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Stefanie Kohl bringt viele Branchen zusammen

Im Team den neuen Kurs bestimmen
Über Grenzen hinaus gehen

(gsp) Aktuell segelt der Gewerbeverein der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden in einer kräftigen Brise bei ruhiger See. Ein ganzes Dutzend erfolgreicher und wiederkehrender Veranstaltung sind bestens organisiert und sorgen für eine Belebung der Marktgemeinde, der Zusammenhalt und die Stimmung im Verein ist gut, und es herrscht eine Aufbruchstimmung. Doch gebrauchen die Unternehmer lieber das Bild eines großen Ruderbootes, in dem jeder seinen Platz findet und im gleichen Takt Fahrt aufgenommen wird. Neue Steuerfrau ist seit vergangene Woche Stefanie Kohl, die zur ersten Vorsitzenden gewählt wurde (wie berichtet).

Sie kennt ‚das Rudern‘, stammt aus einer Unternehmerfamilie, hat sich viele Jahre als alleinerziehende Mutter behaupten müssen, und parallel dazu eine Karriere gemacht, die von Wechsel und Herausforderungen geprägt war. Von der Textilreinigung über die Steuerfachgehilfin hin zur Finanzbuchhalterin war es ein weiter Weg. Doch für ‚Steffi‘, wie sie hier in Berchtesgaden genannt wird, war damit nicht Schluss. Sie machte weiter als Microsoft Office-Beraterin in Stuttgart, war Assistentin der kaufmännischen Leitung der Schönklinik und machte ihre Fachwirtin im Gesundheitswesen. Einen neuen Weg schlug sie ein, als sie 2013 ihren heutigen Mann und Unternehmer Alexander Kohl kennenlernte.

„Heute arbeite ich im Unternehmen mit und freue mich in einer Großfamilie zu leben“, bekennt sie. Ihre vier Söhne sind mittlerweile erwachsen und auch ein erster Enkel zählen zur Familie, ebenso wie ein Hund. Das hört sich nicht nach Langeweile an, sondern nach einem ausgefüllten Leben. Dennoch hat sie sich bei den AUB zur Wahl gestellt, ‚ein Herzensanliegen‘, nannte sie es. Was aber hat Stefanie Kohl vor, was bewegt sie?

Mit Diplomatie zum Erfolg

Selbst sieht sie sich, ebenso wie ihren Vorgänger Berni Zauner, als Diplomatin die anpacken kann und Ziele erreicht. Als geborene Waage wünscht sie sich gut im Team zu arbeiten und hier scheint der Vergleich zum Ruderboot wieder durch. Bei einer großen Besatzung – und die Aktiven Unternehmen zählen 150 Mitglieder – kommt es auf den Gleichklang an, um vorwärts zu kommen. Darum möchte sie sich zuerst mit ‚den Machern‘ und Beiräten über gemeinsame Ziele unterhalten.

Eines aber ist ihr schon heute am Herzen. Sie will den Verein weiter öffnen. „Wir haben von der Marktgemeinschaft Berchtesgaden bis hin zu den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden schon einen weiten Weg hinter uns. Zugleich gibt es noch viel Potential in anderen Berufen und Dienstleistungsunternehmen und auch aus den anderen vier Gemeinden des inneren Landkreises finden hoffentlich noch viele Selbständige den Weg zu uns“, wünscht sich Steffi. „Auch ein Arzt oder Heilpraktiker, ein Handwerker oder Dienstleister haben gute Ideen und ihre spezielle Sicht auf die Dinge. Das hilft uns insgesamt und jedem Einzelnen weiter.“

Die eigenen Stärken erkennen

Zugute kommt ihr die breite Ausbildung in ganz unterschiedlichen Berufsfeldern. Sie kennt viele Facetten, vom Familienbetrieb bis hin zum Großunternehmen, und das in unterschiedlichen Branchen. Flexibilität in Verbindung mit fachlicher Kompetenz sind heute gefragte Tugenden. Steffi Kohl hat sich entschlossen, das zum Wohl von Berchtesgaden einzubringen. „Wenn wir gemeinsam stark sind, müssen wir eine Konkurrenz aus Salzburg oder über das Internet nicht scheuen. Wir haben unsere ganz eigenen Stärken und das weit über das eigene Geschäft hinaus, wie etwa die Marktfeste – von den Wochenmärkten bis zu den Ganghofer-Sonntagen, die Live-Musik jeden Montag oder ganz besondere Events wie ‚Berchtesgaden leuchtet‘ – zeigen.

Auf dem Jenner ist jetzt ein weiterer ‚besonderer Termin‘ gesetzt. Es ist der Event und die 40-Jahr-Feier der City Blues Connection mit Norbert Egger an der Spitze unter dem Motto: „Blues, Jazz ’n‘ Rock on Top“ am 31. August. Auch hier wirken viele potente Partner zusammen wie die Aktiven Unternehmen Berchtesgaden e.V., die Jennerbahn GmbH und die Familie Egger Holding AG. „Der Event ist in erster Linie unseren Mitarbeitern gewidmet. Es ist ein großes DANKESCHÖN für ihre Leistungen, ihren Einsatz, den sie das ganze Jahr über aufbringen“, betont Stefanie Kohl.

Innovation und Technik für Aufschwung in Berchtesgaden

Aktive Unternehmen Berchtesgaden modernisieren Gutschein-System

Im dritten Anlauf konnte Berni Zauner sein Amt als erster Vorsitzender der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden e.V. (AUB) übergeben. Die Suche nach einem guten Nachfolger war bei der Jahresversammlung im Hotel Kempinski endlich erfolgreich. Steffi Kohl wurde einstimmig zur neuen Vorsitzenden gewählt. 80 Mitglieder waren der Einladung zur Jahresversammlung gefolgt.

Fast 100 Gäste und Mitglieder der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden waren der Einladung in das 5-Sterne Kempinski Hotel auf den Obersalzberg gefolgt – Fotos: Gerd Spranger

Vor der Neuwahl konnte Berni Zauner, der die aktiven Unternehmen Berchtesgaden seit 2007 als Vorstand führte, noch ein großes Projekt zum Abschluss bringen, nämlich die Digitalisierung der Gutscheine, die es seit 2013 nur als gedruckte Variante gibt. Bislang, also von 2013 bis 2018 haben die Gewerbetreibenden über diesen Weg fast 1,5 Millionen Euro umgesetzt.

Steuerberater Bernhard Holleitner und Unternehmer Berni Zauner sind ein gutes Team bei den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden.

Bernhard Holleitner, Kassier des Vereins, schlüsselte die aktuellen Umsätze des Vereins genau auf, bevor er ausführlich auf die Situation der Geschenkgutscheine einging, Vor- und Nachteile abwog und mit den Zahlen ‚jonglierte‘, was ihm als Steuerberater sichtlich leicht viel.

Der Verwaltungsaufwand
sprengt die Grenzen

So erfolgreich und beliebt die Gutscheine bei Kunden und Mitarbeitern sind, so komplex und herausfordernd stellen sie sich für den Gewerbeverein dar. Berni Zauner: „Zu Beginn haben wir über Excel-Dateien die Grundlage der Datenerfassung und Abrechnung gelegt. Das ist auch bis heute so geblieben. Doch ist damit mittlerweile eine Halbtagskraft beschäftigt, und in Spitzenzeiten sind wir damit überfordert, die Grenze des Machbaren ist erreicht.“

Ein symbolischer Dank für viele Jahre Engagement bei den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden von Bürgermeister Franz Rasp.

Jährlich werden etwa 25.000 Gutscheine mit einem Wert von je 10 bis 44 Euro umgesetzt, jährlich also 450.000 bis 500.000 Euro. Das ist ein guter Umsatz, doch das ‚Handling‘, also die Organisation im Hintergrund hat es in sich, ist umständlich und birgt Risiken in sich, erklärt Bernhard Holleitner. Das betrifft sowohl die Abrechnung wie auch den Schutz vor Missbrauch. Ein weiterer Nachteil ergibt sich daraus, dass keine Teilbeträge eingelöst werden können, im Gegensatz zu einem digitalen System.

Gibt es Zuschüsse
für die Umstellung?

So hat sich die Vorstandschaft darauf verständigt, sich nach einem neuen System umzusehen. Nach einigen Monaten viel die Wahl auf einen Anbieter aus Salzburg, auf die Firma Brain Behind GmbH mit ihrem System Valuemaster. Damit werden die gedruckten Gutscheine auf eine digitale Ebene gehoben und die Erfassung und Bezahlung erfolgt über ein Kartenlesegerät oder über eine App am Handy. Für die AUB bedeutet dies eine Erstinvestition von 45.000 bis 60.000 Euro und jährliche Kosten von rund 33.000 Euro.

„Durch eine bessere Abrechnung, ohne Verluste und eine kleine Gebühr aber sollte der Großteil der Kosten gedeckt sein“, stellt Bernhard Holleitner in Aussicht. Auch könnte es Zuschüsse von bis zu 50 Prozente geben, etwa aus den Fördermitteln ‚Bayern digital‘ durch das Bayerische Wirtschaftsministerium. Der Verein ist auf alle Fälle in der Lage, dieses Investition zu bewältigen, ob mit oder ohne Förderung, führt Berni Zauner aus. Darüber hinaus ergeben sich auch innerhalb der Gemeinde viele Möglichkeiten der Vernetzung, bis hin zur BGLT. So begrüßte auch Bürgermeister Franz Rasp das System, ebenso wie Peter Nagel, Geschäftsführer der BGLT.

Weihnachten muss das neue System laufen

„Um das System für das Weihnachtsgeschäft rechtzeitig zur Verfügung zu stellen, müssen wir dafür aber jetzt einen Beschluss fassen,“ resümiert Berni Zauner. Die Mitglieder stimmten bei vier Enthaltungen einstimmig zu. Die Beschlussvorlage lautete: „Die Mitgliederversammlung beschließt die Einführung einer neuen Gutschein-Lösung auf Basis des Valuemaster-Systems von Brain Behind.“

Mit der neu gewählten Vorsitzenden Steffi Kohl wurde der bestehende Vorstand wieder gewählt, einstimmig. Neu im Team ist als Schriftführerin Franziska Böhnlein.

Auf den neuen Vorstand der Aktiven Unternehmer Berchtesgaden warten viele Herausforderungen v.l.: Kathrin Schuster, Stefan Schlagbauer, Franziska Böhnlein, Florian Schmidt, Steffi Kohl, Bernhard Holleitner – Foto: Gerd Spranger

Der neu gewählte Vorstand:
Vorstand: Steffi Kohl – Stefan Schlagbauer
Kasse: Bernhard Holleitner – Kathrin Schuster
Schriftführer: Franziska Böhnlein – Florian Schmidt
Rechnungsprüfer: Martin Beierl und Max Köppl

Als Beiräte wurden ernannt:
Berni Zauner, Thomas Hettegger, Petra Auer, Engelbert Aigner, Werner Müller, Peter Beierl, Holzwimmer Helmut, Franz Stangassinger, Anneliese Zauner, Vroni Schlagbauer, Arno Fellinger und Anna Schlagbauer.

Wohnen und Kindergartenplätze
ein Problem

Bürgermeister Franz Rasp informierte die Mitglieder der AUB über aktuelle Themen aus der Gemeinde. Zunächst hielt er fest, dass die Zusammenarbeit mit Claudia Schülein im bisherigen Umfang bestehen bleibt. Gute Neuigkeiten hatte er für den Kreisverkehr am Bahnhof. Die Untersuchungen für einen eigenen Abschleifer (Beipass) am Knoten in Richtung Ramsau wurden positiv abgeschlossen. Das Staatliche Bauamt Traunstein werde die Maßnahme noch 2019 beginnen. Der sich bildende Rückstau in der Hochsaison werde dadurch der Vergangenheit angehören, seien sich die Experten einig. Als ‚ein Desaster‘ bezeichnete er die derzeitige Situation bei der Abfallentsorgung. Hier müsse noch viel aufgearbeitet und einiges nachgebessert werden. Es werde auch ein kommunale Verkehrsüberwachung geben, doch in Verbindung mit der Politesse werde der Stand nicht über die Kapazität vom Juni 2018 hinausgehen. Durchfahrtsverbote aber, etwa am Schlossplatz, werde von der Polizei kontrolliert. Darauf habe man sich verständigt.

Ein weiteres Problem sieht Franz Rasp bei der Schaffung neuer Kindergartenplätze, die die Gemeinde dringend benötigt. „Problem dabei sind nicht die räumlichen Voraussetzungen, sondern das Finden von Fachpersonal“, erläutert der Bürgermeister. Ein weiteres Problemfelld sieht er in der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. „Im Markt können wir fast keinen Umbau oder bauliche Erweiterung ohne Auflagen des Denkmalschutzes durchführen. ‚Wohnraumverdichtung‘ lautet zwar die aktuelle Forderung, doch niemand möchte einen Nachbarn direkt vor seiner Haustüre haben.“ Die Situation habe sich auch in Berchtesgaden extrem verschärft. „Hatten wir noch vor zehn Jahren beim Wohnbauwerk Berchtesgadener Land Wohnbau Wohnungen zur Verfügung, so blicken wir heute auf eine Warteliste von 300 Anträgen.“

Mehr Wertschöpfung
für den Landkreis

BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel gab noch ein Statement zur grundsätzlichen Position der BGLT und ihrer Aufgabe ab. „Wir sind nicht dazu da, jedem Haus die Betten möglichst voll zu machen. Wir entwickeln Strategien und Visionen, die für die Region zu einer nachhaltigen Wertschöpfung führen“, stellt er klar. Dabei müsse eine Balance gefunden werden um den Tourismus in gesunde Bahnen zu lenken. Das aber gehe nur durch eine weitere Qualitätssteigerung. Dabei lobte er ausdrücklich die Aktivitäten der AUB, die mit ihren Aktionen und Initiativen wie Berchtesgaden leuchtet, Marktfest, Ganghofertage, Montag-Musi viel zu einer qualitativen Verbesserung des Angebotes beitragen.

Als positive Beispiele der Bemühungen der BGLT dazu nannte er die jetzt angelaufene Serie ‚Watzmann ermittelt‘, das Crossmarketing zusammen mit der Industrie oder Veranstaltungen wie die Nationalen Winterspiele von Special Olympics Deutschland 2020 in Berchtesgaden. Auch innerhalb der Region ist noch viel Potential vorhanden. So sei etwa der Auftritt des Philharmonischen Orchesters aus Bad Reichenhall im AlpenCongress Berchtesgaden mit viel Zustimmung aufgenommen worden. Als Ziel nannte er auch die Verweildauer von Gästen von derzeit 3,5 bis 3,7 Tage auf fünf Tage zu erhöhen.