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Ferienausschuss des Landkreises tagt trotz Coronakrise

Foto: Ein ungewöhnlicher Anblick bot der Ferienausschuss des Landkreises Berchtesgadener Land. Atemschutz und große Abstände sorgten für ein hohes Maß an Sicherheit. Fotos: Gerd Spranger

Die April-Tagung des Kreisausschusses des Berchtesgadener Land war historisch, denn sie stand mit Atemschutzmasken und weiten Sicherheitsabständen ganz im Zeichen des Coronavirus. Als Sonderform wurde ein Ferienausschuss berufen, der sonst nur auf Ebene der Gemeindeverwaltungen üblich ist. Landrat Georg Grabner betonte: „Wir haben eine Umlaufzustimmung von über 50 Kreisräten erhalten. Gemäß dem Stimmanteil der Fraktionen war im Ferienausschuss nur jeder dritte Platz besetzt. Georg Grabner bat, sich angesichts der besonderen Umstände kurz zu fassen, die ausführlichen Vorlagen seien für die Kreisräte ja bereits seit Tagen im internen Informationsdienst des Landratsamtes eingestellt und nachzulesen.

Letzte Sitzung des Kreistages
mit Landrat Georg Grabner

Die besondere Sitzung des Ferienausschusses war zugleich die letzte Kreistagssitzung von Landrat Georg Grabner, der nach 18 Dienstjahren offiziell an seinen Nachfolger Bernhard Kern übergibt. Viele langjährige Kreisräte sprachen Landrat Georg Grabner für sein Engagement über fast zwei Jahrzehnte für den Landkreis ihren Dank aus. Ein ‚Dankeschön‘ erging auch an Nicole Fegg, der Fachbereichsleiterin für das Finanzmanagement. Sie und ihr Team haben über viele Monate hinweg die Umstellung des Haushaltes des Landkreises von der Kameralistik, die eher einer einfachen Buchhaltung entspricht, hin zum doppischen System und damit zur doppelten Buchführung bewältigt. Landrat Georg Grabner merkt dazu an: „In der freien Wirtschaft arbeiten nur noch Kleinstbetriebe mit einer einfachen Buchführung. Alle anderen sind ’seit ewigen Zeiten‘ zur doppelten Buchführung mit Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz verpflichtet.“ Im doppischen Haushalt würden zur Finanz-, Ertrags-, und Vermögenslage zusätzlich Informationen über Produkte mit den jeweiligen Zielen und Kennzahlen als Gestaltungsmöglichkeit des Kreistages und der Verwaltung abgebildet.

Schuldenfreier Landkreis
und niedrige Kreisumlage

Erstmals in der Geschichte des Landkreises sei es möglich, die Kreisumlage mit 44 Prozent auf den tiefsten Stand ihrer Geschichte zu setzen. Dies war möglich, da der Landkreis Berchtesgadener Land heute schuldenfrei sei. „Zu Beginn meiner Amtszeit im Jahr 2002 musste der Landkreis eine Schuldenlast von 32 Millionen Euro tragen und zwischenzeitlich sogar 43,2 Millionen. Zum 31.12.2019 verbuchen wir noch 12 Millionen Schulden, denen liquide Mittel von rund 22,3 Millionen Euro gegenüberstehen. Wir übergeben damit der nächsten Generation ein tragfähiges Erbe“, bekräftigte Grabner, sprach aber zugleich negative Folgen der Cornakrise an, die sich die nächsten Jahre auch im Landkreis bemerkbar machen würden. Kreisrat Hans Metzenleitner plädierte darum für ein faires Miteinander von Landkreis und Gemeinden. „Wir müssen die Balance halten, die Krise wird uns noch alle fordern und wir dürfen nicht über unsere Belastungsgrenzen gehen.“

23,5 Millionen für die
drei Klinikstandorte

In einem kurzen Rückblick erinnerte Grabner an die großen finanziellen Leistungen des Landkreises für die Kliniken. „Angefangen mit einer Zahlung von sieben Millionen Euro an die Stadt Bad Reichenhall für das ehemals Städtische Krankenhaus, über die Baumaßnahmen an der Kreisklinik Berchtesgaden mit fast vier Millionen, der Defizitausgleich der Kreiskliniken von 5,5 Millionen und eine Liquiditätshilfe für die Kliniken Südostbayern im Jahr 2014 von fünf Millionen Euro. Dazu leistet der Landkreis seit 2018 einen jährlichen Investitionskostenzuschuss von einer Million Euro für die Kliniken SOB AG.“ Landrat Georg Grabner summierte so die Investitionen in die drei Klinikstandorte des Landkreises auf 23,5 Millionen Euro. Als weiteren Schwerpunkte nannte der Landrat die zentrale Verwaltung, wo in den nächsten Jahren besonders der Neubau des Dienstgebäudes belasten werde und das Thema „Schulen und Kultur“. Grabner bezeichnet es als einen Schwerpunkt der Arbeit des Landkreises und zugleich als ein persönliches Herzensthema.

 

Landkreis muss handeln:  Karlsgymnasium zu klein

Umstellung auf G9 und mehr Schüler brauchen Platz
Bedarfsprüfung und Machbarkeitsstudie

Es war vor gerade einmal drei Jahren, als die Generalsanierung des Karlsgymnasium in Bad Reichenhall abgeschlossen wurde. Diese Woche stand es erneut auf der Tagesordnung des Kreisausschusses des Berchtesgadener Landes, denn Grundlage der Sanierung war ein G8-Gymnasium, das nach 14 Jahren nun wieder einem Neunjährigen (G9) weicht. Das bedeutet mehr Klassen, mehr Schüler und damit auch einen höheren Platzbedarf. In der Beschlussvorlage für den Kreistag heißt es: „Für ein 4,5 zügiges Gymnasium fehlen neun Unterrichtsräume, Flächen für die moderne Unterrichtsgestaltung sowie Pausenflächen.“ Für ein fünfzügiges Gymnasium fehlen sogar 15 Unterrichtsräume.

2016 wurde auf Grundlage eines G8-Gymnasium erst die Renovierung des Karlsgymnasium abgeschlossen. Die Rückkehr zu G9 und mehr Schüler fordern jetzt mehr Platz, der Landkreis muss handeln.
2016 wurde auf Grundlage eines G8-Gymnasium erst die Renovierung des Karlsgymnasium abgeschlossen. Die Rückkehr zu G9 und mehr Schüler fordern jetzt mehr Platz, der Landkreis muss handeln.

Landrat Georg Grabner weist jedoch darauf hin, dass „der Bedarf eines Landkreises nicht über eine einzige Schule ermittelt wird, sondern immer auf den Landkreis bezogen ist.“ Aktuell erreiche man aber auch beim Rottmayr-Gymnasium in Laufen die Grenzen der Kapazität. „Damit besteht ein berechtigtes Interesse, den Bedarf der Erweiterung mit der Regierung von Oberbayern abzustimmen.“ Die nächsten Jahre sei zudem mit steigenden Schülerzahlen zu rechnen.

Konkret bedeute es über den Ministerialbeauftragten die Zahl der Klassen pro Jahr festzulegen (aktuell 4,5), die Weiterführung der Einführungsklassen sowie die Notwendigkeit von Unterrichtsflächen für die moderne Gestaltung des Unterrichts mit pädagogischen Konzept. Dafür brauche es eine Abstimmung des Raumprogramms zur schulaufsichtlichen Genehmigung und einen Antrag der Kostenübernahme auf Grund des Konexitätsprinzips. Das alles werde Zeit in Anspruch nehmen, so dass für das Schuljahr 2020/21 Interimslösungen erforderlich sein werden, ist das Resümee der Beschlussvorlage.

Kreisrat Dr. Bernhard Zimmer hinterfragte dabei die Interimslösungen kritisch. „Container dürfen keine Dauerlösung sein. Wie hoch ist der Bedarf tatsächlich, und ist nicht auch eine hochwertige Holzbauweise, möglicherweise als flexible Module ausgeführt, denkbar?“ Ebenso bewertet er die Umnutzung bestehender Räume nicht immer als sinnvoll. „Fachräume müssen dabei tabu sein und auch die Gruppenräume sind begrenzt.“

Landrat Georg Grabner beruhigt und erinnert an den Genehmigungsprozess: „Wir müssen für die Zukunft reagieren und darum zunächst den Bedarf prüfen und von der Schulaufsichtlich genehmigen lassen. Eigentlich sind die Flächen ausgereizt und wir müssen prüfen, ob wir irgendwo aufstocken können. Dabei sollten alle Lösungen relevant sein, ob Container, Modul- oder Holzbauweise, ob Miete oder Kauf. Bei allem ist die künftige Entwicklung abzuschätzen.“

Der Beschlussvorschlag für den Kreistag ist darum komplex. Die Verwaltung soll beauftragt werden:

  • Die schulaufsichtliche Genehmigung und die Prüfung der Konnexität für die notwendige Erweiterung am Karlsgymnasium abzustimmen.
  • Eine Machbarkeitsstudie für die Grundlagenermittlung einer möglichen Erweiterung durchführen zu lassen.
  • Die Kosten für die Planung und Umsetzung einer Interimslösung ab dem Schuljahr 2020/21 im Haushalt 2020 einzuplanen.

Auszeichnung für den Kapuzinerhof

„Der Mensch ist es uns wert“

(gsp) Das Seminarhotel Kapuzinerhof in Laufen wurde jetzt als Teilnehmerbetrieb am „Umweltpakt Bayern“ für seine besonderen Verdienste und Leistungen ausgezeichnet. Der Umweltpakt ist eine freiwillige Vereinbarung zwischen dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und der bayerischen Wirtschaft und geht auf das Jahr 1995 zurück. Nicht ganz so weit reicht die Geschichte des Seminarhotels Kapuzinerhof in Laufen, es wurde nach der Renovierung, Erweiterung und Modernisierung des alten Klosters 2001 eröffnet und steht seit 2008 unter der Führung von Peter und Sina Fingerhut. Heute sind 40 Mitarbeiter beschäftigt und die meisten von Ihnen sind mindestens acht Jahre im Betrieb.

Bürgermeister Hans Feil, Hotelmeisterin Johanna Feil, Managerin und Hotelierin Sina Fingerhut, Landrat Georg Grabner – Fotos: Gerd Spranger

Umweltschutz ist für Sina Fingerhut nicht eine Sache des Images. „Was hilft ein Etikett oder ein Qualitätssiegel, wenn nicht erfüllt wird was es verspricht“, fragt sie. „der Mensch im Allgemeinen und unsere Gäste im Besonderen sind es wert, das Beste zu bekommen, was unsere Region zu bieten hat.“ Dass bei ihr hinter den Worten auch harte Fakten stecken, zeigen fast 30 Kriterien, die das Seminarhotel Kapuzinerhof aktiv für den Schutz der Umwelt erfüllt. Das beginnt bei der Schulung der Mitarbeiter, reicht über die Einsparung von Energie bis hin zu Lebensmitteln, die vorwiegend aus regionalem und ökologische Anbau bezogen werden. Selbst die Möglichkeit E-Bikes und Elektrofahrzeuge aufzuladen wird geboten.

Umweltschutz und gut wirtschaften

Landrat Georg Grabner, sprach bei der Überreichung der Urkunde vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz von Synergien und der gegenseitigen Bereicherung und Befruchtung bei der Umsetzung des Umweltgedankens. „Der Kapuzinerhof ist ein ganz hervorragendes Beispiel dafür, dass jeder von uns etwas für den Schutz der Umwelt tun kann. Für einen Betrieb heißt das in der Folge, dass er durch nachhaltiges Wirtschaften auch Kosten einspart, es rechnet sich.“

Landrat Georg Grabner gratuliert der Hotelbetreiberin Sina Fingerhut zu dem Erfolg des Seminarhotels Kapuzinerhof in Laufen.

Der Landrat erinnert sich, dass er sich vor über 15 Jahren beim Minister Thomas Goppel, als Abgeordneter im Bayerischen Landtag, intensiv für eine wirtschaftliche Nutzung der damals brach liegenden Klostergebäude eingesetzt hat. Es ist bis heute die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen, die das Seminarhotel nutzt. Doch der Kreis der Kunden reicht weit darüber hinaus und der Kapuzinerhof hat sich in Deutschland und Österreich einen guten Namen gemacht, ist an vielen Monaten im Jahr ausgebucht. Er lebt aber nicht nur vom Seminar- und Tagungsgeschäft, sondern ebenso von Familienfeiern und Firmenevents. Bürgermeister Hans Feil aus Laufen bekräftigt dabei die ausgezeichnete Qualität des Restaurants.

Urgemüse und regionale Produkte

Der Erfolg kommt aber nicht von ungefähr und zentral ist auch hier der Umweltgedanke und die Nachhaltigkeit verankert. „Wir haben noch nie einen Meeresfisch oder Garnelen, sondern ausschließlich heimische Fische auf der Karte geführt. Unsere Gäste haben das auch immer zu schätzen gewusst“, nannte Hotelmeisterin Johanna Feil ein Beispiel. Vor zehn Jahren etwa habe man bereits damit begonnen, vergessenes Urgemüse, Saaten und Kräuter vorzustellen und wieder in Erinnerung zu bringen. „Wir brauchen keine Modetrends, müssen nicht besser, höher oder weiter springen, um mit der Zeit gehen zu können. Wir bleiben auf dem Boden der Tatsachen und versuchen einen kleinen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten“, gibt sich die Hotelmeisterin bescheiden.

Stadt Laufen mit hohem Freizeitwert

Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder der Mensch, war man sich bei dem Austausch im Landratsamt einig. Georg Grabner betonte, „dass es einfach zu spüren ist, ob der Service oder auch das, was die Karte bietet, mit Herz und Verstand zubereitet ist. Man schmeckt es ebenso, wie man Herzlichkeit spüren kann. Und das ist nicht nur eine Phrase, denn ‚Herzlichkeit‘ ist uns heute weitgehend verloren gegangen.“ Ebenso zählen auch das Umfeld zu den ‚Erfolgsfaktoren‘ und Laufen etwa verstrahle ein wenig abseits der Bundesstraße einen südlichen Charme, ist sich Bürgermeister Feil sicher. Das werde auch immer mehr wahrgenommen, denn nicht umsonst sei die Einwohnerzahl des Salzachstädchens in den letzten zehn Jahren von 5.800 auf 7.200 gestiegen. Laufen punkte mit seiner Nähe zum Abstorfer-, Waginger-, Obertrumer- und Mattsee sowie zu seiner Nähe und guten Anbindung nach Salzburg.

Die richtige work-life-balance

Herausforderungen kommen aber noch von einer ganz anderen Seite. „Die Menschen streben heute immer mehr nach einer ‚work-life-balance“, ist sich der Landrat sicher. Für die Hotellerie und Gastronomie aber setze das andere Herausforderungen als im Öffentlichen Dienst. „Hier muss noch viel getan werden“, räumt die Chefin des Kapuzinerhofes ein, sieht den eigenen Betrieb aber auf einen guten Weg. „Wir sind kein Saisonbetrieb und wir arbeiten in zwei Schichten“, bekräftigt sie. „Auch hier arbeiten wir nachhaltig und die Mitarbeiter danken es uns. Natürlich möchten wir Familie und Beruf miteinander in Einklang bringen“, sonst wären wir schlechte Arbeitgeber und Gastgeber.“

Bestnote für den Kapuzinerhof

Das bestätigen ebenso die Gäste, denn sie gaben dem Haus bei Holiday-Chek 5,8 von möglichen sechs Punkten. Ausgezeichnet wurde das Seminarhotel bereits von der Europäischen Union der Köche, von Slow-Food Deutschland, von der Solidargemeinschaft Berchtesgadener Land, von Greentable und aktuell vom Umweltpakt Bayern.

Investitionen von 278 Millionen Euro in den Landkreis

Der neue Haushaltsplan des Landkreises – Hohe Hilfen für Jugend und Senioren

Für Landrat Georg Grabner hängt vom neuen Haushalt des Landkreises 2019 die Zukunftsfähigkeit des Landkreises ab. Und in der Tat ist der Haushalt bemerkenswert. Die Kreisumlage fällt um drei Prozent auf 46 Prozent, den niedrigsten Wert seit 1991. Die Investitionen aller Gemeinden beträgt von 2018 bis 2022 rund 278 Millionen Euro. Für das Jahr 2019 weist der Verwaltungshaushalt für die Landkreisaufgaben Einnahmen und Ausgaben von 111,7 Millionen Euro aus. Der Landrat betont: „Das gemeinsame Anpacken und Zusammenhalten ist Grundlage für die erfolgreiche Arbeit für unseren Landkreis und seine Bürgerinnen und Bürger. Angefangen beim Kreistag über die Fraktionsgrenzen hinweg und hin zu den Städten und Gemeinden und vielen Akteuren.“

Auf der noch schneebedeckten sonnigen Wiese soll der Neubau des Landratsamtes für 37,5 Millionen Euro entstehen. Im hinteren, schattigen Teil dann eine Siedlung mit 162 Wohneinheiten. Kritiker merken an, dass bei einem Erhalt des jetzigen Landratsamtes die Siedlung ebenso auf der Wiese gebaut werden könnte und werten die Argumentation für eine Schaffung von sozialverträglichen Wohnraum als eine Schutzbehauptung. Foto: Gerd Spranger

Gleichzeitig mahnt Georg Grabner an, dass man sich von der guten Entwicklung nicht täuschen lassen dürfe, es werde so nicht endlos weitergehen. Der Ausblick in die Zukunft sei bei weitem nicht mehr so positiv. Wer legte er auch auf die Feststellung, das der Landkreis Berchtesgadener Land „zwar immer noch die geringste Umlagekraft in Oberbayern hat, aber einen überdurchschnittlich hohen Zuwachs. Das heißt, wir holen kräftig auf!“ Die Verschuldung steigt leicht von 82,2 Millionen auf 90,2 Millionen Euro an.

Von dem Geld, das der Landkreis einnimmt verbleibt ihm mit 49,6 Prozent knapp die Hälfte. „Er muss die Bezirksumlage an den Bezirk Oberbayern und die Krankenhausumlage entrichten“, erklärt der Landrat. Im Einzelnen sieht der Haushalt folgende Ausgaben vor:

Sieben Ausgaben-Schwerpunkte

33,3 Millionen für die Jugend- und Sozialhilfe sowie Hilfen für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung. Der größte Posten ist hier mit fast 11,7 Millionen der Jugendhilfebereich. Für die Seniorenarbeit, die Behindertenarbeit und das Freiwilligen-Engagement sind im Haushalt des Landkreises 282.000 Euro angesetzt.

14 Millionen weist der Verwaltungshaushalt für Schule und Bildung aus. Unter Berücksichtigung des Vermögenshaushalts, also der Investitionen vor allem in das Rottmayr Gymnasium und das Förderzentrum in Höhe von 6,3 Millionen Euro für das Jahr 2019, sind im Bereich Schule und Bildung 20,9 Millionen Euro veranschlagt.

Mit 9 Millionen schlägt die Abfallwirtschaft zu Buche. Dabei wird der Landkreis die Abfallbeseitigung von den Gemeinden übernehmen. Gleichzeitig führt er ein neues Entsorgungskonzept inklusive Biomülltonne ein und begründet es mit einer Reduzierung der Restmüllmengen sowie einer gebühren- und bedarfsgerechten Entsorgung mit modernem Service.

600.000 Euro gehen in die Landkreisentwicklung und hier ganz konkret an die Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH (BGLW). 279.000 Euro im Verwaltungshaushalt und 75.000 Euro im Vermögenshaushalt werden für das Landkreisnetz GIS ausgewiesen.

Zwei Millionen sind zunächst für die Kliniken Südostbayern AG angesetzt und danach jährlich eine Million. Der gesamte hier nötige Investitionsbedarf wird jedoch mit 418,5 Millionen für die Jahre 2018 bis 2033 beziffert. Für die Kreisklinik Traunstein werden 289,5 benötigt, für die Kreisklinik Ruhpolding 4,24 Millionen und für die Kreisklinik Bad Reichenhall rund 125 Millionen. Offen bleibt, ob es für einen Neubau oder eine Generalsanierung benötigt wird.

Und das wiederum war ein guter Übergang zum Landratsamt selbst. Denn hier waren die Gemüter ob Neubau oder Generalsanierung um 37,5 Millionen Euro die letzten Monate doch etwas bewegt. Der Landkreis nun müht sich um eine gute Öffentlichkeitsarbeit und will mit 25. März diese auch beteiligen. Georg Grabner bekräftigt die Notwendigkeit eines Neubaues mehrfach.

Es soll ein neues Zentrum des Landkreises für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Bürgerinnen und Bürger werden. Auch ist die Schaffung zeitgemäßer Arbeitsplätze in ausreichender Zahl an einem Standort ein wichtiger Aspekt. Aktuell seien 100 Arbeitsplätze ausgelagert, denn im jetzigen Landratsamt sei einfach zu wenig Platz.

Errichtet werde das neue Landratsamt überwiegend in Holzbauweise. Damit leiste der Landkreis seinen Beitrag zum Klimaschutz. Darüber hinaus mit Energiesparmaßnahmen, Eigenstromversorgung durch eine Photovoltaikanlage und Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien. Der kompaktere Baukörper spare zudem Energie, Betriebs- und Bauunterhaltskosten.

Und von ganz besonderer Bedeutung sei für den Landkreis und die Stadt Bad Reichenhall die Schaffung von dringend notwendigen Wohnungen zu sozialverträglichen Preisen.

1.260 Wohnungen und Gewerbeeinheiten gehören dem Landkreis über die „Wohnbauwerk Berchtesgadener Land GmbH“, eine 100-prozentige kommunale Gesellschaft des Landkreises Berchtesgadener Land und zehn kreisangehöriger Kommunen. Sie soll mit 1 Million Euro Kapital zusätzlich gestärkt werden. Grabner ermutigte auch andere Gemeinden, sich hier stärker zu engagieren.

Trotz aller Investitionen soll der Schuldenstand bis 2023 insgesamt nur 27,4 Millionen Euro betragen. Dabei sei auch für 2019 eine Sondertilgung von zwei Millionen Euro eingerechnet, eine Kreditaufnahme von 8,7 Millionen im Jahr 2021 und eine weiterer Kredit von 11,42 Millionen im Jahr 2022.

Kreisrat vereidigt Simon Köppl

(gsp) Am Freitag wurde Simon Köppl als neuer Kreisrat vereidigt. Er rückt für Sabine Wimmer von der Liste ‚Bündnis 90/ Die Grünen‘ nach. Im Wortlaut heißt es: „Mit der Annahme der Wahl haben Sie, Herr Simon Köppl, sich bereit erklärt, für die laufende Amtsperiode die Geschicke des Landkreises Berchtesgadener Land verantwortlich mitzugestalten.“

Und gestalten möchte Simon Köppl (32), der sich seit 2007 kommunalpolitisch engagiert. „Damals ging es um die Olympiabewerbung“, erinnert er sich. Seit fünf Jahren ist er beruflich als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Forschungsstelle für Energiewirtschaft in München angestellt, doch an den Wochenenden und in seiner Freizeit ist er in der Ramsau bei seinen Eltern. Er nutzt fast jede freie Minute, um outdoor unterwegs zu sein, entweder beim Klettern oder auf Skitour.

Seine Heimat, das Berchtesgadener Land, hat er als eine überaus lebenswerte Region kennen und lieben gelernt. Für den ländlichen Raum aber sieht er große Herausforderungen auf sich zukommen. „Wir sollten ihn so lebenswert erhalten wie wir ihn vorfinden, die Naturressourcen schonen,“ bekräftigt er. „Aber auch die wirtschaftliche Entwicklung muss attraktiv bleiben, und hier vor allem hochwertige Arbeitsplätze“, ergänzt er.

Für den Landkreis ist er ganz offiziell im Jugendhilfeausschuss und in der Arbeitsgemeinschaft Soziale Dienste Berchtesgadener Land bestellt und führt auch hier die Arbeit seiner Vorgängerin Sabine Wimmer fort. Potential und Themen gibt es hier genug. So sei etwa das Spannungsfeld von

Pflege und Rente ein Dauerthema, auch im Berchtesgadener Land. „Die Bezahlung in den pflegenden Berufen ist viel zu niedrig, so bekommen wir den Fachkräftemangel nicht weg“, ist sich Simon sicher. Und blickt man auf den Etat des Kreistages, muss man auch sehen, was und wo in die Jugend investiert wird. Wie ist die Verteilung der Budgets?“ fragt er. Es gibt viel zu tun und Simon Köppl ist jemand, der ‚gerne anpackt‘, zumal er jetzt eines der jüngsten Mitglieder des Kreistages im Berchtesgadener Land ist.

Landrat Georg Grabner und das neue Kreistagsmitglied Simon Köppl (r.) bei der Ableistung des Amtseides vor dem versammelten Kreistag Berchtesgadener Land.

Foto: Gerd Spranger