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Investieren und den Blick nach vorne offen halten

Hotels in der Krise: 
Olya Linnberg betreibt drei Hotels in Berchtesgaden- 
– Das Personal trifft es besonders hart –

Der zweite Lockdown in Deutschland trifft vor allem die Hotellerie hart, in der Regel bleibt der Branche nichts anderes übrig, als den Betrieb komplett zu schließen. Einige wenige Ausnahmen, vor allem im ländlichen Bereich, sind Häuser die speziell für Geschäftsreisende offen halten. Die Redaktion hat bei Olya Linnberg in Berchtesgaden nachgefragt, wie sie mit der Krise umgeht und welche Perspektiven sie für ihre drei Hotels, das Hotel Brennerbascht in Bischofswiesen, das Hotel AlpinaRos-Demming und das Home-Hotel Salzberg in Berchtesgaden sieht. Gemeinsam bringen es die drei Betriebe auf etwas über 200 Betten und sind im Bereich 3-Sterne-Superior einzuordnen. „Ich habe die Häuser nicht zertifizieren lassen, von den Gästen und über die Buchungsplattformen aber durchwegs sehr gute Bewertungen erhalten“, freut sich Olya Linnberg. „Das positive Feedback ist mir wichtiger, als eine kostenaufwendige Bewertung durch einen Verband“, ergänzt sie.

Gute Geschäfte im Sommer

Mit der Sommersaison war die Unternehmerin sehr zufrieden. „Wir hatten nahezu Vollbelegung und waren guter Hoffnung, die durch die Regierung verhängte coronabedingte Schließungen von Ostern und Pfingsten weitgehend wieder aufzuholen. Der jetzige zweite Lockdown, in Berchtesgaden, noch 14 Tage früher als in Restdeutschland, hat uns und unsere Gäste völlig überrascht.“ Dabei hatte sie bereits der erste Lockdown hart getroffen, als er ab 21. März 2020 mit den Vollzug des Infektionsschutzgesetzes in Kraft trat. „Ich vergab gerade die Aufträge für die Renovierung unseres neu erworbenen Hotels Salzberg, da hatte uns der Lockdown mit der Schließung aller drei Hotels kalt erwischt. Natürlich wussten wir die Zeit zu nutzen und waren im Juni mit allen Handwerksarbeiten fertig.“ 20 Angestellte aber mussten in Kurzarbeit wechseln und so erhebliche Einkommenseinbußen verkraften. „Sie sind die Leidtragenden, denn trotz eines reduzierten Einkommens laufen die Kosten für Miete, Auto und Lebenshaltung ja voll weiter. Und in Berchtesgaden sind die Mieten nicht ganz billig. Die Programme der Regierung greifen auch hier viel zu kurz,“ mahnt Olya Linnberg an.

„Uns fehlt die Planungssicherheit“

Sie wünscht sich für die Branche mehr Planungssicherheit mit einer Vorlaufzeit von mindestens zehn Tagen. „Hier im Berchtesgadener Land mussten wir die Gäste aufgrund einer Allgemeinverfügung des Landratsamtes zum 20. Oktober über Nacht nach Hause schicken. Das kann man so nicht machen“, ereifert sich die Hoteliersfrau. „Die Gastronomie traf es dabei noch härter, denn sie hatten die Lebensmittel für die nächsten Tage ja bereits eingekauft.“ Selbst betreibt Olya Linnberg kein Restaurant, sondern bietet den Gäste ein großes Frühstücksbuffet an. Aber selbst das ist in Coronazeiten nur mehr sehr eingeschränkt möglich.

Schlechte Prognose für den Dezember

Keine Sicherheit für die Planung gibt es auch für den Dezember. „Niemand kann sagen, ob wir zum Advent die Betriebe wieder aufsperren dürfen. Dann aber soll ebenfalls über Nacht wieder alles laufen, vom Personal bis über die Zimmer und sämtliche Serviceleistungen. Das ist schlichtweg ein unhaltbarer Zustand, der die gesamte Branche beschwert. Die Weihnachtsfeiern sind bereits alle abgesagt und selbst der über die Jahre so gut angenommene Berchtesgadener Christkindlmarkt.“ Das stößt bei ihr auf besonderes Unverständnis. „Es gab bereits ein gutes Konzept mit Einlasskontrollen. Die Menschen bewegen sich in der frischen Luft, wie kann man so eine traditionsreiche und positive Veranstaltung für den Markt Berchtesgaden absagen, das ist extrem traurig und ein hoher Schaden für Berchtesgaden.

Mit 20 Jahren erstes Hotel gekauft

Als Unternehmerin und gelernte Betriebswirtin schaut Olya Linnberg aber immer noch vorne und lässt sich ihren Optimismus nicht nehmen. Gebürtig ist sie in Moskau, ihre Eltern betreiben dort bis heute einen Lebensmittelhandel. Mit 20 Jahren ist sie mit dem Flugzeug nach München gereist und von dort mit einem Koffer nach Berchtesgaden um 2010 ihren ersten Betrieb, das Hotel Brennerbascht in Bischofswiesen zu kaufen. Heute ist sie mit ganzer Seele in Berchtesgaden zuhause, liebt die Berge, die Natur und die Ruhe und Beschaulichkeit der Region. Mit den Menschen kommt sie gut aus, freut sich über das gute Einvernehmen mit den Handwerksbetrieben wie Hölzl, Hummer, Koll, Lochner, Stangassinger, Rath und anderen Gewerken.

Investitionen im Wellnessbereich

Selbst sagt sie von sich, dass sie ein unruhiger Geist ist, aber dennoch in sich selbst ruht. Immer wieder möchte sie neue Ideen und Projekte verwirklichen. In die Häuser investiert sie jährlich fünf- oder sechsstellige Beträge. Demnächst soll auch das Brennerbascht eine eigene kleine Wellnessabteilung bekommen, wie sie die beiden anderen Häusern bereits haben. „Unterschätzt habe ich in den ersten Jahren den Arbeitsaufwand, das eigene betriebswirtschaftliche Konzept stand natürlich von Anfang an fest“, gesteht sie. Zeit findet sie aber immer wieder für ihren zweijährigen Sohn Emanuel.

Hält die Regierung was sie verspricht?

Das aktuelle „Rettungsprogramm“ der Regierung für die Hotellerie und Gastronomie mit dem Versprechen einer 75-prozentigen Entschädigung, gemessen am letztjährigen Novemberumsatz, hinterfragt sie kritisch. „In Abzug gebracht werden angeblich Wareneinsatz und Personalkosten, so dass bei mir höchstens 10 Prozent ankommen, hat mein Steuerberater errechnet. Da habe ich entschieden, das AlpinaRos offen zu halten, zumal der November traditionell einer der schwachen Monate ist.“

Aufatmen im Berchtesgadener Land

Am 18. Oktober stieg der 7-Tages-Inzidenzwert im Berchtesgadener Land bei den positiv auf den Cornavirus getesteten Menschen auf über 200.  Jetzt, am 9. November ist er mit einem Wert von 162,37 wieder deutlich unter 200 gefallen. Ist das Infektionsgeschehen ‚rund um den Watzmann‘ damit wieder gebannt, kann der Landkreis aufatmen? Im Landratsamt tut man es sicher, hat man für das drastische Herunterfahren des Öffentlichen Lebens, zwei Wochen vor dem deutschlandweiten Lockdown, doch heftige Kritik hinnehmen müssen. Bis heute, und wohl noch die nächsten Monate, ringen Hotellerie, Gastronomie, Freizeitwirtschaft, Kultureinrichtungen und der Handel um seine Existenz. Die aktuellen Zahlen aber lassen hoffen.

Landkreis reagiert auf hohe Coronazahlen

Neue Corona-Allgemeinverfügung für das Berchtesgadener Land
Schulen und Kitas, Gastronomie und private Feiern betroffen

(gsp) Mit einem rasanten Anstieg ist des Sieben-Tage-Inzidenz-Wert der Infektionszahlen mit dem Coronavirus über das Wochenende von 16 mit insgesamt 468 Fällen im Berchtesgadener Land auf 72,7 mit insgesamt 530 Fällen von Freitag auf Dienstag angewachsen. Das Landratsamt Berchtesgadener Land muss darum die Einschränkung für die Bevölkerung verschärfen und hat diese jetzt in einer Allgemeinverfügung, die ab dem heutigen Mittwoch gilt, bekannt gegeben. Grundlage ist eine enge Abstimmung mit der Regierung von Oberbayern und dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

Droht dem Landkreis Berchtesgadener Land ein zweiter Lockdown? Diese Frage treibt (v.r.) Landrat Bernhard Kern, Dr. Wolfgang Krämer als Leiter des Gesundheitsamtes und Schulamtsdirektor Klaus Biersack um – Fotos: Gerd Spranger

Der Auslöser für den starken Anstieg der Fallzahlen im Berchtesgadener Land ist in der Gemeinde Anger bei einer privaten Feier verortet worden. So hat der Bürgermeister gleich für Montag eine eintägige Schulschließung veranlasst, das Rathaus bleibt aktuell noch geschlossen. „Etwa 60 Prozent der neuen Corona-Infektionen gehen auf den Hotspot in Anger zurück, 40 Prozent registrierten wir über das Testzentrum des Landkreises in Bayerisch Gmain und aufgrund der Meldungen von den Arztpraxen“, informiert Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes in Traunstein und Berchtesgaden.

Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes

Für Landrat Bernhard Kern ist die neue Allgemeinverfügung, die zunächst für eine Woche in Kraft ist, ein dringender Appell an alle Bürger sich an die Regeln zu halten. „Es fordert viel Disziplin, ich bin mir aber sicher, dass wir diese Hochphase gut bestehen“, zeigt er sich zuversichtlich. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen und die Hygienemaßnahmen sowie Abstandsregeln einhalten, um so rasch als möglich zum Normalbetrieb zurückzukehren. Eine Eindämmung des Infektionsgeschehens ist möglich.“

Was das Öffentliche Leben betrifft, gelten ab sofort Beschränkungen der Teilnehmer bei Veranstaltungen auf 25 Personen bei Feiern, Hochzeiten und anderen Festivitäten in geschlossenen Räumen. Bei Vorlage eines Schutz-und Hygienekonzeptes sind im Freien 50 Personen zugelassen. Begrenzt wird ebenso bei privaten Zusammenkünften und in der Gastronomie auf fünf Personen am Tisch. Dabei grenzt die Verfügung genau ein nach: Angehörige des eigenen Hausstands, Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, Verwandte in gerader Linie, Geschwister, sowie Angehörige eines weiteren Hausstands.

Angelika Niedl, Juristin des Landratsamtes

In der Gastronomie „ist die Abgabe von Speisen und Getränken zum Verzehr an Ort und Stelle nach § 13 Abs. 4 der 7. BayIfSMV in der Zeit von 23:00 bis 6:00 Uhr untersagt. „Für einen ruhigen Ausklang des Abends wird noch eine halbe Stunde gewährt, dann aber ist endgültig Sperrstunde für die Gastronomiebetriebe“, ergänzt Angelika Niedl, Juristin des Landratsamtes. Als sensibler Bereich gelten Pflege-Einrichtungen, Seniorenheime und Krankenhäuser. Hier wird jetzt verbindlich nur ein Besucher pro Tag zugelassen. Eine Ausnahme gibt es für Minderjährige denen ein gemeinsamer Elternbesuch erlaubt ist. Dabei habe man bei der Verordnung auch Erfahrungen aus der Praxis einfließen lassen. „So ist der Besuch in einer Senioreneinrichtung nicht nur den nahen Angehörigen gestattet, sondern auch engen Bekannten. Es gibt nämlich viele von ihnen, die keine Angehörigen mehr haben und so unter Vereinsamung zu leiden hätten,“ erläutert Angelika Niedl.

Einen großen Raum in der Allgemeinverfügung des Landratsamtes Berchtesgadener Land nehmen die Schulen ein. „Es ist uns bewusst“, so Landrat Bernhard Kern, „dass es Kinder, Eltern und Lehrer gleichermaßen viel abverlangt. Wir müssen aber die Infektionsketten unterbrechen.“

„In den Schulen ist ab der fünften Jahrgangsstufe auch am Platz ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Zudem muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet sein. Ist dies nicht möglich sind Klassen zu teilen und im Wechsel von Distanz- und Präsenz-Unterricht zu beschulen“, verlangt die Verordnung. Schulamtsdirektor Klaus Biersack bekennt, „dass Schulen und Lehrkräfte von der aktuellen Entwicklung völlig überrascht wurden. Wir haben aber aus den Monaten von April bis Juli gelernt und sind für diese Situation nicht unvorbereitet“, ergänzt er. Eine Notfallbetreuung sei zwar nicht vorgesehen, „wir werden uns für besondere Härtefälle aber was einfallen lassen“, verspricht der Schuldirektor.

Weiter legt die Verfügung fest, dass Kindertagesstätten jetzt feste Gruppen bilden müssen. Das gilbt auch für die Mahlzeiten. Verschärft wird die Regelung für Bahnhöfe und Bushaltestationen. Hier ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtend.

Mit dem Hinweis, Verstöße mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro zu belegen, bekräftigt das Landratsamt nochmal den Ernst der Situation. „Die Maßnahmen sollen uns alle helfen, einen zweiten Lockdown zu vermeiden“, bekräftigt Landrat Bernhard Kern.

Seit Wochen kein neuer Coronafall im Berchtesgadener Land

Seit drei Wochen gibt es keinen neuen Coronafall mehr im Berchtesgadener Land. Der Katastrophenfall wurde darum nach drei Monaten am 17. Juni vom Landratsamt für beendet erklärt. Wir haben Glück gehabt in unserer schönen Heimat, denn insgesamt kam es nur zu 306 Infektionen und bedauerlicher Weise zu 24 Todesfällen, alle älter als 65 Jahre, bei denen das Virus nachgewiesen wurde. Selbst von den knapp 890 Menschen, die aufgrund von persönlichen Kontakten in eine zweiwöchige Quarantäne gestellt wurden, haben sich nur 64 Personen infiziert. Die befürchtete „Massenansteckung“ ist damit ausgeblieben. Einen kleinen „Schönheitsfehler“ gibt es dabei, denn gerade – mit Stand vom 18.06. um 15.30 – meldet die Behörde nun doch wieder drei neue Infizierte. Damit steigt die Gesamtzahl auf 309 an.

Strahlend blauer Himmel und einsame Landschaften im Berchtesgadener Land. Hier zu sehen die Nonner Wiesen in Bad Reichenhall mit Zwiesel (l.) und Hochstaufen (r.).

Wir alle haben die mit den Zwangsmaßnahmen verbundenen Einschränkungen auf unsere Weise genutzt. Etwa mit langen Spaziergängen oder um „Haus und Garten“ wieder instand zu setzen. Auch genossen wir die Ruhe bei deutlich weniger Autoverkehr und strahlend blauem Himmel. Man hatte durchaus den Eindruck, dass sich die Natur und mit ihr auch wir selbst uns erholt haben.

Jetzt hat uns der Alltag wieder und hoffentlich auch die Rückkehr zur alten Normalität ohne Angst für eine gute Zukunft. Und natürlich steht auch der nächste Urlaub an, ob im schönen Berchtesgadener Land oder am sonnigen Strand.

Während der Corona-Krise waren auch in Bad Reichenhall die Geschäfte und Restaurants geschlossen.

Salzbergwerk Berchtesgaden: nach Wieder-Eröffnung gleich ausgebucht

 „Den Atem der Geschichte spüren“
Hygiene und Sicherheit im Focus –

Eigentlich ist hier in den Pfingstferien richtig Betrieb. Bus- und Reisegruppen begehren Eintritt in das Salzbergwerk Berchtesgaden, zumal bei bedeckten Himmel mit Tendenz zu leichtem Nieselregen. 2020 aber ist es anderes, die Besucher erleben die neue Normalität in Zeiten des Corona-Virus. Die Wartenden sitzen in kleinen Gruppen ruhig zusammen, selbst die Kinder sind leise, keine Reisegruppen und kaum internationale Gäste. In 16 Sprachen übersetzten Audio-Guides in normalen Zeiten die Führung. Sie sind aus Hygienegründen aktuell aber nicht im Einsatz.

Die Eingangs-, Laden- und Kassenpassage des Salzbergwerkes in Berchtesgaden wächst in die Länge. Sie wird um zwei neue Aussen-Kassen mit Überdachung erweitert. Aktuell, in Coronazeiten,  gibt es nur über Online-Reservierung die Karten. Fotos: Gerd Spranger

Seit Montag sind das Salzbergwerk Berchtesgaden und auch die Alte Saline in Bad Reichenhall wieder geöffnet. Man hat sich die letzten Wochen bei der Südwestdeutsche Salzwerke AG auf die neue Situation eingestellt und Vorkehrungen getroffen. „Nach den jüngsten gesetzlichen Verordnungen haben wir eine Gefährdungsbeurteilung – wegen SARS-CoV-2 und Covid-19 – im Betrieb vorgenommen“, erzählt Peter Botzleiner-Reber, Fachbereichsleiter Tourismus Bayern und für die regionale Presse zuständig. „Dazu zählen die bekannten Hygienemaßnahmen, Mundschutz und Abstand halten. Die Größe der Gruppen, die mit der Grubenbahn 600 Meter tief in den Berg einfahren, ist von 50 auf 20 Personen begrenzt“, erläutert er.

Karten für das Salzbergwerk Berchtesgaden gibt es nur mit Online-Reservierung

Ein ganz wesentlicher Baustein in dem neuen Konzept aber ist ein zwingender Erwerb der Karten im Onlineshop, die Kassen direkt beim Bergwerk sind geschlossen. „Der Anteil lag bei steigender Tendenz im Jahr 2019 bei etwa 25 Prozent. Jetzt geht es nur noch mit Reservierung. Dabei sind wir schon heute, am zweiten Tag unserer Wiedereröffnung nach einer dreimonatigen Corona-Zwangspause, bis zum Sonntag ausgebucht. Das liegt natürlich auch daran, dass wir den touristischen Betrieb mit nur 40 Prozent unserer Leistung fahren können. Doch die Sicherheit unserer Gäste und Mitarbeiter haben Vorrang.“

Auch im Salzbergwer Berchtesgaden gilt: Mundschutz und Abstand halten

Bereits am großen Parkplatz lässt das Unternehmen kontrollieren ob der Gast im Besitz eines Online-Tickets ist, um unnötigen Personenverkehr zu vermeiden. Auch im Ablauf hat sich einiges geändert, wovon nicht nur die farbigen Bänder am Boden im Abstand von 1,5 Metern zeugen.

„Im Shop dürfen sich gleichzeitig nur sieben Personen aufhalten. Das Überziehen des Overalls als Schutzkleidung haben wir jetzt ins Freie verlegt“, erläutert Peter Botzleiner-Reber. In wenigen Wochen folgen im Außenbereich zwei neue überdachte Kassen. „Auch das wird helfen die Besucherströme im Sommer zu entzerren. Für Reisegruppen wird es einen „Fast-Line-Zugang“ geben.“ Doch wichtig ist ihm etwas ganz anderes.

Alte Saline und Salzbergwerk
Wegbereiter der Geschichte

„Wir sind seit 1517 ein aktives Bergwerk und kein Museum, in welchem seit über 500 Jahren kontinuierlich gearbeitet wird“. Das ist weltweit einzigartig und zugleich ein großes Stück Berg- und Industriegeschichte, denkt man auch noch an die Alte Saline in Bad Reichenhall. Städte wie Traunstein und Rosenheim haben über Jahrhunderte hinweg mit dem Salz gelebt und sind damit gewachsen. Zeitgeschichtlich hängt die Gründung von München und selbst auch von Salzburg eng mit der Salzgewinnung in Bad Reichenhall zusammen. Bis heute erleben wir es hier „zum Anfassen“, direkt vor unserer Haustüre. In Berchtesgaden das aktive Salzbergwerk und in Bad Reichenhall ein Industriedenkmal und eine ‚Salz-Geschichte‘, die weit über tausend Jahre zurück reicht, und darauf können wir alle stolz sein.“

Peter Botzleiner-Reber vor dem Eingangsbereich des Salzbergwerkes in Berchtesgaden. Das Tragen eines Mund-Nasenschutzes ist für die ganze Zeit der Besichtigung verpflichtend.
Peter Botzleiner-Reber vor dem Eingangsbereich des Salzbergwerkes in Berchtesgaden.

Es ist vielleicht gerade dieser „Atem der Geschichte“, den die Besucher bei der Einfahrt in den Berg oder auf ihren Gang hinab zum Quellenbau spüren und die Faszination Salzbergwerk ausmachen, über Generationen hinweg. Beliebt und wegen des Fotos unvergessen ist die Rutsche. Die besondere Atmosphäre, die Mystik des Berges aber, spürt der Besucher in der Salzkathedrale, in der Steinsalzgrotte, im magischen Salzraum und bei der Floßfahrt über den Spiegelsee mit faszinierenden Lichteffekten.

Gibt es noch freie Campingplätze?

Spagat zwischen Beschränkungen
und laufendem Betrieb

Das Campingjahr läuft 2020 nur zögernd an, in Bayern ist das touristische Campen erst wieder seit dem 30. Mai erlaubt, in allen anderen Bundesländern sind die Campingplätze unter Auflagen bereits seit ein bis zwei Wochen geöffnet. Grundvoraussetzung für das Campen ist ein autarker Wohnwagen oder Wohnmobil. Es muss also über eine eigene Sanitäreinrichtung verfügen. Damit sind die Schranken für einfaches Zeltcamping noch geschlossen, sie bleiben noch ein Opfer der Coronakrise. Laut ADAC verdoppelte sich die Anzahl der Buchungen im Mai gegenüber dem sonst stärksten Buchungs-Monat Januar. Wie sieht die Situation im Berchtesgadener Land und im Chiemgau aus. Die Redaktion hat sich umgehört.

„Einfaches Campen“ bietet der Platz Staufeneck zwischen Piding und Bad Reichenhall. Aktuell fehlen noch die Zelte und Durchreisenden, bedauert die Betreiberin.

Der Wohnmobilstellplatz in Bad Reichenhall war auch über das Pfingstwochenende kaum halb belegt. Zwei Wohnmobilisten nächtigten bereits eine Nacht vor Eröffnung in Bad Reichenhall, um sich gleich am Samstag einen Platz zu sichern. Ihre Sorge war unbegründet, der Ansturm blieb aus. Sicher ist die Nähe zur Rupertustherme für viele Gäste ein Entscheidungsgrund für ihren Urlaub, doch die bleibt die nächsten Wochen noch geschlossen. Bei vielen Menschen ist Vorsicht und eine gewisse Unsicherheit in der abflauenden Corona-Pandemie spürbar. Auch Anton Lenz vom Campingplatz Grafenlehen hätte sich mehr Ansturm erwartet. „Die Medien haben von einem richtigen Hype gesprochen, und entsprechend groß war unsere Erwartung. Wir haben aber noch viele Plätze frei, wenn auch die Buchungsanfragen sehr hoch sind.“

Alle Plätze informieren auf ihren Webseiten zu den Einschränkungen, etwa der Maskenpflicht oder die eingeschränkte Nutzung von Sanitäranlagen bis hin zur gänzlichen Schließung von öffentlichen Duschen und Toiletten. Manche von ihnen, wie etwa der Campingplatz Ortnerhof in Ruhpolding, belegt den Platz nur bis 50 Prozent und gibt einen Mindestaufenthalt von fünf Tagen in Zeiten des Coronavirus vor, informiert die Familie Bichler. Dabei sind von den 180 Parzellen ein Drittel mit Dauercampern belegt.

Vom einfachen Camping hin zum Glamping

Etwas versteckt liegt der Campingplatz Staufeneck, an der Gemeindegrenze zwischen Piding und Bad Reichenhall. 98 Stellplätze zählt er, davon sind 20 mit Dauercampern belegt. „Wir haben viele Zeltcampern und nicht wenige machen nur für einen Tag Station auf den Weg in den Süden“, erzählt Melanie Schön. Von einem Run auf die Plätze merkt sie nichts, im Gegenteil. „Die Einschränkungen für die Zelte als auch die geschlossenen Grenzen treffen uns sehr, wir sind nicht einmal zur Hälfte belegt.“

Eindrucksvoll mit naturgewaltigem Panorama wirbt der Campingplatz Allweglehen auf seiner Webseite. Der Trend geht hin zum „Glamping“, der Luxusvariante des Campens.

Das Gegenteil vom einfachen Campen bietet etwa der 5-Sterne-Platz in Waging am See. Er ist zu 80 Prozent ausgebucht und am letzten Pfingstwochenende sind nur noch Restplätze zu haben. „Unsere sanitären Einrichtung sind zur Gänze geöffnet, informiert der Betreiber Nikolaus Jebinger. „Duschen in größeren Gruppen geht natürlich nicht, doch wir haben abgetrennte und gut belüftete Zellen, so dass beste Hygienevoraussetzungen gegeben sind.“ Mit 650 Parzellen zählt der Platz zu den größten in Bayern. „Vielleicht liegt die hohe Nachfrage an der direkten Nähe zum Waginger See“, spekuliert Jebinger. „Das Freibad öffnet aber erst am 8. Juni wieder.“

Investitionen rechnen sich

Auch in Berchtesgaden gibt es ein Camping-Delux beim Allweglehen. Den Gästen können ein umfassendes Outdoorprogramm nutzen, sowie Wellnessangebote und über das normale Camping hinaus ein luxuriöses Glamping. Dafür stehen kleine Ferienhäuser wie Chalets, Woodlodges, großräumige Campingfässer und seit 2020 kleine Almkaser bereit. Allesamt sind sie mit Terrasse und bester Aussicht versehen. Damit bleibt das gesamte Camping-Equipment zuhause, denn die Gäste reisen einfach an, finden vor Ort alles in bester Ausstattung und im Resort eine komplexe Infrastruktur für den Urlaub. Investitionen, die sich bezahlt machen, denn der Platz ist über die gesamten Pfingsferien hinweg so gut wie ausgebucht. Camping-Delux beim Allweglehen erstreckt sich über acht Hektar, weist 167 parzellierte Plätze aus, 25 freie Zeltplätze, 28 separate Wohnmobilstellplätze und 15 Mietunterkünfte mit 58 Betten. Im Jahr bringt es der Platz auf 100.000 Übernachtungen. „Wir sind bis September ausgebucht“, freut sich der Betreiber und Inhaber Thomas Fendt. „Der Anteil von ’normalen Campern‘ zur Deluxvariante liegt derzeit bei etwa 50 Prozent mit steigender Tendenz.“ Der Wellness-Sauna-Bereich und der Pool öffnen am achten Juni wieder. Zielgruppe sind für Fendt die jungen aktiven Menschen. In der Urlaubszeit Familien und in der Vor- und Nachsaison die Rentner.

Seit 40 Jahren immer im Berchtesgadener Land

Gute Lage, direkt am Saalach-Radweg und der Therme ist es nicht weit in die Innenstadt von Bad Reichenhall.
Der Wohnmobil-Stellplatz in Bad Reichenhall liegt direkt am Saalach-Radweg und zur Rupertus-Therme und in die Innenstadt ist es nicht weit. Georg und Regina vor ihrem Oldtimer-Wohnmobil.

Bei unserer Rundreise zu den Campingplätzen haben wir das Ehepaar Georg und Regina getroffen. Sie sind klassische Camper und reisen seit 25 Jahren mit ihrem Wohnmobil durch ganz Europa. Jedes Jahr aber stehen bei ihnen einige Tage in Bad Reichenhall auf dem Programm, seit 10 Jahren ist es der Wohnmobilstellplatz an der Rupertustherme. Früher reisten sie mit der ganzen Familie an und die längst erwachsene Tochter verbrachte ihren ersten Urlaub mit ihrem Lebenspartner ebenfalls in der Alpenstadt. Die Region zwischen Berchtesgaden, Salzburg und Chiemsee ist ihnen vertraut, zur zweiten Heimat geworden. „Zum ersten Mal bin ich als junger Mann mit 17 Jahren zu einer Atemwegs-Kur in Bad Reichenhall gewesen. Das ist 45 Jahre her, erinnert sich Georg, der heute in Frührente ist und seit 40 Jahren mit Regina verheiratet. „Wir haben es zuhause in Wackersdorf, 43 Kilometer nördlich von Regensburg, auch sehr schön. Doch der Reiz der Berge und der alpine Charme der Landschaft lassen uns nicht los.“ Gut gefällt ihnen die Lage des Stellplatzes direkt an der Saalach und die Innenstadt von Bad Reichenhall mit der großen Fußgängerzone und den vielen Parks.

Der Trend hin zum Camping hält seit Jahren an und dürfte durch die aktuelle Coronakrise noch verstärkt werden. 2019 zählte diese Urlaubsform knapp 36 Millionen Übernachtungen. Das waren 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Knapp 87 Prozent der Camper kamen aus Deutschland, so der ADAC.

Bürgertelefon: 6700 Anfragen in neun Wochen

– Zentrale Nummer am Landratsamt
– Vom Shutdown bis zum Startup

Die Diplom-Sozialpädagogin Petra Neubauer ist beim Landratsamt Berchtesgadener Land beschäftigt und an der Staatlichen Berufsschule Berchtesgadener Land in Freilassing für die Jugendsozialarbeit zuständig. In den letzten neun Wochen aber verlegte sie ihren Arbeitsplatz direkt in das Landratsamt in Bad Reichenhall und arbeitete für das Bürgertelefon der Führungsgruppe Katastrophenschutz. Der Umgang mit Menschen, ihren Nöten und Anliegen ist ihr vertraut und so war sie zusammen mit weiteren Kolleginnen Ansprechpartnerin für das Bürgertelefon, wo vom 16. März bis zum 17. Mai Ratsuchende in der Coronakrise Hilfe fanden. Insgesamt nutzen 6700 Anrufer diesen Service, an Spitzentagen waren es über 600 Anrufe täglich und bis zu vier Telefonplätze besetzt.

Entlastung für das Gesundheitsamt

Viel Hilfe in der Corona-Krise leistete das Landratsamt Berchtesgadener Land. Von links: FüGK-Leiter Thomas Schmid, Diplom-Sozialpädagogin Petra Neubauer, stv. Pressesprecher Stefan Neiber,

Für Thomas Schmid, Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) am Landratsamt eine unverzichtbare Einrichtung. „Wir haben das Bürgertelefon mit bis zu vier zeitgleich besetzten Arbeitsplätzen zum ersten Mal im Januar 2019, als die großen Schneemengen vor allem im südlichen Landkreis den Katastrophenfall auslösten, eingerichtet. Das Landratsamt mit seiner zentralen Nummer wäre mit der Vielzahl der Anrufe jetzt zur Corona-Pandemie ebenso überfordert gewesen, wie das Gesundheitsamt.“

Am Tagesbeginn stand für Petra Neubauer und ihr Team zuerst eine kurze Besprechung mit den Bereichsleitern an, um immer auf dem ganz aktuellen Stand zu sein. Die Diplom-Sozialpädagogin erinnert sich an den ersten Tag. Ministerpräsident Markus Söder hatte am 16. März die verhängten Maßnahmen der Bayerischen Staatsregierung zur Eindämmung des Virus beschlossen und in einer Erklärung über die Medien verbreitet. „Sofort liefen bei uns die Telefone heiß. Es war ja quasi ein Vorgriff auf den Shutdown, der eine Woche später erfolgte. Wir waren zu dieser Zeit im Detail nicht informiert, es war schwierig. Künftig aber ließen wir keine Regierungserklärung des Ministerpräsidenten zu den Maßnahmen aus.“

Wie funktioniert die Gesundheitskette

„Es waren vor allem die mehrfachen Änderungen, von der Verschärfung im Lockdown und die langsame Lockerung, die häufig zu Fragen und Verunsicherungen führten,“ erzählt Petra Neubauer. „Besonders in den ersten Wochen meldeten sich Bürger, die sich bereits bei Halsschmerzen oder einer leichten Erkältung sorgten an dem Virus Covid-19 erkrankt zu sein. Es herrschte auch noch Unsicherheit, wie die Gesundheitskette funktioniert, etwa ob nun der Hausarzt konsultiert werden soll oder nicht.“

Ein besonderer Fall war für Neubauer etwa der Anruf einer älteren Dame, die unter Einsamkeit litt und sich mit einer guten Bekannten auf eine Tasse Kaffee treffen wollte. „In der Wohnung war das bei der Kontaktbeschränkung zu der Zeit nicht möglich. Wir haben ein Treffen im Kurpark arrangiert.“

„Wichtig war für diese Zeit im Landratsamt immer den richtigen Ansprechpartner zu haben. Das schaffte Vertrauen und gibt Sicherheit,“ ergänzt Stefan Neiber, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamtes. Die Fragen rund um die Beschränkungen und Lockerungen um die Corona-Pandemie sind ein Spiegel der letzten Wochen. „Viel Unmut rief etwa die Sperrung der Wanderparkplätze hervor. Es gab zu dieser Zeit die einzigen Anrufe, bei denen die Anrufer persönlich wurden, ihren Unmut freien Lauf ließen“, erinnert sich Neubauer.

Nur mit Liebesbrief nach Salzburg

In den letzten Tagen gab es noch viele Fragen zur Öffnung der Grenzen, wann, wie und wo man nach Salzburg fahren darf. „Dabei gibt es aktuell eine Besonderheit,“ erzählt die Sozialpädagogin schmunzelnd. „Einen Freund oder eine Freundin darf man nur mit einem „Liebesbrief“ besuchen, als eine Art persönlicher Einladung. Auch müsse mit der gemeldeten Adresse nachgewiesen werden, dass die Person auch in Österreich wohnhaft ist.“

Mit der Zeit habe man ein gutes Gespür für die Menschen und diese besondere Situation entwickelt. Selbst nach Dienstschluss oder an freien Tagen hielten sich die Mitarbeiter vom Bürgertelefon über die aktuellen Entwicklungen am Laufenden. Manche Anrufer suchten kurze und schnelle Auskunft, andere brauchten Zeit, jemanden zum Reden. „Auch die haben wir uns genommen“, versichert Neubauer.

Kein Fall in den Asylunterkünften

Thomas Schmid freut sich, dass es in den Asylunterkünften im Landkreis keinen Coronafall gegeben hat. Vorsichtig optimistisch blickt er in die Zukunft. „Nachdem jetzt die Gastronomie unter Einschränkungen wieder geöffnet ist, folgen am 30. Mai die Hotels und damit läuft der Tourismus vorsichtig wieder an. Am 15. Juni sind auch die Grenzen nach Österreich und in andere EU-Länder wieder offen. Wir hoffen die Lage entspannt sich weiter und wir erleben keine zweite Welle“, so der FüGK-Leiter. Dann aber sei man gut gerüstet und mit ausreichend Material versorgt, ergänzt er.

Geholfen habe das gut eingespielte Team im Katastrophenschutz, das die letzten Jahre bereits mehrere Male aktiv war. Das ermöglichte schnelle Hilfe, vor allem dort wo sie nötig war, etwa bei den Senioreneinrichtungen. Rettungskräfte, Feuerwehr und THW haben ‚Hand in Hand‘ gearbeitet, ebenso alle weiteren beteiligten Kräfte wie die Bayerische Polizei, Bundespolizei, Bundeswehr und alle Mitglieder der Führungsgruppe Katastrophenschutz am Landratsamt.

Schnelle Hilfe über die Organisationen hinweg

„Eine gute Logistik ist eine Sache und absolut notwendig. Eine schnelle Umsetzung über verschiedene Organisationen hinweg eine ganz andere. Das aber funktioniert hervorragend. Wir treffen uns als Team vom Katastrophenschutz mehrmals im Jahr führen auch gemeinsame Übungen durch. Letztlich aber ist man auf meterhohe Schneemassen oder auf dreimonatige Ausnahmesituationen wie jetzt bei der Corona-Pandemie nicht wirklich vorbereitet. Was zählt ist ein schnelles und gutes menschliches Miteinander.“

Für Petra Neubauer geht der Arbeitsalltag jetzt wieder in der Berufsschule Freilassing weiter. „Das ist irgendwie durchgesickert und am ersten Tag fragten gleich fünf Schüler um ein persönliches Gespräch an. Die Folgen von Corona, der Isolation und Wegfall des öffentlichen Lebens bis hin zum Shutdown der Sportvereine, zeigt Spuren bei den jungen Menschen. Zwei von ihnen erzählten von einem richtigen Corona-Kollaps nach zwei Wochen. Ich bin gespannt, was da noch auf mich und unsere Gesellschaft zukommt.“

Eine Hinwendung zu bleibenden Werten

18 Jahre Landrat Georg Grabner
Was hat ihn bewegt?

Noch bis ersten Mai ist Landrat Georg Grabner im Amt, dann übergibt er nach 18 Dienstjahren offiziell an seinen Nachfolger Bernhard Kern. Die Redaktion hat nachgefragt. Was bewegt ihn aktuell und was ist ihm in seiner Amtszeit besonders wichtig geworden.
Ganz am Ende des Interviews wird Georg Grabner persönlich, gibt viel von dem Menschen hinter dem Landrat preis. Nichts habe ihn persönlich so sehr getroffen wie das Eishallenunglück am 2. Januar 2006.

Nach 18 Jahren endet am ersten Mai für Georg Grabner seine Zeit als Landrat des Berchtesgadener Landes. Er übergibt an Bernhard Kern. – Foto: Gerd Spranger

„In einer solchen Situation steht man im Spannungsfeld tiefster Betroffenheit über das Unglück, das Leid der Angehörigen und der Notwendigkeit, einen klaren Kopf für wichtige Entscheidungen bei der Bewältigung des Katastrophenfalls zu bewahren. So musste ich damals etwa mitten in den Bergungsarbeiten für mehrere Stunden einen Stopp verordnen, weil die Sicherheit für die Rettungskräfte nicht mehr gegeben war. Es drohte ein weiterer Einsturz.“

Grabner musste das Leben noch etwaiger Verschütteter mit dem der Einsatzkräfte abwägen. Die Sachverständigen konnten nicht ausschließen, dass sich noch Verschüttete unter den Trümmern befinden, und durften darüber hinaus das Leben der Einsatzkräfte nicht gefährden. „Die ganze, über Tage angespannte Situation, erlebten ich und der Führungsstab des Katastrophenmanagements wie in einem Film, fast surreal, wir standen unter Dauerstress und höchster Anspannung.“

Engagieren für die Hospizbewegung

Eine Erfahrung, die nachwirkte bei Georg Grabner, nicht nur in der Bewältigung der aktuellen Krise. Er will sich nach seiner aktiven Zeit als Landrat in der Hospizbewegung engagieren. „Bereits 2005, als in München die ersten Palliativstationen ihre Arbeit aufnahmen, ist es mit enormer Unterstützung von Dr. med. Birgit Krause-Michel gelungen, so eine Palliativstation im Reichenhaller Krankenhaus einzurichten. Dort, wo die ärztliche Kunst ihre Grenzen findet, lebenserhaltende und operative Maßnahmen nicht weiterhelfen, ist die Würde des Menschen bis hin zum Tod ein heiliges Gut. Es ist unser letzter Lebensabschnitt. Ich denke mit Grauen daran, wie in früheren Jahren sterbende Menschen irgendwohin, einsam in eine Kammer geschoben wurden, weil man den Tod niemandem zumuten wollte.“

Inspiriert habe ihn dabei besonders das Engagement von Alois Glück. Der Ex-Landtagspräsident baute im Landkreis Traunstein und später auch im Landkreis Berchtesgadener Land das Netzwerk Hospiz auf, und nur zwei Jahre nach der Eröffnung der ersten stationären Palliativstationen in Deutschland, besuchten ausgebildete „Brückenschwestern“ ambulant die Schwerkranken nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus zuhause. Vorläufiger Höhepunkt in der Region wird die Eröffnung der Klinik Chiemsee-Hospiz sein. Eine Klinik der drei Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land sowie die Stadt Rosenheim in Bernau am Chiemsee.

Leben und Tod stehen eng zusammen

Wie eng Leben und Tod zusammen stehen, zeigt die aktuelle Krise deutlich. Sie ist noch nicht vorbei und auch das Berchtesgadener Land steht mitten drin. Dabei ist Landrat Georg Grabner Chef des Krisenstabes, bis er am ersten Mai an seinen Nachfolger Bernhard Kern übergibt, der schon jetzt im vollen Umfang im Team eingebunden ist. Grabner trifft sich täglich mit Vertretern der Katastrophenschutzbehörde und Experten des Gesundheitswesens. Die örtlichen Einsatzleiter stehen im engen Austausch miteinander (wir berichteten). „Durch die Erfahrungen der letzten Katastrophen, vor allem durch den massiven Schneeeinbruch im Januar 2019, sind wir ein eingespieltes Team. Das hilft in der Krise, in der man gute Nerven braucht und einen kühlen Kopf bewahren muss.“

Durch die Krise helfen ebenso gut funktionierende

Kreiskrankenhäuser, die es, so ist sich Landrat Georg Grabner sicher, „heute aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen nicht mehr in kommunaler Trägerschaft gäbe, wenn man nicht bereits vor vielen Jahren mit enormen Anstrengungen die Strukturen angepasst und im Jahr 2009 die Kreiskliniken Bad Reichenhall, Berchtesgaden und Freilassing mit den Kreiskliniken in Traunstein und Trostberg zur „Kliniken Südostbayern AG“ fusioniert hätte. Über 42,5 Millionen Euro Eigenmittel investierte der Landkreis von 2002 bis einschließlich 2019 in seine Kreiskliniken. „Natürlich sind wir heute mehr denn je froh, über eine funktionierende kommunal geprägte Struktur“.

Ein weiterer Baustein, der sich jetzt in der Krise bewährt, ist die seit 2015 bestehende Stabsstelle Gesundheitsregion-Plus im Landratsamt. Die Zusammenarbeit der Akteure im Gesundheitswesen wird über diesen Weg seit Jahren gefördert und verstärkt. Die Sicherstellung der wohnortnahen, medizinischen Versorgung sowie die Verankerung von Gesundheitsförderung und Prävention stehen dabei im Mittelpunkt.

45 Millionen Euro für die Bildung

Die Förderung von Bildung, Wirtschaft und Handwerk war Landrat Georg Grabner immer ein Anliegen.

Ein besonderes Herzensanliegen ist Landrat Grabner seit Beginn seiner Amtszeit die Förderung der Bildung im Landkreis. Im Bereich der Bildung lag der absolute Schwerpunkt der Investitionen, und hier vor allem für die Schulen, nämlich 45 Millionen Euro. „Da gab es zwar staatliche Zuschüsse, dennoch waren dies in Summe die größten und wichtigsten Investitionen. Das zeigt der Erfolg, der uns ganz offiziell zur Bildungsregion geführt hat.“ Georg Grabner nennt dabei das Schülerforschungszentrum zusammen mit der Technischen Universität München für die MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ) als Leuchtturmprojekt weit über die Landkreisgrenzen hinaus, aber auch die Investitionen in die Gymnasien, die Realschule sowie die Berufsschule. Besonders zu erwähnen sei die Berufsschule Plus. Sie ermöglicht einen Berufsabschluss mit dem gleichzeitigen Erwerb des Fachabiturs „Wir haben uns da ein wenig was von Österreich abgeschaut, wo seit Jahrzehnten erfolgreich die berufliche Ausbildung mit der Matura verbunden ist. Das System hat sich auch bei uns bewährt, so dass wir damit zur Modellregion für ganz Bayern geworden sind.“

Vieles rückt in der Coronakrise in den Hintergrund, scheint an Bedeutung zu verlieren. Umso wichtiger ist es darum in der Krise selbst, und auch in der Zeit danach, auf gute Strukturen aufbauen zu können. So freut sich Landrat Georg Grabner etwa einen schuldenfreien Landkreis an seinen Nachfolger übergeben zu können und erinnert: „Zwischendurch hatten wir einen Schuldensaldo von 43 Millionen Euro und noch große Projekte vor uns.“ Zugleich verweist er auf die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes, die Einstellung eines Klimaschutzmanagers, die Erstellung eines Energienutzungsplanes für den gesamten Landkreis sowie die Gründung einer Energieagentur zusammen mit dem Landkreis Traunstein.

„Noch zur Jahreswende hat es ein einziges beherrschendes Thema gegeben, und das war der Klimawandel. Auch hier haben wir unsere Hausaufgaben gut, ja sehr gut gemacht“, ist Grabner überzeugt. „Der Energienutzungsplan Berchtesgadener Land setzt in der kommunalen Energieplanung bis heute bayernweite Standards, ist Musterbeispiel einer digitalen und innovativen kommunalen Energieplanung.“

Wirtschaftsservice ist stark gefragt

Viel Arbeit bekommt aktuell die Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH. Die Telefone stehen kaum still. Es herrscht Angst und große Verunsicherung bei den Unternehmen. Wie soll es weiter gehen? Sechs Wochen behördlich verordneter Stillstand sind eine lange Zeit. In der Hotellerie und Gastronomie ist kein Ende abzusehen. „Noch vor meiner Zeit als Landrat hatte ich im Kreistag einen Antrag auf die Gründung einer Wirtschaftsagentur gestellt, die wir dann 2002 mit einem Geschäftsführer und einer Halbtagskraft eröffnen konnten. Heute haben wir neben dem Geschäftsführer noch zehn Fachkräfte mit im Team“, freut sich Georg Grabner über den Erfolg der Einrichtung.

Eines der großen Projekte der letzten Jahre, nämlich die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes für den Landkreis, für den 2018 ein eigenes Mobilitäts-Gutachten erstellt wurde, wird der neue Landrat Bernhard Kern zum vorläufigen Abschluss bringen. „Die Weichen dafür sind gestellt, die Verwaltung mit dem Verkehrsmanager,

dessen Stelle 2007 neu geschaffen wurde, sowie der Kreistag haben dafür schon vieles auf den Weg gebracht. Es geht jetzt um die konkrete Umsetzung, von der Verbesserung des ÖPNV bis hin zum Alltagsradwegenetz und der Steigerung der Elektromobilität. Das wird weiterhin eines der großen künftigen Themen bleiben.“

Der Geschichte auf der Spur

Alt-Landrat Georg Grabner wird sich dann bei der Senioren-Uni 55plus an der Universität Salzburg eingeschrieben haben, wenn die Grenzen in den nächsten Monaten wieder öffnen. Ein Studium der Geschichte liegt ihm am Herzen. „Unsere Region, das Berchtesgadener und Salzburger Land, sind seit dem frühen Mittelalter immer wieder in den Focus europäischer Machtpolitik gerückt, im Ringen zwischen kirchlicher und weltlicher Macht. Vor allem der Reichtum des Salzes waren dabei ein begehrtes Gut. Wir finden dazu noch heute viele Zeugnisse in unserer Region. Ich freue mich darauf, mehr zu den Hintergründen zu erfahren.“

So geht Landrat Georg Grabner nach eigenen Worten ohne „hochtrabende Pläne“ in den Ruhestand. „Die Coronakrise findet hier vielleicht die einzig positive Auswirkung. Wir sind in unserem Alltag alle zum ‚Inne-Halten‘ gezwungen worden. Entschleunigung war auch zuvor schon ein geläufiger Begriff. Wir haben dies jetzt aber zwangsweise und eindrücklich erlebt und neu erfahren müssen. Vielleicht bringt das auch eine positive Wende mit sich, hin zu mehr Regionalität und hin zu unseren Mitmenschen.“

Interview: Gerd Spranger

Kinder dürfen nicht spielen

E I N     K O M M E N T A R

Selbst auf dem kleinsten Spielplatz in Bayern lauert die Gefahr vor dem Corona-Virus. Kinder dürfen nicht spielen.

(gsp) Kinder, Kinder! Sie dürfen nicht mehr spielen, nicht einmal alleine auf dem Spielplatz, mit Freunden schon gar nicht. Sie selbst sind zwar nicht gefährdet, ihre Eltern eigentlich auch nicht, aber Oma und Opa. Darum gibt es hier eine Kontaktsperre. Doch Kinder dürfen nicht spielen, nicht einmal alleine auf dem Spielplatz, mit Freunden schon gar nicht.

Oma und Opa sind tabu, auch des Nachbars Kinder. Kita ist zu, Kinder in der Isolationshaft mit den Eltern, mit der Allein-Erziehenden Mutter? Kinder spüren das, ich erlebe schon heute ihre Bedrückung, sie schleicht sich ins Gemüt. Von Natur aus fröhlich und einander zugewandt müssen sie jetzt auf Distanz gehen, Distanz lernen, sich distanzieren. Kinder dürfen nicht spielen, nicht einmal alleine auf dem Spielplatz.

Das Oma-Opa-Trauma wird bleiben. Sie fühlen sich schon heute schuldig wenn sie sterben. Sie könnten es ja letztlich gewesen sein, die angesteckt, an ihrem Tode schuld. Kinder vergessen nicht, Kinderseelen sind empfindsam, wir fahren mit der Walze darüber. Kinder dürfen nicht spielen. Warum? Weil sie eine Gefahr für alle sind oder gar ein Opfer für alle?

Weitere Links zum ‚Thema bzw. von Presse-Artikeln, die wenige Tage nach Veröffentlichung meines Kommentars erschienen sind:

https://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-kitas-kristina-schroeder-1.4886195

https://www.welt.de/politik/deutschland/article207495827/Kitas-und-Schulen-Fortgesetzte-Schliessung-von-Kitas-und-Grundschulen-nicht-zu-verantworten.html

 

Ferienausschuss des Landkreises tagt trotz Coronakrise

Foto: Ein ungewöhnlicher Anblick bot der Ferienausschuss des Landkreises Berchtesgadener Land. Atemschutz und große Abstände sorgten für ein hohes Maß an Sicherheit. Fotos: Gerd Spranger

Die April-Tagung des Kreisausschusses des Berchtesgadener Land war historisch, denn sie stand mit Atemschutzmasken und weiten Sicherheitsabständen ganz im Zeichen des Coronavirus. Als Sonderform wurde ein Ferienausschuss berufen, der sonst nur auf Ebene der Gemeindeverwaltungen üblich ist. Landrat Georg Grabner betonte: „Wir haben eine Umlaufzustimmung von über 50 Kreisräten erhalten. Gemäß dem Stimmanteil der Fraktionen war im Ferienausschuss nur jeder dritte Platz besetzt. Georg Grabner bat, sich angesichts der besonderen Umstände kurz zu fassen, die ausführlichen Vorlagen seien für die Kreisräte ja bereits seit Tagen im internen Informationsdienst des Landratsamtes eingestellt und nachzulesen.

Letzte Sitzung des Kreistages
mit Landrat Georg Grabner

Die besondere Sitzung des Ferienausschusses war zugleich die letzte Kreistagssitzung von Landrat Georg Grabner, der nach 18 Dienstjahren offiziell an seinen Nachfolger Bernhard Kern übergibt. Viele langjährige Kreisräte sprachen Landrat Georg Grabner für sein Engagement über fast zwei Jahrzehnte für den Landkreis ihren Dank aus. Ein ‚Dankeschön‘ erging auch an Nicole Fegg, der Fachbereichsleiterin für das Finanzmanagement. Sie und ihr Team haben über viele Monate hinweg die Umstellung des Haushaltes des Landkreises von der Kameralistik, die eher einer einfachen Buchhaltung entspricht, hin zum doppischen System und damit zur doppelten Buchführung bewältigt. Landrat Georg Grabner merkt dazu an: „In der freien Wirtschaft arbeiten nur noch Kleinstbetriebe mit einer einfachen Buchführung. Alle anderen sind ’seit ewigen Zeiten‘ zur doppelten Buchführung mit Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz verpflichtet.“ Im doppischen Haushalt würden zur Finanz-, Ertrags-, und Vermögenslage zusätzlich Informationen über Produkte mit den jeweiligen Zielen und Kennzahlen als Gestaltungsmöglichkeit des Kreistages und der Verwaltung abgebildet.

Schuldenfreier Landkreis
und niedrige Kreisumlage

Erstmals in der Geschichte des Landkreises sei es möglich, die Kreisumlage mit 44 Prozent auf den tiefsten Stand ihrer Geschichte zu setzen. Dies war möglich, da der Landkreis Berchtesgadener Land heute schuldenfrei sei. „Zu Beginn meiner Amtszeit im Jahr 2002 musste der Landkreis eine Schuldenlast von 32 Millionen Euro tragen und zwischenzeitlich sogar 43,2 Millionen. Zum 31.12.2019 verbuchen wir noch 12 Millionen Schulden, denen liquide Mittel von rund 22,3 Millionen Euro gegenüberstehen. Wir übergeben damit der nächsten Generation ein tragfähiges Erbe“, bekräftigte Grabner, sprach aber zugleich negative Folgen der Cornakrise an, die sich die nächsten Jahre auch im Landkreis bemerkbar machen würden. Kreisrat Hans Metzenleitner plädierte darum für ein faires Miteinander von Landkreis und Gemeinden. „Wir müssen die Balance halten, die Krise wird uns noch alle fordern und wir dürfen nicht über unsere Belastungsgrenzen gehen.“

23,5 Millionen für die
drei Klinikstandorte

In einem kurzen Rückblick erinnerte Grabner an die großen finanziellen Leistungen des Landkreises für die Kliniken. „Angefangen mit einer Zahlung von sieben Millionen Euro an die Stadt Bad Reichenhall für das ehemals Städtische Krankenhaus, über die Baumaßnahmen an der Kreisklinik Berchtesgaden mit fast vier Millionen, der Defizitausgleich der Kreiskliniken von 5,5 Millionen und eine Liquiditätshilfe für die Kliniken Südostbayern im Jahr 2014 von fünf Millionen Euro. Dazu leistet der Landkreis seit 2018 einen jährlichen Investitionskostenzuschuss von einer Million Euro für die Kliniken SOB AG.“ Landrat Georg Grabner summierte so die Investitionen in die drei Klinikstandorte des Landkreises auf 23,5 Millionen Euro. Als weiteren Schwerpunkte nannte der Landrat die zentrale Verwaltung, wo in den nächsten Jahren besonders der Neubau des Dienstgebäudes belasten werde und das Thema „Schulen und Kultur“. Grabner bezeichnet es als einen Schwerpunkt der Arbeit des Landkreises und zugleich als ein persönliches Herzensthema.