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Gibt es noch freie Campingplätze?

Spagat zwischen Beschränkungen
und laufendem Betrieb

Das Campingjahr läuft 2020 nur zögernd an, in Bayern ist das touristische Campen erst wieder seit dem 30. Mai erlaubt, in allen anderen Bundesländern sind die Campingplätze unter Auflagen bereits seit ein bis zwei Wochen geöffnet. Grundvoraussetzung für das Campen ist ein autarker Wohnwagen oder Wohnmobil. Es muss also über eine eigene Sanitäreinrichtung verfügen. Damit sind die Schranken für einfaches Zeltcamping noch geschlossen, sie bleiben noch ein Opfer der Coronakrise. Laut ADAC verdoppelte sich die Anzahl der Buchungen im Mai gegenüber dem sonst stärksten Buchungs-Monat Januar. Wie sieht die Situation im Berchtesgadener Land und im Chiemgau aus. Die Redaktion hat sich umgehört.

„Einfaches Campen“ bietet der Platz Staufeneck zwischen Piding und Bad Reichenhall. Aktuell fehlen noch die Zelte und Durchreisenden, bedauert die Betreiberin.

Der Wohnmobilstellplatz in Bad Reichenhall war auch über das Pfingstwochenende kaum halb belegt. Zwei Wohnmobilisten nächtigten bereits eine Nacht vor Eröffnung in Bad Reichenhall, um sich gleich am Samstag einen Platz zu sichern. Ihre Sorge war unbegründet, der Ansturm blieb aus. Sicher ist die Nähe zur Rupertustherme für viele Gäste ein Entscheidungsgrund für ihren Urlaub, doch die bleibt die nächsten Wochen noch geschlossen. Bei vielen Menschen ist Vorsicht und eine gewisse Unsicherheit in der abflauenden Corona-Pandemie spürbar. Auch Anton Lenz vom Campingplatz Grafenlehen hätte sich mehr Ansturm erwartet. „Die Medien haben von einem richtigen Hype gesprochen, und entsprechend groß war unsere Erwartung. Wir haben aber noch viele Plätze frei, wenn auch die Buchungsanfragen sehr hoch sind.“

Alle Plätze informieren auf ihren Webseiten zu den Einschränkungen, etwa der Maskenpflicht oder die eingeschränkte Nutzung von Sanitäranlagen bis hin zur gänzlichen Schließung von öffentlichen Duschen und Toiletten. Manche von ihnen, wie etwa der Campingplatz Ortnerhof in Ruhpolding, belegt den Platz nur bis 50 Prozent und gibt einen Mindestaufenthalt von fünf Tagen in Zeiten des Coronavirus vor, informiert die Familie Bichler. Dabei sind von den 180 Parzellen ein Drittel mit Dauercampern belegt.

Vom einfachen Camping hin zum Glamping

Etwas versteckt liegt der Campingplatz Staufeneck, an der Gemeindegrenze zwischen Piding und Bad Reichenhall. 98 Stellplätze zählt er, davon sind 20 mit Dauercampern belegt. „Wir haben viele Zeltcampern und nicht wenige machen nur für einen Tag Station auf den Weg in den Süden“, erzählt Melanie Schön. Von einem Run auf die Plätze merkt sie nichts, im Gegenteil. „Die Einschränkungen für die Zelte als auch die geschlossenen Grenzen treffen uns sehr, wir sind nicht einmal zur Hälfte belegt.“

Eindrucksvoll mit naturgewaltigem Panorama wirbt der Campingplatz Allweglehen auf seiner Webseite. Der Trend geht hin zum „Glamping“, der Luxusvariante des Campens.

Das Gegenteil vom einfachen Campen bietet etwa der 5-Sterne-Platz in Waging am See. Er ist zu 80 Prozent ausgebucht und am letzten Pfingstwochenende sind nur noch Restplätze zu haben. „Unsere sanitären Einrichtung sind zur Gänze geöffnet, informiert der Betreiber Nikolaus Jebinger. „Duschen in größeren Gruppen geht natürlich nicht, doch wir haben abgetrennte und gut belüftete Zellen, so dass beste Hygienevoraussetzungen gegeben sind.“ Mit 650 Parzellen zählt der Platz zu den größten in Bayern. „Vielleicht liegt die hohe Nachfrage an der direkten Nähe zum Waginger See“, spekuliert Jebinger. „Das Freibad öffnet aber erst am 8. Juni wieder.“

Investitionen rechnen sich

Auch in Berchtesgaden gibt es ein Camping-Delux beim Allweglehen. Den Gästen können ein umfassendes Outdoorprogramm nutzen, sowie Wellnessangebote und über das normale Camping hinaus ein luxuriöses Glamping. Dafür stehen kleine Ferienhäuser wie Chalets, Woodlodges, großräumige Campingfässer und seit 2020 kleine Almkaser bereit. Allesamt sind sie mit Terrasse und bester Aussicht versehen. Damit bleibt das gesamte Camping-Equipment zuhause, denn die Gäste reisen einfach an, finden vor Ort alles in bester Ausstattung und im Resort eine komplexe Infrastruktur für den Urlaub. Investitionen, die sich bezahlt machen, denn der Platz ist über die gesamten Pfingsferien hinweg so gut wie ausgebucht. Camping-Delux beim Allweglehen erstreckt sich über acht Hektar, weist 167 parzellierte Plätze aus, 25 freie Zeltplätze, 28 separate Wohnmobilstellplätze und 15 Mietunterkünfte mit 58 Betten. Im Jahr bringt es der Platz auf 100.000 Übernachtungen. „Wir sind bis September ausgebucht“, freut sich der Betreiber und Inhaber Thomas Fendt. „Der Anteil von ’normalen Campern‘ zur Deluxvariante liegt derzeit bei etwa 50 Prozent mit steigender Tendenz.“ Der Wellness-Sauna-Bereich und der Pool öffnen am achten Juni wieder. Zielgruppe sind für Fendt die jungen aktiven Menschen. In der Urlaubszeit Familien und in der Vor- und Nachsaison die Rentner.

Seit 40 Jahren immer im Berchtesgadener Land

Gute Lage, direkt am Saalach-Radweg und der Therme ist es nicht weit in die Innenstadt von Bad Reichenhall.
Der Wohnmobil-Stellplatz in Bad Reichenhall liegt direkt am Saalach-Radweg und zur Rupertus-Therme und in die Innenstadt ist es nicht weit. Georg und Regina vor ihrem Oldtimer-Wohnmobil.

Bei unserer Rundreise zu den Campingplätzen haben wir das Ehepaar Georg und Regina getroffen. Sie sind klassische Camper und reisen seit 25 Jahren mit ihrem Wohnmobil durch ganz Europa. Jedes Jahr aber stehen bei ihnen einige Tage in Bad Reichenhall auf dem Programm, seit 10 Jahren ist es der Wohnmobilstellplatz an der Rupertustherme. Früher reisten sie mit der ganzen Familie an und die längst erwachsene Tochter verbrachte ihren ersten Urlaub mit ihrem Lebenspartner ebenfalls in der Alpenstadt. Die Region zwischen Berchtesgaden, Salzburg und Chiemsee ist ihnen vertraut, zur zweiten Heimat geworden. „Zum ersten Mal bin ich als junger Mann mit 17 Jahren zu einer Atemwegs-Kur in Bad Reichenhall gewesen. Das ist 45 Jahre her, erinnert sich Georg, der heute in Frührente ist und seit 40 Jahren mit Regina verheiratet. „Wir haben es zuhause in Wackersdorf, 43 Kilometer nördlich von Regensburg, auch sehr schön. Doch der Reiz der Berge und der alpine Charme der Landschaft lassen uns nicht los.“ Gut gefällt ihnen die Lage des Stellplatzes direkt an der Saalach und die Innenstadt von Bad Reichenhall mit der großen Fußgängerzone und den vielen Parks.

Der Trend hin zum Camping hält seit Jahren an und dürfte durch die aktuelle Coronakrise noch verstärkt werden. 2019 zählte diese Urlaubsform knapp 36 Millionen Übernachtungen. Das waren 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Knapp 87 Prozent der Camper kamen aus Deutschland, so der ADAC.

Wenn Häuser Geschichten erzählen könnten

50 Jahre Hotel-Pension Steiermark 

(gsp) 1969 erwarb Gertrud Wiedenmann die Hotel-Pension Steiermark in Bad Reichenhall, in ruhiger Lage, in der Nähe der RupertusTherme. Nicht nur das Haus, sondern auch Bernd Temeier, einer ihrer ersten Gäste, hatte es ihr angetan. Sie heirateten bald und ihre jüngere Tochter Julia führt heute die Geschäfte der um 1900 im Stil der Neurenaissance erbauten Villa. Sie steht für die ‚goldenen Jahre‘ in Bad Reichenhall, als im Kurviertel viele noble Villen und Beherbergungsbetriebe entstanden. Viele von ihnen haben in der Folge der Gesundheitsreform (1989) in den 90er-Jahren ihren Betrieb schließen müssen. In Bad Reichenhall gingen die Übernachtungszahlen von 1,7 auf 0,8 Millionen zurück. Die Familie Temeier aber überstand diese Krisenzeiten und investierte jährlich. Das fast 120 Jahre alte Hotel ist jetzt 50 Jahre im Besitz der Familie.
Foto:  Mit dem Türmchen, Erkern, Balkonen und den hohen Fenstern scheint das Haus wie aus der Zeit gefallen, die um 1900 so ganz anders war wie die heutige.

Etagentoilette und fließend Wasser

Im Tourismus sind 50 Jahre eine großer Zeitspanne, vieles hat sich verändert, ist heute nicht mehr denkbar. So erinnert sich Gertrud noch daran, dass es in den ersten Jahren auf der Etage nur eine Toilette gab, die dann von bis zu acht Personen benutzt wurde, und auch nur ein Wannenbad und ein Telefon. Die Zimmer hatten ‚fließend kalt und warm Wasser‘, jedoch verfügte die Pension Steiermark bereits über eine Zentralheizung, damals keine Selbstverständlichkeit. „Zimmer mit Frühstück gab es für 13 DM“ , erzählt sie.

Geselligkeit ohne TV

Im großen Frühstücksraum saß man in früheren Jahren auch abends noch gerne zusammen, die Gäste kannten sich häufig untereinander und nur hier gab es einen Fernseher im Haus. „Sobald wir TV auf den Zimmern hatten, war es auch vorbei mit der Geselligkeit. Die Gäste zogen sich abends mehr ins Private zurück“, erzählt sie. Die meisten Urlauber reisten mit der Bahn an und fuhren dann mit dem Taxi zur Pension. „Ein eigenes Auto hatten wir in den ersten Jahren gar nicht“, erinnert sich Gertrud Temeier. Die Gäste gingen zu den Kurkonzerten, in das Rupertusbad mit dem Solebewegungsbecken oder hinauf nach Nonn, wo vor allem der Gablerhof ein lohnendes Ziel war. Eine Fußgängerzone gab es damals auch noch nicht, die kam erst 1975.

Einbrüche von über 50 Prozent

Die ersten Jahre waren nicht leicht, denn als gebürtige Schwäbin verfügte sie in Bad Reichenhall kaum über Kontakte. Sie kannte den Ort, weil ihre Mutter damals einige Male hier zu Kur war. „Glücklicherweise unterstützte uns damals eine nette Dame aus dem örtlichen Reisebüro und auch die Hoteliersfamilie Saile vom damaligen „Sparkassenheim“ schickte uns immer mal wieder Gäste. Die sind drei bis vier Wochen geblieben und meistens wiedergekommen. Heute ist das anders, nur wenige reisen noch Jahr für Jahr in den gleichen Ort und kaum länger als eine Woche.

Eine alte Villa fordert viele Investitionen

1989 war aber nicht nur das Jahr der ‚Blümschen Gesundheitsreform‘, sondern auch das Jahr der Deutschen Wiedervereinigung. Die ‚Ossis‘ entdeckten den bayerischen Alpenraum für sich und viele auch die Kurstadt. So wandelte sich der Gästekreis in Bad Reichenhall langsam und ständig, auch in der Hotel-Pension Steiermark. Das familiengeführte Unternehmen stellte sich darauf ein und investierte weiter. Die alte charaktervolle Villa, die von außen und innen zumindest die Erinnerung an eine Zeit wach hält, die so ganz anders war, musste erhalten werden. „Alle bewundern zwar unser Haus, weil es Würde und Alter in sich vereint, doch die Kosten der Erhaltung sind enorm.“ Ein neues Vier- oder Fünf-Sternehaus, errichtet nach neuesten baubiologischen Richtlinien, hat da ganz andere Voraussetzungen.

Russen entdecken das Haus

Schätzen tun das besondere Ambiente aber die Gäste, denn wo sonst werden einem so hohe und helle Zimmer geboten, ist allein die alte Treppenstiege schon herrschaftlich, und für einen guten Service und zeitgemäßen Komfort sorgt die Familie Temeier. Mit der ersten Homepage entdecken zunehmend Gäste aus Russland das Haus und Gertrud Temeier hat sie ins Herz geschlossen. „Bei uns war eher die Mittelschicht vertreten, einfache Leute, die sich über einen Urlaub in Bad Reichenhall außerordentlich freuen. Wir haben beste Erfahrungen mit ihnen gemacht.“

Neue Gästegruppen durch das Internet

Im weiteren ‚Wandel der Technik‘ wird seit ungefähr 2012 vermehrt über Internetportale wie etwa booking.com gebucht. Seit drei Jahren sind es auf einmal wieder viele Gäste aus Deutschland, die im Hotel Steiermark einchecken. Ein Novum ist die Hotel-Pension Steiermark auch in anderer Hinsicht. Sie hat sich bis heute nicht nach Sternen klassifizieren lassen. „Es kostet viel Geld, fordert viele Investitionen und nicht alle sind für uns sinnvoll“, erklärt die Junior-Chefin Julia, die den Betrieb 2014 übernommen hat.

Von März bis Oktober ist das Hotel garni Steiermark nahezu ausgebucht. Von November bis März werden die Renovierungsarbeiten vorgenommen, und nur die sechs Ferienwohnungen stehen zur Vermietung zur Verfügung. Auch das war ein großer Trend, das Einrichten von Ferienwohnungen. „Gerne wird aber der Frühstücksservice in Anspruch genommen“, verrät Julia Temeier.