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Ministerin Kaniber zeigt Solidarität mit der Hotellerie und Gastronomie

Gleich zwei prominente Gäste konnte der Kreisvorsitzende der Dehoga-Bayern zur Jahresversammlung im Wellness- und Natur-Ressort Gut Edermann in Teisendorf begrüßen. Die Präsidentin des Dehoga-Bayern und Geschäftsführerin von Brauerei und Gaststätte Aiying, Angela Inselkammer, und als Überraschungsgast Michaela Kaniber, Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Sie wollte ein Jahr nach dem abrupten Lockdown im Berchtesgadener Land ihre Solidarität mit der Branche zeigen.

Eine prominente Runde zur Kreisversammlung des Dehoga-Bayern im Berchtesgadener Land (v.r.): Ministerin Michaela Kaniber, Kreisvorsitzender Johannes Hofmann, Dehoha-Referentin und Geschäftsführerin Susanne Droux und die Präsidentin des Dehoga-Bayern, Angela Inselkammer – Foto: Gerd Spranger

Zusätzlich motiviert sei sie, weil ihre Eltern über Jahrzehnte hinweg einen Gastronomiebetrieb führten und ihre Schwester bis heute ein Hotel in Bad Reichenhall. „Wir haben uns in Zeiten des Lockdowns wöchentlich getroffen und ich habe mir viel anhören müssen, was wir in der Politik der Branche zumuten.“ Mut mache ihr aber, dass man jetzt nicht „in einem Tal der Tränen“ verharre, sondern als Unternehmer wieder anpacke und nach vorne sehe. „Ja“, räumt sie ein, „ es ist in Deutschland schwer die Dinge unkompliziert zu handhaben. Wir verkomplizieren Sachverhalte gerne und bewegen uns dann wenig.“

Mehr Eigenverantwortung gefordert

Das bekräftige auch Angela Inselkammer. „Wenn wir einen Rest von 20 Prozent Eigenverantwortung bei den Menschen belassen würden, bräuchten wir die Prozesse nicht zu 150 Prozent regeln und kämen mit nur 50 Prozent an Verordnungen und Bestimmungen aus.“ Sie machte es an einem Beispiel fest. „Verletzt sich jemand an einer offen stehenden Tür, müsste man nicht gleich nach Hersteller und beauftragten Handwerksunternehmen fragen, sondern für sich selbst einfach die Lehre ziehen besser aufzupassen.“

46 Millionen Euro an 2100 Betriebe

Ein Thema was beiden Frauen, unsere Gesellschaft und vor allem auch die Gastronomie und Hotellerie beschäftigt, sind weiter die Corona-Verordnungen. „Die finanziellen Hilfen sind geflossen, in Bayern bislang über sieben Milliarden Euro. Im Berchtesgadener Land wurden fast 46 Millionen an 2100 Betriebe aus der Hotellerie und Gastronomie ausbezahlt, 58,5 Prozent der Hilfen. Es war eine Gemeinschaftsleitung, um die Branche vor Betriebsschließungen zu bewahren,“ bekräftigt Kaniber.

„Wir brauchen Planungssicherheit“

„Es ist aber an der Zeit, für uns alle, und vor allem für die Hotellerie- und Gastronomie, wieder Planungssicherheit zu schaffen. Immerhin“, so Angela Inselkammer, „sieht sich immer noch ein Viertel der Branche in seiner Existenz gefährdet und ein Fünftel denkt über eine Betriebsaufgabe nach. Es war eine brutale Zeit für uns und so etwas haben wir selbst über zwei Weltkriege hinweg in unserer 200 Jahre alten Firmengeschichte noch nie erlebt. Dennoch“, so Inselkammer, „müssen wir nach vorne sehen und raus aus der epidemischen Lage. Wenn 80 Prozent der Menschen geimpft oder genesen sind, haben wir das Ziel erreicht.“ Dem stimmte auch Ministerin Michaela Kaniber zu, wollte nicht von einem Impfzwang sprechen, gab aber zu bedenken, „dass ein hoher Inzidenzwert – und im Berchtesgadener Land haben wir deutschlandweit den dritthöchsten – nicht für eine Urlaubs- und Tourismusregion werben.“

Sonderopfer der Branche

Glückwünsche für 50 Jahre Treue zum Dehoga-Bayern (v.l.): Ministerin Michaela Kaniber, Jutta Grünberger vom Hotel Grünberger in Berchtesgaden, Kreisvorsitzender Johannes Hofmann und die Präsidentin des Dehoga-Bayern, Angela Inselkammer.

Angela Inselkammer bekräftigte noch einmal das gebrachte Sonderopfer der Branche. „Mit guten Hygienekonzepten hat die Hotellerie und Gastronomie niemals die Gesundheit von Menschen gefährdet. Die plötzlichen Schließungen hatten einen anderen Grund. Die Menschen sollten nach getaner Arbeit nach Hause gehen um sich nicht mehr privat zu treffen und damit die Kontakte zu reduzieren. Der Politik war das bewusst“, unterstellt sie, „ und hat darum sehr großzügig Hilfen von 75 Prozent des letztjährigen Nettoumsatzes gewährt. Es war angemessen, aber auch überaus großzügig. Das wird in dieser Höhe nicht mehr vorkommen“, prophezeit sie. „Nach anfänglichen Schwierigkeit hat die IHK in Bayern ganz Großartiges geleistet und die Hilfen sind schnell geflossen. Wenn es bei einzelnen Betrieben ’noch hängt‘, liegt es häufig an falschen Angaben der Steuerberater. Jeder gastronomische Betrieb darf sich aber an uns wenden, wir helfen weiter“, verspricht sie.

Bessere Vernetzung mit Erzeugern

Die engagierte Vorsitzende und Unternehmerin nutzte die Gunst der Stunde und fragte bei Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber gleich nach, ob eine bessere Vernetzung zwischen Direktvermarktern und der Hotellerie und Gastronomie möglich sei. Sie antwortete umgehend: „Es gibt mit der Öko-Modellregion bereits erste Ansätze in diese Richtung, regionale Anbieter arbeiten mit dem Handel gut zusammen. Das Problem sind die Zwischenschritte, etwa bei der Schlachtung und Veredelung von Fleisch, obwohl in Bayern noch 1800 Metzgereien tätig sind. Generell ist die Nachfrage nach Bio und Regionalität sehr hoch. Wir geben täglich 1,8 Millionen Mittagsessen aus, rechnet man Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser zusammen. Es macht sicher Sinn, die Gastronomie mit einzubinden.“ Als ein positives Beispiel nannte sie die Initiative von Hotelier Johannes Lichtmannegger aus der Ramsau. „Hier hat man es verstanden, mit Almbauern und Fischerei einen Zusammenschluss zu finden. Jüngst wurde sogar noch um eine eigenen Käserei ergänzt.“

Reduzierte Steuer muss bleiben

Auf der Tagesordnung der BHG-Kreisversammlung standen noch weitere wichtige Themen auf der Tagesordnung. Bis 2023 profitiert die Branche auf Lebensmittel etwa noch von einem reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent und hofft auf eine Beibehaltung dieser „unkomplizierten und für alle förderlichen Regelung.“ Auch erlebt der Dehoga-Branchenverband durch die Corona-Pandemie nicht einen befürchteten Schwund an Mitgliedern, sondern verzeichnet ein leichtes Plus, so dass man heute 12.000 Mitgliedsbetriebe zählt. Auf sie entfalle fast 80 Prozent des Branchenumsatzes. Ein großes Thema nahm die Weiterbildung, Berufsausbildung, die Gewinnung von Fachkräften bis hin zur Unternehmenskultur ein.

„Die Krise ist für die Hotellerie und Gastronomie noch nicht vorbei“

Die Gastronomie und Hotellerie hat die Corona-Lockdowns überstanden, doch in wie weit, ist abschließend noch nicht zu sagen. Die Hilfen des Freistaates Bayern (wir berichteten) hat zwar auch im Berchtesgadener Land gegriffen, „doch die Nachwirkungen sind trotz eines sehr guten Sommergeschäftes noch deutlich spürbar“, äußert sich der Kreisgeschäftsführer des Dehoha-Bayern, Johannes Hofmann. „Persönlich kenne ich einige Gastronomen, die während der Pandemie ihre private Altersvorsoge aufgegeben haben. Es fehlt am Personal, an gut ausgebildeten Fachkräften und am Berufsnachwuchs. Dreijährige Ausbildungen sind nicht mehr zeitgemäß, die jungen Menschen müssen und wollen schneller in den Beruf. Gerade bei ihnen gibt es einen hohen Anteil, der mit ’schnellen Jobs‘ gleich gut verdient, sich aber zehn Jahre später wundert, über keine gute Ausbildung zu verfügen.“

Glückwünsche für 40 Jahre Treue zum Dehoga-Bayern (v.l.): Ministerin Michaela Kaniber, Kreisvorsitzender Johannes Hofmann, Anton Sandholz vom Gasthof Rehwinkl in der Ramsau und die Präsidentin des Dehoga-Bayern, Angela Inselkammer.

Diese direkte Ansage rief sofort Sabine Ofner, stellvertretende Leiterin der Staatlichen Berufsschule mit Berufsfachschule aus Freilassing auf den Plan. „Das ist so nicht richtig. Wir haben ein einjähriges Berufsgrundschuljahr, in der die jungen Menschen eine gute Wissensbasis vermittelt bekommen. Es gibt auch eine zweijährige und dreijährige Ausbildung. Es muss in ihrem Interesse sein, gut ausgebildete Kräfte und damit die späteren Führungskräfte in den Betrieben zu haben. Nutzen Sie mehr die einjährige Ausbildung. Sie qualifiziert und hat niedere Hürden“, schloss sie ihr Plädoyer.

Tourismus und Gastronomie galten als krisensicher

Tatsächlich aber hat sich die Perspektive verschoben. „Eigentlich galt eine Karriere im Tourismus oder in der Hotellerie und Gastronomie als Krisensicher. Dieses Urvertrauen ist nachhaltig gestört worden“, bedauert die Präsidentin des Dehoga-Bayern, Angela Inselkammer. Dr. Anja Friedrich-Hussong vom Wirtschafsservice des Berchtesgadener Landes empfahl eine bessere Vernetzung. „Wir haben für Ausbildungsberufe eine eigene Broschüre aufgelegt und dabei natürlich auch die gastgewerblichen Berufe aufgenommen. Wir gehen damit in die Schulen und auch auf Messen.“

Bald eine 4-Tage-Woche?

Alle waren sich darüber einig, dass man bei den gastgewerblichen Berufen die jungen Menschen wieder mehr mitnehmen muss. Sie setzen heute andere Prioritäten, wollen Zeit für die Familie und die Kinder haben. Eine 5-Tage-Woche sollte Normalität sein. Susanne Droux vom Dehoga-Bayern ging sogar noch einen Schritt weiter. „Junge Menschen stellen Spaß und Selbstverwirklichung in den Vordergrund und sind bereit, dafür die berufliche Karriere zurück zu stellen. Wir müssen über Arbeitszeit-Modelle wie etwa viermal zehn Stunden reden, wir müssen flexibel sein.“

Auch „Chefs“ müssen entspannt sein

„Der Kreislauf einer überhitzten Arbeitsatmosphäre beginnt schon bei den Chefs“, weiß Johannes Hofmann aus 32jähriger gastronomischer Selbständigkeit. „Dabei darf man auch die Ausflugsgastronomie, die hier im Berchtesgadener Land stark vertreten ist, nicht aus den Augen verlieren. Sie müssen in fünf Sommermonaten ihr Geschäft machen und da ist an einen Ruhetag einfach nicht zu denken. Und dennoch“, ergänzt er, „ sollten sie mehr Gelassenheit lernen und nicht vergessen, dass unsere Berufe auch viel Spaß und Freude vermitteln. Das ist ja unser Kerngeschäft, dem Gast das besondere Erlebnis zu bieten. Wir müssen es auch selbst leben.“

Gute Mitarbeiten im Focus behalten

Susanne Droux ist beim Dehoga Bayern Geschäftsführerin für den Bereich Berufsbildung und Branchenförderung. Sie vertiefte das Thema in einem Referat weiter und markierte dabei vier zentrale Punkte: „Die Branche ist gefordert pünktlich ein faires Gehalt zu bezahlen, bei den Arbeitszeiten den Mitarbeitern mehr entgegen zukommen und letztlich selbst eine Unternehmenskultur zu fördern, um den Beschäftigten auch eine emotionale Heimat zu bieten, wo sie gerne arbeiten. Der Gastronom darf als Unternehmer nicht nur den Gast im Focus haben, ebenso wichtig für ihn sind als Dienstleister gute und motivierte Mitarbeiter“, fordert sie.

Fachkräfte aus Drittländern

Susanne Droux informierte weiter über die Gewinnung von Fachkräften aus Drittländern wie Marokko, Tunesien oder Vietnam. Der Dehoga hat dafür eine eigene Fachstelle in Nürnberg geschaffen. „Wir bündeln hier die Leistungen, so dass es eine zentrale Stelle und damit einen Ansprechpartner gibt, um allen Formalitäten und Hürden des Fachkräfte-Einwanderungsgesetzes gerecht zu werden. Wir stocken dafür von aktuell zehn auf 35 Mitarbeiter auf.“ Voraussetzung ist allerdings eine berufliche Qualifikation des Einwanderungswilligen. „Dabei gibt es die Hürde, dass im Ausland das duale Ausbildungssystem, wie wir es in Deutschland kennen, nicht Standard ist. Der oder die Betreffende haben aber dann die Möglichkeit, sich in den vier Jahren ihres Aufenthaltes weiterzubilden, etwa mit Kursen wie wir sie vom Dehoga aus anbieten.“ Weitere Voraussetzungen sind die Bezahlung nach Tarif, eine Wohnung und letztlich die Zufriedenheit des Beschäftigten, denn er kann das Arbeitsverhältnis auch wieder beenden oder sich einen anderen Arbeitgeber suchen. Alle interessierten Arbeitgeber sollten sich aber bereits jetzt melden, um etwa im Frühjahr oder Sommer eine Fachkraft zu verpflichten. Das Kontingent ist sonst ausgereizt.

Direkte Ansprache vor Ort

Johannes Hofmann empfiehlt für die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte einen anderen, für ihn erfolgversprechenderen Weg. „In Bayern arbeiten viele Menschen und Gastronomen mit Migrationshintergrund. Junge Menschen leben bereits hier und ihre Familien sind häufig integriert. Sie kennen sich untereinander, sind vernetzt und kennen die Sprache ihrer Heimatländer. Wir müssen aktiv auf sie zugehen, ihnen Perspektiven einer Aus- und Weiterbildung aufzeigen. Das ist ein erfolgreicher und schneller Weg.“ Bei der Praxis, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, sieht er ein großes Handicap. „Wendet man sich auf der Suche nach ausländischen Fachkräften an die Botschaften, muss man häufig bis zum ersten Januar warten, um neue Kontingente zu nutzen. Bereits am zweiten Januar aber sind die Botschaften online nicht mehr zu erreichen, denn das System ist dann schon völlig überlastet. Das hilft nicht weiter.“

Nach zwei Jahren „Versammlungspause“, bedingt durch die Corona-Verordnungen, nutzte der Dehoga das Treffen für eine Ehrung langjähriger Mitarbeiter. Ausgezeichnet wurden:

Für 40 Jahre Mitgliedschaft:

Anton Sandholz, Gasthof Rehwinkl, Ramsau
Culina Brancka, Gaststätte Neuwirt, Anger

Für 50 Jahre Mitgliedschaft:

Gertrude Gassner, Schlossberghof Marzoll, Bad Reichenhall
Jutta Lieselotte Grünberger, Hotel Grünberger, Berchtesgaden

Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden für den Landkreis?

Branchenvertreter mit klarem Statement  Wirtschaftshilfe BGL zeigt sich zögerlich

Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger
Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger

Wie hoch ist der Schaden für den Tourismus mit den betroffenen Branchen von Hotellerie, Gastronomie, Handel und Freizeiteinrichtungen – von den Thermen bis zu den Bergbahnen – nach sechs Monaten Stillstand. Wie stellt sich die wirtschaftliche Lage im Landkreis dar, wollten wir als Redaktion wissen. Erster Ansprechpartner in der Region ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises. 

Sie unterstützt nach eigener Aussage mit einem Team von elf Mitarbeitern „Unternehmerinnen und Unternehmer umfassend, individuell und vertraulich“. Vor vier Wochen baten wir um aktuelle Zahlen, bis heute könne man dazu keine Angaben machen, „man wisse es ganz einfach nicht, arbeite aber daran“, ließ Geschäftsführerin Dr. Anja Friedrich-Hussong ausrichten. Jetzt steht endlich ein Termin fest. Wir haben uns vorher bereits umgehört.

Keiner nennt das Ausmaß
der Kollateralschäden

Interessiert hätte uns, wie hoch der Wirtschaftseinbruch für den Landkreis im Jahr 2020 ausfällt. Deutschlandweit sollen es fünf Prozent gewesen sein, in unserer vom Tourismus geprägten Region dürfte er höher ausfallen. Nach dem Wegfall des Weihnachtsgeschäftes bleiben im neuen Jahr für viele Unternehmer die Türen geschlossen. Sie dürfen nicht aufsperren, nicht vermieten und auch keine Gäste befördern oder bewirten. Ein Jahresumsatz von 487 Millionen Euro im Jahr 2019, laut Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif), zeigt die Bedeutung der Branche für das Berchtesgadener Land. Tourismusmanagerin Dr. Brigitte Schlögl bezifferte den Umsatzausfall für den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 bereits mit rund 50 Millionen Euro für den Landkreis.

Einbruch von 36 Prozent

Dehoge-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann

„Ein überaus starker Sommer verhinderte zwar das Schlimmste“, bekennt Dehoga-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann, „die Reisen ins Ausland waren ja nur erschwert möglich, doch die Einbrüche im Landkreis liegen zwischen 16 und 36 Prozent, je nach Region.“ So verlor Berchtesgaden im Jahr 2020 knapp 370.000 Übernachtungen und Bad Reichenhall mit Bayerisch Gmain 353.000 Übernachtungen. Für Bad Reichenhall aber bedeutet dies bei insgesamt nur 958.000 Nächtigungen ein Minus von 36 Prozent. Die fünf südlichen Landkreisgemeinden brachten es 2019 auf 2,27 Millionen Nächtigungen. Dazu verzeichnete der Landkreis jährlich noch knapp sechs Millionen Ausflugsgäste, die seit Oktober 2020 weitgehend ausbleiben. Je Tagesgast wird ein Umsatz von 24,80 Euro zugrunde gelegt.
Ein aktuelles pdf dazu hier: dwif-wirtschaftsfaktor-tourismus-bgl

Rücklagen aufgebraucht – 
Griff nach der Altersvorsorge

Wieninger Schwabenbräu überbrückt mit einem Außer-Haus-Verkauf.

Wie hoch der angerichtete Schaden dabei ist, kann auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Berchtesgadener Landes aktuell nicht benennen. Wie viel Unternehmerinnen und Unternehmer haben ihre Rücklagen aufgebraucht, teilweises sogar ihre Altersvorsorge investiert? Wie viele „arbeitslose Selbständige“ zählen wir im Landkreis? Wie viele Fachkräfte wenden sich von der Branche ab? Zu all dem gibt es keine Angaben und gerade sie wären zur Beurteilung der Lage wichtig. Erschwerend wirken sich darüber hinaus die verzögerten Hilfen aus. „Erst wenn klar ist was bei den Betrieben ankommt, kann man Bilanz ziehen und das kann noch dauern“, gibt Johannes Hofmann zu denken.

Wirte leben von Hartz IV
Tourismus ohne Zukunft

Tische stehen auf der Bergstation der Jennerbergbahn keine mehr, auch Gäste bleiben seit einem halben Jahr aus. Der Betrieb musste schließen.

Er macht sich Sorge um die Zukunft der Branche: „Ich kenne erste Wirte die Hartz IV beziehen und erste Köche und Servicekräfte die in die Verwaltung, das Handwerk oder in die Dienstleistungsbranche wechseln.“ Noch vor einem Jahr zeichnete sich die Tourismusbranche durch Innovation, Internationalität, Wachstum und einen guten Ruf aus. Das ist jetzt nachhaltig vorbei, „wer will in einer unsicheren Branche noch seine berufliche Zukunft investieren?“ fragt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Selbst Landrat Bernhard Kern, der die negativen Auswirkungen für das Berchtesgadener Land fürchtet, zeigt sich laut seiner jüngsten Pressemeldung „fassungslos über die jüngsten Beschlüsse der Staatsregierung“, sieht die Belange des Landkreises nicht berücksichtigt.

Wo bleiben
die Gelder und Hilfen?

Zu der wirtschaftlich angespannten Situation der Branche kommt noch die schleppende Auszahlung versprochener Hilfen. Hannes Lichtmannegger vom Hotel Rehlegg in der Ramsau, und mit ihm auch alle anderen betroffenen Unternehmen im Landkreis, können erst jetzt im März die Oktoberhilfe beantragen. „Und dabei haben wir aufgrund der Zwangsverordnung des Landkreises über Nacht bei Vollbelegung alle Gäste nach Hause schicken müssen“, erinnert der Hotelier. Für den gesamten Zeitraum von Oktober bis November seien bislang nur 150.000 Euro Überbrückungshilfe geflossen, bei einem Umsatzausfall von zwei Millionen Euro.

Nicht jeder
bekommt einen Kredit

Auch bei der Rupertustherme in Bad Reichenhall „geht nichts mehr“. Parkplatz und Therme sind seit sechs Monaten geschlossen.

“Die Hilfen für November wurden erst im Februar ausbezahlt und für Dezember und Januar sind ebenfalls noch keine Gelder angewiesen“, ergänzt er. Zudem müsse er als Unternehmer das Kurzarbeitergeld für die Angestellten am Monatsanfang ausbezahlen, bekommt es aber erst drei, vier Wochen später wieder erstattet, abzüglich des Arbeitgeberanteils. „Ich schätze mich heute glücklich, dass ich sofort das Gespräch mit meiner Hausbank gesucht habe und sie mir für diese schwere Zeit einen großzügigen Kredit gewährte. Den muss ich natürlich wieder zurückzahlen, größere Investitionen in den Betrieb sind damit für die nächsten Jahre erst einmal gestoppt“, bekennt Hannes Lichtmannegger. Nicht alle Hoteliers und Gastronomen dürften in dieser glücklichen Lage sein. „Bei Pachtbetrieben oder jungen Unternehmen wird es nur bedingt Kredite geben, um sich über diese Monate zu retten“, räumt Johannes Hofmann ein. „Die Situation vieler Betriebe wird zunehmend äußerst kritisch, weder ein Aufatmen durch Umsätze während der Weihnachtszeit, noch die Winter- und Skisaison konnten die schreckliche Situation in den Betrieben verbessern“, führt er in einem persönlichen Schreiben als Dehoga-Kreisvorsitzender an den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aus.

Klare Ansage der Bürgermeister

An ihn wandten sich bereits am 15. Februar alle fünf Bürgermeister des südlichen Landkreises sowie Dr. Bartl Wimmer, Vorsitzender des Zweckverbandes Tourismusregion Berchtesgaden- Königssee, und die Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen und vom Markt Oberstdorf. Sie bezeichnen den Tourismus in der Alpenregion für eine stabile Wirtschaftslage als unverzichtbar und warnen vor der Abwanderung von qualifizierten Fachkräften, denn „die Qualität in den touristischen Betrieben hängt stark von geeignetem Personal ab.“ Zudem „stößt eine mangelnde Planungsperspektive Gäste ab. Buchungen erscheinen unsicher und werden vermieden.“

Nichts für Ferienwohnungen

Sie appellieren bereits im Februar an den Ministerpräsidenten Markus Söder, Beherbergungsbetriebe, Gastronomie und Ausflugsziele gleichzeitig zu öffnen, denn „sonst verliert der Aufenthalt in der Urlaubsregion zu stark an Attraktivität.“ Ein in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommener Aspekt der Lockdowns ist die Schließung von nichtgewerblichen Privatvermietern und Ferienwohnungen. Die Bürgermeister treten auch für sie ein. „Sie zahlen wie jeder andere Betrieb Steuern und Gebühren, erhalten aber trotz großer Umsatzeinbußen keine finanziellen Hilfen.“

Können Hotellerie und Gastronomie die Krise überleben?

Hilfen reichen nicht aus 
BGL-Wirtschaftsservice sieht deutlichen Verbesserungsbedarf  
Altersversorgung für den Betrieb opfern? 

Wenn sich der Morgennebel auflöst, die Sonne uns einen milden Novembertag beschert, scheint die Welt in Ordnung zu sein. Lange Spaziergänge an der frischen Luft stärken das Immunsystem und wir genießen die Ruhe um uns herum. Das ist die Lebenswirklichkeit jener, die etwa bereits ihre Rente beziehen oder über ein sicheres Einkommen verfügen. Für alle anderen, Selbständige wie Hoteliers, Gastronomen und Einzelhändler in den Innenstädten, weht eher ein eiskalter Novemberwind, der bis in die Glieder fährt, einen selbst nachts noch frösteln lässt.

Dr. Thomas Birner:
„Hilfen gehen an vielen Betrieben vorbei“

Dr. Thomas Birner vom Wirtschaftsservice BGL

„Wir helfen der Wirtschaft, den Betroffenen“, war das politische Versprechen für den zweiten Lockdown in Deutschland „und zahlen 75 Prozent des Novemberumsatzes.“ Dr. Thomas Birner, Geschäftsführer des Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice, ist zwar sehr froh, „dass die Unternehmen des Berchtesgadener Landes finanzielle Unterstützung für die Betriebsschließungen speziell in den beiden Oktoberwochen und auch für den November erhalten sollen. Gleichzeitig sieht er erheblichen Verbesserungsbedarf. „Es darf keine Beruhigungspille sein, die womöglich mit einem bösen Erwachen enden könnte und letztlich an vielen Betrieben vorbeigeht. Vertieft hat sich dieser Eindruck bei ihm in vielen Gesprächen mit Betroffenen.

„Null Euro von Null Umsatz bleibt Null“

Zu der Zwangsschließung von Hotellerie und Gastronomie merkt er an: „Bei einem stabilen Geschäft aus dem Tourismus mit einer starken Sommer- und Herbstsaison, wie wir es in den letzten Jahren hatten, brauchen Hotellerie und Gastronomie eine Pause. Es stehen jährlich Investitionen in Renovierung und Modernisierung an, Überstunden wurden abgebaut. Darum war der November meistens der Monat der Betriebsruhen. Daher war der Umsatz in dieser Zeit bei vielen Betrieben gleich Null. Und das soll nun Grundlage der Hilfen sein“, hinterfragt Dr. Birner kritisch. „Ein Unternehmen, das im November 2019 geschlossen hatte, kann also keine Bundeshilfen für den November 2020 beantragen. Und das sind viele. Das bedeutet, es kann auch keine Bayerische Hilfe für den Oktober beantragt werden, denn diese wird nur auf eine gewährte Bundeshilfe aufgesetzt. Denn 38% von Null sind trotzdem Null.“ Zudem sei dieses Jahr ganz anders zu werten.

„Besser den Jahresumsatz heranziehen“

„Durch den Verlust des Oster- und Pfingstgeschäftes durch den ersten Lockdown im Frühjahr, wäre die Branche auf das Geschäft im Oktober und November dringend angewiesen gewesen.“ Deshalb hält er auch das jüngste Versprechen, den Ausfall im Oktober, der die Betriebe durch die zweiwöchige Betriebsschließung aufgrund der Allgemeinverfügung des Landratsamtes in Berchtesgaden getroffen hat, mit 38 Prozent zu vergüten, für nicht sachgerecht. „Sinnvoller wäre es, einen jährlichen monatlichen Durchschnittsumsatz als Basis zu nehmen“, regt der Geschäftsführer des BGL-Wirtschaftsservice an.

„Der Handel geht leer aus“

Bei ihm häufen sich die Anrufe notleidender Unternehmen. „Der Handel in den Innenstädten geht bei all dem leer aus. Es fehlen zudem die Gäste und selbst die Besucher aus dem Salzburger Land“, merkt er an. „Was die Zulieferfirmen angeht, so müssen sie nachweisen, dass sie 80 Prozent ihres Umsatzes in der Gastronomie und Hotellerie tätigen, um hier einen finanziellen Ausgleich zu erwirken, und das wird in den meisten Fällen schwer fallen“, so Dr. Birner. „Im Einzelhandel greift diese Definition überhaupt nicht, da man es dort mit Endkunden zu tun hat, wo ein Nachweis, ob der Kunde ein Urlaubsgast oder Einheimischer ist, ohnehin nicht geführt werden kann.“ Er hofft, „dass das Programm noch nachgebessert wird, damit es auch unseren Unternehmen in dieser schweren Zeit tatsächlich Unterstützung bringt.“ Auch verweist er darauf, dass die Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH bei der Gestaltung von Förderprogrammen mit Expertise zur Verfügung steht, um gerade solche Aspekte aus der Praxissicht mit einzubringen.

Bernhard Holleitner:
„Steuerberater als Erfüllungsgehilfen der Unternehmen“

Steuerberater Bernhard Holleitner

Blickt man hinter die Kulissen, sind aktuell ebenso die Steuerberater gefordert, wie etwa Bernhard Holleitner aus Berchtesgaden. „Wir sind die Erfüllungsgehilfen der Unternehmer. Über uns müssen alle Anträge gestellt werden, und bis heute sind die Regelungen dafür noch völlig unklar.“ Das Problem sieht er dabei weniger im November. „Viele meiner Kunden aus der Hotellerie hätten im November so und so geschlossen“, konstatiert er. Doch in der Gastronomie stelle sich die Situation anders dar. Auch sei der frühzeitige Lockdown im Oktober anders zu bewerten. „Es gab über Nacht eine Abreiseverpflichtung für die Gäste und der entstandene Schaden war direkt.“

„Wann und wie greifen die Hilfen?“

Das ganze Thema zu den Hilfen rund um den ersten und zweiten Lockdown ist komplex, so der Steuerberater. „Anspruch auf Überbrückungshilfe etwa besteht von Juni bis Dezember. Bei der außerordentlichen Wirtschaftshilfe ist der November des Vorjahres maßgebend, doch die genauen Regelungen dazu sind noch nicht festgelegt. Anträge dazu können wohl erst Ende November gestellt werden und andere Unterstützungsmaßnahmen wie Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld werden angerechnet. Die außerordentlichen Wirtschaftshilfen für den Oktober schätzt Steuerberater Bernhard Holleitner als „nicht sachgerecht“ ein, denn sie setzen auf einen schwachen Novemberumsatz auf. Er fordert, dass der Umsatz vom Oktober 2019 als Grundlage verwendet wird. Für die Gastronomie gäbe es in all dem noch eine gute Nachricht im Hinblick auf die Förderung. „Die Kosten für den Wareneinsatz werden nicht in Abzug gebracht.“ Das eigene Unternehmerhonorar hingegen sei auf diesem Wege nicht förderbar, da es in der Regel keinem sozialversicherungspflichtigen Einkommen entspreche.

Thomas Riedl:
„Hoher Aufwand für die Sicherheit der Gäste“

Johannes Hofmann (Dehoga) und Thomas Riedl (Schwabenbräu) kritisieren das Handeln der Politik.

Einer der Betroffenen der Lockdowns ist Thomas Riedl, seit 23 Jahren betreibt er die Traditionsgaststätte Schwabenbräu in Bad Reichenhall. „Bis 2019 hatten wir 42 Angestellte im Betrieb, nach dem ersten Lockdown reduzierten wir auf 35“, erzählt er. Um den Schaden aus dem ersten Lockdown aufzufangen, habe er bereits einen sehr hohen fünfstelligen Betrag privat in das Geschäft investieren müssen. „Allein die Investitionen, um den Betrieb mit den ganzen Sicherheitsmaßnahmen, einem ausgereiften Hygienekonzept über den Sommer hinweg aufrecht halten zu können, mussten wir zusätzlich 10.000 Euro aufwenden. Wir haben den Einlass kontrolliert, um die Angaben der Daten unserer Gäste zu gewährleisten, sowie die Einhaltung der Maskenpflicht ‚bis zu den Tischen‘. Zusätzlich noch Hygienemaßnahmen wie das Desinfizieren der Hände und der Tische nach jedem Gästewechsel, 1000 Kugelschreiber haben wir über die Monate hinweg benötigt, die Servietten wurden nicht aus dem Krug entnommen, sondern in eigenen Taschen mit dem Besteck für jeden Gast bereitgestellt,“ zählt er die zusätzlichen Maßnahmen auf. Umso mehr ärgert es ihn, dass jetzt ausgerechnet die Gastronomie ein Bauernopfer der Krise ist, die sich besonders um Sicherheit bemüht hat. „Wir haben glücklicherweise ein tolles Team in Küche und Service, alle haben sich engagiert und aktiv mitgearbeitet und wir waren auf einem guten Weg, unsere Verluste wieder etwas auszugleichen.“

„Jede Hoffnung auf Gewinn begraben“

Dann aber trat zum 14. Oktober über Nacht die Allgemeinverfügung des Landratsamtes für das Berchtesgadener Land in Kraft. „Unser Gäste mussten abreisen, einige wichen in den Chiemgau aus, und auch die Gastronomie wurde erneut zugesperrt. Das hat jede Hoffnung begraben, die Krise halbwegs gut zu überstehen. Bleibt auch der Dezember zu, so werden wir wohl nur 50 Prozent unseres Jahresumsatzes schaffen“, prognostiziert Thomas Riedl. „Und ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass mit dem Aufsperren des Betriebes das Geschäft gleich wieder in vollem Umfang anlaufen wird“, fügt er an.

Johannes Hofmann:
„Die meisten Betriebe werden nicht überleben“

Johannes Hofmann, Kreisvorsitzender des Dehoga Bayern, sieht in der Traditionswirtschaft „Schwabenbräu“ einen gesunden, wirtschaftlich starken Betrieb. „80 Prozent der Gastronomie aber sind nicht so gut aufgestellt. Für sie ist der zweite Lockdown trotz Fördermaßnahmen existenzbedrohlich“, schätzt er die Lage der Branche ein. „Es kann auch nicht angehen, dass Wirte zum Teil ihre Altersversorgung, häufig die Lebensversicherung, aufkündigen müssen, um die staatlich verordneten Betriebsschließungen zu überstehen.“ Er begrüßt etwa die Entscheidung des Tourismusministerium in Wien. Als gute Geste erhalte das Servicepersonals einen steuerfreien Zuschuss von hundert Euro für entgangene Trinkgelder. „Ein zweites Desaster wie der brutale Lockdown im Berchtesgadener Land vom 20. Oktober ist für die Branche nicht akzeptabel“, so Hofmann. „Wir brauchen eine gewisse Vorlaufzeit, Planungssicherheit und dann eine Garantie, dass die Betriebe offen bleiben. Unsere Gäste anhand von steigenden Infektionszahlen erneut nach Hause zu schicken ist undenkbar“, mahnt er an.

„Sieben Tage die Woche und ein langer Arbeitstag“

Thomas Riedl sieht die Branche doppelt betrogen. „Wir selbst – meine Frau Ruth und ich – arbeiteten vom 18. Mai bis zum 14. Oktober täglich bis zu 16 Stunden durch. Wir hatten lediglich insgesamt zwei Tage frei. Wir tragen das gesamte unternehmerische Risiko, alle Investitionen und auch die Beschäftigung von 35 Mitarbeitern. Nicht umsonst werden wir als eine der tragenden Säulen im Geschäft mit dem Tourismus angesehen. Es fehlt die Wertschätzung für unsere geleistete Arbeit. Es wäre höchste Zeit, uns mit dem halben Mehrwertsteuersatz weiter zu helfen. Die so großzügig in Aussicht gestellten 75 Prozent an staatlicher Hilfe wirken sich am Ende zudem wieder voll auf die Einkommenssteuer aus. Dann müssen wir davon wieder bis zu 50 Prozent an Steuern zurück bezahlen.“

Kritisch sei die Situation vor allem auch für das Personal. „Küche und Service haben zusätzliche Einnahmen aus dem Trinkgeld, was ihnen jetzt fehlt und zu ihrem Einkommen dazu zählt, weil in der Gastronomie bei weiten nicht die Nettoeinkommen erzielt werden wie im Handwerk oder in der Industrie. Davon aber gibt es dann über das Kurzarbeitergeld nur 60 bis 70 Prozent. Die Fixkosten aber laufen weiter,“ das kann auf Dauer nicht funktionieren.

Dehoga-Bayern kündigt Widerstand an

Im Hinblick auf den Lockdown und den Entwurf eines neuen Infektionsschutzgesetzes kündigt der Dehoga-Bayern seinen entschlossenen Widerstand an. Das geplante Gesetz sei verfassungswidrig. Er sehe zwar die Untersagung oder Beschränkung des Betriebs gastronomischer Einrichtungen sowie die Untersagung oder Beschränkung von Übernachtungen vor, Entschädigungen hierfür seien jedoch nicht vorgesehen. Hier fehle schlichtweg die gesetzliche Regelung des finanziellen Ausgleichs für Unternehmen, wenn ihnen staatlicherseits die Geschäftsgrundlage entzogen wird.

Niedergang des Tourismus in Bayern?

Gastronomie & Hotellerie zu Freizeiteinrichtungen geschlossen – Handel in den Städten vor massiven Problemen

– Im Gespräch mit Johannes Hofmann, Kreisvorsitzendes des DEHOGA-Bayern –

Zahlt der Staat ist alles gut? Diese Frage stellt der Kreisvorsitzendes des DEHOGA-Bayern, Johannes Hofmann, im Berchtesgadener Land. Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern sollen vom Staat pauschal 75 Prozent ihres im November 2019 gemachten Umsatzes erhalten. Der von der Politik inszenierte Lockdown-Light soll damit in der Gastronomie und Hotellerie abgefedert werden, um so Betriebsschließungen zu vermeiden. „Das klingt zunächst sehr großzügig und hilft den Betrieben ‚das Schlimmste‘ zu verhindern“, so Hofmann. Doch er bewertet den gesamtwirtschaftlichen Schaden sehr hoch. „Die ganze Zulieferkette, vom Bäcker bis hin zu den Zulieferbetrieben wie Brauereien und der Lebensmittelhandel bleiben auf der Strecke. Was ist mit unserem Personal und vor allem den Auszubildenden? Auch sie sind von dem Lockdown betroffen. 

Weihnachtsfeiern abgesagt

Johannes Hofmann vor dem Rathaus in Bad Reichenhall, in dem er als Stadtrat auch Jahre aktiv war.

Wie sollen wir verhindern, dass gute Mitarbeiter, die mit reduziertem Gehalt (Kurzarbeit) und Teilzeitbeschäftigung sowie Jobverlust rechnen müssen, der Branche den Rücken kehren oder in weniger betroffene Regionen zum Arbeiten abwandern?“ Und auch ein Zweites treibt den DEHOGA-Vorsitzenden um. „Im Sommer kamen viele Gäste, die sonst im Ausland ihren Urlaub verbringen, in das Berchtesgadener Land und waren begeistert“, weiß er aus vielen Gespräche mit seinen Kollegen. „Im Oktober mussten sie aufgrund der Verfügung des Landratsamtes über Nacht abreisen. Der positive Effekt, den wir nach dem ersten Lockdown für unsere Region verzeichnen konnten, wird so wieder leichtfertig auf’s Spiel gesetzt. Dazu kommt die Angst“, so Hofmann, „dass es im Dezember nicht besser wird, das gesamte Weihnachtsgeschäft wegbricht. Die vielen, für die Branche so wichtigen Weihnachtsfeiern der Betriebe, haben wir bereits absagen müssen.“ Hat die Politik über das Ziel hinausgeschossen?

Eine verunsicherte Branche

Die Verunsicherung der Branche sei bei Gastgebern wie bei potenziellen Gästen riesig. So habe der überstürzte Shotdown im Landkreis eine hohe Stornierungswelle ausgelöst. „Der Staat wird die Schließung der Betriebe auf Dauer nicht finanzieren können. Wir brauchen ein tragfähiges Konzept für den Tourismus, bis hin zu den Freizeiteinrichtungen. Kein Gast wird anreisen, wenn die gesamte Infrastruktur, von den Bergbahnen, über die Schifffahrten bis hin zu den Museen, Bädern und Thermen geschlossen bleiben“, fordert Johannes Hofmann.

Perspektiven für unternehmerisches Risiko

Ausschlaggebend für die Zukunft werde es sein, „dem Tourismusgewerbe wieder bessere Bedingungen zur Erwirtschaftung von Profiten zu ermöglichen, hier ist die Politik gefordert. Nur dann werden Betriebe auch ein gewisses unternehmerisches Risiko wagen. Das heißt Ausbildungsplätze schaffen und in die Betriebe investieren, was wiederum dem Fiskus ein Vorteil sein wird“, bekräftigt der DEHOGA-Kreisvorsitzende. So habe etwa das Hotelgewerbe beim reduzierten Steuersatz auf Übernachtungen wieder den nötigen Raum für Investitionen gewonnen.

Motivation ist schwindend

Für Johannes Hofmann gehe die Rechnung nur bei einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive auf. Es würden alle gewinnen, die Gastronomie und Hotellerie, die Urlauber, der Einzelhandel und das Handwerk. Letztlich profitiere der Staat selbst durch höhere Steuereinnahmen. „Das ganze personalintensive ortsgebundene Gewerbe braucht diesen reduzierten Steuersatz anhand der fürchterlichen jetzigen Situation dringend“, so Hofmann. Die Motivation, die Unternehmen überhaupt weiterzuführen, sei schwindend.

Sein Appell an die Politik: „Der Tourismus in Bayern funktioniert ohne bayerische Gastronomie nicht. Mittelstand und Handel gehen Hand in Hand mit dem Tourismus. Was der Politik der Mittelstand wert ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Anscheinend wurde vergessen, wer das stabile Rückgrat der Finanz und Wirtschaftskrise war. Politiker aller Couleur denkt darüber nach.“

Die Gastronomie braucht eine zeitliche Perspektive

  • Ohne Planungssicherheit keine Zukunft ‚
  • Handel und Gastronomie in einem Boot

In Österreich leuchtet für die Gastronomie ein Licht am Ende des dunklen Corona-Tunnels. Ab 15. Mai öffnen Restaurant und ’sonstige Gastronomiebetriebe‘ wieder, wenn auch mit einigen Auflagen. In Bayern hingegen herrscht nach Aussage von Ministerpräsidenten Markus Söder noch völlige Unklarheit darüber, wann und unter welchen Restriktionen die Gastronomie wieder öffnen darf. Für den Vorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA-Bayern im Berchtesgadener Land, Johannes Hofmann, ein untragbarer Zustand.

Johannes Hofmann trägt auch zu Besprechungen im Büro einen Mundschutz gemäß dem Motto „Safety first“.
Johannes Hofmann trägt auch zu Besprechungen im Büro einen Mundschutz gemäß dem Motto „Safety first“. – Foto: Gerd Spranger

„Die Branche braucht für die Vorplanung ausreichend Zeit. Wenige können einfach spontan nächste Woche aufsperren und alle Waren sowie das Personal stehen bereit. Besonders gravierend ist die Unsicherheit bei der Ausflugsgastronomie. Diese Unsicherheit der Planbarkeit ist unzumutbar.“ Aktuell sind im Landkreis etwa 15 Prozent der Betriebe so heftig betroffen, dass mit jeder Woche Verlängerung der Gastrosperre die endgültige Betriebsschließung immer wahrscheinlicher werde.

„Es wird eine zweite Pleitewelle geben“

„Wir werden zum Jahresende hin eine zweite Pleitewelle erleben“, prophezeit Johannes Hofmann und begründet: „In den Monaten Oktober bis März, vom Weihnachtsgeschäft einmal abgesehen, erwirtschaftet das Hotel- und Gaststättengewerbe in unserer touristisch geprägten Region kaum Gewinne. Wird erst im Juni wieder aufgesperrt, wie von Markus Söder angekündigt, fehlt das Geschäft von Ostern, Pfingsten und das halbe Sommergeschäft, denn es wird etwas Zeit brauchen, bis wieder alles anläuft. Ab Oktober droht dann die nächste Flaute.“

Ein positives Lebensgefühl für die Innenstadt

Darüber hinaus sitzen für Hofmann der Handel und die Gastronomie im gleichen Boot. Nur gemeinsam könne man es aus der Krise schaffen. „Niemand geht ausschließlich zum Einkaufen, schon gar nicht in die Innenstädte, in die Fußgängerzonen. Da zählt das Gesamterlebnis, das Lebensgefühl, dem mit der Maskenpflicht auch so schon ein schwerer Schlag versetzt wurde. Nur der Handel in Verbindung mit einer lebendigen Gastronomie schaffen diesen Erlebnisraum Innenstadt. Mit jeder Woche die wir verlieren verspielen wir ein Stück unserer Zukunft. Aktuell werden ja die ganz großen Industrien wie Lufthansa oder die Autobranche mit Milliarden Euro im dreistelligen Bereich vor dem Bankrott bewahrt. Doch ohne die vielen kleinen Geschäften, ohne einen Mittelstand mit bis zu 30 Beschäftigten, die in der Regel auch ausbilden, kann unsere Gesellschaft nicht überleben.“

Soforthilfen halten der Realität nicht stand

Und das bringt den BHG-Vorsitzenden Johannes Hofmann zu einem nächsten Punkt. „Die schnellen Versprechen nach großzügigen Soforthilfen halten der Realität nicht stand. Letztlich sind es die Hausbanken, die darüber entscheiden. Und die sind eng an die strengen Standards von Basel III und die BaFin (Bankenaufsicht) gebunden. Im Klartext heißt das, dass jemand, der aufgrund des Ratings seiner Kreditwürdigkeit kein Darlehen erhält, es auch nicht durch die großzügig versprochenen staatlichen Garantien bekommt.“ Helfen habe der BHG und Hofmann selbst dennoch einigen Kollegen, darunter auch viele mit ausländischen Wurzeln, die sich bei den Anträgen und Regularien nicht zurecht fanden oder generell eine Scheu vor staatlichen Behörden empfinden. Viele würden auch schon sechs Wochen auf bewilligte Gelder warten, ohne dass bislang ein Eingang verzeichnet wurde.

Wirtshaussterben auch ohne Coronakrise

Zur Gesamtsituation merkt er an, dass es in Bayern auch vor der Krise bereits 500 Ortschaften gegeben habe, in dem es keine gewerblich geführte Gastronomie mehr gebe. Einzig die Vereinsgastronomie floriere, während das Wirtshaussterben die letzten zehn Jahre weiter an Fahrt aufgenommen habe. Dabei würden auch heute noch rund 75 Prozent der Betriebe in der Familie geführt. „Das begünstigt natürlich die Personalsituation und meist auch die Kapitaldeckung.“

Keine unternehmerische Freiheit mehr

Selbst hat Johannes Hofmann nach seiner Kochlehre, einjähriger Hotelfachschule und vieler Weiterbildungen 1985 seinen ersten gastronomischen Betrieb in Deutschland geführt. „Damals konnte man mit 30.000 DM anfangen, heute braucht man oft das Vierfache an Kapital. Damals gab es kaum Alkoholkontrollen und kein Rauchverbot. Damals gab es kaum Auflagen zum Brandschutz, der Hygieneverordnung und Dokumentationspflicht. Zurecht konnte man von „Unternehmerischer Freiheit“ sprechen. Das hat sich grundlegend geändert und erschwert auch ganz ohne Corona die Rahmenbedingungen der Branche erheblich.“ Ab 20 Mitarbeiter etwa brauche man heute eine eigene Bürokraft in Vollzeit plus Steuerberater, um allenVorgaben gerecht zu werden. Entbürokratisierung sieht anders, aus argumentiert Hofmann weiter.

BHG-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann fordert:

Sperrt die Gaststätten und Biergärten sobald wie möglich auf
Informiert die Branche rechtzeitig
Keine Unterscheidung nach Betriebsgröße
Die Branche ergreift alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen
Die Betriebe gehen verantwortungsvoll mit den Auflagen um.
Zum 1. Juni muss es eine Neubewertung der Situation geben.
Einheitlicher zeitlich unbeschränkter ermäßigter Mehrwertsteuersatz für Hotellerie und Gastronomie.

Hohe Erwartungen in das neue Aja-Resort in Ruhpolding

Hohe Erwartungen werden in das Aja-Resort in Ruhpolding gesetzt. Fotos: Gerd Spranger

(gsp) Touristisch ist die Eröffnung des Aja-Hotelresorts in Ruhpoling am 3. Mai ein Paukenschlag, ein Weckruf für die kleine 7000 Einwohner zählende Gemeinde, die jährlich 608.000 Übernachtungen bei 122.000 Gästen verbucht. Das ist ordentlich, doch 1981 zählte man bereits über eine Million Übernachtungen. Auch hat der Ort in den letzten 20 Jahren rund 2000 Gästebetten verloren, bekennt Tourismusmanager Herbert Ringsgwandl. Bürgermeister Claus Pichler spricht von einem Strukturwandel, den der Ort durchlaufen habe, so wie die meisten Urlaubsorte in Oberbayern. „Die Gäste reisen kurzfristiger, bleiben kürzer und dafür mehrmals jährlich,“ führt das Gemeindeoberhaupt aus und ergänzt: „Das neue Ressort könnte eine gute Antwort auf diesen Wandel sein, vorausgesetzt, die Betreiber halten das Geschäft am Laufen und finden gutes Fachpersonal, es wird sich zeigen.“

Blickt man von Inzell kommend auf Ruhpolding, so sind die Greens des Golfplatzes dem Ort direkt vorgelagert. Rechts, direkt am Rand der Greens, liegt das Aja-Resort Ruhpolding

Ruhpolding der Inbegriff Bayerns

Claus Pichler sprach bewusst die glanzvollen Tourismusjahre des Ortes an, als sogar die renommierte Wochenzeitung ‚Die Zeit‘ 1967 schrieb: „Für viele hunderttausend Bundesbürger ist Ruhpolding zugleich der Inbegriff Bayerns geworden, versinnbildlicht Almenrausch und Edelweiß, Schuhplattler und Sepplhose.“ Er meint, dass „Ruhpolding im Tourismus nie so weit gekommen wäre, hätte es nicht den Mut gehabt, neue Wege zu gehen.“ Und dafür steht der Ort im oberbayerischen Chiemgau, im Landkreis Traunstein.

In Bestlage direkt am Golfplatz

Durch die verwinkelte Architektur – drei große Baukörper laufen schräg zueinander zusammen – wirkt das 500-Betten-Hotel nicht so dominierend und passt sich gut in das Landschaftsbild ein.

Das Aja-Hotelresort steht in Bestlage direkt am Rand des Golfplatzes. „Wir haben auch 20 Jahre lang nach einem potenten Investor und Betreiber gesucht“, erzählt Herbert Ringsgwandl. Die Suche hat sich gelohnt, denn in 230 Komfort-Kingsize-Doppelzimmer und 14 Suiten stehen knapp 500 Gästebetten und der Betreiber, die ‚A-ja-Resort und Hotel GmbH‘ (eine 100prozentige Tochter der ‚Deutschen Seereederei GmbH‘), investiert 40 Millionen Euro in den dreigeschossigen Neubau. „Für den gesamten Chiemgau ein interessantes und spannendes Projekt“, freut sich Stephan Semmelmayr von der Chiemsee-Chiemgau-Tourismus. Es fehlen Hotels im gehobenen 3-Sterne und 4-Sterne-Bereich. Hier verzeichnen wir den größten Anfrage-Überhang.“

Größe und Markt
müssen sich entsprechen

Und immer wieder der Blick auf die Ruhpoldinger Bergwelt. HIer der Rauschberg im Hintergrund.

Auf die Größe des ländlich geprägten Umfeldes angesprochen bricht Bürgermeister Claus Pichler eine Lanze für den Investor. „Von den ersten Entwürfen bis hin zur Umsetzung haben die Betreiber viel getan der Landschaft und und dem Umfeld zu entsprechen. Allerdings“, schränkt er ein, „werden Sie nirgendwo ein kleines Haus finden, dass viele Zimmer, Appartements und Suiten bietet und den modernen Erfordernissen des viel gereisten Gastes von heute entsprechen kann. Das ist eine Utopie und der Blick nach anderen touristischen Destinationen zeigt, dass Größe und die Anforderungen des Marktes entsprechen müssen.“

DEHOGA erwartet
neue Impulse für die Region

Frontcooking mit alpenländischen Spezialitäten und besondere Noten von der See, von der Nordsee im Aja-Resort Ruhpolding

Ein Befürworter des Aja-Resort ist der DEHOGA mit seiner Kreisstelle in Traunstein. Hotelier und DEHOGA-Vorstand Peter Stocker sieht für Ruhpolding neue Impulse für einen nötigen Aufschwung. „Ein vergleichbares Projekt findet sich im Chiemgau bislang nicht, doch mehr solcher Hotelprojekte, vor allem im 4-Sterne-Superior-Bereich wünschen wir uns“, bekräftigt Peter Stocker. Selbst führt er seit Jahrzehnten das familieneigene Seehotel Wassermann in Seebruck am Chiemsee. Er sieht keine Konkurrenz für klassische Familienhotels, „die liegen seit Jahren voll im Trend“, ist sich der Hotelier sicher. Und: „ein Resort dieser Größe und Ausrichtung spricht ganz andere Gästekreise an.“

Genügend Platz auf den Greens

Im Aja-Resort Ruhpolding hat man einen Sinn für das Besondere. Resort-Manager Ralf Meister will das Hotel zu touristischen Höhen führen. Dafür steht symbolisch die Gondel einer Bergbahn.

Ebenso freut sich der Golfclub Ruhpoding über diese neue Klientel. Der Präsident des Clubs, Herbert Fritzenwenger, sieht der Eröffnung des direkt an den Greens angrenzenden neuen Aja-Resorts gelassen entgegen. „Wir haben aktuell 1000 Mitglieder und davon etwa 250 aktive, die mehrmals die Woche spielen. Täglich sind etwa 100 Golfer am Platz und wir haben eine Kapazität bis 200, ohne dabei an unsere Grenzen zu stoßen. Das neue Hotelressort ist für den Golfclub Ruhpolding eine große Chance.“

Ruhpoldinger Hoteliers
befürworten das Aja-Resort

Hotelier Markus Eismann
vom 4-Sterne-Alpenhotel Wittelsbach (32 Zimmer/ 60 Betten):

„Wir haben das Projekt immer unterstützt, denn wir brauchen Investment im Tourismus und freuen uns, dass jemand in den Ort und die Region investiert. Ruhpolding bietet bislang kein Haus mit 100 Einzelzimmer für große Tagungen und Kongresse. Es ergeben sich Synergien mit der nahen Chiemgau-Arena, die Biathlon Trainings- und Wettkampfstätte.“

Die Pfarrer Thomas Schmeckenbecher (evang.) und Otto Stangl (kath.) segnen das neue Resort als einen besonderen Ort der Gastlichkeit.

Hotelier Theo Stegmeier
vom 4-Sterne-Wohlfühlhotel Ortnerhof
(44 Zimmer/ 95 Betten)

„Das neue Ressort ist positiv für den Ort. Ein Haus mit dieser Größe und mit diesen Möglichkeiten wird Ruhpolding gut tun.“ Persönlich hätte er sich zwar ein 5-Sterne-Haus gewünscht, doch so ist es ein anderes Konzept und ein anderer Gästekreis, die ihren Weg finden werden.“ Theo Stegmeier hofft auf eine ‚Gute Nachbarschaft‘ und ist überzeugt davon, dass es auch unter den Gästen zu einem gegenseitigen Austausch kommen wird.

Hotelier Christian Mono
vom 4-Sterne Steinbach-Hotel (75 Zimmer/ 130 Betten):

„Von der fachlichen Seite wird es wohl funktionieren, denn es haben sich über viele Jahre hinweg viele Köpfe viele Gedanken gemacht und dabei viel Geld investiert. Das Aja wird einen neuen Gästekreis ansprechen und das wird dem Ort gut tun. Allerdings halte ich persönlich das Projekt für Ruhpolding als zu groß und es passt nicht in das Landschaftsbild. Andere Bauherren haben bereits Probleme ein Dachfenster einzubauen.“

Der Chiemsee-Chiemgau-Touristiker
Stephan Semmelmayr egänzt:

„Die Struktur der Vermieterbetriebe im Landkreis ist extrem klein strukturiert. Nirgendwo sonst ist der Anteil an Kleinvermieter (bis 8 Betten) höher als im Chiemgau. Deswegen brauchen wir dringend solche Betriebe, die hoffentlich auch andere Investoren ermutigen sich in der Region zu engagieren.“

„Ozapft is“ mit dem Bier vom Hofbräuhaus Traunstein, das als regionale Brauerei in das Sortiment mit aufgenommen wurde. Von links: Bräu Maximilian Sailer, Verkaufsleiter Andreas Hell, Resort-Manager Ralf Meister, Richard Hundhammer, DSR-Projektentwickler Torsten Vey und Daniel Bär von der Geschäftsleitung der DSR Hotel Holding.

Keine Tagungen im Ferienhotel

Bereits am zweiten Wochenende nach Eröffnung ist das Aja-Resort ausgebucht, knapp 500 Gäste werden das Hotel an seine Grenzen bringen, der erste wirkliche Testbetrieb. Angestrebt wird eine jährliche Auslastung von 80 Prozent. Zum Konzept des Hotels gehört der bewusste Verzicht auf Veranstaltungsräume, „obwohl die Nachfrage dafür vorhanden ist“, bekennt Ralf Meister. Es gäbe im Ort aber mit dem Kurhaus oder auch mit der nur wenige Kilometer außerhalb gelegenen Chiemgau-Arena genug Räumlichkeiten selbst für größere Events. Damit entfällt auch der Tagungs- und Seminarbereich. „Wir sind ein Urlaubs- und Ferienhotel mit Wellnessausrichtung, das verträgt sich nicht mit dem Geschäftsbereich“, ergänzt der Resort-Manager.

Daniel Bär von der DSR Hotel Holding (Deutsche Seereederei) und Resort-Manager Ralf Meister begrüßen die ersten Gäste im Aja-Resort Ruhpolding.

Das Aja-Resort Ruhpolding ist das erste Ferienhotel des Betreibers in den Alpen. Vor einem halben Jahr eröffnete man das City-Resort in Zürich und in 18 Monaten soll Garmisch Partenkirchen folgen. Die Aja-Resort und Hotel GmbH ist eine Tochter der Deutschen Seereederei GmbH (DSR). 2013 wurde in Warnemünde das erste Aja-Resort eröffnet.

3,5 Sterne für das neue
Aja-Resort in Ruhpolding

Zur Eröffnung des Aja-Resort in Ruhpolding liegt noch keine Sterneklassifizierung durch den DEHOGA vor. Resort-Manager Ralf Meister spricht jedoch von einem 4-Sterne-Haus. Damit dürfte er im Bereich des Spa mit Nivea-Wellnessabteilung, Fitnessraum, Sauna und Schwimmbad richtig liegen, auch mit dem großen Restaurant. Überhaupt ist es für den ländlich geprägten Chiemgau in jeder Hinsicht ein Haus der Superlative. Es braucht Größe, allein im Restaurant werden 220, auf der Terrasse 122 und im Biergarten 60 Plätze geboten. Dem Restaurant vorgelagert ist ein großer Barbereich und eine eigene Lounge für Stammgäste. Hohe Glasfronten geben den Blick in fast alle Richtungen auf die Ruhpoldinger Bergwelt, vom Rauschberg hinüber zum Unternberg und bis zum Sonntagshorn, mit 1961 Meter der höchste Berg im Chiemgau, auf dessen Gipfel die Grenze nach Österreich verläuft.

Der Spa-Bereich von Nivea hat auch für Männer viel zu bieten.

Bei einer 4-Sterne-Klassifizierung dürfte es bei den 230 Hotelzimmern knapp werden. Die Räume wirken beengt, das große Doppelbett füllt fast den ganzen Raum aus und die meisten Zimmer haben noch nicht einmal einen Balkon. Hier wurde mit spitzem Rotstift geplant, doch Hotelmanager Ralf Meister spricht bei einem Preis von 89 Euro pro Person inklusive Frühstück und Nutzung des Spa-Bereiches von einem günstigen Angebot. Der Eröffnungspreis liegt aktuell noch bei 64 Euro. Urlaubsstimmung wird auf den Zimmern nur schwer aufkommen, zum Schlafen aber sind sie ausreichend und das ist wohl auch der Plan. Die 14 Suiten mit großzügigem Raumangebot werden mit 120 Euro p.P. und Nacht berechnet.

Platz nehmen, sich entspannen – Wellness hautnah erleben.

Tagsüber sollen sich die Gäste im Hotel mit seiner breiten Infrastruktur entspannen, im nahen Ort oder an einem der Ausflugs- und Aktivprogramme teilnehmen. Aja-Wunscherfüller beraten dabei und die inkludierte Chiemgau-Karte bietet die kostenlose Nutzung von 30 Attraktionen der Region zum Nulltarif, darunter drei Bergbahnen, zwei Bäder und sechs Museen. Das dieser Trend richtig ist, zeigen auch die Buchungen. Zu 90 Prozent werden Übernachtung mit Halbpension gebucht. Darum gibt es mittags in dem Marktrestaurant mit Frontcooking auch nur ein kleines Angebot aus der alpenländischen Küche, ergänzt mit Fischgerichten und mediterraner Spezialitäten.

Reportage: Gerd Spranger

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Was treibt heute den BHG-Vorsitzenden Johannes Hofmann um?

Bekenntnis an die Heimat und eine frische gesunde Küche

(gsp) Die jüngste Auszeichnung erhielt Johannes Hofmann, Vorsitzender der Dehoga Bayern/BGL 2018 auf der Münchner Reisemesse f.re.e. Er erhielt die „Medaille für besondere Verdienste um die bayerische Gastlichkeit“. Seit 32 Jahren ist er aktives Mitglied des Verbandes und seit 20 Jahren Vorsitzender im Berchtesgadener Land, in vielen Ausschüssen und Gremien vertreten und war bis 2008 auch Stadtrat in Bad Reichenhall.  Was treibt heute den BHG-Vorsitzenden Johannes Hofmann um? weiterlesen