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Mit Unternehmergeist gegen den Lockdown arbeiten

  • Warten auf die Öffnung der Biergärten und warten auf Hilfsgelder
  • Gasthof Heimgarten „Zum Bergei“
  • To-Go und Lieferservice mit bayerischer Küche

Der Lockdown im Berchtesgadener Land für Hotellerie, Gastronomie, Tourismus- und Kultubranche hält an. Lieferservice und ein Ausser-Haus-Verkauf (To-Go) lohnen wirtschaftlich häufig nicht, zumindest für 87 Prozent der Branche nach offiziellen Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Lieferdienste hätten sich vor allem in städtischen Bereichen etabliert. Es gibt aber auch Ausnahmen, die mit To-Go zumindest eine Firmenpleite abwenden. Einer dieser Betriebe ist in Bad Reichenhall die Gaststätte in den Heimgärten, „Zum Bergei“. Die Redaktion hat sich mit den Wirtsleuten unterhalten.

Biergarten in idyllischer Lage

Cristoph und Barbara Berger übernahmen den Betrieb im Februar 2017. Sie etablierten in den folgenden Jahren ein kleines Angebot an Speisen, das sie bis heute, vor allem an den Wochenenden, konstant erweitern. Mit einem großen sonnigen Biergarten, einer idyllische Lage mitten in der Gartenanlage und die Nähe zu den Radwegen entlang der Saalach und den Nonner Auen entwickelten sie sich zu einer beliebten Ausflugsgastronomie. Dabei sind Christoph und Barbara Branchen-Quereinsteiger, ließen sich aber über Monate hinweg von einem versierten Küchenchef schulen und beschäftigen heute einen gelernten Koch. Der 33 Jahre junge Christoph Berger baute sich seit 2014 bereits mit einem speziellen Getränkeservice für Großveranstaltungen und Festivals ein Nebeneinkommen auf. „Mit selbst entwickelten Cocktailanlagen, eigenen Rezepturen und eigener Abfüllung kamen wir ganz gut ins Geschäft“, so der Jungunternehmer, der sich jetzt ganz neuen Herausforderungen stellen muss.

Engagement für den Betrieb

„Corona mit den langen Lockdowns und Betriebsschließungen brachten uns jetzt nach sechs Monaten an den Rand unserer wirtschaftlichen Existenz, wenn wir die Zeit auch zu nutzen wussten. Heute sind alle finanziellen Reserven aufgebraucht, finanziellen Hilfen vom Staat erhielten wir bis dato nicht“, so der Gastronom. Aufgeben wollte und will er aber nicht. Immer wieder hat er mit viel Eigenleistung in den Betrieb investiert, vor allem im Bereich des Biergartens. Bis zuletzt gab es ja Hoffnung, zumindest die Außen-Gastronomie wieder zu öffnen. „Wir setzten die strengen Hygienekonzepte im Sommer 2020 erfolgreich um. Soweit ich weiß, hat sich in der Außen-Gastronomie im gesamten Berchtesgadener Land nicht ein einziger Gast infiziert.“

Um nicht einen wirtschaftlichen Totalausfall hinzunehmen, entschlossen wir uns früh, sowohl einen Außer-Haus-Verkauf als auch einen Lieferservice anzubieten. Zugute komme ihnen dabei die Struktur als Familienunternehmen, Schwester Evelyn ist ebenfalls im Team, übernimmt den Lieferservice. Für die drei Kinder (14,11 und vier Jahre) wurde der aktuell geschlossene Gastraum zur „Lernstube“ umfunktioniert. Das hilft in Zeiten von Homeschooling, in denen auch die Eltern stärker gefordert sind.

Service mit bayerischer Küche

„Wir mussten den Rhytmus für die Küche komplett umstellen, ein Liefer- und Warmhaltesystem installieren und leider auch Personal freistellen“, erzählt der Gastronom. Einen Pluspunkt für den sich langsam einstellenden Erfolg, sieht er in der Ausrichtung auf die bayerische Küche. „Das klassische Liefergeschäft hat sich vor Corona ja weitgehend auf ‚Pizza und Pasta‘ beschränkt. Kaum aber wurde die traditionelle Küche geliefert. Das schätzen immer mehr Kunden, zumal die Gastronomie insgesamt geschlossen ist.“ Geholfen habe den Wirtsleuten Berger auch die regelmäßige Präsenz in den sozialen Medien, Postwurfsendungen und Werbung in der regionalen Zeitung.

Christoph Berger sieht in der kleinen Betriebsgröße ein weiteres Plus, denn es helfe Betriebskosten zu sparen. Die allerdings laufen auch während des Lockdowns weiter und neue Verhandlungen mit dem Kleingartenverein Reichenhall e.V. stehen an. Auch fielen die Nebenkosten in einem alten Gebäude wie die Heimgartengaststätte insgesamt höher aus.

Alles zum Wohl der Gäste geben

Der Betriebsstart im Jahr 2017 war für ihn und seine Partnerin als Quereinsteiger nicht leicht und die Anspannung wurde mit der Pandemie erneut verschärft. „Du liebst oder hasst die Gastronomie, lernst damit zu leben oder gibst auf. Gastronomie kann man nicht eben mal ein- oder ausschalten. Das ganze Umfeld, von den Räumlichkeiten, Warenhaltung, Pflege, Personal, Reinigung, Schulungen und das ganze Team sind aufeinander abgestimmt. Es ist ein komplexes Zusammenwirken zum Wohl unserer Gäste. Im Hintergrund laufen noch der Einkauf, Bankgeschäfte, Versicherungen, Steuerberater und betriebliche Auflagen. Es ist kein leichtes Geschäft plus einem 14- bis 16-Stundentag, häufig sieben Tage die Woche,“ erzählen Christoph und Barbara Berger rückblickend auf die vier Jahre ihrer gemeinsamen Selbständigkeit.

Natürlich wünschen sie sich, den Gartenbereich bald wieder öffnen zu können. Sie setzen aber auch auf die Idylle der Kleingartenanlage,die immer mehr Spaziergänger anziehe, vor allem jetzt im Frühjahr. Freuen würden sie sich auch über mehr gemeinsame Aktionen mit dem Gartenverein.

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Die Almwirtschaft Kugelbachbauer in Bad Reichenhall ist ein Geheimtipp

2. Reportage zu 'Almen in Bad Reichenhall' - Hier geht's zur ersten Folge

In idyllischer Lage: der Almgasthof  Kugelbachbauer in Bad Reichenhall. Im Hintergrund der Kranzlstoa, der weithin sichtbar über dem Thumsee aufragt.

Hinauf zum Müllnerhorn geht man noch knapp drei Stunden. Auf halber Wegstrecke liegt das Paul-Gruber-Haus.

(gsp) Den Almgasthof Kugelbachbauer kennen bis heute noch nicht alle Reichenhaller. Er ist ein Geheimtipp und leicht zu erreichen, wenn man erst einmal die Zufahrt gefunden hat. Von Bad Reichenhall in Richtung Thumsee fahrend zweigt kurz vor der Ampel in Karlstein links die Thumseestraße ab. Nach wenigen hundert Metern führt der schmale Kugelbachweg über zwei enge Serpentinen bis zu einem großen Parkplatz. Von hier aus geht es eine halbe Stunde zu Fuß, vorbei an der Amalienhöhe hinauf zur Kugelbachalm, die ja eigentlich gar keine Alm ist, betont die Wirtin Haidi Gruber. Und doch ist es diese Idylle – im Sommer sind einige Pferde auf der Weide – die diesen Ort zu etwas ganz Besonderem macht. Seit einigen Jahren bewirtschaftet Haidi die Alm alleine, an den Wochenenden hilft die Tochter, und ein guter Bekannter ist ihr zu einer Stütze im Betrieb geworden.

Die Amalienruhe ist leicht zu erreichen und bietet schöne Ausblicke auf das Tal von Bad Reichenhall.

Hier ist die Zeit stehen geblieben

„Wie es ’nach mir‘ weiter geht, weiß ich nicht“, sinniert die Wirtin, die vergangenes Jahr ihren 70. Geburtstag feierte. Ihr Mann starb vor einigen Jahren, „doch das Alleinsein macht mir nicht so viel aus“, sagt Haidi Gruber mit ruhiger Stimme. Im Winter oder bei längeren Regenperioden ist es schon mal still auf der Alm, die Einsamkeit ist zu spüren. Seit 50 Jahren bewirtschaftet sie den Betrieb mit großem Gastgarten im Sommer, der dem Besucher einen wunderschönen Blick zwischen die Anhöhen durch auf Bad Reichenhall bietet. Unweit liegt der Karlsteiner Klettergarten, und alte Salinenwege führen hinüber zum Schroffen oder hinab zum Thumsee. Haidi Gruber will nicht, dass sich viel verändert, und in der alten Gaststube hat man wirklich die Eindruck, die Zeit sei hier stehen geblieben. Der alte grün gekachelte Ofen im Eck, die Holzstühle und Tische, Geweihe von Hirsch, Reh und Gams an der Wand und in der Ecke ein großer Herrgottswinkel, so wie es früher halt der Brauch war, bestimmen das Raumbild.

Alle helfen auf der Alm zusammen

Versteckt und doch in sonniger Lage ist die Almwirtschaft Kugelbachbauer bei Bad Reichenhall gut zu erreichen.

In der Küche steht noch immer ein alter Holzofen zum Anfeuern und auf ihm kocht die Wirtin am liebsten. Es gibt Knödel, Kasspatz’n, Braten, Schnitzel oder auch deftige Brotzeitplatten. „Wir haben öfters Familienfeiern hier oben und richten Buffets für bis zu 60 Leute an. Da helfen dann alle mit, und in der Stube rücken die Gäste dann etwas zusammen.“ Viel Platz gibt es um das Haus herum, besonders für Kinder, die sich hier in der Natur frei bewegen können. Die Idylle bleibt, selbst ohne Einkehr oder nur bei einem Kaltgetränk oder bei Kaffee und Kuchen. Die gemütliche Wanderung hinauf zum Kugelbachbauer lohnt in jedem Fall.

Zwischen Müllnerhorn und Gebersberg

Ob ‚Endstation‘ für einen Ausflug oder ‚Zwischenstation‘ für eine größere Tour: die Almwirtschaft Kugelbachbauer ist immer einen Besuch wert.

Etwas weiter führt der Weg hinauf zur eigentlichen Kugelbachalm unweit des Paul-Gruber-Hauses. Für Selbst-Versorger der Naturfreunde ein beliebtes Domizil. Die Alm selbst wird nicht mehr bewirtschaftet. Das Hochtal ist eingebettet zischen dem Müllnerhorn und dem Gebersberg. Dorthin führen von hier aus einige Wege. So kehren bei Haidi Gruber meist Wanderer ein. Die Einen für einen kleinen Ausflug, um dann etwa den steilen Weg hinab zum Thumsee zu nehmen, die Anderen, um ihre Tour weiter fortzuführen. „Es sind bei mir darum sehr naturverbundene Leute zu Gast. Man kann eben nicht mit dem Auto vorfahren und in aller Eile etwas bestellen. Wer hier einkehrt, der bringt Zeit mit und hat einen Sinn für die umgebende Idylle der Landschaft“, erzählt die Wirtin.

Die Almwirtschaft Kugelbachbauer in direktem Blickkontakt mit der Kirche St. Pankraz.

Geöffnet hat die Almwirtschaft Kugelbachbauer Samstag bis Mittwoch „von vormittags bis auf d`Nacht“, und am Donnerstag und Freitag ist Ruhetag. Ausgenommen, „ein Feiertag fällt auf einen dieser beiden Wochentage“ ist auf der Homepage zu lesen. Im Mai wurde der Dachstuhl erneuert, der letzte Winter hatte ihm arg zugesetzt. Auf der weiten Wiese sind die Tische eingedeckt und warten auf Besuch, auf Wanderer aus dem Reichenhaller Tal.