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Bergbahnen mit unterschiedlichen Konzepten aus der Krise

Nicht alles für jeden,
für jeden aber etwas auf dem Berg

Seit einigen Wochen läuft auch in Oberbayern der Tourismus wieder an. Gaststätten und Hotels sind geöffnet, Bergbahnen und Schiffe verkehren wieder. Die Redaktion hat sich bei den Bergbahnen in der Region umgehört, wie sie die Lockdowns verkraftet haben, ob der Neustart erfolgreich war und wie man die Zukunft einschätzt. In Bad Reichenhall steht dabei natürlich die Predigtstuhlbahn im Focus, die wegen einer starken Preiserhöhung in den Sozialen Medien großer Kritik ausgesetzt war.

Endlich fahren die Bergbahnen wieder (v.l.): Klaus Unterharnscheidt von der Predigtstuhlbahn, die Talstation der Untersbergbahn, Franz Moderegger von der Jennerbahn – Fotos: Gerd Spranger

Zahlte der erwachsene Besucher vor Corona noch 39 Euro für die Berg- und Talfahrt, so werden ihm für die Fahrt auf den Predigtstuhl jetzt 49 Euro berechnet, doppelt so viel wie bei anderen Seilbahnen in der Region. „Nein, es ist nicht der Pandemie geschuldet“, erklärt Geschäftsführer Klaus Unterharnscheidt, es sei die Fortschreibung eines Gesamtkonzeptes, den man jetzt als Premium-Entschleunigungsberg vermarkten möchte.“ Der Predigtstuhl und das alpine Gelände vom Hotel zur Schlegelalm, hinauf zur Schlegelmulde und weiter zum Hochschlegel, soll als Erweiterung der Kurstadt verstanden werden. „Mit gesunder pollenfreier Luft, Höhenkurwegen und ohne Massentourismus, ein Ort der alpinen Ruhe und Entschleunigung“, so der Geschäftsführer.

Predigtstuhl: Bei uns kein Massentourismus

Für Massentourismus sei der Berg ohnehin der falsche Ort, was die Geschichte und den Sonderstatus der Bergbahn, der ‚Grande Dame der Alpen‘, wie sie von Liebhabern gern bezeichnet wird, betrifft. Allein die Förderkapazitäten sind mit täglich bis zu 900 Personen völlig ausgereizt und dürften sich coronabedingt aktuell bei höchstens 450 Personen bewegen. Die 2019 komplett neu sanierte Jennerbahn etwa schafft in einer einzigen Stunde bis zu 1.600 Fahrgäste. Damit scheint es für die Bahn auf den Reichenhaller Hausberg keinen anderen Weg zu geben, als Klasse statt Masse zu fahren. „Wir wollen das einheimische Publikum aber mit hohen Preisen nicht aussperren“, beteuert Klaus Unterharnscheidt. „Es gibt einen deutlich verbilligten Abendtarif, und von Oktober bis März werden die Preise gesenkt“, verspricht er.

Die Folgen der Coronakrise musste die Predigtstuhlbahn, die seit 2015 Teil der Max Aicher Stiftung ist, selbst tragen. „Im Gegensatz zu vielen anderen Bahnen zählt die Predigtstuhlbahn zu einem Unternehmensverbund und dafür gibt es keine Coronahilfen“, beteuert Klaus Unterharnscheidt. Ganz anders verhält es sich bei der Jennerbahn. Hier sei man mit einem ‚blauen Auge‘ durch die Lockdowns der Jahre 2020 und 2021 gekommen, die staatlichen Hilfen haben gegriffen. „Nicht aber bei vielen Skiliften und Bahnen, die stark auf den Winterbetrieb fixiert sind. Hier gehen die Hilfen komplett am Bedarf vorbei und sind absolut unzureichend,“ stellt der Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG, Franz Moderegger klar.

Jenner: Mit hohen Kapazitäten gut gerüstet

„Uns brachte die starke Sommersaion 2020 auf dem Jenner mit 275.000 Fahrgästen noch ein gutes Ergebnis“, berichtet er weiter. „Freilich wären die Zahlen mit einem guten Ostergeschäft 2020 besser gewesen, das aber durch den ersten Lockdown ausfiel. Wenige Monate später mussten wir erneut schließen. Es war der früheste Lockdown in Deutschland, und der Anordnung des Landratsamtes Berchtesgadener Land musste auch die Berchtesgadener Bergbahn AG im Oktober 2020 unverzüglich Folge leisten. Es gab keinen zeitlichen Puffer“, erinnerte Moderegger, “und wir mussten sieben lange Monate warten, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können.“ Den Geschäftsverlauf habe er sich 2019, nach der Investition von rund 60 Millionen Euro in Bahn, Gebäude und Technik, anders vorgestellt.

Mit etwas Bangen sieht man in den Herbst und Winter, wird es einen weiteren Lockdown geben? Freude hingegen herrscht über die Treue der Mitarbeiter. „Alle sind geblieben, trotz teilweise massiver Einschränkungen und dem durch Kurzarbeit bedingten Lohnausfall“, so Moderegger. Die Situation in der Gastronomie hingegen sei angespannt, da Österreich die Maßnahmen einige Wochen früher lockerte. Die Preise will die Jennerbahn mit 34 Euro für die Berg- und Talfahrt pro Erwachsenen beibehalten. Und durch die Erweiterung der Kapazitäten von bis zu 1600 Personen in der Stunde werde es auch bei der Beförderung mit Maske und Abstand keine Probleme geben. Zudem greife ein bewährtes und verfeinertes Sicherheitskonzept für die Einhaltung der AHA-Regeln.

Salzburg und Chiemgau:
deutlich günstiger auf den Berg

Verhalten startete die Saison auch im nahen Österreich bei der Untersbergbahn. Die letzten zwei Wochen ziehe das Geschäft langsam an. Mit 26,50 Euro für die Berg- und Talfahrt ist die Fahrt auf den Untersberg ein erschwingliches Vergnügen, zudem gibt es Seniorentarife und Familienpreise mit verbilligten Karten. Betreiber der Bahn ist zu 96,8 Prozent die Stadt Salzburg, was bei der Preisgestaltung offensichtlich hilfreich war. Aktuell wurde die Talstation, als letzter Teil eines sieben Millionen teuren Investitionspaketes, saniert.

Ebenfalls sehr günstig fährt man im nahen Chiemgau von Bergen aus auf den Hochfelln. Mit 24 Euro ist die Berg- und Talfahrt, ebenso wie auf den Rauschberg in Ruhpolding, günstig. Beide Gipfelerlebnisse erschließen herrliche Ausblicke, eine bodenständige Gastronomie auf dem Berg und Wandermöglichkeiten. Eine Konkurrenz dazu sieht man bei der Predigtstuhlbahn nicht. „Für Familien mit Kindern sind diese Angebote gut geeignet. Bei uns erwartet die Gäste eine gehobene Küche mit regionalen und frischen Produkten, wie sie selbst im Tal kaum zu finden ist“, gibt sich Geschäftsführer Klaus Unterharnscheidt selbstbewusst. Davon profitiere ebenso die Alm in der Schlegelmulde, auch wenn das Angebot hier etwas bodenständiger sei, almtypisch eben. Man erhofft sich auf dem Reichenhaller Hausberg mit kleinen exklusiven Feiern und Hochzeiten ein weiteres gutes Zusatzgeschäft.

Eine Bahn mit Museumscharakter

Unwidersprochen ist der Aufwand zum Erhalt und Betrieb der Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall höher, ist es doch die weltälteste Seilbahn im Originalzustand und die gesamte Anlage ist seit 2008 ein technisches Denkmal. „Wir können also nicht einfach moderne Technik einbauen oder bestellen. Das Meiste muss individuell von zertifizierten Betrieben gefertigt, von der Seilbahnaufsicht zugelassen sein und das kostet. Dennoch sind wir immer auf dem neuesten Stand der Technik und Sicherheit“, informiert der Geschäftsführer und ergänzt, „ohne dem persönlichen Engagement von Max Aicher, mit Investitionen im zweistelligen Millionenbereich, wäre die Bahn nicht zu halten.“ Die Kooperation mit der Stadt Bad Reichenhall beurteilt er als gut und „Saline, Bahn, Therme, Innenstadt und Kultur brauchen einander“, ist sich Klaus Unterharnscheidt sicher.

Kleine Bahnen trifft es härter

Nicht jeder Betrieb aber stützt sich auf den Rückhalt großer Unternehmen und Konzerne. Es gibt im Landkreis auch die kleinen Bahnen, wie die Obersalzbergbahn oder die Hirscheck-Sesselbahn. Sie sind für die großen Bahnen keine Konkurrenz und bieten Preise von 13 bis 14 Euro für die Berg- und Talfahrt. Die staatlich verordnete Schließung der Betriebe während der Corona-Lockdowns aber hat sie hart getroffen. Unternehmer Andreas Bruckmann von der Obersalzbergbahn etwa spricht von dreimal 30.000 Euro die ihm im Frühjahr 2020 und 2021 sowie im Herbst 2020 verloren gegangen sind. „Eigentlich wollten wir wieder in die Technik investieren, das aber ist jetzt in weite Ferne gerückt.“ Er bedauert auch das Schicksal eines Mitarbeiters mit drei Kindern, der durch das reduzierte Einkommen während der Kurzarbeit in große finanzielle Schwierigkeiten geraten sei.

Auch beim Hirscheck-Sessellift wartet man auf Gäste und man habe sämtliche Rücklagen aufgebraucht. Ebenfalls möchte man noch für einen Antrag auf Überbrückungshilfe III auf Empfehlung des Steuerberaters warten. „Wir müssen sonst womöglich wieder viel zurück bezahlen, auch wenn es bei uns um relativ überschaubare Beträge im niederen fünfstelligen Bereich geht“, so der Geschäftsführer.

Predigtstuhlbahn bleibt Preistreiber

Mit 49 Euro für eine Berg- und Talfahrt bleibt die Predigtstuhlbahn ein einsamer Spitzenreiter. Etwas entspannt soll diese Hochpreispolitik mit einem Abendtarif für 25 Euro und Veranstaltungen werden. Angeboten werden aktuell inklusive Berg- und Talfahrt:
Freitag ein 4-Gänge-Abendmenü zu 69 Euro,
Samstag italienische Antipasti mit Prosecco zu 63 Euro,
Sonntag ein Brunch für 85 Euro und immer
Weißwurstfrühstück für 59 Euro.

Schule, Wirtschaft und Corona

Aus der Sitzung des Kreisausschusses vom 12. Mai 2021

Drei Fremdsprachen für das Rottmayr-Gymnasium in Laufen

Noch nie habe der Schulleiter des Rottmayr-Gymnasium, Oberstudiendirektor Maurice Flatscher, in Laufen eine so uneingeschränkte Zustimmung von Lehrern, Eltern und Schülern erfahren, bekannte er in seinem Sachvortrag vor dem Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes. Das Anliegen ist die Einrichtung einer Fremdsprachenfolge mit drei modernen Fremdsprachen, nämlich Englisch, Französisch und Spanisch an dem Laufener Gymnasium. Zustimmung für diese Pläne, die ab dem Schuljahr 2022/23 umgesetzt werden sollen, gab es nach Rücksprache auch mit dem Schulleiter des Karlsgymnasiums in Bad Reichenhall. Der Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes empfiehlt dem Landkreis als Sachaufwandsträger einstimmig, dieser Änderung zuzustimmen. Die letzte Entscheidung allerdings liege beim Kultusministerium, räumt Maurice Flatscher ein.

Hintergrund des Anliegens ist die geringe Akzeptanz der Schüler für den sprachlichen Zweig mit Englisch, Latein und Französisch. Spanisch wird bislang nur ab der 11. Klasse optional angeboten. Belegten vor zehn Jahren noch 70 Schüler den sprachlichen Zweig, sind es heute mit 37 Schülern nur noch gut die Hälfte. „Dadurch ist der sprachliche Zweig gefährdet und die kleinen Gruppen von sieben bis neun Schülern belasten das Stundenbudget der Lehrer enorm“, trägt Schulleiter Flatscher vor. Im aktuellen Lehrplan des Gymnasiums mussten alle Schüler, die als zweite Fremdsprache nicht Latein sondern Französisch wählten, sich bereits automatisch in der fünften Jahrgangsstufe für den naturwissenschaftlichen Zweig entscheiden. Das sei zu früh, sind sich Lehrer und Eltern einig. Ab 2022 habe man dann bis zur siebten Jahrgangsstufe die Option für den Naturwissenschaftlich-Technischen Bereich (NTG) oder für das Sprachliche Gymnasium. Im NTG erhalten die Schüler in den Fächern Physik, Chemie und Informatik ab der achten Klasse einen vertiefenden Unterricht. Mehrkosten für die Umstellung belaufen sich für den Landkreis durch Mehrausgaben für neue Schulbücher auf jährlich 1150 Euro.

650.000 Euro für die Berchtesgadener Land
Wirtschaftsservice GmbH

Der Wirtschaftsservice des Berchtesgadener Landes verwaltet ein jährliches Budget von von einer Million Euro (1.020.000,- €). Den größten Anteil trägt mit 650.000 Euro der Landkreis Berchtesgadener Land und mit 130.000 Euro Sponsoring die Sparkasse Berchtesgadener Land. Durch Projektförderungen nimmt der Wirtschaftsservice nochmals 180.000 Euro ein und durch das Bayerische Regionalmanagement weitere 60.000 Euro. So sieht es zumindest der Wirtschaftsplan für das Jahr 2021 vor, dem der Kreisausschuss jetzt einstimmig zustimmte und dem Kreistag damit eine eindeutige Empfehlung aussprach. Bei den Ausgaben belasten die Personalkosten mit 790.000 Euro fast 80 Prozent der Einnahmen. 600.000 Euro werden dabei an Aufwendungen für „unbefristetes Personal“ ausgewiesen. Im Stellenplan werden knapp 10 vollzeitäquivalente Stellen ausgewiesen, darunter 1,6 für Teilzeitstellen und einen Praktikumsplatz. „In der Julisitzung des Kreistages wird die Geschäftsführerin des Wirtschaftsservice BGL, Dr. Anja Friedrich-Hussong, über die aktuellen Projekte berichten“, informierte Nicole Fegg den Ausschuss.

Landrat Bernhard Kern informiert

  • Seit Oktober 2020 unterstützt die Bundeswehr, bedingt durch die Corona-Pandemie, personell das Landratsamt Berchtesgadener Land. Die Kooperation laufe jetzt aus und „es wird mit Brigadekommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Brigadegeneral Maik Franz Josef Keller, im Landratsamt noch eine kleine Verabschiedung geben“, informierte Landrat Bernhard Kern und richtete seinen Dank an die Soldaten und Soldatinnen für ihren Dienst.
  • Einen holprigen Start gab es bei der Grenzöffnung für den „Kleinen Grenzverkehr“, ein Mitglied des Kreisausschusses wurde eine Stunde aufgehalten. Landrat Bernhard Kern versprach aber, dass ab dem Wochenende alles reibungslos funktionieren werde und es ab dem 19. Mai wieder mehr Freiheiten für die Bürger gäbe.
  • Trotz Bemühungen des Landratsamtes, unter Verweis auf die besondere Situation des Berchtesgadener Landes, sei es nicht gelungen, die Außengastronomie bereits für den Vatertag öffnen zu können. Leider habe man in München dafür kein Verständnis gezeigt. Man sei aber hoch erfreut, heute am 14. Mai, endlich grünes Licht für die Gastronomiebetriebe geben zu können.
  • „Endlich wieder einen eigenen Amtsarzt für das Gesundheitsamt“, wünscht sich Landrat Bernhard Kern. Die Ausschreibung dafür sei bereits erfolgt und die Regierung von Oberbayern habe dem zugestimmt. Seinen Dank richtete der Landrat an Dr. Rüttger Clasen und Dr. Reinhard Reichelt sowie an alle Haus- und Fachärzte für ihre Kooperation und Hilfe.

Leidenschaftlicher Appell

Einen leidenschaftlichen Appell richtete Kreisrätin Agnes Thannbichler (ÖDP) an den Kreisausschuss. Der Landkreis müsse alles dafür tun, um die Inzidenz bei Corona weiter niedrig zu halten. „Es geht dabei vor allem um unsere Kinder und Enkel. Sie tragen in ganz besonderer Weise die Last dieser Pandemie. Sie dürfen durch die einschränkenden Maßnahmen in ihrer persönlichen und schulischen Entwicklung nicht zurück bleiben. Es ist unsere Aufgabe hier zu helfen,“ bekräftigt sie. Dabei verwies Agnes Thannbichler auf andere Landkreise, in denen Studenten für schulische Nachhilfe gewonnen werden konnten. „Wir müssen die Kinder auffangen, sie nicht alleine lassen, ihnen auch bei der persönlichen Aufarbeitung von Defiziten helfen, sie brauchen soziale Unterstützung“, fordert die Kreisrätin weiter.

Ein kleines Gartenparadies am Rande der Stadt

  • Die ersten Kleingärten gab es bereits 1919
  • Soziale, ökologische, kulturelle und wirtschaftliche Funktion

Seit über 100 Jahren stehen die ersten kleinen Gartenhäuschen in der Alpenstadt Bad Reichenhall, in der Kleingartenanlage gegenüber den Kasernen. Der Kleingartenverein Bad Reichenhall e.V. zählt heute 180 Mitglieder, und die Anlage mit den kleinen Wegen zwischen den Gärten wird bei Spaziergängen und Radtouren gerne besucht. Die kleinen beschaulichen Parzellen mit Größen von 200 bis 500 Quadratmetern sind liebevoll gepflegt und die vielen Blumen, Beete und Sträucher ein kultiviertes Naturparadies.

Sommerliche Blumenpracht

„Typisch deutsch“ meinen viele und vor allem die erste deutsche Kleingartenverordnung aus dem Jahr 1919 atmet den Geist deutscher Gründlichkeit. Bis ins Detail sind Nutzung, Größe und Anbau geregelt, was erlaubt und was nicht im deutschen Kleingarten. 1983 wurde dann das Bundeskleingartengesetz erlassen und 1990 und 1994 revidiert. Es soll garantieren, dass Kleingärten ihrer sozialen, ökologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Funktion in Städten und Gemeinden heute und in Zukunft gerecht werden können.

Gartenvorstand Thomas Rager – Fotos: Gerd Spranger

„Heute, und auch die Jahre zuvor, ist die Nachfrage von Menschen mit Migrationshintergrund nach einem begehrten Stückchen Land mit Gartenhäuschen zu einem leistbaren Pachtpreis groß“, erzählt Vereinsvorstand Thomas Rager. „Über 70 Prozent beträgt ihr Anteil und die Nachfrage ist, angeheizt durch die Corona-Lockdowns, enorm gestiegen. Wir haben 100 Haushalte auf der Warteliste stehen.“ Dabei werden jährlich höchstens zehn Parzellen vergeben, denn der Pachtvertrag ist unbefristet. „Einige hören aus Altersgründen auf, andere ziehen in andere Regionen und dann erlischt der Pachtvertrag“, so Thomas Rager. Pachtpreisdeckelung und Kündigungsschutz waren bereits 1919 wichtige Inhalte der Kleingarten- und Pachtlandordnung.

Viel Liebe zu Hege und Pflege der Kleingärten

So mancher junge Kleingärtner sieht sich dann aber schnell mit der Realität konfrontiert. Hinter der Gartenidylle verbirgt sich nämlich viel Arbeit und das kontinuierlich, mehrere Tage die Woche und über Jahre hinweg. „Von allein wächst nur das Unkraut und auch um die Schnecken muss man sich nicht zu sorgen“, bemerkt Vorstand Rager augenzwinkernd. Meistens gilt es, die kleine Gartenhütte, Wege und Beete wieder instand zu setzen. Über eine Wasserentnahmestelle verfügt übrigens jede Parzelle, Strom aber und selbst Solar gibt es nicht. Auch laute, mit Benzin betriebene Rasenmäher, Heckenscheren und anderes Gartengerät sind verboten. „In einer solchen Anlage, wo man Zaun an Zaun mit den Nachbarn lebt, ist ohne gegenseitige Rücksichtnahme das Miteinander nicht möglich. Wenn sich zwei „Streithansel“ gar nicht einig werden, wird beiden als letztes Mittel der Garten entzogen.“

Idyllische Lage zwischen den Reichenhaller Bergen Predigtstuhl, Zwiesel (Foto) und Hochstaufen in den Nonner Auen von Bad Reichenhall

Miteinander ist ebenfalls bei der Gemeinschaftsarbeit im Frühjahr und Herbst geboten. Jeder Gartler ist dazu angehalten, zwei Tage Zeit und Arbeitskraft in den Erhalt von Wege, Zäune und Infrastruktur zu investieren. „Im Verein halten wir zusammen, das Miteinander funktioniert, freut sich Thomas Rager, seit Sommer 2020 neuer Vereinsvorstand und seit acht Jahren Pächter einer Gartenparzelle. Für die Wartung und Pflege steht ein lang gestrecktes Werkstattgebäude mit einem kleinen Maschinen- und Fuhrpark zur Verfügung. Natürlich gibt es dafür auch zwei Gerätewarte, nämlich Mohamed und Uwe, die sich um die Funktionstüchtigkeit und Sicherheit der Anlagen sorgen.

Jeder Garten hat seine „kleinen Geheimnisse“.

Die Nutzung der Gärten hat sich über die Jahrzehnte hinweg gewandelt. Standen in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren die Versorgung mit Lebensmitteln im absoluten Mittelpunkt, so ist es heute vermehrt die Freizeitnutzung. „Da müssen wir gelegentlich Aufklärungsarbeit leisten. Ein Kleingarten ist kein reines Freizeitgrundstück, er muss auch gärtnerisch genutzt werden. Das ist in der Gartenverordnung festgeschrieben und es ist auch richtig so, denn nur so werden die Kleingärten ihren Charakter bewahren können“, ist sich Thomas Rager sicher.

Ein Mittelpunkt im Zusammenleben der Kleingärtner ist die Gaststätte in den Heimgärten, „Beim Bergei“, die von einem Pächter öffentlich betrieben wird. „Aktuell aber ist es nicht möglich, sich als Verein, Vorstand oder Stammtisch zu treffen. Das ist ein gesellschaftlich harter Schnitt, der nicht nur uns, sondern alle Vereine trifft, und davon soll es in Deutschland über eine halbe Million geben. Zu unseren jährlich wiederkehrenden Aktivitäten zählen auch die Beleuchtung der Heimgärten, unsere Maiandacht und Erntedank.

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Gerd Spranger

Mit Unternehmergeist gegen den Lockdown arbeiten

  • Warten auf die Öffnung der Biergärten und warten auf Hilfsgelder
  • Gasthof Heimgarten „Zum Bergei“
  • To-Go und Lieferservice mit bayerischer Küche

Der Lockdown im Berchtesgadener Land für Hotellerie, Gastronomie, Tourismus- und Kultubranche hält an. Lieferservice und ein Ausser-Haus-Verkauf (To-Go) lohnen wirtschaftlich häufig nicht, zumindest für 87 Prozent der Branche nach offiziellen Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Lieferdienste hätten sich vor allem in städtischen Bereichen etabliert. Es gibt aber auch Ausnahmen, die mit To-Go zumindest eine Firmenpleite abwenden. Einer dieser Betriebe ist in Bad Reichenhall die Gaststätte in den Heimgärten, „Zum Bergei“. Die Redaktion hat sich mit den Wirtsleuten unterhalten.

Biergarten in idyllischer Lage

Cristoph und Barbara Berger übernahmen den Betrieb im Februar 2017. Sie etablierten in den folgenden Jahren ein kleines Angebot an Speisen, das sie bis heute, vor allem an den Wochenenden, konstant erweitern. Mit einem großen sonnigen Biergarten, einer idyllische Lage mitten in der Gartenanlage und die Nähe zu den Radwegen entlang der Saalach und den Nonner Auen entwickelten sie sich zu einer beliebten Ausflugsgastronomie. Dabei sind Christoph und Barbara Branchen-Quereinsteiger, ließen sich aber über Monate hinweg von einem versierten Küchenchef schulen und beschäftigen heute einen gelernten Koch. Der 33 Jahre junge Christoph Berger baute sich seit 2014 bereits mit einem speziellen Getränkeservice für Großveranstaltungen und Festivals ein Nebeneinkommen auf. „Mit selbst entwickelten Cocktailanlagen, eigenen Rezepturen und eigener Abfüllung kamen wir ganz gut ins Geschäft“, so der Jungunternehmer, der sich jetzt ganz neuen Herausforderungen stellen muss.

Engagement für den Betrieb

„Corona mit den langen Lockdowns und Betriebsschließungen brachten uns jetzt nach sechs Monaten an den Rand unserer wirtschaftlichen Existenz, wenn wir die Zeit auch zu nutzen wussten. Heute sind alle finanziellen Reserven aufgebraucht, finanziellen Hilfen vom Staat erhielten wir bis dato nicht“, so der Gastronom. Aufgeben wollte und will er aber nicht. Immer wieder hat er mit viel Eigenleistung in den Betrieb investiert, vor allem im Bereich des Biergartens. Bis zuletzt gab es ja Hoffnung, zumindest die Außen-Gastronomie wieder zu öffnen. „Wir setzten die strengen Hygienekonzepte im Sommer 2020 erfolgreich um. Soweit ich weiß, hat sich in der Außen-Gastronomie im gesamten Berchtesgadener Land nicht ein einziger Gast infiziert.“

Um nicht einen wirtschaftlichen Totalausfall hinzunehmen, entschlossen wir uns früh, sowohl einen Außer-Haus-Verkauf als auch einen Lieferservice anzubieten. Zugute komme ihnen dabei die Struktur als Familienunternehmen, Schwester Evelyn ist ebenfalls im Team, übernimmt den Lieferservice. Für die drei Kinder (14,11 und vier Jahre) wurde der aktuell geschlossene Gastraum zur „Lernstube“ umfunktioniert. Das hilft in Zeiten von Homeschooling, in denen auch die Eltern stärker gefordert sind.

Service mit bayerischer Küche

„Wir mussten den Rhytmus für die Küche komplett umstellen, ein Liefer- und Warmhaltesystem installieren und leider auch Personal freistellen“, erzählt der Gastronom. Einen Pluspunkt für den sich langsam einstellenden Erfolg, sieht er in der Ausrichtung auf die bayerische Küche. „Das klassische Liefergeschäft hat sich vor Corona ja weitgehend auf ‚Pizza und Pasta‘ beschränkt. Kaum aber wurde die traditionelle Küche geliefert. Das schätzen immer mehr Kunden, zumal die Gastronomie insgesamt geschlossen ist.“ Geholfen habe den Wirtsleuten Berger auch die regelmäßige Präsenz in den sozialen Medien, Postwurfsendungen und Werbung in der regionalen Zeitung.

Christoph Berger sieht in der kleinen Betriebsgröße ein weiteres Plus, denn es helfe Betriebskosten zu sparen. Die allerdings laufen auch während des Lockdowns weiter und neue Verhandlungen mit dem Kleingartenverein Reichenhall e.V. stehen an. Auch fielen die Nebenkosten in einem alten Gebäude wie die Heimgartengaststätte insgesamt höher aus.

Alles zum Wohl der Gäste geben

Der Betriebsstart im Jahr 2017 war für ihn und seine Partnerin als Quereinsteiger nicht leicht und die Anspannung wurde mit der Pandemie erneut verschärft. „Du liebst oder hasst die Gastronomie, lernst damit zu leben oder gibst auf. Gastronomie kann man nicht eben mal ein- oder ausschalten. Das ganze Umfeld, von den Räumlichkeiten, Warenhaltung, Pflege, Personal, Reinigung, Schulungen und das ganze Team sind aufeinander abgestimmt. Es ist ein komplexes Zusammenwirken zum Wohl unserer Gäste. Im Hintergrund laufen noch der Einkauf, Bankgeschäfte, Versicherungen, Steuerberater und betriebliche Auflagen. Es ist kein leichtes Geschäft plus einem 14- bis 16-Stundentag, häufig sieben Tage die Woche,“ erzählen Christoph und Barbara Berger rückblickend auf die vier Jahre ihrer gemeinsamen Selbständigkeit.

Natürlich wünschen sie sich, den Gartenbereich bald wieder öffnen zu können. Sie setzen aber auch auf die Idylle der Kleingartenanlage,die immer mehr Spaziergänger anziehe, vor allem jetzt im Frühjahr. Freuen würden sie sich auch über mehr gemeinsame Aktionen mit dem Gartenverein.

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Stadt verspielte die Chance

K O M M E N T A R :

Die Stadt Bad Reichenhall hatte die Chance als Kurstadt und Staatsbad gegen Erkrankungen der Atemwege nachhaltig und zukunftsweisend den Verkehr aus dem Tal zu bringen. Diese Chance ist nun vergeben, wie im Artikel der Lokalzeitung vom 23. April dargestellt und in der Stadtratssitzung ausführlich dargelegt. Eine Ortsumfahrung sei nun „hinten runter gefallen“. „Erst Brücke, dann Vollanschluss“ lautet die Entscheidung des Straßenbauamtes Traunstein, die so bereits im September 2020 mit kommunalen CSU-Spitzenvertretern und der bayerischen Verkehrsministerin Kerstin Schreyer getroffen wurde. Bad Reichenhall, und hier die Mehrheit der politischen Parteien, inklusive der Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Dr. Christian Lung, haben abgewartet, als hätte man alle Zeit der Welt. Alternativen mussten untersucht und geprüft werden nebst dem von Max Aicher angestoßenen Projekt Auentunnel. Alternativen, die im Wesentlichen bereits im Planfeststellungsverfahen aus dem Jahr 2011 abgelehnt wurden. Mit der Aufnahme des Kirchholztunnels in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes im Dezember 2016 hätte sich die Stadt vehement für diese Lösung einsetzen können. Sie hätte, wohlgemerkt. Sie hat aber nicht.

Bis zu 50.000 Fahrbewegungen täglich verzeichnet das Staatsbad Reichenhall im innerstädtischen Verkehr und auf der B20 und B21, die parallel zur Saalach verläuft. Ein Kircholztunnel (links im Waldrücken) hätte täglich bis zu 20.000 Fahrzeuge und den gesamten LKW-Transitverkehr aufnehmen können. So verbleiben Lärm und Feinstaub in Bad Reichenhall, dass sich als Kurort gegen Erkrankung der Atemwege empfiehlt.

Die Stadt verspielte damit aber eine Jahrhundertchance und die betroffenen Anwohner und auch Urlaubsgäste – sofern Reisen wieder erlaubt und Hotels wieder geöffnet – werden auch in den nächsten 20 Jahren Lärm, Dreck und Abgase hinnehmen müssen. Dabei wären dies Argumente sogar zu kurz gegriffen, denke man nur an den Verlauf der B20 und B21 vom Gablerknoten bis zum Festplatz. Denn auch der innerstädtische Verkehr würde spürbar entlastet, das unterstellen eindeutig das Mobilitätskonzept des Landkreises aus dem Jahr 2016 und die etwas ältere Verkehrsprognose des Professor Kurzak im Planfeststellungsverfahren aus dem Jahre 2011.

Keine Entlastung für die Innenstadt?

Mit einer deutlichen Entlastung der jetzigen Umgehungsstraße (B20/21) würde sie nämlich wieder vermehrt als Ortsentlastungsstraße angenommen werden. Darum fiele der Rückgang des Personenverkehrs dort auch relativ gering aus. Für die Innenstadt von Bad Reichenhall aber würde es einen Rückgang um rund 30 Prozent bedeuten. Warum wird dies in dem aktuellen Gutachten des Straßenbauamtes völlig negiert, prognostiziert man im innerstädtischen Bereich sogar eine Zunahme auf 18.000 Verkehrsbewegungen? Nähme der Kirchholztunnel 18.500 Fahrzeuge auf, und verblieben auf der Loferer Straße 18.000 und auf der Münchner Allee 18.500 Fahrzeuge, so bedeute dies ein Verkehrsaufkommen von 55.000 Fahrzeugen „an einem durchschnittlichen Werktag“, wie in dem Artikel „Verkehrsgutachten“ dargestellt. Am Gablerknoten aber soll es nur 42.000 Fahrbewegungen geben? Wo ist der Rest von 13.000 Fahrzeugen geblieben? Unterschlägt das Gutachten die Entlastung der Innenstadt durch einen Kirchholztunnel, wie er im Bundesverkehrswegeplan des Deutschen Bundestages beschlossen wurde?

Aber wie schon gesagt, alles ist rein rechnerisch, „denn hätte und wenn“ liegen gemeinsam auf dem Friedhof begraben, sagte zu mir in jungen Jahren bereits die Oma. Für Bad Reichenhall wird diese hohe Verkehrslast erhalten bleiben, obwohl eine leistungsfähige Ortsumfahrung bereits seit 1977 mehrfach Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplänen fand, die massive Belastung selbst in Bonn und Berlin bestätigt wurde. Für die Stadt aber „ist der Leidensdruck noch nicht hoch genug“, attestierte 2017 der damalige Leiter des Staatlichen Bauamtes von Traunstein, Sebald König. Die Stadt, vor allem aber die besonders betroffenen Bewohner, werden sich also weiterhin in ihrem Leid üben. Die kommunale Politik hat es in über 50 Jahren nicht geschafft, eine Lösung des Verkehrsproblems zu erreichen. Vielleicht wollte man es nicht wirklich, denn Zeit genug hätte man ja gehabt.

Gerd Spranger / 1. Vorstand des Vereins „Reichenhall pro Kirchholztunnel“ (www.)pro-reichenhall.de

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Es lebe der Fasching – die Traditionen hochleben lassen!

Wieninger Schwabenbräu
setzt ein Zeichen der guten Laune

Die Wirtsleute vom Schwabenbräu setzen auf gute Stimmung und zeigen wie es geht. Verkleidet als Graf Dracula und Robin Hood, unterstützt von Musik-Klaus als Kaptitän Jack Sparrow, haben Sie für Fasching einen eigenen Spot online gestellt.

Der Fasching in Bad Reichenhall muss nicht ausfallen. Mit guter Stimmung und viel Kreativität gehen die Wirtsleute vom Schwabenbräu, Thomas und Ruth Riedl zusammen mit ‚Musik-Klaus‘ mit Frohsinn gegen ‚den tierischen Ernst‘ vor. Traditionell ist das Faschingstreiben im Schwabenbräu in Bad Reichenhall bekannt. 500 bis 600 Personen sind an den Faschingstagen vom Unsinnigen Donnerstag (Weiberfasching) bis zum Aschermittwoch normalerweise an diesen Tagen zu Gast. 

Ein guter Dreh braucht seine Zeit, auch im Wieninger Schwabenbräu. – Fotos: Gerd Spranger

Heuer bleibt das Wirtshaus zur „Narrischen Zeit“ zum ersten Mal seit 25 Jahren geschlossen. Gefeiert wird online und mit Abholservice. „Tuat’s trotzdem singen, tanzen, lachen und feiern“, ermuntert Wirtin Ruth Riedl ihr treues Stammpublikum. „Macht’s euch die Arbeit, maskiert euch.“ „Ausgelassenheit und Stimmung brauchen wir alle“, setzt Thomas Riedl noch einen drauf. „Denkt’s positiv, net negativ.“ Und so gehen Ruth, Thomas und Musik-Klaus mit gutem Beispiel voran, haben einen Spot als Graf Dracula, Robin Hood und Kaptitän Jack Sparrow online gestellt. Also, auf geht’s zur online-Weiberroas am Faschingsdonnerstag und Fischessen zum Abholen am Aschermittwoch.

Interessierte finden das Video auf Facebook unter „Wieninger Schwabenbräu“. Hier ist der Link: https://www.facebook.com/wieninger.schwabenbraeu/videos/

175 Jahre Badekurort Reichenhall mit Symbolcharakter

1844 nahm die damals völlig neu erbaute Alte Saline ihren Betrieb auf. Die Anlage bildet zudem den Kern des Ensembles Alte Saline, der Ensembleschutz umfasst neben der Alten Saline auch die Salinenstraße, den Beamtenstock, den Oberen und Unteren Lindenplatz sowie den Feuerwachturm auf dem Gruttenstein.

Die Stadt will nun auf ein 175-jähriges Jubiläum als Badekurort zurückblicken und macht dies an der Öffnung der „Sole- und Molkekuranstalt Achselmannstein“ im Jahre 1846 fest. Der Salinenarzt Dr. Osterhammer verabreichte aber bereits 1822 in Bad Kirchberg mit Sole vermischte Bäder. Man könnte also ebenso nächstes Jahr ein 200-jähriges Jubiläum der Solebäder in Bad Reichenhall feiern. 1846 aber schien den Verantwortlichen wohl passender, da 12 Jahre nach dem verheerenden Stadtbrand die Stadt erneuert wurde, im Zentrum die Anlagen der Alten Saline, die unter König Ludwig I. einen großen Förderer fanden. Das Stadtbild wandelte sich, mehr und mehr verschwand die alte Salinenstadt. 

Die Kuranstalten von Bad Reichenhall sind längst Geschichte. Sie standen in Besonderer Weise für die Tradition der Kur in der alten Badestadt.

Vielleicht aber steht das ehemalige Grandhotel Axelmannstein ja symbolisch wirklich für eine über 175-jährige Badetradition in Reichenhall, den Titel Bad erhielt die Stadt erst 1890. Das einst so stolze Anwesen, die viel beschworene Wiege des Staatsbades, ist heute baufällig und bröckelt vor sich hin. Der Glanz der alten Tage ist längst vergangen und eine Modernisierung wird seit Jahrzehnten immer weiter hinausgezogen. Ob sie jemals kommt, dürfte in Zeiten, in denen die Regierungen dieser Welt Hotellerie und Tourismus gewaltsam zum Erliegen bringen, fraglich sein.

Bad Reichenhall:
Aufbruch oder Niedergang?

Gewaltsam zum Erliegen kam das blühende Staatsbad bereits während zweier Weltkriege und der großen Welt-Wirtschaftskrise, erinnert der Reichenhaller Stadtarchivar Dr. Johannes Lang. Die von ihm beschworene Aufbruchstimmung ließ dann bis in die 60er-Jahre auf sich warten und hielt dreißig Jahre lang. Dann kam das jähe Ende durch die Gesundheitsreform unter dem heutigen CSU-Innenminister Horst Seehofer und mit ihnen ein Ende der Offenen Badekur. In der Folge schlossen ein Dutzend privater Pensionen und die Zahl der Übernachtungen erreichte Nachkriegsniveau, sie sank von 1,6 Millionen auf unter 800.000. Einst so stolze Kuranstalten, wie etwa das Victoriabad oder das Staatlich Städtische Kurmittelhaus – insgesamt gab es ein halbes Dutzend – sind alle verschwunden. Besonders sie standen für die lange Tradition der Kur in Bad Reichenhall. Ein Niedergang, der sich bis zur Jahrtausendwende hinzog und nur sehr langsam erholte sich die Badestadt von diesem Schlag, suchte neue Wege der Vermarktung und neue Zielgruppen zu gewinnen.

Bad Reichenhall:
Eigenvermarktung scheiterte

2005 dann erfolgte unter der Leitung von Gabriele Deml, zuvor 9 Jahre lang Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins in Bad Reichenhall, die Gründung der BGL-Tourismus GmbH, die fortan den gesamten Landkreis vermarkten sollte. Bad Reichenhall verzichtete damit auf die Eigenvermarktung, man könnte auch den Schluss ziehen, dass sie damit gescheitert ist und sich der gewünschte Erfolg nicht einstellte. Heute, 15 Jahre später zerbricht auch diese Organisation. Wobei Bad Reichenhall, wohl im Geld zu sparen, mit Dr. Brigitte Schlögl, die Leiterin der Tourismusorganisation, gleich mit dem Stadtmarketing beauftragte. Ob Stadtmarketing oder touristische Vermarktung, für die Stadtoberen scheint es da kaum Unterschiede zu geben, nach dem Motto, wer schon vor der Haustür des Nachbarn kehrt, der kann ja das eigene Haus gleich mitbestellen.

Wer soll jetzt Millionen investieren?

Und jetzt, wo seit vier Monaten und auf unabsehbare Zeit die Hotels und die gesamte touristische Infrastruktur zwangsweise geschlossen wurden, wie etwa die Rupertustherme oder die Predigtstuhlbahn, hofft man auf neue Projekte. Zudem warnen politische Stimmen bereits vor einem neuen Lockdown im Herbst und vor weiteren schrecklichen Corona-Mutationen, die das Volk in Angst und Schrecken versetzen sollen. Wer möchte da noch Millionen investieren? Ja, Bad Reichenhall hat sich wahrlich ein gutes Symbol für seine 175-jährige Badetradition ausgesucht. Ein altes Hotel, dem die Kraft und Innovation zur Modernisierung fehlt. Wer mag es ihm verdenken, in Zeiten wie diesen.

Hotel Panorama wird zum neuen „Rundum“

Boardinghouse mit 98 Zimmern – 12 Millionen investiert


Seit Jahren steht ein hoher Kran am ehemaligen Hotel Panorama, zuletzt als ‚Golden Tulip‘ geführt, in Bad Reichenhall. Die Bauarbeiten scheinen sich in die Länge zu ziehen und manche Spaziergänger fragen sich, ob es wieder eine Eröffnung für das seit vielen Jahren aufgelassene Hotel geben wird. 2017 kaufte es der in Bad Reichenhall geborene Unternehmer Max Aicher. 

Bereits damals stand es seit Jahren leer und dämmerte in einem Dornröschenschlaf vor sich hin. 2018 gab es dann konkrete Pläne für eine Wiederbelegung als Tagungshotel. Der Monate andauernde Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 machte dem geplanten Konzept und der Eröffnung aber ein Ende. „Wir haben uns im Sommer neu ausgerichtet und die Eröffnung jetzt auf unbestimmte Zeit verschoben. Niemand weiß, wie sich die wirtschaftliche Situation und das gesellschaftliche Leben in den nächsten Monaten entwickeln wird. Aktuell besteht für das Berchtesgadener Land ja sogar ein Besuchsverbot“, kommentiert Unternehmenssprecherin Angela Aicher die aktuelle Entwicklung.

Die Bauarbeiten am neuen Hotel „Das Rundum“ (ehemals Panorama) machen Fortschritte. Die gesamte 50 Jahre alte Technik wurde bereits erneuert und die Außenfassade weitgehend fertiggestellt. Jetzt folgt der Ausbau der Innenräume bis hin zu bezugsfertigen Zimmern. Für einen Baustellentermin trafen sich (v.l.): Dr. Christian Schwab von den Max Aicher Immobilien, Architekt Andreas Traunfellner, Dipl. BW (FH) Angela Aicher und der Bereichsleiter für Immobilien und Projekte, Peter Hutterer. – Fotos: Gerd Spranger

Der Umbau und die Modernisierungsarbeiten für insgesamt 12 Millionen Euro sollen bis zum Herbst fertig gestellt sein. Das neue Konzept sieht dann eine Eröffnung als Boardinghouse mit 98 Zimmern unter dem Namen „Das Rundum“ vor. Das große Panorama-Restaurant wird zunächst nicht geöffnet, Hausgästen wird hier ein Frühstück angeboten. Eine Sanierung des ehemaligen Schwimmbades ist ebenfalls nicht geplant und ein Ausbau der Tagungsräume vorerst zurückgestellt.

„Gerade in Zeiten von Corona zeigt sich, dass Flexibilität in der Konzeptausrichtung und digitalen Anbindung maßgeblich entscheidend sind“, erläutert Angela Aicher. „Der Focus liegt auf die Gestaltung eines hochwertigen Boardinghauses mit 98 Zimmern. Jedes erhält eine Miniküche, eine schöne Ausstattung und Zusatzleistungen wie Frühstück oder Wäscheservice können gebucht werden.“ Laut Wikipedia trägt ein Boardinghouse den Charakter „eines Beherbergungsbetriebes, welcher Zimmer oder Apartments mit hotelähnlichen Leistungen in meist städtischer Umgebung vermietet. Im Gegensatz zu einer Pension oder einem Hotel ist ein längerer Aufenthalt geplant.“

Für einen schönen Rundum-Blick auf Bad Reichenhall sorgen hohe Glasfronten im neu entstehenden Frühstücksraum.

Für Bad Reichenhall könnte das neue Konzept ein Meilenstein in der Neuausrichtung der Hotellandschaft werden. Das neue Hotel Luisenbad soll im Herbst als IBIS-Hotel mit 132 Zimmern eröffnen. In einigen Jahren werde das Hotel Hofwirt mit einem angebauten, großen langgestreckten Baukörper als Vier-Sterne-Hotel Superior eröffnen. In der Schwebe sind aktuell noch ein Hotel an der Rupertustherme, die Nutzung und Revitalisierung des Alpenhotels Fuchs, eine Sanierung des Hotels Axelmannstein und eine Wiederbelebung des Berghotels Predigtstuhl.

Die beste Aussicht werden Gäste künftig vom fünften Stockwerk aus genießen. Auf dem Foto (v.l.): der Bereichsleiter für Immobilien und Projekte, Peter Hutterer, Dipl. BW (FH) Angela Aicher und Dr. Christian Schwab von den Max Aicher Immobilien.

Für Bad Reichenhall sind damit die Weichen für einen touristischen Neustart gestellt. Werden aber weiter Reisebeschränkungen, die Schließung von Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie etwa der Rupertustherme oder der Predigtstuhlbahn, und das Zusperren von Gastronomie und Handel vorangetrieben, ist einer positiven Entwicklung der Weg verstellt.

Über die direkte Blickachse zum Berghotel Predigtstuhl freut sich Angela Aicher besonders, wenn auch Bahn und Hotel aktuell ebenfalls ein Opfer des Lockdowns sind. Links von ihr Peter Hutterer, Bereichsleiter für Immobilien und Projekte sowie Dr. Christian Schwab von den Max Aicher Immobilien.

Lesen Sie auch unseren Beitrag aus dem Jahr 2018. 
https://meinreichenhall.wordpress.com/2018/12/29/steht-bad-reichenhall-vor-einer-neuen-bluetezeit/

TV-Team von Kontrovers besucht den Schwabenbräu

Aufschwung für Bad Reichenhall erwartet
In den Sozialen Medien profilieren 

Bereits im November hat die Redaktion sich mit Thomas Riedl, seit 23 Jahren Wirt vom Schwabenbräu in Bad Reichenhall, über die Folgen des erneuten Lockdowns für die Branche unterhalten. Schon damals befürchtete er einen Umsatzverlust von fünfzig Prozent für das Jahr 2020. Er beklagte hohe fünfstellige Investitionen, um etwa auch den hohen Hygieneauflagen für den laufenden Betrieb gerecht zu werden. Einen Lieferservice, wie Kollegen von ihm anbieten, wollte er im November nicht starten. Jetzt aber hat er sich für die Variante „Essen to Go“ entschieden, eine kleine Karte zusammengestellt und am vergangenen Wochenende nach drei Monaten die Küche wieder aufgesperrt. Und er ist überwältigt von dem Zuspruch.

Personal mit hohen Einbußen

Auf Facebook zählt der Schwabenbräu eine große Fangemeinde von fast 2000 Gästen, fünfstellige Aufrufzahlen und seine Ankündigung werden mehrfach geteilt. Für seinen Küchenstart hatte er großes Glück, denn am Wochenende war bei ihm gleich ein Fernsehteam von Kontrovers, dem Politmagazin des Bayerischen Rundfunks, mehrere Stunden zu Gast. Thomas Riedl hat bei dem Service auch seine Mitarbeiter im Blick. „Für sie ist die Situation ebenfalls schwer. Seit drei Monaten haben sie keine Arbeit und ein reduziertes Einkommen. Sie beziehen Kurzarbeitergeld und der Wegfall von Trinkgeldern, ein wichtiger Teil des Einkommens, müssen sie ebenfalls verkraften. Da verbleiben nur 50 Prozent des sonst üblichen Einkommens und weniger. Dazu kommt die psychische Belastung und die Unsicherheit, wie es beruflich weitergeht.“ Der Unternehmer beschäftigte zuletzt einen Personalstamm von 35 Mitarbeitern.

Junge Gäste sind begeistert

Thomas Riedl und seine Frau Ruth sind trotz aller Umstände aber Optimisten geblieben. Bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 haben sie sich darauf geeinigt, „nicht zurück, sondern nach vorne zu schauen.“ Sie freuen sich über die Filmaufnahmen, weil es vor allem auch Bad Reichenhall zugute kommt. Mit der Filmcrew waren sie zwei Stunden in der Innenstadt unterwegs. Thomas Riedl ist als Gastronom und Unternehmer aber auch Realist und räumt ein, dass womöglich jeder zweite Gastronomiebetrieb die Krise nicht überstehen wird, wie aktuelle Prognosen der IHK aufzeigen würden. „Insgesamt aber werden wir in den nächsten Jahren in Bad Reichenhall einen starken Aufschwung spüren“, ist er sich sicher. In seinen Ferienwohnungen registrierte er aufmerksam, dass im Sommer auch viele junge Menschen kamen, teilweise mit Kindern und teilweise noch nicht einmal verheiratet. „Viele von ihnen waren begeistert, von der Landschaft, der Ruhe und den unzähligen Möglichkeiten, die die Region bietet.“ Das Auseinanderbrechen der BGLT sei zwar ein Wermutstropfen für den Landkreis, doch Bad Reichenhall werde einen Aufschwung erleben, müsse sich insgesamt aber moderner präsentieren.

In der Krise Zeichen setzen

Dabei geht der Wirt vom Schwabenbräu selbst neue Wege. Zu Weihnachten etwa hat er seinen Gastgarten über Wochen hinweg in ein lebendiges kleines Weihnachts-Wunderland verwandelt und über Livestream eine Rock-Christmas übertragen mit 10.000 Zuschauern. Sein ebenfalls im Livestream übertragene „Vor-Silvester-Party“ verfolgten sogar 13.000 Zuschauer. Beide Veranstaltungen führte er seit 22 Jahren erfolgreich in seinem Betrieb durch, bei vollem Lokal und Gastgarten. Für den Livestream sicherte er sich professionelle Hilfe von seinem Freund, dem Alleinunterhalter Klaus Mehlig, der für ihn in den sozialen Medien für „echte Hingucker“ sorgt. „Natürlich war er auch bei den aktuellen Fernsehaufnahmen von Kontrovers mit dabei,“ bekräftigt Thomas Riedl. Für ihn ist es der Weg „nach außen“, hin zu seinen Gästen und zu einem großen Publikum. Mit den Angestellten halten er und seine Frau über eine WhatsApp-Gruppe Kontakt.

Der Erfolg von seinem auf die Wochenenden (Freitag bis Sonntag) begrenzten Außer-Haus-Verkauf kommt darum nicht von ungefähr. „Zwischen 50 und 100 Essen verkaufen wir am Tag und viele Gäste zeigen sich beim Trinkgeld großzügig. Sie wollen uns unterstützen und ihren Schwabenbräu auch in den nächsten Jahren noch erleben“, hört er häufig. Was nach großem Erfolg klingt, wird aber wohl eher die Kosten decken, und ist mit viel Arbeit verbunden. „Allein die Pflege in den sozialen Medien, die Beantwortung vieler Kommentare und Emails verlangen ihm und seiner Frau Ruth täglich viele Stunden ab. „Ohne geht es aber nicht, und das vielfache positive Feedback zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Wer sich näher über die Aktivitäten des Gastronomen informieren möchte, muss etwa bei Facebook nach Wieninger Schwabenbräu suchen.

Der aktuelle Beitrag ist im Bayerischen Fernsehen in der Sendung Kontrovers am Mittwoch ab 21.15 zu sehen.

Soziale Spannungen verschärfen sich

Caritas-Schuldnerberaterin Ania Winter
registriert einen deutlichen Anstieg
in der Sozialberatung

Ania Winter vor der Caritas-Beratungsstelle in Bad Reichenhall – Foto: Gerd Spranger

Eine zentrale Anlaufstelle für Menschen in Not ist die Soziale Beratung der Caritas für die Region Berchtesgadener Land. Dabei hat die Not viele Gesichter und schleicht sich häufig auf leisen Sohlen ins Leben. Es sind die Verbraucherinsolvenzen, mit denen die Caritas konfrontiert wird, denn Firmeninsolvenzen zählen nicht zu ihrem Bereich. „Und hier stehen demnächst gesetzliche Änderungen, wie etwa eine Restschuldbefreiung nach drei Jahren, in greifbarer Nähe. Das lässt viele Menschen mit der Antragstellung noch warten“, erläutert Ania Winter, die als Fachdienstleitung der Gemeindeorientierten sozialen Arbeit und damit auch für die Schuldner- und Insolvenz-Beratung der Caritas Berchtesgadener Land zuständig ist.

Anstieg um 25 Prozent

Zugenommen habe der Bereich ‚Allgemeine Sozialberatung‘ im Landkreis mit bis zu 300 Menschen in der Beratung. „2020 werden es knapp 400, also 25 Prozent mehr sein“, schätzt Ania Winter die Lage ein. “Zunehmend suchen Menschen Hilfe, die normaler Weise gut im beruflichen und sozialen Leben integriert sind, auch ältere Menschen. Dabei sind die Ursachen vielfältig und werden durch die Corona-Maßnahmen verschärft.“

Zunächst trifft es viele, die aufgrund der Kurzarbeiterregelung auf etwa 30 Prozent ihres Einkommens verzichten müssen. „Das ist über mehrere Monate gesehen ein erheblicher Einbruch. Bei laufenden Krediten für Autos oder Konsumgütern kann dies schnell Probleme verursachen, auch wenn häufig eine Stundung von drei Monaten erwirkt werden kann. Dann aber ist in der Regel die ganze Summe fällig und diese Hürde können viele nicht nehmen“, erklärt die Schuldnerberaterin. „Auch sind Familien zur Haltung des Lebensstandards oft auf einen Zuverdienst aus einer geringfügigen Tätigkeit angewiesen. Sie sind häufig im Bereich Gastronomie, Hotellerie, Reinigung und Tourismus beschäftigt, und dieses Zusatzeinkommen fällt dann ersatzlos weg.“

Herausforderungen:
„Unmittelbar, handfest, konkret“

Selbst die vorübergehende Schließung von Ämtern oder der Agentur für Arbeit für den Personenverkehr wirft Probleme auf. „Eine Onlineberatung ist nicht das Gleiche. Manche Menschen brauchen den persönlichen Kontakt, die persönliche Hilfe. Und sei es nur für Kleinigkeiten wie das Einscannen von Dokumenten oder nötige Ausdrucke“, weiß sie aus vielen Gesprächen. „Finanzielle Herausforderungen zeigen sich unmittelbar, sind handfest, konkret und klar erkennbar. Ein anderer Bereich aber wiegt oft schwerer, die psychischen Belastungen, die die Betroffenen nicht alleine bewältigen können.“

Schleichende Vereinsamung

„Vereinsamung und Depressionen sind ein schleichender Prozess, geschehen unmerklich, wird von den Betroffenen selbst kaum wahrgenommen,“ so Ania Winter. „Es sind manchmal sogar Nachbarn, Familienangehörige oder Freunde, die uns auf Menschen aufmerksam machen, die sich immer mehr zurückziehen, vereinsamen. Mit ihrer Erlaubnis suchen wir dann einen ersten telefonischen Kontakt um zu helfen. Es sind die kleinen Dinge die fehlen und das Leben aktuell erschweren. Das kurze Gespräch beim Einkaufen, beim Spazieren gehen oder gesellschaftliche Anlässe. Das alles findet unter eingeschränkten Bedingungen statt, viele Menschen sind zudem verängstigt. Die Kontaktpflege von ‚Mensch zu Mensch‘ ist gestört und wird es jetzt auch zu Weihnachten und zur Jahreswende.“

Ania Winter nennt als positives Beispiel regionaler Hilfe das Corona-Projekt der „Aktion Mensch“, das von den Pfarreien und der Caritas mit getragen wird und noch bis zum 31. Dezember läuft. „Vor allem in jenen Wochen, als selbst die Tafeln geschlossen hatten, konnten wir schnell und unkompliziert helfen. Sachspenden von etwa 3000 bis 4000 Euro wurden an Bedürftige ausgegeben.“ Und noch etwas beobachten Ania Winter und ihre Mitarbeiter des Caritaszentrums: „Die Leute sind sparsamer geworden und reagieren so auf die anhaltenden Einschränkungen und die Lockdowns.

Alltag zusehends belastet

Sie fürchtet, dass diese Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. „Wäre es nur für ein paar Wochen, könnten wir die Defizite wohl gut kompensieren. Vom 14. Oktober, mit den ersten Beschränkungen für das Berchtesgadener Land, bis zum 10. Januar aber leben wir erneut drei Monate mit massiven Beschränkungen. Essen gehen mit der Familie, ein Konzert oder Kino besuchen, in der Therme entspannen, feiern mit Freunden, alles das bringt Farbe und Lebensfreude in unseren Alltag“, fasst Ania Winter das Runterfahren des öffentlichen Lebens zusammen und ergänzt:

Die Folgen werden andauern

„Die Caritas-Beratungsstelle kann zwar als Ansprechpartner und Unterstützer zur Verfügung stehen, ersetzt aber nicht den zwischenmenschlichen Kontakt, der gerade für Menschen am Rande der Gesellschaft oft nur der einzige positive Aspekt im Leben ist. Wenn dann für viele Mitbürger wieder weitgehende Normalität in den Alltag zurückkehren wird, bedeutet das für die Soziale- und Schuldner-Beratungsstelle, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie dort noch lange in Form von erhöhtem Bedarf an Beratung und Unterstützung nachwirken werden“, ist sich Ania Winter sicher.

Probleme mit hohen Mieten

Die Einschätzungen von Ania Winter bestätigt Sabine Schuster von der Erzdiözese München für ganz Oberbayern. „Seit Sommer sind der Beratungsbedarf und die Hilfen deutlich angestiegen. Im Großraum München wirkt sich zunehmend auch das hohe Mietniveau aus. Fällt ein Zusatzeinkommen weg, sind die finanziellen Lasten häufig nicht mehr zu tragen.“

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Ania Winter ist heute zweite Bürgermeisterin von Bad Reichenhall.
Im Februar 2020 empfahl sie sich für die FWG  als Oberbürgermeisterin. Lesen Sie mehr: https://meinreichenhall.wordpress.com/2020/02/02/es-ist-zeit-fuer-einen-politischen-neuanfang/