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6,3 Millionen für das neue ReichenhallMuseum

Viele Fördergelder
und eine lange Historie

„Ein Heimatmuseum hat in Bad Reichenhall eine lange Geschichte,“ führt der habilitierte Landeshistoriker Dr. Johannes Lang aus, wenn auch mit zahlreichen Unterbrechungen. „Erste Anfänge gab es um 1790, und im 19. Jahrhundert war die Idee eines historischen Kabinetts für Kurgäste aktuell. Es fand dann als weithin anerkanntes Museum um die Jahrhundertwende eine Blütezeit mit Josef Maurer, dem ersten Museumskurator des Städtischen Heimatmuseums in Bad Reichenhall. In den folgenden Jahrzehnten erlebte das Museum einen allmählichen Verfall.“ Stadtarchivar Dr. Johannes Lang erinnerte auch an Fritz Hofmann, der 1965 den „Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung e. V.“ gründete und in den Folgejahren das Amt des Museumskustos des Städtischen Heimatmuseums ausübte, das 1967 vom Alten Rathaus in den „Getreidekasten“ umzog und hier endlich eine Heimat fand.

Beim Heimatmuseum in Bad Reichenhall haben viele Menschen mitgewirkt. Aus dem Heimatmuseum wurde jetzt ein Reichenhall-Museum. Auf dem Foto zu sehen: Innenarchitekt Tido Brussig, Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Dr. Johannes Lang. – Foto: Gerd Spranger

„Es war ein Museum fast zum Nulltarif“, infomierte Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner bei der Eröffnung, denn investiert habe die Stadt kaum etwas. Die Folge war dann auch der bauliche Verfall des aus dem 16. Jahrhundert stammenden „Getreidekastens“. „Ich erinnere mich noch gut daran, als ich 2003 mit dem Museumskustor Robert Kern mit Eimern und Kinderplanschbecken gegen die vom Dach eindringende Nässe im Museum kämpfte,“ erzählte der Stadtarchivar.

Zum Nulltarif gibt es das neue ReichenhallMuseum nicht. Das Gebäude wurde für rund fünf Millionen generalsaniert, mit einer Förderung von drei Millionen Euro. Für das Museumskonzept und den Innenausbau beliefen sich die Investitionen auf 1,3 Milionen, 835.000 Euro davon gefördert. Entsprechend ausführlich bedankte sich Dr. Herbert Lackner darum auch bei den Förderern der Maßnahme.

Ein lange Geschichte schreibt dann auch Renovierung und das Konzept des neuen Museums, nämlich ganze 15 Jahre. Den Tag der Museumseröffnung bezeichnet der Oberbürgermeister als einen für ihn persönlich ganz besonderen Festtag. „Es war eines der ersten großen Projekte, mit denen ich mich nach meiner Wahl im Jahr 2006 konfrontiert sah.“ Den damaligen Zustand beschreibt Dr. Lackner so: „Die Decken und das Dach waren vom Holzwurm zerfressen, Schimmel in den Wänden griff auch auf die Exponate über. 10.000 Objekte befanden sich damals in einem desolaten Zustand. Es gab kein zeitgemäßes Inventarverzeichnis, ausgestellt war praktisch alles, es gab weder ein Depot, noch gab es Besuchertoiletten.“

Heute präsentiert sich das ReichenhallMuseum modern in dem generalsanierten alten Getreidkasten, der an sich bereits musealen Charakter trägt. „Halten Sie sich bitte vor Augen, dass in den letzten acht Jahren Exponate für 100.000 Euro restauriert wurden und erst jetzt deren Wertigkeit zum Ausdruck kommt“ hebt Lackner die Bedeutung des Geleisteten hervor. Die inhaltliche Trennung vom Heimatmuseum zu einem neutralen ReichenhallMuseum wurde dabei wohl nicht ganz zufällig gewählt. „Es hält die Entwicklung des Ortes fest, verliert dabei aber auch nicht den Blick auf „das große Ganze“. Unser ReichenhallMuseum wird maßgeblich dazu beitragen, dass wir uns noch mehr als bisher mit dem, was uns umgibt, identifizieren können. Nur wer die Dinge versteht, kann sich mit seiner Geschichte und Entwicklung identifizieren. Und unsere Gesellschaft braucht genau dies: Verstehen und Verständnis,“ fasst Dr. Herbert Lackner das Anliegen zusammen.

Die Konzeption und Projektleitung für den Innenausbau lag in den Händen des Bad Reichenhaller Stadtarchivars Dr. Johannes Lang. Es war das Anliegen des Landeshistorikers, die Geschichte Reichenhalls im größeren Kontext und über die Epochen hinweg zu vermitteln. Seinen Dank richtete Dr. Johannes Lang an den Münchner Innenarchitekten Tido Brussig für die fachlich hervorragende Zusammenarbeit, der „dem Haus, trotz moderner Inneneinbauten, seine großzügige Atmosphäre und Ausstrahlung erhalten hat,“ fasst der Oberbürgermeister zusammen. Eine „große Anschubfianzierung für den Innenausbau“, ermöglichte die Zusammenarbeit mit dem Museum für Steinzeit und Gegenwart in Landau an der Isar. Der Oberbürgermeister richtete seinen Dank an die Vertreter der Einrichtung. Georg Baumgartner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim hob in diesem Zusammenhang die Bedeutung der LEADER-Förderung für das ReichenhallMuseum hervor. „In den Genuss dieser Förderung kam das Museum durch den Einsatz der lokalen Komission unter dem Vorsitz von Landrat Georg Grabner. Die Kooperation mit dem Museum in Landau eröffnete die Perspektive der Höchstförderung von 60 Prozent, was für das ReichenhallMuseum ein Fördersumme von 387.000 Euro bedeutet.“

Das ReichenhallMuseum kann im November bei freiem Eintritt von Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr besucht werden.

Gefördert haben:

  • Regierung von Oberbayern, Zuwendung für städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen im Konjunkturpaket II
  • Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst mit aus dem so genannten Entschädigungsfonds
  • Stiftungen: Bayerische Landesstiftung, Bezirk Oberbayern und Berchtesgadener Landesstiftung
  • Europäische Union mit einer Leader-Förderung
  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, der Landesstelle für nichtstaatliche Museen
  • Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung e.V.

Drei Tage Sonnenschein für das Weinfest

Freunde treffen und mit Gästen
in geselliger Runde feiern

So alt wie der Euro ist das Weinfest in Bad Reichenhall, es wurde zum 17. Male rund um den Rathausbrunnen gefeiert. Dabei soll in der Alpenstadt bereits vor 350 Jahren, während einer ausgeprägten mittelalterlichen Wärmeperiode, der Weinanbau kultiviert worden sein, bekräftigt Mike Rupin, erster Vorsitzender des Gewerbevereins. der sich seit wenigen Monaten ‚Reichenhaller Unternehmerforum‘ (Rufo) nennt.

BGL-Tourismuschefin Dr. Brigitte Schlögl mit Weinfest-Initiator Peter Zumkeller, Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Mike Rupin, Vorsitzender der Bad Reichenhaller Unternehmer – Fotos: gsp

Von dieser kurzen Wärmeperiode abgesehen ist Oberbayern aber kein Weinland, sondern eher für seinen Hopfen bekannt. Doch das Weinfest in Bad Reichenhall kommt bei der Bevölkerung und den Gästen gut an. Und Initiator Peter Zumkeller musste 2019 sogar einigen Ausstellern absagen. „Wir wollen bewusst klein bleiben, denn das macht die Atmosphäre am Rathausplatz aus. Und mit rund 25 Ausstellern haben wir eine gesunde Grenze erreicht, so dass für die Besucher genügend Raum bleibt, das Ensemble mit Altem und Neuen Rathaus und den herrlichen Ausblick auf Staufen und Predigtstuhl wirken.“

Der Rathausplatz von Bad Reichenhall wird zur Festbühne für Weinkenner und Genießer.

Und es wirkt nach, denn viele Gäste und Besucher kommen seit Jahren zum Reichenhaller Weinfest. Für Dr. Brigitte Schlögl von der BGLT ist es das zweite Weinfest, und als Chefin des Reichenhaller Stadtmarketings freut sie sich besonders über den regen Besucherandrang, der 2019 einen neuen Rekordwert erreichen könnte, denn das Wetter hielt an allen drei Tagen. Einen persönlichen Bezug zum Wein hat sie durch ihre Großeltern, die Weinbauern im Burgenland waren. „Und auch hier sehen wir, dass Bayern und Österreich gut zusammen gehen, denn viele gute Weine und Aussteller kommen aus unserem Nachbarland“, so Dr. Schlögl. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner freute sich über das gesellige Miteinander von Gästen und Einheimischen, von Alt und Jung und die entspannte Atmosphäre im Zentrum der Alpenstadt.

Zoran Cica und sein Sohn präsentieren sich mit einem großen Buffet. Das Leben muss weitergehen nach der Gaststätte Schießstände, die drei Monate zuvor abbrannte.

Tatsächlich waren sogar Gäste aus Holland angereist. Für sie ist das Berchtesgadener Land südlich genug, und hier finden sie italienisches Ambiente und die Gebirgswelt harmonisch vereint. Viel Freude machte ihnen auch die Livemusik mit dem großen Akkordeon, bekannten Liedern und Weisen von Wien bis zur Nordsee. Lieder zum Mitsingen und Mitschunkeln, wie man es nach einem oder zwei Gläschen Wein und in angenehmer Gesellschaft gerne macht.

Mit der ganzen Familie, mit Nachbarn, mit ‚Kind und Kegel‘ auf dem Weinfest in Bad Reichenhall

Eine Künstlerin aus München ließ sich von dem geselligen Treiben sogar so inspirieren und fertigte Skizzen an, um sie für ihr nächstes Seminar mit einzuarbeiten. Ganz zwanglos ist es unter Freunden, Gästen und Nachbarn und viele fröhliche Runden und Gesichter waren 2019 auch wieder beim Reichenhaller Weinfest zu finden. Das Weinfest gestaltet sich dabei immer auch zu einem Schmankerlfest, denn an den Ständen werden viele kulinarische Leckerbissen angeboten, vom Schinken zum Braten, vom Käse bis zum Flammkuchen, vom Hendl bis zum Fisch und auch Süßigkeiten fehlten nicht.

TSV  zum seniorenfreundlichen Verein ausgezeichnet

Ein Siegel soll neue Anreize geben – Bürgerschaftlich engagierte Hilfe

(gsp) Als einer der ersten Vereine hat der TSV Bad Reichenhall vom Bayerischen Turnerverband (BTV) das Qualitätssiegel ‚Seniorenfreundlicher Verein‘ erhalten. Vereinsvorsitzender Josef Dennerl und sein Team ließen dafür eigens zwei Übungsleiter des Sportvereins weiterbilden, die sich jetzt verstärkt der Senioren annehmen. „Von den 1700 Mitgliedern des TSV (Turn- und Sportverein 1862 Bad Reichenhall e.V.) zählen wir rund 700 Kinder und Jugendliche. Der Anteil unserer Senioren dürfte sich auch auf einige Hundert summieren und so verpflichten wir uns mit dieser Auszeichnung ihnen zusätzliche Aufmerksamkeit zu geben.“ Die neu gekürten Seniorenbeauftragten Renate Bosch und Rudi Sprinzing möchten einige ’niederschwellige Angebote‘ mit leichter Gymnastik ins Leben rufen und mit kulturellen Programmen und Ausflügen für besseren Kontakt untereinander sorgen.

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Thomas Bender, ehemaliger Vicepräsident des BTV und aktives Mitglied des TSV, überreicht das Qualitätssiegel des Bayerischen Turnerverbandes. Von links: Thomas Bender, Josef Dennerl mit den beiden Seniorenbeauftragten Renate Bosch und Rudi Sprinzing. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner wünscht dem Verein viel Erfolg und bedankt sich für das Engagement über alle Altersgruppen hinweg. – Foto: Gerd Spranger

Gefördert soll mit der Auszeichnung zum seniorenfreundlichen Verein ebenso die Kooperation hin zu Senioreneinrichtungen und Krankenkassen mit ihren Gesundheitsprogrammen. Der BTV will mit dieser Initiative die Vereine bei der Gewinnung neuer Mitglieder unterstützen und die Senioren besser Einbinden. Die Vereine sollen ihre Angebote im Sinne einer bürgerschaftlich engagierten Nachbarschaftshilfe verbessern. Das Qualitätssiegel füge sich gut in das Programm der Bayerischen Staatsregierung ‚Selbstbestimmtes Leben im Alter‘ ein. Zu den Förderern des Siegels zählen die zwei Sponsoren Flexo-Handlaufsysteme GmbH und die TOGU GmbH in Prien am Chiemsee.

Es gibt keine Alternative zum Kirchholztunnel

(gsp) Im zähen Ringen um eine Ortsumfahrung für Bad Reichenhall hat jetzt das Staatliche Bauamt Traunstein für Klarheit gesorgt. Die von der Stadt vorgelegten vier Alternativen zur bereits im Planfeststellungsverfahren verankerten Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel fallen im Vergleich durch, und zwar eindeutig.

Baudirektor Christian Rehm zog in der außerordentlichen Stadtratssitzung im Alten Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall vor den Stadträten und etwa 200 Besuchern der Sitzung ein klares Fazit, nachdem Bernadette Wallner, ebenfalls vom Staatlichen Bauamt Traunstein, die relevanten Zusammenhänge und Aspekte ausführlich dargestellt hatte.

Baudirektor Chrisian Rehm und Bernadette Wallner und das gesamte Team des Staatlichen Bauamtes Traunstein haben viel Zeit in die 131 Folien umfassende Auswertung und Präsentation des Variantenvergleichs investiert.

„Bei allen ausgewerteten, für die Ortsumfahrung relevanten Parameter, ergibt sich ein eindeutiges Bild“, führt Rehm aus. Zunächst sei grundsätzlich festzuhalten, dass es sehr zweifelhaft ist, ob man für die vorgeschlagenen vier Varianten der Stadt Bad Reichenhall überhaupt ein Baurecht bekommt. Darüber hinaus besteht ein hohes Risiko bei der Einstufung im Bundesverkehrswegeplan 2030. „Es könnte zu einer völligen Neubewertung des gesamten Projektes mit ungewissem Ausgang kommen“, führt der Baudirektor aus.

Die Tunnelvarianten im Bestand und in der Saalachau erfüllen zudem die Voraussetzungen für eine Genehmigung nicht. Entscheidend sei der Variantenvergleich, und hier drängt sich die Ortsumfahrung über den Kichholz- und Stadtbergtunnel eindeutig auf. „Es besteht darum keine reelle Chance auf Zustimmung durch das Bundesministerium für Verkehr (BMVI)“, so Christian Rehm weiter. „Die aktuelle Einstufung im Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegplanes ist nicht übertragbar.“

Von links: Auentunnel mit zwei Tunnelbahnen – 1A, Ausbau im Bestand mit zwei Tunnelbahnen und (Entlastungs-)Straße oben – 1B Ausbau im Bestand mit einer Tunnelbahn und Straße oben – Ausbau im Bestand mit Trennung von B20 und B21 auf zwei Ebenen.

Mit einer „Ampelbewertung“ wog das Staatliche Bauamt Traunstein jeden einzelnen Teilbereich im Vergleich der vier von der Stadt vorgelegten Alternativen zur Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel ab. Es ging konkret um die Variante X, den so genannten Auentunnel entlang der Saalach und um einen Ausbau im Bestand der jetzigen Umgehungsstraße, der B20 und B21 um Bad Reichenhall herum. Hier wurden drei Varianten eingereicht, nämlich ein Ausbau mit einer oder mit zwei Tunnelröhren und einer Trennung von B20 und B21 auf zwei Ebenen, also im Tunnel die B21 und oben verlaufend die B20.

Dabei wurde schnell deutlich, dass eine leistungsfähige Entlastungsstraße erhalten bleiben muss, damit bei Wartungsarbeiten oder unfallbedingten Sperrungen des Tunnels der Verkehr ausweichen kann. Auch ist während der Bauzeit neben der jetzigen Umfahrung eine Ausweichstraße nötig, denn der gesamte Verkehr kann nicht einfach über Jahre durch die Stadt geführt werden. Allein diese Umstände führen bei einem Ausbau im Bestand schon zu einer negativen Bewertung. Erschwerend ist noch die Grundwassersituation, die sich bei einer Tunnelbauweise in diesem Bereich auswirkt. „Wir müssen dann ‚im Wasser bauen‘ und erst nach der Trockenlegung kann mit der eigentlichen Tunnelröhre begonnen werden. Das ist zeit- und kostenintensiv“, führt Bernadette Wallner aus. Weitere grundsätzliche Erfordernisse sprechen gegen die Alternativ-Varianten einer Ortsumfahrung, wie sie die Stadt Bad Reichenhall vorgeschlagen hat.

Wann muss ein Tunnel gebaut werden?

Bewertet wurde, ob aufgrund des Geländes oder wegen einer Lärmemission ein Tunnel notwendiger Weise gebaut werden muss. Das scheidet bei allen vier Varianten aus. Das Bauamt hat auch die Planungsziele hinterfragt, nämlich eine Trennung vom Ziel- und Quellverkehr (verkehrliche Beurteilung) und eine Entlastung der Stadt (raumstrukturelle Wirkung). Auch hier fallen die Alternativen durch, werden nicht den Ansprüchen gerecht. Bei der Bauweise und dem Ablauf der Baustelle seien ebenso die Beeinträchtigung der Anlieger und die Auswirkung auf die Stadt zu prüfen und beides spricht nicht für einen Ausbau im Bestand. Weitere Parameter waren der Naturschutz, die Beschaffenheit des Baugrundes (sicherheitstechnische Beurteilung), der Hochwasserschutz und die Kosten des Projekts. Alle Varianten einer Ortsumfahrung, einschließlich der genehmigten Variante Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel liegen die Kosten zwischen 220 und 290 Millionen Euro. Einzig die Variante 1b mit ‚Ausbau im Bestand und einer einspurigen Tunnelröhre‘, liegt mit 160 Millionen an geschätzten Kosten deutlich darunter.

Sole aus 500 Metern Tiefe

Was die Grundwasserproblematik bei den alternativen Varianten ist die schwierige Geologie im Bereich das Kirchholz und einige unterstellen sogar eine Gefährdung der Solequellen. Baudirektor Christian Rehm und Bernadette Wallner vom Staatlichen Bauamt Traunstein schlossen das aber entschieden aus. „Die für Bad Reichenhall relevanten Solevorkommen sind mittels Bohrungen von 500 Metern Tiefe erschlossen. „Da steht eine 475 Meter starke Schicht als Grundwasserstauer darüber und die Bohrungen sind versiegelt. Das kann nichts passieren“, bekräftigt Christian Rehm. „Auch fahren wir mit dem Kirchholztunnel nicht im Grundwasser, sondern treffen auf Schichtwasser. Diese Probleme aber sind lösbar.“

Stadtrat entscheidet am 9. April

Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Baudirektor Christian Rehm freuen sich über den großen Andrang bei der außerordentlichen Stadtratssitzung.

Die Stellungnahme des Staatlichen Bauamtes war eindeutig. Entscheiden aber muss der Stadtrat von Bad Reichenhall in seiner Sitzung am 09. April, ob er sich mehrheitlich für die Ortsumfahrung Kirchholz- und Stadtbergtunnel ausspricht. Dann, führt Christian Rehm aus, ist ein neues Planfeststellungsverfahren nötig. Dabei werden die Linienführung und die Konzeption der Knotenpunkte optimiert. Hoffnung macht er auf eine deutliche Reduzierung des Knotens am Golling. „Es müssen nicht alle Verkehrsbeziehungen in alle Richtungen erfolgen“, deutet er an. Für Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner ist die Beurteilung durch das Bauamt ein klares Signal sich für eine schnelle Realisierung der Ortsumfahrung Kirchholz- und Stadtbergtunnel einzusetzen.

Die gesamte Präsentation ist auf der Homepage des Bauamtes zu finden unter:

https://www.stbats.bayern.de/strassenbau/projekte/B16S.ABBA0022.00.html

Ein Blick in die alte Kur-Zeitung

Viele Pensionen, Hotels
und Kuranstalten sind längst Geschichte

Der Sprung von 1999 ins neue Jahrtausend war wesentlich kleiner – von der Einführung des Euro abgesehen – als der von 1989, vor allem wenn es um die Entwicklung der alten Kur- und Badeorte geht. Auch Bad Reichenhall bekam das mit Rückgängen von bis zu 30 Prozent bei den Kuren zu spüren. Im Mittelpunkt stand dabei das Gesundheits-Reformgesetz von Norbert Blüm, die große Gesundheitsreform – und damit ‚das Aus‘ der offenen Badekuren – folgte einige Jahre später.

Wir haben in einer alten Kurzeitung geblättert und dabei wieder einige Fundstücke gemacht. Auch viele kleine Pensionen und Hotels entdeckt, die es längst nicht mehr gibt, ebenso sind die Kuranstalten fast alle längst Geschichte. Darum zeichnet Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner mit seiner Aussage, dass „es in Bad Reichenhall die letzten 30 Jahre keine Hotelneubauten mehr gegeben hat“, nur das halbe Bild.

Touristinfo am Bahnhof mit drei Angestellten

Die treibenden Kräfte im Staatsbad waren in jenen Jahren Kurdirektor Wolfgang Städtler und Dr. Herbert Pfisterer vom Kur- und Verkehrsverein, der bis 2005 die gesamte Werbung und Außendarstellung Bad Reichenhalls – vor allem auf vielen Tourismus-Messen – voran brachte. Neue Schaltzentrale der Aktivitäten war das neu gebaute Kurgastzentrum. Bis 1987 war die „Touristinfo“ von Bad Reichenhall in einen Raum am Bahnhof (heute Eisdiele) untergebracht.

Sole-Bewegungsbad mit Therapiebecken

Damals wurden noch im Sole-Bewegungsbad „Rupertus“ Bewegungstherapien durchgeführt, aber auch Yoga, Tänze und Skigymnastik standen auf dem Programm. Und was die Ernährung betrifft, war man bereits in den 80er-Jahren längst am Umdenken. Diäten, Vollwert- und Schonkost waren die sichtbaren Zeichen davon. Selbst einzelne Betriebe spezialisierten sich darauf, wie etwa die Hotel-Pension Hansi in der Rinkstraße oder die Schroth-Kuranstalt in der Vogelthennstraße. Beide Betriebe gibt es heute nicht mehr. Im damals neuen Kurgastzentrum wird den Gästen „entspannte Unterhaltung in absolut rauchfreien Räumen bei nichtalkoholischen Getränken“ versprochen. Rauchfrei – war damals noch die besondere Ausnahme.

Eine große Kneipp-Abteilung

Neben einer Anzeige des „Sanatorium der Barmherzigen Brüder“ findet sich ein Beitrag zum Wandel der ‚Volksgesundheit‘. Schon damals sprach man von einer Zunahme der Alterskrankheiten. „Wer zur Kur fährt ist kein Drückeberger“ lautet die Headline. Die Kur werde weiter an Bedeutung gewinnen, waren sich ihre Fürsprecher sicher. Lebensqualität habe etwas mit „biologischer und psychischer Lebensbalance“ zu tun. Zu jener Zeit hat man kräftig investiert, etwa auch die Barmherzigen Brüder, in einem neuen Gymnastiksaal, ein Bewegungsbad und eine Vergrößerung der Kneipp-Abteilung und des Saunabereiches.

Geburt des ‚Sanften Tourismus‘

Touristisch mühte man sich einem ’sanften Tourismus‘ auf die Spur zu kommen oder ihn gar in die Spur zu bringen. War es damals die Sehnsucht nach einer ‚heilen Welt‘, litt man zu sehr unter der sich ständig drehenden Erfolgsspirale, den Änderungen in der Gesellschaft, der Harmonie zwischen Job und Familie? Die Ursachen waren damals ebenso vielfältig wie heute. Dr. Herbert Pfisterer vermutete dahinter sogar den Einfluss einer stärker werdenden ‚New-Age-Bewegung‘, von der heute keiner mehr spricht. Das New-Age des 21. Jahrhunderts hat weder geistig noch spirituell den erhofften Segen gebracht.

Gesundheitsbildung
und medizinische Aufklärung

Gesundheitsbildung, Patientenschulung und medizinische Aufklärung waren da wohl die seriöseren Ansätze um vor allem den Ruf des Staatsbades zu festigen. „Medizinische Aufklärung ist gefragt, die Kurgäste danken es.“ Und damals konnte man nicht einfach mal bei Google nachfragen. Der moderne Mensch sei gefordert von einer Gefährdung von Herz und Kreislauf, Bewegungsarmut, Allergien, Stress, Blutzucker und Bluthochdruck. Das klingt für uns auch heute noch nicht ganz unbekannt. „Kur- und Fachärzte sollen zwischen Arzt und Patienten ein Gefühl der Partnerschaft und des ‚Vertraut-Seins‘ herstellen.“

Das Hotelsterben begann bei den Pensionen

Das Hotel ‚Bayerischer Hof‘ und ‚Salzburger Hof‘ standen damals noch unter der Leitung der Hoteliersfamilie Herkommer, -Die Pensionen Villa Augusta, Hotel Aurora, Gästehaus Eisenrieth, Gästehaus Laxenburg, Haus garni Rosette gibt es heute nicht mehr, ebenso das Hotel Tiroler Hof, Hotel St. Peter, Sanatorium Dr. Mack, Sanatorium der Barmherzigen Brüder, Hotel Panorama, Hotel Hansi, Kuranstalt Geyer und auch die anderen Kuranstalten, die einstigen Hochburgen der Gesundheit. Einige der wenigen Pensionen die überlebt haben ist das Hotel Steiermark. Es feiert im Februar sein 50-jähriges Bestehen.

Dazu zählten die Kuranstalt Fürstenbad, das Viktoriabad, das Staatlich-Städtische Kurmittelhaus, die Kuranstalt Becker und auch die Kuranstalt Salus, die heute zur Klinik ausgebaut ist. Seit 30 Jahren ist in Bad Reichenhall kein neues Hotel mehr gebaut worden, ganz im Gegenteil. Viele haben für immer geschlossen. Die Hotels und Pensionen hatten damals auch noch keine Sterne, selbst nicht das Grandhotel Axelmannstein, es brauchte sie auch nicht, denn unter der Leitung von Steigenberger war es jeder Kritik enthoben und prominenten Gäste aus aller Welt logierten hier.

Kur-Anstalten: Es ist paradox, doch sie wurden teilweise wie Anstalten geführt. Lange Wartezeiten, bis man endlich mit seinen ambulanten Kuranwendungen an der Reihe war. Doch sie haben viel für die Volksgesundheit geleistet.