Archiv der Kategorie: wirtschaft

Wertschöpfung und Wertschätzung für regionale Produkte

Im Gespräch mit Hannes Lichtmannegger ist immer seine Begeisterung zu spüren, seine Visionen und Ideen die ihn antreiben. Die bringt er im Landwirtschaftsministerium in München ebenso vor wie in den Landesbezirken von Österreich oder an Unis wie in Innsbruck oder München. „Ob Minister, Professoren oder Lehrende ganz im Allgemeinen, sie haben ein Problem. Die Leute glauben ihnen häufig nicht mehr. Sie wollen wissen, wie es in der Praxis funktioniert, was wirklich geht.“ Und da kommt immer häufiger Johannes Lichtmannegger ins Spiel, der gemeinsam mit seinem Cousin Franz das Berghotel Rehlegg in der Ramsau in den letzten fünf Jahren komplett auf Nachhaltigkeit umgestellt hat.

Achtung vor dem Tierleben

Dem Mensch, die Umwelt und das Tierwohl liegen Johannes Lichtmannegger vom Berghotel Rehlegg am Herzen – Foto: Gerd Spranger

Und immer wieder spricht er von den Bauern, der Landwirtschaft und bemängelt die oft fehlende Anerkennung. „Wertschöpfung und Wertschätzung sollten uns bewusst sein, wenn wir von Lebensmitteln sprechen,“ bekennt Lichtmannegger. Dabei nimmt er Bezug zum eigenen Verhalten als Unternehmer. Er kennt seine Bauern persönlich von denen er Schafe, Kälber und Schweine kauft, und die meisten selbst in der Ramsau ansässig sind. Er war bei den meisten schon im Betrieb, hat sich Stallungen und Tierhaltung angeschaut. Hannes gab auch die Initialzündung für die Wiedereinführung der Züchtung heimischer Rassen, wie etwa das Schwarze Alpenschwein oder die Augsburger Hühner. So können diese Tiere vor dem Aussterben bewahrt werden. Dabei setzt er auf Nachhaltigkeit und artgerechte Haltung. „Ein Masthuhn hat eine Lebenserwartung von 30 Tagen, ein Biohuhn von 80 Tagen und unsere Augsburger Hühner leben ganze 11 Monate lang“, wird er konkret und könnte das Beispiel fast beliebig fortsetzen.

Der Preis allein
darf nicht entscheiden

„Wenn die Konsumenten die Zusammenhänge nicht kennen, ganz einfach weil sie darüber nicht aufgeklärt werden, wird eben fast ausschließlich über den Preis entschieden.“ Und dann wird Hannes doch noch einmal deutlich: „Milchmastkälber schreien deswegen so viel, weil sie Hunger haben und ab der zweiten Lebenswoche eigentlich ‚feste Nahrung‘, also Raufutter in Form von Gras oder Heu brauchen. Es wird ihnen aber häufig verweigert, damit das Fleisch für die Verbraucher weiß bleibt. Und der Tod ist für ihr kurzes Leben von etwa fünf Monaten dann eine Erlösung.“ Die Verhältnisse hätten sich zumindet in Deutschland zwar etwas gebessert, dass es auch anders geht, zeigt der Hotelier in seinem eigenen Betrieb. „Das Kalbfleisch der von unseren Landwirtschafts-Partnern aufgezogenen Rinder ist nicht ganz weiß, sondern rosa, schmeckt aber mindestens genauso gut. Sie erhalten artgerecht ab der zweiten Lebenswoche Raufutter. Unsere Kälber leben beim Muttertier und werden sieben bis neun Monate alt.“

Das Bewusstsein wächst

Johannes Lichtmannegger: „Unser wirtschaften muss enkeltauglich sein“

Umfragen würden zeigen, dass sich in einem Bauernladen zwar 58 Prozent der Kunden zu mehr Qualität bekennen, aber nur sieben Prozent sich dann wirklich dafür entscheiden, wenn der Preis etwas höher liegt, erzählt Johannes. Er bezieht sich dabei auf Erhebungen, des Vereins „Land schafft Leben“, der sich selbst als erster Ansprechpartner für mehr Transparenz rund um österreichische Lebensmittel bezeichnet. Den Verein hat vor sechs Jahren der Landwirt Hannes Royer gegründet, zu dem Johannes Lichtmannegger einen engen Kontakt pflegt. Überhaupt sind Kontakte und Netzwerke für Hannes ganz wichtig. So lädt er etwa einmal im Jahr alle seine Lieferanten zu einem Event ins Berghotel Rehlegg ein. „Es gibt mir die Gelegenheit die Beziehung zu vertiefen, sich für das Engagement und die Leistung meiner Partner zu bedanken, und auch untereinander ist bereits ein gutes und breites Netzwerk entstanden.“

Enkeltauglich:
„Zukunft hinterlassen“

Überregional gewinnen die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und faire Preise für Lebensmittel immer mehr an Bedeutung. Denn nur eine Verknüpfung von Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Konsumenten schaffe eine gute Basis für die Zukunft, ist sich Johannes Lichtmannegger sicher. Sein persönliches Credo, dass auch auf der Webseite des Hotels zu finden ist, lautet „Zukunft hinterlassen“. Gemeint sei damit „ein enkeltaugliches Wirtschaften“, wie Hannes es bezeichnet. Und seine beiden Töchter, Stephanie und Katharina arbeiten bereits im Betrieb mit, die vierte Generation der Hoteliersfamilie des Berghotels Rehlegg in der Ramsau.

Mehr Ökologie und Bio

Dabei stellte sich vor vier Jahren durchaus die Frage, ob man die konsequente Umstrukturierung hin zu mehr Ökologie und Bioprodukten weiter gehen möchte. „Wir haben in diesen Prozess sicher einen sechsstelligen Betrag investiert. Doch sparten wir zugleich aus der verbesserten Energiehaushaltung durch unsere Solartherme, den Photovoltaik-Anlagen und den Blockheizkraftwerken viel ein, so dass wir den Gewinn
wieder reinvestieren konnten. 2017 wurde der Betrieb übrigens als erstes klimapositives Hotel Oberbayerns ausgezeichnet. Es bindet mehr CO2 als es ausstößt.

Kritische Gäste und Verbraucher

„Wenn wir vor vier Jahren von einem CO2-Haushalt gesprochen haben, dann haben uns die meisten Menschen nur ungläubig angesehen. Heute ist es in aller Munde und aus der Öffentlichkeit nicht mehr wegzudenken.“ So hat die Zeit dem Berghotel Rehlegg in der Entscheidung für eine konsequente Ökologie in die Karten gespielt. Die Gäste schätzen und honorieren es heute. „Sie sind auch kritischer geworden und hinterfragen mehr“, beobachtet Hannes.

Klimapositiv durch Humusaufbau

CO2 ist eines der nächsten großen Themen, die Johannes Lichtmannegger bewegen. „Mit Humusbildung können wir viel bewirken,“ ist er sich sicher und bezieht sich auf die Professorin Dr. Ingrid Kögel-Knabner, die 2019 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet wurde. Sie bezeichnet gesunde Böden mit einem nachhaltigen Humusaufbau als einen Meilenstein für ein besseres Klima. Die Bodenwissenschaftlerin Ingrid Kögel-Knabner, ist Professorin für Bodenkunde an der Technischen Universität München und betreibt Grundlagenforschung für ein besseres Klima und Umweltschutz. Die enorme Bedeutung unserer Böden sei allein schon an der Tatsache erkennbar, dass in „einer Hand voll Erde mehr Organismen leben als Menschen auf der Erde“, so die Wissenschaftlerin. Johannes Lichtmannegger hat daraus seine Konsequenzen gezogen und fördert über das Unternehmen Positerra akitven Humusaufbau in der Landwirtschaft.

Kommentar: CSU macht die politische Linke stark

Nein, es wird niemals und in keiner Weise eine Zusammenarbeit mit der AFD geben, so das gemeinsame Credo der Parteien. Ob sie es nun will oder nicht, die CSU arbeitet damit der politischen Linken zu. Sehr deutlich wurde es in diesen Tagen bei der skandalträchtigen Wahl in Thüringen. „Rechtsextreme, alles Nazis und keine Demokraten“, so der Vorwurf vor allem aus der linken Ecke. Demokraten müssen zusammen halten, wobei man die AFD nicht dazu rechnet. Die AFD also keine zugelassene und demokratische Partei in Deutschland?

Es geht aber noch viel schlimmer, denn selbst ein Zeitgenosse vom Kaliber und Status eines Ministerpräsidenten lässt twittern, im Zweifelsfall zitieren, dass es höchst skandalös sei, sich von einer Partei an die Macht heben zu lassen, die für den Tod von Millionen verantwortlich sei. Die AFD für den Tod von Millionen Menschen verantwortlich? Das ist eines Ministerpräsidenten nicht würdig, selbst eines Linken nicht. Auch habe er in dieser dunklen Stunde an Buchenwald denken müssen. Ein AFD-KZ? Wie will ein Mensch ein Land führen, wenn er einem Fünftel der Bevölkerung nicht die ausgestreckte Hand reicht, sondern die geballte Faust hochhält?

Und die CSU? Klar und kraftvoll distanziert sich der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Das ist politisch verständlich und für sich gesehen mag es richtig sein. Doch rutscht die CSU damit ganz automatisch nach links, bereitet zumindest den Weg dafür. Selbst hat sie in Thüringen 12 Prozent an die AFD verloren, ehemalige Wähler, die jetzt ja alle Nazis seien und Nicht-Demokraten. Die CSU positioniert sich so, dass es nur einen ‚Weg nach Links‘ geben kann. Denn rechts der CSU gibt es keinen politischen Raum, er wird kurzerhand ausgeblendet. Das hatte FJS im letzten Jahrhundert eindeutig anders gemeint.

Aber laut gebrüllt wird aus Bayern gerne, da macht es der Söder dem Seehofer gleich. Was haben wir nicht alles für markige Worte gehört, selbst ein Bruch mit der Schwesterpartei CDU stand kurz im Raum, in den Jahren nach 2015, das man getrost als Geburtsstunde einer starken AFD bezeichnen kann. Nur passiert ist dann gar nichts und nicht umsonst lautete ein Wahlslogan, „wer Merkel wähl, wählt CSU“.

Und dass die Kanzlerin Alleingänge bis heute liebt, weiß man nicht erst seit den ‚offenen Grenzen‘, sondern auch nach der Thüringwahl. Merkel schafft an – die Partei folgt. Und dann ist diese Partei eben mal grün angehaucht und im nächsten Moment rot, man ist wandelfähig, ganz wie es dem Zeitgeist beliebt. Nur was soll der Wähler glauben? Und ganz offensichtlich glaubt er nicht mehr, weder der Kirche, noch der CSU, noch der CDU. Welche Alternative bleibt ihm dann? Die SPD hat sich längst vom Status einer Volkspartei gelöst. Die Wähler suchen Alternativen.

In Thüringen soll jetzt eine linke Regierung an der Macht gehalten werden, die weder eine Mehrheit verfügt, noch aus der letzten Wahl gestärkt hervorging. In Summe haben Linke, SPD und Grüne fast zwei Prozent verloren. Neuwahlen lehnen die Parteien ab, aus gutem Grund. Es ist völlig klar, dass es in Thüringen nicht um den Willen der Wähler geht. Denn was nicht passt, das darf nicht sein. Geistlicher Führer des Volkes ist dabei die Bundeskanzlerin Angelika Merkel. Sie hat die Richtung unmissverständlich vorgegeben.

Auf Welt.de wird das aktuell so kommentiert:
„Die Widersprüche, denen die Christdemokraten in Erfurt nicht gewachsen waren, stellen sich der Partei in ganz Ostdeutschland. Auch die Gemütslage, die von Unverständnis über die Politik der Kanzlerin längst in Aggression gegenüber der Berliner Parteizentrale umgeschlagen ist, gleicht sich überall in den neuen Ländern – und teilweise auch darüber hinaus. Deshalb war Thüringen kein Unfall, sondern könnte erst der Anfang gewesen sein.“

Zum Autor:
Der Autor ist kein Mitglied der AFD, auch keiner anderen politischen Partei. Es geht ihm um eine „Un-Kultur“ der politischen Sprache, die im Nachgang der Thüringer Wahlen hochkochte. Es geht um das hohe Gut einer Demokratie, die angesichts der Sprache und jüngsten Entwicklungen gefährdeter denn je zu sein scheint. Und es geht um das unbedingte Festhalten an der politischen Macht und die hohen Bezüge, notfalls bis zum Zerbruch – gegen jede Vernunft.

„Es ist Zeit für einen politischen Neuanfang“

Die FWG startet im Gasthof Bürgerbräu in den Wahlkampf für die Kommunahlwahl am 15. März. – Fotos: Gerd Spranger

„Nach 14 Jahren ist es Zeit für einen politischen Wechsel in Bad Reichenhall“, bekräftigt FWG-Vorsitzender Hans-Jürgen Frankenbusch bei der Präsentation von Kandidatinnen und Kandidaten und dem Zukunftsprogramm der FWG Bad Reichenhall im Gasthof Bürgerbräu. Die FWG wurde im Stadtrat von Bad Reichenhall 2014 zwar zur zweitstärksten Fraktion gewählt, doch war sie in den letzten sechs Jahren in der Rolle der Opposition. Mit der neuen dynamischen Kandidatin für das Amt des Oberbürgermeisters, Ania Winter, will sie das ändern. Mit Spannung wurde darum auch Ihre Vorstellung im mit fast 100 Personen vollbesetzten Festsaal der Braugaststätte erwartet.
Martin Strobl aus Ainring moderierte die Veranstaltung.

Martin Strobl moderierte die Veranstaltung, führte durch die Kandidatenvorstellung, begleitete die Oberbürgermeisterkandidatin und die Stadtratskandidaten bei der Vorstellung des Wahlprogrammes.

Ania Winter ist Rechtsanwältin, 51 Jahre, verheiratet und hat zwei Töchter. Sie durchlief nach ihrem Abitur eine Ausbildung zum Automechaniker, „und ich weiß wie es ist, nach einem harten Acht-Stunden-Tag müde nach Hause zu kommen.“ Dabei ist ihr Arbeitsalltag als selbständige Rechtsanwältin meistens deutlich länger, und seit 2012 leitet sie im Caritas Zentrum von Bad Reichenhall die Soziale Beratungsstelle für das Berchtesgadener Land, kennt die Brennpunkte und elementaren Nöte vieler Menschen. Seit gut zehn Jahren wohnt sie und ihre Familie in Bad Reichenhall, zuvor lebte die gebürtige Fränkin zehn Jahre in Schönau am Königssee. Privat verbringt sie am liebsten Zeit mit ihrer Familie, kocht gerne gemeinsam mit ihren zwei Töchtern oder ist sportlich für die Gesundheit und Erholung unterwegs.

Auf dieses Gleichgewicht an guten zwischenmenschlichen Beziehungen und fachlicher Kompetenz, wenn es etwa darum geht, Rechte von Menschen in Not durchzusetzen, legt sie Wert. Als künftige Oberbürgermeisterin von Bad Reichenhall ist ihr darum die fundierte Ausbildung als Juristin wichtig, aber gleichzeitig auch, die Menschen dort abzuholen, wo das Engagement eines Verwaltungschefs gefordert ist. „In der Verwaltung, in den städtischen Einrichtungen und auch in zur Stadt gehörenden Gesellschaften, arbeiten qualifizierte und gute ausgebildete Menschen, die ihren Job hervorragend erledigen. Es ist aber immer auch eine Frage der Motivation, in wie weit sich der Einzelne für die Stadt und ihre Bürger engagiert.“

Ania Winter ist für die FWG die Oberbürgermeister-Kandidatin in Bad Reichenhall

Politisch ist Ania Winter unbelastet, darum „unvoreingenommen, innovativ und emotional belastbar“, ist im Wahlkampfjournal der FWG zu lesen, das sich auf zwei Seiten auch eingehend der Frage widmet, was denn eigentlich die Aufgaben eines Oberbürgermeisters oder eines Stadtrates sind. Winter signalisiert damit deutlich, wie ernst sie die gestellten Anforderungen nimmt. Ania Winter und einige FWG-Stadträte kritisieren, dass Bad Reichenhall in einigen Bereichen hinter den Erwartungen zurückbleibe. Es wurde versäumt, das ganze Potential als Kreisstadt voll auszuschöpfen. Verantwortlich dafür sehe man, dass in den letzten Jahren die Handlungsspielräume der Stadt und Regulierungs-Instrumente nicht voll ausgeschöpft wurden. Es wurden auch Beschlüsse des Stadtrates nicht, nicht entsprechend oder nur schleppend umgesetzt.
Aus diesem Grund sei ein Wechsel an der Führung der Stadtregierung überfällig. Auch der Umstand, dass es so viele Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters gebe, zeige, dass weitgefächert ein Führungswechsel als notwendig erachtet werde.

Es ist Wahrzeichen und ein Schmuckstück der Alpenstadt Bad Reichenhall. Die historischen Gebäude der Alten Saline. Im HIntergrund der Hausberg Predigtstuhl.

Wie kann man die ‚Schmuckstücke der Stadt‘ noch mehr zum Leuchten bringen? Wie gut wird das Stadtmarketing tatsächlich umgesetzt? FWG-Stadtrat Gerhard Fuchs bringt es auf den Punkt: „Wir Reichenhaller sollten viel mehr stolz auf unsere Stadt sein, auf das, was wir haben. Da dürfen wir gerne noch von den Berchtesgadenern lernen.“ Er führt weiter aus: „Wir haben flächendeckende Kinderbetreuung in den einzelnen Stadtgebieten, sozialverträglichen Wohnraum über die Reichenhaller Wohnbau, und eine starke Kur GmbH, die öffentlichen Gebäude, Parks und Einrichtungen wie die Rupertustherme unterhält. Zudem die Stadtwerke, die die Energieversorgung sicherstellt.“ Fuchs wehrt sich dagegen, dass Stadtteile gegeneinander ausgespielt werden. Das unterstrich auch Stadtrat Friedrich Hötzendorfer und zitierte den ehemaligen Landtagspräsidenten Alois Glück mit den Worten, dass es ‚politischer Auftrag sei, das Gemeinwohl auch bei unterschiedlichen Ansichten im Blick zu haben‘. „Wir müssen verantwortlich handeln, und das bei angespannter Haushaltslage“, mahnt er an.

FWG-Vorsitzender Hans-Jürgen Frankenbusch stellt sich auch 2020 wieder der Wahl zum Stadtrat von Bad Reichenhall.

Bei der FWG-Präsentation flammten immer wieder die Themen Wohnraum, Stadtentwicklung und Verkehr auf. Beim Verkehr sollen der ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) gestärkt, Radwege ausgebaut und geschaffen und der Verkehr insgesamt aus der Stadt gebracht werden. Für die Oberbürgermeister-Kandidatin Ania Winter ist die Sachlage langfristig eindeutig. „Es gibt vom Deutschen Bundestag bis hinunter zum Stadtrat eindeutige Beschlüsse für eine Ortsumfahrung Bad Reichenhall. Wir werden uns mit Nachdruck dafür einsetzen. Bis es soweit ist“, betont Ania Winter, „werden wir alles unternehmen, um die Situation vor Ort zu verbessern.“

Eine offene Aussprache bei der FWG-Wahlveranstaltung in Bad Reichenhall. Oberbürgermeister-Kandidation Ania Winter und Moderator Martin Strobl

Glücklich ist sie, dass Bad Reichenhall mit den Stadtwerken eine starke regionale Energieversorgung hat. Damit ist eine Energieautarkie ein realistisches Ziel. Über den sozialen Wohnungsbau hinaus brauche es auch Baugründe, damit junge einheimische Familien sich ‚den Traum vom Eigenheim‘ erfüllen können. Bad Reichenhall müsse sich wieder auf seine touristischen Stärken wie Kur- und Gesundheit besinnen, mehr für die Ansiedelung kleiner Gewerbebetriebe unternehmen und eine solide Finanzpolitik betreiben.

Mit der Wahl des neuen Oberbürgermeisters am 15. März wird auch ein neuer Stadtrat, ein neuer Kreisrat und Landrat gewählt. Die FWG ist nicht nur Teil der Regierung in Bayern, sondern ebenso in allen Städten und Kommunen vertreten. So präsentierten sich im Bürgerbräu die Kandidaten für die Kommunalwahlen. Einen guten Eindruck hinterließ der FWG-Landratskandidat Michael Koller. Auch er hat sich nach seiner Schulzeit für eine Ausbildung im Handwerk entschieden und sich zum Fachlehrer weitergebildet. Seit 2007 unterrichtete er an der Realschule in Freilassing und seit 2016 ist er Verwaltungsleiter im Pfarrverband Stiftsland Berchtesgaden. Politisch engagiert er sich als FWG-Fraktionssprecher im Gemeinderat Berchtesgaden und ist stellvertretender Kreis- und Bezirksvorsitzender. Im Ehrenamt ist Michael Koller erster Vorsitzender der Untersberger Weihnachtsschützen und Kurator der Kirche Maria am Berg.

Oberbürgermeister-Kandidatin Ania Winter und der FWG-Kandidat für den Landrat, Michael Koller.

Er bekräftigt sein Engagement und seine Kämpfernatur mit seiner Lehrerstelle im sozialen Brennpunkt München-Hasenbergl. „In der Pause hatten wir Polizeischutz. Wer hier im Sinne einer ausgeglichenen und stabilen Persönlichkeit überlebt, der schafft es überall.“ Er wünscht sich für den Landkreis mehr Dynamik, Fortschritte beim Verkehr, beim Wohnen und im Bildungsbereich, den er auch auf Fachkräfte in den jeweiligen Berufen verstanden wissen will. „Es ist aber auch unsere Aufgabe Menschen mit sozialen Schwierigkeiten aufzufangen und zu helfen. Ein Landrat ist der Kommunikator des Landkreises, er kann viel bewegen“, ist sich Michael Koller sicher und der 43jährige will es voller Elan angehen.

Die Oberbürgermeisterkandidatin Ania Winter brauchte auf Nachfrage aus dem Publikum nicht lange zu überlegen, was ihr an Bad Reichenhall so besonders gefällt. „Viel Natur in allen Richtungen, sauberes Wasser, gute Kindergärten und Schulen, die Nähe nach Salzburg und Berchtesgaden, die Fußgängerzone, Tourismus und Kur mit allen Einrichtungen wie Kurpark, Philharmonisches Orchester, die vielen Parks der Stadt, Stadtwerke und Wohnbau sowie das Vereinswesen, Tradition und Brauchtum, die für unsere Werte stehen.“ Diese Werte zu erhalten, dafür will sie ihre ganze Energie und ihre Kraft als Oberbürgermeisterin einbringen.

Kunden-Abzocke bei Aldi?

Kommentar:
Kunden-Abzocke bei Aldi?

12 große Schilder prangen an den Laternenmasten. Wurden Sie erst kürzlich montiert, haben sich die Beschwerden bei Aldi gehäuft?

Es ist letztlich einerlei, ob es Knöllchen durch Zweckverbände oder von privaten Dienstleistern gibt. Allerdings dürfte es sich in den meisten Fällen eher um eine Abzocke, als um eine Dienstleistung handeln. Besonders verstärkt wird dieser Eindruck, wenn bei Discountern Kundenparkplätze streng kontrolliert werden. So auch der Parkplatz bei Aldi in Bad Reichenhall. Es trifft immer wieder ‚Kunden‘, die zu Strafzahlungen herangezogen werden, weil sie auf einem ‚Privatgelände geparkt‘ haben. Getroffen hat es einen Bekannten am Freitag. Er wollte „nur noch schnell fünf, sechs Sachen erledigen (einkaufen) und dann ab in ein langes Wochenende starten“, dachte er voller Elan und Vorfreude.

Der zehnminütige Einkauf für 14,50 Euro wurde am Aldi-Parkplatz von einer weiteren Forderung in Form eines gelben Zettel an der Windschutzsscheibe gekrönt. „30 Euro Vertragsstrafe“ werden verlangt, er empfindet es ganz einfach als ‚Abzocke bei Aldi‘ und hat den Eindruck, der Kontrolleur habe schon gelauert, jemandem ’30 Euro Vertragsstrafe‘ aufzubrummen. Sogar die öffentliche Verkehrsüberwachung gibt zehn Minuten Zeit, um das eigene Fehlverhalten zu korrigieren.

Nochmal 200 Prozent Aufschlag auf den Einkauf, für  einen Moment der Unaufmerksamkeit, um noch ’schnell was einzukaufen‘ ist hart. Die nächsten schnellen Einkäufe wird er nicht mehr bei Aldi erledigen, versichert er mir. Denn weder bei Edeka, noch bei Norma, Penny oder Netto habe er jemals einen Strafzettel erhalten, und er nutze wöchentlich alle vier Geschäfte. Abzocke am Parkplatz gab es für ihn in den letzten 50 Jahren nur bei Aldi.

Von einem ‚Kunden-Parkplatz‘ zu sprechen ist Hohn in seinen Ohren. Die mittlerweile zum Geschäftsmodell von „Park & Controll PAC GmbH“ weiter entwickelte ‚Abzocke am Aldi-Parkplatz‘ hatte ursprünglich ja einen ganz anderen Hintergrund. Es sollte der Missbrauch durch Dauerparker beendet werden. Und um 8.50 Uhr bei halbleerem Parkplatz ist sehr gut zu sehen, wer ‚eben mal einkauft‘ oder sich als Dauerparker aufstellt. Zumal die Scheiben des Autos wegen eines Garagen-Stellplatzes – bei Minustemperaturen – komplett eisfrei waren. ‚Eben mal einkaufen‘ führt bei Aldi dann mitunter zu einer richtigen Abzocke auf dem Kundenparkplatz, der diesen Namen eigentlich nicht mehr verdient. Mit Kunden geht man anders um.

Gerd Spranger, Bad Reichenhall

Kunden-Freundlichkeit geht anders. Lesen Sie unseren Beitrag:
https://meinreichenhall.wordpress.com/2019/05/13/innovation-und-technik-fuer-aufschwung-in-berchtesgaden/

Gebirgsjägerbrigade 23: „Sich in einer schnell ändernden Welt behaupten“

Es könnte das letzte Jahrespressegespräch von Brigadegeneral Jared Sembritzki in Bad Reichenhall bei der Gebirgsjägerbrigade 23 gewesen sein, denn „unsere Stehzeit hält in der Regel drei Jahre, bevor die Karrierereise weitergeht“, erzählt er freimütig. Und der General blickt optimistisch auf das Erreichte für seine Truppe. Seine drei Gebirgsjägerbataillone sind im Auslandseinsatz, im Gefechtsdienst und mit Sonderaufgaben betraut. Es ist ein routierendes System, um allen Anforderungen gerecht zu werden.

Gebirgsjägerbrigade 23 sorgt
für Stabilität in der Welt

„Innerhalb der Landes- und Bündnisverteidigung müssen wir für realistische Einsätze, also unter Gefechtsbedingungen, bereit sein“, bekräftigt der General und erklärt: „Die letzten 20 Jahre sorgten wir für Stabilität in unruhigen Regionen der Welt. Selbst war ich dreimal in Afghanistan und das war für viele in der Truppe die Zeit ihres Karriere-Anfangs. Das prägt uns, wir sind noch nie in direkter Konfrontation mit einem gleichwertigen Partner gestanden. Doch dafür müssen wir bereit sein.“

Brigadegeneral Jared Sembritzki beim Pressegespräch in Bad Reichenhall

Er bekräftigt das Engagement auf internationaler Ebene, etwa bei der militärischen Großübung „Defender 2020“. In wenigen Wochen führen die US-Streitkräfte rund 20.000 Soldaten über Deutschland nach Polen und ins Baltikum. Deutschland wird logistische Drehscheibe bei der von den US-Steitkräften geführten Übung, an der sich insgesamt 19 Staaten beteiligen und auch die Bundeswehr eingebunden ist.

Gefechtsübung Berglöwe mit Salzburg?

Die Gebirgsjägerbrigade 23 agiert im September im Rahmen der freilaufenden Gefechtsübung „Berglöwe“ zwischen Rosenheim un Berchtesgaden. „Wir versuchen darüber hinaus eine Kooperation mit Salzburg zu erreichen, doch der Ausgang ist noch ungewiss“, informiert Jared Sembritzki. „Im abgeschirmten Bereich eines Übungsplatzes kann leicht nach Plan und Handbuch gearbeitet werden, doch unter realen Bedingungen schaut das anders aus, viele unvorhergesehene und manchmal sehr plötzlich auftretende Umstände erfordern Geschick, Flexibilität, Kommunikation und Führungsstärke. Das Interesse und Verständnis in der Bevölkerung für diese Art der offenen Übung ist groß, wie die Erfahrung der letzten zwei Jahre zeigen“, freut sich der General.

Neue Software für die Truppe

Ganz andere Herausforderungen stellt etwa die Gefechtsstandsübung „Schneller Degen“ vom 03. bis 11. Februar 2021 in Wildflecken. Die Brigade 23 tritt gegen eine deutsch-französische Brigade mit je zwei Gefechtsständen auf digitaler Ebene an. Szenarien werden erstellt und Entscheidungsabläufe gegen einen starken Gegner durchdacht, der sich schnell bewegt und ebenso über modernste Technik und Ausstattung verfügt. Zum Einsatz kommt dabei eine neue „Gefechtsstands-Software“ auf Grundlage von SitaWare, das in ein neues Battle Management System (BMS) eingebunden ist.

In der Nato kompatibel sein

Für Brigadegeneral Jared Sembritzki ein wichtiges Instrument der schnellen Kommunikation, wie es von vielen anderen europäischen Ländern bereits benutzt wird und ebenso von den USA. „Nur so ist gemeinsame Kommunikation im Bündnisfall möglich.“ Die besonderen Kenntnisse der Gebirgsjäger seien dabei besonders gefragt, denn die Bedingungen im Gelände unterscheiden sich meist von jenen, die auf Karten oder in Animationen zu sehen sind. Im Gelände werden sich dabei etwa 900 Soldaten bewegen und die Gefechtsstände besetzen.

Mali spitzt sich zu

Seit vielen Jahren ist die Gebirgsjägerbrigade 23 auch in Mali, als Teil der Blauhelmmission der Vereinten Nationen, im Einsatz. Nach Ansicht von Brigadegeneral Jared Sembritzki spitzt sich dort die Situation zu. Die Gewalt unter den ethnischen Gruppen nimmt zu, die Aufgabe der Gebirgsjäger bestehe vor allem in der zivilen Mission, im Lagebericht. „Die Situation wird nicht allein dadurch besser, dass wir da sind“, bekennt der General. „Arabische Islamisten, Nomaden und Sesshafte kämpfen um Macht, Einfluss und Geld. Unser Beitrag dient der Stabilisierung des Staates.“

Ausbildung in der Mongolei

Ganz anders stellt sich ein neues Engagement der Bundeswehr in der Mongolei dar. Ein Besuch hoher Regierungsvertreter aus dem Land, das halb so groß wie Europa ist, bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall, hat den politischen Wunsch geweckt Kräfte im Land entsprechend auszubilden. „Wir arbeiten in Afghanistan mit militärischer Unterstützung aus der Mongolei, so dass Kontakte bestehen und wir diesem Wunsch letzlich nachkommen“, informiert Jared Sembritzki. 25 Offiziere bilden dort etwa 50 Soldaten aus, jeweils für vier bis sechs Wochen zweimal jährlich.

„Die Motivation ist hoch und was an Ausrüstung fehlt, machen die Mongolen an Eifer und gutem Willen wett.“ Zur Ausbildung zählt ebenso das Klettern wie Seiltechniken am Fels. Hilfe bei der militärischen Ausbildung leisten die Gebirgsjäger in Bangladesch, Senegal, Benin und Ägypten, hier vornehmlich in der Grundausbildung über Waffensysteme und Sprengfallen. Selbst auf Zypern sind nun einige Gebirgsjäger stationiert. Sie sind im Rahmen der UN-Mission Unifil eingesetzt und kümmern sich um die Logistik am Hafen. Angedacht war darüber hinaus ein „Wüstentraining“ in Israel, denn „die Truppe der Gebirgsjäger muss unter extremen Wetterbedingungen bestehen können. Ob im Hochgebirge oder in heißen Wüsten“, so der General.

Sich der neuen Zeit stellen

Zum Schluss des Jahresgespräches plauderte Brigadegeneral Jared Sembritzki noch privat über seine neuesten Erfahrungen in den Sozialen Medien, nicht ohne dabei „seine Truppe“ im Blick zu haben, denn der Umfang mit den neuen Medien bei der Bundeswehr sieht er problematisch. „Wir müssen uns auch hier einer neuen Zeit stellen und die Medien besser für uns nutzen.“ Und damit war er bei der Außendarstellung und der Gewinnung von Nachwuchskräften angelangt. Wie es damit aktuell bei der Gebirgsjägerbrigade 23 bestellt ist, berichten wir in unserem nächsten Beitrag.

Das könnte Sie auch interessieren:
https://meinreichenhall.wordpress.com/2020/01/16/drei-betriebe-beim-umweltpakt-bayern-ausgezeichnet/

Drei Betriebe beim Umweltpakt Bayern ausgezeichnet

Drei Betriebe aus dem Berchtesgadener Land wurden jetzt für qualifizierte freiwillige Umweltleistungen als Teilnehmer am Umweltpakt Bayern ausgezeichnet. Der stellvertretende Landrat Rudolf Schaupp hob dessen Bedeutung für die Wirtschaft hervor und bekräftigte die Vorreiterrolle Bayerns. „Seit 25 Jahren prägen Freiwilligkeit und die Übernahme von Eigenverantwortung beim Umweltpakt Bayern den Charakter der Initiative. Ökologie und Ökonomie ergänzen sich auf sinnvolle Weise.“ Schaupp bezeichnet das Berchtesgadener Land mit Nationalpark und Biosphärenregion als den führenden Naturschutz-Landkreis in Bayern.

Wirtschaft und Ökologie sollen beim Umweltpakt Bayern zusammen gestalten. Die Preisträger im Berchtesgadener Land (v.l.): Markus Jung und Geschäftsführer Franz Praxenthaler von dem Unternehmen Hörl Kunststofftechnik in Laufen, Geschäftsführende Gesellschafterin Irene Wagner von der psm protech aus Marktschellenberg, stellvertretender Landrat Rudolf Schaupp, Rogger Peter-Eggerdinger und Vorstand Karl-Heinz Schörghofer von der MAFO Systemtechnik aus Teisendorf – Foto gsp

Leistungsstark: Hörl, Mafo und psm

Mit den Unternehmen „psm protech“, Marktschellenberg, Mafo Systemtechnik AG, Teisendorf, sowie Hörl Kunststofftechnik, Laufen, sind drei familiär geprägte Betriebe des Mittelstandes mit insgesamt 510 Beschäftigten ausgezeichnet worden. Allein 71 Auszubildende zeugen vom Engagement der drei Unternehmen über den Umweltschutz hinaus mit sozialer Verantwortung in und für die Region. Dies bekräftigten unisono die Bürgermeister der drei Gemeinden, Franz Halmich (Marktschellenberg), Thomas Gasser (Teisendorf) und Hans Feil (Laufen).

Sie hoben ihre Bedeutung als herausragende Arbeitgeber im Ort hervor, die hohe Beiträge an Gewerbesteuer leisten und sich für das Allgemeinwohl engagieren. Bürgermeister Franz Halmich dankte für die großzügige Praxis bei Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr bei der „psm protech“, für die selbstlose Freistellung ihrer Arbeitskräfte. Als freiwillige Umweltleistung gestaltete die psm die Parkplatzrandstreifen neu, verwandelte eine 500 Quadratmeter große Wiese in eine artenreiche Blumenwiese mit regionalem Saatgut, setzte heimische Pflanzen, legte eine Streuobstwiese an und sorgte im Heckensaum für eine Anreicherung von Arten. Geschäftsführerin Irene Wagner: „Ein wenig Wildwuchs tut der Natur und uns Menschen gut.“

Auch die Bürgermeister der Gemeinden freuen sich über das Engagement und die gute Entwicklung ihrer Betriebe. Links Bürgermeister Hans Feil (Laufen), Mitte Bürgermeister Franz Halmich (Marktschellenberg), Rechts Bürgermeister Thomas Gasser (Teisendorf)

Die Hörl Kunststofftechnik GmbH aus Laufen machte die Gestaltung einer neuen Blumenwiese gleich zu einem Azubiprojekt und realisierte mit der Biosphärenregion BGL eine naturnahe Gestaltung des Außenbereichs. Aber auch im Betrieb selbst setzt man ganz auf Umweltschutz. Auf dem Dach des Betriebsgebäudes sorgen Photovoltaikanlagen für Energieeinsparung und einer Verminderung der CO2-Emissionen. Selbst für die Heizung fällt kein Energieverbrauch an, denn die Wärme wird aus der Abwärme der Spritzgussmaschinen gewonnen. Die Kunststoffabfälle werden im Haus regranuliert und erneut zugemischt. Zur Sicherung einer umweltgerechten Mobilität hat das Unternehmen ein Elektrofahrzeug für den Kurzstreckenverkehr bestellt. Geschäftsführer Franz Praxenthaler erinnerte an das Jahr 2013, als das Unternehmen am Ortseingang von Laufen auf der grünen Wiese komplett neu erstand. „Damals haben wir mit auf den Weg bekommen, was Schönes für den Ort zu tun, einen repräsentativen Entrée für den Ort zu gestalten. Daran haben wir uns bis heute gehalten.“ Das Unternehmen will 2020 neben Radweg und Straße noch einen eigenen naturnahen Themengarten anlegen und so zu einer weiteren Verbesserung des Ortsbildes beitragen.

Und vor dem Betrieb
grasen die Kälber

Bei dem Unternehmen Mafo Systemtechnik in Teisendorf grasen im Sommer Kälber vor dem Betriebsgelände und die Grünflächen machen zeitweise einen ungepflegten Eindruck. „Das aber ist so gewollt, wir wollen ein Stück Natur zurückholen und setzen auf Biodiversität. In idyllischer Lage, nahe am Wald gelegen, passt es zu uns“, erklärt Vorstand Karl-Heinz Schörghofer. Unterstützung hat er durch Roger Peter-Eggerdinger, Leiter des Qualitätsmanagements, der sich privat im Gartenbauverein engagiert. Bei der Verleihung der Urkunde vom Umweltpakt Bayern im Landratsamt hob Rudolf Schaupp die freiwilligen Leistungen des Betriebes hervor: „Sie haben als Teilnehmer am Blühpaket Bayern 13.000 Quadratmeter Fläche neu gestaltet und verzichten auf chemische Pflanzenschutzmittel. Bereiche der Blühflächen bleiben über den Winter ungemäht.“ Die Urkunden für die drei Betriebe wurden von Bayerischen Staatsminister für Umweltschutz, Thorsten Glauber gezeichnet.

Biosphärenregion
leistet aktive Hilfe

Aktive Hilfe erführen die ausgezeichneten Unternehmen von der Verwaltungsstelle der Biosphärenregion Berchtesgadener Land e.V., die Unternehmen, Schulen, Vereine und Kommunen beraten. „Zum Einsatz kommt autochthones, also in der Region wachsendes Saatgut, das in den letzten Jahren aufwändig gezüchtet und geerntet wurde“, erklärt Sabine Pinterits von der Biosphärenregion. Zuvor aber müsse der Boden von einem fetten und humsreichen Erdreich hin zu einem mageren Boden bearbeitet werden, was mit der Einbringung von Kies und Sand erfolgt. Bei den Unternehmen selbst werden Mitarbeiter geschult und eingewiesen, was widerrum eine hohe Kooperationsbereitschaft der Betriebe voraussetzt. „Die Maßnahmen gehen über das Schaffen von kulturtypischen Blumenwiesen hinaus, wie sie etwa bis in die 50er-Jahre typisch für die Region waren. Wir realisieren gemeinsam mit den Firmen sogar Streuobstwiesen, Heckenpflanzungen und schaffen insgesamt eine artenreiche Struktur des Umfeldes der Betriebe, so dass selbst Wildbienen wieder einen Lebensraum finden.

Lebenshilfe München ist für die Zukunft gut aufgestellt

Den Original-Bericht finden Sie auch im Blog der Lebenshilfe München

Vorstand soll
hauptamtlich tätig sein

Die Neuwahl der Lebenshilfe München im November 2019 hat die Weichen für die künftige Entwicklung des Elternvereins gestellt. Mit der Zustimmung zur neuen Satzung und deren Genehmigung durch das Vereinsgericht kann nämlich ein hauptamtlich tätiger Vorstand eingesetzt werden. Berufen wird der neue Vorstand durch den Aufsichtsrat, den die Mitgliederversammlung jetzt neu gewählt hat – wie im aktuellen Newsletter der Lebenshilfe ausführlich berichtet. Die Lebenshilfe München ist für die Zukunft gut aufgestellt.

Für eine neue Satzung gestimmt

Die Redaktion hat nachgefragt, warum diese Änderung für den Verein so wichtig ist. Zunächst hält Geschäftsführer Peter Puhlmann fest: „Wir haben den im März von der Mitgliederversammlung eingeschlagenen Weg jetzt konsequent weitergeführt. Vorab wurde die neue, jetzt beschlossene Satzung durch das Finanzamt geprüft, um die Gemeinnützigkeit nicht zu gefährden. Mit Annahme durch das Vereinsregistergericht tritt sie 2020 voraussichtlich in Kraft.“

Der neu gewählte Aufsichtsrat der Lebenshilfe München (v.l.): Peter Springmann, Petra-Bianca Koch, Gudrun Oßmann, Andrea Siemen (AR Vorsitzende), Dr. Hubert Jäger und Friederike Stadler. Im Bild auch der Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann (ohne Blumen).

„Den Verein stärken“

Seit März 2019 ist die Volljuristin Andrea Siemen die neue Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe München. Sie engagiert sich seit 2008 im Elternverein und war die letzten Jahre stark in der Angehörigenberatung eingebunden, da hier juristischer Rat immer wichtiger wird. Sie bekräftigte im Frühjahr bereits, „die Reorganisation des Vereins aktiv mit zu begleiten und die Zusammenarbeit innerhalb des Vereins zu stärken.“

Zuversicht für die Zukunft

„Die Situation für die Angestellten wird sich weiter verbessern. Wir wollen den Mitarbeitern der Lebenshilfe mit Hilfe der neu beschlossenen Satzung nicht nur einen sicheren Arbeitsplatz erhalten, sondern auch Zuversicht geben. Auf diese Weise können wir noch mehr anpacken, neue Projekte planen und so, gut aufgestellt, in die Zukunft gehen“, bekräftigt die Vorsitzende.

25 Millionen Euro Umsatz

Dabei betont sie, dass es schon länger absehbar war, dass so ein großer Verein sich nicht mehr mit einem ehrenamtlich tätigen Vorstand bewältigen lasse. Peter Puhlmann ergänzt: „Wir sprechen von einem Unternehmen mit 25 Millionen Euro Umsatz, von 435 Mitarbeitern mit insgesamt 268 Vollzeit-Stellen plus 700 bis 800 ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern.“ Der Anteil an weiblichen Mitarbeitern liegt bei über 80 Prozent.

Mitglieder wichtigstes Gremium

Als wichtigste Neuerung bezeichnet Andrea Siemen den alle drei Jahre durch die Mitgliederversammlung berufenen ehrenamtlichen Aufsichtsrat, der dann die hauptamtlichen Vorstände beruft. „Die Mitglieder also bleiben das wichtigste Gremium des Vereins. Darüber hinaus wird es zukünftig neben dem Kuratorium auch Beiräte (z.B. Angehörigenbeirat, Selbstvertreterbeiräte) geben. Sie haben die Möglichkeit sich regelmäßig mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat auszutauschen und diese zu beraten. Als hauptamtlicher Vorstand ist der bisherige Geschäftsführer Peter Puhlmann besetzt. Eine zweite Person wird gesucht und die beiden Vorstände werden sich dann gemeinsam um das operative Geschäft der Lebenshilfe München kümmern und die Weichen für die Zukunft stellen.“

Entwicklung begann 2017

Geschäftsführer Peter Puhlmann sieht den Weg hin zu mehr Professionalisierung des Elternvereins bereits seit 2007 im Werden. „Damals wurden mit zwei gemeinnützigen GmbHs die Bereiche „Wohnen“ und „Kinder und Jugend“ organisatorisch und auch rechtlich aus dem Elternverein herausgenommen, ohne dass dabei der Elternverein sein Mitspracherecht verloren hätte. Es folgte dann die Einsetzung eines hauptamtlichen Geschäftsführers und jetzt gehen wir den nächsten Schritt.“

Große Projekte für die
Lebenshilfe München geplant

Dabei stehen bei der Lebenshilfe München 2020 bereits die nächsten großen Projekte an. Im Frühjahr wird die neue Wohneinrichtung am Willinger Weg eröffnet. Die ersten Planungen für eine offen betreute Wohngemeinschaft im neu entstehenden integrativen Vorzeigeprojekt der Stadt München in Freiham. Auch in Putzbrunn plant die Lebenshilfe München weiter und ist auf der Suche nach einem Grundstück zum Bau einer weiteren Wohneinrichtung. Der Schwerpunkt wird hier die Betreuung und Pflege von Menschen mit Behinderung im Seniorenalter sein.