Archiv der Kategorie: wandern

In 30 Jahren entstand Bayerns größtes Lawinenprojekt an der Weißwand

400.000 Bäume gepflanzt
20,7 Millionen Euro investiert
Lawinenschutz ist Lebensschutz

Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat nach 30 Jahren die Baumaßnahme Weißwand abgeschlossen. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber spricht von Bayerns größten Lawinen-Verbauungsprojekt und stellt klar: „Lawinenschutz ist Lebensschutz“. Die lange Zeitspanne, die mit 20 Millionen Euro hohen Kosten und der Umfang von rund 430 Hektar, oberhalb der vier Kilometer langen Strecke der B305 zwischen Schneizlreuth/ Unterjettenberg und der Ramsau, machen diese Sicherungsmaßnahmen einzigartig und zu einem Erfolgsprojekt. „Die Lawinennetze helfen dem Bergwald und schützen die Bundesstraße“, betont der Minister und ist sichtlich beeindruckt von der Bauleistung im steilen Gelände. „Das ist höchst anspruchsvolle Arbeit und ‚Hand-Werk‘ im besten Sinne“, für die das Wasserwirtschaftsamt Traunstein verantwortlich zeichnet. Dabei kooperierten Wasserwirtschaftsamt, Straßenbauamt, Bayerische Staatsforsten und die Forstverwaltung eng zusammen.

Hoch über der Alpenstraße ragt die Weißwand auf und fällt steil ab.

Fährt man die Straße hoch zum Wachterl, so fallen neben der Straße die hohen Netze der Verbauung auf. Doch der ganz große Teil weit oberhalb der Straße ist für den Autofahrer unsichtbar. Verbaut wurden zwölf ‚Lawinenstriche‘, also jene Gräben, die sich durch die zahlreichen Abgänge in den 60er- und 70-Jahren in den Boden gefräst haben und vermehrt zu Steinschlägen führten. Dabei sind 1120 Lawinennetze, 7200 Gleitschneezäune und fast 1800 Meter Steinschlagschutzzäune in den Boden verankert.

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Hoch über der Alpenstraße ragt die Weißwand auf und fällt steil ab.

Von links: Baudirektor Christian Rehm vom Straßenbauamt Traunstein, Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten, Forstdirektor Marius Benner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Umweltminister Thorsten Glauber, Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein und Alexander Krüg vom Landwirtschaftsamt Rosenheim. In dichter Bebauung verhindern die flexiblen Lawinennetze schon in großer Höhe das Abrutschen des Schnees und damit die Lawinenbildung.
Von links: Baudirektor Christian Rehm vom Straßenbauamt Traunstein, Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten, Forstdirektor Marius Benner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Umweltminister Thorsten Glauber, Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein und Alexander Krüg vom Landwirtschaftsamt Rosenheim. In dichter Bebauung verhindern die flexiblen Lawinennetze schon in großer Höhe das Abrutschen des Schnees und damit die Lawinenbildung.

„Der Freistaat Bayern investierte für das Gesamtprojekt seit Baubeginn 20,6 Millionen Euro. Gegenüber dem damaligen Ansatz von 55 Millionen DM, also nach heutiger Rechnung über 28 Millionen Euro, konnten wir 7,4 Millionen Euro einsparen“, freut sich Walter Rath, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein. Damals habe man auch überlegt die Straße mit einer Galerie, also einer Überdachung, zu schützen. „Die Kosten aber wären doppelt so hoch gewesen“, erinnert sich Walter Rath, „und der Wald wäre dabei nicht saniert worden.“

Geht man heute in den Bergwald an der Weißwand, fällt ein junger Wald mit vielen unterschiedlichen Nadel- und Laubbäumen auf. Dies wurde vor allem als Gemeinschaftsprojekt der Bayerischen Staatsforsten und der Bayerischen Forstverwaltung erreicht. Rund 400.000 Bäume wurden seit 1986 auf einer Fläche von 120 Hektar gesetzt. Bei den Nadelbäumen vor allem Fichte, Tanne, Läche und Kiefer und bei den Laubbäumen dominieren Buche und Bergahorn. Die Kosten der Bepflanzung werden mit 1,1 Millionen beziffert.

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Ein Zeichen der Hoffnung sind die jungen Bäume, die langsam in den Lawinenrinnen heranwachsen.

Walter Rath, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein, erklärt Umweltminister Thorsten Glauber das enge Zusammenspiel von Lawinennetzen, Gleitschnee- und Steinschlagschutz-Zäune hoch über der B305 hinauf zum 'Wachterl' und ihre feste Verankerung mit starken Stahlseilen.
Walter Rath, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein, erklärt Umweltminister Thorsten Glauber das enge Zusammenspiel von Lawinennetzen, Gleitschnee- und Steinschlagschutz-Zäune hoch über der B305 hinauf zum ‚Wachterl‘ und ihre feste Verankerung mit starken Stahlseilen.

„Dabei war es in den 80-Jahren noch umstritten, ob eine Bepflanzung überhaupt erfolgreich sein kann. Man wollte die Ursachen der Schädigung durch einen viel zu hohen Wildbestand nicht wahrhaben. Der saure Regen sei Schuld, dass nichts nachwachse, wurde argumentiert,“ erklärt Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten. „Es ist der Verdienst des ehemaligen Forstamtsleiters von Bad Reichenhall, Dr. Georg Meister, der sich gegen alle Widerstände durchsetzte. Das Ergebnis sehen wir heute, 30 Jahre später, als ein außerordentliches Erfolgsprojekt der Natur, die sich mit Unterstützung wieder prächtig erholt.“ Besonders freut sich Dr. Daniel Müller über die vielen kleinen Bäume in den ‚Lawinenstrichen‘ so dass sich der Wald auch dort wieder bilden wird. „In weiteren 30 Jahren ersetzt er dann die Funktion der heutigen Lawinenverbauung“, erklärt der Forstbetriebsleiter. „Der Wald bildet Humus, ist Wasserspeicher, Luftfilter und gibt unzähligen Tieren und Kleinstlebewesen ihren Lebensraum. Ganz nebenbei ist ein gesunder Wald auch für Bergstraßen, wie hier für die B 305, der beste Schutz.“

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber freut sich über den neuen Schutz vor Lawinen und Steinschlag sowie über die Gemeinschaftsleistung von Wasserwirtschaftsamt, Forstamt und Straßenbau.
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber freut sich über den neuen Schutz vor Lawinen und Steinschlag sowie über die Gemeinschaftsleistung von Wasserwirtschaftsamt, Forstamt und Straßenbau. – Fotos: Gerd Spranger

Für das Staatliche Bauamt Traunstein, das ein ein Netz von 364 Kilometer Bundesstraßen, 369 Kilometer Staatsstraßen, 88 Kilometer Kreisstraßen des Landkreises Berchtesgadener Land betreut, geht es immer mehr um die Sicherung der Straßen, vor allem in der Bergregion. „Jährlich ist der Etat dafür auf bis zu acht Millionen Euro angewachsen. Wir sind in der Pflicht für Sicherheit zu sorgen und das wird bei den vielen Baustellen auf wenigen Kilometern deutlich. Ob die Strecke von Jettenberg nach Bad Reichenhall, von Schneizlreuth nach Melleck oder in Richtung Weißbach, oder auf unserer großen Baustelle bei Hallthurm am Eisenrichter-Berg– wir müssen umfangreiche Verbauungen durchführen und bis 2030 stehen noch einige große Projekte an“, informiert Baudirektor Christian Rehm. Auch für ihn ist das hier in den letzten 30 Jahren Geleistete außergewöhnlich und macht Mut für die Zukunft.

 

Schafft es die Jennerbahn in die Gewinnzone?

Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG, Franz Moderegger (l.) und Aufsichtsrats-Vorsitzender Peter Hettegger präsentierten den Aktionären die aktuellen Geschäftszahlen.

(gsp) In den „neuen Jenner“ wurden 56,7 Millionen Euro investiert und ab Juni 2019 ist der volle Betrieb bis zur Bergstation wieder möglich. Schafft es die Jennerbahn kurzfristig  in die Gewinnzone? Ein erster Vergleich lässt hoffen.  Vergleicht man die aktuellen Zahlen der Jennerbahn mit jenen ‚der alten Bahn‘ aus der Saison 2015/2016, so ist der positive Trend klar zu sehen. Damals nutzten von Juni bis August 90.000 Gäste die Bahn. Heute zählt man in diesen drei Monaten 125.000 Fahrgäste.

Zielmarke von 220.000 Besuchern

Insgesamt registrierte die neue Jennerbahn seit November 2018 bereits 189.000 Fahrgäste. Damit stehen die Chancen gut, in den verbleibenden zwei Monaten des Geschäftsjahres die Besucherzahl von 220.000 Gästen aus dem Jahr 2015/16 zu übertreffen, hoffte man auf der Hauptversammlung der Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) am ersten September-Wochenende.

Bis zu 3000 Gäste täglich

Dieses Ergebnis wird von den Gesellschaftern als ein außerordentlicher Erfolg gewertet, zumal bereits das Winterhalbjahr bis April 2019 die Erwartungen um 39 Prozent übertraf und der Betrieb nur bis zur Mittelstation offen war. Darum lagen die Umsatzzahlen im Vergleich niedriger. „Die aus dem Wintergeschäft und dem anfänglich nur eingeschränkten Sommerbetrieb noch übertragenen Umsatzrückstände werden aber sukzessive ausgeglichen“, freut sich Franz Moderegger, Vorstand der Jennerbahn. Er ist zuversichtlich, dass „die Planzahlen deutlich überschritten werden.“ Ebenso zeigt sich der Vorstand zufrieden mit den Ergebnissen aus dem gastronomischen Geschäft, das von der Jenneralm GmbH getragen wird. Ein weiterer Indiz für den guten Geschäftsverlauf ist das Ergebnis vom 04. September. Erstmals erreichte die Bahn an diesem Tag 3000 Gäste ‚im normalen Fahrbetrieb‘.

Ein neuer Tagungsraum

Verschwunden ist mittlerweile der große Kran, der über ein Jahr lang weithin sichtbar über den Rohbau der Bergstation aufragte. Die Hochbauarbeiten sind abgeschlossen und in den nächsten Wochen wird intensiv an den Außenanlagen und den Vorbereitungen zur Pistenanbindung gearbeitet. Mit der Hauptversammlung der BBAG wurde ebenso der große helle Tagungsraum eingeweiht, auch wenn die Technik und der letzte Schliff noch fehlte. Tagungen, Seminare und selbst Hochzeiten auf dem Jenner werden das Geschäft weiter voran bringen. Die Jenneralm GmbH hat sich bereits jetzt zu einer tragenden Säule des Gesamtunternehmens BBAG entwickelt.

Richard Wagner folgt
auf Wilfried Deubler

Zur Trennung vom langjährigen technischen Betriebsleiter Wilfried Deubler wollte man kein Statement abgeben. „Man hat sich einvernehmlich getrennt und werde auch künftig verbunden bleiben“, erklärte Franz Moderegger knapp. Als Nachfolger soll Richard Wagner eingesetzt werden, der bis zu seiner Ernennung vorläufig die Geschäfte des Betriebsleiters übernimmt.

Schon bei der Eröffnung der Bergstation der Jennerbahn im Juni ist das auf die Terrasse ‚aufgesetzte‘ Gebäude mit großem Veranstaltungssaal gut zu sehen. Im Hintergrund der Schneibstein (2.176 m). Die Schneereste sind im August längst verschwunden. Fotos: Gerd Spranger

 

Bergsteigerdorf Ramsau im Kampf gegen wildes Parken

(gsp) Für so manchen Bergsteiger ist es bis heute ein Ärgernis, wenn er für seine Tour zur Blaueishütte am Parkplatz sieben Euro für ein Tagesticket zahlen muss. Mit Gästekarte kostet das Parken nur die Hälfte. Das gilt auch für die zwei großen Parkplätze am Nationalparkhaus, wo die Straße nach Hirschbichl führt und der Almbus die Besucher bequem zum Zielort bringt, wem die ganze Strecke zu weit zu laufen ist. Das Busticket kostet 10 Euro, für die Gästekarte gibt es keine Ermäßigung.

Die Tarife sind einheitlich und gelten für alle fünf Parkplätze am Hintersee, ausgenommen man ergattert einen der begehrten Plätze am Straßenrand und ‚parkt wild‘. Dem soll bald ein Ende bereitet werden, wie Bürgermeister Herbert Gschoßmann jetzt die Bürger auf einem eigenen Infoabend im Rathaus informierte. Er warb aber auch für einen sensiblen Umgang: „Wildparker am Hintersee sind für die Einen ein Dorn im Auge, dort ansässige Gastronomen aber werden das womöglich anders sehen.“ Auf alle Fälle aber müsse man Sicherheitsaspekte, etwa wenn sich Autos, Busfahrer, Fußgänger und Radfahrer begegnen, höher werten als ästhetische Aspekte.

Ziel der Gemeinde Ramsau ist es, die Gültigkeit der Parkgebührenordnung ab 2020 auf 24 Stunden auszudehnen und nicht bis 19 Uhr zu begrenzen. Im Blick sind vor allem Wohnmobile, die sich verstärkt erst ab 19.00 Uhr auf die Parkplätze stellen würden und damit gratis parken. „Womöglich lassen sie auch noch ihren Müll zur Entsorgung für uns stehen“, merkt Gschoßmann kritisch an. Wohnmobile sollen dann 10 Euro für ein Tagesticket bezahlen, „denn eigentlich gehören sie ja auf einen Campingplatz“, bringt der Bürgermeister seine ganz eigene Ansicht von der Freiheit des Reisens zum Ausdruck. Einen eigenen Wohnmobil-Stellplatz sucht man in der Gemeinde Ramsau hingegen vergebens. Und der Campingplatz liegt weit oberhalb der Gemeinde am Taubensee. Er ist weder zentrumsnah, noch in der Nähe des Hintersees.

Aktuell nutzen die Wohnmobil-Übernachter eine Grauzone, denn eigentlich sei der Übernachten auf den Parkplätzen nicht erlaubt, äußerte sich ein Vertreter der regionalen Verkehrsüberwachung. „Campieren als solches geht so und so nicht“, ergänzt er. Auch sei noch ungewiss, ob die aktuelle Software bei den Automaten einen Extratarif für Wohmobile ermögliche. Der Vertreter der Verkehrsüberwachung hat kein Verständnis für allzu wildes Parken. „Wer extra an den Hintersee fährt, um ein besonders schönes Stück Natur zu genießen, der sollte auch sensibel im Umgang mit derselben sein.“

Ebenso soll am Hochschwarzeck bald ‚Schluss sein‘ mit dem Gratis-Parken. „Das kann aber noch zwei Jahre dauern“, schränkt Gschoßmann ein. Es sind noch Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern und Gespräche mit allen Beteiligten zu führen. Ein weiterer Brennpunkt des wilden Parkens sei der Parkplatz an der B305, wo der Weg zur Mordaualm hinauf führt. Die Gemeinde will sich darum in den nächsten Monaten kümmern.

Der Königssee ist einfach anders

Fjordartig schlängelt der See sich zwischen den steil abfallenden Felsen hindurch – Fotos: Gerd Spranger

Marcus Weisbecker ist seit dem Jahr 2000 Prokurist der Bayerischen Seenschifffahrt die auf dem Tegernsee, Starnberger See, Ammersee und vor allem auf dem Königssee Fahrgastschifffahrt betreibt. Der Königssee ist für den gebürtigen Bad Reichenhaller aber in mehrfacher Hinsicht ein ganz besonderer See. Eingebettet zwischen Watzmann, Hagengebirge und Steinernem Meer und mit einer Tiefe von bis zu 200 Metern verleiht er dem Nationalpark Berchtesgaden eine einzigartige Prägung. Es führt keine Straße oder Bahn nach St. Bartholomä oder weiter zum Obersee. Die Welt scheint hier ihr Ende gefunden zu haben.

Seit 110 Jahren fahren Elektroboote

Prokurist Marcus Weisbecker vor dem Ensamble der Bootshäuser

Die sanfte Technik eines Elektroantriebes für die Boote, wie sie seit 110 Jahren über den See fahren, trägt dieser besonders naturnahen Beziehung Rechnung. Gemächlich und ruhig befahren die 19 Schiffe den Königssee mit einer Kapazität von jeweils nur 80 Personen. Das setzt Grenzen und von Juli bis September spüren die Besucher das an längeren Wartezeiten, selbst wenn die Schiffe im 6-Minuten-Takt ablegen. Für den Erhalt von Natur und der Idylle des Alpennationalparks bleibt es aber die bessere Perspektive und es gibt keine Alternative dazu, wie Marcus Weisbecker ausführt.

„Der Nationalpark setzt Grenzen“

Jährlich bis zu 700.000 Menschen überqueren den See mit den Elektrobooten.

„Das Ensemble unserer Bootshäuser steht unter Denkmalschutz und wir könnten dort weder mehr, noch größere Schiffe unterbringen. Aber selbst wenn es ginge, etwa durch den Einsatz großer und schnellerer Schiffe mit Dieselantrieb, setzt der Nationalpark hier klare Grenzen und das ist auch gut so. Wir würden dieses Naturjuwel damit zerstören. Die zeitlose Majestät der Bergwelt mahnt uns zu einer gesunden Bescheidenheit. Entschleunigung ist das moderne Attribut dafür – Zeit haben und sich Zeit nehmen.“ Die Schiffe werden zudem komplett in der eigenen Bootswerft am Königssee gefertigt und dort auch gewartet. Die Bayerische Seenschifffahrt am Königssee ist je nach Saison für 70 bis 100 Menschen ein verlässlicher Arbeitgeber.

„Der See ist für alle da“

Sehnsuchtsort St. Bartholomä mit der Watzmann-Ostwand. Nur selten bleibt es ruhig während der Sommermonate.

„Einmal hatten wir den Versuch gestartet ab 14.00 Uhr keine Tickets mehr auszugeben. Sie glauben nicht was da los war, die Leute sind ja fast handgreiflich geworden. Ein Besucher beteuerte, dass er nach einer dreistündigen Anreise aus München es einfach nicht glauben kann, dass es jetzt keine Überfahrt mehr gibt.“ Natürlich könne man auch über den Preis die Zahl der Besucher reduzieren und die Fahrten deutlich teurer machen. „Das wollen wir aber nicht. Es würde die Falschen, nämlich Familien mit Kindern, treffen. Und der See ist für alle da, nicht nur für jene, die sich mehr leisten können.“

Zu lange beim Frühstück,
zu spät am See

Ein neues Schiff, etwas länger und etwas größer, wartet auf seine Fertigstellung. Bis zu 120 Gäste kann es aufnehmen.

Eine andere Ursache für die Rush-Hours sieht der Prokurist in den heute üblichen großen Frühstücksbuffets der Hotels. „Heute buchen viele Halbpension, stehen etwas später auf, frühstücken reichlich und landen dann gegen elf Uhr bei uns an. Dann wird es natürlich eng am Schalter und ebenso bei der Rückfahrt, wenn zwischen 16 und 17 Uhr alle gleichzeitig fahren wollen. Es ist auch die Zeit in der viele Bergsteiger zusteigen. Auch können an den Stegen in St. Bartholomä und am Salet nur zwei Boote gleichzeitig festmachen. Die Grenzen des Machbaren sind eng gesetzt.“

Viele Besucher
unterschätzen den Zeitfaktor

Die Werft der Königsseeschifffahrt ist komplett unabhängig und alle Arbeiten werden selbst ausgeführt.

Man könnte für die Rückfahrt gleich die Zeit mit buchen und so die Zahl der Fahrgäste steuern. Das funktioniert einigermaßen beim Kehlsteinhaus, nicht aber am Königssee, ist sich Weisbecker sicher. „Selbst jene, die den See und sein Umfeld kennen, haben damit ihr Problem. Was ist, wenn der Besucher sich beim Besuch der Eiskapelle in der Zeit verschätzt oder spontan vom Salet aus noch an den Obersee gehen möchte? Da sind ein, zwei Stunden gleich zusammen. Wie aber soll ein Ortsfremder das überblicken können?“ Der Königssee ist nämlich auch Ausgangspunkt für Wanderungen und einiger großer Bergtouren, die bis weit in den Alpennationalpark Berchtesgaden reichen.

Entschleunigen am Königssee

„Nichts geht mehr“, Endstation. Hinter dem Obersee geht es nur noch für geübte Bergsteiger weiter.

Organisatorisch schafft selbst die wechselnde Zahl an Bergsteigern mit zwei zusätzlichen Haltestellen Umstände, die nicht zu kalkulieren sind. Hingegen ist Marcus Weisbecker mit dem Status Nationalpark sehr zufrieden. „Der gesteckte Rahmen erhält ein Gleichgewicht, und wir stoßen mit bis zu 700.000 Besuchern jährlich, vor allem während der Sommerferien, an unsere Grenzen“, so der Prokurist. Der Königssee ist aufgrund seines langgestreckten fjordartigen Charakters, eingegrenzt von hohen Bergen, für einen Massentourismus nur bedingt geeignet. Der See lädt eher zum Entschleunigen ein, wovon die Wallfahrtskirche St. Bartholomä bis heute ein stummes Zeugnis ablegt. „Am See geht es beschaulich zu, und es finden sich viele stille Winkel und Plätze“, ergänzt Marcus Weisbecker.

Onlinebuchung und Online am See

Das alles löst freilich nicht das Problem von langen Wartezeiten, obgleich seit August wieder Online-Reservierungen möglich sind und zur Entspannung beitragen. Auf jedem Fall investiert man am Königssee weiter, etwa in eine sieben Kilometer lange Seeleitung, so dass jetzt selbst St. Bartholomä und Salet endlich online sind. Im November wird eine neues Fahrgastschiff in den Betrieb genommen.

Viel Freude bei der Politik über den ‚Neuen Jenner‘

 

Großes Kino mit atemberaubender Naturkulisse am Jenner – Fotos: Gerd Spranger

Bereits im Juni eröffnete die neue Jennerbahn ihren Betrieb bis zur Bergstation (wir berichteten). Heute wurde die  Eröffnung offiziell gemacht. Geschäftsführer Franz Moderegger begrüßte viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft. Aus München lobten mit Ilse Aigner, Landtagspräsidentin des Bayerischen Landtags, Michaela Kaniber, Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Maria Els. Regierungspräsidentin von Oberbayern gleich drei prominente Politikerinnen das Engagement und den Erfolg der neuen Jennerbahn. Auch Landrat Georg Grabner und die Bürgermeister des Landkreises würdigten den Neubau, der für einen Aufbruch in eine neue Zeit stehen soll.

Gleich zwei Ministerinnen begrüßt Moderator Tom Meiler zur offiziellen Eröffnung der Jennerbahn in Schönau am Königssee. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (l.) und Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags.

Geschäftsführer der Berchtesgadener Bergbahn AG (Eigentümerin der Jennerbahn) Franz Moderegger und Vorsitzender des Aufsichtsrates, Peter Moderegger dankten allen Handwerkern, Mitarbeitern, Nachbarn und für die aktive Hilfe der Politik bei der Realisierung des Projektes mit Gesamtkosten von 56 Millionen Euro. 10,5 Millionen förderte davon der Bayerische Staat, damals noch unter der Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Ministerin Michaela Kaniber bekträftigte, dass die neue Jennerbahn ganzjährig für den Tourismus wichtig ist und setzte eine Spitze gegen Tirol: „Wenn die Tiroler uns im Sommer nicht mögen, dann sollten wir auch im Winter nicht dorthin zum Skifahren reisen. Das ist allein wegen der CO2-Abgase nicht umweltfreundlich. Schöner ist es hier zuhause auf dem Jenner.“

Auch der kirchliche Segen darf nicht fehlen.

Mit dem Jenner verknüpfen auch die Politiker gute Erinnerung. Für Franz Moderegger war und ist er immer eine Perlenkette, die nachts auf dem Berg leuchtet. Eine Erinnerung, die sich ihm seit seiner Kindheit eingeprägt hat. Bürgermeister Hannes Rasp aus der Schönau am Königssee, hat hier zu Faschingsszeit manchen Unfug getrieben. Zusammen mit einem Freund sind sie etwa gemeinsam auf einen zwei Meter langen Ski in das Tal abgefahren. Ministerin Ilse Aigner kennt die Bahn seit ihrer Kindheit, und den Berchtesgadener ‚Dreiklang‘ mit Salzbergwerk, Königssee und Jenner. Für Ministerin Michaela Kaniber war eher der Götschen das bevorzugte Skigebiet, „der Jenner war mir immer zu steil“, bekennt sie. Und Landrat Georg Grabner geht gerne mit Gästen auf den Jenner, um ihnen die Murmeltiere zu zeigen.

Für alle ist der Jenner ein ganz besonderer Berg. Besonderes Lob verdiene am ‚Neuen Jenner‘ die Barrierefreiheit, damit alle Menschen das Naturerlebnis erleben können.

Landrat Georg Grabner und die Bürgermeister der Gemeinden des Berchtesgadener Landes gratulierten zur Fertigstellung des für die Region so wichtigen touristischen Großprojekts.

Wege aus dem Massentourismus?

Entlang des Grates am Jennergipfel (1874 m) drängen sich die Besucher. Im Hintergrund ‚König Watzmann‘ (2713 m) mit Hocheck, Mittelspitze und Südspitze – Fotos: Gerd Spranger

BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel im Gespräch mit der Redaktion

(gsp) Die Eröffnung der Bergstation Jennerbahn am zweiten Juni-Wochenende mit deutlich verbilligten Fahrkarten führte zu einem ungewohnten Besucheransturm. Über viele Stunden hinweg bildeten sich lange Warteschlangen für die Bergfahrt, und es ging im Minutentakt nonstop in den großen Zehner-Gondeln auf den Jenner. Der große Parkplatz war bereits um elf Uhr voll besetzt und die für 300 Besucher ausgelegte Restaurant-Terrasse ab zehn Uhr. Auf der Wanderung zum Gipfel, der 74 Höhenmeter über der Bergstation liegt, drängten sich die Menschen bergauf wie bergab. Es war einerseits für die Bergbahn und das gastronomische Team um Thomas Hettegger von der Jenneralm GmbH eine echte Belastungsprobe, anderseits aber bekam man eine sehr klare Vorstellung davon, was den Massentourismus, gedrängt auf wenige Kilometer, so problematisch macht.

Zu viele Touristen in Berchtesgaden?

Dichtes Gedränge herrscht auf dem Gipfel des Jenners (1874 m) bei Hochbetrieb, wie vergangenes Wochenende. Gipfelromantik geht anders, dafür ist der Ausblick sensationell auf den Königssee, den Watzmann, das Steinerne Meer und über das Berchtesgadener Tal.

Die Redaktion hat sich mit Peter Nagel, Geschäftsführer der BGLT-Tourismus bei der Eröffnung der Jenner-Bergstation eingehend darüber unterhalten. Von einem ‚Overtourism‘, also eine das gesunde Maß überschreitende Zahl an Gästen, möchte Peter Nagel im Berchtesgadener Land nicht sprechen, räumt aber ein, „dass es einige Spitzen gibt“. So will der Touristiker auch nicht die Gästezahlen erhöhen, sondern mehr Wertschöpfung erreichen und die Dauer der Übernachtungen von 3,5 auf fünf bis sechs Tage steigern. Gerne spricht er von einer ausgewogenen Balance im touristischen Geschäft, auf den Tagestouristen, wie er typisch für den Jenner und auch den Königssee ist, ging Peter Nagel konkret nicht ein. Dabei strömen aus dem Berchtesgadener Land während der Saison ebenso tausende von Touristen nach Salzburg wie umgekehrt aus dem Salzburger Land zu den bayerischen Sehenswürdigkeiten.

Der tiefblaue fjordartige Königssee am Fuße des Watzmanns inmitten des Nationalparks Berchtesgaden.

Kann man die Besucher besser lenken?

Er denkt über eine Steuerung der Touristenströme nach. „Über Zwang geht so etwas nicht, ein wenig über zeitliche Beschränkung und über Eintrittspreise“, sinniert er. „Besser ist es, den Besuchern Alternativen zu bieten und das zeitnah.“ Um dies konkret zu machen nennt Peter Nagel ein Beispiel: „Fährt etwa ein Besucher in Piding von der Autobahn, so muss er bereits am Gablerknoten in Bad Reichenhall informiert werden, dass am Königssee alle Parkplätze belegt sind. Wir müssen ihm Alternativen anbieten.“ Konkret nannte er etwa das Ausweichen auf den Hintersee, zu den anderen Bergbahnen im Landkreis oder sogar darüber hinaus, wie etwa nach Lofer. „Genau das meine ich, wenn wir über den eigenen Kirchturm, die eigene Gemeinde und Region hinaus denken müssen.“

Bessere Absprache bei Aktionen

So wie in Salzburg sehen auch viele Parkwegweiser in großen deutschen Städten aus. Bietet sich diese Lösung auch für den Tourismus an?

Noch ein zweites Anliegen ist dem Chef der BGLT-Tourismus wichtig. „Zwischen den beteiligten Partnern vor Ort ist eine bessere Absprache nötig“, sagte er und gab ein weiteres Beispiel: „Wenn wir etwa Gäste aus Italien werben, dann können im Sommer nicht um 22 Uhr die meisten Gaststätten geschlossen sein. Der Italiener hat ein anderes Lebensgefühl, bei ihm beginnt der vergnügliche Teil ‚des Tages‘ häufig erst nach 21.00 Uhr und dauert an lauen Sommerabenden bis weit nach Mitternacht, zumal er in Urlaubsstimmung ist. Enttäuschen wir hier, dann fahren wir bei dieser Zielgruppe in den nächsten Jahren ein deutliches Minus ein, und das können wir nicht wollen, es wäre der Marke Berchtesgaden sehr abträglich.“

Kommt ein Wechsel der Perspektiven?

Die BGLT mit Peter Nagel und Dr. Brigitte Schlögl an der Spitze, arbeitet aktuell an einem Positionspapier mit dem Titel „Perspektivenwechsel, Ziele und Maßnahmen für die Zukunft“. Es soll in wenigen Wochen in der Gesellschafter-Versammlung vorgestellt werden. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich der Tourismus im Berchtesgadener Land weiterentwickeln wird. Franz Rasp, Vertreter des Hauptgesellschafters Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, sieht in der Fortsetzung des Markenprozesses den richtigen Weg.

‚Großes Kino‘ in 3D vor der Terrasse der Jenner-Bergstation auf der Jenneralm.
Jenner mit Prominenz
Die Gesellschafter der Berchtesgadener Bergbahn AG, Eigentümer der Jennerbahn, bei der Eröffnung.

 

Die Almwirtschaft Kugelbachbauer in Bad Reichenhall ist ein Geheimtipp

2. Reportage zu 'Almen in Bad Reichenhall' - Hier geht's zur ersten Folge
In idyllischer Lage: der Almgasthof  Kugelbachbauer in Bad Reichenhall. Im Hintergrund der Kranzlstoa, der weithin sichtbar über dem Thumsee aufragt.
Hinauf zum Müllnerhorn geht man noch knapp drei Stunden. Auf halber Wegstrecke liegt das Paul-Gruber-Haus.

(gsp) Den Almgasthof Kugelbachbauer kennen bis heute noch nicht alle Reichenhaller. Er ist ein Geheimtipp und leicht zu erreichen, wenn man erst einmal die Zufahrt gefunden hat. Von Bad Reichenhall in Richtung Thumsee fahrend zweigt kurz vor der Ampel in Karlstein links die Thumseestraße ab. Nach wenigen hundert Metern führt der schmale Kugelbachweg über zwei enge Serpentinen bis zu einem großen Parkplatz. Von hier aus geht es eine halbe Stunde zu Fuß, vorbei an der Amalienhöhe hinauf zur Kugelbachalm, die ja eigentlich gar keine Alm ist, betont die Wirtin Haidi Gruber. Und doch ist es diese Idylle – im Sommer sind einige Pferde auf der Weide – die diesen Ort zu etwas ganz Besonderem macht. Seit einigen Jahren bewirtschaftet Haidi die Alm alleine, an den Wochenenden hilft die Tochter, und ein guter Bekannter ist ihr zu einer Stütze im Betrieb geworden.

Die Amalienruhe ist leicht zu erreichen und bietet schöne Ausblicke auf das Tal von Bad Reichenhall.

Hier ist die Zeit stehen geblieben

„Wie es ’nach mir‘ weiter geht, weiß ich nicht“, sinniert die Wirtin, die vergangenes Jahr ihren 70. Geburtstag feierte. Ihr Mann starb vor einigen Jahren, „doch das Alleinsein macht mir nicht so viel aus“, sagt Haidi Gruber mit ruhiger Stimme. Im Winter oder bei längeren Regenperioden ist es schon mal still auf der Alm, die Einsamkeit ist zu spüren. Seit 50 Jahren bewirtschaftet sie den Betrieb mit großem Gastgarten im Sommer, der dem Besucher einen wunderschönen Blick zwischen die Anhöhen durch auf Bad Reichenhall bietet. Unweit liegt der Karlsteiner Klettergarten, und alte Salinenwege führen hinüber zum Schroffen oder hinab zum Thumsee. Haidi Gruber will nicht, dass sich viel verändert, und in der alten Gaststube hat man wirklich die Eindruck, die Zeit sei hier stehen geblieben. Der alte grün gekachelte Ofen im Eck, die Holzstühle und Tische, Geweihe von Hirsch, Reh und Gams an der Wand und in der Ecke ein großer Herrgottswinkel, so wie es früher halt der Brauch war, bestimmen das Raumbild.

Alle helfen auf der Alm zusammen

Versteckt und doch in sonniger Lage ist die Almwirtschaft Kugelbachbauer bei Bad Reichenhall gut zu erreichen.

In der Küche steht noch immer ein alter Holzofen zum Anfeuern und auf ihm kocht die Wirtin am liebsten. Es gibt Knödel, Kasspatz’n, Braten, Schnitzel oder auch deftige Brotzeitplatten. „Wir haben öfters Familienfeiern hier oben und richten Buffets für bis zu 60 Leute an. Da helfen dann alle mit, und in der Stube rücken die Gäste dann etwas zusammen.“ Viel Platz gibt es um das Haus herum, besonders für Kinder, die sich hier in der Natur frei bewegen können. Die Idylle bleibt, selbst ohne Einkehr oder nur bei einem Kaltgetränk oder bei Kaffee und Kuchen. Die gemütliche Wanderung hinauf zum Kugelbachbauer lohnt in jedem Fall.

Zwischen Müllnerhorn und Gebersberg

Ob ‚Endstation‘ für einen Ausflug oder ‚Zwischenstation‘ für eine größere Tour: die Almwirtschaft Kugelbachbauer ist immer einen Besuch wert.

Etwas weiter führt der Weg hinauf zur eigentlichen Kugelbachalm unweit des Paul-Gruber-Hauses. Für Selbst-Versorger der Naturfreunde ein beliebtes Domizil. Die Alm selbst wird nicht mehr bewirtschaftet. Das Hochtal ist eingebettet zischen dem Müllnerhorn und dem Gebersberg. Dorthin führen von hier aus einige Wege. So kehren bei Haidi Gruber meist Wanderer ein. Die Einen für einen kleinen Ausflug, um dann etwa den steilen Weg hinab zum Thumsee zu nehmen, die Anderen, um ihre Tour weiter fortzuführen. „Es sind bei mir darum sehr naturverbundene Leute zu Gast. Man kann eben nicht mit dem Auto vorfahren und in aller Eile etwas bestellen. Wer hier einkehrt, der bringt Zeit mit und hat einen Sinn für die umgebende Idylle der Landschaft“, erzählt die Wirtin.

Die Almwirtschaft Kugelbachbauer in direktem Blickkontakt mit der Kirche St. Pankraz.

Geöffnet hat die Almwirtschaft Kugelbachbauer Samstag bis Mittwoch „von vormittags bis auf d`Nacht“, und am Donnerstag und Freitag ist Ruhetag. Ausgenommen, „ein Feiertag fällt auf einen dieser beiden Wochentage“ ist auf der Homepage zu lesen. Im Mai wurde der Dachstuhl erneuert, der letzte Winter hatte ihm arg zugesetzt. Auf der weiten Wiese sind die Tische eingedeckt und warten auf Besuch, auf Wanderer aus dem Reichenhaller Tal.

Jennerbahn eröffnet am 8. Juni die Bergstation

Investition von  56 Millionen Euro
schafft dreifache Kapazität

– Deutliche Steigerung angestrebt
– 550 Restaurantplätze auf dem Berg

(gsp) Am 08. Juni geht die Jennerbahn in Schönau am Königssee wieder in vollem Umfang in Betrieb. Seit August 2018 läuft der Fahrbetrieb nach Neubau der Talstation und Mittelstation mit einer Komplettsanierung und Erneuerung der bahntechnischen Anlagen bereits im eingeschränkten Betrieb bis zur Mittelstation. „Wir haben damit in der Wintersaison bereits wieder an die Zahlen vor der Renovierung anknüpfen können und sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, berichtet Geschäftsführer Thomas Hetteger von der Jenneralm GmbH, die eine hundertprozentige Tochter der Berchtesgadener Bergbahn AG ist, der Eigentümerin der Anlagen.

Vom Hebst bis weit in das Frühjahr hinein weitet sich vor dem Besucher auf der Jenner-Bergstation das Panorama einer unberührten, hochalpinen Winterlandschaft aus

Investiert werden rund 56 Millionen Euro und angestrebt wird eine deutliche Steigerung der Frequenz. Das ermöglichen die neuen 10-er Gondelbahnen und die moderneTechnik, die die Fahrgäste in nur 17 Minuten bis hinauf zur Bergstation, der Jenneralm, befördern. Die Kapazität ist damit von 500 auf 1600 Gästen stündlich verdreifacht worden. Deshalb soll es keine Wartezeiten mehr geben.

Der Nationalpark liegt zu Füßen

Im Mai liegt noch viel Schnee auf dem Hohen Brett (2341 m) und der Terrasse der Jenner-Bergstation.

Mit Spannung wird nun die Eröffnung der Bergstation erwartet, die nochmals die Dimension von Mittel- und Talstation übersteigt. Sie wird von der 10er-Kabinenbahn und von der Mitterkaser-6er-Sesselbah angefahren, und bietet den Gästen auf 1800 Metern Höhe gelegen, ein Restaurant mit 250 und weiteren 300 Plätzen auf der Aussichtsterrasse. Von hier weitet sich der Blick in den Nationalpark Berchtesgadener Land mit Hohem Göll, Schneibstein, Steinernes Meer, Schönfeldspitze, Funtenseetauern und Watzmann.

Zuerst balzt das Birkhuhn

Noch ist das große Restaurant in weiten Teilen eine Baustelle, doch bis zum 08. Juni soll alles fertig sein. „Im Außenbereich mussten wir vom 23. März bis Juni alle Arbeiten einstellen, und auch ab September, denn die Balzzeit des Birkhuhnes muss eingehalten werden“, informiert Thomas Hetteger. Die Gäste werden sich also noch einige Wochen gedulden müssen, bis die letzten Außenarbeiten abgeschlossen sind. Für sie unsichtbar ist auch die große Küche mit allen Funktionsräumen, die in ihrer Dimension dem Restaurant in nichts nachsteht. Öffentlich zugänglich hingegen sind eine Nationalpark-Ausstellung und die vielen Wanderwege, die den Jennergipfel bis hinüber zum Schneibstein- und Stahlhaus und darüber hinaus erschließen.

Auch für den Geschäftsführer der Jenneralm GmbH, Thomas Hetteger war der vom Bund Naturschutz gegen die Jennerbahn erwirkte Baustopp eine Belastungsprobe. Alle Arbeiten im Aussenbereich mussten über Monate hinweg eingestellt werden.

Lounge-Bar und Hochzeiten

In das Gebäude sind auch einige Personalzimmer inklusive Funktions- und Personalräume integriert. Der Gast, auf den Berg ankommend, sieht von all dem nur wenig. Einzig ein Baukörper in der Größe eines Einfamilienhauses fällt sofort auf. Dessen Erdgeschoss wird zu einer Lounge-Bar gestaltet und darüber – als ganz besonderes Highlight, ein großer Hochzeitsraum. Denn auf dem Jenner wird ab Juni auch geheiratet. Der Raum steht ebenso für kleine Seminare zur Verfügung. Das meiste genutzte Fläche ist unterirdisch angelegt, und so sind die Gebäude der Bergstationen mit Restaurant, Funktions- und Ausstellungsräumen miteinander verbunden. Wert wurde dabei auf Barrierefreiheit gelegt, so dass auch für Menschen mit Handicap ein ungetrübtes Bergerlebnis wartet. Das gilt auch für die neuen Gondeln der Jenner-Bergbahn und für die Tal- und Mittelstation.

Vor wenigen Wochen noch waren die Räumlichkeiten des Restaurants mit den hohen Panoramafenstern eine einzige große Baustelle.

Schnitzel, Burger und Pommes

Für das gastronomische Angebot entschied sich Hetteger für eine gute bodenständige Küche. „Die Gäste erwarten auf dem Berg keine extravagante Speisen, sondern Schnitzel, Burger und für die Kinder auch mal eine Portion Pommes.“ Abgerundet wird das Angebot mit Suppen, Salaten und kleinen Gerichten. „Punkten möchten wir mit einem guten Service, es gibt kein Marktrestaurant wie in früheren Jahren.“ Dafür hat Hettegger ein Team von 30 Fachkräften im Service und in der Küche verpflichtet. „Natürlich ist der Arbeitsplatz auf dem Berg speziell, doch er hat für die Gastronomie sehr geregelte Arbeitszeiten, nämlich täglich von 9 bis 18 Uhr.“ Sicher halfen das und der gute Ruf des Unternehmers sowie das besondere alpine Umfeld alle ausgeschriebenen Stellen zu besetzen. „Wir reden dabei von einer ganzjährigen Anstellung“, ergänzt er. Thomas Hettegger war vor seinem Engagement bei der Jenneralm GmbH neun Jahre lang Geschäftsführer des 4-Sterne-Superior-Hotels Edelweiß in Berchtesgaden.

Ob Trauung, Tagung oder einfach nur gemütlich in der Lounge. Dieser Anblick bleibt unvergessen. – Fotos: Gerd Spranger –

Klimaschutz und Fake-News beim Kreistag

(gsp) Der Kreistag befasste sich im Mai mit Klimazielen, Bauprojekten und Fake-News. Dabei ging es einmal mehr um den geplanten Neubau des Landratsamtes und einer kleinen Gruppe von Bürgern, namentlich wurden Stefan Glas, Wolfgang Wagner und Ludwig Unterreiner genannt, die ein Bürgerbegehren gegen den Neubau des Landratsamtes initiiert haben. „Es wird mit falschen Anschuldigungen gearbeitet und das ganz persönlich gegen mich“, stellte der Landrat klar.

Aus der Vogelperspektive wird das Wohngebiet iin Ricchtung Marzoll erweitert, was durchaus Sinn macht. Für das neue Landratsamt steht dann viel Platz zur Verfügung. Anderseits: ist ein Neubau wirklich erforderlich? Die Kreisräte bejahen dies einstimmig.

 

Hans Metzenleitner (SPD) sprach in der Sache gar von einem Demokratieprojekt, denn der Kreisrat habe sich über mehrere Jahre und sehr intensiv mit der Thematik Landratsamt befasst und und einstimmig für den Neubau gestimmt.  Agnes Thannbichler (ÖDP) verwehrte sich gegen Bürgerbegehren, die auf Grundlage von Fake-News aufgebaut sind und Silvester Enzinger (CSU) war gar erschüttert über die Diffamierung des gesamten Kreisrates mit haltlosen Anschuldigungen.

Jennerbahn-Bergstation
ohne Genehmigung?

Der gastronomische Schwerpunkt vom Restaurant „Halbzeit“ der Jennerbahn-Mittelstation verlagert sich am Wochenende hinauf zur Bergstation, wenn die Bahn wieder über die gesamte Länge, vom Tal bis hinauf auf 1800 Höhenmeter, fährt.

Einen Verbreiter von Fake-News ganz anderer Art machte Hannes Rasp (CSU) in seinem Kreistagskollegen Dr. Bartl Wimmer (Grüne) aus. Der sprach im Hinblick auf die Eröffnung der Jennerbahn-Bergstation am 08. Juni von einem „Schwarzbau“. Rasp wies dies entschieden zurück. Es habe mit dem Juristen vom Bund Naturschutz eingehende Gespräche gegeben, und der Vorwurf des Schwarzbaues durch ein BN-Mitglied wurde zurück genommen. Das war es dann auch mit den Fake-News in der Sitzung des Kreistages. Auf der Tagesordnung standen sechs Punkte. Den größten Raum in der Diskussion nahm der Klimaschutz ein.

Rückschläge bei der Energieplanung

Landrat Georg Grabner und Klimaschutzbeauftragter Manuel Münch informierten über die Entwicklung der kommunalen Energieplanung im Landkreis und auf Landkreisebene. Der Landrat erinnerte an die Auszeichnung im November 2018 mit dem Klimapreis. Das Berchtesgadener Land habe damit Vorbild- und Signalwirkung für ganz Bayern. Manuel Münch sprach von 150 unterschiedlichen Projekten, von denen 50 bereits in der Planung und Umsetzung seien. Er appellierte an die Städte und Gemeinden sich aktiv an das Landratsamt zu wenden. Es gibt bis zu 70 Prozent Fördergelder und auch viele Hilfen und Informationen für die Vorplanung.

„Was kostet es,
wenn wir es nicht machen“

Für Simon Köppl (Grüne) ist der Energienutzungsplan des Landkreises ein gute Grundlage. Es gehe jetzt darum die Projekte umzusetzen und weiter zu entwickeln. Er sprach von einem grundsätzlichen Umdenken, das gefordert sei. „Heute sprechen wir darüber was uns die einzelne Maßnahme kostet, künftig werden wir darüber sprechen, was die Maßnahme kostet wenn wir sie nicht umsetzen.“ Und dabei hatte der Kreisrat vor allem den Schutz der Umwelt im Blick. Grabner bezeichnete es als eine Daueraufgabe nachhaltige Politik zu betreiben und bekräftigte nochmals die Möglichkeiten der Einsparung und Nutzung von natürlicher Energiegewinnung. Leider sehe es aktuell mit einem Flusskraftwerk an der Salzach nicht gut aus, wurde ihm bei einem Gespräch im Bayerischen Umweltministerium signalisiert. „Wir sprachen mit einigen Bürgermeistern und MdB Michaela Kaniber in der Sache vor und nahmen den sehr intensiven Eindruck mit, dass sich in der Sache nichts bewegt.“

Windkraft und Mobilitätskonzept

Georg Wetzelsperger (CSU) lobte den Energienutzungsplan, denn man habe damit ein handwerkliches Werkzeug für die Umsetzung von Einsparungen in der Hand. Doch „werden dann konkrete Einzelmaßnahmen in der Praxis häufig ausgebremst“, bedauert er. Dr. Bartl Wimmer klagte über selbst gemachte Erfahrungen bei der Installation einer Hackschnitzelanlage im Verbund mit einigen Nachbarn. „Da geht man einen dezentralen und klimafreundlichen Weg und dann werden von den Bayerischen Staatsforsten für Leitungen so hohe Gebühren erhoben, dass das ganze Projekt zum Fall kommt. Das kann so nicht gehen.“ Grabner stimmte zu, er habe vor Jahren bereits ähnliche Erfahrungen gemacht. „Da muss man kämpfen, sich durchsetzen,“ ermutigte er. Ebenso wurde das Thema Windkraft angesprochen, die Mobilität, eine Verkehrswende und Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr.

Wer reinigt die Biotonnen?

Ein anderes Umweltthema, nämlich ein FDP-Antrag zur Reinigung von Biotonnen, löste weitere Diskussionen aus. Die Auffassungen, ob die Leerung der Tonnen, die Trennung des Mülls bis hin zum pünktlichen Abtransport der gelben Säcke denn jetzt wirklich funktioniere, gingen weit auseinander. Für Grabner war klar, es funktioniert nach Anlaufschwierigkeiten jetzt bestens. Im Landratsamt selbst habe man dafür neue Kräfte eingeschult, Ressourcen erschlossen und die Mitarbeiter hätten sich sehr engagiert, sich auch viel anhören müssen. Edwin Hertlein (Grüne) sieht das anders. „Es läuft ganz und gar nicht, auch nach fünf Monaten nicht. Die Bürger unterscheiden auch nicht, ob es um den gelben Sack oder um die Biotonne gehe. Da liegt noch viel im Argen.“ Dr. Bartl Wimmer forderte eine Stellungnahme des Geschäftsführers des verantwortlichen Unternehmens im Kreistag. „Er muss uns Rede und Antwort stehen.“ Der FDP Antrag selbst wurde mit zwei Gegenstimmen abgelehnt, was Tilo Schöne (Republikaner) bedauerte. Mit einem Hausmeisterservice betreut er über 100 Anlagen im Landkreis und meint: „Mieter in größeren Wohnanlagen trennen nicht sauber, nehmen keine eigenen Papiertüten und es kommt zu erheblichen Verschmutzungen der Tonnen.“

Kindertagespflege und Jugendhilfeausschuss

Ohne Diskussion wurde der Antrag auf die Anpassung der Kostenbeitragsatzung Kindertagespflege ab dem ersten Juni beschlossen. Die Kosten richten sich nach dem Jahresbruttoeinkommen und der täglichen Betreuungszeit. Die maximale monatliche Elternbeteiligung bei der Betreuung eines Kindes bis zu sechs Stunden täglich steigt von 1073,07 auf 1131,22 Euro. Kostenpflichtig wird die Betreuung ab einem Jahreseinkommen von 10.000 Euro.

Gestärkt wurde der Jugendhilfeausschuss des Landkreises mit der Bestellung neuer Mitglieder. Einstimmig wählte der Kreistag Bernd Rohrbach als beratendes Mitglied als Nachfolger für Tabea Seidel. Als stellvertretendes beratendes Mitglied wurde Veronika Pummerer benannt. Des weiteren hat der Kreistag beschlossen Monika Tauber-Spring als beratendes Mitglied zu benennen.

Mehr Geld für die Sanierung
des Rottmayr-Gymnasium Laufen

Die Sanierung des aus dem Jahr 1964 stammenden Rottmayer-Gymnasium in Laufen macht Fortschritte. Der erste Bauabschnitt wurde abgeschlossen und der zweite soll bis September 2019 fertiggestellt sein. Der Kreistag befasste sich jetzt mit dem dritten Bauabschnitt und einer Steigerung der Kosten um 1,074 Millionen (1.074.707,44 €) für die ersten beiden Bauabschnitte. Dazu entfallen noch Mehrkosten von 147.000 Euro für die Anpassung der Nebenkosten „Damit haben wir Mehrkosten von unter 10 Prozent. Bedenkt man die allgemeine Kostensteigerung auf dem Baumarkt, so kommen wir damit noch günstig weg“, erklärt Landrat Georg Grabner. In dem aufgestockten Budget sind auch vorgezogene Kosten und Inventar mit eingerechnet. Ein noch zu klärender Umstand sei dabei die Verwirklichung einer Aula oder die eines großen Pausenraumes. Der Kreistag wird dazu noch zu einem späteren Zeitpunkt eine Entscheidung treffen müssen. „Positiv ist“, so der Landrat, „dass der Zuschuss durch die Regierung von Oberbayern voraussichtlich von 60 auf 65 Prozent steigen wird.“ Insgesamt belaufen sich die Kosten auf knapp 16 Millionen Euro.

Dr. Bernhard Zimmer (Grüne) mahnte an, dass man daraus seine Lehre ziehen sollte und solche Projekte in der Vorbereitung besser durchzurechnen sind. Auch solle man die Lebenserwartung und Ökobilanz stärker in die Planung mit einbeziehen. Grabner entgegnete, dass selbst bei gründlicher Vorplanung, bei fehlenden oder fehlerhaften Altplänen, und vorher nicht abzusehende lokalen Umständen, immer ein Risiko bestehen bleibe. Der Bau des Gymnasiums war noch zu einer Zeit, als Laufen ein eigener Landkreis war. Der Kreistag stimmte einstimmig für die Genehmigung und Änderung des Bau-Umfanges sowie der Genehmigung der überplanmäßigen Mittel für den Bauabschnitt I und II.

Die Vorwürfe an Landrat Georg Grabner:

Er habe behauptet, dass

  • die Neubaumaßnahme Alternativlos ist
  • während seiner Amtszeit für das Landratsamt keinerlei Bauunterhalt geleistet wurde
  • wissentlich gegen Auflagen des Brandschutzes verstoßen wurde
  • Ziel sei der Verkauf des Grundstückes mit 800 Euro je Quadratmeter

„Alle diese Anschuldigungen sind falsch und haltlos“, so der Landrat.

Auszeichnung
für Simon Metzendorf

Simon Metzendorf wurde für seine besonderen Leistungen im Wettbewerb ‚Jugend forscht‘ von Landrat Georg Grabner ausgezeichnet. Er hat eine ‚Murmel-Musik-Maschine“ erfunden, die durch den Fall von Stahlmurmeln auf ein Xylophon Musikstücke abspielt. Unterstützt wurde er dabei vom Gymnasium Berchtesgaden, und vom Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land. Simon will nach Abschluss seines Abiturs im Sommer 2019 eine Lehre als Elektromechaniker absolvieren.

Auf dem Foto (v.l.n.r.): Oberstudienrat Martin Hofreiter (Gymnasium Berchtesgaden), Landrat Georg Grabner, Jürgen Gasteiger (Projektbetreuer am Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land), Simon Metzendorf, Christoph Geistlinger (Geschäftsführer Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land) – Foto: Gerd Spranger

Hohe Erwartungen in das neue Aja-Resort in Ruhpolding

Hohe Erwartungen werden in das Aja-Resort in Ruhpolding gesetzt. Fotos: Gerd Spranger

(gsp) Touristisch ist die Eröffnung des Aja-Hotelresorts in Ruhpoling am 3. Mai ein Paukenschlag, ein Weckruf für die kleine 7000 Einwohner zählende Gemeinde, die jährlich 608.000 Übernachtungen bei 122.000 Gästen verbucht. Das ist ordentlich, doch 1981 zählte man bereits über eine Million Übernachtungen. Auch hat der Ort in den letzten 20 Jahren rund 2000 Gästebetten verloren, bekennt Tourismusmanager Herbert Ringsgwandl. Bürgermeister Claus Pichler spricht von einem Strukturwandel, den der Ort durchlaufen habe, so wie die meisten Urlaubsorte in Oberbayern. „Die Gäste reisen kurzfristiger, bleiben kürzer und dafür mehrmals jährlich,“ führt das Gemeindeoberhaupt aus und ergänzt: „Das neue Ressort könnte eine gute Antwort auf diesen Wandel sein, vorausgesetzt, die Betreiber halten das Geschäft am Laufen und finden gutes Fachpersonal, es wird sich zeigen.“

Blickt man von Inzell kommend auf Ruhpolding, so sind die Greens des Golfplatzes dem Ort direkt vorgelagert. Rechts, direkt am Rand der Greens, liegt das Aja-Resort Ruhpolding

Ruhpolding der Inbegriff Bayerns

Claus Pichler sprach bewusst die glanzvollen Tourismusjahre des Ortes an, als sogar die renommierte Wochenzeitung ‚Die Zeit‘ 1967 schrieb: „Für viele hunderttausend Bundesbürger ist Ruhpolding zugleich der Inbegriff Bayerns geworden, versinnbildlicht Almenrausch und Edelweiß, Schuhplattler und Sepplhose.“ Er meint, dass „Ruhpolding im Tourismus nie so weit gekommen wäre, hätte es nicht den Mut gehabt, neue Wege zu gehen.“ Und dafür steht der Ort im oberbayerischen Chiemgau, im Landkreis Traunstein.

In Bestlage direkt am Golfplatz

Durch die verwinkelte Architektur – drei große Baukörper laufen schräg zueinander zusammen – wirkt das 500-Betten-Hotel nicht so dominierend und passt sich gut in das Landschaftsbild ein.

Das Aja-Hotelresort steht in Bestlage direkt am Rand des Golfplatzes. „Wir haben auch 20 Jahre lang nach einem potenten Investor und Betreiber gesucht“, erzählt Herbert Ringsgwandl. Die Suche hat sich gelohnt, denn in 230 Komfort-Kingsize-Doppelzimmer und 14 Suiten stehen knapp 500 Gästebetten und der Betreiber, die ‚A-ja-Resort und Hotel GmbH‘ (eine 100prozentige Tochter der ‚Deutschen Seereederei GmbH‘), investiert 40 Millionen Euro in den dreigeschossigen Neubau. „Für den gesamten Chiemgau ein interessantes und spannendes Projekt“, freut sich Stephan Semmelmayr von der Chiemsee-Chiemgau-Tourismus. Es fehlen Hotels im gehobenen 3-Sterne und 4-Sterne-Bereich. Hier verzeichnen wir den größten Anfrage-Überhang.“

Größe und Markt
müssen sich entsprechen

Und immer wieder der Blick auf die Ruhpoldinger Bergwelt. HIer der Rauschberg im Hintergrund.

Auf die Größe des ländlich geprägten Umfeldes angesprochen bricht Bürgermeister Claus Pichler eine Lanze für den Investor. „Von den ersten Entwürfen bis hin zur Umsetzung haben die Betreiber viel getan der Landschaft und und dem Umfeld zu entsprechen. Allerdings“, schränkt er ein, „werden Sie nirgendwo ein kleines Haus finden, dass viele Zimmer, Appartements und Suiten bietet und den modernen Erfordernissen des viel gereisten Gastes von heute entsprechen kann. Das ist eine Utopie und der Blick nach anderen touristischen Destinationen zeigt, dass Größe und die Anforderungen des Marktes entsprechen müssen.“

DEHOGA erwartet
neue Impulse für die Region

Frontcooking mit alpenländischen Spezialitäten und besondere Noten von der See, von der Nordsee im Aja-Resort Ruhpolding

Ein Befürworter des Aja-Resort ist der DEHOGA mit seiner Kreisstelle in Traunstein. Hotelier und DEHOGA-Vorstand Peter Stocker sieht für Ruhpolding neue Impulse für einen nötigen Aufschwung. „Ein vergleichbares Projekt findet sich im Chiemgau bislang nicht, doch mehr solcher Hotelprojekte, vor allem im 4-Sterne-Superior-Bereich wünschen wir uns“, bekräftigt Peter Stocker. Selbst führt er seit Jahrzehnten das familieneigene Seehotel Wassermann in Seebruck am Chiemsee. Er sieht keine Konkurrenz für klassische Familienhotels, „die liegen seit Jahren voll im Trend“, ist sich der Hotelier sicher. Und: „ein Resort dieser Größe und Ausrichtung spricht ganz andere Gästekreise an.“

Genügend Platz auf den Greens

Im Aja-Resort Ruhpolding hat man einen Sinn für das Besondere. Resort-Manager Ralf Meister will das Hotel zu touristischen Höhen führen. Dafür steht symbolisch die Gondel einer Bergbahn.

Ebenso freut sich der Golfclub Ruhpoding über diese neue Klientel. Der Präsident des Clubs, Herbert Fritzenwenger, sieht der Eröffnung des direkt an den Greens angrenzenden neuen Aja-Resorts gelassen entgegen. „Wir haben aktuell 1000 Mitglieder und davon etwa 250 aktive, die mehrmals die Woche spielen. Täglich sind etwa 100 Golfer am Platz und wir haben eine Kapazität bis 200, ohne dabei an unsere Grenzen zu stoßen. Das neue Hotelressort ist für den Golfclub Ruhpolding eine große Chance.“

Ruhpoldinger Hoteliers
befürworten das Aja-Resort

Hotelier Markus Eismann
vom 4-Sterne-Alpenhotel Wittelsbach (32 Zimmer/ 60 Betten):

„Wir haben das Projekt immer unterstützt, denn wir brauchen Investment im Tourismus und freuen uns, dass jemand in den Ort und die Region investiert. Ruhpolding bietet bislang kein Haus mit 100 Einzelzimmer für große Tagungen und Kongresse. Es ergeben sich Synergien mit der nahen Chiemgau-Arena, die Biathlon Trainings- und Wettkampfstätte.“

Die Pfarrer Thomas Schmeckenbecher (evang.) und Otto Stangl (kath.) segnen das neue Resort als einen besonderen Ort der Gastlichkeit.

Hotelier Theo Stegmeier
vom 4-Sterne-Wohlfühlhotel Ortnerhof
(44 Zimmer/ 95 Betten)

„Das neue Ressort ist positiv für den Ort. Ein Haus mit dieser Größe und mit diesen Möglichkeiten wird Ruhpolding gut tun.“ Persönlich hätte er sich zwar ein 5-Sterne-Haus gewünscht, doch so ist es ein anderes Konzept und ein anderer Gästekreis, die ihren Weg finden werden.“ Theo Stegmeier hofft auf eine ‚Gute Nachbarschaft‘ und ist überzeugt davon, dass es auch unter den Gästen zu einem gegenseitigen Austausch kommen wird.

Hotelier Christian Mono
vom 4-Sterne Steinbach-Hotel (75 Zimmer/ 130 Betten):

„Von der fachlichen Seite wird es wohl funktionieren, denn es haben sich über viele Jahre hinweg viele Köpfe viele Gedanken gemacht und dabei viel Geld investiert. Das Aja wird einen neuen Gästekreis ansprechen und das wird dem Ort gut tun. Allerdings halte ich persönlich das Projekt für Ruhpolding als zu groß und es passt nicht in das Landschaftsbild. Andere Bauherren haben bereits Probleme ein Dachfenster einzubauen.“

Der Chiemsee-Chiemgau-Touristiker
Stephan Semmelmayr egänzt:

„Die Struktur der Vermieterbetriebe im Landkreis ist extrem klein strukturiert. Nirgendwo sonst ist der Anteil an Kleinvermieter (bis 8 Betten) höher als im Chiemgau. Deswegen brauchen wir dringend solche Betriebe, die hoffentlich auch andere Investoren ermutigen sich in der Region zu engagieren.“

„Ozapft is“ mit dem Bier vom Hofbräuhaus Traunstein, das als regionale Brauerei in das Sortiment mit aufgenommen wurde. Von links: Bräu Maximilian Sailer, Verkaufsleiter Andreas Hell, Resort-Manager Ralf Meister, Richard Hundhammer, DSR-Projektentwickler Torsten Vey und Daniel Bär von der Geschäftsleitung der DSR Hotel Holding.

Keine Tagungen im Ferienhotel

Bereits am zweiten Wochenende nach Eröffnung ist das Aja-Resort ausgebucht, knapp 500 Gäste werden das Hotel an seine Grenzen bringen, der erste wirkliche Testbetrieb. Angestrebt wird eine jährliche Auslastung von 80 Prozent. Zum Konzept des Hotels gehört der bewusste Verzicht auf Veranstaltungsräume, „obwohl die Nachfrage dafür vorhanden ist“, bekennt Ralf Meister. Es gäbe im Ort aber mit dem Kurhaus oder auch mit der nur wenige Kilometer außerhalb gelegenen Chiemgau-Arena genug Räumlichkeiten selbst für größere Events. Damit entfällt auch der Tagungs- und Seminarbereich. „Wir sind ein Urlaubs- und Ferienhotel mit Wellnessausrichtung, das verträgt sich nicht mit dem Geschäftsbereich“, ergänzt der Resort-Manager.

Daniel Bär von der DSR Hotel Holding (Deutsche Seereederei) und Resort-Manager Ralf Meister begrüßen die ersten Gäste im Aja-Resort Ruhpolding.

Das Aja-Resort Ruhpolding ist das erste Ferienhotel des Betreibers in den Alpen. Vor einem halben Jahr eröffnete man das City-Resort in Zürich und in 18 Monaten soll Garmisch Partenkirchen folgen. Die Aja-Resort und Hotel GmbH ist eine Tochter der Deutschen Seereederei GmbH (DSR). 2013 wurde in Warnemünde das erste Aja-Resort eröffnet.

3,5 Sterne für das neue
Aja-Resort in Ruhpolding

Zur Eröffnung des Aja-Resort in Ruhpolding liegt noch keine Sterneklassifizierung durch den DEHOGA vor. Resort-Manager Ralf Meister spricht jedoch von einem 4-Sterne-Haus. Damit dürfte er im Bereich des Spa mit Nivea-Wellnessabteilung, Fitnessraum, Sauna und Schwimmbad richtig liegen, auch mit dem großen Restaurant. Überhaupt ist es für den ländlich geprägten Chiemgau in jeder Hinsicht ein Haus der Superlative. Es braucht Größe, allein im Restaurant werden 220, auf der Terrasse 122 und im Biergarten 60 Plätze geboten. Dem Restaurant vorgelagert ist ein großer Barbereich und eine eigene Lounge für Stammgäste. Hohe Glasfronten geben den Blick in fast alle Richtungen auf die Ruhpoldinger Bergwelt, vom Rauschberg hinüber zum Unternberg und bis zum Sonntagshorn, mit 1961 Meter der höchste Berg im Chiemgau, auf dessen Gipfel die Grenze nach Österreich verläuft.

Der Spa-Bereich von Nivea hat auch für Männer viel zu bieten.

Bei einer 4-Sterne-Klassifizierung dürfte es bei den 230 Hotelzimmern knapp werden. Die Räume wirken beengt, das große Doppelbett füllt fast den ganzen Raum aus und die meisten Zimmer haben noch nicht einmal einen Balkon. Hier wurde mit spitzem Rotstift geplant, doch Hotelmanager Ralf Meister spricht bei einem Preis von 89 Euro pro Person inklusive Frühstück und Nutzung des Spa-Bereiches von einem günstigen Angebot. Der Eröffnungspreis liegt aktuell noch bei 64 Euro. Urlaubsstimmung wird auf den Zimmern nur schwer aufkommen, zum Schlafen aber sind sie ausreichend und das ist wohl auch der Plan. Die 14 Suiten mit großzügigem Raumangebot werden mit 120 Euro p.P. und Nacht berechnet.

Platz nehmen, sich entspannen – Wellness hautnah erleben.

Tagsüber sollen sich die Gäste im Hotel mit seiner breiten Infrastruktur entspannen, im nahen Ort oder an einem der Ausflugs- und Aktivprogramme teilnehmen. Aja-Wunscherfüller beraten dabei und die inkludierte Chiemgau-Karte bietet die kostenlose Nutzung von 30 Attraktionen der Region zum Nulltarif, darunter drei Bergbahnen, zwei Bäder und sechs Museen. Das dieser Trend richtig ist, zeigen auch die Buchungen. Zu 90 Prozent werden Übernachtung mit Halbpension gebucht. Darum gibt es mittags in dem Marktrestaurant mit Frontcooking auch nur ein kleines Angebot aus der alpenländischen Küche, ergänzt mit Fischgerichten und mediterraner Spezialitäten.

Reportage: Gerd Spranger

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