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Die Umwelt in einer gesunden Balance bewahren

„Was ist ein Klimawald?“ Diese Frage beantwortete Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller bei der Bilanzpressekonferenz der Bayerischen Staatsforsten in Berchtesgaden. Kurz zusammengefasst meint er damit, den Wuchs jener Baumarten zu fördern, die den Witterungsbedingungen am besten standhalten. Gleichzeitig seien jene Baumarten zu stärken, die den Klimawandel bremsen. „Holz speichert in langlebigen Produkten große Mengen an Kohlenstoff aus der Atmosphäre und entlastet so das Klima,“ führt Müller aus, und spricht sich für den Einsatz von mehr Holz als Bau- und Werkstoff aus. „Ein Klimawald ist darum nur der genutzte Wald, weil er Co² intensive Rohstoffe vermeidet“, bekräftigt er und argumentiert weiter: „Die Herstellung und Verarbeitung von Zement verbraucht mehr CO² als der gesamte Flugverkehr.“ Ebenso seien Fenster aus Aluminium oder Kunststoffe keine gute Wahl für die Umwelt.

Ein gesunder Wald
für eine gesunde Umwelt

Für einen gesunden Wald und eine gesunde Umwelt aber sei noch ein ganz anderer Faktor entscheidend, es ist der Bestand an Reh- und Rotwild. Es müsse die richtige Balance gefunden werden, um Populationen zu erhalten, sie aber nicht überhand nehmen zu lassen und so vor allem den Jungwald vor zu hohem Verbiss zu schützen. Aktuell wolle man im Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein den Rehbestand etwas dezimieren und weniger Hirsche erlegen, „um das Geschlechterverhältnis zu verbessern“, führt Dr. Daniel Müller aus. Darüber hinaus trage das Rehwild die höchste Vermehrungs-Potenz, auch wenn es leichter sei Hirsche zu schießen.

44.000 Euro für die Wildfütterung

An Abschüssen verzeichneten die Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden in der vergangenen Saison (2019/20) 1205 Rehe, 161 Rotwild und 339 Gämsen und lag damit beim Schalenwild etwas über der angesetzten Abschussquote. Der Aufwand für die Fütterung der Wildtiere wird mit 44.348 Euro angesetzt, „nur das Futter ohne Personal“, bestätigt Dr. Daniel Müller. Früher übrigens wurden die Wildtiere nicht gefüttert. „Sie wanderten im Winter aus den Bergen in die Tallagen, häufig bis in die Auen der Salzach oder der Traun. Das ist ihnen heute verwehrt“, erklärt der Forstbetriebsleiter. „In der Schweiz gab es sogar den Versuch, das Füttern im Alpenraum einzustellen. Das Ergebnis waren viel zu hohe Verbissschäden und das wollen wir nicht.“

Wildfütterung immer artgerecht

Bei der Fütterung gelte es nicht nur artgerecht anzurichten, sondern auch gemäß der Jahreszeiten den biologischen Bedürfnissen zu entsprechen. „Das Rotwild benötigt je nach Jahreszeit unterschiedliche Kost, Eiweißreiche im Herbst und Frühjahr, im Winter viel Raufutter mit wenig Eiweiß und vielen Fasern, so wie es die Natur ja eigentlich auch vorgibt.“ Früher habe man auch im Hochwinter noch Kraftfutter gegeben, was völlig falsch wäre, wie viele Studien belegen. „Es schadet dem Rehwild, der Magen übersäuert und es kann sogar zum Tode führen,“ bekräftigt Müller.

Fütterungsverbot für das Rehwild

In den Bayerischen Staatsforsten besteht durch die Hegerichtlinie sogar ein Fütterungsverbot für Rehwild, ausgenommen seien Notzeiten, also wirklich strenge Winter mit viel Schnee. Für das Rotwild wird mit der Futtervorlage bereits im November begonnen, nicht weil es schon notwendig wäre, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass es was gibt. Darum stehe kaum Rotwild an der Fütterung, doch wenige Kilometer entfernt im Bergwald. „Sobald es im Wald durch Schnee und Frost nichts mehr gibt, laufen die Wildtiere schnurstracks zur Fütterung“, erzählt Dr. Daniel Müller.

Der Forstbetrieb Berchtesgaden bewirtschaftet fünf Wintergatter und eine Fütterung. Die Gatter sind großräumig eingezäunt, damit das Wild seine Ruhe findet. Die intensive Zeit von Verbissschäden ist der März und April, wenn es die Tiere schon raus, hin zu den Südwesthängen der Berge zieht. Doch sie finden dort noch kein frisches Futter. „Darum öffnen wir die Zäune erst im Mai, um Schäden zu vermeiden und mehr Rotwild in den Bergen zu halten.“

Hohe Nachfrage beim Wildladen
über den Waldshop.de

Gut entwickelt habe sich auch der Wildladen an der Geschäftsstelle der Staatsforsten in Berchtesgaden. Er war vor zwei Jahren bayernweit mit Wasserburg und Kehlheim ein Pilotprojekt. „Die Nachfrage ist sehr hoch“, weiß Dr. Daniel Müller, „zu Weihnachten sind wir so gut wie ausverkauft.“ Es empfiehlt sich darum eine telefonische Voranfrage, denn das Sortiment richtet sich nach den Abschusszeiten und „dem, was da ist“. Generell aber bietet sich so jedem Bürger die Möglichkeit, Wildfleisch aus der Region zu kaufen. Müller ergänzt: „Nur zehn Prozent aus den Abschüssen werden in der Wildboutique verkauft. Es wird durch den Verkauf kein einziges Stück Wild mehr oder weniger geschossen.“ Mehr Informationen gibt es unter baysf-waldshop.de.

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1,3 Millionen für das Schloss Adelsheim

Museum Schloss Adelsheim in Berchtesgaden:
Kann man so eine Einrichtung
mit wirtschaftlichen Kennzahlen bewerten?
Das Museum Schloss Adelsheim in Berchtesgaden gibt der Heimat ein Gesicht
Das Museum Schloss Adelsheim in Berchtesgaden gibt der Heimat ein Gesicht, ist aktuell aber geschlossen und wird saniert. – Foto: Gerd Spranger

Einmal mehr stand das Museum Schloss Adelsheim auf der Tagesordnung des Kreisausschusses. Konkret ging es um die Sanierung des Daches für 1,3 Millionen Euro, und die Arbeiten haben bereits begonnen, so Landrat Bernhard Kern. Mit der Ertüchtigung des Daches soll auch die Hausmeisterwohnung wieder nutzbar sein. In dem Sachvortrag des Landratsamtes wurde dem Ausschuss eine Aufstellung der Kosten der letzten zehn Jahre vorgelegt. 2,7 Millionen Euro waren eingeplant, tatsächlich aber nur 1,8 Millionen verausgabt. Auf den Gebäudeunterhalt entfielen 614.100 Euro und auf den Museumsbetrieb knapp 1,14 Millionen. Im letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr 2019 entstanden Kosten von 146.800 Euro. In Spitzenjahren nahm man über die Besucher 34.000 bis 39.000 Euro ein, zuletzt waren es noch 15.660 Euro.

Zahl der Besucher hat sich halbiert

Kreisrat Sven Kluba (CSU) hatte sich die Zahlen genau angesehen und setzte die Investitionen in Relation. „Bezieht man die Kosten für den Unterhalt des Gebäudes mit ein, so ergeben sich pro Besucher Ausgaben von deutlich über 500 Euro.“ Er würdigte zwar die historische Bedeutung des kleinen Schlösschens von 1614, hinterfragte aber den Aufwand. Das gab Anlass zu einer ganzen Reihe von Wortmeldungen. Dr. Bernhard Zimmer (Grüne) stellte den Bezug auf wirtschaftliche Kennzahlen für so ein Gebäude und so eine Einrichtung grundsätzlich in Frage. Darüber hinaus seien „600.000 Euro Aufwendungen für den Erhalt so eines Gebäudes in zehn Jahren durchaus zu vertreten. Zudem ist das Museum eine Sammlung historisch wertvoller Güter unserer Heimat.“ Er regte an, etwa über den Kreistag, mehr Gutscheine für das Museum Schloss Adelsheim zu vergeben. „Ich bin überzeugt, dass viele unserer Kreisräte noch nicht persönlich in dem Museum waren, ich eingeschlossen“, merkte er an.

Der „Heimat ein Gesicht geben“

Michael Koller (FWG) erinnert sich gut an seine Besuche im Heimatmuseum, zuerst mit der Schule und zuletzt mit der FWG-Fraktion. Museumsleiterin Friederike Reinbold bescheinigter er „der Heimat ein Gesicht zu geben.“ Ausdrücklich begrüßte er, dass im Schloss demnächst auch wieder jemand wohne und das Gebäude nicht verwaist dastehe. Auch für den Landkreis gelte, dass Eigentum verpflichtet.

Das Museum Schloss Adelsheim in Berchtesgaden gibt der Heimat ein Gesicht
Das Museum Schloss Adelsheim in Berchtesgaden gibt der Heimat ein Gesicht, ist aktuell aber geschlossen und wird saniert.

Die Tagespflegen arbeiten im Notbetrieb

Hilfen mit reduzierten Angeboten und Hygienekonzepten ermöglichen

„Tagespflegen zögern einen dauerhaften Heimaufenthalt hinaus“ sagt Martina Motz, seit zehn Jahren stellvertretende Pflegeleiterin der Caritas-Tagespflege in Bad Reichenhall. Die Tagespflegen sind von den drastischen Einschnitten der verordneten Corona-Maßnahmen genauso betroffen wie Senioreneinrichtungen, sie arbeiten im Notbetrieb. Beim ersten Lockdown im Frühjahr mussten sie fast drei Monate lang ganz schließen, seitdem herrscht Notbetrieb mit reduzierten Angebot und reduzierter Betreuung.

Martine Motz betreut seit zehn Jahren Senioren in der Caritas Tagespflege Bad Reichenhall. Foto: Gerd Spranger

„Die zunehmende Vereinsamung und die Defizite nach der monatelangen Betreuungspause waren spürbar,“ bekennt Rainer Hoffmann, Kreisgeschäftsführer der Caritas. Selbst jetzt, im Notbetrieb, dürfen in Bad Reichenhall nur sechs Personen gleichzeitig betreut werden, sonst sind es 19. Sitzen am großen runden Tisch, gemeinsames Singen und Frühstücken gibt es nicht mehr. „Zudem halten die Masken auf Abstand und Berührungen wie ein kurzes Umarmen sind erschwert“, erzählt Martina Motz.

Auch in  Freilassing
stellt man sich den Herausforderungen

Einschränkungen, die auch die Tagespflege des Roten Kreuzes in Freilassing betreffen. Doch hier habe man gute Erfahrungen gemacht, viel kompensieren können. „Ja, die fortschreitende Vereinsamung nach dem ersten Lockdown war spürbar,“ bestätigt Petra Jeuter, Leiterin der Tagespflege. „Doch gewöhnten sich auch unsere Senioren, von denen einige unter einer leichten Demenz leiden, an die Masken. Sie kompensieren es durch die vertraute Umgebung und die Stimme,“ meint Petra Jeuter.

In der Tagespflege Bad Reichenhall etwa kamen vor Corona auch Pyhsio- und Ergotherapeuten in die Einrichtung, selbst um die Fußpflege kümmerten sich Fachkräfte. Wir haben dafür eigene Räumlichkeiten, sogar ein behindertengerechtes Bad mit großer Wanne. Das aber pausiert aktuell durch die Notverordnung, wir sind im Notbetrieb. Beim Roten Kreuz hingegen setzt man auf die Fahrdienste. „Wir fahren immer nur mit zwei oder drei Leuten im großen Bus zur Tagespflege, der Kapazitäten von acht Personen hat“, erzählt Rot-Kreuz Pressesprecher Markus Leitner. „Das lässt genügend Abstand und wir haben unser Hygienekonzept bereits im März zum Schutz unserer Mitarbeiter, Gäste und Bewohner entwickelt.“

Martine Motz vor der Tagesflege – Foto: gsp

Der Schutz gelingt auch in der Seniorenwelt der Insula, wo bislang keiner der rund 200 Bewohner an Corona erkrankt oder infiziert wurde. „Das ist für die Zukunft zwar nicht garantiert, doch spricht es für unser Hygiene-Konzept und die AHA-Reglen“, erklärt Rocco Eidam, Geschäftsbereichsleiter für Senioren und Pflege. Man habe die Einrichtung auch nie ganz für Besuche geschlossen. Heute, im zweiten Lockdown, sind halbstündige Besuche fast immer möglich, allerdings nach Voranmeldung. „Ich hinterfrage darum die Diskussion über eine zunehmende Vereinsamung. Wir pflegen die soziale Kommunikation über die Dienste und Betreuer und haben unsere Senioren nie ‚weggesperrt‘.“ Das Angebot der Tagespflege in der Insula ist aktuell von 20 auf zwölf Plätze reduziert und die Nachfrage weiterhin hoch.

Aktivitäten sind gestrichen

Was in Bad Reichenhall wie auch in Freilasing fehlt, sind viele Aktivitäten. Vom gemeinschaftlichen Sommer- und Herbstfest, bis hin zu Adventsnachmittage und Weihnachten oder kleinere Ausflüge. Spurlos aber geht die Advents- und Weihnachtszeit nicht vorbei. In der Freilassinger Tagespflege etwa stellte man gemeinschaftlich kleine Päckchen für die Aktion ‚Schuhkarton‘ zusammen. In Bad Reichenhall wird für einen Hilfsdienst die Aktion ‚Die Glücksbringer‘ unterstützt. Fest zum Programm zählen etwa die tägliche Gymnastik oder das Lesen einer Zeitung zur Stärkung der kognitiven Fähigkeiten, ebenso das Gespräch und der Austausch darüber.

In Freilassing beim Roten Kreuz können von 28 Plätzen aktuell zwölf belegt werden. „Das ist keine enge Vorgabe, sondern wir haben es als Verantwortliche selbst so entschieden, um die Abstände und Hygieneregeln einhalten zu können“, erzählt Petra Jeuter. Die Caritas hat eine Notbetreuung organisiert, mit der sie Senioren zuhause im eigenen Umfeld besuchen. „Bei manchen reicht es mal für eine halbe Stunde vorbeizuschauen, andere brauchen zweimal täglich Unterstützung, je nach persönlicher und familiärer Situation.“

„Die Unsicherheit bleibt“

So komplex wie unsere Gesellschaft, ist auch der Hintergrund der Gäste in der Tagespflege. Unter ihnen finden sich allein lebende Senioren ebenso wie solche die in einer Beziehung leben. „Ist einer der Partner zunehmend dement, so kann der andere nur schwer das Haus verlassen, denn es bleibt die Unsicherheit, dass immer ‚etwas passieren kann‘. Ob eine nicht ausgeschaltete Herdplatte, eine überlaufende Wanne oder der oder die Partnerin bricht spontan zu einer Wanderung auf und verliert nach einer Weile die Orientierung. Die Unsicherheit bleibt,“ erzählt Petra Jeuter. „Manchmal leben unsere Gäste auch in einem größeren Familienverbund. Da ist unsere Tagespflege dann auch mal eine Entlastung, ob für eine begrenzte Zeit, oder etwa nur für einen Wochentag“, ergänzt Martine Motz von der Caritas. Bei ihr und auch in den anderen Tagespflege-Einrichtungen im Landkreis sind die Wartelisten lang, und in Coronazeiten noch länger geworden. Das liegt nicht allein an den reduzierten Belegung, sondern immer öfters auch an sich zuspitzenden familiären Situationen, weiß Rainer Hoffmann aus vielen Gesprächen mit den Leitern der verschiedenen Bereiche des Caritasverbandes.

Investieren und den Blick nach vorne offen halten

Hotels in der Krise: 
Olya Linnberg betreibt drei Hotels in Berchtesgaden- 
– Das Personal trifft es besonders hart –

Der zweite Lockdown in Deutschland trifft vor allem die Hotellerie hart, in der Regel bleibt der Branche nichts anderes übrig, als den Betrieb komplett zu schließen. Einige wenige Ausnahmen, vor allem im ländlichen Bereich, sind Häuser die speziell für Geschäftsreisende offen halten. Die Redaktion hat bei Olya Linnberg in Berchtesgaden nachgefragt, wie sie mit der Krise umgeht und welche Perspektiven sie für ihre drei Hotels, das Hotel Brennerbascht in Bischofswiesen, das Hotel AlpinaRos-Demming und das Home-Hotel Salzberg in Berchtesgaden sieht. Gemeinsam bringen es die drei Betriebe auf etwas über 200 Betten und sind im Bereich 3-Sterne-Superior einzuordnen. „Ich habe die Häuser nicht zertifizieren lassen, von den Gästen und über die Buchungsplattformen aber durchwegs sehr gute Bewertungen erhalten“, freut sich Olya Linnberg. „Das positive Feedback ist mir wichtiger, als eine kostenaufwendige Bewertung durch einen Verband“, ergänzt sie.

Gute Geschäfte im Sommer

Mit der Sommersaison war die Unternehmerin sehr zufrieden. „Wir hatten nahezu Vollbelegung und waren guter Hoffnung, die durch die Regierung verhängte coronabedingte Schließungen von Ostern und Pfingsten weitgehend wieder aufzuholen. Der jetzige zweite Lockdown, in Berchtesgaden, noch 14 Tage früher als in Restdeutschland, hat uns und unsere Gäste völlig überrascht.“ Dabei hatte sie bereits der erste Lockdown hart getroffen, als er ab 21. März 2020 mit den Vollzug des Infektionsschutzgesetzes in Kraft trat. „Ich vergab gerade die Aufträge für die Renovierung unseres neu erworbenen Hotels Salzberg, da hatte uns der Lockdown mit der Schließung aller drei Hotels kalt erwischt. Natürlich wussten wir die Zeit zu nutzen und waren im Juni mit allen Handwerksarbeiten fertig.“ 20 Angestellte aber mussten in Kurzarbeit wechseln und so erhebliche Einkommenseinbußen verkraften. „Sie sind die Leidtragenden, denn trotz eines reduzierten Einkommens laufen die Kosten für Miete, Auto und Lebenshaltung ja voll weiter. Und in Berchtesgaden sind die Mieten nicht ganz billig. Die Programme der Regierung greifen auch hier viel zu kurz,“ mahnt Olya Linnberg an.

„Uns fehlt die Planungssicherheit“

Sie wünscht sich für die Branche mehr Planungssicherheit mit einer Vorlaufzeit von mindestens zehn Tagen. „Hier im Berchtesgadener Land mussten wir die Gäste aufgrund einer Allgemeinverfügung des Landratsamtes zum 20. Oktober über Nacht nach Hause schicken. Das kann man so nicht machen“, ereifert sich die Hoteliersfrau. „Die Gastronomie traf es dabei noch härter, denn sie hatten die Lebensmittel für die nächsten Tage ja bereits eingekauft.“ Selbst betreibt Olya Linnberg kein Restaurant, sondern bietet den Gäste ein großes Frühstücksbuffet an. Aber selbst das ist in Coronazeiten nur mehr sehr eingeschränkt möglich.

Schlechte Prognose für den Dezember

Keine Sicherheit für die Planung gibt es auch für den Dezember. „Niemand kann sagen, ob wir zum Advent die Betriebe wieder aufsperren dürfen. Dann aber soll ebenfalls über Nacht wieder alles laufen, vom Personal bis über die Zimmer und sämtliche Serviceleistungen. Das ist schlichtweg ein unhaltbarer Zustand, der die gesamte Branche beschwert. Die Weihnachtsfeiern sind bereits alle abgesagt und selbst der über die Jahre so gut angenommene Berchtesgadener Christkindlmarkt.“ Das stößt bei ihr auf besonderes Unverständnis. „Es gab bereits ein gutes Konzept mit Einlasskontrollen. Die Menschen bewegen sich in der frischen Luft, wie kann man so eine traditionsreiche und positive Veranstaltung für den Markt Berchtesgaden absagen, das ist extrem traurig und ein hoher Schaden für Berchtesgaden.

Mit 20 Jahren erstes Hotel gekauft

Als Unternehmerin und gelernte Betriebswirtin schaut Olya Linnberg aber immer noch vorne und lässt sich ihren Optimismus nicht nehmen. Gebürtig ist sie in Moskau, ihre Eltern betreiben dort bis heute einen Lebensmittelhandel. Mit 20 Jahren ist sie mit dem Flugzeug nach München gereist und von dort mit einem Koffer nach Berchtesgaden um 2010 ihren ersten Betrieb, das Hotel Brennerbascht in Bischofswiesen zu kaufen. Heute ist sie mit ganzer Seele in Berchtesgaden zuhause, liebt die Berge, die Natur und die Ruhe und Beschaulichkeit der Region. Mit den Menschen kommt sie gut aus, freut sich über das gute Einvernehmen mit den Handwerksbetrieben wie Hölzl, Hummer, Koll, Lochner, Stangassinger, Rath und anderen Gewerken.

Investitionen im Wellnessbereich

Selbst sagt sie von sich, dass sie ein unruhiger Geist ist, aber dennoch in sich selbst ruht. Immer wieder möchte sie neue Ideen und Projekte verwirklichen. In die Häuser investiert sie jährlich fünf- oder sechsstellige Beträge. Demnächst soll auch das Brennerbascht eine eigene kleine Wellnessabteilung bekommen, wie sie die beiden anderen Häusern bereits haben. „Unterschätzt habe ich in den ersten Jahren den Arbeitsaufwand, das eigene betriebswirtschaftliche Konzept stand natürlich von Anfang an fest“, gesteht sie. Zeit findet sie aber immer wieder für ihren zweijährigen Sohn Emanuel.

Hält die Regierung was sie verspricht?

Das aktuelle „Rettungsprogramm“ der Regierung für die Hotellerie und Gastronomie mit dem Versprechen einer 75-prozentigen Entschädigung, gemessen am letztjährigen Novemberumsatz, hinterfragt sie kritisch. „In Abzug gebracht werden angeblich Wareneinsatz und Personalkosten, so dass bei mir höchstens 10 Prozent ankommen, hat mein Steuerberater errechnet. Da habe ich entschieden, das AlpinaRos offen zu halten, zumal der November traditionell einer der schwachen Monate ist.“

Aufatmen im Berchtesgadener Land

Am 18. Oktober stieg der 7-Tages-Inzidenzwert im Berchtesgadener Land bei den positiv auf den Cornavirus getesteten Menschen auf über 200.  Jetzt, am 9. November ist er mit einem Wert von 162,37 wieder deutlich unter 200 gefallen. Ist das Infektionsgeschehen ‚rund um den Watzmann‘ damit wieder gebannt, kann der Landkreis aufatmen? Im Landratsamt tut man es sicher, hat man für das drastische Herunterfahren des Öffentlichen Lebens, zwei Wochen vor dem deutschlandweiten Lockdown, doch heftige Kritik hinnehmen müssen. Bis heute, und wohl noch die nächsten Monate, ringen Hotellerie, Gastronomie, Freizeitwirtschaft, Kultureinrichtungen und der Handel um seine Existenz. Die aktuellen Zahlen aber lassen hoffen.

Kein Gleisabbau in Berchtesgaden

Kreisausschuss wendet sich
mit Resolution an Entscheidungsträger

Großer Unmut herrscht bei Landrat, Bürgermeistern und Kreisräten des Berchtesgadener Landes über die Pläne der DB Netz AG, die Gütergleisanlagen in Berchtesgaden entfernen zu lassen. Der Ausschuss des Landkreises für Umwelt, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität fasste darum einstimmig eine Resolution und wendet sich an die zuständigen Entscheidungsträger, „sich für den Erhalt der Gütergleisanlagen am Bahnhof Berchtesgaden einzusetzen. Der Landkreis Berchtesgadener Land lehnt dieses Vorhaben entschieden ab. Das dortige Gütergleis 22 stellt in Verbindung mit dem Ausziehgleis sowie der vorhandenen Laderampe die einzige Zugangsmöglichkeit des Güterverkehrs für Schiene im südlichen Landkreis dar.“ Die Resolution soll insbesondere der Bundeswehr, der Deutschen Bahn AG, dem Eisenbahn-Bundesamt und dem Freistaat Bayern zugeleitet werden.

Auch die BaWa, direkt am Gleis gelegen, nutzt die Möglichkeit der Verladerampe nicht. Einzige Hoffnung ist aktuell die Bundeswehr, die mit ihrem Standort in Bischofswiesen-Strub für ihre Manöver die Verlademöglichkeit nutzen könnte. – Fotos: Gerd Spranger

Auf jeden Fall sei vorab zu prüfen, „ob solche Infrastrukturen mit behördlicher Zustimmung als betrieblich gesperrt deklariert werden können.“ Aktuell sei nach derzeitigen Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freie Wähler der Ausbau des bayernweiten Netzes an Güterverkehrszentren und sonstigen Umschlaganlagen nach der Devise „Ausbau statt Rückbau“ voran zu treiben. Bei der Entfernung der Gütergleisanlagen macht die Deutsche Bahn hingegen Druck. Sie möchte die Anlagen bereits im Sommer, „im Rahmen der Bündelbaustelle und der damit einhergehenden Streckensperrung entfernen.“ Die Bahn argumentiert, dass eine „Investition von 190.000 Euro für die Erneuerung einer Zugangsweiche, sowie für den Austausch der Holzschwellen durch Betonschwellen erforderlich ist.“ Darüber hinaus stünden den Vorhaltekosten für diese Gleise keine Erlöse gegenüber.

Der Freistaat unternimmt nichts

Das Land Bayern wurde über die Pläne des Rückbaus bereits im April 2019 informiert und erhob dagegen keine Einwände. Die Zeit drängt jetzt also für den Landkreis, der „kein Verständnis dafür hat, dass ein Rückbau ohne vorliegender Notwendigkeit überhaupt vorgenommen werden soll.“ Er stehe im deutlichen Widerspruch zum Koalitionsvertrag, in dem festgehalten ist, „dass Verkehrszuwächse so weit wie möglich auf umweltfreundliche Verkehrsträger verlagert werden sollen. Dafür treiben wir den Ausbau des landesweiten Netzes an Güterverkehrszentren uns sonstigen Umschlaganlagen voran.“

Der Bahnhof in Berchtesgaden ist eine Sackgasse. Die Gleisanlage zur Güterverladung soll nach Willen der DB Netz AG abgebaut werden, weil sie seit Jahren nicht mehr genutzt wird. Ebenfalls seit Jahren gesperrt ist die Brücke als Fußgängerübergang vom Markt Berchtesgaden direkt in das Bahnhofsgebäude.

„Alle fünf Bürgermeister des südlichen Landkreises haben sich deutlich für den Erhalt der Gütergleisanlagen ausgesprochen. Der Markt Berchtesgaden hat zudem für den Bau der Verladerampe am Gleis 22 einen sechsstelligen Betrag aufgewendet“, informierte Landrat Bernhard Kern. Er habe bereits Gespräche mit dem Bataillonskommandeur der Bundeswehr in Bischofswiesen, Oberstleutnant Martin Sonnenberger, geführt und will das Gespräch mit Brigadekommandeur Oberst Maik Keller in Bad Reichenhall fortführen. „Ich habe noch kein offizielles Statement, doch das Signal zum Erhalt der Gleisanlage ist positiv.“

Hintergrund ist, dass für Großübungen und Manöver die Bundeswehrfahrzeuge aus Bischofswiesen in Bad Reichenhall verladen werden, und damit über die B20 anfahren. Sie könnten ebenso in Berchtesgaden verladen, zumal der Bahnhof nur zwei, drei Kilometer vom Truppenstandort entfernt ist, wenn die Anlage erhalten bleibt. „Eventuell können wir damit sogar eine Lösung für die anstehende Ertüchtigung finden“, hofft der Landrat.

Bahn verspielt das Vertrauen

Die Kreisräte (KR) äußerten sich eindeutig zum Erhalt der Gütergleisanlagen am Bahnhof Berchtesgaden. KR Roman Niedergerber (SPD). „Es wäre an der Zeit auch beim Güterverkehr in der Realität des 21. Jahrhundert anzukommen und nicht nur mit einem Schienenpakt große Versprechungen abzuliefern. KR Bernhard Heitauer (CSU): Wir führen mehr als 10 Jahre Verhandlungen für einen zweiten Haltepunkt in der Gemeinde Bischofswiesen, ohne Erfolg. Ein Gleisabbau aber wird möglichst unverzüglich vollzogen. Da stimmt ganz Grundsätzlich einiges nicht.“ KR Sven Kluba (CSU): „Gibt es noch andere Perspektiven, etwa einer Übernahme der Anlagen durch dritte?“ Für KR Franz Eder (Grüne) verschwindet das Vertrauen in die Bahn ganz grundsätzlich. Vor allem was Zusagen und Versprechen betrifft. Auch in Laufen wünsche man sich lange einen Ausbau und eine Haltestelle Gastag, die es in Zeiten der Deutschen Bundesbahn gegeben habe. KR Helmut Langosch (Freie Wähler) ist der Zustand des Bahnhofs insgesamt, vor allem auf der Rückseite, ein Dorn im Auge. „Es ist für ankommende Touristen ein eher trostloser Anblick“, moniert er. KR Thomas Gasser (CSU) hofft auf den Erfolg der Resolution. „Wenn wir aber nicht zum gewünschten Ziel kommen, muss die Trasse auf alle Fälle erhalten werden. Es darf keinen Rückbau geben.“

Investitionen von 17 Millionen Euro angestoßen

– 417 Beratungen im Jahr 2019
– Landkreis investiert 96.408 Euro

Energiepolitik und Klimaschutz sind längst zur Chefsache geworden, auch auf Landkreisebene, wie Landrat Bernhard Kern in der jüngsten Sitzung des Kreissauschusses im Landratsamt Bad Reichenhall betonte. So wurde bereits 2016 die Energieagentur Südostbayern GmbH gegründet, deren Träger die Landkreise Berchtesgaden und Traunstein mit einer Beteiligung von jeweils 50 Prozent sind. Gefördert werden soll ein sparsamer, effizienter und klimafreundlicher Energieeinsatz. Der Kreisausschuss befasste sich mit dem Jahresabschluss für das Jahr 2019 und ermächtigte den Landrat, dem Abschluss auf der Gesellschafterversammlung zuzustimmen.

Foto (v.l.): Energiemanager Manuel Münch vom Landratsamt Berchtesgaden; Bettina Mühlbauer von der Energieagentur Südostbayern GmbH und Landrat Bernhard Kern.

Das Wirtschaftsjahr 2019 der Gesellschaft schloss mit einer Bilanzsumme von knapp 129.000 Euro ab. Im Betriebsergebnis nach Steuern steht ein Minus von 220.290 Euro. Damit wurde der Haushaltsansatz um 9.413 Euro überschritten. Als Defizitausgleich bewilligte der Kreisausschuss des Berchtesgadener Landes eine Nachzahlung von 4.120 Euro, zusätzlich der bereits bewilligten 92.288 Euro. Die noch fehlenden knapp 5.300 Euro übernimmt der Landkreis Traunstein. Der Kreistag stimmte dem Jahresabschluss für das Jahr 2019 einstimmig zu.

Die Prokuristin der Energieagentur Südöstbayern GmbH, Bettina Mühlbauer, begründete die zusätzlichen Kosten mit dem Wegfall von Leistungen und daraus resultierender Verluste bei den Einnahmen. Weggefallen seien etwa Einnahmen aus Gebühren für Weiterbildungen von rund 4900 Euro, eine Lücke von rund 10.700 Euro durch die Verzögerung von Förderprogrammen durch die Bayerische Staatsregierung und ein Mehraufwand für die Gewerbeschau „truna“ in Traunstein.

Die Energieagentur leistete 2019 im Bereich Fördermittel und Energie 417 Beratungen, woraus sich „theoretisch angestoßene Investitionsmaßnahmen“ von 17 Millionen Euro ergäben, führte Bettina Mühlbauer aus. Die Summe ergibt sich aus den persönlichen Angaben der Kunden, die in einem Rücklaufbogen jeweils ihre persönliche Einschätzung zu ihren möglichen Investitionen geben. Zusätzlich wurden noch 32 Veranstaltungen als Kooperationspartner und 17 eigene Veranstaltungen im Jahr 2019 geleistet. Bei allen Aktivitäten zählte die Agentur 224 Veröffentlichungsnachweise, die für die Kommunikation der Themen und Anliegen in der Öffentlichkeit von hoher Bedeutung sind, bekräftigte Mühlbauer.

Im kommunalen Energiemanagement begleitete die Agentur die Kommunen Tittmoning, Piding und Trostberg. Weitere Angebote im Bereich Weiterbildung und Klimaschutz runden die Leistungen ab. Auf 360 persönliche Einzelberatungen entfielen auf das Berchtesgadener Land 110 und auf den Landkreis Traunstein 250 Kundengespräche. Allein im Umfeld der regionalen Messe „truna“ ergaben sich 63 Beratungen. Im Bereich „Energieberatung und Öffentlichkeitsarbeit“ leistete die Agentur 17 eigene Veranstaltungen und begleitete weitere 32. Für den Bereich „Projektmanagement und Klimaschutz“ standen das Förderprojekt „Energiecoaching Plus“, kommunale Energieeffizienz-Netzwerke und zwei Veranstaltungen über „Energieeffizienz in Unternehmen“.

2020 steht für die Energieagentur Südostbayern GmbH die Suche nach einem neuen Geschäftsführer an. Aktuell betreut Alexandra Wolf vom Landratsamt Traunstein als Interimsgeschäftsführung diese Aufgabe. Verstärkt wurde die Agentur seit März durch eine Assistenzstelle und seit April mit einer Fachberatung, beide Stellen in Vollzeit. Auf einem guten Weg sieht man die Nachfrage nach Energieberatungen, die 2020 bereits um 12 Prozent angewachsen sind. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den telefonischen Beratungen, bedingt durch die Corona-Einschränkungen. In Frage stehen darum auch die Vortragsreihe „Mit regionaler Energie in die Zukunft“ und die Chiemgaumesse „MeinZuhause!“ in Trostberg. Es besteht die Hoffnung, dass diese Aktivitäten im Herbst wieder möglich sind. Die gesamte Planung für mögliche Veranstaltungen pausiere „Aufgrund von Corona“ auf absehbare Zeit. Im Arbeitsbereich „Projektmanagement Klimaschutz“ stehen unter dem Förderprojekt „Energiecoaching Plus“ die Betreuung von fünf Kommunen an. Beim „Kommunalen Energiemanagement“ verhandelt die Agentur aktuell über weitere Projekte.

Von Berchtesgaden in den den Bayerischen Wald

Von Lam auf den Osser
Heidelbeeren und Glimmerschiefer

Der tiefe Bayerische Wald. Welche Geheimnisse birgt er?

Unser erster kleiner Urlaub im Bayerischen Wald ist der Corona-Krise und den geschlossenen Grenzen geschuldet. Der führte uns vom äußersten Süden Bayerns, dem Berchtesgadener Land, bis in den Norden des Bayerischen Waldes in die Ökoregion Arrach, Lam und Lohberg. Wir benötigen für die 222 Kilometer über Landstraße ganze 3,5 Stunden. An die Adria, etwa nach Grado, ist die Strecke mit 365 Kilometern zwar deutlich länger, die Fahrt nimmt aber lediglich 45 Minuten mehr Zeit in Anspruch. Warum also in den Norden, in den Bayerischen Wald fahren, zumal die Berge dort 1000 Meter niedriger sind und das Berchtesgadener Land im Alpennationalpark liegt. Wir waren neugierig darauf, was uns hier erwartet. Von den Alpen in den Bayerischen Wald. Ist der Wald wirklich so einsam und tief, wie es uns die Klischees glauben machen wollen?

Der Trigano-Cherokey ohne Vorzelt im Einsatz – Rückseite (l.) und Vorderseite (r.)

Camping in Corona-Zeiten

Spontan entschieden wir uns für die Gemeinde Lam mit knapp 2900 Einwohnern und einem kleinen einfachen Campingplatz mit 30 Stellplätzen als Domizil für unseren autarken Faltcaravan, ein französisches Modell, dessen in Ostdeutschland weitverbreiteter Vorläufer in Campingkreisen bis heute als Klappfix bekannt ist. Mundschutz und eine eingeschränkte Nutzung von Sanitär- und Duschräumen waren in den Pfingstferien immer noch obligatorisch, worauf uns der Betreiber Hubert Falkner bei der Buchung hinwies. Am Platz selbst war davon nichts zu spüren, es war ein reges Kommen und Gehen bei wechselhaftem Wetter. Bei der Anfahrt führte uns „google“ auf den letzten Kilometern über kleine Nebenstraßen nach Bad Kötzting hinein in den Bayerischen Wald, einer unerwartet reizvollen, hügeligen, waldreichen und einsamen Landschaft, die wir so nicht erwartet hatten. Die Gemeinde Lam liegt an den Hängen des Großen und Kleinen Ossers, die bis zum Tal hinab zu dem kleinen Flüsschen „Weißer Regen“ reichen.

Ein malerischer Marktplatz

Viel von Oberbayern hat der Marktplatz in Lam – Fotos: Gerd und Christine Spranger

Im Ort Lam selbst fallen uns viele leerstehende Geschäfte auf. „In direkter Nähe zu unserem Campingplatz hatten wir früher einen Metzger, einen Bäcker und ein Einkaufsmarkt. Der kleine Lebensmittelladen an der Ecke neben der Eisdiele schließt in diesen Wochen auch für immer“, erzählt Hubert Falkner. Idyllisch gelegen, mit Mariensäule, Maibaum und etlichen gut geführten Gaststätten ist hingegen der Marktplatz oben an der Kirche. Hier kommt Urlaubsstimmung auf und in einigen Kilometern Entfernung sind die Osser-Wiesen und der Gipfel des Kleinen Ossers zu sehen, zu denen wir am nächsten Tag aufbrechen.

Vom Sattel auf den Osser

Die Aussicht könnte nicht besser sein. Ein Stückchen Heimat im Bayerischen Wald.

Etwa fünf Kilometer fahren wir zum Wanderparkplatz Sattel auf 933 Höhenmetern gelegen, von wo wir unsere kleine Tour mit etwa drei Stunden Gehzeit starten. Insgesamt sind wir fünf Stunden unterwegs, denn mit knapp 60 Jahren steht nicht die Schnelligkeit, sondern der Genuss der Wanderung im Vordergrund, ob in den Alpen oder im Bayerischen Wald. Zudem lassen uns die Landschaft, die Flora und Fauna, die ganz besonderen Natureindrücke und weite Ausblicke immer wieder innehalten, und am Ende summieren sich über 100 Fotos auf unserem Smartphone mit bleibenden Eindrücken.

Blick von den Osser-Wiesen hinüber zum Großen Arber.

Der Weg führt uns zunächst auf steinigem Boden durch den Fichtenwald, bevor dann immer mehr Blaubeersträucher den Waldboden bedecken, der ab 1000 Höhenmetern immer lichter wird. In dieser Dichte und Vielzahl haben wir die Heidelbeeren noch nie erlebt, die jetzt im Juni nicht blau, sondern noch grün sind. Der Blick ins Tal gibt über viele Kilometer hinweg den Blick auf den Bayerischen Wald frei, der gemeinsam mit dem Böhmerwald, dem tschechischen Nationalpark Šumava, das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas bildet.

Ein wenig ausruhen und die Aussicht genießen

Naturgewalten und weite Landschaften

Nach etwa einer Stunde erreichen wir die „Osserwiese“, eine bis vor 70 Jahren bewirtschaftete Almwiese, deren „offener Charakter“ nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz durch Pflegemaßnahmen erhalten wird. Darüber dürften sich vor allem die Wanderer freuen, denn so bleibt die Aussicht auf das Tal und hinüber bis zum Großen Arber erhalten und damit der naturgewaltige Eindruck von der Weite der Landschaft. Zusätzlich ragen noch steile Glimmerschieferfelsen und Blöcke einige Meter auf, wie wir es in den Alpen nur bei Felsabstürzen kennen. Der Glimmerschiefer aber ist selbst für den Bayerischen Wald eine Besonderheit. Er soll in dieser eindrucksvollen Formation nur auf dem Osser zu finden sein.

Der Große Arber winkt von Ferne

Imposante Steinformationen ragen in Gipfelnähe auf

Die Heidelbeer- und Grasflächen ziehen sich nahezu bis zum Kleinen Osser hinauf, der selbst als markanter Felsen aus dem Wald ragt und nur mit etwas Kletterei zu besteigen ist. Dann ist es geschafft, mit 1266 Metern zählt der Kleine Osser zu den 20 höchsten Gipfeln des Bayerischen Waldes. Mit 1293 Metern ist der „Große Osser“ nur unwesentlich höher und in weiteren 30 Minuten gut zu erreichen. Eindrucksvoll sind beide Erhebungen, ragen sie doch hoch über den Wald heraus und bilden auf ihren letzten Metern große Felsformationen. In etwa 10 Kilometer Luftlinie ist der höchste Gipfel, der große Arber mit 1456 Metern Höhe zu sehen. Er ist mit einer Bergbahn erschlossen und zählt zu den touristischen Hotspots der Region.

Viel Betrieb auf dem Großen Osser

Sehnsuchtsmomente auf dem Kleinen Osser genießen

Aber auch auf dem Großen Osser herrscht am zweiten Pfingstwochenende bei bestem Wetter großes Gedränge. Die Zahl der Gäste auf dem Gipfelrestaurant, dem Osser-Schutzhaus, zählt sicher Hunderte. Der Gastgarten ist eng besetzt, auch wenn man um etwas Abstand bemüht ist. In der Hütte selbst und bei der Essensausgabe gilt die Maskenpflicht. Die Stimmung aber ist an diesem Grenzberg gut und die Küche ist auf den Ansturm bestens vorbereitet. „An schönen Wochenenden ist ein hohe Gästefrequenz ganz normal,“ erzählt Hüttenwirt Georg Hatzinger. Die Zimmer sind bis August geschlossen. „In Corona-Zeiten sind wir damit auf der sicheren Seite. Hoffentlich entspannt sich die Situation bis August wieder und wir können wieder Übernachtung mit Frühstück anbieten“, hofft Hatzinger.

Zum Schluss dann doch noch ein wenig „Kraxelei“ hinauf zum Gipfel des Kleinen Osser

Das Osser-Schutzhaus zählt 32 Betten in Vier- und Acht-Bettzimmern und ein Matratzenlager. Quer über das Gipfelplateau verläuft die deutsch-tschechische Grenze. Das Versprechen mit einer „Aussicht bis zu den Alpen“ scheint dennoch etwas gewagt. Vielleicht bei starkem Föhnwetter und Vollmond, denke ich für mich. Auch hier ragen mächtige Schieferblöcke gleich hoher Schneeverwehungen auf dem Gipfelkamm entlang der Grenze. Wir müssen das einfach noch fotografisch festhalten und übertreten für einige Meter unerlaubter Weise die Grenze, bevor wir uns wieder auf den Rückweg in das Tal, zu unserem Domizil Campingplatz machen. Hier erfahren wir, dass sich unser Vermieter, Hubert Falkner, über Jahrzehnte hinweg im Verein für das Schutzhaus engagiert hat und plaudern vor unserer Abreise noch ein wenig.

Vom Zelt zum Luxus-Wohnmobil

Hubert Falkner ist seit einigen Jahren in Rente und kümmert sich heute ganz um den Campingplatz.

Die Mutter hat in den 60-Jahren das Anwesen als kleinen Zeltplatz mit elf Stellplätzen gegründet. 1984 übernahm dann Hubert die Geschäfte und kümmert sich seit seiner Rente ganztags um die Betreuung der Gäste. „Heute reist jeder zweite Gast mit einem großen Wohnmobil an, und die bleiben meistens nur zwei Tage“, erzählt er und fügt hinzu: „die sehen sich die Landschaft im Durchfahren an.“ Etwas länger am Ort blieben die Gäste mit Wohnwagen. Stark gestiegen seien die Anfragen über Buchungsplattformen. „Da bin ich erst seit zwei Jahren zu finden. Die Nachfrage dadurch ist hoch.“ Vielleicht liegt es an den günstigen Preisen. Denn wo sonst ist eine Übernachtung für 18 Euro inklusive Stellplatz und Personen möglich?

Unser kleines Fazit:

Auch auf dem Großen Osser ist es schön. HIer ist auch die Osser-Schutzhütte geöffnet.

Die Alpen und den Bayerischen Wald kann man nicht wirklich vergleichen, sollte man auch nicht. Jede Region überzeugt für sich und bietet viele Urlaubsmöglichkeiten. Die Alpen freilich erschließen ab 1500 Höhenmeter nochmal die ganz eigene Welt des Hochalpinen und erstrecken sich über fünf Länder. Der Bayerische Wald könnte mit einer besseren Erschließung in Richtung Osten (Tschechien) deutlich an Format gewinnen. Bei unserer kleinen Reise hatten wir den Eindruck, dass der Eiserne Vorhang noch nicht ganz gefallen ist.

Um zur Galerie zu gelangen, klicken Sie einfach auf eines der Fotos. Fotos: Christine & Gerd Spranger

Salzbergwerk Berchtesgaden: nach Wieder-Eröffnung gleich ausgebucht

 „Den Atem der Geschichte spüren“
Hygiene und Sicherheit im Focus –

Eigentlich ist hier in den Pfingstferien richtig Betrieb. Bus- und Reisegruppen begehren Eintritt in das Salzbergwerk Berchtesgaden, zumal bei bedeckten Himmel mit Tendenz zu leichtem Nieselregen. 2020 aber ist es anderes, die Besucher erleben die neue Normalität in Zeiten des Corona-Virus. Die Wartenden sitzen in kleinen Gruppen ruhig zusammen, selbst die Kinder sind leise, keine Reisegruppen und kaum internationale Gäste. In 16 Sprachen übersetzten Audio-Guides in normalen Zeiten die Führung. Sie sind aus Hygienegründen aktuell aber nicht im Einsatz.

Die Eingangs-, Laden- und Kassenpassage des Salzbergwerkes in Berchtesgaden wächst in die Länge. Sie wird um zwei neue Aussen-Kassen mit Überdachung erweitert. Aktuell, in Coronazeiten,  gibt es nur über Online-Reservierung die Karten. Fotos: Gerd Spranger

Seit Montag sind das Salzbergwerk Berchtesgaden und auch die Alte Saline in Bad Reichenhall wieder geöffnet. Man hat sich die letzten Wochen bei der Südwestdeutsche Salzwerke AG auf die neue Situation eingestellt und Vorkehrungen getroffen. „Nach den jüngsten gesetzlichen Verordnungen haben wir eine Gefährdungsbeurteilung – wegen SARS-CoV-2 und Covid-19 – im Betrieb vorgenommen“, erzählt Peter Botzleiner-Reber, Fachbereichsleiter Tourismus Bayern und für die regionale Presse zuständig. „Dazu zählen die bekannten Hygienemaßnahmen, Mundschutz und Abstand halten. Die Größe der Gruppen, die mit der Grubenbahn 600 Meter tief in den Berg einfahren, ist von 50 auf 20 Personen begrenzt“, erläutert er.

Karten für das Salzbergwerk Berchtesgaden gibt es nur mit Online-Reservierung

Ein ganz wesentlicher Baustein in dem neuen Konzept aber ist ein zwingender Erwerb der Karten im Onlineshop, die Kassen direkt beim Bergwerk sind geschlossen. „Der Anteil lag bei steigender Tendenz im Jahr 2019 bei etwa 25 Prozent. Jetzt geht es nur noch mit Reservierung. Dabei sind wir schon heute, am zweiten Tag unserer Wiedereröffnung nach einer dreimonatigen Corona-Zwangspause, bis zum Sonntag ausgebucht. Das liegt natürlich auch daran, dass wir den touristischen Betrieb mit nur 40 Prozent unserer Leistung fahren können. Doch die Sicherheit unserer Gäste und Mitarbeiter haben Vorrang.“

Auch im Salzbergwer Berchtesgaden gilt: Mundschutz und Abstand halten

Bereits am großen Parkplatz lässt das Unternehmen kontrollieren ob der Gast im Besitz eines Online-Tickets ist, um unnötigen Personenverkehr zu vermeiden. Auch im Ablauf hat sich einiges geändert, wovon nicht nur die farbigen Bänder am Boden im Abstand von 1,5 Metern zeugen.

„Im Shop dürfen sich gleichzeitig nur sieben Personen aufhalten. Das Überziehen des Overalls als Schutzkleidung haben wir jetzt ins Freie verlegt“, erläutert Peter Botzleiner-Reber. In wenigen Wochen folgen im Außenbereich zwei neue überdachte Kassen. „Auch das wird helfen die Besucherströme im Sommer zu entzerren. Für Reisegruppen wird es einen „Fast-Line-Zugang“ geben.“ Doch wichtig ist ihm etwas ganz anderes.

Alte Saline und Salzbergwerk
Wegbereiter der Geschichte

„Wir sind seit 1517 ein aktives Bergwerk und kein Museum, in welchem seit über 500 Jahren kontinuierlich gearbeitet wird“. Das ist weltweit einzigartig und zugleich ein großes Stück Berg- und Industriegeschichte, denkt man auch noch an die Alte Saline in Bad Reichenhall. Städte wie Traunstein und Rosenheim haben über Jahrhunderte hinweg mit dem Salz gelebt und sind damit gewachsen. Zeitgeschichtlich hängt die Gründung von München und selbst auch von Salzburg eng mit der Salzgewinnung in Bad Reichenhall zusammen. Bis heute erleben wir es hier „zum Anfassen“, direkt vor unserer Haustüre. In Berchtesgaden das aktive Salzbergwerk und in Bad Reichenhall ein Industriedenkmal und eine ‚Salz-Geschichte‘, die weit über tausend Jahre zurück reicht, und darauf können wir alle stolz sein.“

Peter Botzleiner-Reber vor dem Eingangsbereich des Salzbergwerkes in Berchtesgaden. Das Tragen eines Mund-Nasenschutzes ist für die ganze Zeit der Besichtigung verpflichtend.
Peter Botzleiner-Reber vor dem Eingangsbereich des Salzbergwerkes in Berchtesgaden.

Es ist vielleicht gerade dieser „Atem der Geschichte“, den die Besucher bei der Einfahrt in den Berg oder auf ihren Gang hinab zum Quellenbau spüren und die Faszination Salzbergwerk ausmachen, über Generationen hinweg. Beliebt und wegen des Fotos unvergessen ist die Rutsche. Die besondere Atmosphäre, die Mystik des Berges aber, spürt der Besucher in der Salzkathedrale, in der Steinsalzgrotte, im magischen Salzraum und bei der Floßfahrt über den Spiegelsee mit faszinierenden Lichteffekten.

Eine Hinwendung zu bleibenden Werten

18 Jahre Landrat Georg Grabner
Was hat ihn bewegt?

Noch bis ersten Mai ist Landrat Georg Grabner im Amt, dann übergibt er nach 18 Dienstjahren offiziell an seinen Nachfolger Bernhard Kern. Die Redaktion hat nachgefragt. Was bewegt ihn aktuell und was ist ihm in seiner Amtszeit besonders wichtig geworden.
Ganz am Ende des Interviews wird Georg Grabner persönlich, gibt viel von dem Menschen hinter dem Landrat preis. Nichts habe ihn persönlich so sehr getroffen wie das Eishallenunglück am 2. Januar 2006.

Nach 18 Jahren endet am ersten Mai für Georg Grabner seine Zeit als Landrat des Berchtesgadener Landes. Er übergibt an Bernhard Kern. – Foto: Gerd Spranger

„In einer solchen Situation steht man im Spannungsfeld tiefster Betroffenheit über das Unglück, das Leid der Angehörigen und der Notwendigkeit, einen klaren Kopf für wichtige Entscheidungen bei der Bewältigung des Katastrophenfalls zu bewahren. So musste ich damals etwa mitten in den Bergungsarbeiten für mehrere Stunden einen Stopp verordnen, weil die Sicherheit für die Rettungskräfte nicht mehr gegeben war. Es drohte ein weiterer Einsturz.“

Grabner musste das Leben noch etwaiger Verschütteter mit dem der Einsatzkräfte abwägen. Die Sachverständigen konnten nicht ausschließen, dass sich noch Verschüttete unter den Trümmern befinden, und durften darüber hinaus das Leben der Einsatzkräfte nicht gefährden. „Die ganze, über Tage angespannte Situation, erlebten ich und der Führungsstab des Katastrophenmanagements wie in einem Film, fast surreal, wir standen unter Dauerstress und höchster Anspannung.“

Engagieren für die Hospizbewegung

Eine Erfahrung, die nachwirkte bei Georg Grabner, nicht nur in der Bewältigung der aktuellen Krise. Er will sich nach seiner aktiven Zeit als Landrat in der Hospizbewegung engagieren. „Bereits 2005, als in München die ersten Palliativstationen ihre Arbeit aufnahmen, ist es mit enormer Unterstützung von Dr. med. Birgit Krause-Michel gelungen, so eine Palliativstation im Reichenhaller Krankenhaus einzurichten. Dort, wo die ärztliche Kunst ihre Grenzen findet, lebenserhaltende und operative Maßnahmen nicht weiterhelfen, ist die Würde des Menschen bis hin zum Tod ein heiliges Gut. Es ist unser letzter Lebensabschnitt. Ich denke mit Grauen daran, wie in früheren Jahren sterbende Menschen irgendwohin, einsam in eine Kammer geschoben wurden, weil man den Tod niemandem zumuten wollte.“

Inspiriert habe ihn dabei besonders das Engagement von Alois Glück. Der Ex-Landtagspräsident baute im Landkreis Traunstein und später auch im Landkreis Berchtesgadener Land das Netzwerk Hospiz auf, und nur zwei Jahre nach der Eröffnung der ersten stationären Palliativstationen in Deutschland, besuchten ausgebildete „Brückenschwestern“ ambulant die Schwerkranken nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus zuhause. Vorläufiger Höhepunkt in der Region wird die Eröffnung der Klinik Chiemsee-Hospiz sein. Eine Klinik der drei Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land sowie die Stadt Rosenheim in Bernau am Chiemsee.

Leben und Tod stehen eng zusammen

Wie eng Leben und Tod zusammen stehen, zeigt die aktuelle Krise deutlich. Sie ist noch nicht vorbei und auch das Berchtesgadener Land steht mitten drin. Dabei ist Landrat Georg Grabner Chef des Krisenstabes, bis er am ersten Mai an seinen Nachfolger Bernhard Kern übergibt, der schon jetzt im vollen Umfang im Team eingebunden ist. Grabner trifft sich täglich mit Vertretern der Katastrophenschutzbehörde und Experten des Gesundheitswesens. Die örtlichen Einsatzleiter stehen im engen Austausch miteinander (wir berichteten). „Durch die Erfahrungen der letzten Katastrophen, vor allem durch den massiven Schneeeinbruch im Januar 2019, sind wir ein eingespieltes Team. Das hilft in der Krise, in der man gute Nerven braucht und einen kühlen Kopf bewahren muss.“

Durch die Krise helfen ebenso gut funktionierende

Kreiskrankenhäuser, die es, so ist sich Landrat Georg Grabner sicher, „heute aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen nicht mehr in kommunaler Trägerschaft gäbe, wenn man nicht bereits vor vielen Jahren mit enormen Anstrengungen die Strukturen angepasst und im Jahr 2009 die Kreiskliniken Bad Reichenhall, Berchtesgaden und Freilassing mit den Kreiskliniken in Traunstein und Trostberg zur „Kliniken Südostbayern AG“ fusioniert hätte. Über 42,5 Millionen Euro Eigenmittel investierte der Landkreis von 2002 bis einschließlich 2019 in seine Kreiskliniken. „Natürlich sind wir heute mehr denn je froh, über eine funktionierende kommunal geprägte Struktur“.

Ein weiterer Baustein, der sich jetzt in der Krise bewährt, ist die seit 2015 bestehende Stabsstelle Gesundheitsregion-Plus im Landratsamt. Die Zusammenarbeit der Akteure im Gesundheitswesen wird über diesen Weg seit Jahren gefördert und verstärkt. Die Sicherstellung der wohnortnahen, medizinischen Versorgung sowie die Verankerung von Gesundheitsförderung und Prävention stehen dabei im Mittelpunkt.

45 Millionen Euro für die Bildung

Die Förderung von Bildung, Wirtschaft und Handwerk war Landrat Georg Grabner immer ein Anliegen.

Ein besonderes Herzensanliegen ist Landrat Grabner seit Beginn seiner Amtszeit die Förderung der Bildung im Landkreis. Im Bereich der Bildung lag der absolute Schwerpunkt der Investitionen, und hier vor allem für die Schulen, nämlich 45 Millionen Euro. „Da gab es zwar staatliche Zuschüsse, dennoch waren dies in Summe die größten und wichtigsten Investitionen. Das zeigt der Erfolg, der uns ganz offiziell zur Bildungsregion geführt hat.“ Georg Grabner nennt dabei das Schülerforschungszentrum zusammen mit der Technischen Universität München für die MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ) als Leuchtturmprojekt weit über die Landkreisgrenzen hinaus, aber auch die Investitionen in die Gymnasien, die Realschule sowie die Berufsschule. Besonders zu erwähnen sei die Berufsschule Plus. Sie ermöglicht einen Berufsabschluss mit dem gleichzeitigen Erwerb des Fachabiturs „Wir haben uns da ein wenig was von Österreich abgeschaut, wo seit Jahrzehnten erfolgreich die berufliche Ausbildung mit der Matura verbunden ist. Das System hat sich auch bei uns bewährt, so dass wir damit zur Modellregion für ganz Bayern geworden sind.“

Vieles rückt in der Coronakrise in den Hintergrund, scheint an Bedeutung zu verlieren. Umso wichtiger ist es darum in der Krise selbst, und auch in der Zeit danach, auf gute Strukturen aufbauen zu können. So freut sich Landrat Georg Grabner etwa einen schuldenfreien Landkreis an seinen Nachfolger übergeben zu können und erinnert: „Zwischendurch hatten wir einen Schuldensaldo von 43 Millionen Euro und noch große Projekte vor uns.“ Zugleich verweist er auf die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes, die Einstellung eines Klimaschutzmanagers, die Erstellung eines Energienutzungsplanes für den gesamten Landkreis sowie die Gründung einer Energieagentur zusammen mit dem Landkreis Traunstein.

„Noch zur Jahreswende hat es ein einziges beherrschendes Thema gegeben, und das war der Klimawandel. Auch hier haben wir unsere Hausaufgaben gut, ja sehr gut gemacht“, ist Grabner überzeugt. „Der Energienutzungsplan Berchtesgadener Land setzt in der kommunalen Energieplanung bis heute bayernweite Standards, ist Musterbeispiel einer digitalen und innovativen kommunalen Energieplanung.“

Wirtschaftsservice ist stark gefragt

Viel Arbeit bekommt aktuell die Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH. Die Telefone stehen kaum still. Es herrscht Angst und große Verunsicherung bei den Unternehmen. Wie soll es weiter gehen? Sechs Wochen behördlich verordneter Stillstand sind eine lange Zeit. In der Hotellerie und Gastronomie ist kein Ende abzusehen. „Noch vor meiner Zeit als Landrat hatte ich im Kreistag einen Antrag auf die Gründung einer Wirtschaftsagentur gestellt, die wir dann 2002 mit einem Geschäftsführer und einer Halbtagskraft eröffnen konnten. Heute haben wir neben dem Geschäftsführer noch zehn Fachkräfte mit im Team“, freut sich Georg Grabner über den Erfolg der Einrichtung.

Eines der großen Projekte der letzten Jahre, nämlich die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes für den Landkreis, für den 2018 ein eigenes Mobilitäts-Gutachten erstellt wurde, wird der neue Landrat Bernhard Kern zum vorläufigen Abschluss bringen. „Die Weichen dafür sind gestellt, die Verwaltung mit dem Verkehrsmanager,

dessen Stelle 2007 neu geschaffen wurde, sowie der Kreistag haben dafür schon vieles auf den Weg gebracht. Es geht jetzt um die konkrete Umsetzung, von der Verbesserung des ÖPNV bis hin zum Alltagsradwegenetz und der Steigerung der Elektromobilität. Das wird weiterhin eines der großen künftigen Themen bleiben.“

Der Geschichte auf der Spur

Alt-Landrat Georg Grabner wird sich dann bei der Senioren-Uni 55plus an der Universität Salzburg eingeschrieben haben, wenn die Grenzen in den nächsten Monaten wieder öffnen. Ein Studium der Geschichte liegt ihm am Herzen. „Unsere Region, das Berchtesgadener und Salzburger Land, sind seit dem frühen Mittelalter immer wieder in den Focus europäischer Machtpolitik gerückt, im Ringen zwischen kirchlicher und weltlicher Macht. Vor allem der Reichtum des Salzes waren dabei ein begehrtes Gut. Wir finden dazu noch heute viele Zeugnisse in unserer Region. Ich freue mich darauf, mehr zu den Hintergründen zu erfahren.“

So geht Landrat Georg Grabner nach eigenen Worten ohne „hochtrabende Pläne“ in den Ruhestand. „Die Coronakrise findet hier vielleicht die einzig positive Auswirkung. Wir sind in unserem Alltag alle zum ‚Inne-Halten‘ gezwungen worden. Entschleunigung war auch zuvor schon ein geläufiger Begriff. Wir haben dies jetzt aber zwangsweise und eindrücklich erlebt und neu erfahren müssen. Vielleicht bringt das auch eine positive Wende mit sich, hin zu mehr Regionalität und hin zu unseren Mitmenschen.“

Interview: Gerd Spranger