Archiv der Kategorie: tourismus

Stefanie Kohl bringt viele Branchen zusammen

Im Team den neuen Kurs bestimmen
Über Grenzen hinaus gehen

(gsp) Aktuell segelt der Gewerbeverein der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden in einer kräftigen Brise bei ruhiger See. Ein ganzes Dutzend erfolgreicher und wiederkehrender Veranstaltung sind bestens organisiert und sorgen für eine Belebung der Marktgemeinde, der Zusammenhalt und die Stimmung im Verein ist gut, und es herrscht eine Aufbruchstimmung. Doch gebrauchen die Unternehmer lieber das Bild eines großen Ruderbootes, in dem jeder seinen Platz findet und im gleichen Takt Fahrt aufgenommen wird. Neue Steuerfrau ist seit vergangene Woche Stefanie Kohl, die zur ersten Vorsitzenden gewählt wurde (wie berichtet).

Sie kennt ‚das Rudern‘, stammt aus einer Unternehmerfamilie, hat sich viele Jahre als alleinerziehende Mutter behaupten müssen, und parallel dazu eine Karriere gemacht, die von Wechsel und Herausforderungen geprägt war. Von der Textilreinigung über die Steuerfachgehilfin hin zur Finanzbuchhalterin war es ein weiter Weg. Doch für ‚Steffi‘, wie sie hier in Berchtesgaden genannt wird, war damit nicht Schluss. Sie machte weiter als Microsoft Office-Beraterin in Stuttgart, war Assistentin der kaufmännischen Leitung der Schönklinik und machte ihre Fachwirtin im Gesundheitswesen. Einen neuen Weg schlug sie ein, als sie 2013 ihren heutigen Mann und Unternehmer Alexander Kohl kennenlernte.

„Heute arbeite ich im Unternehmen mit und freue mich in einer Großfamilie zu leben“, bekennt sie. Ihre vier Söhne sind mittlerweile erwachsen und auch ein erster Enkel zählen zur Familie, ebenso wie ein Hund. Das hört sich nicht nach Langeweile an, sondern nach einem ausgefüllten Leben. Dennoch hat sie sich bei den AUB zur Wahl gestellt, ‚ein Herzensanliegen‘, nannte sie es. Was aber hat Stefanie Kohl vor, was bewegt sie?

Mit Diplomatie zum Erfolg

Selbst sieht sie sich, ebenso wie ihren Vorgänger Berni Zauner, als Diplomatin die anpacken kann und Ziele erreicht. Als geborene Waage wünscht sie sich gut im Team zu arbeiten und hier scheint der Vergleich zum Ruderboot wieder durch. Bei einer großen Besatzung – und die Aktiven Unternehmen zählen 150 Mitglieder – kommt es auf den Gleichklang an, um vorwärts zu kommen. Darum möchte sie sich zuerst mit ‚den Machern‘ und Beiräten über gemeinsame Ziele unterhalten.

Eines aber ist ihr schon heute am Herzen. Sie will den Verein weiter öffnen. „Wir haben von der Marktgemeinschaft Berchtesgaden bis hin zu den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden schon einen weiten Weg hinter uns. Zugleich gibt es noch viel Potential in anderen Berufen und Dienstleistungsunternehmen und auch aus den anderen vier Gemeinden des inneren Landkreises finden hoffentlich noch viele Selbständige den Weg zu uns“, wünscht sich Steffi. „Auch ein Arzt oder Heilpraktiker, ein Handwerker oder Dienstleister haben gute Ideen und ihre spezielle Sicht auf die Dinge. Das hilft uns insgesamt und jedem Einzelnen weiter.“

Die eigenen Stärken erkennen

Zugute kommt ihr die breite Ausbildung in ganz unterschiedlichen Berufsfeldern. Sie kennt viele Facetten, vom Familienbetrieb bis hin zum Großunternehmen, und das in unterschiedlichen Branchen. Flexibilität in Verbindung mit fachlicher Kompetenz sind heute gefragte Tugenden. Steffi Kohl hat sich entschlossen, das zum Wohl von Berchtesgaden einzubringen. „Wenn wir gemeinsam stark sind, müssen wir eine Konkurrenz aus Salzburg oder über das Internet nicht scheuen. Wir haben unsere ganz eigenen Stärken und das weit über das eigene Geschäft hinaus, wie etwa die Marktfeste – von den Wochenmärkten bis zu den Ganghofer-Sonntagen, die Live-Musik jeden Montag oder ganz besondere Events wie ‚Berchtesgaden leuchtet‘ – zeigen.

Auf dem Jenner ist jetzt ein weiterer ‚besonderer Termin‘ gesetzt. Es ist der Event und die 40-Jahr-Feier der City Blues Connection mit Norbert Egger an der Spitze unter dem Motto: „Blues, Jazz ’n‘ Rock on Top“ am 31. August. Auch hier wirken viele potente Partner zusammen wie die Aktiven Unternehmen Berchtesgaden e.V., die Jennerbahn GmbH und die Familie Egger Holding AG. „Der Event ist in erster Linie unseren Mitarbeitern gewidmet. Es ist ein großes DANKESCHÖN für ihre Leistungen, ihren Einsatz, den sie das ganze Jahr über aufbringen“, betont Stefanie Kohl.

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Innovation und Technik für Aufschwung in Berchtesgaden

Aktive Unternehmen Berchtesgaden modernisieren Gutschein-System

Im dritten Anlauf konnte Berni Zauner sein Amt als erster Vorsitzender der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden e.V. (AUB) übergeben. Die Suche nach einem guten Nachfolger war bei der Jahresversammlung im Hotel Kempinski endlich erfolgreich. Steffi Kohl wurde einstimmig zur neuen Vorsitzenden gewählt. 80 Mitglieder waren der Einladung zur Jahresversammlung gefolgt.

Fast 100 Gäste und Mitglieder der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden waren der Einladung in das 5-Sterne Kempinski Hotel auf den Obersalzberg gefolgt – Fotos: Gerd Spranger

Vor der Neuwahl konnte Berni Zauner, der die aktiven Unternehmen Berchtesgaden seit 2007 als Vorstand führte, noch ein großes Projekt zum Abschluss bringen, nämlich die Digitalisierung der Gutscheine, die es seit 2013 nur als gedruckte Variante gibt. Bislang, also von 2013 bis 2018 haben die Gewerbetreibenden über diesen Weg fast 1,5 Millionen Euro umgesetzt.

Steuerberater Bernhard Holleitner und Unternehmer Berni Zauner sind ein gutes Team bei den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden.

Bernhard Holleitner, Kassier des Vereins, schlüsselte die aktuellen Umsätze des Vereins genau auf, bevor er ausführlich auf die Situation der Geschenkgutscheine einging, Vor- und Nachteile abwog und mit den Zahlen ‚jonglierte‘, was ihm als Steuerberater sichtlich leicht viel.

Der Verwaltungsaufwand
sprengt die Grenzen

So erfolgreich und beliebt die Gutscheine bei Kunden und Mitarbeitern sind, so komplex und herausfordernd stellen sie sich für den Gewerbeverein dar. Berni Zauner: „Zu Beginn haben wir über Excel-Dateien die Grundlage der Datenerfassung und Abrechnung gelegt. Das ist auch bis heute so geblieben. Doch ist damit mittlerweile eine Halbtagskraft beschäftigt, und in Spitzenzeiten sind wir damit überfordert, die Grenze des Machbaren ist erreicht.“

Ein symbolischer Dank für viele Jahre Engagement bei den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden von Bürgermeister Franz Rasp.

Jährlich werden etwa 25.000 Gutscheine mit einem Wert von je 10 bis 44 Euro umgesetzt, jährlich also 450.000 bis 500.000 Euro. Das ist ein guter Umsatz, doch das ‚Handling‘, also die Organisation im Hintergrund hat es in sich, ist umständlich und birgt Risiken in sich, erklärt Bernhard Holleitner. Das betrifft sowohl die Abrechnung wie auch den Schutz vor Missbrauch. Ein weiterer Nachteil ergibt sich daraus, dass keine Teilbeträge eingelöst werden können, im Gegensatz zu einem digitalen System.

Gibt es Zuschüsse
für die Umstellung?

So hat sich die Vorstandschaft darauf verständigt, sich nach einem neuen System umzusehen. Nach einigen Monaten viel die Wahl auf einen Anbieter aus Salzburg, auf die Firma Brain Behind GmbH mit ihrem System Valuemaster. Damit werden die gedruckten Gutscheine auf eine digitale Ebene gehoben und die Erfassung und Bezahlung erfolgt über ein Kartenlesegerät oder über eine App am Handy. Für die AUB bedeutet dies eine Erstinvestition von 45.000 bis 60.000 Euro und jährliche Kosten von rund 33.000 Euro.

„Durch eine bessere Abrechnung, ohne Verluste und eine kleine Gebühr aber sollte der Großteil der Kosten gedeckt sein“, stellt Bernhard Holleitner in Aussicht. Auch könnte es Zuschüsse von bis zu 50 Prozente geben, etwa aus den Fördermitteln ‚Bayern digital‘ durch das Bayerische Wirtschaftsministerium. Der Verein ist auf alle Fälle in der Lage, dieses Investition zu bewältigen, ob mit oder ohne Förderung, führt Berni Zauner aus. Darüber hinaus ergeben sich auch innerhalb der Gemeinde viele Möglichkeiten der Vernetzung, bis hin zur BGLT. So begrüßte auch Bürgermeister Franz Rasp das System, ebenso wie Peter Nagel, Geschäftsführer der BGLT.

Weihnachten muss das neue System laufen

„Um das System für das Weihnachtsgeschäft rechtzeitig zur Verfügung zu stellen, müssen wir dafür aber jetzt einen Beschluss fassen,“ resümiert Berni Zauner. Die Mitglieder stimmten bei vier Enthaltungen einstimmig zu. Die Beschlussvorlage lautete: „Die Mitgliederversammlung beschließt die Einführung einer neuen Gutschein-Lösung auf Basis des Valuemaster-Systems von Brain Behind.“

Mit der neu gewählten Vorsitzenden Steffi Kohl wurde der bestehende Vorstand wieder gewählt, einstimmig. Neu im Team ist als Schriftführerin Franziska Böhnlein.

Auf den neuen Vorstand der Aktiven Unternehmer Berchtesgaden warten viele Herausforderungen v.l.: Kathrin Schuster, Stefan Schlagbauer, Franziska Böhnlein, Florian Schmidt, Steffi Kohl, Bernhard Holleitner – Foto: Gerd Spranger

Der neu gewählte Vorstand:
Vorstand: Steffi Kohl – Stefan Schlagbauer
Kasse: Bernhard Holleitner – Kathrin Schuster
Schriftführer: Franziska Böhnlein – Florian Schmidt
Rechnungsprüfer: Martin Beierl und Max Köppl

Als Beiräte wurden ernannt:
Berni Zauner, Thomas Hettegger, Petra Auer, Engelbert Aigner, Werner Müller, Peter Beierl, Holzwimmer Helmut, Franz Stangassinger, Anneliese Zauner, Vroni Schlagbauer, Arno Fellinger und Anna Schlagbauer.

Wohnen und Kindergartenplätze
ein Problem

Bürgermeister Franz Rasp informierte die Mitglieder der AUB über aktuelle Themen aus der Gemeinde. Zunächst hielt er fest, dass die Zusammenarbeit mit Claudia Schülein im bisherigen Umfang bestehen bleibt. Gute Neuigkeiten hatte er für den Kreisverkehr am Bahnhof. Die Untersuchungen für einen eigenen Abschleifer (Beipass) am Knoten in Richtung Ramsau wurden positiv abgeschlossen. Das Staatliche Bauamt Traunstein werde die Maßnahme noch 2019 beginnen. Der sich bildende Rückstau in der Hochsaison werde dadurch der Vergangenheit angehören, seien sich die Experten einig. Als ‚ein Desaster‘ bezeichnete er die derzeitige Situation bei der Abfallentsorgung. Hier müsse noch viel aufgearbeitet und einiges nachgebessert werden. Es werde auch ein kommunale Verkehrsüberwachung geben, doch in Verbindung mit der Politesse werde der Stand nicht über die Kapazität vom Juni 2018 hinausgehen. Durchfahrtsverbote aber, etwa am Schlossplatz, werde von der Polizei kontrolliert. Darauf habe man sich verständigt.

Ein weiteres Problem sieht Franz Rasp bei der Schaffung neuer Kindergartenplätze, die die Gemeinde dringend benötigt. „Problem dabei sind nicht die räumlichen Voraussetzungen, sondern das Finden von Fachpersonal“, erläutert der Bürgermeister. Ein weiteres Problemfelld sieht er in der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. „Im Markt können wir fast keinen Umbau oder bauliche Erweiterung ohne Auflagen des Denkmalschutzes durchführen. ‚Wohnraumverdichtung‘ lautet zwar die aktuelle Forderung, doch niemand möchte einen Nachbarn direkt vor seiner Haustüre haben.“ Die Situation habe sich auch in Berchtesgaden extrem verschärft. „Hatten wir noch vor zehn Jahren beim Wohnbauwerk Berchtesgadener Land Wohnbau Wohnungen zur Verfügung, so blicken wir heute auf eine Warteliste von 300 Anträgen.“

Mehr Wertschöpfung
für den Landkreis

BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel gab noch ein Statement zur grundsätzlichen Position der BGLT und ihrer Aufgabe ab. „Wir sind nicht dazu da, jedem Haus die Betten möglichst voll zu machen. Wir entwickeln Strategien und Visionen, die für die Region zu einer nachhaltigen Wertschöpfung führen“, stellt er klar. Dabei müsse eine Balance gefunden werden um den Tourismus in gesunde Bahnen zu lenken. Das aber gehe nur durch eine weitere Qualitätssteigerung. Dabei lobte er ausdrücklich die Aktivitäten der AUB, die mit ihren Aktionen und Initiativen wie Berchtesgaden leuchtet, Marktfest, Ganghofertage, Montag-Musi viel zu einer qualitativen Verbesserung des Angebotes beitragen.

Als positive Beispiele der Bemühungen der BGLT dazu nannte er die jetzt angelaufene Serie ‚Watzmann ermittelt‘, das Crossmarketing zusammen mit der Industrie oder Veranstaltungen wie die Nationalen Winterspiele von Special Olympics Deutschland 2020 in Berchtesgaden. Auch innerhalb der Region ist noch viel Potential vorhanden. So sei etwa der Auftritt des Philharmonischen Orchesters aus Bad Reichenhall im AlpenCongress Berchtesgaden mit viel Zustimmung aufgenommen worden. Als Ziel nannte er auch die Verweildauer von Gästen von derzeit 3,5 bis 3,7 Tage auf fünf Tage zu erhöhen.

Hohe Erwartungen in das neue Aja-Resort in Ruhpolding

Hohe Erwartungen werden in das Aja-Resort in Ruhpolding gesetzt. Fotos: Gerd Spranger

(gsp) Touristisch ist die Eröffnung des Aja-Hotelresorts in Ruhpoling am 3. Mai ein Paukenschlag, ein Weckruf für die kleine 7000 Einwohner zählende Gemeinde, die jährlich 608.000 Übernachtungen bei 122.000 Gästen verbucht. Das ist ordentlich, doch 1981 zählte man bereits über eine Million Übernachtungen. Auch hat der Ort in den letzten 20 Jahren rund 2000 Gästebetten verloren, bekennt Tourismusmanager Herbert Ringsgwandl. Bürgermeister Claus Pichler spricht von einem Strukturwandel, den der Ort durchlaufen habe, so wie die meisten Urlaubsorte in Oberbayern. „Die Gäste reisen kurzfristiger, bleiben kürzer und dafür mehrmals jährlich,“ führt das Gemeindeoberhaupt aus und ergänzt: „Das neue Ressort könnte eine gute Antwort auf diesen Wandel sein, vorausgesetzt, die Betreiber halten das Geschäft am Laufen und finden gutes Fachpersonal, es wird sich zeigen.“

Blickt man von Inzell kommend auf Ruhpolding, so sind die Greens des Golfplatzes dem Ort direkt vorgelagert. Rechts, direkt am Rand der Greens, liegt das Aja-Resort Ruhpolding

Ruhpolding der Inbegriff Bayerns

Claus Pichler sprach bewusst die glanzvollen Tourismusjahre des Ortes an, als sogar die renommierte Wochenzeitung ‚Die Zeit‘ 1967 schrieb: „Für viele hunderttausend Bundesbürger ist Ruhpolding zugleich der Inbegriff Bayerns geworden, versinnbildlicht Almenrausch und Edelweiß, Schuhplattler und Sepplhose.“ Er meint, dass „Ruhpolding im Tourismus nie so weit gekommen wäre, hätte es nicht den Mut gehabt, neue Wege zu gehen.“ Und dafür steht der Ort im oberbayerischen Chiemgau, im Landkreis Traunstein.

In Bestlage direkt am Golfplatz

Durch die verwinkelte Architektur – drei große Baukörper laufen schräg zueinander zusammen – wirkt das 500-Betten-Hotel nicht so dominierend und passt sich gut in das Landschaftsbild ein.

Das Aja-Hotelresort steht in Bestlage direkt am Rand des Golfplatzes. „Wir haben auch 20 Jahre lang nach einem potenten Investor und Betreiber gesucht“, erzählt Herbert Ringsgwandl. Die Suche hat sich gelohnt, denn in 230 Komfort-Kingsize-Doppelzimmer und 14 Suiten stehen knapp 500 Gästebetten und der Betreiber, die ‚A-ja-Resort und Hotel GmbH‘ (eine 100prozentige Tochter der ‚Deutschen Seereederei GmbH‘), investiert 40 Millionen Euro in den dreigeschossigen Neubau. „Für den gesamten Chiemgau ein interessantes und spannendes Projekt“, freut sich Stephan Semmelmayr von der Chiemsee-Chiemgau-Tourismus. Es fehlen Hotels im gehobenen 3-Sterne und 4-Sterne-Bereich. Hier verzeichnen wir den größten Anfrage-Überhang.“

Größe und Markt
müssen sich entsprechen

Und immer wieder der Blick auf die Ruhpoldinger Bergwelt. HIer der Rauschberg im Hintergrund.

Auf die Größe des ländlich geprägten Umfeldes angesprochen bricht Bürgermeister Claus Pichler eine Lanze für den Investor. „Von den ersten Entwürfen bis hin zur Umsetzung haben die Betreiber viel getan der Landschaft und und dem Umfeld zu entsprechen. Allerdings“, schränkt er ein, „werden Sie nirgendwo ein kleines Haus finden, dass viele Zimmer, Appartements und Suiten bietet und den modernen Erfordernissen des viel gereisten Gastes von heute entsprechen kann. Das ist eine Utopie und der Blick nach anderen touristischen Destinationen zeigt, dass Größe und die Anforderungen des Marktes entsprechen müssen.“

DEHOGA erwartet
neue Impulse für die Region

Frontcooking mit alpenländischen Spezialitäten und besondere Noten von der See, von der Nordsee im Aja-Resort Ruhpolding

Ein Befürworter des Aja-Resort ist der DEHOGA mit seiner Kreisstelle in Traunstein. Hotelier und DEHOGA-Vorstand Peter Stocker sieht für Ruhpolding neue Impulse für einen nötigen Aufschwung. „Ein vergleichbares Projekt findet sich im Chiemgau bislang nicht, doch mehr solcher Hotelprojekte, vor allem im 4-Sterne-Superior-Bereich wünschen wir uns“, bekräftigt Peter Stocker. Selbst führt er seit Jahrzehnten das familieneigene Seehotel Wassermann in Seebruck am Chiemsee. Er sieht keine Konkurrenz für klassische Familienhotels, „die liegen seit Jahren voll im Trend“, ist sich der Hotelier sicher. Und: „ein Resort dieser Größe und Ausrichtung spricht ganz andere Gästekreise an.“

Genügend Platz auf den Greens

Im Aja-Resort Ruhpolding hat man einen Sinn für das Besondere. Resort-Manager Ralf Meister will das Hotel zu touristischen Höhen führen. Dafür steht symbolisch die Gondel einer Bergbahn.

Ebenso freut sich der Golfclub Ruhpoding über diese neue Klientel. Der Präsident des Clubs, Herbert Fritzenwenger, sieht der Eröffnung des direkt an den Greens angrenzenden neuen Aja-Resorts gelassen entgegen. „Wir haben aktuell 1000 Mitglieder und davon etwa 250 aktive, die mehrmals die Woche spielen. Täglich sind etwa 100 Golfer am Platz und wir haben eine Kapazität bis 200, ohne dabei an unsere Grenzen zu stoßen. Das neue Hotelressort ist für den Golfclub Ruhpolding eine große Chance.“

Ruhpoldinger Hoteliers
befürworten das Aja-Resort

Hotelier Markus Eismann
vom 4-Sterne-Alpenhotel Wittelsbach (32 Zimmer/ 60 Betten):

„Wir haben das Projekt immer unterstützt, denn wir brauchen Investment im Tourismus und freuen uns, dass jemand in den Ort und die Region investiert. Ruhpolding bietet bislang kein Haus mit 100 Einzelzimmer für große Tagungen und Kongresse. Es ergeben sich Synergien mit der nahen Chiemgau-Arena, die Biathlon Trainings- und Wettkampfstätte.“

Die Pfarrer Thomas Schmeckenbecher (evang.) und Otto Stangl (kath.) segnen das neue Resort als einen besonderen Ort der Gastlichkeit.

Hotelier Theo Stegmeier
vom 4-Sterne-Wohlfühlhotel Ortnerhof
(44 Zimmer/ 95 Betten)

„Das neue Ressort ist positiv für den Ort. Ein Haus mit dieser Größe und mit diesen Möglichkeiten wird Ruhpolding gut tun.“ Persönlich hätte er sich zwar ein 5-Sterne-Haus gewünscht, doch so ist es ein anderes Konzept und ein anderer Gästekreis, die ihren Weg finden werden.“ Theo Stegmeier hofft auf eine ‚Gute Nachbarschaft‘ und ist überzeugt davon, dass es auch unter den Gästen zu einem gegenseitigen Austausch kommen wird.

Hotelier Christian Mono
vom 4-Sterne Steinbach-Hotel (75 Zimmer/ 130 Betten):

„Von der fachlichen Seite wird es wohl funktionieren, denn es haben sich über viele Jahre hinweg viele Köpfe viele Gedanken gemacht und dabei viel Geld investiert. Das Aja wird einen neuen Gästekreis ansprechen und das wird dem Ort gut tun. Allerdings halte ich persönlich das Projekt für Ruhpolding als zu groß und es passt nicht in das Landschaftsbild. Andere Bauherren haben bereits Probleme ein Dachfenster einzubauen.“

Der Chiemsee-Chiemgau-Touristiker
Stephan Semmelmayr egänzt:

„Die Struktur der Vermieterbetriebe im Landkreis ist extrem klein strukturiert. Nirgendwo sonst ist der Anteil an Kleinvermieter (bis 8 Betten) höher als im Chiemgau. Deswegen brauchen wir dringend solche Betriebe, die hoffentlich auch andere Investoren ermutigen sich in der Region zu engagieren.“

„Ozapft is“ mit dem Bier vom Hofbräuhaus Traunstein, das als regionale Brauerei in das Sortiment mit aufgenommen wurde. Von links: Bräu Maximilian Sailer, Verkaufsleiter Andreas Hell, Resort-Manager Ralf Meister, Richard Hundhammer, DSR-Projektentwickler Torsten Vey und Daniel Bär von der Geschäftsleitung der DSR Hotel Holding.

Keine Tagungen im Ferienhotel

Bereits am zweiten Wochenende nach Eröffnung ist das Aja-Resort ausgebucht, knapp 500 Gäste werden das Hotel an seine Grenzen bringen, der erste wirkliche Testbetrieb. Angestrebt wird eine jährliche Auslastung von 80 Prozent. Zum Konzept des Hotels gehört der bewusste Verzicht auf Veranstaltungsräume, „obwohl die Nachfrage dafür vorhanden ist“, bekennt Ralf Meister. Es gäbe im Ort aber mit dem Kurhaus oder auch mit der nur wenige Kilometer außerhalb gelegenen Chiemgau-Arena genug Räumlichkeiten selbst für größere Events. Damit entfällt auch der Tagungs- und Seminarbereich. „Wir sind ein Urlaubs- und Ferienhotel mit Wellnessausrichtung, das verträgt sich nicht mit dem Geschäftsbereich“, ergänzt der Resort-Manager.

Daniel Bär von der DSR Hotel Holding (Deutsche Seereederei) und Resort-Manager Ralf Meister begrüßen die ersten Gäste im Aja-Resort Ruhpolding.

Das Aja-Resort Ruhpolding ist das erste Ferienhotel des Betreibers in den Alpen. Vor einem halben Jahr eröffnete man das City-Resort in Zürich und in 18 Monaten soll Garmisch Partenkirchen folgen. Die Aja-Resort und Hotel GmbH ist eine Tochter der Deutschen Seereederei GmbH (DSR). 2013 wurde in Warnemünde das erste Aja-Resort eröffnet.

3,5 Sterne für das neue
Aja-Resort in Ruhpolding

Zur Eröffnung des Aja-Resort in Ruhpolding liegt noch keine Sterneklassifizierung durch den DEHOGA vor. Resort-Manager Ralf Meister spricht jedoch von einem 4-Sterne-Haus. Damit dürfte er im Bereich des Spa mit Nivea-Wellnessabteilung, Fitnessraum, Sauna und Schwimmbad richtig liegen, auch mit dem großen Restaurant. Überhaupt ist es für den ländlich geprägten Chiemgau in jeder Hinsicht ein Haus der Superlative. Es braucht Größe, allein im Restaurant werden 220, auf der Terrasse 122 und im Biergarten 60 Plätze geboten. Dem Restaurant vorgelagert ist ein großer Barbereich und eine eigene Lounge für Stammgäste. Hohe Glasfronten geben den Blick in fast alle Richtungen auf die Ruhpoldinger Bergwelt, vom Rauschberg hinüber zum Unternberg und bis zum Sonntagshorn, mit 1961 Meter der höchste Berg im Chiemgau, auf dessen Gipfel die Grenze nach Österreich verläuft.

Der Spa-Bereich von Nivea hat auch für Männer viel zu bieten.

Bei einer 4-Sterne-Klassifizierung dürfte es bei den 230 Hotelzimmern knapp werden. Die Räume wirken beengt, das große Doppelbett füllt fast den ganzen Raum aus und die meisten Zimmer haben noch nicht einmal einen Balkon. Hier wurde mit spitzem Rotstift geplant, doch Hotelmanager Ralf Meister spricht bei einem Preis von 89 Euro pro Person inklusive Frühstück und Nutzung des Spa-Bereiches von einem günstigen Angebot. Der Eröffnungspreis liegt aktuell noch bei 64 Euro. Urlaubsstimmung wird auf den Zimmern nur schwer aufkommen, zum Schlafen aber sind sie ausreichend und das ist wohl auch der Plan. Die 14 Suiten mit großzügigem Raumangebot werden mit 120 Euro p.P. und Nacht berechnet.

Platz nehmen, sich entspannen – Wellness hautnah erleben.

Tagsüber sollen sich die Gäste im Hotel mit seiner breiten Infrastruktur entspannen, im nahen Ort oder an einem der Ausflugs- und Aktivprogramme teilnehmen. Aja-Wunscherfüller beraten dabei und die inkludierte Chiemgau-Karte bietet die kostenlose Nutzung von 30 Attraktionen der Region zum Nulltarif, darunter drei Bergbahnen, zwei Bäder und sechs Museen. Das dieser Trend richtig ist, zeigen auch die Buchungen. Zu 90 Prozent werden Übernachtung mit Halbpension gebucht. Darum gibt es mittags in dem Marktrestaurant mit Frontcooking auch nur ein kleines Angebot aus der alpenländischen Küche, ergänzt mit Fischgerichten und mediterraner Spezialitäten.

Reportage: Gerd Spranger

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Bergerlebnis und weite Talblicke

Unser 1. Beitrag: Almen in Bad Reichenhall

Wieder Ziegen
auf der Zwieselalm

Bad Reichenhall hat keine große Almlandschaften wie der Chiemgau, Berchtesgaden oder das Salzburger Land. Aber ganz ohne Almen ist die liebenswerte Alpenstadt nicht. Wir haben uns auf Spurensuche begeben und stellen zuerst die Zwieselalm vor, die ab dem 18. Mai wieder geöffnet ist. Eigentlich hatten wir bereits zu Ostern (19. bis 22. April) auf einen milden Frühling gehofft, der Mai aber hat Kälte, Regen und Schnee mit sich gebracht.

Der weite Blick auf das Reichhenhaller Tal und den Untersberg genießen von der Zwieselalm aus jedes Jahr tausende von Wanderern und Berrgsteiger

Das hatten die Land- und Hüttenwirte Gabi und Andreas Potschacher bei meinem Besuch Anfang April schon im Gefühl. Sie kennen das launische Wetter und ihre Alm. Sie ist wohl die bekannteste in Bad Reichenhall, und vom Tal aus weithin sichtbar, die Zwieselalm mit Kaiser-Wilhelms-Haus.

Keine Betten
im Kaiser-Wilhelms-Haus

„Das ist nicht bewirtschaftet, es gibt keine Übernachtungsmöglichkeiten, entgegen anders lautender Berichte,“ stellen die Wirtsleute gleich klar. Erste Ideen zu einer Revitalisierung scheiterten gleich im Ansatz, „denn sowohl vom Denkmalschutz wie auch vom Brandschutz aus ist das unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ganz und gar illusorisch“, weiß die Familie Potschacher aus gemachter Erfahrung.

Bis weit in den Mai liegen noch Schneereste auf dem Weg zur Zwieselalm

Ganz anders sieht es mit der Zwieselalm aus, sie floriert seit Jahrzehnten, seit drei Jahren sind hier wieder 20 Ziegen auf der Weide. Waliser Schwarzhalsziegen mit großem Gehörn und vornehmlich schwarz-weißen dichtem Fell. Bevor auf der Zwieselalm aber aufgesperrt wird, sind noch einige durch den Winter verursachte Schäden zu beseitigen. Bereits beim Aufstieg zählt man dutzende von der Schneelast umgeworfene und abgebrochene Bäume. Das Dach der Alm war beschädigt, der Boden aufgeworfen und den Stall hat es verschoben. Vor dem Aufsperren wartete auf die Hüttenwirte also  viel Arbeit und  Investitionen.

Ein 100 Jahre alter Ofen
auf der Alm

Dann aber ist die Alm mit ihrem über 100 Jahre alten Ofen in der Küche, ihrem herrlichen Ausblick bis weit in die Berchtesgadener Alpen und guten Brotzeiten vom Kaiserschmarrn über Käseplatten bis hin zum Speckbrot bereit für die Saison, wie sie seit 1900 von der Familie gewahrt wird. „Zuerst hat sie Willi Maitz bewirtschaftete, ein Onkel meines Vaters Grazi, der sie 1965 übernommen hat und mit seiner Frau Brigitte ganze 50 Jahre, bis 2015 bewirtschaftete“, erzählt Andreas Potschacher. Heute hilft mit den beiden Töchtern Christina und Barbara bereits die dritte Generation auf der Alm mit.

Die Zwieselalm vor dem Panorama (v.l.) von Watzmann, Hochkalter, Reiteralpe bis hinüber zu den Loferer Steinbergen – Fotos: Gerd Spranger

Versorgt wird die Zwieselalm bis heute über Hubschrauber und Mulis der Tragtierkompanie der Bundeswehr, denn einen Versorgungsweg zur Alm hin gibt es nicht, die Bayerischen Staatsforsten haben jede Initiative dazu bislang blockiert.  Es bleibt der Weg über den Mulisteig. „Das Engagement der Bundeswehr wird übrigens nicht aus dem Wehretat bestritten, wir zahlen für diese Dienstleistung ganz regulär und die Preise sind durchaus mit den Hubschrauberflügen vergleichbar,“ klärt Gabi Potschacher mich auf. Kostenlos hilft ein Freundeskreis frische Ware wie Milch und Gemüse vom Einstieg des Mulisteigs hinauf auf die Alm zu bringen. Dafür gibt es dann eine Brotzeit und ein Bier dazu, was nach der Mühe besonders gut schmeckt.

Andreas und Gabi Potschacher in der Küche der Zwieselalm

Auf dem Berg pflegt man ein kameradschaftliches Miteinander, ob Frauen oder Männer. Auch wenn der Weg auf die Alm nicht sehr lang ist, führt der kürzeste Weg vom Parkplatz Jochberg aus (Gemeinde Schneizlreuth) von 840 auf 1400 Höhenmeter hinauf. Ungeübte Geher sollten 90 Minuten Wegzeit einrechnen und unbedingt feste Bergschuhe tragen. Die Strecke ist zwar mit einer ausgedehnten Wanderung vergleichbar, doch es geht stetig bergauf und ein Bergpfad ist kein ausgebauter Wanderweg. Eine Stunde länger dauert es vom Parkplatz beim Listwirt in Bad Reichenhall. Geübte Bergsteiger setzen ihre Tour dann noch auf den Gipfel des Zwiesels oder Hochstaufens fort, tauchen tiefer in die Bergwelt ein.

Das ganze Bergerlebnis
auf der Zwieselalm

Das ganze Bergerlebnis aber hat man schon auf der Zwieselalm und das Wetter und die Landschaft laden zum längeren Verweilen ein. Den Blick über das weite Reichenhaller Tal schweifen lassen, hinüber zum Untersberg und Predigtstuhl bis hinein in die Berchtesgadener Alpen und hinüber zu den Loferer Steinbergen. Selbst wenn es im Gastgarten mal voll ist, findet man im Gelände etwas abseits immer noch ein ruhiges Plätzchen für sich.

Wer am Kaiser-Wilhelms-Haus dem kleinen Pfad noch einige hundert Meter weiter folgt, der kommt zu einer kleinen Bank, zum Staufenblick. Der Hochstaufen mit 1771 m

Hohe Auszeichnung für Fritz Eberlein und Elisabeth Homberg

Fritz Eberlein und Elisabeth Homberg
mit dem Ehrenzeichen des
Bayerischen Ministerpräsidenten gewürdigt

Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ‚für im Ehrenamt tätige Männer und Frauen‘ verlieh Landrat Georg Grabner an Elisabeth Homberg aus Berchtesgaden und an Friedrich Eberlein aus Bad Reichenhall. Mit Blick auf die Lebensgeschichte und das Engagement der Geehrten betonte der Landrat, dass „die Ehrennadel als Zeichen ja nur sichtbar mache, was über Jahrzehnte hinweg über jedes Maß und jede Verpflichtung hinaus geleistet wurde.“ Er zitierte den ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit den Worten: „solange es noch Leute gibt, die da sind um für Andere da zu sein, ist es um die Welt gut bestellt.“ In Würdigung der Verdienste gratulierten vor Ort Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.

Fritz Eberlein 27 Jahre Hüttenrefernt
für das Staufenhaus

Fritz Eberlein ist ein seit Jahrzehnten über jedes Maß hinaus ehrenamtlich Tätiger. 385.000 Höhenmeter hat er zu Fuß von 1989 bis 2016 auf dem Staufen überwunden. 385 Mal war er auf dem Reichenhaller Haus und als Hüttenreferent das Bindeglied zwischen Vorstandschaft und Hüttenwirt. „Heute bräuchten wir einen Gönner der bereit wäre eine Million zu investieren, denn sehr umfangreiche Sanierungsarbeiten und eine Kanalisation stehen an“, erzählt Fritz, dem das Staufenhaus bis heute am Herzen liegt. Seine Leidenschaft aber gilt der Natur, seit 1949 beschäftigt er sich intensiv damit. Nur so ist es erklärbar, dass er fast 40.000 Einzelfunde in eine Datenbank des Nationalparks eingepflegt hat. Seit Ende der 90-Jahre dokumentiert Eberlein ehrenamtlich seine detaillierten floristischen Beobachtungen. Sorge bereitet ihm aktuell das Insektensterben. „Wenn man früher unterwegs war, so herrschte ein Summen und auf einer Blüte waren nicht selten mehrere Bienen und Käfer zu sehen. Da ist es heute sehr still geworden.“

Der Naturforscher gibt sein umfangreiches Wissen gerne an Doktoranden und Masterstudenten weiter, unterstützt und hilft bei zahlreichen Forschungsprojekten im Nationalpark Berchtesgaden und führt auch heute noch gerne Exkursionen durch. Seine Arbeiten legten den Grundstein für eine künftige Beobachtung von Umweltveränderungen im Klimawandel. Fast schon nebenbei kartierte Fritz Eberlein 70 aufgelassene Almen im Gebiet des Nationalparks und historische Felszeichnungen. Freude bereitet ihm, wenn er die Selbstheilungskraft der Natur beobachtet. „Sieht man heute jene Regionen, die unter den großen Stürmen in den 90er- und 2000er-Jahren schwer litten, so ist hier eine wunderbare vielfältige Vegetation mit einem gesunden Mischwald nachgewachsen.“

Eberlein ist ein scharfer Beobachter und hat als Mitglied der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zahlreiche Publikationen veröffentlicht und unterstützt, die seine in Fachkreisen anerkannte wissenschaftliche Tätigkeit belegen. Er ist auch wieder in der Neufassung der Artenliste des Nationalparks involviert. Darüber hinaus ist er ein fleißiger Sammler von einigen Tausend Herbarbelegen für die Botanische Staatssammlung München. Dabei wird eine getrocknete oder flach gepresste Pflanze auf einen Karton oder einen Bogen Papier aufgeklebt, zu dem man früher etwa dicke Bücher benutzte. Wem die Natur so am Herzen liegt, der engagiert sich auch für den Umweltschutz und so ist Fritz Eberlein bis heute Naturschutzwart und Naturschutzausbilder bei der Reichenhaller Bergwacht. Er freut sich über die vielen jungen Menschen, die sich ganz in seinem Sinne für die Natur und Heimat engagieren. Sein Dank gilt vor allem aber seiner Frau Christa, die seit 50 Jahren treu an seiner Seite steht und in all den Jahren häufig auf ihren Mann ‚verzichten‘ musste.

Elisabeth Homberg 28 Jahre lang
beim Evangelischen Diakonieverein Berchtesgaden

Das ‚Da sein‘ für andere Menschen hat die heute 74jährige Elisabeth Homberg aus Berchtesgaden von ihrer Jugend an praktiziert, als sie als junges Mädchen bereits mehrmals wöchentlich in das Berchtesgadener Krankenhaus radelte um dort mitzuhelfen. Später durchlief sie dann eine Ausbildung zur Krankenschwester und bildete sich mehrfach fort. Als katholische Schwester kam sie 1981 zum „Evangelischen Diakonieverein Berchtesgaden“, zunächst als Halbtagskraft neben einer evangelischen Diakonisse. 28 Jahre lang, bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2009, war sie dort als Pflegedienstleitung. Zuletzt arbeiteten beim Verein acht Vollzeit- und sieben Teilzeitkräfte plus zwei Haushaltshilfen. Sie erinnert sich noch gut an das Jahr 2002, als der Neubau in Bischofswiesen an der Aschauerweiher-Straße entstand. „Wir waren alle aus dem Pflegebereich, keiner hatte eine betriebswirtschaftliche Ausbildung, dennoch haben wir uns über dieses Millionenprojekt drüber getraut.“

Und getraut hat sich Elisabeth Homberg immer und häufig. Sie hatte zum Beispiel eine „Daseinsvorsorge zu Hause“ möglich gemacht. „Wir sind vier bis sechs Mal täglich zu den hilfebedürftigen Senioren nach Hause gefahren, von morgens 6.30 bis abends um 22.30, und halfen ihnen bei den wichtigen Alltagsdingen. So konnten sie weiter in ihrem Zuhause bleiben,“ erklärt sie. Nebenbei habe sie damit die Gehälter der Mitarbeiter gesichert und zwar längerfristig und als gesicherte Einnahmen.

In diese Richtung zielte auch die 1995 eingeführte Pflegeversicherung, mit der vieles leichter geworden ist, erinnert sie sich. „Zuvor musste alles über die Krankenkassen abgerechnet werden und das war nicht einfach. Jetzt wurde das Prinzip ‚ambulant vor stationär‘ forciert und somit war Hilfe in vielen Lebenslagen möglich. Wie selbstverständlich engagierte sich Elisabeth auch in der Sterbebegleitung mit einemTeam von ausgebildeten Krankenschwestern, die das gleiche Anliegen hatten und haben. „Für einen Menschen in den letzten Stunden da sein, für und mit ihm ein Gebet zu sprechen, seine Hand zu halten, ihn nicht alleine zu lassen“, das sollte doch selbstverständlich sein.

Einmal wöchentlich bietet Elisabeht Homberg als Seniorenbeauftragte des Marktes Berchtesgaden eine Sprechstunde, die sehr gut angenommen wird. Häufig geht es um Pflege, um Hilfeleistungen, einen anderen Pflegegrad oder einfach nur den Menschen ihre Ängste zu nehmen. Weiters ist die aktive Seniorin seit sechs Jahren für die Freiwilligenagentur des Landkreises tätig, gründete das Demenzcafe Rosenrot im Werk 24, das Mehrgenerationenhaus von Berchtesgaden, hat Besuchsdienste auf der Abteilung Geriatrische Rehabilitation im Krankenhaus Berchtesgaden aufgebaut und ist Gründungsmitglied der Seniorengemeinschaft BGL Süd e.V..

Dennoch kam der Anruf aus dem Landratsamt anlässlich ihrer Ehrung überraschend. „Es gibt so viele Menschen die sich ehrenamtlich engagieren“, meint sie. Auch habe man sie mit allen ihren Initiativen in ihre Bemühungen immer wieder gefördert. Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ist für Elisabeth Homberg aber schon eine ganz besondere Auszeichnung, eine tolle Wertschätzung. „Gefreut hat es mich, dass unser Bürgermeister Franz Rasp trotz seines Urlaubes bei der Auszeichnung zugegen war“, betont sie. Dabei war auch ihr Mann Harry und ihr Enkel Niklas.

Von links: Barbara Müller (Senioren- und Behindertenbeauftragte des Landkreises Berchtesgadener Land), Walter Parma (Seniorengemeinschaft Süd e.V.), Landrat Georg Grabner, die Geehrte Elisabeth Homberg mit ihrem Mann Harry und Enkel Niklas sowie Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.

Von links: Fritz Eder und Dr. Hubert Zierl (Nationalpark Berchtesgaden), Landrat Georg Grabner, der Geehrte Friedrich Eberlein mit dessen Frau Christa, Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Helmut Schöndorfer

Fotos: Gerd Spranger

Es gibt keine Alternative zum Kirchholztunnel

(gsp) Im zähen Ringen um eine Ortsumfahrung für Bad Reichenhall hat jetzt das Staatliche Bauamt Traunstein für Klarheit gesorgt. Die von der Stadt vorgelegten vier Alternativen zur bereits im Planfeststellungsverfahren verankerten Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel fallen im Vergleich durch, und zwar eindeutig.

Baudirektor Christian Rehm zog in der außerordentlichen Stadtratssitzung im Alten Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall vor den Stadträten und etwa 200 Besuchern der Sitzung ein klares Fazit, nachdem Bernadette Wallner, ebenfalls vom Staatlichen Bauamt Traunstein, die relevanten Zusammenhänge und Aspekte ausführlich dargestellt hatte.

Baudirektor Chrisian Rehm und Bernadette Wallner und das gesamte Team des Staatlichen Bauamtes Traunstein haben viel Zeit in die 131 Folien umfassende Auswertung und Präsentation des Variantenvergleichs investiert.

„Bei allen ausgewerteten, für die Ortsumfahrung relevanten Parameter, ergibt sich ein eindeutiges Bild“, führt Rehm aus. Zunächst sei grundsätzlich festzuhalten, dass es sehr zweifelhaft ist, ob man für die vorgeschlagenen vier Varianten der Stadt Bad Reichenhall überhaupt ein Baurecht bekommt. Darüber hinaus besteht ein hohes Risiko bei der Einstufung im Bundesverkehrswegeplan 2030. „Es könnte zu einer völligen Neubewertung des gesamten Projektes mit ungewissem Ausgang kommen“, führt der Baudirektor aus.

Die Tunnelvarianten im Bestand und in der Saalachau erfüllen zudem die Voraussetzungen für eine Genehmigung nicht. Entscheidend sei der Variantenvergleich, und hier drängt sich die Ortsumfahrung über den Kichholz- und Stadtbergtunnel eindeutig auf. „Es besteht darum keine reelle Chance auf Zustimmung durch das Bundesministerium für Verkehr (BMVI)“, so Christian Rehm weiter. „Die aktuelle Einstufung im Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegplanes ist nicht übertragbar.“

Von links: Auentunnel mit zwei Tunnelbahnen – 1A, Ausbau im Bestand mit zwei Tunnelbahnen und (Entlastungs-)Straße oben – 1B Ausbau im Bestand mit einer Tunnelbahn und Straße oben – Ausbau im Bestand mit Trennung von B20 und B21 auf zwei Ebenen.

Mit einer „Ampelbewertung“ wog das Staatliche Bauamt Traunstein jeden einzelnen Teilbereich im Vergleich der vier von der Stadt vorgelegten Alternativen zur Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel ab. Es ging konkret um die Variante X, den so genannten Auentunnel entlang der Saalach und um einen Ausbau im Bestand der jetzigen Umgehungsstraße, der B20 und B21 um Bad Reichenhall herum. Hier wurden drei Varianten eingereicht, nämlich ein Ausbau mit einer oder mit zwei Tunnelröhren und einer Trennung von B20 und B21 auf zwei Ebenen, also im Tunnel die B21 und oben verlaufend die B20.

Dabei wurde schnell deutlich, dass eine leistungsfähige Entlastungsstraße erhalten bleiben muss, damit bei Wartungsarbeiten oder unfallbedingten Sperrungen des Tunnels der Verkehr ausweichen kann. Auch ist während der Bauzeit neben der jetzigen Umfahrung eine Ausweichstraße nötig, denn der gesamte Verkehr kann nicht einfach über Jahre durch die Stadt geführt werden. Allein diese Umstände führen bei einem Ausbau im Bestand schon zu einer negativen Bewertung. Erschwerend ist noch die Grundwassersituation, die sich bei einer Tunnelbauweise in diesem Bereich auswirkt. „Wir müssen dann ‚im Wasser bauen‘ und erst nach der Trockenlegung kann mit der eigentlichen Tunnelröhre begonnen werden. Das ist zeit- und kostenintensiv“, führt Bernadette Wallner aus. Weitere grundsätzliche Erfordernisse sprechen gegen die Alternativ-Varianten einer Ortsumfahrung, wie sie die Stadt Bad Reichenhall vorgeschlagen hat.

Wann muss ein Tunnel gebaut werden?

Bewertet wurde, ob aufgrund des Geländes oder wegen einer Lärmemission ein Tunnel notwendiger Weise gebaut werden muss. Das scheidet bei allen vier Varianten aus. Das Bauamt hat auch die Planungsziele hinterfragt, nämlich eine Trennung vom Ziel- und Quellverkehr (verkehrliche Beurteilung) und eine Entlastung der Stadt (raumstrukturelle Wirkung). Auch hier fallen die Alternativen durch, werden nicht den Ansprüchen gerecht. Bei der Bauweise und dem Ablauf der Baustelle seien ebenso die Beeinträchtigung der Anlieger und die Auswirkung auf die Stadt zu prüfen und beides spricht nicht für einen Ausbau im Bestand. Weitere Parameter waren der Naturschutz, die Beschaffenheit des Baugrundes (sicherheitstechnische Beurteilung), der Hochwasserschutz und die Kosten des Projekts. Alle Varianten einer Ortsumfahrung, einschließlich der genehmigten Variante Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel liegen die Kosten zwischen 220 und 290 Millionen Euro. Einzig die Variante 1b mit ‚Ausbau im Bestand und einer einspurigen Tunnelröhre‘, liegt mit 160 Millionen an geschätzten Kosten deutlich darunter.

Sole aus 500 Metern Tiefe

Was die Grundwasserproblematik bei den alternativen Varianten ist die schwierige Geologie im Bereich das Kirchholz und einige unterstellen sogar eine Gefährdung der Solequellen. Baudirektor Christian Rehm und Bernadette Wallner vom Staatlichen Bauamt Traunstein schlossen das aber entschieden aus. „Die für Bad Reichenhall relevanten Solevorkommen sind mittels Bohrungen von 500 Metern Tiefe erschlossen. „Da steht eine 475 Meter starke Schicht als Grundwasserstauer darüber und die Bohrungen sind versiegelt. Das kann nichts passieren“, bekräftigt Christian Rehm. „Auch fahren wir mit dem Kirchholztunnel nicht im Grundwasser, sondern treffen auf Schichtwasser. Diese Probleme aber sind lösbar.“

Stadtrat entscheidet am 9. April

Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Baudirektor Christian Rehm freuen sich über den großen Andrang bei der außerordentlichen Stadtratssitzung.

Die Stellungnahme des Staatlichen Bauamtes war eindeutig. Entscheiden aber muss der Stadtrat von Bad Reichenhall in seiner Sitzung am 09. April, ob er sich mehrheitlich für die Ortsumfahrung Kirchholz- und Stadtbergtunnel ausspricht. Dann, führt Christian Rehm aus, ist ein neues Planfeststellungsverfahren nötig. Dabei werden die Linienführung und die Konzeption der Knotenpunkte optimiert. Hoffnung macht er auf eine deutliche Reduzierung des Knotens am Golling. „Es müssen nicht alle Verkehrsbeziehungen in alle Richtungen erfolgen“, deutet er an. Für Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner ist die Beurteilung durch das Bauamt ein klares Signal sich für eine schnelle Realisierung der Ortsumfahrung Kirchholz- und Stadtbergtunnel einzusetzen.

Die gesamte Präsentation ist auf der Homepage des Bauamtes zu finden unter:

https://www.stbats.bayern.de/strassenbau/projekte/B16S.ABBA0022.00.html

Kreisrat vereidigt Simon Köppl

(gsp) Am Freitag wurde Simon Köppl als neuer Kreisrat vereidigt. Er rückt für Sabine Wimmer von der Liste ‚Bündnis 90/ Die Grünen‘ nach. Im Wortlaut heißt es: „Mit der Annahme der Wahl haben Sie, Herr Simon Köppl, sich bereit erklärt, für die laufende Amtsperiode die Geschicke des Landkreises Berchtesgadener Land verantwortlich mitzugestalten.“

Und gestalten möchte Simon Köppl (32), der sich seit 2007 kommunalpolitisch engagiert. „Damals ging es um die Olympiabewerbung“, erinnert er sich. Seit fünf Jahren ist er beruflich als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Forschungsstelle für Energiewirtschaft in München angestellt, doch an den Wochenenden und in seiner Freizeit ist er in der Ramsau bei seinen Eltern. Er nutzt fast jede freie Minute, um outdoor unterwegs zu sein, entweder beim Klettern oder auf Skitour.

Seine Heimat, das Berchtesgadener Land, hat er als eine überaus lebenswerte Region kennen und lieben gelernt. Für den ländlichen Raum aber sieht er große Herausforderungen auf sich zukommen. „Wir sollten ihn so lebenswert erhalten wie wir ihn vorfinden, die Naturressourcen schonen,“ bekräftigt er. „Aber auch die wirtschaftliche Entwicklung muss attraktiv bleiben, und hier vor allem hochwertige Arbeitsplätze“, ergänzt er.

Für den Landkreis ist er ganz offiziell im Jugendhilfeausschuss und in der Arbeitsgemeinschaft Soziale Dienste Berchtesgadener Land bestellt und führt auch hier die Arbeit seiner Vorgängerin Sabine Wimmer fort. Potential und Themen gibt es hier genug. So sei etwa das Spannungsfeld von

Pflege und Rente ein Dauerthema, auch im Berchtesgadener Land. „Die Bezahlung in den pflegenden Berufen ist viel zu niedrig, so bekommen wir den Fachkräftemangel nicht weg“, ist sich Simon sicher. Und blickt man auf den Etat des Kreistages, muss man auch sehen, was und wo in die Jugend investiert wird. Wie ist die Verteilung der Budgets?“ fragt er. Es gibt viel zu tun und Simon Köppl ist jemand, der ‚gerne anpackt‘, zumal er jetzt eines der jüngsten Mitglieder des Kreistages im Berchtesgadener Land ist.

Landrat Georg Grabner und das neue Kreistagsmitglied Simon Köppl (r.) bei der Ableistung des Amtseides vor dem versammelten Kreistag Berchtesgadener Land.

Foto: Gerd Spranger