Archiv der Kategorie: tourismus

Auf den Spuren der evangelischen Gemeinde in Bad Reichenhall

Eine spirituelle Stadtführung
mit Diakon Markus Sellner


In einem spiritueller Stadtspaziergang führte Diakon Markus Sellner auf den Spuren der Protestanten durch die Innenstadt von Bad Reichenhall. Die Gruppe war aufgrund der Corona-Verordnungen auf zwölf Personen begrenzt und Sellner bat zudem um Einhaltung des nötigen Abstandes. Der erste eigene Raum für Gottesdienste war für Evangelische ab 1860 ein Lagerraum in der Alten Saline im Obergeschoss, der heute von der Reichenhaller Akademie genutzt wird. Das heutige Industriedenkmal Alte Saline mit Ensembleschutz war damals, nach dem großen Stadtbrand von 1834, erst 25 Jahre alt. 20 Jahre lang traf sich die evangelische Gemeinde hier zum Gottesdienst und verschönerte den Raum mit Holzvertäfelungen. „Vorher traf man sich im ehemaligen „Schweizer Haus“ auf Initiative der Freifrau von der Thann, der Gattin des Adjutanten von König Max II., zum Gottesdienst, aufgrund des Andrangs später im Festsaal des ehemaligen Hotels Luisenbad“, erzählt Diakon Sellner. Die Geschichte beginnt aber früher, nämlich 1799 in München. Zuvor waren die Evangelischen im katholischen Kurfürstentum Bayern der Wittelsbacher nicht gern Gesehene.

Diakon Markus Sellner führt auf den Spuren der Evangelischen durch Bad Reichenhall. Hier im Innenhof der Alten Saline, vor dem Salinenbrunnen mit dem Salzburger Bischof St. Rupert. – Foto: Gerd Spranger

Und es war eine Frau, die den Evangelischen in Oberbayern ein Leben ermöglichte, es war die lutherische Prinzessin Karoline von Baden die dem bayerischen Kurfürst Max IV. Joseph, ab 1806 König Max I., vermählt war und sich im Ehevertrag das Recht auf Ausübung ihres evangelischen Glaubens sichern ließ. „1799 wurde der erste evangelische Gottesdienst in München abgehalten und die Entourage der kurfürstlichen Familie siedelte sich im Großkarolinenfeld an“, erinnert Diakon Markus Sellner. Es dauerte aber noch Jahrzehnte, bis der evangelische Glaube auch nach Bad Reichenhall fand. 1830 zählte man lediglich drei evangelisch Gläubige und 1846 war es elf. „Ein Besuch, eine geistliche Unterstützung aus München war schwer, denn die Reise nach Bad Reichenhall dauerte damals mit der Postkutsche noch drei Tage. Die Eisenbahn fuhr erst ab 1860 in die alte Salinenstadt.“

Gewachsen ist die evangelische Gemeinde in Bad Reichenhall durch den beginnenden Badtourismus und eines aufstrebenden Handels und der Wirtschaft. Positiv wirkte sich ebenso die mit Hilfe von König Ludwig I. in weiten Teilen neu erbaute Stadt aus, die sich „wie ein Phönix aus der Asche nach dem Stadtbrand, gemäß der architektonischen Konzeption des 19. Jahrhunderts, erhob“, schrieb Dr. Herbert Pfisterer in seinem Buch „Bad Reichenhall in seiner bayerischen Geschichte“.

Alte Saline, Beamtenstock
und Altes Rathaus

Zu diesen neu erstandenen Gebäudekomplexen zählte nicht nur die Alte Saline und ihr Ensemble, sondern auch der Beamtenstock und 1849 wurde ebenso das damals neue Schul- und Rathaus (heute Altes Rathaus) fertiggestellt. Auch in diesen Gebäuden lebt ein Stück evangelischer Geschichte in Bad Reichenhall. Im Alten Rathaus und nach dem zweiten Weltkrieg auch im Beamtenstock war eine evangelische Schule untergebracht.

Blick in die Poststraße, in der früher der Stadtbach entlang plätscherte und als offene Kanalisation diente. Diakon Sellner verweist auf die Inschrift am „Alten Brothaus“, das die Leistung zum Bau der Soleleitung nach Traunstein würdigt und die alte Stadt mit ihren Toren und Türmen zeigt.

Es waren aber auch viele Persönlichkeiten, die das Wachsen der evangelischen Gemeinde in Bad Reichenhall prägten und förderten. So war etwa auch der aus Sachsen stammende Zollinspektor Ernst Rinck (1801 – 1877), der das Schlössl Axelmannstein erbte, und es 1846 zur Sole- und die Molkenkuranstalt ausbaute, ein Evangelischer gewesen. Er war ein Förderer der Gemeinde und Mitbegründer des Kurbetriebes in Reichenhall. Ein weiterer prominenter Vertreter und Ehrenbürger von Bad Reichenhall war der Bezirks- und Salinenarzt Freiherr Georg von Liebig (1827 – 1903), der erste evangelische Arzt in Bad Reichenhall, auf den bis heute viele Indikatoren der örtlichen Kurmittel zurück gehen und der Namenspatron des Krankenhauses in Bad Reichenhall ist. Dr. Adolf Schmid (1846 – 1908), ebenfalls Ehrenbürger, war von 1876 bis 1878 erster Vorstand der evangelischen Kirchenverwaltung und gründete eine Kinderheilstätte, die von 1887 bis zum ersten Weltkrieg bestand. Zur Liste der prominenten evangelischen Gemeindemitglieder in jenen Gründerjahren zählte auch die Freifrau Frances Isabella „Fanny“ von Karg-Bebenburg (1847-1899), deren Mann die Karg-Villa im Karlspark 1869/70 bauen ließ. Sie war ab 1873 Leiterin des evangelischen Frauenvereins.

An zu wenigen Gebäuden in Bad Reichenhall finden sich HInweise auf die lange und bewegte Geschichte

Bis hin zu einem eigenen evangelischen Gottesdienst im Betsaal der Alten Saline hatte die kleine evangelische Schar bis 1860 also einen langen Weg hinter sich. 1861 bekam Bad Reichenhall eine erste evangelische Prediger- und Seelsorgestelle zugesprochen und von da an wuchs die Gemeinde, wurde für den aufstrebenden Kurort und seiner Gäste immer wichtiger.

„Es gab in jenen Jahren auch ein jüdisches Restaurant mit eigener Schlachtung und Bestrebungen zur Gründung einer Synagoge. Selbst Gespräche zur Gründung einer orthodoxen Kirche, zumindest aber eines orthodoxen Gottesdienstes, wurden geführt. Im Russischen Hof, dem späteren Hotel Deutsches Haus, dass nach dem Abriss seit Jahrzehnten als Baulücke zwischen Ludwig- und Poststraße brach liegt, verkehrten viele Gäste aus Russland auch aus dem Umfeld der Zarenfamilie und des russischen Adels,“ erinnert Markus Sellner an jene Zeit. Bad Reichenhall zählte bis 1875 noch weniger als 5000 Einwohner.

Seit 140 Jahren eine eigene evangelische Kirche 

Ab 1870 reifte bei den Evangelischen der Wunsch nach einer eigenen Kirche in Bad Reichenhall, obwohl die Kirchengemeinde im Ort kaum 200 Mitglieder zählte, doch von vielen Badegästen, die häufig aus evangelisch geprägten Regionen stammten, gerne besucht wurde. Freifrau Fanny von Karg-Bebenburg rief für den Bau sogar eine eigene Lotterie ins Leben. „Der überwiegend große Teil aber kam von Spenden außerhalb, wenn die kleine Gemeinschaft auch nicht arm war. Es zählten leitende Beamte, Hoteliers, Ärzte und Unternehmer zu den Evangelischen, auch sie kamen meist von auswärts, waren also ‚Zuagroaste’“, erzählt Diakon Sellner.

„Man wies der evangelischen Gemeinde dann ein Grundstück weit außerhalb der Stadtmauern zu, in deren Grenzen sich bis zu dieser Zeit die Stadt erstreckte. Sicher war innerhalb der Stadt kaum ein Platz zu finden, zumal die Katholischen die Evangelischen auch nicht in der Stadt wollten. Der Bauplatz für die Kirche (Grundsteinlegung 14.08. 1877) war abgelegen, zwischen Bahnhof (ab 1860), der Stadt und dem neu angelegten Kurpark (ab 1868). Mit dem Bau des Königlichen Kurhauses 1900 rückte die Kirche dann allerdings in das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens und erlebte eine Blütezeit“, führt Markus Sellner aus.

Diakon Markus Sellner geht ausführlich auf die Geschichte der Evangelischen Kirche in Bad Reichenhall ein, die von 1877 bis 1881 außerhalb der Stadt erbaut wurde.
Diakon Markus Sellner geht ausführlich auf die Geschichte der Evangelischen Kirche in Bad Reichenhall ein, die von 1877 bis 1881 außerhalb der Stadt erbaut wurde.

Der spirituellen Stadtspaziergang ging am Rathaus vorbei weiter durch die Poststraße, die ebenso wie der Rathausplatz als Ensemble in die Bayerische Denkmalliste eingetragen ist. Zentral und historisch sind hier das alte Salzmaierhaus (Polizei) mit dem Denkmal des Salzamtsschreiber, gegenüber der Ägidikirche, das vor 1840 Amtssitz der Salinenverwaltung war. „Historisch aber ist auch der Platz selbst“, erzählt Markus Sellner, “denn hier befand sich der historische Markt und hier verlief ebenso der alte Stadtbach, der der alten Salinenstadt zugleich als offene Kanalisation diente.“

Weitere „evangelische Stationen“ war das heute als Bücherei genutzte Gebäude in der Gabelsbergerstraße, „eine der größten evangelischen Büchereien in Bayern“, merkt Diakon Sellner an und verweist auf das Nebengebäude. „Das große Wohnhaus nebenan, die Villa Hindenburg, zählte ursprünglich auch zum Besitz und beherbergte die Wohnung des Pfarrers.“ Das Pfarrhaus an der Wittelsbacherstraße erwarb die Gemeinde bereits 1866. Sie wurde damit zugleich zur eigenen Pfarrei erhoben.

Der „Bismark-Brunnen“
ist heute stillgelegt

Auf dem Weg zur Kirche legte die Gruppe noch einen Stopp am Bismarck-Brunnen ein, der lange Jahre hinweg der größte Brunnen der Stadt war und heute leider stillgelegt ist. Der preußische Fürst Otto von Bismarck (1850 – 1898) und Reichskanzler war evangelischen Glaubens, mehrfach in Bad Reichenhall zur Kur und ist Ehrenbürger von Bad Reichenhall.

Zentrum der evangelischen Gemeinde ist die Stadtkirche wo der kleine Rundgang endete. Sie wurde 1877 bis 1881 im damals modernen „neugotischen“ Stil erbaut. Architekt war Ludwig Hoffstatt aus München. „Zweimal wurde sie modernisiert“, erläutert Diakon Sellner, „zuletzt 1981, wo auch das große Altarbild entstand. Es symbolisiert den Weg von der Erde über das Kreuz in das himmlische Jerusalem. Es steht als Symbol des Zieles, der Vollendung.“ Ein weiterer „Meilenstein“ war 1994 der Bau des achteckigen Pavillons. Durch den Aufzug und die Anbindung an die Kirche wurde ein behindertengerechter Zugang zur Kirche ermöglicht und ein Gemeinderaum im Umkreis der Kirche geschaffen. Stolz ist man bis heute auf die Orgel in der Kirche mit 36 Register und 2583 Pfeifen. Das große Gemeindehaus in der Adolf-Schmid-Straße wurde 2019 verkauft.

Eine Blütezeit erlebte die evangelische Gemeinde durch die Folgen des zweiten Weltkrieges, als sich von insgesamt 12 Millionen Heimatvertriebenen 6000 in Bad Reichenhall und der Umgebung (Piding) ansiedelten. 2010 zählte die evangelische Gemeinde noch 4567 Mitglieder und heute rund 3.900. „Wir verlieren viele Gemeindemitglieder altersbedingt. Ihre Kinder sind vielfach durch Studium und Beruf nicht mehr im Berchtesgadener Land ansässig“, bedauert Diakon Markus Sellner.

Kein Gleisabbau in Berchtesgaden

Kreisausschuss wendet sich
mit Resolution an Entscheidungsträger

Großer Unmut herrscht bei Landrat, Bürgermeistern und Kreisräten des Berchtesgadener Landes über die Pläne der DB Netz AG, die Gütergleisanlagen in Berchtesgaden entfernen zu lassen. Der Ausschuss des Landkreises für Umwelt, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität fasste darum einstimmig eine Resolution und wendet sich an die zuständigen Entscheidungsträger, „sich für den Erhalt der Gütergleisanlagen am Bahnhof Berchtesgaden einzusetzen. Der Landkreis Berchtesgadener Land lehnt dieses Vorhaben entschieden ab. Das dortige Gütergleis 22 stellt in Verbindung mit dem Ausziehgleis sowie der vorhandenen Laderampe die einzige Zugangsmöglichkeit des Güterverkehrs für Schiene im südlichen Landkreis dar.“ Die Resolution soll insbesondere der Bundeswehr, der Deutschen Bahn AG, dem Eisenbahn-Bundesamt und dem Freistaat Bayern zugeleitet werden.

Auch die BaWa, direkt am Gleis gelegen, nutzt die Möglichkeit der Verladerampe nicht. Einzige Hoffnung ist aktuell die Bundeswehr, die mit ihrem Standort in Bischofswiesen-Strub für ihre Manöver die Verlademöglichkeit nutzen könnte. – Fotos: Gerd Spranger

Auf jeden Fall sei vorab zu prüfen, „ob solche Infrastrukturen mit behördlicher Zustimmung als betrieblich gesperrt deklariert werden können.“ Aktuell sei nach derzeitigen Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freie Wähler der Ausbau des bayernweiten Netzes an Güterverkehrszentren und sonstigen Umschlaganlagen nach der Devise „Ausbau statt Rückbau“ voran zu treiben. Bei der Entfernung der Gütergleisanlagen macht die Deutsche Bahn hingegen Druck. Sie möchte die Anlagen bereits im Sommer, „im Rahmen der Bündelbaustelle und der damit einhergehenden Streckensperrung entfernen.“ Die Bahn argumentiert, dass eine „Investition von 190.000 Euro für die Erneuerung einer Zugangsweiche, sowie für den Austausch der Holzschwellen durch Betonschwellen erforderlich ist.“ Darüber hinaus stünden den Vorhaltekosten für diese Gleise keine Erlöse gegenüber.

Der Freistaat unternimmt nichts

Das Land Bayern wurde über die Pläne des Rückbaus bereits im April 2019 informiert und erhob dagegen keine Einwände. Die Zeit drängt jetzt also für den Landkreis, der „kein Verständnis dafür hat, dass ein Rückbau ohne vorliegender Notwendigkeit überhaupt vorgenommen werden soll.“ Er stehe im deutlichen Widerspruch zum Koalitionsvertrag, in dem festgehalten ist, „dass Verkehrszuwächse so weit wie möglich auf umweltfreundliche Verkehrsträger verlagert werden sollen. Dafür treiben wir den Ausbau des landesweiten Netzes an Güterverkehrszentren uns sonstigen Umschlaganlagen voran.“

Der Bahnhof in Berchtesgaden ist eine Sackgasse. Die Gleisanlage zur Güterverladung soll nach Willen der DB Netz AG abgebaut werden, weil sie seit Jahren nicht mehr genutzt wird. Ebenfalls seit Jahren gesperrt ist die Brücke als Fußgängerübergang vom Markt Berchtesgaden direkt in das Bahnhofsgebäude.

„Alle fünf Bürgermeister des südlichen Landkreises haben sich deutlich für den Erhalt der Gütergleisanlagen ausgesprochen. Der Markt Berchtesgaden hat zudem für den Bau der Verladerampe am Gleis 22 einen sechsstelligen Betrag aufgewendet“, informierte Landrat Bernhard Kern. Er habe bereits Gespräche mit dem Bataillonskommandeur der Bundeswehr in Bischofswiesen, Oberstleutnant Martin Sonnenberger, geführt und will das Gespräch mit Brigadekommandeur Oberst Maik Keller in Bad Reichenhall fortführen. „Ich habe noch kein offizielles Statement, doch das Signal zum Erhalt der Gleisanlage ist positiv.“

Hintergrund ist, dass für Großübungen und Manöver die Bundeswehrfahrzeuge aus Bischofswiesen in Bad Reichenhall verladen werden, und damit über die B20 anfahren. Sie könnten ebenso in Berchtesgaden verladen, zumal der Bahnhof nur zwei, drei Kilometer vom Truppenstandort entfernt ist, wenn die Anlage erhalten bleibt. „Eventuell können wir damit sogar eine Lösung für die anstehende Ertüchtigung finden“, hofft der Landrat.

Bahn verspielt das Vertrauen

Die Kreisräte (KR) äußerten sich eindeutig zum Erhalt der Gütergleisanlagen am Bahnhof Berchtesgaden. KR Roman Niedergerber (SPD). „Es wäre an der Zeit auch beim Güterverkehr in der Realität des 21. Jahrhundert anzukommen und nicht nur mit einem Schienenpakt große Versprechungen abzuliefern. KR Bernhard Heitauer (CSU): Wir führen mehr als 10 Jahre Verhandlungen für einen zweiten Haltepunkt in der Gemeinde Bischofswiesen, ohne Erfolg. Ein Gleisabbau aber wird möglichst unverzüglich vollzogen. Da stimmt ganz Grundsätzlich einiges nicht.“ KR Sven Kluba (CSU): „Gibt es noch andere Perspektiven, etwa einer Übernahme der Anlagen durch dritte?“ Für KR Franz Eder (Grüne) verschwindet das Vertrauen in die Bahn ganz grundsätzlich. Vor allem was Zusagen und Versprechen betrifft. Auch in Laufen wünsche man sich lange einen Ausbau und eine Haltestelle Gastag, die es in Zeiten der Deutschen Bundesbahn gegeben habe. KR Helmut Langosch (Freie Wähler) ist der Zustand des Bahnhofs insgesamt, vor allem auf der Rückseite, ein Dorn im Auge. „Es ist für ankommende Touristen ein eher trostloser Anblick“, moniert er. KR Thomas Gasser (CSU) hofft auf den Erfolg der Resolution. „Wenn wir aber nicht zum gewünschten Ziel kommen, muss die Trasse auf alle Fälle erhalten werden. Es darf keinen Rückbau geben.“

Von Berchtesgaden in den den Bayerischen Wald

Von Lam auf den Osser
Heidelbeeren und Glimmerschiefer

Der tiefe Bayerische Wald. Welche Geheimnisse birgt er?

Unser erster kleiner Urlaub im Bayerischen Wald ist der Corona-Krise und den geschlossenen Grenzen geschuldet. Der führte uns vom äußersten Süden Bayerns, dem Berchtesgadener Land, bis in den Norden des Bayerischen Waldes in die Ökoregion Arrach, Lam und Lohberg. Wir benötigen für die 222 Kilometer über Landstraße ganze 3,5 Stunden. An die Adria, etwa nach Grado, ist die Strecke mit 365 Kilometern zwar deutlich länger, die Fahrt nimmt aber lediglich 45 Minuten mehr Zeit in Anspruch. Warum also in den Norden, in den Bayerischen Wald fahren, zumal die Berge dort 1000 Meter niedriger sind und das Berchtesgadener Land im Alpennationalpark liegt. Wir waren neugierig darauf, was uns hier erwartet. Von den Alpen in den Bayerischen Wald. Ist der Wald wirklich so einsam und tief, wie es uns die Klischees glauben machen wollen?

Der Trigano-Cherokey ohne Vorzelt im Einsatz – Rückseite (l.) und Vorderseite (r.)

Camping in Corona-Zeiten

Spontan entschieden wir uns für die Gemeinde Lam mit knapp 2900 Einwohnern und einem kleinen einfachen Campingplatz mit 30 Stellplätzen als Domizil für unseren autarken Faltcaravan, ein französisches Modell, dessen in Ostdeutschland weitverbreiteter Vorläufer in Campingkreisen bis heute als Klappfix bekannt ist. Mundschutz und eine eingeschränkte Nutzung von Sanitär- und Duschräumen waren in den Pfingstferien immer noch obligatorisch, worauf uns der Betreiber Hubert Falkner bei der Buchung hinwies. Am Platz selbst war davon nichts zu spüren, es war ein reges Kommen und Gehen bei wechselhaftem Wetter. Bei der Anfahrt führte uns „google“ auf den letzten Kilometern über kleine Nebenstraßen nach Bad Kötzting hinein in den Bayerischen Wald, einer unerwartet reizvollen, hügeligen, waldreichen und einsamen Landschaft, die wir so nicht erwartet hatten. Die Gemeinde Lam liegt an den Hängen des Großen und Kleinen Ossers, die bis zum Tal hinab zu dem kleinen Flüsschen „Weißer Regen“ reichen.

Ein malerischer Marktplatz

Viel von Oberbayern hat der Marktplatz in Lam – Fotos: Gerd und Christine Spranger

Im Ort Lam selbst fallen uns viele leerstehende Geschäfte auf. „In direkter Nähe zu unserem Campingplatz hatten wir früher einen Metzger, einen Bäcker und ein Einkaufsmarkt. Der kleine Lebensmittelladen an der Ecke neben der Eisdiele schließt in diesen Wochen auch für immer“, erzählt Hubert Falkner. Idyllisch gelegen, mit Mariensäule, Maibaum und etlichen gut geführten Gaststätten ist hingegen der Marktplatz oben an der Kirche. Hier kommt Urlaubsstimmung auf und in einigen Kilometern Entfernung sind die Osser-Wiesen und der Gipfel des Kleinen Ossers zu sehen, zu denen wir am nächsten Tag aufbrechen.

Vom Sattel auf den Osser

Die Aussicht könnte nicht besser sein. Ein Stückchen Heimat im Bayerischen Wald.

Etwa fünf Kilometer fahren wir zum Wanderparkplatz Sattel auf 933 Höhenmetern gelegen, von wo wir unsere kleine Tour mit etwa drei Stunden Gehzeit starten. Insgesamt sind wir fünf Stunden unterwegs, denn mit knapp 60 Jahren steht nicht die Schnelligkeit, sondern der Genuss der Wanderung im Vordergrund, ob in den Alpen oder im Bayerischen Wald. Zudem lassen uns die Landschaft, die Flora und Fauna, die ganz besonderen Natureindrücke und weite Ausblicke immer wieder innehalten, und am Ende summieren sich über 100 Fotos auf unserem Smartphone mit bleibenden Eindrücken.

Blick von den Osser-Wiesen hinüber zum Großen Arber.

Der Weg führt uns zunächst auf steinigem Boden durch den Fichtenwald, bevor dann immer mehr Blaubeersträucher den Waldboden bedecken, der ab 1000 Höhenmetern immer lichter wird. In dieser Dichte und Vielzahl haben wir die Heidelbeeren noch nie erlebt, die jetzt im Juni nicht blau, sondern noch grün sind. Der Blick ins Tal gibt über viele Kilometer hinweg den Blick auf den Bayerischen Wald frei, der gemeinsam mit dem Böhmerwald, dem tschechischen Nationalpark Šumava, das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas bildet.

Ein wenig ausruhen und die Aussicht genießen

Naturgewalten und weite Landschaften

Nach etwa einer Stunde erreichen wir die „Osserwiese“, eine bis vor 70 Jahren bewirtschaftete Almwiese, deren „offener Charakter“ nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz durch Pflegemaßnahmen erhalten wird. Darüber dürften sich vor allem die Wanderer freuen, denn so bleibt die Aussicht auf das Tal und hinüber bis zum Großen Arber erhalten und damit der naturgewaltige Eindruck von der Weite der Landschaft. Zusätzlich ragen noch steile Glimmerschieferfelsen und Blöcke einige Meter auf, wie wir es in den Alpen nur bei Felsabstürzen kennen. Der Glimmerschiefer aber ist selbst für den Bayerischen Wald eine Besonderheit. Er soll in dieser eindrucksvollen Formation nur auf dem Osser zu finden sein.

Der Große Arber winkt von Ferne

Imposante Steinformationen ragen in Gipfelnähe auf

Die Heidelbeer- und Grasflächen ziehen sich nahezu bis zum Kleinen Osser hinauf, der selbst als markanter Felsen aus dem Wald ragt und nur mit etwas Kletterei zu besteigen ist. Dann ist es geschafft, mit 1266 Metern zählt der Kleine Osser zu den 20 höchsten Gipfeln des Bayerischen Waldes. Mit 1293 Metern ist der „Große Osser“ nur unwesentlich höher und in weiteren 30 Minuten gut zu erreichen. Eindrucksvoll sind beide Erhebungen, ragen sie doch hoch über den Wald heraus und bilden auf ihren letzten Metern große Felsformationen. In etwa 10 Kilometer Luftlinie ist der höchste Gipfel, der große Arber mit 1456 Metern Höhe zu sehen. Er ist mit einer Bergbahn erschlossen und zählt zu den touristischen Hotspots der Region.

Viel Betrieb auf dem Großen Osser

Sehnsuchtsmomente auf dem Kleinen Osser genießen

Aber auch auf dem Großen Osser herrscht am zweiten Pfingstwochenende bei bestem Wetter großes Gedränge. Die Zahl der Gäste auf dem Gipfelrestaurant, dem Osser-Schutzhaus, zählt sicher Hunderte. Der Gastgarten ist eng besetzt, auch wenn man um etwas Abstand bemüht ist. In der Hütte selbst und bei der Essensausgabe gilt die Maskenpflicht. Die Stimmung aber ist an diesem Grenzberg gut und die Küche ist auf den Ansturm bestens vorbereitet. „An schönen Wochenenden ist ein hohe Gästefrequenz ganz normal,“ erzählt Hüttenwirt Georg Hatzinger. Die Zimmer sind bis August geschlossen. „In Corona-Zeiten sind wir damit auf der sicheren Seite. Hoffentlich entspannt sich die Situation bis August wieder und wir können wieder Übernachtung mit Frühstück anbieten“, hofft Hatzinger.

Zum Schluss dann doch noch ein wenig „Kraxelei“ hinauf zum Gipfel des Kleinen Osser

Das Osser-Schutzhaus zählt 32 Betten in Vier- und Acht-Bettzimmern und ein Matratzenlager. Quer über das Gipfelplateau verläuft die deutsch-tschechische Grenze. Das Versprechen mit einer „Aussicht bis zu den Alpen“ scheint dennoch etwas gewagt. Vielleicht bei starkem Föhnwetter und Vollmond, denke ich für mich. Auch hier ragen mächtige Schieferblöcke gleich hoher Schneeverwehungen auf dem Gipfelkamm entlang der Grenze. Wir müssen das einfach noch fotografisch festhalten und übertreten für einige Meter unerlaubter Weise die Grenze, bevor wir uns wieder auf den Rückweg in das Tal, zu unserem Domizil Campingplatz machen. Hier erfahren wir, dass sich unser Vermieter, Hubert Falkner, über Jahrzehnte hinweg im Verein für das Schutzhaus engagiert hat und plaudern vor unserer Abreise noch ein wenig.

Vom Zelt zum Luxus-Wohnmobil

Hubert Falkner ist seit einigen Jahren in Rente und kümmert sich heute ganz um den Campingplatz.

Die Mutter hat in den 60-Jahren das Anwesen als kleinen Zeltplatz mit elf Stellplätzen gegründet. 1984 übernahm dann Hubert die Geschäfte und kümmert sich seit seiner Rente ganztags um die Betreuung der Gäste. „Heute reist jeder zweite Gast mit einem großen Wohnmobil an, und die bleiben meistens nur zwei Tage“, erzählt er und fügt hinzu: „die sehen sich die Landschaft im Durchfahren an.“ Etwas länger am Ort blieben die Gäste mit Wohnwagen. Stark gestiegen seien die Anfragen über Buchungsplattformen. „Da bin ich erst seit zwei Jahren zu finden. Die Nachfrage dadurch ist hoch.“ Vielleicht liegt es an den günstigen Preisen. Denn wo sonst ist eine Übernachtung für 18 Euro inklusive Stellplatz und Personen möglich?

Unser kleines Fazit:

Auch auf dem Großen Osser ist es schön. HIer ist auch die Osser-Schutzhütte geöffnet.

Die Alpen und den Bayerischen Wald kann man nicht wirklich vergleichen, sollte man auch nicht. Jede Region überzeugt für sich und bietet viele Urlaubsmöglichkeiten. Die Alpen freilich erschließen ab 1500 Höhenmeter nochmal die ganz eigene Welt des Hochalpinen und erstrecken sich über fünf Länder. Der Bayerische Wald könnte mit einer besseren Erschließung in Richtung Osten (Tschechien) deutlich an Format gewinnen. Bei unserer kleinen Reise hatten wir den Eindruck, dass der Eiserne Vorhang noch nicht ganz gefallen ist.

Um zur Galerie zu gelangen, klicken Sie einfach auf eines der Fotos. Fotos: Christine & Gerd Spranger

Seit Wochen kein neuer Coronafall im Berchtesgadener Land

Seit drei Wochen gibt es keinen neuen Coronafall mehr im Berchtesgadener Land. Der Katastrophenfall wurde darum nach drei Monaten am 17. Juni vom Landratsamt für beendet erklärt. Wir haben Glück gehabt in unserer schönen Heimat, denn insgesamt kam es nur zu 306 Infektionen und bedauerlicher Weise zu 24 Todesfällen, alle älter als 65 Jahre, bei denen das Virus nachgewiesen wurde. Selbst von den knapp 890 Menschen, die aufgrund von persönlichen Kontakten in eine zweiwöchige Quarantäne gestellt wurden, haben sich nur 64 Personen infiziert. Die befürchtete „Massenansteckung“ ist damit ausgeblieben. Einen kleinen „Schönheitsfehler“ gibt es dabei, denn gerade – mit Stand vom 18.06. um 15.30 – meldet die Behörde nun doch wieder drei neue Infizierte. Damit steigt die Gesamtzahl auf 309 an.

Strahlend blauer Himmel und einsame Landschaften im Berchtesgadener Land. Hier zu sehen die Nonner Wiesen in Bad Reichenhall mit Zwiesel (l.) und Hochstaufen (r.).

Wir alle haben die mit den Zwangsmaßnahmen verbundenen Einschränkungen auf unsere Weise genutzt. Etwa mit langen Spaziergängen oder um „Haus und Garten“ wieder instand zu setzen. Auch genossen wir die Ruhe bei deutlich weniger Autoverkehr und strahlend blauem Himmel. Man hatte durchaus den Eindruck, dass sich die Natur und mit ihr auch wir selbst uns erholt haben.

Jetzt hat uns der Alltag wieder und hoffentlich auch die Rückkehr zur alten Normalität ohne Angst für eine gute Zukunft. Und natürlich steht auch der nächste Urlaub an, ob im schönen Berchtesgadener Land oder am sonnigen Strand.

Während der Corona-Krise waren auch in Bad Reichenhall die Geschäfte und Restaurants geschlossen.

Salzbergwerk Berchtesgaden: nach Wieder-Eröffnung gleich ausgebucht

 „Den Atem der Geschichte spüren“
Hygiene und Sicherheit im Focus –

Eigentlich ist hier in den Pfingstferien richtig Betrieb. Bus- und Reisegruppen begehren Eintritt in das Salzbergwerk Berchtesgaden, zumal bei bedeckten Himmel mit Tendenz zu leichtem Nieselregen. 2020 aber ist es anderes, die Besucher erleben die neue Normalität in Zeiten des Corona-Virus. Die Wartenden sitzen in kleinen Gruppen ruhig zusammen, selbst die Kinder sind leise, keine Reisegruppen und kaum internationale Gäste. In 16 Sprachen übersetzten Audio-Guides in normalen Zeiten die Führung. Sie sind aus Hygienegründen aktuell aber nicht im Einsatz.

Die Eingangs-, Laden- und Kassenpassage des Salzbergwerkes in Berchtesgaden wächst in die Länge. Sie wird um zwei neue Aussen-Kassen mit Überdachung erweitert. Aktuell, in Coronazeiten,  gibt es nur über Online-Reservierung die Karten. Fotos: Gerd Spranger

Seit Montag sind das Salzbergwerk Berchtesgaden und auch die Alte Saline in Bad Reichenhall wieder geöffnet. Man hat sich die letzten Wochen bei der Südwestdeutsche Salzwerke AG auf die neue Situation eingestellt und Vorkehrungen getroffen. „Nach den jüngsten gesetzlichen Verordnungen haben wir eine Gefährdungsbeurteilung – wegen SARS-CoV-2 und Covid-19 – im Betrieb vorgenommen“, erzählt Peter Botzleiner-Reber, Fachbereichsleiter Tourismus Bayern und für die regionale Presse zuständig. „Dazu zählen die bekannten Hygienemaßnahmen, Mundschutz und Abstand halten. Die Größe der Gruppen, die mit der Grubenbahn 600 Meter tief in den Berg einfahren, ist von 50 auf 20 Personen begrenzt“, erläutert er.

Karten für das Salzbergwerk Berchtesgaden gibt es nur mit Online-Reservierung

Ein ganz wesentlicher Baustein in dem neuen Konzept aber ist ein zwingender Erwerb der Karten im Onlineshop, die Kassen direkt beim Bergwerk sind geschlossen. „Der Anteil lag bei steigender Tendenz im Jahr 2019 bei etwa 25 Prozent. Jetzt geht es nur noch mit Reservierung. Dabei sind wir schon heute, am zweiten Tag unserer Wiedereröffnung nach einer dreimonatigen Corona-Zwangspause, bis zum Sonntag ausgebucht. Das liegt natürlich auch daran, dass wir den touristischen Betrieb mit nur 40 Prozent unserer Leistung fahren können. Doch die Sicherheit unserer Gäste und Mitarbeiter haben Vorrang.“

Auch im Salzbergwer Berchtesgaden gilt: Mundschutz und Abstand halten

Bereits am großen Parkplatz lässt das Unternehmen kontrollieren ob der Gast im Besitz eines Online-Tickets ist, um unnötigen Personenverkehr zu vermeiden. Auch im Ablauf hat sich einiges geändert, wovon nicht nur die farbigen Bänder am Boden im Abstand von 1,5 Metern zeugen.

„Im Shop dürfen sich gleichzeitig nur sieben Personen aufhalten. Das Überziehen des Overalls als Schutzkleidung haben wir jetzt ins Freie verlegt“, erläutert Peter Botzleiner-Reber. In wenigen Wochen folgen im Außenbereich zwei neue überdachte Kassen. „Auch das wird helfen die Besucherströme im Sommer zu entzerren. Für Reisegruppen wird es einen „Fast-Line-Zugang“ geben.“ Doch wichtig ist ihm etwas ganz anderes.

Alte Saline und Salzbergwerk
Wegbereiter der Geschichte

„Wir sind seit 1517 ein aktives Bergwerk und kein Museum, in welchem seit über 500 Jahren kontinuierlich gearbeitet wird“. Das ist weltweit einzigartig und zugleich ein großes Stück Berg- und Industriegeschichte, denkt man auch noch an die Alte Saline in Bad Reichenhall. Städte wie Traunstein und Rosenheim haben über Jahrhunderte hinweg mit dem Salz gelebt und sind damit gewachsen. Zeitgeschichtlich hängt die Gründung von München und selbst auch von Salzburg eng mit der Salzgewinnung in Bad Reichenhall zusammen. Bis heute erleben wir es hier „zum Anfassen“, direkt vor unserer Haustüre. In Berchtesgaden das aktive Salzbergwerk und in Bad Reichenhall ein Industriedenkmal und eine ‚Salz-Geschichte‘, die weit über tausend Jahre zurück reicht, und darauf können wir alle stolz sein.“

Peter Botzleiner-Reber vor dem Eingangsbereich des Salzbergwerkes in Berchtesgaden. Das Tragen eines Mund-Nasenschutzes ist für die ganze Zeit der Besichtigung verpflichtend.
Peter Botzleiner-Reber vor dem Eingangsbereich des Salzbergwerkes in Berchtesgaden.

Es ist vielleicht gerade dieser „Atem der Geschichte“, den die Besucher bei der Einfahrt in den Berg oder auf ihren Gang hinab zum Quellenbau spüren und die Faszination Salzbergwerk ausmachen, über Generationen hinweg. Beliebt und wegen des Fotos unvergessen ist die Rutsche. Die besondere Atmosphäre, die Mystik des Berges aber, spürt der Besucher in der Salzkathedrale, in der Steinsalzgrotte, im magischen Salzraum und bei der Floßfahrt über den Spiegelsee mit faszinierenden Lichteffekten.

Gibt es noch freie Campingplätze?

Spagat zwischen Beschränkungen
und laufendem Betrieb

Das Campingjahr läuft 2020 nur zögernd an, in Bayern ist das touristische Campen erst wieder seit dem 30. Mai erlaubt, in allen anderen Bundesländern sind die Campingplätze unter Auflagen bereits seit ein bis zwei Wochen geöffnet. Grundvoraussetzung für das Campen ist ein autarker Wohnwagen oder Wohnmobil. Es muss also über eine eigene Sanitäreinrichtung verfügen. Damit sind die Schranken für einfaches Zeltcamping noch geschlossen, sie bleiben noch ein Opfer der Coronakrise. Laut ADAC verdoppelte sich die Anzahl der Buchungen im Mai gegenüber dem sonst stärksten Buchungs-Monat Januar. Wie sieht die Situation im Berchtesgadener Land und im Chiemgau aus. Die Redaktion hat sich umgehört.

„Einfaches Campen“ bietet der Platz Staufeneck zwischen Piding und Bad Reichenhall. Aktuell fehlen noch die Zelte und Durchreisenden, bedauert die Betreiberin.

Der Wohnmobilstellplatz in Bad Reichenhall war auch über das Pfingstwochenende kaum halb belegt. Zwei Wohnmobilisten nächtigten bereits eine Nacht vor Eröffnung in Bad Reichenhall, um sich gleich am Samstag einen Platz zu sichern. Ihre Sorge war unbegründet, der Ansturm blieb aus. Sicher ist die Nähe zur Rupertustherme für viele Gäste ein Entscheidungsgrund für ihren Urlaub, doch die bleibt die nächsten Wochen noch geschlossen. Bei vielen Menschen ist Vorsicht und eine gewisse Unsicherheit in der abflauenden Corona-Pandemie spürbar. Auch Anton Lenz vom Campingplatz Grafenlehen hätte sich mehr Ansturm erwartet. „Die Medien haben von einem richtigen Hype gesprochen, und entsprechend groß war unsere Erwartung. Wir haben aber noch viele Plätze frei, wenn auch die Buchungsanfragen sehr hoch sind.“

Alle Plätze informieren auf ihren Webseiten zu den Einschränkungen, etwa der Maskenpflicht oder die eingeschränkte Nutzung von Sanitäranlagen bis hin zur gänzlichen Schließung von öffentlichen Duschen und Toiletten. Manche von ihnen, wie etwa der Campingplatz Ortnerhof in Ruhpolding, belegt den Platz nur bis 50 Prozent und gibt einen Mindestaufenthalt von fünf Tagen in Zeiten des Coronavirus vor, informiert die Familie Bichler. Dabei sind von den 180 Parzellen ein Drittel mit Dauercampern belegt.

Vom einfachen Camping hin zum Glamping

Etwas versteckt liegt der Campingplatz Staufeneck, an der Gemeindegrenze zwischen Piding und Bad Reichenhall. 98 Stellplätze zählt er, davon sind 20 mit Dauercampern belegt. „Wir haben viele Zeltcampern und nicht wenige machen nur für einen Tag Station auf den Weg in den Süden“, erzählt Melanie Schön. Von einem Run auf die Plätze merkt sie nichts, im Gegenteil. „Die Einschränkungen für die Zelte als auch die geschlossenen Grenzen treffen uns sehr, wir sind nicht einmal zur Hälfte belegt.“

Eindrucksvoll mit naturgewaltigem Panorama wirbt der Campingplatz Allweglehen auf seiner Webseite. Der Trend geht hin zum „Glamping“, der Luxusvariante des Campens.

Das Gegenteil vom einfachen Campen bietet etwa der 5-Sterne-Platz in Waging am See. Er ist zu 80 Prozent ausgebucht und am letzten Pfingstwochenende sind nur noch Restplätze zu haben. „Unsere sanitären Einrichtung sind zur Gänze geöffnet, informiert der Betreiber Nikolaus Jebinger. „Duschen in größeren Gruppen geht natürlich nicht, doch wir haben abgetrennte und gut belüftete Zellen, so dass beste Hygienevoraussetzungen gegeben sind.“ Mit 650 Parzellen zählt der Platz zu den größten in Bayern. „Vielleicht liegt die hohe Nachfrage an der direkten Nähe zum Waginger See“, spekuliert Jebinger. „Das Freibad öffnet aber erst am 8. Juni wieder.“

Investitionen rechnen sich

Auch in Berchtesgaden gibt es ein Camping-Delux beim Allweglehen. Den Gästen können ein umfassendes Outdoorprogramm nutzen, sowie Wellnessangebote und über das normale Camping hinaus ein luxuriöses Glamping. Dafür stehen kleine Ferienhäuser wie Chalets, Woodlodges, großräumige Campingfässer und seit 2020 kleine Almkaser bereit. Allesamt sind sie mit Terrasse und bester Aussicht versehen. Damit bleibt das gesamte Camping-Equipment zuhause, denn die Gäste reisen einfach an, finden vor Ort alles in bester Ausstattung und im Resort eine komplexe Infrastruktur für den Urlaub. Investitionen, die sich bezahlt machen, denn der Platz ist über die gesamten Pfingsferien hinweg so gut wie ausgebucht. Camping-Delux beim Allweglehen erstreckt sich über acht Hektar, weist 167 parzellierte Plätze aus, 25 freie Zeltplätze, 28 separate Wohnmobilstellplätze und 15 Mietunterkünfte mit 58 Betten. Im Jahr bringt es der Platz auf 100.000 Übernachtungen. „Wir sind bis September ausgebucht“, freut sich der Betreiber und Inhaber Thomas Fendt. „Der Anteil von ’normalen Campern‘ zur Deluxvariante liegt derzeit bei etwa 50 Prozent mit steigender Tendenz.“ Der Wellness-Sauna-Bereich und der Pool öffnen am achten Juni wieder. Zielgruppe sind für Fendt die jungen aktiven Menschen. In der Urlaubszeit Familien und in der Vor- und Nachsaison die Rentner.

Seit 40 Jahren immer im Berchtesgadener Land

Gute Lage, direkt am Saalach-Radweg und der Therme ist es nicht weit in die Innenstadt von Bad Reichenhall.
Der Wohnmobil-Stellplatz in Bad Reichenhall liegt direkt am Saalach-Radweg und zur Rupertus-Therme und in die Innenstadt ist es nicht weit. Georg und Regina vor ihrem Oldtimer-Wohnmobil.

Bei unserer Rundreise zu den Campingplätzen haben wir das Ehepaar Georg und Regina getroffen. Sie sind klassische Camper und reisen seit 25 Jahren mit ihrem Wohnmobil durch ganz Europa. Jedes Jahr aber stehen bei ihnen einige Tage in Bad Reichenhall auf dem Programm, seit 10 Jahren ist es der Wohnmobilstellplatz an der Rupertustherme. Früher reisten sie mit der ganzen Familie an und die längst erwachsene Tochter verbrachte ihren ersten Urlaub mit ihrem Lebenspartner ebenfalls in der Alpenstadt. Die Region zwischen Berchtesgaden, Salzburg und Chiemsee ist ihnen vertraut, zur zweiten Heimat geworden. „Zum ersten Mal bin ich als junger Mann mit 17 Jahren zu einer Atemwegs-Kur in Bad Reichenhall gewesen. Das ist 45 Jahre her, erinnert sich Georg, der heute in Frührente ist und seit 40 Jahren mit Regina verheiratet. „Wir haben es zuhause in Wackersdorf, 43 Kilometer nördlich von Regensburg, auch sehr schön. Doch der Reiz der Berge und der alpine Charme der Landschaft lassen uns nicht los.“ Gut gefällt ihnen die Lage des Stellplatzes direkt an der Saalach und die Innenstadt von Bad Reichenhall mit der großen Fußgängerzone und den vielen Parks.

Der Trend hin zum Camping hält seit Jahren an und dürfte durch die aktuelle Coronakrise noch verstärkt werden. 2019 zählte diese Urlaubsform knapp 36 Millionen Übernachtungen. Das waren 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Knapp 87 Prozent der Camper kamen aus Deutschland, so der ADAC.

Die Gastronomie braucht eine zeitliche Perspektive

  • Ohne Planungssicherheit keine Zukunft ‚
  • Handel und Gastronomie in einem Boot

In Österreich leuchtet für die Gastronomie ein Licht am Ende des dunklen Corona-Tunnels. Ab 15. Mai öffnen Restaurant und ’sonstige Gastronomiebetriebe‘ wieder, wenn auch mit einigen Auflagen. In Bayern hingegen herrscht nach Aussage von Ministerpräsidenten Markus Söder noch völlige Unklarheit darüber, wann und unter welchen Restriktionen die Gastronomie wieder öffnen darf. Für den Vorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA-Bayern im Berchtesgadener Land, Johannes Hofmann, ein untragbarer Zustand.

Johannes Hofmann trägt auch zu Besprechungen im Büro einen Mundschutz gemäß dem Motto „Safety first“.
Johannes Hofmann trägt auch zu Besprechungen im Büro einen Mundschutz gemäß dem Motto „Safety first“. – Foto: Gerd Spranger

„Die Branche braucht für die Vorplanung ausreichend Zeit. Wenige können einfach spontan nächste Woche aufsperren und alle Waren sowie das Personal stehen bereit. Besonders gravierend ist die Unsicherheit bei der Ausflugsgastronomie. Diese Unsicherheit der Planbarkeit ist unzumutbar.“ Aktuell sind im Landkreis etwa 15 Prozent der Betriebe so heftig betroffen, dass mit jeder Woche Verlängerung der Gastrosperre die endgültige Betriebsschließung immer wahrscheinlicher werde.

„Es wird eine zweite Pleitewelle geben“

„Wir werden zum Jahresende hin eine zweite Pleitewelle erleben“, prophezeit Johannes Hofmann und begründet: „In den Monaten Oktober bis März, vom Weihnachtsgeschäft einmal abgesehen, erwirtschaftet das Hotel- und Gaststättengewerbe in unserer touristisch geprägten Region kaum Gewinne. Wird erst im Juni wieder aufgesperrt, wie von Markus Söder angekündigt, fehlt das Geschäft von Ostern, Pfingsten und das halbe Sommergeschäft, denn es wird etwas Zeit brauchen, bis wieder alles anläuft. Ab Oktober droht dann die nächste Flaute.“

Ein positives Lebensgefühl für die Innenstadt

Darüber hinaus sitzen für Hofmann der Handel und die Gastronomie im gleichen Boot. Nur gemeinsam könne man es aus der Krise schaffen. „Niemand geht ausschließlich zum Einkaufen, schon gar nicht in die Innenstädte, in die Fußgängerzonen. Da zählt das Gesamterlebnis, das Lebensgefühl, dem mit der Maskenpflicht auch so schon ein schwerer Schlag versetzt wurde. Nur der Handel in Verbindung mit einer lebendigen Gastronomie schaffen diesen Erlebnisraum Innenstadt. Mit jeder Woche die wir verlieren verspielen wir ein Stück unserer Zukunft. Aktuell werden ja die ganz großen Industrien wie Lufthansa oder die Autobranche mit Milliarden Euro im dreistelligen Bereich vor dem Bankrott bewahrt. Doch ohne die vielen kleinen Geschäften, ohne einen Mittelstand mit bis zu 30 Beschäftigten, die in der Regel auch ausbilden, kann unsere Gesellschaft nicht überleben.“

Soforthilfen halten der Realität nicht stand

Und das bringt den BHG-Vorsitzenden Johannes Hofmann zu einem nächsten Punkt. „Die schnellen Versprechen nach großzügigen Soforthilfen halten der Realität nicht stand. Letztlich sind es die Hausbanken, die darüber entscheiden. Und die sind eng an die strengen Standards von Basel III und die BaFin (Bankenaufsicht) gebunden. Im Klartext heißt das, dass jemand, der aufgrund des Ratings seiner Kreditwürdigkeit kein Darlehen erhält, es auch nicht durch die großzügig versprochenen staatlichen Garantien bekommt.“ Helfen habe der BHG und Hofmann selbst dennoch einigen Kollegen, darunter auch viele mit ausländischen Wurzeln, die sich bei den Anträgen und Regularien nicht zurecht fanden oder generell eine Scheu vor staatlichen Behörden empfinden. Viele würden auch schon sechs Wochen auf bewilligte Gelder warten, ohne dass bislang ein Eingang verzeichnet wurde.

Wirtshaussterben auch ohne Coronakrise

Zur Gesamtsituation merkt er an, dass es in Bayern auch vor der Krise bereits 500 Ortschaften gegeben habe, in dem es keine gewerblich geführte Gastronomie mehr gebe. Einzig die Vereinsgastronomie floriere, während das Wirtshaussterben die letzten zehn Jahre weiter an Fahrt aufgenommen habe. Dabei würden auch heute noch rund 75 Prozent der Betriebe in der Familie geführt. „Das begünstigt natürlich die Personalsituation und meist auch die Kapitaldeckung.“

Keine unternehmerische Freiheit mehr

Selbst hat Johannes Hofmann nach seiner Kochlehre, einjähriger Hotelfachschule und vieler Weiterbildungen 1985 seinen ersten gastronomischen Betrieb in Deutschland geführt. „Damals konnte man mit 30.000 DM anfangen, heute braucht man oft das Vierfache an Kapital. Damals gab es kaum Alkoholkontrollen und kein Rauchverbot. Damals gab es kaum Auflagen zum Brandschutz, der Hygieneverordnung und Dokumentationspflicht. Zurecht konnte man von „Unternehmerischer Freiheit“ sprechen. Das hat sich grundlegend geändert und erschwert auch ganz ohne Corona die Rahmenbedingungen der Branche erheblich.“ Ab 20 Mitarbeiter etwa brauche man heute eine eigene Bürokraft in Vollzeit plus Steuerberater, um allenVorgaben gerecht zu werden. Entbürokratisierung sieht anders, aus argumentiert Hofmann weiter.

BHG-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann fordert:

Sperrt die Gaststätten und Biergärten sobald wie möglich auf
Informiert die Branche rechtzeitig
Keine Unterscheidung nach Betriebsgröße
Die Branche ergreift alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen
Die Betriebe gehen verantwortungsvoll mit den Auflagen um.
Zum 1. Juni muss es eine Neubewertung der Situation geben.
Einheitlicher zeitlich unbeschränkter ermäßigter Mehrwertsteuersatz für Hotellerie und Gastronomie.

Wertschöpfung und Wertschätzung für regionale Produkte

Im Gespräch mit Hannes Lichtmannegger ist immer seine Begeisterung zu spüren, seine Visionen und Ideen die ihn antreiben. Die bringt er im Landwirtschaftsministerium in München ebenso vor wie in den Landesbezirken von Österreich oder an Unis wie in Innsbruck oder München. „Ob Minister, Professoren oder Lehrende ganz im Allgemeinen, sie haben ein Problem. Die Leute glauben ihnen häufig nicht mehr. Sie wollen wissen, wie es in der Praxis funktioniert, was wirklich geht.“ Und da kommt immer häufiger Johannes Lichtmannegger ins Spiel, der gemeinsam mit seinem Cousin Franz das Berghotel Rehlegg in der Ramsau in den letzten fünf Jahren komplett auf Nachhaltigkeit umgestellt hat.

Achtung vor dem Tierleben

Dem Mensch, die Umwelt und das Tierwohl liegen Johannes Lichtmannegger vom Berghotel Rehlegg am Herzen – Foto: Gerd Spranger

Und immer wieder spricht er von den Bauern, der Landwirtschaft und bemängelt die oft fehlende Anerkennung. „Wertschöpfung und Wertschätzung sollten uns bewusst sein, wenn wir von Lebensmitteln sprechen,“ bekennt Lichtmannegger. Dabei nimmt er Bezug zum eigenen Verhalten als Unternehmer. Er kennt seine Bauern persönlich von denen er Schafe, Kälber und Schweine kauft, und die meisten selbst in der Ramsau ansässig sind. Er war bei den meisten schon im Betrieb, hat sich Stallungen und Tierhaltung angeschaut. Hannes gab auch die Initialzündung für die Wiedereinführung der Züchtung heimischer Rassen, wie etwa das Schwarze Alpenschwein oder die Augsburger Hühner. So können diese Tiere vor dem Aussterben bewahrt werden. Dabei setzt er auf Nachhaltigkeit und artgerechte Haltung. „Ein Masthuhn hat eine Lebenserwartung von 30 Tagen, ein Biohuhn von 80 Tagen und unsere Augsburger Hühner leben ganze 11 Monate lang“, wird er konkret und könnte das Beispiel fast beliebig fortsetzen.

Der Preis allein
darf nicht entscheiden

„Wenn die Konsumenten die Zusammenhänge nicht kennen, ganz einfach weil sie darüber nicht aufgeklärt werden, wird eben fast ausschließlich über den Preis entschieden.“ Und dann wird Hannes doch noch einmal deutlich: „Milchmastkälber schreien deswegen so viel, weil sie Hunger haben und ab der zweiten Lebenswoche eigentlich ‚feste Nahrung‘, also Raufutter in Form von Gras oder Heu brauchen. Es wird ihnen aber häufig verweigert, damit das Fleisch für die Verbraucher weiß bleibt. Und der Tod ist für ihr kurzes Leben von etwa fünf Monaten dann eine Erlösung.“ Die Verhältnisse hätten sich zumindet in Deutschland zwar etwas gebessert, dass es auch anders geht, zeigt der Hotelier in seinem eigenen Betrieb. „Das Kalbfleisch der von unseren Landwirtschafts-Partnern aufgezogenen Rinder ist nicht ganz weiß, sondern rosa, schmeckt aber mindestens genauso gut. Sie erhalten artgerecht ab der zweiten Lebenswoche Raufutter. Unsere Kälber leben beim Muttertier und werden sieben bis neun Monate alt.“

Das Bewusstsein wächst

Johannes Lichtmannegger: „Unser wirtschaften muss enkeltauglich sein“

Umfragen würden zeigen, dass sich in einem Bauernladen zwar 58 Prozent der Kunden zu mehr Qualität bekennen, aber nur sieben Prozent sich dann wirklich dafür entscheiden, wenn der Preis etwas höher liegt, erzählt Johannes. Er bezieht sich dabei auf Erhebungen, des Vereins „Land schafft Leben“, der sich selbst als erster Ansprechpartner für mehr Transparenz rund um österreichische Lebensmittel bezeichnet. Den Verein hat vor sechs Jahren der Landwirt Hannes Royer gegründet, zu dem Johannes Lichtmannegger einen engen Kontakt pflegt. Überhaupt sind Kontakte und Netzwerke für Hannes ganz wichtig. So lädt er etwa einmal im Jahr alle seine Lieferanten zu einem Event ins Berghotel Rehlegg ein. „Es gibt mir die Gelegenheit die Beziehung zu vertiefen, sich für das Engagement und die Leistung meiner Partner zu bedanken, und auch untereinander ist bereits ein gutes und breites Netzwerk entstanden.“

Enkeltauglich:
„Zukunft hinterlassen“

Überregional gewinnen die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und faire Preise für Lebensmittel immer mehr an Bedeutung. Denn nur eine Verknüpfung von Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Konsumenten schaffe eine gute Basis für die Zukunft, ist sich Johannes Lichtmannegger sicher. Sein persönliches Credo, dass auch auf der Webseite des Hotels zu finden ist, lautet „Zukunft hinterlassen“. Gemeint sei damit „ein enkeltaugliches Wirtschaften“, wie Hannes es bezeichnet. Und seine beiden Töchter, Stephanie und Katharina arbeiten bereits im Betrieb mit, die vierte Generation der Hoteliersfamilie des Berghotels Rehlegg in der Ramsau.

Mehr Ökologie und Bio

Dabei stellte sich vor vier Jahren durchaus die Frage, ob man die konsequente Umstrukturierung hin zu mehr Ökologie und Bioprodukten weiter gehen möchte. „Wir haben in diesen Prozess sicher einen sechsstelligen Betrag investiert. Doch sparten wir zugleich aus der verbesserten Energiehaushaltung durch unsere Solartherme, den Photovoltaik-Anlagen und den Blockheizkraftwerken viel ein, so dass wir den Gewinn
wieder reinvestieren konnten. 2017 wurde der Betrieb übrigens als erstes klimapositives Hotel Oberbayerns ausgezeichnet. Es bindet mehr CO2 als es ausstößt.

Kritische Gäste und Verbraucher

„Wenn wir vor vier Jahren von einem CO2-Haushalt gesprochen haben, dann haben uns die meisten Menschen nur ungläubig angesehen. Heute ist es in aller Munde und aus der Öffentlichkeit nicht mehr wegzudenken.“ So hat die Zeit dem Berghotel Rehlegg in der Entscheidung für eine konsequente Ökologie in die Karten gespielt. Die Gäste schätzen und honorieren es heute. „Sie sind auch kritischer geworden und hinterfragen mehr“, beobachtet Hannes.

Klimapositiv durch Humusaufbau

CO2 ist eines der nächsten großen Themen, die Johannes Lichtmannegger bewegen. „Mit Humusbildung können wir viel bewirken,“ ist er sich sicher und bezieht sich auf die Professorin Dr. Ingrid Kögel-Knabner, die 2019 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet wurde. Sie bezeichnet gesunde Böden mit einem nachhaltigen Humusaufbau als einen Meilenstein für ein besseres Klima. Die Bodenwissenschaftlerin Ingrid Kögel-Knabner, ist Professorin für Bodenkunde an der Technischen Universität München und betreibt Grundlagenforschung für ein besseres Klima und Umweltschutz. Die enorme Bedeutung unserer Böden sei allein schon an der Tatsache erkennbar, dass in „einer Hand voll Erde mehr Organismen leben als Menschen auf der Erde“, so die Wissenschaftlerin. Johannes Lichtmannegger hat daraus seine Konsequenzen gezogen und fördert über das Unternehmen Positerra akitven Humusaufbau in der Landwirtschaft.

Kunden-Abzocke bei Aldi?

Kommentar:
Kunden-Abzocke bei Aldi?

12 große Schilder prangen an den Laternenmasten. Wurden Sie erst kürzlich montiert, haben sich die Beschwerden bei Aldi gehäuft?

Es ist letztlich einerlei, ob es Knöllchen durch Zweckverbände oder von privaten Dienstleistern gibt. Allerdings dürfte es sich in den meisten Fällen eher um eine Abzocke, als um eine Dienstleistung handeln. Besonders verstärkt wird dieser Eindruck, wenn bei Discountern Kundenparkplätze streng kontrolliert werden. So auch der Parkplatz bei Aldi in Bad Reichenhall. Es trifft immer wieder ‚Kunden‘, die zu Strafzahlungen herangezogen werden, weil sie auf einem ‚Privatgelände geparkt‘ haben. Getroffen hat es einen Bekannten am Freitag. Er wollte „nur noch schnell fünf, sechs Sachen erledigen (einkaufen) und dann ab in ein langes Wochenende starten“, dachte er voller Elan und Vorfreude.

Der zehnminütige Einkauf für 14,50 Euro wurde am Aldi-Parkplatz von einer weiteren Forderung in Form eines gelben Zettel an der Windschutzsscheibe gekrönt. „30 Euro Vertragsstrafe“ werden verlangt, er empfindet es ganz einfach als ‚Abzocke bei Aldi‘ und hat den Eindruck, der Kontrolleur habe schon gelauert, jemandem ’30 Euro Vertragsstrafe‘ aufzubrummen. Sogar die öffentliche Verkehrsüberwachung gibt zehn Minuten Zeit, um das eigene Fehlverhalten zu korrigieren.

Nochmal 200 Prozent Aufschlag auf den Einkauf, für  einen Moment der Unaufmerksamkeit, um noch ’schnell was einzukaufen‘ ist hart. Die nächsten schnellen Einkäufe wird er nicht mehr bei Aldi erledigen, versichert er mir. Denn weder bei Edeka, noch bei Norma, Penny oder Netto habe er jemals einen Strafzettel erhalten, und er nutze wöchentlich alle vier Geschäfte. Abzocke am Parkplatz gab es für ihn in den letzten 50 Jahren nur bei Aldi.

Von einem ‚Kunden-Parkplatz‘ zu sprechen ist Hohn in seinen Ohren. Die mittlerweile zum Geschäftsmodell von „Park & Controll PAC GmbH“ weiter entwickelte ‚Abzocke am Aldi-Parkplatz‘ hatte ursprünglich ja einen ganz anderen Hintergrund. Es sollte der Missbrauch durch Dauerparker beendet werden. Und um 8.50 Uhr bei halbleerem Parkplatz ist sehr gut zu sehen, wer ‚eben mal einkauft‘ oder sich als Dauerparker aufstellt. Zumal die Scheiben des Autos wegen eines Garagen-Stellplatzes – bei Minustemperaturen – komplett eisfrei waren. ‚Eben mal einkaufen‘ führt bei Aldi dann mitunter zu einer richtigen Abzocke auf dem Kundenparkplatz, der diesen Namen eigentlich nicht mehr verdient. Mit Kunden geht man anders um.

Gerd Spranger, Bad Reichenhall

Kunden-Freundlichkeit geht anders. Lesen Sie unseren Beitrag:
https://meinreichenhall.wordpress.com/2019/05/13/innovation-und-technik-fuer-aufschwung-in-berchtesgaden/

Wintervergnügen auf der Piste und in der RupertusTherme

Die Rupertustherme offeriert super Angebote mit dicken Prozenten.

Nutzen Sie die attraktiven Rupertustherme Angebote. Während man in den Tälern des Berchtesgadener Landes noch auf Schnee wartet, sind die Pisten in höheren Regionen bestens vorbereitet für das Wintervergnügen mit Schlitten, Skiern oder Snowboards. Sein erstes Winter-Opening etwa startete die neue Jennerbahn vor wenigen Wochen in Schönau am Königssee, aber auch andere kleine Skigebiete locken. Ein besonderer Tipp sind verbilligte Karten in Verbindung mit der RupertusTherme in Bad Reichenhall mit 15 bis 30 Prozent bei den Top-Tickets.

Der Jenner ist eines von vier Skigebieten, das mit einem Kombiticket gebucht werden kann.
Der Jenner ist eines von vier Skigebieten, das mit einem Kombiticket gebucht werden kann.

‚Kombiticket24.com‘ heißt die Buchngsplattform und ist direkt über die Homepage der RupertusTherme erreichbar. Sie verknüpft die Leistungen von fünf Skigebieten, acht Bergbahnen sowie acht Museen und Ausstellungen im Berchtesgadener und Salzburger Land miteinander. Ob indoor oder outdoor, individuell stehen Urlaubs- und Freizeitprogramme mit günstigen Preisen zur Wahl, sparen mit den Prozenten. Dabei kann jede Buchung an einem separaten Tag in Anspruch genommen werden und ist drei Jahre lang gültig, so dass der Gast selbst entscheidet, wann das Freizeitabenteuer beginnen soll.

Der Link zur Therme:
https://www.rupertustherme.de

Der Link zur Buchung:
https://www.kombiticket24.com/