Schlagwort-Archive: familie

Syrische Familie findet neue Heimat in Deutschland

2016 wurde für den heute 43jährigen Syrer Bassam Almawas und seiner Familie zu einem Schicksalsjahr. Er floh im Februar mit seiner Frau und vier Kindern im Alter von 6 bis 15 Jahren über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Österreich nach Deutschland. Wenige Wochen zuvor waren in seiner Heimat 50 Dörfer im Umfeld der Stadt Hamas zerstört worden, auch das Haus der Familie. „Da lebt heute niemand mehr“, ist sich Bassam sicher. Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges war er in seiner Gemeinde beim Ordungsamt angestellt und für die Kontrolle von Neubauten zuständig.

Bassam Almawas flüchtete mit seiner Familie 2016 aus Syrien. Heute spricht er fließend Deutsch, ist als Fussballer aktiv, hat die Prüfung zum Schiedsrichter abgelegt und leistet ein FSJ beim Malteser Hilfsdienst. - Foto: Gerd Spranger
Bassam Almawas flüchtete mit seiner Familie 2016 aus Syrien. Heute spricht er fließend Deutsch, ist als Fussballer aktiv, hat die Prüfung zum Schiedsrichter abgelegt und leistet ein FSJ beim Malteser Hilfsdienst. – Foto: Gerd Spranger

Über die Zerstörung seiner Heimat hiaus trieb ihn vor allem die Sorge um die Zukunft der Kinder zur Flucht. „Es gibt dort heute keine Schulen mehr, keine Ausbildung und keine Arbeit. Welche Zukunft haben junge Menschen dort“, fragt der Familienvater. Schuld am Terror ist für Bassam Almawas der IS und das Assad-Regime. Und so verlässt er das Land, bricht in Richtung türkischer Grenze auf und fand für sechs Monate Unterkunft in einem kleinen Dorf. Zwei Monate lebte er mit der Familie in einem kleinen Zelt. Seine Freunde und Bekannte waren damals selbst auf der Flucht.

In drei Wochen
von der Türkei nach Deutschland

Am 1. Februar 2016 überquerte er mit einem Flüchtlingshelfer die Grenze zur Türkei, und lohnte für diesen Dienst für jede Person 600 Euro. Es war nicht das letzte Mal, dass er zahlen musste. Mit dem Bus ging die Reise weiter nach Izmir und von dort aus nach Griechenland. Erneut wurden für jede Person über 600 Euro „Hilfsgeld“ erhoben. „Auf einem kleinen Schlauchboot, bei der Überfahrt vom türkischem Festland zu einer griechischen Insel, mit 60 Personen beladen, bekamen wir es das erste Mal richtig mit der Angst zu tun, vor allem die Kinder“, erinnert er sich. Die nächste Reise auf einem großen Schiff kostete die sechsköpfige Familie 1200 Euro und brachte sie bis nach Serbien. Weiter ging es auf weiten Fußmärschen und mit Bussen, bis die Familie am 25. Februar 2016 bei Passau an der deutschen Grenze stand. „Wollen Sie weiterreisen nach Skandinavien oder Kanada oder in Deutschland bleiben“, wurde Bassam gefragt. Er wollte bleiben, und schon am nächsten Tag ging es mit Bussen in die Nähe von Nürnberg in eine Sammelunterkunft.

Da war sie nun, die kleine Familie, am Ziel ihrer Träume?, sie und weitere Zehntausende, die Schutz, Versorgung und Zukunft in Deutschland suchten. Es gab dort glücklicherweise auch einen Ansprechpartner der gut arabisch und deutsch sprach. Er half schnell bei den nötigen Formalitäten. „Wir habe in Deutschland vom ersten Monat an Unterstützung erhalten, auch für die Kinder“, freut sich Bassam. Drei Wochen später ging es weiter in das Berchtesgadener Land, wo die Familie bis heute lebt. „Das größte Handicap war immer die Sprache gewesen“, erzählt Bassam, doch er und seine Familie lernten schnell. „Die Kinder kamen in Bad Reichenhall innerhalb weniger Tage in die Schule und lernten in ihrer freien Zeit intensiv deutsch, so dass sie die Sprache innerhalb weniger Monate weitgehend beherrschten, sie zumindest gut verstanden.

Sprachunterricht im Schroffen
und im bfz-Freilassing

Untergebracht waren sie im ‚Schroffen‘ mit zehn Familien, den der Unternehmer Max Aicher renovieren und als Flüchtlingsunterkunft ausbauen ließ. Über das Netzwerk des Unternehmens organisierte man kurzfristig drei Lehrkräfte, die allen dort wohnenden Sprachunterricht gaben. Später folgte im bfz Freilassing ein regulärer Deutschunterricht mit Vermittlung der Sprachzertifikate A1, A2 und B1 – so dass einer fließenden Unterhaltung nichts im Wege steht. Damit war man nun „endlich angekommen in Deutschland“ und Bassam ließ keine Zeit verstreichen. Wann immer möglich, vertiefte er seine Deutschkenntnisse. Schon 2018 hatte er in Freilassing einen ‚ersten Job‘ gefunden und legte die deutsche Führerscheinprüfung ab. Nicht das Fahren selbst – er fährt seit 20 Jahren Auto – sondern die Sprache setzte bei der Prüfung Herausforderungen, die er aber mit Ehrgeiz und Fleiß zu meistern wusste.

Kinder in Deutschland zuhause

2017 findet er für sich und seine Familie eine eigene Wohnung, über Bekannte, über die so vieles läuft. Bassam ist ein aktiver Mensch, blickt selten zurück und meist nach vorne. Dennoch haben er und seine Frau bis heute Heimweh nach Syrien, ihrer alten Heimat. Die Kinder hingegen, heute zwischen 10 und 19 Jahre alt, möchten bleiben. „Was sollen wir dort in Syrien“, fragen sie. Der Große hat bereits im Beruf Fuß gefasst, der jüngere Bruder will eine Ausbildung zum Automechatroniker durchlaufen. Die beiden Schwestern gehen noch zur Schule. Bassam arbeitet seit einem halben Jahr beim Malteser Hilfsdienst in Vollzeit im Rahmen eines „Freiwilligen Sozialen Jahres“ , ist im Fahrdienst für Menschen mit Behinderung und im Menüservice eingesetzt. Die Mutter, die sich zuhause um die sechsköpfige Familie kümmert, legt aktuell den dritten Deutschkurs, die Prüfung zum B1-Niveau ab. Auch sie will sich die nächsten Monate für einen Job bewerben.

Zertifikat zum Schiedsrichter

Für Bassam ist die Arbeit eine Bereicherung, denn „so komme ich mit Einheimischen ins Gespräch und kann viele Kontakte knüpfen.“ Das ist aber nicht sein einziger Bezug, denn als leidenschaftlicher Fußballer spielt er für den Verein „BGL International Freilassing“ und hat die Gelegenheit genutzt, eine Ausbildung zum Schiedsrichter zu durchlaufen. „Die Regeln kenne ich natürlich, die sind auch in Syrien nicht anders. Schwer war es, die ganzen Fachbegriffe auf deutsch zu lernen.“ Doch auch das meisterte der engagierte und optimistische 43jährige. Aktuell hat er sich einer neuen Aufgabe gestellt und absolviert einen Grundkurs beim Technischen Hilfswerk in Mitterfelden.

Syrischer Reisepass
oder deutscher Ausweis?

Kontakt zur seiner alten Heimat pflegt er in täglichen Telefonaten. Drei seiner Brüder leben noch dort und auch seine Mutter. Bassam überlegt wie er ihnen dort helfen kann. „Die Kosten für Lebensmittel sind in Syrien sehr hoch, doppelt so hoch wie in Deutschland“, erzählt er. Bassam strebt eine Festanstellung im sozialen Bereich an, doch das braucht seine Zeit. Einen Personen-Beförderungsschein etwa kann er erst im Herbst erwerben, denn dazu muss er den deutschen Führerschein zwei Jahre lang besitzen. Eine Ausbildung erscheint ihm als zu problematisch, vor allem der Wechsel zwischen Arbeitsstelle und Berufsschule. Vor Herausforderungen stellt ihn zudem die alle zwei Jahre nötige Verlängerung des syrischen Reisepasses für die ganze Familie. „Dafür müssen wir alle in das Konsulat nach Berlin reisen und die Kosten belaufen sich auf 2500 Euro plus Reisespesen und Übernachtung“, gibt er an. Warum er keinen deutschen Pass erhält, versteht er nicht. Ansonsten ist Bassam Almawas längst angekommen in Deutschland, hat sich und seine Familie schnell integriert, will nicht nur nehmen, sondern auch geben, sich in die Gesellschaft einbringen. Er ist dem deutschen Staat dankbar, der ihm ein neues Leben fern der Heimat ermöglicht hat. Die Menschen hier im Berchtesgadener Land erlebt er als aufgeschlossen und sehr hilfsbereit. Mit Ausländerfeindlichkeit sah er sich in den drei Jahren noch nie konfrontiert.

Stefanie Kohl bringt viele Branchen zusammen

Im Team den neuen Kurs bestimmen
Über Grenzen hinaus gehen

(gsp) Aktuell segelt der Gewerbeverein der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden in einer kräftigen Brise bei ruhiger See. Ein ganzes Dutzend erfolgreicher und wiederkehrender Veranstaltung sind bestens organisiert und sorgen für eine Belebung der Marktgemeinde, der Zusammenhalt und die Stimmung im Verein ist gut, und es herrscht eine Aufbruchstimmung. Doch gebrauchen die Unternehmer lieber das Bild eines großen Ruderbootes, in dem jeder seinen Platz findet und im gleichen Takt Fahrt aufgenommen wird. Neue Steuerfrau ist seit vergangene Woche Stefanie Kohl, die zur ersten Vorsitzenden gewählt wurde (wie berichtet).

Sie kennt ‚das Rudern‘, stammt aus einer Unternehmerfamilie, hat sich viele Jahre als alleinerziehende Mutter behaupten müssen, und parallel dazu eine Karriere gemacht, die von Wechsel und Herausforderungen geprägt war. Von der Textilreinigung über die Steuerfachgehilfin hin zur Finanzbuchhalterin war es ein weiter Weg. Doch für ‚Steffi‘, wie sie hier in Berchtesgaden genannt wird, war damit nicht Schluss. Sie machte weiter als Microsoft Office-Beraterin in Stuttgart, war Assistentin der kaufmännischen Leitung der Schönklinik und machte ihre Fachwirtin im Gesundheitswesen. Einen neuen Weg schlug sie ein, als sie 2013 ihren heutigen Mann und Unternehmer Alexander Kohl kennenlernte.

„Heute arbeite ich im Unternehmen mit und freue mich in einer Großfamilie zu leben“, bekennt sie. Ihre vier Söhne sind mittlerweile erwachsen und auch ein erster Enkel zählen zur Familie, ebenso wie ein Hund. Das hört sich nicht nach Langeweile an, sondern nach einem ausgefüllten Leben. Dennoch hat sie sich bei den AUB zur Wahl gestellt, ‚ein Herzensanliegen‘, nannte sie es. Was aber hat Stefanie Kohl vor, was bewegt sie?

Mit Diplomatie zum Erfolg

Selbst sieht sie sich, ebenso wie ihren Vorgänger Berni Zauner, als Diplomatin die anpacken kann und Ziele erreicht. Als geborene Waage wünscht sie sich gut im Team zu arbeiten und hier scheint der Vergleich zum Ruderboot wieder durch. Bei einer großen Besatzung – und die Aktiven Unternehmen zählen 150 Mitglieder – kommt es auf den Gleichklang an, um vorwärts zu kommen. Darum möchte sie sich zuerst mit ‚den Machern‘ und Beiräten über gemeinsame Ziele unterhalten.

Eines aber ist ihr schon heute am Herzen. Sie will den Verein weiter öffnen. „Wir haben von der Marktgemeinschaft Berchtesgaden bis hin zu den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden schon einen weiten Weg hinter uns. Zugleich gibt es noch viel Potential in anderen Berufen und Dienstleistungsunternehmen und auch aus den anderen vier Gemeinden des inneren Landkreises finden hoffentlich noch viele Selbständige den Weg zu uns“, wünscht sich Steffi. „Auch ein Arzt oder Heilpraktiker, ein Handwerker oder Dienstleister haben gute Ideen und ihre spezielle Sicht auf die Dinge. Das hilft uns insgesamt und jedem Einzelnen weiter.“

Die eigenen Stärken erkennen

Zugute kommt ihr die breite Ausbildung in ganz unterschiedlichen Berufsfeldern. Sie kennt viele Facetten, vom Familienbetrieb bis hin zum Großunternehmen, und das in unterschiedlichen Branchen. Flexibilität in Verbindung mit fachlicher Kompetenz sind heute gefragte Tugenden. Steffi Kohl hat sich entschlossen, das zum Wohl von Berchtesgaden einzubringen. „Wenn wir gemeinsam stark sind, müssen wir eine Konkurrenz aus Salzburg oder über das Internet nicht scheuen. Wir haben unsere ganz eigenen Stärken und das weit über das eigene Geschäft hinaus, wie etwa die Marktfeste – von den Wochenmärkten bis zu den Ganghofer-Sonntagen, die Live-Musik jeden Montag oder ganz besondere Events wie ‚Berchtesgaden leuchtet‘ – zeigen.

Auf dem Jenner ist jetzt ein weiterer ‚besonderer Termin‘ gesetzt. Es ist der Event und die 40-Jahr-Feier der City Blues Connection mit Norbert Egger an der Spitze unter dem Motto: „Blues, Jazz ’n‘ Rock on Top“ am 31. August. Auch hier wirken viele potente Partner zusammen wie die Aktiven Unternehmen Berchtesgaden e.V., die Jennerbahn GmbH und die Familie Egger Holding AG. „Der Event ist in erster Linie unseren Mitarbeitern gewidmet. Es ist ein großes DANKESCHÖN für ihre Leistungen, ihren Einsatz, den sie das ganze Jahr über aufbringen“, betont Stefanie Kohl.