Fragen der Presse: Nicole Fegg, Leiterin des Finanzmanagements; Hans Jahn, Geschäftsbereichsleiter für Zentrale Angelegenheiten, Landrat Bernhard Kern und Klaus Willberger, Leiter des zentralen Gebäudemanagements. – Foto: Gerd Spranger

Es geht in den nächsten Jahren um hohe Investitionen von knapp 154 Millionen Euro im Landkreis Berchtesgadener Land für die Schulen, Straßen und den Neubau des Landratsamtes. Weitere 40 Millionen sind für den Unterhalt und laufende Kosten angesetzt. Der Landkreis lud darum zu einem Pressegespräch, um „Missverständnissen und Gerüchten vorzubeugen“, wie etwa, dass der Neubau des Landratsamtes jetzt ganz wegfalle. Landrat Bernhard Kern bekräftigte die drei Beschlüsse des Kreistages. „Der Neubau wurde einstimmig beschlossen, und zwar in einer Holzhybridbauweise und auch der neu gewählte Kreistag steht einstimmig zum Neubau.“ Allerdings würden sich die Bauarbeiten von 2024 bis 2027 hinziehen.

Knappe Personal- Ressourcen

Hans Jahn, Geschäftsbereichsleiter für Zentrale Angelegenheiten des Landkreises, verwies auf die personellen Ressourcen des Landratsamtes, die laufende Planung und nötige Ausschreibungen. Darum stehe der Neubau nicht mehr im Finanzplanungszeitraum 2023. „Wir müssen realistisch bleiben. Wir haben aktuell zwei neue Stellen für Planung, Bau- und Gebäudemanagement genehmigt, doch bislang nicht besetzten können.“

Investition in die Bildung

Oberste Priorität des Investitionsprogrammes des Landkreises Berchtesgadener Land aber habe die Bildung, betont Landrat Bernhard Kern immer wieder. Konkret werden dabei das Sonderpädagogische Zentrum St. Zeno, das Rottmayr-Gymnasium in Laufen und das Karlsgymnasium in Bad Reichenhall genannt. Ebenso stehen Investitionen bei der Staatlichen Berufsschule in Freilassing und bei der Berufsfachschule für Holzschnitzer und Schreiner in Berchtesgaden an.

60 Millionen für die Berufsschule

Die Berufsschule Freilassing verfüge generell über zu wenig Platz und müsse in Teilen komplett saniert werden, führt Bernhard Kern aus. Mit Investitionen bis zu 60 Millionen Euro will man sie weiter zukunftsfähig machen. „Wir sprechen dabei von den nächsten zehn bis zwanzig Jahren“, erläutert Hans Jahn. Zunächst aber müsse die technische und bauliche Substanz geprüft und viel Planungsarbeit geleistet werden. Vor 2024 werde es darum auch noch keine konkreten Baumaßnahmen geben. Ähnlich ist die Situation an der Berufsfachschule für Holzschnitzer und Schreiner in Berchtesgaden. „Die Gebäude sind alt und an Räumen und Technik werden heute andere Anforderungen gestellt.“

Landrat: „Nicht ängstlich sein“

Der Landrat hob gleichwohl den hohen Stand der Ausbildung hervor. Im KFZ-Bereich etwa sei man mit einem starken Focus auf die E-Mobilität hervorragend aufgestellt und der Tourismus in der Region sei wieder stark ansteigend. „Wir wollen weiter nach vorne schauen und nicht ängstlich die Projekte zurück stellen, weil vielleicht die eine oder andere Unsicherheit herrsche. Die jetzige Struktur wird erhalten und weiter ausgebaut.“

20 Millionen für die Schulen

Für die Schulen Rottmayr-Gymnasium in Laufen, Sonderpädagogische Zentrum St. Zeno und das Karlsgymnasium in Bad Reichenhall sind insgesamt über 20 Millionen Euro Investitionen bis 2025 vorgesehen. Beim Karlsgymnasium werden aktuell vier Container im Erdgeschoss aufgestellt und nächstes Jahr sollen weitere vier als Obergeschoss folgen. Wie es mit den Unterrichten in den Schulen unter Auflagen und reduzierten Klassen weitergehe, könne man von Seiten des Landratsamtes nicht sagen. Das liege im Zuständigkeitsbereich des Bayerischen Kultusministeriums.

Auch für die Kunsteisbahn Königssee sind Mittel eingeplant. Für eine neue Bobgarage 270.000 Euro und für die Sanierung der Rodlerhalle des Olympiastützpunktes Berchtesgaden 4,5 Millionen Euro.

50 Millionen Schulden-Obergrenze

Der aktuelle Schuldenstand des Landkreises liegt bei 12 Millionen Euro. Die Obergrenze wurde in der letzten Kreistagssitzung von 40 auf 50 Millionen angehoben. Nicole Fegg, Leiterin des Finanzmanagements merkt dazu an: „Der niedrige Schuldenstand von 12 Millionen Euro ist darin begründet, dass manche Projekte zurück gestellt wurden. Von der Genehmigung der Mittel bis zur tatsächlichen Verwendung vergehen oft Jahre. Das wird allein schon bei der Dauer von der Planung bis zur Fertigstellung größerer Projekte wie Landratsamt oder Schulen deutlich.“

Für die Sanierung der Kreisstraßen (KS) für rund 14 Millionen Euro ist folgender Zeitplan vorgesehen: KS-BGL 1: 2020/21 – KS-BGL 12: 2023/24 – KS-BGL 4: 2024/25 – KS-BGL 3: ab 2026

Auf den Spuren der evangelischen Gemeinde in Bad Reichenhall

Eine spirituelle Stadtführung
mit Diakon Markus Sellner


In einem spiritueller Stadtspaziergang führte Diakon Markus Sellner auf den Spuren der Protestanten durch die Innenstadt von Bad Reichenhall. Die Gruppe war aufgrund der Corona-Verordnungen auf zwölf Personen begrenzt und Sellner bat zudem um Einhaltung des nötigen Abstandes. Der erste eigene Raum für Gottesdienste war für Evangelische ab 1860 ein Lagerraum in der Alten Saline im Obergeschoss, der heute von der Reichenhaller Akademie genutzt wird. Das heutige Industriedenkmal Alte Saline mit Ensembleschutz war damals, nach dem großen Stadtbrand von 1834, erst 25 Jahre alt. 20 Jahre lang traf sich die evangelische Gemeinde hier zum Gottesdienst und verschönerte den Raum mit Holzvertäfelungen. „Vorher traf man sich im ehemaligen „Schweizer Haus“ auf Initiative der Freifrau von der Thann, der Gattin des Adjutanten von König Max II., zum Gottesdienst, aufgrund des Andrangs später im Festsaal des ehemaligen Hotels Luisenbad“, erzählt Diakon Sellner. Die Geschichte beginnt aber früher, nämlich 1799 in München. Zuvor waren die Evangelischen im katholischen Kurfürstentum Bayern der Wittelsbacher nicht gern Gesehene.

Diakon Markus Sellner führt auf den Spuren der Evangelischen durch Bad Reichenhall. Hier im Innenhof der Alten Saline, vor dem Salinenbrunnen mit dem Salzburger Bischof St. Rupert. – Foto: Gerd Spranger

Und es war eine Frau, die den Evangelischen in Oberbayern ein Leben ermöglichte, es war die lutherische Prinzessin Karoline von Baden die dem bayerischen Kurfürst Max IV. Joseph, ab 1806 König Max I., vermählt war und sich im Ehevertrag das Recht auf Ausübung ihres evangelischen Glaubens sichern ließ. „1799 wurde der erste evangelische Gottesdienst in München abgehalten und die Entourage der kurfürstlichen Familie siedelte sich im Großkarolinenfeld an“, erinnert Diakon Markus Sellner. Es dauerte aber noch Jahrzehnte, bis der evangelische Glaube auch nach Bad Reichenhall fand. 1830 zählte man lediglich drei evangelisch Gläubige und 1846 war es elf. „Ein Besuch, eine geistliche Unterstützung aus München war schwer, denn die Reise nach Bad Reichenhall dauerte damals mit der Postkutsche noch drei Tage. Die Eisenbahn fuhr erst ab 1860 in die alte Salinenstadt.“

Gewachsen ist die evangelische Gemeinde in Bad Reichenhall durch den beginnenden Badtourismus und eines aufstrebenden Handels und der Wirtschaft. Positiv wirkte sich ebenso die mit Hilfe von König Ludwig I. in weiten Teilen neu erbaute Stadt aus, die sich „wie ein Phönix aus der Asche nach dem Stadtbrand, gemäß der architektonischen Konzeption des 19. Jahrhunderts, erhob“, schrieb Dr. Herbert Pfisterer in seinem Buch „Bad Reichenhall in seiner bayerischen Geschichte“.

Alte Saline, Beamtenstock
und Altes Rathaus

Zu diesen neu erstandenen Gebäudekomplexen zählte nicht nur die Alte Saline und ihr Ensemble, sondern auch der Beamtenstock und 1849 wurde ebenso das damals neue Schul- und Rathaus (heute Altes Rathaus) fertiggestellt. Auch in diesen Gebäuden lebt ein Stück evangelischer Geschichte in Bad Reichenhall. Im Alten Rathaus und nach dem zweiten Weltkrieg auch im Beamtenstock war eine evangelische Schule untergebracht.

Blick in die Poststraße, in der früher der Stadtbach entlang plätscherte und als offene Kanalisation diente. Diakon Sellner verweist auf die Inschrift am „Alten Brothaus“, das die Leistung zum Bau der Soleleitung nach Traunstein würdigt und die alte Stadt mit ihren Toren und Türmen zeigt.

Es waren aber auch viele Persönlichkeiten, die das Wachsen der evangelischen Gemeinde in Bad Reichenhall prägten und förderten. So war etwa auch der aus Sachsen stammende Zollinspektor Ernst Rinck (1801 – 1877), der das Schlössl Axelmannstein erbte, und es 1846 zur Sole- und die Molkenkuranstalt ausbaute, ein Evangelischer gewesen. Er war ein Förderer der Gemeinde und Mitbegründer des Kurbetriebes in Reichenhall. Ein weiterer prominenter Vertreter und Ehrenbürger von Bad Reichenhall war der Bezirks- und Salinenarzt Freiherr Georg von Liebig (1827 – 1903), der erste evangelische Arzt in Bad Reichenhall, auf den bis heute viele Indikatoren der örtlichen Kurmittel zurück gehen und der Namenspatron des Krankenhauses in Bad Reichenhall ist. Dr. Adolf Schmid (1846 – 1908), ebenfalls Ehrenbürger, war von 1876 bis 1878 erster Vorstand der evangelischen Kirchenverwaltung und gründete eine Kinderheilstätte, die von 1887 bis zum ersten Weltkrieg bestand. Zur Liste der prominenten evangelischen Gemeindemitglieder in jenen Gründerjahren zählte auch die Freifrau Frances Isabella „Fanny“ von Karg-Bebenburg (1847-1899), deren Mann die Karg-Villa im Karlspark 1869/70 bauen ließ. Sie war ab 1873 Leiterin des evangelischen Frauenvereins.

An zu wenigen Gebäuden in Bad Reichenhall finden sich HInweise auf die lange und bewegte Geschichte

Bis hin zu einem eigenen evangelischen Gottesdienst im Betsaal der Alten Saline hatte die kleine evangelische Schar bis 1860 also einen langen Weg hinter sich. 1861 bekam Bad Reichenhall eine erste evangelische Prediger- und Seelsorgestelle zugesprochen und von da an wuchs die Gemeinde, wurde für den aufstrebenden Kurort und seiner Gäste immer wichtiger.

„Es gab in jenen Jahren auch ein jüdisches Restaurant mit eigener Schlachtung und Bestrebungen zur Gründung einer Synagoge. Selbst Gespräche zur Gründung einer orthodoxen Kirche, zumindest aber eines orthodoxen Gottesdienstes, wurden geführt. Im Russischen Hof, dem späteren Hotel Deutsches Haus, dass nach dem Abriss seit Jahrzehnten als Baulücke zwischen Ludwig- und Poststraße brach liegt, verkehrten viele Gäste aus Russland auch aus dem Umfeld der Zarenfamilie und des russischen Adels,“ erinnert Markus Sellner an jene Zeit. Bad Reichenhall zählte bis 1875 noch weniger als 5000 Einwohner.

Seit 140 Jahren eine eigene evangelische Kirche 

Ab 1870 reifte bei den Evangelischen der Wunsch nach einer eigenen Kirche in Bad Reichenhall, obwohl die Kirchengemeinde im Ort kaum 200 Mitglieder zählte, doch von vielen Badegästen, die häufig aus evangelisch geprägten Regionen stammten, gerne besucht wurde. Freifrau Fanny von Karg-Bebenburg rief für den Bau sogar eine eigene Lotterie ins Leben. „Der überwiegend große Teil aber kam von Spenden außerhalb, wenn die kleine Gemeinschaft auch nicht arm war. Es zählten leitende Beamte, Hoteliers, Ärzte und Unternehmer zu den Evangelischen, auch sie kamen meist von auswärts, waren also ‚Zuagroaste’“, erzählt Diakon Sellner.

„Man wies der evangelischen Gemeinde dann ein Grundstück weit außerhalb der Stadtmauern zu, in deren Grenzen sich bis zu dieser Zeit die Stadt erstreckte. Sicher war innerhalb der Stadt kaum ein Platz zu finden, zumal die Katholischen die Evangelischen auch nicht in der Stadt wollten. Der Bauplatz für die Kirche (Grundsteinlegung 14.08. 1877) war abgelegen, zwischen Bahnhof (ab 1860), der Stadt und dem neu angelegten Kurpark (ab 1868). Mit dem Bau des Königlichen Kurhauses 1900 rückte die Kirche dann allerdings in das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens und erlebte eine Blütezeit“, führt Markus Sellner aus.

Diakon Markus Sellner geht ausführlich auf die Geschichte der Evangelischen Kirche in Bad Reichenhall ein, die von 1877 bis 1881 außerhalb der Stadt erbaut wurde.
Diakon Markus Sellner geht ausführlich auf die Geschichte der Evangelischen Kirche in Bad Reichenhall ein, die von 1877 bis 1881 außerhalb der Stadt erbaut wurde.

Der spirituellen Stadtspaziergang ging am Rathaus vorbei weiter durch die Poststraße, die ebenso wie der Rathausplatz als Ensemble in die Bayerische Denkmalliste eingetragen ist. Zentral und historisch sind hier das alte Salzmaierhaus (Polizei) mit dem Denkmal des Salzamtsschreiber, gegenüber der Ägidikirche, das vor 1840 Amtssitz der Salinenverwaltung war. „Historisch aber ist auch der Platz selbst“, erzählt Markus Sellner, “denn hier befand sich der historische Markt und hier verlief ebenso der alte Stadtbach, der der alten Salinenstadt zugleich als offene Kanalisation diente.“

Weitere „evangelische Stationen“ war das heute als Bücherei genutzte Gebäude in der Gabelsbergerstraße, „eine der größten evangelischen Büchereien in Bayern“, merkt Diakon Sellner an und verweist auf das Nebengebäude. „Das große Wohnhaus nebenan, die Villa Hindenburg, zählte ursprünglich auch zum Besitz und beherbergte die Wohnung des Pfarrers.“ Das Pfarrhaus an der Wittelsbacherstraße erwarb die Gemeinde bereits 1866. Sie wurde damit zugleich zur eigenen Pfarrei erhoben.

Der „Bismark-Brunnen“
ist heute stillgelegt

Auf dem Weg zur Kirche legte die Gruppe noch einen Stopp am Bismarck-Brunnen ein, der lange Jahre hinweg der größte Brunnen der Stadt war und heute leider stillgelegt ist. Der preußische Fürst Otto von Bismarck (1850 – 1898) und Reichskanzler war evangelischen Glaubens, mehrfach in Bad Reichenhall zur Kur und ist Ehrenbürger von Bad Reichenhall.

Zentrum der evangelischen Gemeinde ist die Stadtkirche wo der kleine Rundgang endete. Sie wurde 1877 bis 1881 im damals modernen „neugotischen“ Stil erbaut. Architekt war Ludwig Hoffstatt aus München. „Zweimal wurde sie modernisiert“, erläutert Diakon Sellner, „zuletzt 1981, wo auch das große Altarbild entstand. Es symbolisiert den Weg von der Erde über das Kreuz in das himmlische Jerusalem. Es steht als Symbol des Zieles, der Vollendung.“ Ein weiterer „Meilenstein“ war 1994 der Bau des achteckigen Pavillons. Durch den Aufzug und die Anbindung an die Kirche wurde ein behindertengerechter Zugang zur Kirche ermöglicht und ein Gemeinderaum im Umkreis der Kirche geschaffen. Stolz ist man bis heute auf die Orgel in der Kirche mit 36 Register und 2583 Pfeifen. Das große Gemeindehaus in der Adolf-Schmid-Straße wurde 2019 verkauft.

Eine Blütezeit erlebte die evangelische Gemeinde durch die Folgen des zweiten Weltkrieges, als sich von insgesamt 12 Millionen Heimatvertriebenen 6000 in Bad Reichenhall und der Umgebung (Piding) ansiedelten. 2010 zählte die evangelische Gemeinde noch 4567 Mitglieder und heute rund 3.900. „Wir verlieren viele Gemeindemitglieder altersbedingt. Ihre Kinder sind vielfach durch Studium und Beruf nicht mehr im Berchtesgadener Land ansässig“, bedauert Diakon Markus Sellner.

Die Gebäude im Landkreis im Visier

Auf der Suche nach Einsparpotentialen beim Energieverbrauch sind im Landkreis jetzt die einzelnen Häuser im Visier. Der Energienutzungsplan des Berchtesgadener Landes liefert dazu detaillierte Informationen für über 30.000 Gebäude, so genannte „energetische Gebäudesteckbriefe“. Sie werden im Rahmen einer kostenlosen Energieberatung der Energieagentur Südostbayern herangezogen. „Dadurch können die Eigentümer, ob privat, gewerblich oder kommunal, bei der Abschätzung des Potentials noch besser unterstützt werden“, informierte der Landkreis den Ausschuss für Umweltfragen, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität. Der energetische Gebäudesteckbrief ersetze allerdings keinen Energieausweis, auch nicht die Beratung und Planung vor Ort.

Bettine Mühlbauer von der Energieagentur Südostbayern GmbH rät zu einer zeitnahen Information, bevor Förderprogramme wieder auslaufen. – Foto: Gerd Spranger

Die Energieagentur Südostbayern ist eine Gesellschaft der Kreise Berchtesgadener Land und Traunstein und stellt sich als „Ihr unabhängiger Partner für Energiefragen vor Ort“ vor. Für mehr Energie-Effizienz werden für einen Beitrag zum Klimaschutz vor allem erneuerbare Energien heran gezogen. Ab 2021 verteuert sich das Heizen mit fossilen Energieträgern durch eine CO2-Abgabe nämlich empfindlich. Parallel dazu fördert der Bund das Heizen mit erneuerbaren Energien und zahlt 35 bis 45 Prozent der Investitionskosten über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausführkontrolle (BafA). Doch aufgepasst: „es gibt etwa für 30 Jahre alte Ölkessel eine Austauschpflicht, und damit entfällt die Förderung. Eine Beratung sollte darum immer frühzeitig erfolgen, manche Programme gelten auch nur befristet“, merkt Bettina Mühlbauer an, Prokuristin der Energieagentur in Traunstein.

Basisinformation mit Energie-Förderkompass

Ganz grundsätzlich informiert der Förderkompass Energie der Bayerischen Energieagenturen als hilfreiches und bewährtes Nachschlagewerk für Bürger, Kommunen und Unternehmen. Er liefert Basisinformationen zu Fördermöglichkeiten in den Bereichen energetische Sanierung, energieeffizientes Bauen, Energiesparen und über den Einsatz von erneuerbaren Energien und steht zum Download auf der Webseite der Agentur zur Verfügung. Die Kreisräte des Berchtesgadener Landes haben bereits erste Erfahrungen mit der neuen Software für den energetische Gebäudesteckbrief gesammelt.

Kreisrat Franz Eder hat den Link für sein Haus gleich mal ausprobiert. „Ich sehe bei meinem Hausdach welche theoretischen Möglichkeiten ich habe. Auch ist ein ‚Istzustand‘ meines aktuellenWärmebedarfs benannt. Wie realistisch ist das“, fragt er.

„Es sind die Daten des bayerischen Vermessungsverwaltung hinterlegt. Es kann natürlich ‚Unschärfen‘ geben, doch die werden im persönlichen Gespräch geklärt. Grundsätzlich wurden das Baujahr und der zu jener Zeit gültige Standard mit einbezogen“, informiert Energieberater Manuel Münch über die Hintergründe des mit Mitteln des Bayerischen Wirtschaftsministeriums geförderten Programmes.

Bessere Information sicherstellen

Auch Kreisrat Thomas Gasser ist überzeugt von dem Programm, bezeichnet es als „ein perfektes Werkzeug“, und fragt nach, wie es denn zum Bürger komme. Münch setzt hier auf die Medien, Kreisrat Simon Köppl auf eine gute Mund-zu-Mund-Werbung durch die Kreisräte, in den Gemeinden und Vereinen. Selbst will er bei Freunden und Bekannten über diese neue Möglichkeit informieren. Landrat Bernhard Kern will zum Herbst eine eigenes landkreisweites Journal herausgeben um die Information der Bürger sicherzustellen. Aktueller Ansprechpartner für das neue Modell der Energieeinsparung ist die Energieagentur Südost. Zu erreichen ist sie unter: http://www.energieagentur-suedost.bayern, direkt über die Landratsämter oder auch vor Ort:

Bad Reichenhall im Landratsamt,
Zimmer 236 – Jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat

Berchtesgaden im Rathaus
Jeden 3. Mittwoch im Monat

Freilassing im Rathaus
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Kein Gleisabbau in Berchtesgaden

Kreisausschuss wendet sich
mit Resolution an Entscheidungsträger

Großer Unmut herrscht bei Landrat, Bürgermeistern und Kreisräten des Berchtesgadener Landes über die Pläne der DB Netz AG, die Gütergleisanlagen in Berchtesgaden entfernen zu lassen. Der Ausschuss des Landkreises für Umwelt, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität fasste darum einstimmig eine Resolution und wendet sich an die zuständigen Entscheidungsträger, „sich für den Erhalt der Gütergleisanlagen am Bahnhof Berchtesgaden einzusetzen. Der Landkreis Berchtesgadener Land lehnt dieses Vorhaben entschieden ab. Das dortige Gütergleis 22 stellt in Verbindung mit dem Ausziehgleis sowie der vorhandenen Laderampe die einzige Zugangsmöglichkeit des Güterverkehrs für Schiene im südlichen Landkreis dar.“ Die Resolution soll insbesondere der Bundeswehr, der Deutschen Bahn AG, dem Eisenbahn-Bundesamt und dem Freistaat Bayern zugeleitet werden.

Auch die BaWa, direkt am Gleis gelegen, nutzt die Möglichkeit der Verladerampe nicht. Einzige Hoffnung ist aktuell die Bundeswehr, die mit ihrem Standort in Bischofswiesen-Strub für ihre Manöver die Verlademöglichkeit nutzen könnte. – Fotos: Gerd Spranger

Auf jeden Fall sei vorab zu prüfen, „ob solche Infrastrukturen mit behördlicher Zustimmung als betrieblich gesperrt deklariert werden können.“ Aktuell sei nach derzeitigen Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freie Wähler der Ausbau des bayernweiten Netzes an Güterverkehrszentren und sonstigen Umschlaganlagen nach der Devise „Ausbau statt Rückbau“ voran zu treiben. Bei der Entfernung der Gütergleisanlagen macht die Deutsche Bahn hingegen Druck. Sie möchte die Anlagen bereits im Sommer, „im Rahmen der Bündelbaustelle und der damit einhergehenden Streckensperrung entfernen.“ Die Bahn argumentiert, dass eine „Investition von 190.000 Euro für die Erneuerung einer Zugangsweiche, sowie für den Austausch der Holzschwellen durch Betonschwellen erforderlich ist.“ Darüber hinaus stünden den Vorhaltekosten für diese Gleise keine Erlöse gegenüber.

Der Freistaat unternimmt nichts

Das Land Bayern wurde über die Pläne des Rückbaus bereits im April 2019 informiert und erhob dagegen keine Einwände. Die Zeit drängt jetzt also für den Landkreis, der „kein Verständnis dafür hat, dass ein Rückbau ohne vorliegender Notwendigkeit überhaupt vorgenommen werden soll.“ Er stehe im deutlichen Widerspruch zum Koalitionsvertrag, in dem festgehalten ist, „dass Verkehrszuwächse so weit wie möglich auf umweltfreundliche Verkehrsträger verlagert werden sollen. Dafür treiben wir den Ausbau des landesweiten Netzes an Güterverkehrszentren uns sonstigen Umschlaganlagen voran.“

Der Bahnhof in Berchtesgaden ist eine Sackgasse. Die Gleisanlage zur Güterverladung soll nach Willen der DB Netz AG abgebaut werden, weil sie seit Jahren nicht mehr genutzt wird. Ebenfalls seit Jahren gesperrt ist die Brücke als Fußgängerübergang vom Markt Berchtesgaden direkt in das Bahnhofsgebäude.

„Alle fünf Bürgermeister des südlichen Landkreises haben sich deutlich für den Erhalt der Gütergleisanlagen ausgesprochen. Der Markt Berchtesgaden hat zudem für den Bau der Verladerampe am Gleis 22 einen sechsstelligen Betrag aufgewendet“, informierte Landrat Bernhard Kern. Er habe bereits Gespräche mit dem Bataillonskommandeur der Bundeswehr in Bischofswiesen, Oberstleutnant Martin Sonnenberger, geführt und will das Gespräch mit Brigadekommandeur Oberst Maik Keller in Bad Reichenhall fortführen. „Ich habe noch kein offizielles Statement, doch das Signal zum Erhalt der Gleisanlage ist positiv.“

Hintergrund ist, dass für Großübungen und Manöver die Bundeswehrfahrzeuge aus Bischofswiesen in Bad Reichenhall verladen werden, und damit über die B20 anfahren. Sie könnten ebenso in Berchtesgaden verladen, zumal der Bahnhof nur zwei, drei Kilometer vom Truppenstandort entfernt ist, wenn die Anlage erhalten bleibt. „Eventuell können wir damit sogar eine Lösung für die anstehende Ertüchtigung finden“, hofft der Landrat.

Bahn verspielt das Vertrauen

Die Kreisräte (KR) äußerten sich eindeutig zum Erhalt der Gütergleisanlagen am Bahnhof Berchtesgaden. KR Roman Niedergerber (SPD). „Es wäre an der Zeit auch beim Güterverkehr in der Realität des 21. Jahrhundert anzukommen und nicht nur mit einem Schienenpakt große Versprechungen abzuliefern. KR Bernhard Heitauer (CSU): Wir führen mehr als 10 Jahre Verhandlungen für einen zweiten Haltepunkt in der Gemeinde Bischofswiesen, ohne Erfolg. Ein Gleisabbau aber wird möglichst unverzüglich vollzogen. Da stimmt ganz Grundsätzlich einiges nicht.“ KR Sven Kluba (CSU): „Gibt es noch andere Perspektiven, etwa einer Übernahme der Anlagen durch dritte?“ Für KR Franz Eder (Grüne) verschwindet das Vertrauen in die Bahn ganz grundsätzlich. Vor allem was Zusagen und Versprechen betrifft. Auch in Laufen wünsche man sich lange einen Ausbau und eine Haltestelle Gastag, die es in Zeiten der Deutschen Bundesbahn gegeben habe. KR Helmut Langosch (Freie Wähler) ist der Zustand des Bahnhofs insgesamt, vor allem auf der Rückseite, ein Dorn im Auge. „Es ist für ankommende Touristen ein eher trostloser Anblick“, moniert er. KR Thomas Gasser (CSU) hofft auf den Erfolg der Resolution. „Wenn wir aber nicht zum gewünschten Ziel kommen, muss die Trasse auf alle Fälle erhalten werden. Es darf keinen Rückbau geben.“

Versagt das System des Corona-Krisenmanagementes?

K O M M E N T A R

(gsp) Merkel, Spahn und Söder wird gemeinhin ein gutes Zeugnis für ihr Corona-Krisenmanagement ausgesprochen. Doch für ihr Rezept gab es keinen Beipackzettel, der bekanntlicher Weise auf Nebenwirkungen hinweist. Es gab und gibt auch keine wissenschaftlichen Studien dazu. Als Wissenschaftsleiter wurde lediglich der Virologe Professor Christian Drosten verpflichtet.

Verursacher oder Meister der Lockdown-Krise?

Man wolle keine Bilder wie im italienischen Bergamo, keine Überlastung von Krankenhäusern und deren Intensivstationen, waren die Argumente der ersten Stunde vor dem Lockdown. Und tatsächlich, es wurde geschafft. Deutschland kam niemals auch nur ansatzweise in die Verlegenheit einer fehlenden medizinischen Versorgung, im Gegenteil. Die Krise ist mit rund 7000 aktiven Fällen bundesweit ausgelaufen. Allein die Notfallverordnung bleibt bestehen, eine gesetzliche Grundlage bricht langsam weg im „Kampf gegen die Corona-Pandemie“, sofern es sie überhaupt gegeben hat. Eine Notstandsverordnung hätte sich mancher Politiker wohl gewünscht, doch die gibt es in der BRD nicht. Ein Infektionsschutzgesetz mit einer Generalklausel für „alle notwendigen Maßnahmen“ muss herhalten, um elementare Grundrechte der Bürger außer Kraft zu setzen. Die Länder ergänzen mit einem Katastrophenschutzgesetz und zögern nicht hart durchzugreifen.

Von Anfang an wurde sehr ausgewählt getestet und einen Unterschied zwischen Infizierten und wirklich Erkrankten scheint es nicht zu geben. Infiziert ist gleich erkrankt und muss zwei Wochen Quarantäne auf sich nehmen, auch Kontaktpersonen eines Infizierten. Zwei Wochen Freiheitsberaubung mit allen Konsequenzen, besonders hart trifft es alle Selbständigen, denn nicht alle Angelegenheiten lassen sich von zuhause aus regeln.

Nun soll es in Bayern einen „Coronatest für alle geben“ und Kritik wird laut. Geht das überhaupt und wiege es nicht in falsche Sicherheit, „denn der Test sei ja nur eine Momentaufnahme“, gibt Gesundheitsminister Jens Spahn zu denken. Und was ist mit all jenen, die freiwillig getestet dann positiv, als infiziert gewertet werden? Droht auch Ihnen eine 14-tägige Zwangspause, ihnen, ihren Familien und Freunden? Waren sie die letzten zwei Wochen gar in einem Restaurant, auf einen Kaffee oder Kaltgetränk in einem Lokal? Droht auch allen anderen Gästen eine zwangsweise Freiheitsberaubung?

Inszeniert Bayern damit die zweite Welle, die Ministerpräsident Markus Söder seit Wochen beschwört? Oder hat der Freistaat gleiche Konsequenzen wie der Landkreis Gütersloh zu befürchten, Lockdown forever? Ausgangspunkt war eine Großschlachterei, bei der sich über 1000 Mitarbeiter infiziert haben, ohne dabei etwas zu bemerken. Erst nach einem Test wurden sie als infiziert infiziert.

Es scheint eine ausweglose Situation oder Merkel und Söder schaffen vereint eine Lösung, steigen zu den Rettern der Nation auf. Freiheit wird es erst mit einem Impfstoff wieder geben, und wohl auch dann nur für jene Menschen, die sich natürlich ganz freiwillig impfen lassen. Willkommen in der DDR 2.0 oder wahlweise bei Söder 1.0 in Bayern.

In einer Frage, wo es um das Wohl der Volksgesundheit geht, europa- und weltweit, und um Billionen-Schäden an der Wirtschaft, sollte der Rat von Experten und aus der Politik sich an Fakten orientieren und neutral sein. Das aber ist er nicht. Starvirologe Professor Christian Drosten war maßgeblich an der sehr schnellen und frühen Entwicklung der PCR-Tests beteiligt.

Es ist darum nicht auszuschließen, dass er selbst an jedem durchgeführten Test mitverdient. Allein in Deutschland sind es mittlerweile 5,5 Millionen durchgeführter PCR-Tests. Die Politik, allen voran Bundeskanzlerin Angelika Merkel und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, entschieden bereits im April, dass es einen Weg aus der Krise nur mit einem Impfstoff geben könne. Letztlich hat sich der Bund dann selbst noch mit 300 Millionen Euro an ein Unternehmen für Impfstoff beteiligt. Außergewöhnlich.

Sie haben die Entwicklung der Pandemie über Monate hinweg vorausgesagt. Haben sie wirklich? Ist das Gebot der Neutralität und an den Fakten orientieren Urteil hier gegeben?

Koste es was es wolle“, ist eine andere Maxime der Krise und wird uns eindrucksvoll mit Finanzpaketen und Konjunkturprogrammen vorgeführt, bei denen die Millionen zur kleinsten Recheneinheit dezimiert werden. Bereits EZB-Präsident Mario Draghi befeuerte die europäischen Märkte mit 2,6 Billionen Euro. Millionen, Milliarden und Billionen an Euros an Banken- und Wirtschaftshilfen für eine Politik, die den Bezug zur Realität verloren zu haben scheint. Kluge Kaufleute von einst mahnten stets zu verantwortungsvollem und sparsamen Umgang mit den Ressourcen. „Koste es was es wolle“ scheint hingegen das neue Credo einer entfesselten Gesundheits- und Wirtschaftspolitik geworden zu sein. Wer zahl am Schluss die Zeche? Unsere Kinder? Verkehrt sich der Spruch in „Wir tun alles für die Krise“, die Zukunftskrise, die Wirtschaftskrise. Was tun wir, wenn das nächste Virus droht. Ein Lockdown 2.0? Wer wird überleben?

Investitionen von 17 Millionen Euro angestoßen

– 417 Beratungen im Jahr 2019
– Landkreis investiert 96.408 Euro

Energiepolitik und Klimaschutz sind längst zur Chefsache geworden, auch auf Landkreisebene, wie Landrat Bernhard Kern in der jüngsten Sitzung des Kreissauschusses im Landratsamt Bad Reichenhall betonte. So wurde bereits 2016 die Energieagentur Südostbayern GmbH gegründet, deren Träger die Landkreise Berchtesgaden und Traunstein mit einer Beteiligung von jeweils 50 Prozent sind. Gefördert werden soll ein sparsamer, effizienter und klimafreundlicher Energieeinsatz. Der Kreisausschuss befasste sich mit dem Jahresabschluss für das Jahr 2019 und ermächtigte den Landrat, dem Abschluss auf der Gesellschafterversammlung zuzustimmen.

Foto (v.l.): Energiemanager Manuel Münch vom Landratsamt Berchtesgaden; Bettina Mühlbauer von der Energieagentur Südostbayern GmbH und Landrat Bernhard Kern.

Das Wirtschaftsjahr 2019 der Gesellschaft schloss mit einer Bilanzsumme von knapp 129.000 Euro ab. Im Betriebsergebnis nach Steuern steht ein Minus von 220.290 Euro. Damit wurde der Haushaltsansatz um 9.413 Euro überschritten. Als Defizitausgleich bewilligte der Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes eine Nachzahlung von 4.120 Euro, zusätzlich der bereits bewilligten 92.288 Euro. Die noch fehlenden knapp 5.300 Euro übernimmt der Landkreis Traunstein. Der Kreistag stimmte dem Jahresabschluss für das Jahr 2019 einstimmig zu.

Die Prokuristin der Energieagentur Südöstbayern GmbH, Bettina Mühlbauer, begründete die zusätzlichen Kosten mit dem Wegfall von Leistungen und daraus resultierender Verluste bei den Einnahmen. Weggefallen seien etwa Einnahmen aus Gebühren für Weiterbildungen von rund 4900 Euro, eine Lücke von rund 10.700 Euro durch die Verzögerung von Förderprogrammen durch die Bayerische Staatsregierung und ein Mehraufwand für die Gewerbeschau „truna“ in Traunstein.

Die Energieagentur leistete 2019 im Bereich Fördermittel und Energie 417 Beratungen, woraus sich „theoretisch angestoßene Investitionsmaßnahmen“ von 17 Millionen Euro ergäben, führte Bettina Mühlbauer aus. Die Summe ergibt sich aus den persönlichen Angaben der Kunden, die in einem Rücklaufbogen jeweils ihre persönliche Einschätzung zu ihren möglichen Investitionen geben. Zusätzlich wurden noch 32 Veranstaltungen als Kooperationspartner und 17 eigene Veranstaltungen im Jahr 2019 geleistet. Bei allen Aktivitäten zählte die Agentur 224 Veröffentlichungsnachweise, die für die Kommunikation der Themen und Anliegen in der Öffentlichkeit von hoher Bedeutung sind, bekräftigte Mühlbauer.

Im kommunalen Energiemanagement begleitete die Agentur die Kommunen Tittmoning, Piding und Trostberg. Weitere Angebote im Bereich Weiterbildung und Klimaschutz runden die Leistungen ab. Auf 360 persönliche Einzelberatungen entfielen auf das Berchtesgadener Land 110 und auf den Landkreis Traunstein 250 Kundengespräche. Allein im Umfeld der regionalen Messe „truna“ ergaben sich 63 Beratungen. Im Bereich „Energieberatung und Öffentlichkeitsarbeit“ leistete die Agentur 17 eigene Veranstaltungen und begleitete weitere 32. Für den Bereich „Projektmanagement und Klimaschutz“ standen das Förderprojekt „Energiecoaching Plus“, kommunale Energieeffizienz-Netzwerke und zwei Veranstaltungen über „Energieeffizienz in Unternehmen“.

2020 steht für die Energieagentur Südostbayern GmbH die Suche nach einem neuen Geschäftsführer an. Aktuell betreut Alexandra Wolf vom Landratsamt Traunstein als Interimsgeschäftsführung diese Aufgabe. Verstärkt wurde die Agentur seit März durch eine Assistenzstelle und seit April mit einer Fachberatung, beide Stellen in Vollzeit. Auf einem guten Weg sieht man die Nachfrage nach Energieberatungen, die 2020 bereits um 12 Prozent angewachsen sind. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den telefonischen Beratungen, bedingt durch die Corona-Einschränkungen. In Frage stehen darum auch die Vortragsreihe „Mit regionaler Energie in die Zukunft“ und die Chiemgaumesse „MeinZuhause!“ in Trostberg. Es besteht die Hoffnung, dass diese Aktivitäten im Herbst wieder möglich sind. Die gesamte Planung für mögliche Veranstaltungen pausiere „Aufgrund von Corona“ auf absehbare Zeit. Im Arbeitsbereich „Projektmanagement Klimaschutz“ stehen unter dem Förderprojekt „Energiecoaching Plus“ die Betreuung von fünf Kommunen an. Beim „Kommunalen Energiemanagement“ verhandelt die Agentur aktuell über weitere Projekte.