Archiv der Kategorie: wandern

Auf den Spuren der evangelischen Gemeinde in Bad Reichenhall

Eine spirituelle Stadtführung
mit Diakon Markus Sellner


In einem spiritueller Stadtspaziergang führte Diakon Markus Sellner auf den Spuren der Protestanten durch die Innenstadt von Bad Reichenhall. Die Gruppe war aufgrund der Corona-Verordnungen auf zwölf Personen begrenzt und Sellner bat zudem um Einhaltung des nötigen Abstandes. Der erste eigene Raum für Gottesdienste war für Evangelische ab 1860 ein Lagerraum in der Alten Saline im Obergeschoss, der heute von der Reichenhaller Akademie genutzt wird. Das heutige Industriedenkmal Alte Saline mit Ensembleschutz war damals, nach dem großen Stadtbrand von 1834, erst 25 Jahre alt. 20 Jahre lang traf sich die evangelische Gemeinde hier zum Gottesdienst und verschönerte den Raum mit Holzvertäfelungen. „Vorher traf man sich im ehemaligen „Schweizer Haus“ auf Initiative der Freifrau von der Thann, der Gattin des Adjutanten von König Max II., zum Gottesdienst, aufgrund des Andrangs später im Festsaal des ehemaligen Hotels Luisenbad“, erzählt Diakon Sellner. Die Geschichte beginnt aber früher, nämlich 1799 in München. Zuvor waren die Evangelischen im katholischen Kurfürstentum Bayern der Wittelsbacher nicht gern Gesehene.

Diakon Markus Sellner führt auf den Spuren der Evangelischen durch Bad Reichenhall. Hier im Innenhof der Alten Saline, vor dem Salinenbrunnen mit dem Salzburger Bischof St. Rupert. – Foto: Gerd Spranger

Und es war eine Frau, die den Evangelischen in Oberbayern ein Leben ermöglichte, es war die lutherische Prinzessin Karoline von Baden die dem bayerischen Kurfürst Max IV. Joseph, ab 1806 König Max I., vermählt war und sich im Ehevertrag das Recht auf Ausübung ihres evangelischen Glaubens sichern ließ. „1799 wurde der erste evangelische Gottesdienst in München abgehalten und die Entourage der kurfürstlichen Familie siedelte sich im Großkarolinenfeld an“, erinnert Diakon Markus Sellner. Es dauerte aber noch Jahrzehnte, bis der evangelische Glaube auch nach Bad Reichenhall fand. 1830 zählte man lediglich drei evangelisch Gläubige und 1846 war es elf. „Ein Besuch, eine geistliche Unterstützung aus München war schwer, denn die Reise nach Bad Reichenhall dauerte damals mit der Postkutsche noch drei Tage. Die Eisenbahn fuhr erst ab 1860 in die alte Salinenstadt.“

Gewachsen ist die evangelische Gemeinde in Bad Reichenhall durch den beginnenden Badtourismus und eines aufstrebenden Handels und der Wirtschaft. Positiv wirkte sich ebenso die mit Hilfe von König Ludwig I. in weiten Teilen neu erbaute Stadt aus, die sich „wie ein Phönix aus der Asche nach dem Stadtbrand, gemäß der architektonischen Konzeption des 19. Jahrhunderts, erhob“, schrieb Dr. Herbert Pfisterer in seinem Buch „Bad Reichenhall in seiner bayerischen Geschichte“.

Alte Saline, Beamtenstock
und Altes Rathaus

Zu diesen neu erstandenen Gebäudekomplexen zählte nicht nur die Alte Saline und ihr Ensemble, sondern auch der Beamtenstock und 1849 wurde ebenso das damals neue Schul- und Rathaus (heute Altes Rathaus) fertiggestellt. Auch in diesen Gebäuden lebt ein Stück evangelischer Geschichte in Bad Reichenhall. Im Alten Rathaus und nach dem zweiten Weltkrieg auch im Beamtenstock war eine evangelische Schule untergebracht.

Blick in die Poststraße, in der früher der Stadtbach entlang plätscherte und als offene Kanalisation diente. Diakon Sellner verweist auf die Inschrift am „Alten Brothaus“, das die Leistung zum Bau der Soleleitung nach Traunstein würdigt und die alte Stadt mit ihren Toren und Türmen zeigt.

Es waren aber auch viele Persönlichkeiten, die das Wachsen der evangelischen Gemeinde in Bad Reichenhall prägten und förderten. So war etwa auch der aus Sachsen stammende Zollinspektor Ernst Rinck (1801 – 1877), der das Schlössl Axelmannstein erbte, und es 1846 zur Sole- und die Molkenkuranstalt ausbaute, ein Evangelischer gewesen. Er war ein Förderer der Gemeinde und Mitbegründer des Kurbetriebes in Reichenhall. Ein weiterer prominenter Vertreter und Ehrenbürger von Bad Reichenhall war der Bezirks- und Salinenarzt Freiherr Georg von Liebig (1827 – 1903), der erste evangelische Arzt in Bad Reichenhall, auf den bis heute viele Indikatoren der örtlichen Kurmittel zurück gehen und der Namenspatron des Krankenhauses in Bad Reichenhall ist. Dr. Adolf Schmid (1846 – 1908), ebenfalls Ehrenbürger, war von 1876 bis 1878 erster Vorstand der evangelischen Kirchenverwaltung und gründete eine Kinderheilstätte, die von 1887 bis zum ersten Weltkrieg bestand. Zur Liste der prominenten evangelischen Gemeindemitglieder in jenen Gründerjahren zählte auch die Freifrau Frances Isabella „Fanny“ von Karg-Bebenburg (1847-1899), deren Mann die Karg-Villa im Karlspark 1869/70 bauen ließ. Sie war ab 1873 Leiterin des evangelischen Frauenvereins.

An zu wenigen Gebäuden in Bad Reichenhall finden sich HInweise auf die lange und bewegte Geschichte

Bis hin zu einem eigenen evangelischen Gottesdienst im Betsaal der Alten Saline hatte die kleine evangelische Schar bis 1860 also einen langen Weg hinter sich. 1861 bekam Bad Reichenhall eine erste evangelische Prediger- und Seelsorgestelle zugesprochen und von da an wuchs die Gemeinde, wurde für den aufstrebenden Kurort und seiner Gäste immer wichtiger.

„Es gab in jenen Jahren auch ein jüdisches Restaurant mit eigener Schlachtung und Bestrebungen zur Gründung einer Synagoge. Selbst Gespräche zur Gründung einer orthodoxen Kirche, zumindest aber eines orthodoxen Gottesdienstes, wurden geführt. Im Russischen Hof, dem späteren Hotel Deutsches Haus, dass nach dem Abriss seit Jahrzehnten als Baulücke zwischen Ludwig- und Poststraße brach liegt, verkehrten viele Gäste aus Russland auch aus dem Umfeld der Zarenfamilie und des russischen Adels,“ erinnert Markus Sellner an jene Zeit. Bad Reichenhall zählte bis 1875 noch weniger als 5000 Einwohner.

Seit 140 Jahren eine eigene evangelische Kirche 

Ab 1870 reifte bei den Evangelischen der Wunsch nach einer eigenen Kirche in Bad Reichenhall, obwohl die Kirchengemeinde im Ort kaum 200 Mitglieder zählte, doch von vielen Badegästen, die häufig aus evangelisch geprägten Regionen stammten, gerne besucht wurde. Freifrau Fanny von Karg-Bebenburg rief für den Bau sogar eine eigene Lotterie ins Leben. „Der überwiegend große Teil aber kam von Spenden außerhalb, wenn die kleine Gemeinschaft auch nicht arm war. Es zählten leitende Beamte, Hoteliers, Ärzte und Unternehmer zu den Evangelischen, auch sie kamen meist von auswärts, waren also ‚Zuagroaste’“, erzählt Diakon Sellner.

„Man wies der evangelischen Gemeinde dann ein Grundstück weit außerhalb der Stadtmauern zu, in deren Grenzen sich bis zu dieser Zeit die Stadt erstreckte. Sicher war innerhalb der Stadt kaum ein Platz zu finden, zumal die Katholischen die Evangelischen auch nicht in der Stadt wollten. Der Bauplatz für die Kirche (Grundsteinlegung 14.08. 1877) war abgelegen, zwischen Bahnhof (ab 1860), der Stadt und dem neu angelegten Kurpark (ab 1868). Mit dem Bau des Königlichen Kurhauses 1900 rückte die Kirche dann allerdings in das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens und erlebte eine Blütezeit“, führt Markus Sellner aus.

Diakon Markus Sellner geht ausführlich auf die Geschichte der Evangelischen Kirche in Bad Reichenhall ein, die von 1877 bis 1881 außerhalb der Stadt erbaut wurde.
Diakon Markus Sellner geht ausführlich auf die Geschichte der Evangelischen Kirche in Bad Reichenhall ein, die von 1877 bis 1881 außerhalb der Stadt erbaut wurde.

Der spirituellen Stadtspaziergang ging am Rathaus vorbei weiter durch die Poststraße, die ebenso wie der Rathausplatz als Ensemble in die Bayerische Denkmalliste eingetragen ist. Zentral und historisch sind hier das alte Salzmaierhaus (Polizei) mit dem Denkmal des Salzamtsschreiber, gegenüber der Ägidikirche, das vor 1840 Amtssitz der Salinenverwaltung war. „Historisch aber ist auch der Platz selbst“, erzählt Markus Sellner, “denn hier befand sich der historische Markt und hier verlief ebenso der alte Stadtbach, der der alten Salinenstadt zugleich als offene Kanalisation diente.“

Weitere „evangelische Stationen“ war das heute als Bücherei genutzte Gebäude in der Gabelsbergerstraße, „eine der größten evangelischen Büchereien in Bayern“, merkt Diakon Sellner an und verweist auf das Nebengebäude. „Das große Wohnhaus nebenan, die Villa Hindenburg, zählte ursprünglich auch zum Besitz und beherbergte die Wohnung des Pfarrers.“ Das Pfarrhaus an der Wittelsbacherstraße erwarb die Gemeinde bereits 1866. Sie wurde damit zugleich zur eigenen Pfarrei erhoben.

Der „Bismark-Brunnen“
ist heute stillgelegt

Auf dem Weg zur Kirche legte die Gruppe noch einen Stopp am Bismarck-Brunnen ein, der lange Jahre hinweg der größte Brunnen der Stadt war und heute leider stillgelegt ist. Der preußische Fürst Otto von Bismarck (1850 – 1898) und Reichskanzler war evangelischen Glaubens, mehrfach in Bad Reichenhall zur Kur und ist Ehrenbürger von Bad Reichenhall.

Zentrum der evangelischen Gemeinde ist die Stadtkirche wo der kleine Rundgang endete. Sie wurde 1877 bis 1881 im damals modernen „neugotischen“ Stil erbaut. Architekt war Ludwig Hoffstatt aus München. „Zweimal wurde sie modernisiert“, erläutert Diakon Sellner, „zuletzt 1981, wo auch das große Altarbild entstand. Es symbolisiert den Weg von der Erde über das Kreuz in das himmlische Jerusalem. Es steht als Symbol des Zieles, der Vollendung.“ Ein weiterer „Meilenstein“ war 1994 der Bau des achteckigen Pavillons. Durch den Aufzug und die Anbindung an die Kirche wurde ein behindertengerechter Zugang zur Kirche ermöglicht und ein Gemeinderaum im Umkreis der Kirche geschaffen. Stolz ist man bis heute auf die Orgel in der Kirche mit 36 Register und 2583 Pfeifen. Das große Gemeindehaus in der Adolf-Schmid-Straße wurde 2019 verkauft.

Eine Blütezeit erlebte die evangelische Gemeinde durch die Folgen des zweiten Weltkrieges, als sich von insgesamt 12 Millionen Heimatvertriebenen 6000 in Bad Reichenhall und der Umgebung (Piding) ansiedelten. 2010 zählte die evangelische Gemeinde noch 4567 Mitglieder und heute rund 3.900. „Wir verlieren viele Gemeindemitglieder altersbedingt. Ihre Kinder sind vielfach durch Studium und Beruf nicht mehr im Berchtesgadener Land ansässig“, bedauert Diakon Markus Sellner.

Von Berchtesgaden in den den Bayerischen Wald

Von Lam auf den Osser
Heidelbeeren und Glimmerschiefer

Der tiefe Bayerische Wald. Welche Geheimnisse birgt er?

Unser erster kleiner Urlaub im Bayerischen Wald ist der Corona-Krise und den geschlossenen Grenzen geschuldet. Der führte uns vom äußersten Süden Bayerns, dem Berchtesgadener Land, bis in den Norden des Bayerischen Waldes in die Ökoregion Arrach, Lam und Lohberg. Wir benötigen für die 222 Kilometer über Landstraße ganze 3,5 Stunden. An die Adria, etwa nach Grado, ist die Strecke mit 365 Kilometern zwar deutlich länger, die Fahrt nimmt aber lediglich 45 Minuten mehr Zeit in Anspruch. Warum also in den Norden, in den Bayerischen Wald fahren, zumal die Berge dort 1000 Meter niedriger sind und das Berchtesgadener Land im Alpennationalpark liegt. Wir waren neugierig darauf, was uns hier erwartet. Von den Alpen in den Bayerischen Wald. Ist der Wald wirklich so einsam und tief, wie es uns die Klischees glauben machen wollen?

Der Trigano-Cherokey ohne Vorzelt im Einsatz – Rückseite (l.) und Vorderseite (r.)

Camping in Corona-Zeiten

Spontan entschieden wir uns für die Gemeinde Lam mit knapp 2900 Einwohnern und einem kleinen einfachen Campingplatz mit 30 Stellplätzen als Domizil für unseren autarken Faltcaravan, ein französisches Modell, dessen in Ostdeutschland weitverbreiteter Vorläufer in Campingkreisen bis heute als Klappfix bekannt ist. Mundschutz und eine eingeschränkte Nutzung von Sanitär- und Duschräumen waren in den Pfingstferien immer noch obligatorisch, worauf uns der Betreiber Hubert Falkner bei der Buchung hinwies. Am Platz selbst war davon nichts zu spüren, es war ein reges Kommen und Gehen bei wechselhaftem Wetter. Bei der Anfahrt führte uns „google“ auf den letzten Kilometern über kleine Nebenstraßen nach Bad Kötzting hinein in den Bayerischen Wald, einer unerwartet reizvollen, hügeligen, waldreichen und einsamen Landschaft, die wir so nicht erwartet hatten. Die Gemeinde Lam liegt an den Hängen des Großen und Kleinen Ossers, die bis zum Tal hinab zu dem kleinen Flüsschen „Weißer Regen“ reichen.

Ein malerischer Marktplatz

Viel von Oberbayern hat der Marktplatz in Lam – Fotos: Gerd und Christine Spranger

Im Ort Lam selbst fallen uns viele leerstehende Geschäfte auf. „In direkter Nähe zu unserem Campingplatz hatten wir früher einen Metzger, einen Bäcker und ein Einkaufsmarkt. Der kleine Lebensmittelladen an der Ecke neben der Eisdiele schließt in diesen Wochen auch für immer“, erzählt Hubert Falkner. Idyllisch gelegen, mit Mariensäule, Maibaum und etlichen gut geführten Gaststätten ist hingegen der Marktplatz oben an der Kirche. Hier kommt Urlaubsstimmung auf und in einigen Kilometern Entfernung sind die Osser-Wiesen und der Gipfel des Kleinen Ossers zu sehen, zu denen wir am nächsten Tag aufbrechen.

Vom Sattel auf den Osser

Die Aussicht könnte nicht besser sein. Ein Stückchen Heimat im Bayerischen Wald.

Etwa fünf Kilometer fahren wir zum Wanderparkplatz Sattel auf 933 Höhenmetern gelegen, von wo wir unsere kleine Tour mit etwa drei Stunden Gehzeit starten. Insgesamt sind wir fünf Stunden unterwegs, denn mit knapp 60 Jahren steht nicht die Schnelligkeit, sondern der Genuss der Wanderung im Vordergrund, ob in den Alpen oder im Bayerischen Wald. Zudem lassen uns die Landschaft, die Flora und Fauna, die ganz besonderen Natureindrücke und weite Ausblicke immer wieder innehalten, und am Ende summieren sich über 100 Fotos auf unserem Smartphone mit bleibenden Eindrücken.

Blick von den Osser-Wiesen hinüber zum Großen Arber.

Der Weg führt uns zunächst auf steinigem Boden durch den Fichtenwald, bevor dann immer mehr Blaubeersträucher den Waldboden bedecken, der ab 1000 Höhenmetern immer lichter wird. In dieser Dichte und Vielzahl haben wir die Heidelbeeren noch nie erlebt, die jetzt im Juni nicht blau, sondern noch grün sind. Der Blick ins Tal gibt über viele Kilometer hinweg den Blick auf den Bayerischen Wald frei, der gemeinsam mit dem Böhmerwald, dem tschechischen Nationalpark Šumava, das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas bildet.

Ein wenig ausruhen und die Aussicht genießen

Naturgewalten und weite Landschaften

Nach etwa einer Stunde erreichen wir die „Osserwiese“, eine bis vor 70 Jahren bewirtschaftete Almwiese, deren „offener Charakter“ nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz durch Pflegemaßnahmen erhalten wird. Darüber dürften sich vor allem die Wanderer freuen, denn so bleibt die Aussicht auf das Tal und hinüber bis zum Großen Arber erhalten und damit der naturgewaltige Eindruck von der Weite der Landschaft. Zusätzlich ragen noch steile Glimmerschieferfelsen und Blöcke einige Meter auf, wie wir es in den Alpen nur bei Felsabstürzen kennen. Der Glimmerschiefer aber ist selbst für den Bayerischen Wald eine Besonderheit. Er soll in dieser eindrucksvollen Formation nur auf dem Osser zu finden sein.

Der Große Arber winkt von Ferne

Imposante Steinformationen ragen in Gipfelnähe auf

Die Heidelbeer- und Grasflächen ziehen sich nahezu bis zum Kleinen Osser hinauf, der selbst als markanter Felsen aus dem Wald ragt und nur mit etwas Kletterei zu besteigen ist. Dann ist es geschafft, mit 1266 Metern zählt der Kleine Osser zu den 20 höchsten Gipfeln des Bayerischen Waldes. Mit 1293 Metern ist der „Große Osser“ nur unwesentlich höher und in weiteren 30 Minuten gut zu erreichen. Eindrucksvoll sind beide Erhebungen, ragen sie doch hoch über den Wald heraus und bilden auf ihren letzten Metern große Felsformationen. In etwa 10 Kilometer Luftlinie ist der höchste Gipfel, der große Arber mit 1456 Metern Höhe zu sehen. Er ist mit einer Bergbahn erschlossen und zählt zu den touristischen Hotspots der Region.

Viel Betrieb auf dem Großen Osser

Sehnsuchtsmomente auf dem Kleinen Osser genießen

Aber auch auf dem Großen Osser herrscht am zweiten Pfingstwochenende bei bestem Wetter großes Gedränge. Die Zahl der Gäste auf dem Gipfelrestaurant, dem Osser-Schutzhaus, zählt sicher Hunderte. Der Gastgarten ist eng besetzt, auch wenn man um etwas Abstand bemüht ist. In der Hütte selbst und bei der Essensausgabe gilt die Maskenpflicht. Die Stimmung aber ist an diesem Grenzberg gut und die Küche ist auf den Ansturm bestens vorbereitet. „An schönen Wochenenden ist ein hohe Gästefrequenz ganz normal,“ erzählt Hüttenwirt Georg Hatzinger. Die Zimmer sind bis August geschlossen. „In Corona-Zeiten sind wir damit auf der sicheren Seite. Hoffentlich entspannt sich die Situation bis August wieder und wir können wieder Übernachtung mit Frühstück anbieten“, hofft Hatzinger.

Zum Schluss dann doch noch ein wenig „Kraxelei“ hinauf zum Gipfel des Kleinen Osser

Das Osser-Schutzhaus zählt 32 Betten in Vier- und Acht-Bettzimmern und ein Matratzenlager. Quer über das Gipfelplateau verläuft die deutsch-tschechische Grenze. Das Versprechen mit einer „Aussicht bis zu den Alpen“ scheint dennoch etwas gewagt. Vielleicht bei starkem Föhnwetter und Vollmond, denke ich für mich. Auch hier ragen mächtige Schieferblöcke gleich hoher Schneeverwehungen auf dem Gipfelkamm entlang der Grenze. Wir müssen das einfach noch fotografisch festhalten und übertreten für einige Meter unerlaubter Weise die Grenze, bevor wir uns wieder auf den Rückweg in das Tal, zu unserem Domizil Campingplatz machen. Hier erfahren wir, dass sich unser Vermieter, Hubert Falkner, über Jahrzehnte hinweg im Verein für das Schutzhaus engagiert hat und plaudern vor unserer Abreise noch ein wenig.

Vom Zelt zum Luxus-Wohnmobil

Hubert Falkner ist seit einigen Jahren in Rente und kümmert sich heute ganz um den Campingplatz.

Die Mutter hat in den 60-Jahren das Anwesen als kleinen Zeltplatz mit elf Stellplätzen gegründet. 1984 übernahm dann Hubert die Geschäfte und kümmert sich seit seiner Rente ganztags um die Betreuung der Gäste. „Heute reist jeder zweite Gast mit einem großen Wohnmobil an, und die bleiben meistens nur zwei Tage“, erzählt er und fügt hinzu: „die sehen sich die Landschaft im Durchfahren an.“ Etwas länger am Ort blieben die Gäste mit Wohnwagen. Stark gestiegen seien die Anfragen über Buchungsplattformen. „Da bin ich erst seit zwei Jahren zu finden. Die Nachfrage dadurch ist hoch.“ Vielleicht liegt es an den günstigen Preisen. Denn wo sonst ist eine Übernachtung für 18 Euro inklusive Stellplatz und Personen möglich?

Unser kleines Fazit:

Auch auf dem Großen Osser ist es schön. HIer ist auch die Osser-Schutzhütte geöffnet.

Die Alpen und den Bayerischen Wald kann man nicht wirklich vergleichen, sollte man auch nicht. Jede Region überzeugt für sich und bietet viele Urlaubsmöglichkeiten. Die Alpen freilich erschließen ab 1500 Höhenmeter nochmal die ganz eigene Welt des Hochalpinen und erstrecken sich über fünf Länder. Der Bayerische Wald könnte mit einer besseren Erschließung in Richtung Osten (Tschechien) deutlich an Format gewinnen. Bei unserer kleinen Reise hatten wir den Eindruck, dass der Eiserne Vorhang noch nicht ganz gefallen ist.

Um zur Galerie zu gelangen, klicken Sie einfach auf eines der Fotos. Fotos: Christine & Gerd Spranger

Seit Wochen kein neuer Coronafall im Berchtesgadener Land

Seit drei Wochen gibt es keinen neuen Coronafall mehr im Berchtesgadener Land. Der Katastrophenfall wurde darum nach drei Monaten am 17. Juni vom Landratsamt für beendet erklärt. Wir haben Glück gehabt in unserer schönen Heimat, denn insgesamt kam es nur zu 306 Infektionen und bedauerlicher Weise zu 24 Todesfällen, alle älter als 65 Jahre, bei denen das Virus nachgewiesen wurde. Selbst von den knapp 890 Menschen, die aufgrund von persönlichen Kontakten in eine zweiwöchige Quarantäne gestellt wurden, haben sich nur 64 Personen infiziert. Die befürchtete „Massenansteckung“ ist damit ausgeblieben. Einen kleinen „Schönheitsfehler“ gibt es dabei, denn gerade – mit Stand vom 18.06. um 15.30 – meldet die Behörde nun doch wieder drei neue Infizierte. Damit steigt die Gesamtzahl auf 309 an.

Strahlend blauer Himmel und einsame Landschaften im Berchtesgadener Land. Hier zu sehen die Nonner Wiesen in Bad Reichenhall mit Zwiesel (l.) und Hochstaufen (r.).

Wir alle haben die mit den Zwangsmaßnahmen verbundenen Einschränkungen auf unsere Weise genutzt. Etwa mit langen Spaziergängen oder um „Haus und Garten“ wieder instand zu setzen. Auch genossen wir die Ruhe bei deutlich weniger Autoverkehr und strahlend blauem Himmel. Man hatte durchaus den Eindruck, dass sich die Natur und mit ihr auch wir selbst uns erholt haben.

Jetzt hat uns der Alltag wieder und hoffentlich auch die Rückkehr zur alten Normalität ohne Angst für eine gute Zukunft. Und natürlich steht auch der nächste Urlaub an, ob im schönen Berchtesgadener Land oder am sonnigen Strand.

Während der Corona-Krise waren auch in Bad Reichenhall die Geschäfte und Restaurants geschlossen.

Gibt es noch freie Campingplätze?

Spagat zwischen Beschränkungen
und laufendem Betrieb

Das Campingjahr läuft 2020 nur zögernd an, in Bayern ist das touristische Campen erst wieder seit dem 30. Mai erlaubt, in allen anderen Bundesländern sind die Campingplätze unter Auflagen bereits seit ein bis zwei Wochen geöffnet. Grundvoraussetzung für das Campen ist ein autarker Wohnwagen oder Wohnmobil. Es muss also über eine eigene Sanitäreinrichtung verfügen. Damit sind die Schranken für einfaches Zeltcamping noch geschlossen, sie bleiben noch ein Opfer der Coronakrise. Laut ADAC verdoppelte sich die Anzahl der Buchungen im Mai gegenüber dem sonst stärksten Buchungs-Monat Januar. Wie sieht die Situation im Berchtesgadener Land und im Chiemgau aus. Die Redaktion hat sich umgehört.

„Einfaches Campen“ bietet der Platz Staufeneck zwischen Piding und Bad Reichenhall. Aktuell fehlen noch die Zelte und Durchreisenden, bedauert die Betreiberin.

Der Wohnmobilstellplatz in Bad Reichenhall war auch über das Pfingstwochenende kaum halb belegt. Zwei Wohnmobilisten nächtigten bereits eine Nacht vor Eröffnung in Bad Reichenhall, um sich gleich am Samstag einen Platz zu sichern. Ihre Sorge war unbegründet, der Ansturm blieb aus. Sicher ist die Nähe zur Rupertustherme für viele Gäste ein Entscheidungsgrund für ihren Urlaub, doch die bleibt die nächsten Wochen noch geschlossen. Bei vielen Menschen ist Vorsicht und eine gewisse Unsicherheit in der abflauenden Corona-Pandemie spürbar. Auch Anton Lenz vom Campingplatz Grafenlehen hätte sich mehr Ansturm erwartet. „Die Medien haben von einem richtigen Hype gesprochen, und entsprechend groß war unsere Erwartung. Wir haben aber noch viele Plätze frei, wenn auch die Buchungsanfragen sehr hoch sind.“

Alle Plätze informieren auf ihren Webseiten zu den Einschränkungen, etwa der Maskenpflicht oder die eingeschränkte Nutzung von Sanitäranlagen bis hin zur gänzlichen Schließung von öffentlichen Duschen und Toiletten. Manche von ihnen, wie etwa der Campingplatz Ortnerhof in Ruhpolding, belegt den Platz nur bis 50 Prozent und gibt einen Mindestaufenthalt von fünf Tagen in Zeiten des Coronavirus vor, informiert die Familie Bichler. Dabei sind von den 180 Parzellen ein Drittel mit Dauercampern belegt.

Vom einfachen Camping hin zum Glamping

Etwas versteckt liegt der Campingplatz Staufeneck, an der Gemeindegrenze zwischen Piding und Bad Reichenhall. 98 Stellplätze zählt er, davon sind 20 mit Dauercampern belegt. „Wir haben viele Zeltcampern und nicht wenige machen nur für einen Tag Station auf den Weg in den Süden“, erzählt Melanie Schön. Von einem Run auf die Plätze merkt sie nichts, im Gegenteil. „Die Einschränkungen für die Zelte als auch die geschlossenen Grenzen treffen uns sehr, wir sind nicht einmal zur Hälfte belegt.“

Eindrucksvoll mit naturgewaltigem Panorama wirbt der Campingplatz Allweglehen auf seiner Webseite. Der Trend geht hin zum „Glamping“, der Luxusvariante des Campens.

Das Gegenteil vom einfachen Campen bietet etwa der 5-Sterne-Platz in Waging am See. Er ist zu 80 Prozent ausgebucht und am letzten Pfingstwochenende sind nur noch Restplätze zu haben. „Unsere sanitären Einrichtung sind zur Gänze geöffnet, informiert der Betreiber Nikolaus Jebinger. „Duschen in größeren Gruppen geht natürlich nicht, doch wir haben abgetrennte und gut belüftete Zellen, so dass beste Hygienevoraussetzungen gegeben sind.“ Mit 650 Parzellen zählt der Platz zu den größten in Bayern. „Vielleicht liegt die hohe Nachfrage an der direkten Nähe zum Waginger See“, spekuliert Jebinger. „Das Freibad öffnet aber erst am 8. Juni wieder.“

Investitionen rechnen sich

Auch in Berchtesgaden gibt es ein Camping-Delux beim Allweglehen. Den Gästen können ein umfassendes Outdoorprogramm nutzen, sowie Wellnessangebote und über das normale Camping hinaus ein luxuriöses Glamping. Dafür stehen kleine Ferienhäuser wie Chalets, Woodlodges, großräumige Campingfässer und seit 2020 kleine Almkaser bereit. Allesamt sind sie mit Terrasse und bester Aussicht versehen. Damit bleibt das gesamte Camping-Equipment zuhause, denn die Gäste reisen einfach an, finden vor Ort alles in bester Ausstattung und im Resort eine komplexe Infrastruktur für den Urlaub. Investitionen, die sich bezahlt machen, denn der Platz ist über die gesamten Pfingsferien hinweg so gut wie ausgebucht. Camping-Delux beim Allweglehen erstreckt sich über acht Hektar, weist 167 parzellierte Plätze aus, 25 freie Zeltplätze, 28 separate Wohnmobilstellplätze und 15 Mietunterkünfte mit 58 Betten. Im Jahr bringt es der Platz auf 100.000 Übernachtungen. „Wir sind bis September ausgebucht“, freut sich der Betreiber und Inhaber Thomas Fendt. „Der Anteil von ’normalen Campern‘ zur Deluxvariante liegt derzeit bei etwa 50 Prozent mit steigender Tendenz.“ Der Wellness-Sauna-Bereich und der Pool öffnen am achten Juni wieder. Zielgruppe sind für Fendt die jungen aktiven Menschen. In der Urlaubszeit Familien und in der Vor- und Nachsaison die Rentner.

Seit 40 Jahren immer im Berchtesgadener Land

Gute Lage, direkt am Saalach-Radweg und der Therme ist es nicht weit in die Innenstadt von Bad Reichenhall.
Der Wohnmobil-Stellplatz in Bad Reichenhall liegt direkt am Saalach-Radweg und zur Rupertus-Therme und in die Innenstadt ist es nicht weit. Georg und Regina vor ihrem Oldtimer-Wohnmobil.

Bei unserer Rundreise zu den Campingplätzen haben wir das Ehepaar Georg und Regina getroffen. Sie sind klassische Camper und reisen seit 25 Jahren mit ihrem Wohnmobil durch ganz Europa. Jedes Jahr aber stehen bei ihnen einige Tage in Bad Reichenhall auf dem Programm, seit 10 Jahren ist es der Wohnmobilstellplatz an der Rupertustherme. Früher reisten sie mit der ganzen Familie an und die längst erwachsene Tochter verbrachte ihren ersten Urlaub mit ihrem Lebenspartner ebenfalls in der Alpenstadt. Die Region zwischen Berchtesgaden, Salzburg und Chiemsee ist ihnen vertraut, zur zweiten Heimat geworden. „Zum ersten Mal bin ich als junger Mann mit 17 Jahren zu einer Atemwegs-Kur in Bad Reichenhall gewesen. Das ist 45 Jahre her, erinnert sich Georg, der heute in Frührente ist und seit 40 Jahren mit Regina verheiratet. „Wir haben es zuhause in Wackersdorf, 43 Kilometer nördlich von Regensburg, auch sehr schön. Doch der Reiz der Berge und der alpine Charme der Landschaft lassen uns nicht los.“ Gut gefällt ihnen die Lage des Stellplatzes direkt an der Saalach und die Innenstadt von Bad Reichenhall mit der großen Fußgängerzone und den vielen Parks.

Der Trend hin zum Camping hält seit Jahren an und dürfte durch die aktuelle Coronakrise noch verstärkt werden. 2019 zählte diese Urlaubsform knapp 36 Millionen Übernachtungen. Das waren 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Knapp 87 Prozent der Camper kamen aus Deutschland, so der ADAC.

Sind weitere Kraftwerke eine Gefahr für die Saalach?

Bund Naturschutz Bayern e.V.
lehnt Eingriffe entschieden ab

In zahlreichen Leserbriefen, Bürgerversammlungen und Stellungnahmen gegenüber den Behörden hat sich bereits ein großer Protest gegen zwei neu geplante Kraftwerke in der Saalach formiert. Es sind dies das Kleinkraftwerk in direkter Nähe zum Nonner Steg in Bad Reichenhall mit einer veranschlagten Leistung von 1080 Kilowatt (kW) und ein Ausleitungskraftwerk mit einem geplanten Stollen von 6,3 Kilometern Länge zwischen den Gemeinden Unken und Schneizlreuth mit einer veranschlagten Leistung von 9,8 Megawatt. Auch im südlichen Landkreis, in der Ramsau (Zauberwald und Felsentor) sowie in der Bischofswiesener Ache (Tristram Schlucht) sind weitere Kleinkraftwerke geplant.

Der Bunde Naturschutz beim Ortstermin „Nonner Rampe“ auf dem Nonner Steg. Von links: Elias Pfeiffer vom BN, Dr. Volker Diersche, Paul Grafwallner, BN-Berchtesgaden, Martin Geilhufer, BN-Landesbeauftragter, Rita Poser, BN Kreisvorsitzende BGL, Ute Billmeier, BN-Ortsvorsitzende und Erich Brechtl, Sprecher der Saalach-Allianz.
Der Bunde Naturschutz beim Ortstermin „Nonner Rampe“ auf dem Nonner Steg. Von links: Elias Pfeiffer vom BN, Dr. Volker Diersche, Paul Grafwallner, BN-Berchtesgaden, Martin Geilhufer, BN-Landesbeauftragter, Rita Poser, BN Kreisvorsitzende BGL, Ute Billmeier, BN-Ortsvorsitzende und Erich Brechtl, Sprecher der Saalach-Allianz. – Fotos: Gerd Spranger

Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) hat sich jetzt klar dagegen positioniert. Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN proklamiert, „dass weder für die Stromerzeugung, noch für die Erreichung der Klimaschutzziele von Paris ein weiterer Ausbau der Wasserkraft notwendig ist.“ Man könne nur mit einer drastischen Verringerung des Strom- und Energieverbrauchs einer Klimakatastrophe entgegenwirken, nicht aber „durch die Zerstörung der letzten Fließgewässer und Wildflusslandschaften in Bayern.“

Der Ingenieur Wolfram Kagerer (l.) und der Jurist Horst Radinger machen sich als Bürger der Gemeinde Schneizlreuth große Sorgen um den Wildwasserfluss Saalach und sehen Gefahren durch das geplante Ausleitungskraftwerk Unken-Schneizlreuth.
Der Ingenieur Wolfram Kagerer (l.) und der Jurist Horst Radinger machen sich als Bürger der Gemeinde Schneizlreuth große Sorgen um den Wildwasserfluss Saalach und sehen Gefahren durch das geplante Ausleitungskraftwerk Unken-Schneizlreuth.

Bei einem Ortstermin mit Vertretern des BN vom Ortsverein über die Kreis- bis hin zur Landesebene und weiteren Initiativen wie die Saalach-Allianz, der Wildwasserverband Salzburg, der Kanuverbandes und die Saalachfischer wurden weitere Nachteile der Kleinkraftanlagen für die naturnahen Flüsse deutlich. Generell setzt das Bundesamt für Naturschutz bereits 2014 enge Grenzen. „Bestehende frei fießende Gewässerstrecken sind von einer Nutzung durch Wasserkraft auszuschließen“, heißt es. Auch sei der Neubau kleiner Wasserkraftanlagen mit einer Leistung unter einem Megawatt nicht weiter zu verfolgen.

Und genau dies kritisiert Prof. Dr. Ernst Billmeier am Standort Nonner Rampe. „Die Menge der Wasserführung ist viel zu hoch angesetzt und die erreichbare Fallhöhe zu hoch bewertet.“ Das Kleinkraftwerk werde darum nicht 1080 kW produzieren, sondern im Bestfall 650 kW Leistung erbringen. Er begründet dies mit einem verringerten Wasserangebot der Saalach. Es habe sich seit 2007 um bis zu 20 Prozent verringert. „Die Ausbeute liegt damit weit unter der eines einzigen Windrades mittlerer Ausbaugröße“, argumentiert er.

Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN, sieht das Potential für den Klimaschutz nicht bei Kleinkraftanlagen in den letzten freien Wildflüssen, sondern bevorzugt Windkraft. Im Bild der Geologe Dr. Volker Diersche und Rita Poser, BN Kreisvorsitzende BGL.
Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN, sieht das Potential für den Klimaschutz nicht bei Kleinkraftanlagen in den letzten freien Wildflüssen, sondern bevorzugt Windkraft. Im Bild der Geologe Dr. Volker Diersche und Rita Poser, BN Kreisvorsitzende BGL.

Allein schon den Bau des Kleinkraftwerks Nonner Rampe beurteilt der Bund Naturschutz als eine Katastrophe für Natur und Umwelt. „500 Bäume, teilweise 100 Jahre alt und älter, müssen gefällt werden. Es entstehen über das Wasserkraftwerk mit einer Breite von 12 Metern hinaus noch ein Werksgebäude, eine Zufahrtstraße zur Bundesstraße hin und ein Parkplatz, mitten im Landschaftsschutzgebiet.“ Die von vielen Bürgern gern genutzte Sandbank am Nonner Steg verschwinde ganz und die Rampe soll um 80 Zentimeter angehoben werden. Das aber habe wiederum langfristige und negative Auswirkungen auf den Fluss. „Eine weitere Verflachung durch das Geschiebe der Saalach ist die Folge und die Gefahr einer Überflutung der Keller bei Hochwasser nimmt zu. Im weiteren Verlauf der Saalach erhöht sich das Risiko, dass er sich tiefer in sein Bett eingräbt“, führt Billmeier aus. Weniger Fließgeschwindigkeit verursache zudem einen weiteren Temperaturanstieg des Wassers und bedrohe den Fischbestand.

Zum Gruppenfoto vor der Hochwasser führenden Saalach: Die Vertreter des Bund Naturschutz, Aktive der Saalach-Allianz und betroffene Bürger der Gemeinde Schneizlreuth. Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN hält das Transparent mit Logo und dem Slogan „In Bayern aktiv für Mensch und Natur“.
Zum Gruppenfoto vor der Hochwasser führenden Saalach: Die Vertreter des Bund Naturschutz, Aktive der Saalach-Allianz und betroffene Bürger der Gemeinde Schneizlreuth. Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN hält das Transparent mit Logo und dem Slogan „In Bayern aktiv für Mensch und Natur“.

In der Pressemitteilung des Bundesamt für Naturschutz heißt es dazu: „Es sind die Verknüpfung zwischen Aue- und Fließgewässer, die Geschwemmsel- und Geschiebeweitergabe sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur und Gewässerdynamik als wichtige ökologische Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerökologie durchzuführen.“ Dazu ergänzt Erich Prechtl , Sprecher der Saalach-Allianz: „von der Talsperre Saalachsee werden jährlich 50.000 Kubikmeter Geschiebe wieder in den alten Flusslauf eingebracht. Mit einer Anhebung der Nonner Rampe aber wird dieser Prozess wieder behindert.“

Vorsitzende des BN-Ortsverbandes Bad Reichenhall, Ute Billmeier, bekräfrigte darüber hinaus die zentrale Lage zwischen Nonner Auen und Innenstadt. „Fußläufig und barrierefrei 15 Minuten in die Innenstadt und wenige Meter in die Auen bietet sich gerade hier auf dem Nonner Steg ein besonderer Platz mit herrlichem Blick auf den Fluss, die Pankrazkirche, Müllnerhorn und Hochstaufen. An diesem Kraftort ist kein Platz für ein Kraftwerk. Das leise Rauschen des sich über die Nonner Rampe ergießenden Wassers ist beruhigend und im Sommer wird der Uferbereich mit der Sandbank als beliebtes Bade- und Freizeitgelände genutzt.“ Bis zum 15. November bestehe beim Landratsamt noch die Möglichkeit Einwände gegen das Kleinkraftwerk Nonner Rampe geltend zu machen. Der Bund Naturschutz hat auf 18 kleingedruckten Seiten bereits seine Einwände eingereicht. 17 Einwände allein zum Punkt „Fehlende Antragsunterlagen und damit nur teilweise Prüffähigkeit“ und zum Punkt „Zerstörung und Vernichtung beträchtlicher ökologischer Lebensräume anstatt deren behaupteten vorhabensbezogenen Förderung“ ganze 15 Einwände.

In 30 Jahren entstand Bayerns größtes Lawinenprojekt an der Weißwand

400.000 Bäume gepflanzt
20,7 Millionen Euro investiert
Lawinenschutz ist Lebensschutz

Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat nach 30 Jahren die Baumaßnahme Weißwand abgeschlossen. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber spricht von Bayerns größten Lawinen-Verbauungsprojekt und stellt klar: „Lawinenschutz ist Lebensschutz“. Die lange Zeitspanne, die mit 20 Millionen Euro hohen Kosten und der Umfang von rund 430 Hektar, oberhalb der vier Kilometer langen Strecke der B305 zwischen Schneizlreuth/ Unterjettenberg und der Ramsau, machen diese Sicherungsmaßnahmen einzigartig und zu einem Erfolgsprojekt. „Die Lawinennetze helfen dem Bergwald und schützen die Bundesstraße“, betont der Minister und ist sichtlich beeindruckt von der Bauleistung im steilen Gelände. „Das ist höchst anspruchsvolle Arbeit und ‚Hand-Werk‘ im besten Sinne“, für die das Wasserwirtschaftsamt Traunstein verantwortlich zeichnet. Dabei kooperierten Wasserwirtschaftsamt, Straßenbauamt, Bayerische Staatsforsten und die Forstverwaltung eng zusammen.

Hoch über der Alpenstraße ragt die Weißwand auf und fällt steil ab.

Fährt man die Straße hoch zum Wachterl, so fallen neben der Straße die hohen Netze der Verbauung auf. Doch der ganz große Teil weit oberhalb der Straße ist für den Autofahrer unsichtbar. Verbaut wurden zwölf ‚Lawinenstriche‘, also jene Gräben, die sich durch die zahlreichen Abgänge in den 60er- und 70-Jahren in den Boden gefräst haben und vermehrt zu Steinschlägen führten. Dabei sind 1120 Lawinennetze, 7200 Gleitschneezäune und fast 1800 Meter Steinschlagschutzzäune in den Boden verankert.

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Hoch über der Alpenstraße ragt die Weißwand auf und fällt steil ab.

Von links: Baudirektor Christian Rehm vom Straßenbauamt Traunstein, Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten, Forstdirektor Marius Benner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Umweltminister Thorsten Glauber, Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein und Alexander Krüg vom Landwirtschaftsamt Rosenheim. In dichter Bebauung verhindern die flexiblen Lawinennetze schon in großer Höhe das Abrutschen des Schnees und damit die Lawinenbildung.
Von links: Baudirektor Christian Rehm vom Straßenbauamt Traunstein, Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten, Forstdirektor Marius Benner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Umweltminister Thorsten Glauber, Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein und Alexander Krüg vom Landwirtschaftsamt Rosenheim. In dichter Bebauung verhindern die flexiblen Lawinennetze schon in großer Höhe das Abrutschen des Schnees und damit die Lawinenbildung.

„Der Freistaat Bayern investierte für das Gesamtprojekt seit Baubeginn 20,6 Millionen Euro. Gegenüber dem damaligen Ansatz von 55 Millionen DM, also nach heutiger Rechnung über 28 Millionen Euro, konnten wir 7,4 Millionen Euro einsparen“, freut sich Walter Rath, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein. Damals habe man auch überlegt die Straße mit einer Galerie, also einer Überdachung, zu schützen. „Die Kosten aber wären doppelt so hoch gewesen“, erinnert sich Walter Rath, „und der Wald wäre dabei nicht saniert worden.“

Geht man heute in den Bergwald an der Weißwand, fällt ein junger Wald mit vielen unterschiedlichen Nadel- und Laubbäumen auf. Dies wurde vor allem als Gemeinschaftsprojekt der Bayerischen Staatsforsten und der Bayerischen Forstverwaltung erreicht. Rund 400.000 Bäume wurden seit 1986 auf einer Fläche von 120 Hektar gesetzt. Bei den Nadelbäumen vor allem Fichte, Tanne, Läche und Kiefer und bei den Laubbäumen dominieren Buche und Bergahorn. Die Kosten der Bepflanzung werden mit 1,1 Millionen beziffert.

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Ein Zeichen der Hoffnung sind die jungen Bäume, die langsam in den Lawinenrinnen heranwachsen.

Walter Rath, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein, erklärt Umweltminister Thorsten Glauber das enge Zusammenspiel von Lawinennetzen, Gleitschnee- und Steinschlagschutz-Zäune hoch über der B305 hinauf zum 'Wachterl' und ihre feste Verankerung mit starken Stahlseilen.
Walter Rath, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein, erklärt Umweltminister Thorsten Glauber das enge Zusammenspiel von Lawinennetzen, Gleitschnee- und Steinschlagschutz-Zäune hoch über der B305 hinauf zum ‚Wachterl‘ und ihre feste Verankerung mit starken Stahlseilen.

„Dabei war es in den 80-Jahren noch umstritten, ob eine Bepflanzung überhaupt erfolgreich sein kann. Man wollte die Ursachen der Schädigung durch einen viel zu hohen Wildbestand nicht wahrhaben. Der saure Regen sei Schuld, dass nichts nachwachse, wurde argumentiert,“ erklärt Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten. „Es ist der Verdienst des ehemaligen Forstamtsleiters von Bad Reichenhall, Dr. Georg Meister, der sich gegen alle Widerstände durchsetzte. Das Ergebnis sehen wir heute, 30 Jahre später, als ein außerordentliches Erfolgsprojekt der Natur, die sich mit Unterstützung wieder prächtig erholt.“ Besonders freut sich Dr. Daniel Müller über die vielen kleinen Bäume in den ‚Lawinenstrichen‘ so dass sich der Wald auch dort wieder bilden wird. „In weiteren 30 Jahren ersetzt er dann die Funktion der heutigen Lawinenverbauung“, erklärt der Forstbetriebsleiter. „Der Wald bildet Humus, ist Wasserspeicher, Luftfilter und gibt unzähligen Tieren und Kleinstlebewesen ihren Lebensraum. Ganz nebenbei ist ein gesunder Wald auch für Bergstraßen, wie hier für die B 305, der beste Schutz.“

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber freut sich über den neuen Schutz vor Lawinen und Steinschlag sowie über die Gemeinschaftsleistung von Wasserwirtschaftsamt, Forstamt und Straßenbau.
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber freut sich über den neuen Schutz vor Lawinen und Steinschlag sowie über die Gemeinschaftsleistung von Wasserwirtschaftsamt, Forstamt und Straßenbau. – Fotos: Gerd Spranger

Für das Staatliche Bauamt Traunstein, das ein ein Netz von 364 Kilometer Bundesstraßen, 369 Kilometer Staatsstraßen, 88 Kilometer Kreisstraßen des Landkreises Berchtesgadener Land betreut, geht es immer mehr um die Sicherung der Straßen, vor allem in der Bergregion. „Jährlich ist der Etat dafür auf bis zu acht Millionen Euro angewachsen. Wir sind in der Pflicht für Sicherheit zu sorgen und das wird bei den vielen Baustellen auf wenigen Kilometern deutlich. Ob die Strecke von Jettenberg nach Bad Reichenhall, von Schneizlreuth nach Melleck oder in Richtung Weißbach, oder auf unserer großen Baustelle bei Hallthurm am Eisenrichter-Berg– wir müssen umfangreiche Verbauungen durchführen und bis 2030 stehen noch einige große Projekte an“, informiert Baudirektor Christian Rehm. Auch für ihn ist das hier in den letzten 30 Jahren Geleistete außergewöhnlich und macht Mut für die Zukunft.

 

Schafft es die Jennerbahn in die Gewinnzone?

Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG, Franz Moderegger (l.) und Aufsichtsrats-Vorsitzender Peter Hettegger präsentierten den Aktionären die aktuellen Geschäftszahlen.

(gsp) In den „neuen Jenner“ wurden 56,7 Millionen Euro investiert und ab Juni 2019 ist der volle Betrieb bis zur Bergstation wieder möglich. Schafft es die Jennerbahn kurzfristig  in die Gewinnzone? Ein erster Vergleich lässt hoffen.  Vergleicht man die aktuellen Zahlen der Jennerbahn mit jenen ‚der alten Bahn‘ aus der Saison 2015/2016, so ist der positive Trend klar zu sehen. Damals nutzten von Juni bis August 90.000 Gäste die Bahn. Heute zählt man in diesen drei Monaten 125.000 Fahrgäste.

Zielmarke von 220.000 Besuchern

Insgesamt registrierte die neue Jennerbahn seit November 2018 bereits 189.000 Fahrgäste. Damit stehen die Chancen gut, in den verbleibenden zwei Monaten des Geschäftsjahres die Besucherzahl von 220.000 Gästen aus dem Jahr 2015/16 zu übertreffen, hoffte man auf der Hauptversammlung der Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) am ersten September-Wochenende.

Bis zu 3000 Gäste täglich

Dieses Ergebnis wird von den Gesellschaftern als ein außerordentlicher Erfolg gewertet, zumal bereits das Winterhalbjahr bis April 2019 die Erwartungen um 39 Prozent übertraf und der Betrieb nur bis zur Mittelstation offen war. Darum lagen die Umsatzzahlen im Vergleich niedriger. „Die aus dem Wintergeschäft und dem anfänglich nur eingeschränkten Sommerbetrieb noch übertragenen Umsatzrückstände werden aber sukzessive ausgeglichen“, freut sich Franz Moderegger, Vorstand der Jennerbahn. Er ist zuversichtlich, dass „die Planzahlen deutlich überschritten werden.“ Ebenso zeigt sich der Vorstand zufrieden mit den Ergebnissen aus dem gastronomischen Geschäft, das von der Jenneralm GmbH getragen wird. Ein weiterer Indiz für den guten Geschäftsverlauf ist das Ergebnis vom 04. September. Erstmals erreichte die Bahn an diesem Tag 3000 Gäste ‚im normalen Fahrbetrieb‘.

Ein neuer Tagungsraum

Verschwunden ist mittlerweile der große Kran, der über ein Jahr lang weithin sichtbar über den Rohbau der Bergstation aufragte. Die Hochbauarbeiten sind abgeschlossen und in den nächsten Wochen wird intensiv an den Außenanlagen und den Vorbereitungen zur Pistenanbindung gearbeitet. Mit der Hauptversammlung der BBAG wurde ebenso der große helle Tagungsraum eingeweiht, auch wenn die Technik und der letzte Schliff noch fehlte. Tagungen, Seminare und selbst Hochzeiten auf dem Jenner werden das Geschäft weiter voran bringen. Die Jenneralm GmbH hat sich bereits jetzt zu einer tragenden Säule des Gesamtunternehmens BBAG entwickelt.

Richard Wagner folgt
auf Wilfried Deubler

Zur Trennung vom langjährigen technischen Betriebsleiter Wilfried Deubler wollte man kein Statement abgeben. „Man hat sich einvernehmlich getrennt und werde auch künftig verbunden bleiben“, erklärte Franz Moderegger knapp. Als Nachfolger soll Richard Wagner eingesetzt werden, der bis zu seiner Ernennung vorläufig die Geschäfte des Betriebsleiters übernimmt.

Schon bei der Eröffnung der Bergstation der Jennerbahn im Juni ist das auf die Terrasse ‚aufgesetzte‘ Gebäude mit großem Veranstaltungssaal gut zu sehen. Im Hintergrund der Schneibstein (2.176 m). Die Schneereste sind im August längst verschwunden. Fotos: Gerd Spranger

 

Bergsteigerdorf Ramsau im Kampf gegen wildes Parken

(gsp) Für so manchen Bergsteiger ist es bis heute ein Ärgernis, wenn er für seine Tour zur Blaueishütte am Parkplatz sieben Euro für ein Tagesticket zahlen muss. Mit Gästekarte kostet das Parken nur die Hälfte. Das gilt auch für die zwei großen Parkplätze am Nationalparkhaus, wo die Straße nach Hirschbichl führt und der Almbus die Besucher bequem zum Zielort bringt, wem die ganze Strecke zu weit zu laufen ist. Das Busticket kostet 10 Euro, für die Gästekarte gibt es keine Ermäßigung.

Die Tarife sind einheitlich und gelten für alle fünf Parkplätze am Hintersee, ausgenommen man ergattert einen der begehrten Plätze am Straßenrand und ‚parkt wild‘. Dem soll bald ein Ende bereitet werden, wie Bürgermeister Herbert Gschoßmann jetzt die Bürger auf einem eigenen Infoabend im Rathaus informierte. Er warb aber auch für einen sensiblen Umgang: „Wildparker am Hintersee sind für die Einen ein Dorn im Auge, dort ansässige Gastronomen aber werden das womöglich anders sehen.“ Auf alle Fälle aber müsse man Sicherheitsaspekte, etwa wenn sich Autos, Busfahrer, Fußgänger und Radfahrer begegnen, höher werten als ästhetische Aspekte.

Ziel der Gemeinde Ramsau ist es, die Gültigkeit der Parkgebührenordnung ab 2020 auf 24 Stunden auszudehnen und nicht bis 19 Uhr zu begrenzen. Im Blick sind vor allem Wohnmobile, die sich verstärkt erst ab 19.00 Uhr auf die Parkplätze stellen würden und damit gratis parken. „Womöglich lassen sie auch noch ihren Müll zur Entsorgung für uns stehen“, merkt Gschoßmann kritisch an. Wohnmobile sollen dann 10 Euro für ein Tagesticket bezahlen, „denn eigentlich gehören sie ja auf einen Campingplatz“, bringt der Bürgermeister seine ganz eigene Ansicht von der Freiheit des Reisens zum Ausdruck. Einen eigenen Wohnmobil-Stellplatz sucht man in der Gemeinde Ramsau hingegen vergebens. Und der Campingplatz liegt weit oberhalb der Gemeinde am Taubensee. Er ist weder zentrumsnah, noch in der Nähe des Hintersees.

Aktuell nutzen die Wohnmobil-Übernachter eine Grauzone, denn eigentlich sei der Übernachten auf den Parkplätzen nicht erlaubt, äußerte sich ein Vertreter der regionalen Verkehrsüberwachung. „Campieren als solches geht so und so nicht“, ergänzt er. Auch sei noch ungewiss, ob die aktuelle Software bei den Automaten einen Extratarif für Wohmobile ermögliche. Der Vertreter der Verkehrsüberwachung hat kein Verständnis für allzu wildes Parken. „Wer extra an den Hintersee fährt, um ein besonders schönes Stück Natur zu genießen, der sollte auch sensibel im Umgang mit derselben sein.“

Ebenso soll am Hochschwarzeck bald ‚Schluss sein‘ mit dem Gratis-Parken. „Das kann aber noch zwei Jahre dauern“, schränkt Gschoßmann ein. Es sind noch Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern und Gespräche mit allen Beteiligten zu führen. Ein weiterer Brennpunkt des wilden Parkens sei der Parkplatz an der B305, wo der Weg zur Mordaualm hinauf führt. Die Gemeinde will sich darum in den nächsten Monaten kümmern.

Der Königssee ist einfach anders

Fjordartig schlängelt der See sich zwischen den steil abfallenden Felsen hindurch – Fotos: Gerd Spranger

Marcus Weisbecker ist seit dem Jahr 2000 Prokurist der Bayerischen Seenschifffahrt die auf dem Tegernsee, Starnberger See, Ammersee und vor allem auf dem Königssee Fahrgastschifffahrt betreibt. Der Königssee ist für den gebürtigen Bad Reichenhaller aber in mehrfacher Hinsicht ein ganz besonderer See. Eingebettet zwischen Watzmann, Hagengebirge und Steinernem Meer und mit einer Tiefe von bis zu 200 Metern verleiht er dem Nationalpark Berchtesgaden eine einzigartige Prägung. Es führt keine Straße oder Bahn nach St. Bartholomä oder weiter zum Obersee. Die Welt scheint hier ihr Ende gefunden zu haben.

Seit 110 Jahren fahren Elektroboote

Prokurist Marcus Weisbecker vor dem Ensamble der Bootshäuser

Die sanfte Technik eines Elektroantriebes für die Boote, wie sie seit 110 Jahren über den See fahren, trägt dieser besonders naturnahen Beziehung Rechnung. Gemächlich und ruhig befahren die 19 Schiffe den Königssee mit einer Kapazität von jeweils nur 80 Personen. Das setzt Grenzen und von Juli bis September spüren die Besucher das an längeren Wartezeiten, selbst wenn die Schiffe im 6-Minuten-Takt ablegen. Für den Erhalt von Natur und der Idylle des Alpennationalparks bleibt es aber die bessere Perspektive und es gibt keine Alternative dazu, wie Marcus Weisbecker ausführt.

„Der Nationalpark setzt Grenzen“

Jährlich bis zu 700.000 Menschen überqueren den See mit den Elektrobooten.

„Das Ensemble unserer Bootshäuser steht unter Denkmalschutz und wir könnten dort weder mehr, noch größere Schiffe unterbringen. Aber selbst wenn es ginge, etwa durch den Einsatz großer und schnellerer Schiffe mit Dieselantrieb, setzt der Nationalpark hier klare Grenzen und das ist auch gut so. Wir würden dieses Naturjuwel damit zerstören. Die zeitlose Majestät der Bergwelt mahnt uns zu einer gesunden Bescheidenheit. Entschleunigung ist das moderne Attribut dafür – Zeit haben und sich Zeit nehmen.“ Die Schiffe werden zudem komplett in der eigenen Bootswerft am Königssee gefertigt und dort auch gewartet. Die Bayerische Seenschifffahrt am Königssee ist je nach Saison für 70 bis 100 Menschen ein verlässlicher Arbeitgeber.

„Der See ist für alle da“

Sehnsuchtsort St. Bartholomä mit der Watzmann-Ostwand. Nur selten bleibt es ruhig während der Sommermonate.

„Einmal hatten wir den Versuch gestartet ab 14.00 Uhr keine Tickets mehr auszugeben. Sie glauben nicht was da los war, die Leute sind ja fast handgreiflich geworden. Ein Besucher beteuerte, dass er nach einer dreistündigen Anreise aus München es einfach nicht glauben kann, dass es jetzt keine Überfahrt mehr gibt.“ Natürlich könne man auch über den Preis die Zahl der Besucher reduzieren und die Fahrten deutlich teurer machen. „Das wollen wir aber nicht. Es würde die Falschen, nämlich Familien mit Kindern, treffen. Und der See ist für alle da, nicht nur für jene, die sich mehr leisten können.“

Zu lange beim Frühstück,
zu spät am See

Ein neues Schiff, etwas länger und etwas größer, wartet auf seine Fertigstellung. Bis zu 120 Gäste kann es aufnehmen.

Eine andere Ursache für die Rush-Hours sieht der Prokurist in den heute üblichen großen Frühstücksbuffets der Hotels. „Heute buchen viele Halbpension, stehen etwas später auf, frühstücken reichlich und landen dann gegen elf Uhr bei uns an. Dann wird es natürlich eng am Schalter und ebenso bei der Rückfahrt, wenn zwischen 16 und 17 Uhr alle gleichzeitig fahren wollen. Es ist auch die Zeit in der viele Bergsteiger zusteigen. Auch können an den Stegen in St. Bartholomä und am Salet nur zwei Boote gleichzeitig festmachen. Die Grenzen des Machbaren sind eng gesetzt.“

Viele Besucher
unterschätzen den Zeitfaktor

Die Werft der Königsseeschifffahrt ist komplett unabhängig und alle Arbeiten werden selbst ausgeführt.

Man könnte für die Rückfahrt gleich die Zeit mit buchen und so die Zahl der Fahrgäste steuern. Das funktioniert einigermaßen beim Kehlsteinhaus, nicht aber am Königssee, ist sich Weisbecker sicher. „Selbst jene, die den See und sein Umfeld kennen, haben damit ihr Problem. Was ist, wenn der Besucher sich beim Besuch der Eiskapelle in der Zeit verschätzt oder spontan vom Salet aus noch an den Obersee gehen möchte? Da sind ein, zwei Stunden gleich zusammen. Wie aber soll ein Ortsfremder das überblicken können?“ Der Königssee ist nämlich auch Ausgangspunkt für Wanderungen und einiger großer Bergtouren, die bis weit in den Alpennationalpark Berchtesgaden reichen.

Entschleunigen am Königssee

„Nichts geht mehr“, Endstation. Hinter dem Obersee geht es nur noch für geübte Bergsteiger weiter.

Organisatorisch schafft selbst die wechselnde Zahl an Bergsteigern mit zwei zusätzlichen Haltestellen Umstände, die nicht zu kalkulieren sind. Hingegen ist Marcus Weisbecker mit dem Status Nationalpark sehr zufrieden. „Der gesteckte Rahmen erhält ein Gleichgewicht, und wir stoßen mit bis zu 700.000 Besuchern jährlich, vor allem während der Sommerferien, an unsere Grenzen“, so der Prokurist. Der Königssee ist aufgrund seines langgestreckten fjordartigen Charakters, eingegrenzt von hohen Bergen, für einen Massentourismus nur bedingt geeignet. Der See lädt eher zum Entschleunigen ein, wovon die Wallfahrtskirche St. Bartholomä bis heute ein stummes Zeugnis ablegt. „Am See geht es beschaulich zu, und es finden sich viele stille Winkel und Plätze“, ergänzt Marcus Weisbecker.

Onlinebuchung und Online am See

Das alles löst freilich nicht das Problem von langen Wartezeiten, obgleich seit August wieder Online-Reservierungen möglich sind und zur Entspannung beitragen. Auf jedem Fall investiert man am Königssee weiter, etwa in eine sieben Kilometer lange Seeleitung, so dass jetzt selbst St. Bartholomä und Salet endlich online sind. Im November wird eine neues Fahrgastschiff in den Betrieb genommen.

Viel Freude bei der Politik über den ‚Neuen Jenner‘

 

Großes Kino mit atemberaubender Naturkulisse am Jenner – Fotos: Gerd Spranger

Bereits im Juni eröffnete die neue Jennerbahn ihren Betrieb bis zur Bergstation (wir berichteten). Heute wurde die  Eröffnung offiziell gemacht. Geschäftsführer Franz Moderegger begrüßte viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft. Aus München lobten mit Ilse Aigner, Landtagspräsidentin des Bayerischen Landtags, Michaela Kaniber, Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Maria Els. Regierungspräsidentin von Oberbayern gleich drei prominente Politikerinnen das Engagement und den Erfolg der neuen Jennerbahn. Auch Landrat Georg Grabner und die Bürgermeister des Landkreises würdigten den Neubau, der für einen Aufbruch in eine neue Zeit stehen soll.

Gleich zwei Ministerinnen begrüßt Moderator Tom Meiler zur offiziellen Eröffnung der Jennerbahn in Schönau am Königssee. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (l.) und Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags.

Geschäftsführer der Berchtesgadener Bergbahn AG (Eigentümerin der Jennerbahn) Franz Moderegger und Vorsitzender des Aufsichtsrates, Peter Moderegger dankten allen Handwerkern, Mitarbeitern, Nachbarn und für die aktive Hilfe der Politik bei der Realisierung des Projektes mit Gesamtkosten von 56 Millionen Euro. 10,5 Millionen förderte davon der Bayerische Staat, damals noch unter der Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Ministerin Michaela Kaniber bekträftigte, dass die neue Jennerbahn ganzjährig für den Tourismus wichtig ist und setzte eine Spitze gegen Tirol: „Wenn die Tiroler uns im Sommer nicht mögen, dann sollten wir auch im Winter nicht dorthin zum Skifahren reisen. Das ist allein wegen der CO2-Abgase nicht umweltfreundlich. Schöner ist es hier zuhause auf dem Jenner.“

Auch der kirchliche Segen darf nicht fehlen.

Mit dem Jenner verknüpfen auch die Politiker gute Erinnerung. Für Franz Moderegger war und ist er immer eine Perlenkette, die nachts auf dem Berg leuchtet. Eine Erinnerung, die sich ihm seit seiner Kindheit eingeprägt hat. Bürgermeister Hannes Rasp aus der Schönau am Königssee, hat hier zu Faschingsszeit manchen Unfug getrieben. Zusammen mit einem Freund sind sie etwa gemeinsam auf einen zwei Meter langen Ski in das Tal abgefahren. Ministerin Ilse Aigner kennt die Bahn seit ihrer Kindheit, und den Berchtesgadener ‚Dreiklang‘ mit Salzbergwerk, Königssee und Jenner. Für Ministerin Michaela Kaniber war eher der Götschen das bevorzugte Skigebiet, „der Jenner war mir immer zu steil“, bekennt sie. Und Landrat Georg Grabner geht gerne mit Gästen auf den Jenner, um ihnen die Murmeltiere zu zeigen.

Für alle ist der Jenner ein ganz besonderer Berg. Besonderes Lob verdiene am ‚Neuen Jenner‘ die Barrierefreiheit, damit alle Menschen das Naturerlebnis erleben können.

Landrat Georg Grabner und die Bürgermeister der Gemeinden des Berchtesgadener Landes gratulierten zur Fertigstellung des für die Region so wichtigen touristischen Großprojekts.