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Dehoga Kreisvorsitzender enttäuscht vom Dauer-Lockdown

Er sei tief enttäuscht vom Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, macht DEHOGA Kreisvorsitzender Johannes Hofmann nach sechs Monaten Lockdown seine Stimmungslage deutlich. In einem eigenen Videochat versuchten 40 Branchenvertreter jetzt Markus Söder die Lage von Hotellerie und Gastronomie zu verdeutlichen. „Viele von uns aber hatten das Gefühl, dass beim Ministerpräsidenten nichts angekommen ist“, so Johannes Hofmann. Die Politik etwa verweise gerne darauf, dass man ja „Ausser-Haus“ verkaufen könne und auch Geschäftsreisende beherbergen dürfe. „Das aber geht an der Lebenswirklichkeit der Branche vorbei“, so Hofmann. „Nur sehr wenige Betriebe können damit ihre Kosten decken, von einem Gewinn ganz zu schweigen. An der Ausflugsgastronomie geht es gänzlich vorbei.“

Ignoriert Markus Söder die Branche?

Dehoga-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann (l.) im Gespräch mit Gastronom Thomas Riedl.

In Bayern würden nach DEHOGA-Angaben 447.000 Erwerbstätige in Hotellerie und Gastronomie beschäftigt werden, mehr als bei Siemens und BMW zusammen. Dazu kämen noch 150.000 direkt zuordenbare Arbeitsplätze in anderen Branchen allein in Bayern. Der Tourismus sei in Bayern eine Leitökonomie, die es 2019 auf 100 Millionen Übernachtungen und 34 Milliarden Euro Wertschöpfung brachte.

In der Videokonferenz mit Ministerpräsident Markus Söder zeigten die DEHOGA-Sprecher die Betroffenheit und Besonderheit der Branche. Allein im März müsse man einen Umsatzeinbruch von 78 Prozent zum Vorjahr hinnehmen. Es mache sich immer mehr die Verzweiflung breit. Hotellerie und Gastronomie sehen sich als Opfer, denn ein erhöhtes Ansteckungsrisiko sei bei der Einhaltung eines umfassenden Hygienekonzeptes, wie vom Frauenhofer Institut München bestätigt, nicht erkennbar. Zudem brauche es eine Öffnungsperspektive, die auch nach sechs Monaten Lockdown nicht gegeben werde.

„Es geht uns die Luft aus“

Johannes Hofmann: „Es geht uns allen die Luft aus. Die Politik hat kein Vertrauen in unsere sehr guten Hygiene-Konzepte, die belegen, dass es in der Branche minimale bis keine Ansteckungsrisiken gibt, schon gar nicht in der Freiluftgastronomie, was der letzte Sommer bewiesen hat. Nur sind die offiziellen Betriebe viel leichter zu kontrollieren wie die illegale Privatgastronomie und Partyszene, die für die immer wieder auftretenden Hotspots verantwortlich ist. Besonders die junge Generation macht da nicht mehr mit. Nur büßen tut es das steuerzahlende Beschäftigungsgewerbe der Hotellerie und Gastronomie, sowie des Einzelhandels. Das hätten die verantwortlichen Politiker in Berlin und München vermeiden können. Die vielen Millionen Euro hätten in das Gesundheitswesen investiert gehört, als nun den Betrieben „Schadenersatz“ zu leisten, der keinesfalls als Ersatz anzusehen ist. Geld alleine macht es nicht. Die Betriebe würden sehr gerne auf die staatliche Hilfe verzichten, wenn sie sich selber helfen könnten. Aber das wird komplett ignoriert. Die Strategie der Regierung hat versagt, trotz unzähliger hochbezahlter Berater. Viele Chefs und deren Mitarbeiter haben das Vertrauen in die Politik verloren und das wird sich rächen.“

Weitere Investitionen in die Eisarena am Königssee

Unbestritten ist die wirtschaftliche und sportliche Bedeutung der Lotto Bayern Eisarena am Königssee. Eine Bahn mit besonderen Ansprüchen die internationalen Ansprüchen genügen muss. „Das aber wird zunehmend schwieriger, denn es fehlt eine durchgehende Überdachung. Sonne, Wind und Wetter setzen der Bahn zu und darunter leiden Trainings- und Wettkampfveranstaltungen“, beklagt Thomas Schwab, Vorstand des Sport- und Schlittenverbandes Deutschland. Die Bahn soll darum eine neue Überdachung mit Beleuchtung, Beschallungs- und Videoanlage erhalten. Ob die Maßnahmen aber in den nächsten Jahren erfolgen können, darüber beschließt der Kreistag. Für den Landkreis bedeutet eine Gesamtinvestition von 4,6 Millionen Euro ein Aufwand von 920.000 Euro.

Markus Aschauer und Thomas Schwab warben im Kreisausschuss für eine Modernisierung der Eisarena am Königssee. – Foto: Gerd Spranger

Der Kreisausschuss beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit dem Anliegen. Im Sachvortrag wurden die Vorzüge einer Vollüberdachung herausgearbeitet, die insgesamt zu einer Verbesserung im Hochgeschwindigkeitsbereich führe und mehr Sicherheit für die Sportlerinnen und Sportler bedeute. Eine Vollüberdachung war bei der Sanierung und dem Ausbau der Eisarena bereits in den Jahren 2010 und 2011 angedacht, wurde aber zurückgestellt. Auch bei den Modernisierungen der letzten Jahre für 30 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket I und II habe man aus Kostengründen und Termindruck verzichtet.

Wetterschutz ist unverzichtbar

„Die letzten Jahre aber haben gezeigt, dass der fehlende Wetterschutz bei den sich über die Jahre veränderten Wetterbedingungen zwingend erforderlich ist. Die Erfahrungen anderer Bahnen zeige, dass sich diese Maßnahmen bei standardisierten Trainingsbedingungen zur Optimierung der Eisqualität bewährt haben“, heißt es im Sachvortrag. Darüber hinaus vermindere die Überdachung den Energieaufwand der Kälteanlage und führe zu einer Reduzierung der Lichtemissionen. Der Ausbau umfasst drei Bereiche und die Maßnahmen sollen bis zum Jahr 2024 umgesetzt werden. Bei einem 80-Prozentigen Förderanteil des Bundes und Landes verblieben 920.500 Euro beim Landkreis.

Wertschöpfung 3,3 Millionen jährlich

Markus Aschauer, Betriebsleiter der Eisarena Königsse und Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, präsentierten dem Kreisausschuss noch wirtschaftliche und sportliche Eckdaten der Kunsteisbahn. Aus 8.800 Übernachtungen bedeute eine Wertschöpfung von einer Million Euro für die Region allein für die internationalen Wettbewerbe und Trainingswochen. Weitere 678.000 Euro werde bei nationalen Veranstaltungen erzielt und knapp 200.000 Euro aus dem Betrieb des Rennbob-Taxi. Durch zwei Weltcup-Veranstaltungen erfahre die Region eine weltweite Medienpräsenz von über 146 Stunden und erreiche mehr als 103 Millionen Zuschauer. Die Wertschöpfung für Berchtesgaden und die umliegenden Gemeinden beziffert Thomas Schwab mit jährlich 3,3 Millionen Euro.

Bei so vielen Erfolgen fällt es schwer sich gegen eine Fortsetzung der Modernisierung auszusprechen. Kreisrätin Elisabeth Hagenauer (Grüne) verwies auf 30 Millionen Euro an Steuergeldern die bereits in die Bahn geflossen seien. Die Förderung des Spitzensports sei keine kommunale Aufgabe. Bereits der Bauunterhalt koste den Landkreis jedes Jahr 130.000 Euro, „ein schöner Batzen Geld“, kommentiert die Kreisrätin.
Agnes Thannbichler (ÖDP) pflichtete dem vollumfänglich bei. „Noch dazu in diesen schweren Zeiten, in denen Kinder geistig wie körperlich durch die Coronamaßnahmen stark betroffen sind, sollten solche Luxussanierungen, für die der Landkreis immerhin eine Million Euro aufbringen muss, hinten anstehen. Auch für Elisabeth Hagenauer bezeichnete es als „einen schlechter Zeitpunkt, dem Bürger das zu vermitteln. Viele stehen aktuell vor den Scherben ihres Unternehmens und kämpfen um ihre Existenz“, bekräftigt sie. Kreisrat Dr. Bernhard Zimmer (Grüne) schloss sich der Kritik an. „Der Bund müsste 100 Prozent der Kosten übernehmen. Hier böte sich ihm eine gute Gelegenheit die Kommunen zu entlasten. Die Maßnahme ist ein „nice to have“, also als nicht unbedingt notwendig. Dafür als Landkreis eine Million Euro zu investieren halte ich für falsch. Damit begründeten die Grünen geschlossen ihre Ablehnung des Vorhabens. Ebenso lehnte Hans Metzenleitner (SPD) ab. Man müsse sich als Landkreis auf dringende Aufgaben konzentrieren. Nicht umsonst hätte man im Sommer eine Prioritätenliste erarbeitet.

CSU und FWG für die Modernisierung

Geschlossen hinter dem Antrag stellten sich CSU und FWG. Für Kreisrat Richard Lenz (FWG) ist die internationale Bekanntheit und Bedeutung der Bahn nicht mit Geld aufzuwiegen. Man habe zudem der Modernisierung, Ausbau und Erweiterung längst zugestimmt und „wer damals „A“ gesagt hat, der muss heute auch „B“ sagen und die Sache zu einem guten Ende bringen.“ Kreisrat Thomas Weber (CSU) betonte die Nähe zur CJD-Eliteschule am Dürreck, die Bedeutung als Olympiastützpunkt, die Nachwuchsarbeit und die räumliche Nähe, denn „die Sportler brauchen nicht weit herumfahren. Sie finden alles hier vor Ort. Wir haben eine bestehende Anlage, müssen nichts Neues bauen und sollten uns auch weiter um Verbesserungen bemühen.“ Ebenso bekräftigte Landrat Bernhard Kern, dass man auf einer internationalen Ebene mit Investitionen Schritt halten müsse, um nicht abgehängt zu werden. Dennoch wolle er ’nach oben hin‘ Druck ausüben, um bei Land und Bund eine noch höhere Kostenbeteiligung zu bewirken. Kreisrat Hans Feil (CSU) könne die aktuellen Einwände gut nachvollziehen, die Lage sei angespannt. Es gelte aber die Anlage in einem guten Zustand zu erhalten und weiter zu verbessern.

Kein „nice to have“

Zu guter Letzt meldete sich noch einmal Thomas Schwab zu Wort. Er verwehrte sich gegen die Vorwurf, dass die Maßnahmen lediglich ein „nice to have“ seien. „Eine Überdachung ist zwingend notwendig, denn sonst entsprechen wir nicht mehr den internationalen Standards. Wir fallen dann bei der Vergabe internationaler Wettkämpfe hinten runter und das wäre der Anfang vom Ende der Lotto Bayern Eisarena am Königssee.“

Mit 9 zu 6 Stimmen empfiehlt der Kreisausschuss dem Kreistag den Neubau der Überdachung und Beleuchtung der Kunsteisbahn am Königssee. Die Planungskosten sollen bereits im Haushalt 2021 erfolgen, die baulichen Maßnahmen für 2022 eingeplant werden. „Die Maßnahme soll beim Bundesministerium des Inneren für Bau und Heimat angemeldet werden. Die Verwaltung wird beauftragt, nach erfolgter Förderzusage von mindestens 80 Prozent, das VGV-Verfahren für die Planersuche einzuleiten. Hierfür soll ein externer Rechtsbeistand beauftragt werden.“

Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden für den Landkreis?

Branchenvertreter mit klarem Statement  Wirtschaftshilfe BGL zeigt sich zögerlich

Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger
Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger

Wie hoch ist der Schaden für den Tourismus mit den betroffenen Branchen von Hotellerie, Gastronomie, Handel und Freizeiteinrichtungen – von den Thermen bis zu den Bergbahnen – nach sechs Monaten Stillstand. Wie stellt sich die wirtschaftliche Lage im Landkreis dar, wollten wir als Redaktion wissen. Erster Ansprechpartner in der Region ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises. 

Sie unterstützt nach eigener Aussage mit einem Team von elf Mitarbeitern „Unternehmerinnen und Unternehmer umfassend, individuell und vertraulich“. Vor vier Wochen baten wir um aktuelle Zahlen, bis heute könne man dazu keine Angaben machen, „man wisse es ganz einfach nicht, arbeite aber daran“, ließ Geschäftsführerin Dr. Anja Friedrich-Hussong ausrichten. Jetzt steht endlich ein Termin fest. Wir haben uns vorher bereits umgehört.

Keiner nennt das Ausmaß
der Kollateralschäden

Interessiert hätte uns, wie hoch der Wirtschaftseinbruch für den Landkreis im Jahr 2020 ausfällt. Deutschlandweit sollen es fünf Prozent gewesen sein, in unserer vom Tourismus geprägten Region dürfte er höher ausfallen. Nach dem Wegfall des Weihnachtsgeschäftes bleiben im neuen Jahr für viele Unternehmer die Türen geschlossen. Sie dürfen nicht aufsperren, nicht vermieten und auch keine Gäste befördern oder bewirten. Ein Jahresumsatz von 487 Millionen Euro im Jahr 2019, laut Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif), zeigt die Bedeutung der Branche für das Berchtesgadener Land. Tourismusmanagerin Dr. Brigitte Schlögl bezifferte den Umsatzausfall für den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 bereits mit rund 50 Millionen Euro für den Landkreis.

Einbruch von 36 Prozent

Dehoge-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann

„Ein überaus starker Sommer verhinderte zwar das Schlimmste“, bekennt Dehoga-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann, „die Reisen ins Ausland waren ja nur erschwert möglich, doch die Einbrüche im Landkreis liegen zwischen 16 und 36 Prozent, je nach Region.“ So verlor Berchtesgaden im Jahr 2020 knapp 370.000 Übernachtungen und Bad Reichenhall mit Bayerisch Gmain 353.000 Übernachtungen. Für Bad Reichenhall aber bedeutet dies bei insgesamt nur 958.000 Nächtigungen ein Minus von 36 Prozent. Die fünf südlichen Landkreisgemeinden brachten es 2019 auf 2,27 Millionen Nächtigungen. Dazu verzeichnete der Landkreis jährlich noch knapp sechs Millionen Ausflugsgäste, die seit Oktober 2020 weitgehend ausbleiben. Je Tagesgast wird ein Umsatz von 24,80 Euro zugrunde gelegt.
Ein aktuelles pdf dazu hier: dwif-wirtschaftsfaktor-tourismus-bgl

Rücklagen aufgebraucht – 
Griff nach der Altersvorsorge

Wieninger Schwabenbräu überbrückt mit einem Außer-Haus-Verkauf.

Wie hoch der angerichtete Schaden dabei ist, kann auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Berchtesgadener Landes aktuell nicht benennen. Wie viel Unternehmerinnen und Unternehmer haben ihre Rücklagen aufgebraucht, teilweises sogar ihre Altersvorsorge investiert? Wie viele „arbeitslose Selbständige“ zählen wir im Landkreis? Wie viele Fachkräfte wenden sich von der Branche ab? Zu all dem gibt es keine Angaben und gerade sie wären zur Beurteilung der Lage wichtig. Erschwerend wirken sich darüber hinaus die verzögerten Hilfen aus. „Erst wenn klar ist was bei den Betrieben ankommt, kann man Bilanz ziehen und das kann noch dauern“, gibt Johannes Hofmann zu denken.

Wirte leben von Hartz IV
Tourismus ohne Zukunft

Tische stehen auf der Bergstation der Jennerbergbahn keine mehr, auch Gäste bleiben seit einem halben Jahr aus. Der Betrieb musste schließen.

Er macht sich Sorge um die Zukunft der Branche: „Ich kenne erste Wirte die Hartz IV beziehen und erste Köche und Servicekräfte die in die Verwaltung, das Handwerk oder in die Dienstleistungsbranche wechseln.“ Noch vor einem Jahr zeichnete sich die Tourismusbranche durch Innovation, Internationalität, Wachstum und einen guten Ruf aus. Das ist jetzt nachhaltig vorbei, „wer will in einer unsicheren Branche noch seine berufliche Zukunft investieren?“ fragt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Selbst Landrat Bernhard Kern, der die negativen Auswirkungen für das Berchtesgadener Land fürchtet, zeigt sich laut seiner jüngsten Pressemeldung „fassungslos über die jüngsten Beschlüsse der Staatsregierung“, sieht die Belange des Landkreises nicht berücksichtigt.

Wo bleiben
die Gelder und Hilfen?

Zu der wirtschaftlich angespannten Situation der Branche kommt noch die schleppende Auszahlung versprochener Hilfen. Hannes Lichtmannegger vom Hotel Rehlegg in der Ramsau, und mit ihm auch alle anderen betroffenen Unternehmen im Landkreis, können erst jetzt im März die Oktoberhilfe beantragen. „Und dabei haben wir aufgrund der Zwangsverordnung des Landkreises über Nacht bei Vollbelegung alle Gäste nach Hause schicken müssen“, erinnert der Hotelier. Für den gesamten Zeitraum von Oktober bis November seien bislang nur 150.000 Euro Überbrückungshilfe geflossen, bei einem Umsatzausfall von zwei Millionen Euro.

Nicht jeder
bekommt einen Kredit

Auch bei der Rupertustherme in Bad Reichenhall „geht nichts mehr“. Parkplatz und Therme sind seit sechs Monaten geschlossen.

“Die Hilfen für November wurden erst im Februar ausbezahlt und für Dezember und Januar sind ebenfalls noch keine Gelder angewiesen“, ergänzt er. Zudem müsse er als Unternehmer das Kurzarbeitergeld für die Angestellten am Monatsanfang ausbezahlen, bekommt es aber erst drei, vier Wochen später wieder erstattet, abzüglich des Arbeitgeberanteils. „Ich schätze mich heute glücklich, dass ich sofort das Gespräch mit meiner Hausbank gesucht habe und sie mir für diese schwere Zeit einen großzügigen Kredit gewährte. Den muss ich natürlich wieder zurückzahlen, größere Investitionen in den Betrieb sind damit für die nächsten Jahre erst einmal gestoppt“, bekennt Hannes Lichtmannegger. Nicht alle Hoteliers und Gastronomen dürften in dieser glücklichen Lage sein. „Bei Pachtbetrieben oder jungen Unternehmen wird es nur bedingt Kredite geben, um sich über diese Monate zu retten“, räumt Johannes Hofmann ein. „Die Situation vieler Betriebe wird zunehmend äußerst kritisch, weder ein Aufatmen durch Umsätze während der Weihnachtszeit, noch die Winter- und Skisaison konnten die schreckliche Situation in den Betrieben verbessern“, führt er in einem persönlichen Schreiben als Dehoga-Kreisvorsitzender an den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aus.

Klare Ansage der Bürgermeister

An ihn wandten sich bereits am 15. Februar alle fünf Bürgermeister des südlichen Landkreises sowie Dr. Bartl Wimmer, Vorsitzender des Zweckverbandes Tourismusregion Berchtesgaden- Königssee, und die Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen und vom Markt Oberstdorf. Sie bezeichnen den Tourismus in der Alpenregion für eine stabile Wirtschaftslage als unverzichtbar und warnen vor der Abwanderung von qualifizierten Fachkräften, denn „die Qualität in den touristischen Betrieben hängt stark von geeignetem Personal ab.“ Zudem „stößt eine mangelnde Planungsperspektive Gäste ab. Buchungen erscheinen unsicher und werden vermieden.“

Nichts für Ferienwohnungen

Sie appellieren bereits im Februar an den Ministerpräsidenten Markus Söder, Beherbergungsbetriebe, Gastronomie und Ausflugsziele gleichzeitig zu öffnen, denn „sonst verliert der Aufenthalt in der Urlaubsregion zu stark an Attraktivität.“ Ein in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommener Aspekt der Lockdowns ist die Schließung von nichtgewerblichen Privatvermietern und Ferienwohnungen. Die Bürgermeister treten auch für sie ein. „Sie zahlen wie jeder andere Betrieb Steuern und Gebühren, erhalten aber trotz großer Umsatzeinbußen keine finanziellen Hilfen.“

Protest gegen das Straßenbauamt

Die Lokalzeitung, das „Reichenhaller Tagblatt“, berichtete jüngst über die Vorhaben das Straßenbauamtes Traunstein zur Verbesserung der Verkehrssituation im Reichenhaller Talkessel. Problematisch wirkt sich der Transitverkehr aus, und hier der hohe Anteil an LKW, die über das „kleine deutsche Eck“ ihre Fahrten zwischen Salzburg und Tirol abkürzen. Abhilfe würde für das Staatsbad Bad Reichenhall eine leistungsfähige Ortsumfahrung schaffen, die jetzt zum fünften Male im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen ist, seit 2016 sogar wieder als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft. Das Straßenbauamt Traunstein allerdings verweigert eine entschlossene Umsetzung, sieht sich laut eigener Aussage personell dazu nicht in der Lage. Der Verein „Reichenhall pro Kirchholztunnel e.V.“ hat zu dem Artikel „Kirchholztunnel auf Eis gelegt“ vom Freitag, 26.02.2021, in einer Presseerklärung seinen Protest geäußert. Wir veröffentlichen hier das Schreiben an die Regionalzeitung vom zweiten März 2021.

Straßenbauamt Traunstein
festigt den Missstand

Nun also ist es amtlich, das Staatliche Bauamt in Traunstein (STBA) sieht sich nicht in der Lage, die Planung für eine leistungsfähige Ortsumfahrung von Bad Reichenhall und deren Verwirklichung umzusetzen. Es besteht zwar seit 2016 der vom Bund festgeschriebene Bundesverkehrswegeplan, und damit auch ganz offiziell der Auftrag an das STBA zur Umsetzung, doch seit Jahren verweist man auf fehlendes Personal. Selbst über das Verkehrsgutachten vom Herbst 2020 hüllt sich das STBA in tiefem Schweigen, bis heute ist darüber nicht einmal der Stadtrat von Bad Reichenhall informiert. Dabei bedankte sich Staatsministerin Kerstin Schreyer noch im Oktober 2020 beim Verein „Reichenhall pro Kirchholztunnel e.V.“ für die entsprechende Nachfrage. Die Ministerin bat um Geduld, das STBA in Traunstein werde das Gutachten noch dem Stadtrat präsentieren. Seitdem sind vier Monate vergangen und es ist wieder einmal nichts passiert. Grundlage des Gutachtens war übrigens eine Verkehrserhebung aus dem Jahr 2019. Auch hier brauchte die Behörde ein Jahr, um belastbare Rückschlüsse zu ziehen.

40.000 Fahrzeuge noch erträglich
für das Staatsbad ?

Darüber hinaus gibt es einen Stadtratsbeschluss vom April 2019, in dem man sich für eine Fortschreibung des Projektes aussprach und eine Verbesserung der kritischen Knotenpunkte forderte. Stattdessen präsentiert das STBA jetzt einen Gutachter, der die Verkehrssituation in Bad Reichenhall noch bis in das Jahr 2035 hinein als „noch verträglich“ bezeichnet. Damit stellt sich die Frage, warum alle anderen Gutachter, die für die Einbindung der Ortsumfahrung von Bad Reichenhall in den ‚Vordringlichen Bedarf‘ des Bundesverkehrswegeplanes stimmten, offenbar zu einem ganz anderen Schluss kamen. Selbst im Mobilitätskonzept des Landkreises wird die Umfahrung als dringend notwendig eingestuft.

Umfahrung seit 1970 gefordert

Ebenso eindeutig äußerste sich das Bundesministerium für Verkehr im November 2017 zur Situation: „Eine Ortsumfahrung von Bad Reichenhall ist bereits seit 1970 Bestandteil der Bedarfspläne. Das heißt, seit langer Zeit laufen bereits Bemühungen der Bayerischen Straßenbauverwaltung, die verkehrlich schwierige Situation in Bad Reichenhall mit seiner engen Tallage und dem hohen Durchgangsverkehr verkehrlich zu verbessern.“

Beim Durchgangsverkehr wiegen vor allem die LKW mit einem Anteil von bis zu 20 Prozent schwer. Eine Verkehrssituation, die für die nächsten 15 Jahre als „noch verträglich“ eingestuft wird, kann kein Kriterium für ein Staatsbad gegen Erkrankung der Atemwege sein. Die Stadt Bad Reichenhall aber übt sich in vornehmer Zurückhaltung, der Leidensdruck scheint noch nicht groß genug zu sein. Hingegen tut das Bauamt in Traunstein alles dafür, um die B20/ B21 für den Transitverkehr zu sichern und auszubauen:

Weg frei für den LKW-Transitverkehr

Ausbau am Bodenberg bei Melleck, Ausbau und Beruhigung der Staatsstraße 2101 in Richtung Thumsee, Ausbau und umfassende Lärmschutzmaßnahmen an der B20 in Unterjettenberg, der Bau einer großen Galerie und jetzt in Bad Reichenhall die Sanierung der „TÜV-Brücke“ und die Sanierung der Saalachbrücke nach Piding. Selbst der Vollanschluss der Bundesstraße B21 am Autobahngrenzübergang Walserberg soll vollzogen werden. Nur mit der Schaffung einer leistungsfähigen Ortsumfahrung für Bad Reichenhall scheint das Staatliche Bauamt in Traunstein komplett überfordert zu sein. Es drängt sich uns, als betroffene Anwohner, der Verdacht auf, dass neben der Unfähigkeit der fehlende Wille dazu kommt, eine seit 50 Jahren als notwendig eingestufte und für Bad Reichenhall zukunftsweisende Ortsumfahrung mit dem gebotenen Nachdruck auszuführen.

Mehr Infos zu „den Turbulenzen“ um die Ortsumfahrung lesen Sie unter: https://proreichenhall.wordpress.com/

Hier der Artikel des Reichenhaller Tagblatts 

Es lebe der Fasching – die Traditionen hochleben lassen!

Wieninger Schwabenbräu
setzt ein Zeichen der guten Laune

Die Wirtsleute vom Schwabenbräu setzen auf gute Stimmung und zeigen wie es geht. Verkleidet als Graf Dracula und Robin Hood, unterstützt von Musik-Klaus als Kaptitän Jack Sparrow, haben Sie für Fasching einen eigenen Spot online gestellt.

Der Fasching in Bad Reichenhall muss nicht ausfallen. Mit guter Stimmung und viel Kreativität gehen die Wirtsleute vom Schwabenbräu, Thomas und Ruth Riedl zusammen mit ‚Musik-Klaus‘ mit Frohsinn gegen ‚den tierischen Ernst‘ vor. Traditionell ist das Faschingstreiben im Schwabenbräu in Bad Reichenhall bekannt. 500 bis 600 Personen sind an den Faschingstagen vom Unsinnigen Donnerstag (Weiberfasching) bis zum Aschermittwoch normalerweise an diesen Tagen zu Gast. 

Ein guter Dreh braucht seine Zeit, auch im Wieninger Schwabenbräu. – Fotos: Gerd Spranger

Heuer bleibt das Wirtshaus zur „Narrischen Zeit“ zum ersten Mal seit 25 Jahren geschlossen. Gefeiert wird online und mit Abholservice. „Tuat’s trotzdem singen, tanzen, lachen und feiern“, ermuntert Wirtin Ruth Riedl ihr treues Stammpublikum. „Macht’s euch die Arbeit, maskiert euch.“ „Ausgelassenheit und Stimmung brauchen wir alle“, setzt Thomas Riedl noch einen drauf. „Denkt’s positiv, net negativ.“ Und so gehen Ruth, Thomas und Musik-Klaus mit gutem Beispiel voran, haben einen Spot als Graf Dracula, Robin Hood und Kaptitän Jack Sparrow online gestellt. Also, auf geht’s zur online-Weiberroas am Faschingsdonnerstag und Fischessen zum Abholen am Aschermittwoch.

Interessierte finden das Video auf Facebook unter „Wieninger Schwabenbräu“. Hier ist der Link: https://www.facebook.com/wieninger.schwabenbraeu/videos/

175 Jahre Badekurort Reichenhall mit Symbolcharakter

1844 nahm die damals völlig neu erbaute Alte Saline ihren Betrieb auf. Die Anlage bildet zudem den Kern des Ensembles Alte Saline, der Ensembleschutz umfasst neben der Alten Saline auch die Salinenstraße, den Beamtenstock, den Oberen und Unteren Lindenplatz sowie den Feuerwachturm auf dem Gruttenstein.

Die Stadt will nun auf ein 175-jähriges Jubiläum als Badekurort zurückblicken und macht dies an der Öffnung der „Sole- und Molkekuranstalt Achselmannstein“ im Jahre 1846 fest. Der Salinenarzt Dr. Osterhammer verabreichte aber bereits 1822 in Bad Kirchberg mit Sole vermischte Bäder. Man könnte also ebenso nächstes Jahr ein 200-jähriges Jubiläum der Solebäder in Bad Reichenhall feiern. 1846 aber schien den Verantwortlichen wohl passender, da 12 Jahre nach dem verheerenden Stadtbrand die Stadt erneuert wurde, im Zentrum die Anlagen der Alten Saline, die unter König Ludwig I. einen großen Förderer fanden. Das Stadtbild wandelte sich, mehr und mehr verschwand die alte Salinenstadt. 

Die Kuranstalten von Bad Reichenhall sind längst Geschichte. Sie standen in Besonderer Weise für die Tradition der Kur in der alten Badestadt.

Vielleicht aber steht das ehemalige Grandhotel Axelmannstein ja symbolisch wirklich für eine über 175-jährige Badetradition in Reichenhall, den Titel Bad erhielt die Stadt erst 1890. Das einst so stolze Anwesen, die viel beschworene Wiege des Staatsbades, ist heute baufällig und bröckelt vor sich hin. Der Glanz der alten Tage ist längst vergangen und eine Modernisierung wird seit Jahrzehnten immer weiter hinausgezogen. Ob sie jemals kommt, dürfte in Zeiten, in denen die Regierungen dieser Welt Hotellerie und Tourismus gewaltsam zum Erliegen bringen, fraglich sein.

Bad Reichenhall:
Aufbruch oder Niedergang?

Gewaltsam zum Erliegen kam das blühende Staatsbad bereits während zweier Weltkriege und der großen Welt-Wirtschaftskrise, erinnert der Reichenhaller Stadtarchivar Dr. Johannes Lang. Die von ihm beschworene Aufbruchstimmung ließ dann bis in die 60er-Jahre auf sich warten und hielt dreißig Jahre lang. Dann kam das jähe Ende durch die Gesundheitsreform unter dem heutigen CSU-Innenminister Horst Seehofer und mit ihnen ein Ende der Offenen Badekur. In der Folge schlossen ein Dutzend privater Pensionen und die Zahl der Übernachtungen erreichte Nachkriegsniveau, sie sank von 1,6 Millionen auf unter 800.000. Einst so stolze Kuranstalten, wie etwa das Victoriabad oder das Staatlich Städtische Kurmittelhaus – insgesamt gab es ein halbes Dutzend – sind alle verschwunden. Besonders sie standen für die lange Tradition der Kur in Bad Reichenhall. Ein Niedergang, der sich bis zur Jahrtausendwende hinzog und nur sehr langsam erholte sich die Badestadt von diesem Schlag, suchte neue Wege der Vermarktung und neue Zielgruppen zu gewinnen.

Bad Reichenhall:
Eigenvermarktung scheiterte

2005 dann erfolgte unter der Leitung von Gabriele Deml, zuvor 9 Jahre lang Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins in Bad Reichenhall, die Gründung der BGL-Tourismus GmbH, die fortan den gesamten Landkreis vermarkten sollte. Bad Reichenhall verzichtete damit auf die Eigenvermarktung, man könnte auch den Schluss ziehen, dass sie damit gescheitert ist und sich der gewünschte Erfolg nicht einstellte. Heute, 15 Jahre später zerbricht auch diese Organisation. Wobei Bad Reichenhall, wohl im Geld zu sparen, mit Dr. Brigitte Schlögl, die Leiterin der Tourismusorganisation, gleich mit dem Stadtmarketing beauftragte. Ob Stadtmarketing oder touristische Vermarktung, für die Stadtoberen scheint es da kaum Unterschiede zu geben, nach dem Motto, wer schon vor der Haustür des Nachbarn kehrt, der kann ja das eigene Haus gleich mitbestellen.

Wer soll jetzt Millionen investieren?

Und jetzt, wo seit vier Monaten und auf unabsehbare Zeit die Hotels und die gesamte touristische Infrastruktur zwangsweise geschlossen wurden, wie etwa die Rupertustherme oder die Predigtstuhlbahn, hofft man auf neue Projekte. Zudem warnen politische Stimmen bereits vor einem neuen Lockdown im Herbst und vor weiteren schrecklichen Corona-Mutationen, die das Volk in Angst und Schrecken versetzen sollen. Wer möchte da noch Millionen investieren? Ja, Bad Reichenhall hat sich wahrlich ein gutes Symbol für seine 175-jährige Badetradition ausgesucht. Ein altes Hotel, dem die Kraft und Innovation zur Modernisierung fehlt. Wer mag es ihm verdenken, in Zeiten wie diesen.

Brandbrief vom Landratsamt und Wirtschaftsservice …

… an das Staatsministerium
wegen verzögerter Oktoberhilfe

Die vom Bayerischen Ministerrat am zweiten November versprochene Wirtschaftshilfe (Oktoberhilfe) für die von einem vorzeitigen Lockdown betroffenen Regionen, die Landkreise Berchtesgadener Land und Rottal am Inn, sowie die Städte Rosenheim und Augsburg, lässt immer noch auf sich warten. Es kann keine Rede sein „von einem unkomplizierten Verfahren für Antragsteller mit schneller Auszahlung“, wie von Landwirtschaftsministerin und Stimmkreisabgeordnete für das Berchtesgadener Land, Michaela Kaniber (CSU), versprochen. Selbst jetzt im Februar, können die betroffenen Betriebe noch nicht einmal einen Antrag auf die Wirtschaftshilfe für Oktober einreichen.

Skandal! Zwangsschließung und drei Monate Wartezeit um einen Antrag stellen zu können!

Der Landrat des Berchtesgadener Landes, Bernhard Kern, wendet sich nun gemeinsam mit der Leiterin des Wirtschaftsservice, Dr. Anja Friedrich-Hussong, mit einem Brandbrief direkt an das Bayerische Staatsministerium, an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FWG). Es sei „absolut nicht nachvollziehbar, dass in der Bundesrepublik Deutschland mit seinem Hochtechnologie-Standort Bayern binnen knapp vier Monaten keine Software verfügbar sein soll, die eine Abwicklung der Oktoberhilfe-Anträge ermöglicht“, heißt es in dem Schreiben.

„Wie sollen wir das
den Menschen erklären?“

Es stelle sich die Frage, „wie wir unseren heimischen Wirtschaftsbetrieben erklären sollen, dass sie selbst in Digitalisierung und Innovation investieren sollen, wenn die Bundesrepublik Deutschland und der Freistaat Bayern scheinbar nicht in der Lage sind, eine funktionierende Software und Schnittstelle für die Abwicklung der Oktoberhilfen binnen vier Monaten programmieren zu lassen.“ Erschwerend dabei wirke der Umstand, dass „bereits im Januar Anträge der Novemberhilfe zum Teil final bewilligt und zur Auszahlung freigegeben wurden, sowie die Dezemberhilfe in der Testphase der IT-Plattform ist.“

Zahlung erst im März?

Landrat Bernhard Kern und Dr. Friedrich-Hussong vom Wirtschaftsservice Berchtesgadener Land. – Foto: Gerd Spranger

Man nehme nun mit Verwunderung zur Kenntnis, „dass eine Begutachtung und Bewilligung der Oktoberhilfe durch die prüfenden Stellen voraussichtlich erst Mitte Februar möglich ist.“ Deutlich wird der Brief nochmals in der direkten Ansprache des Staatsministers Hubert Aiwanger. „Von ihnen wurde am 26. November zugesichert, dass eine Beantragung im Dezember 2020 und eine Auszahlung bereits im Januar möglich sein sollte.“ Der Appell von Landrat Bernhard Kern und Dr. Anja Friedich-Hussung ist darum unmissverständlich:

„Da es um die Existenz vieler heimischer Wirtschaftsbetriebe im Berchtesgadener Land geht, bitten wir sie, sich noch einmal mit Nachdruck für eine zeitnahe und praktikable Lösung einzusetzen.“

Nicht nur die Wirtschaft leidet, auch die Menschen nach fünf Monaten Lockdown mit einer drastischen Beschneidung ihrer Bürgerrechte. Lesen Sie dazu unser Reportage vom 18. Dezember: https://meinreichenhall.wordpress.com/2020/12/18/soziale-spannungen-verschaerfen-sich/ 

Hotel Panorama wird zum neuen „Rundum“

Boardinghouse mit 98 Zimmern – 12 Millionen investiert


Seit Jahren steht ein hoher Kran am ehemaligen Hotel Panorama, zuletzt als ‚Golden Tulip‘ geführt, in Bad Reichenhall. Die Bauarbeiten scheinen sich in die Länge zu ziehen und manche Spaziergänger fragen sich, ob es wieder eine Eröffnung für das seit vielen Jahren aufgelassene Hotel geben wird. 2017 kaufte es der in Bad Reichenhall geborene Unternehmer Max Aicher. 

Bereits damals stand es seit Jahren leer und dämmerte in einem Dornröschenschlaf vor sich hin. 2018 gab es dann konkrete Pläne für eine Wiederbelegung als Tagungshotel. Der Monate andauernde Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 machte dem geplanten Konzept und der Eröffnung aber ein Ende. „Wir haben uns im Sommer neu ausgerichtet und die Eröffnung jetzt auf unbestimmte Zeit verschoben. Niemand weiß, wie sich die wirtschaftliche Situation und das gesellschaftliche Leben in den nächsten Monaten entwickeln wird. Aktuell besteht für das Berchtesgadener Land ja sogar ein Besuchsverbot“, kommentiert Unternehmenssprecherin Angela Aicher die aktuelle Entwicklung.

Die Bauarbeiten am neuen Hotel „Das Rundum“ (ehemals Panorama) machen Fortschritte. Die gesamte 50 Jahre alte Technik wurde bereits erneuert und die Außenfassade weitgehend fertiggestellt. Jetzt folgt der Ausbau der Innenräume bis hin zu bezugsfertigen Zimmern. Für einen Baustellentermin trafen sich (v.l.): Dr. Christian Schwab von den Max Aicher Immobilien, Architekt Andreas Traunfellner, Dipl. BW (FH) Angela Aicher und der Bereichsleiter für Immobilien und Projekte, Peter Hutterer. – Fotos: Gerd Spranger

Der Umbau und die Modernisierungsarbeiten für insgesamt 12 Millionen Euro sollen bis zum Herbst fertig gestellt sein. Das neue Konzept sieht dann eine Eröffnung als Boardinghouse mit 98 Zimmern unter dem Namen „Das Rundum“ vor. Das große Panorama-Restaurant wird zunächst nicht geöffnet, Hausgästen wird hier ein Frühstück angeboten. Eine Sanierung des ehemaligen Schwimmbades ist ebenfalls nicht geplant und ein Ausbau der Tagungsräume vorerst zurückgestellt.

„Gerade in Zeiten von Corona zeigt sich, dass Flexibilität in der Konzeptausrichtung und digitalen Anbindung maßgeblich entscheidend sind“, erläutert Angela Aicher. „Der Focus liegt auf die Gestaltung eines hochwertigen Boardinghauses mit 98 Zimmern. Jedes erhält eine Miniküche, eine schöne Ausstattung und Zusatzleistungen wie Frühstück oder Wäscheservice können gebucht werden.“ Laut Wikipedia trägt ein Boardinghouse den Charakter „eines Beherbergungsbetriebes, welcher Zimmer oder Apartments mit hotelähnlichen Leistungen in meist städtischer Umgebung vermietet. Im Gegensatz zu einer Pension oder einem Hotel ist ein längerer Aufenthalt geplant.“

Für einen schönen Rundum-Blick auf Bad Reichenhall sorgen hohe Glasfronten im neu entstehenden Frühstücksraum.

Für Bad Reichenhall könnte das neue Konzept ein Meilenstein in der Neuausrichtung der Hotellandschaft werden. Das neue Hotel Luisenbad soll im Herbst als IBIS-Hotel mit 132 Zimmern eröffnen. In einigen Jahren werde das Hotel Hofwirt mit einem angebauten, großen langgestreckten Baukörper als Vier-Sterne-Hotel Superior eröffnen. In der Schwebe sind aktuell noch ein Hotel an der Rupertustherme, die Nutzung und Revitalisierung des Alpenhotels Fuchs, eine Sanierung des Hotels Axelmannstein und eine Wiederbelebung des Berghotels Predigtstuhl.

Die beste Aussicht werden Gäste künftig vom fünften Stockwerk aus genießen. Auf dem Foto (v.l.): der Bereichsleiter für Immobilien und Projekte, Peter Hutterer, Dipl. BW (FH) Angela Aicher und Dr. Christian Schwab von den Max Aicher Immobilien.

Für Bad Reichenhall sind damit die Weichen für einen touristischen Neustart gestellt. Werden aber weiter Reisebeschränkungen, die Schließung von Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie etwa der Rupertustherme oder der Predigtstuhlbahn, und das Zusperren von Gastronomie und Handel vorangetrieben, ist einer positiven Entwicklung der Weg verstellt.

Über die direkte Blickachse zum Berghotel Predigtstuhl freut sich Angela Aicher besonders, wenn auch Bahn und Hotel aktuell ebenfalls ein Opfer des Lockdowns sind. Links von ihr Peter Hutterer, Bereichsleiter für Immobilien und Projekte sowie Dr. Christian Schwab von den Max Aicher Immobilien.

Lesen Sie auch unseren Beitrag aus dem Jahr 2018. 
https://meinreichenhall.wordpress.com/2018/12/29/steht-bad-reichenhall-vor-einer-neuen-bluetezeit/

MERIAN bringt neues Salzburg-Magazin

Mit 36,2 Prozent Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr muss auch Salzburg den wohl stärksten Rückgang seit dem zweiten Weltkrieg hinnehmen. Umso mehr freuen sich die Tourismus-Verantwortlichen über das neue Merian-Heft und hoffen auf bessere Zeiten. Ob aber bereits der Februar eine Trendwende bringen kann, ist kaum vorstellbar.

Wenn Ausflüge nach Salzburg wieder möglich sind, freuen sich schon viele Menschen auf einen Besuch der Altstadt oder einen Spaziergang über den Kapuzinerberg oder den Mönchsberg. Foto: Gerd Spranger

Umso größer ist die Freude über die Präsentation in Deutschlands Reisemagazin, das Salzburg als Top-Destination auf 132 Seiten vorstellt. Das MERIAN Salzburg ist jetzt im Handel erhältlich, erzählt von Klassikern wie Mozart und den Festspielen, aber auch von urigen Geschäften und dem Andräviertel als Szenetreff. Salzburger Gastronomen und Künstler liefern Einblicke in ihren Alltag und Felix Gottwald präsentiert seine Lieblingsplätze im Salzburger Land.

Bereits die siebte Ausgabe
für Salzburg

Für MERIAN ist es die insgesamt siebte Ausgabe über die Stadt, die letzte erschien zum Mozartjahr 2006. Die erneute Ausgabe bestätigt, dass Salzburg als internationale Kulturmetropole und „Dauerbrenner“ wahrgenommen wird. Die hervorragend recherchierten Geschichten und die hochwertige Aufbereitung rücken die vielseitigen Pluspunkte Salzburgs in den Fokus. Die Reichweite beträgt rund 730.000 Lesern im deutschsprachigen Raum.

Wichtige Inspiration fürs Reisen

„Dieses Magazin erscheint in einer Zeit, in der wir von Reisen nur träumen können“, so Bürgermeister Harry Preuner. „Ich bin aber sicher, dass wir in vielen Köpfen Lust auf Salzburg machen.“ Tourismuschef Bert Brugger freut sich, dass die Chefredaktion an ihn und sein Team herangetreten ist. „Viele Recherche- und Fototermine mussten durch die Lockdowns unter schwierigen Bedingungen stattfinden. Umso schöner ist es, dass wir das fertige Magazin nun in Händen halten können.“ Brugger sieht in der MERIAN-Ausgabe außerdem eine Fortsetzung der medialen Präsenz Salzburgs, wurden doch im Jahr 2020 die Salzburger Festspiele, die „Sound of Music“-Tour von Stefan Herzls Panorama Tours sowie die Stadt als Kulturmetropole ausgezeichnet.

Das MERIAN Magazin – führende Reiseliteratur im deutschsprachigen Raum

Das Magazin mit Sitz in Hamburg wurde 1948 gegründet und erscheint monatlich. Vorgestellt werden Nationen, Regionen oder Städte, die eine historische, politische, kulturelle oder touristische Sonderstellung haben. Die Themenpalette reicht von Geographie über Wirtschaft und Politik bis Kunst, Kultur und Gastronomie. Die Bilder für jede Ausgabe werden von renommierten internationalen Fotografen aktuell und vor Ort aufgenommen.

Der Spaß ist vorbei

Kommentar: Der Spaß ist vorbei

Endlich ist er da, der lang ersehnte Schnee. Und wir alle erinnern uns gern an jene Tage, als wir warm eingepackt als Kinder, ausgerüstet mit Schlitten und kleinen Skiern, unsere ersten Versuche unternahmen, um im „Sausewind“ wohlbehalten wieder unten an der kleinen Anhöhe anzukommen. Das sind unvergessene Erlebnisse, und so können sich nur Kinderherzen freuen. Doch der Spaß ist vorbei. Für uns Großen sind die Liftanlagen diesen Winter komplett gesperrt und die Kleinen dürfen jetzt noch nicht einmal mit ihren Eltern in die verschneite Bergwelt fahren. Der Aktionsradius ist auf 15 Kilometer beschränkt. Das Virus droht.

Droht es wirklich in freier Natur an frischer Luft? Gerade Bewegung und mäßiger Sport an der frischen Luft ist unserer Gesundheit zuträglich, stärkt das Immunsystem. Ab jetzt aber ist es verboten, zählt man nicht zu jenen Privilegierten, die nahe der Berge wohnen, der Spaß ist vorbei. Reisefreiheit, eines unserer Grundrechte? Das gilt schon längst nicht mehr. Reisefreiheit existiert für uns Normalbürger nur noch mit gnädiger Zustimmung der Obrigkeit. Nicht mal mehr ein Ausflug ins nahe Salzburg ist gestattet. Das Virus droht, und offenbar ist es in freier Natur besonders aggressiv, könnte man vermuten.

Wie wäre es mit Lebensmittelkarten, die sich in Kriegszeiten ja bereits bewährt haben. Auch ein Lockdown ist nur aus jenen finsteren Jahren bekannt. Die Regierung hat sich damit inzwischen bestens angefreundet, auch wenn die Menschen vornehmlich in Senioreneinrichtungen und Krankenhäusern versterben. Sie verfügt heute über eine in der BRD noch nie dagewesene Machtbefugnis. Lebensmittelkarten, etwa mit der Genehmigung nur noch einmal wöchentlich einen Discounter für den Einkauf zu besuchen, das Ganze alphabetisch geordnet. Nirgendwo sonst könnte man die Ansammlung von Menschen leichter reduzieren, auf Skipisten und Rodelbahnen jedenfalls nicht.

Aktuelle Ergänzung: Pressemeldung des Landratsamtes vom 12.01.2021:

Berchtesgadener Land. Das Landratsamt Berchtesgadener Land hat aufgrund der aktuell hohen Corona-Infektionszahlen entschieden, Tagesausflüge in das Berchtesgadener Land zu untersagen. Seitens der Regierung von Oberbayern und des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege ist der Entwurf der entsprechenden Allgemeinverfügung am späten Montagabend, 11.01.2021, geprüft und genehmigt worden. Die Verfügung tritt zum Mittwoch, 13.01.2021, 00:00 Uhr in Kraft und gilt vorerst bis Sonntag, 31.01.2021, 24:00 Uhr.