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Bergbahnen mit unterschiedlichen Konzepten aus der Krise

Nicht alles für jeden,
für jeden aber etwas auf dem Berg

Seit einigen Wochen läuft auch in Oberbayern der Tourismus wieder an. Gaststätten und Hotels sind geöffnet, Bergbahnen und Schiffe verkehren wieder. Die Redaktion hat sich bei den Bergbahnen in der Region umgehört, wie sie die Lockdowns verkraftet haben, ob der Neustart erfolgreich war und wie man die Zukunft einschätzt. In Bad Reichenhall steht dabei natürlich die Predigtstuhlbahn im Focus, die wegen einer starken Preiserhöhung in den Sozialen Medien großer Kritik ausgesetzt war.

Endlich fahren die Bergbahnen wieder (v.l.): Klaus Unterharnscheidt von der Predigtstuhlbahn, die Talstation der Untersbergbahn, Franz Moderegger von der Jennerbahn – Fotos: Gerd Spranger

Zahlte der erwachsene Besucher vor Corona noch 39 Euro für die Berg- und Talfahrt, so werden ihm für die Fahrt auf den Predigtstuhl jetzt 49 Euro berechnet, doppelt so viel wie bei anderen Seilbahnen in der Region. „Nein, es ist nicht der Pandemie geschuldet“, erklärt Geschäftsführer Klaus Unterharnscheidt, es sei die Fortschreibung eines Gesamtkonzeptes, den man jetzt als Premium-Entschleunigungsberg vermarkten möchte.“ Der Predigtstuhl und das alpine Gelände vom Hotel zur Schlegelalm, hinauf zur Schlegelmulde und weiter zum Hochschlegel, soll als Erweiterung der Kurstadt verstanden werden. „Mit gesunder pollenfreier Luft, Höhenkurwegen und ohne Massentourismus, ein Ort der alpinen Ruhe und Entschleunigung“, so der Geschäftsführer.

Predigtstuhl: Bei uns kein Massentourismus

Für Massentourismus sei der Berg ohnehin der falsche Ort, was die Geschichte und den Sonderstatus der Bergbahn, der ‚Grande Dame der Alpen‘, wie sie von Liebhabern gern bezeichnet wird, betrifft. Allein die Förderkapazitäten sind mit täglich bis zu 900 Personen völlig ausgereizt und dürften sich coronabedingt aktuell bei höchstens 450 Personen bewegen. Die 2019 komplett neu sanierte Jennerbahn etwa schafft in einer einzigen Stunde bis zu 1.600 Fahrgäste. Damit scheint es für die Bahn auf den Reichenhaller Hausberg keinen anderen Weg zu geben, als Klasse statt Masse zu fahren. „Wir wollen das einheimische Publikum aber mit hohen Preisen nicht aussperren“, beteuert Klaus Unterharnscheidt. „Es gibt einen deutlich verbilligten Abendtarif, und von Oktober bis März werden die Preise gesenkt“, verspricht er.

Die Folgen der Coronakrise musste die Predigtstuhlbahn, die seit 2015 Teil der Max Aicher Stiftung ist, selbst tragen. „Im Gegensatz zu vielen anderen Bahnen zählt die Predigtstuhlbahn zu einem Unternehmensverbund und dafür gibt es keine Coronahilfen“, beteuert Klaus Unterharnscheidt. Ganz anders verhält es sich bei der Jennerbahn. Hier sei man mit einem ‚blauen Auge‘ durch die Lockdowns der Jahre 2020 und 2021 gekommen, die staatlichen Hilfen haben gegriffen. „Nicht aber bei vielen Skiliften und Bahnen, die stark auf den Winterbetrieb fixiert sind. Hier gehen die Hilfen komplett am Bedarf vorbei und sind absolut unzureichend,“ stellt der Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG, Franz Moderegger klar.

Jenner: Mit hohen Kapazitäten gut gerüstet

„Uns brachte die starke Sommersaion 2020 auf dem Jenner mit 275.000 Fahrgästen noch ein gutes Ergebnis“, berichtet er weiter. „Freilich wären die Zahlen mit einem guten Ostergeschäft 2020 besser gewesen, das aber durch den ersten Lockdown ausfiel. Wenige Monate später mussten wir erneut schließen. Es war der früheste Lockdown in Deutschland, und der Anordnung des Landratsamtes Berchtesgadener Land musste auch die Berchtesgadener Bergbahn AG im Oktober 2020 unverzüglich Folge leisten. Es gab keinen zeitlichen Puffer“, erinnerte Moderegger, “und wir mussten sieben lange Monate warten, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können.“ Den Geschäftsverlauf habe er sich 2019, nach der Investition von rund 60 Millionen Euro in Bahn, Gebäude und Technik, anders vorgestellt.

Mit etwas Bangen sieht man in den Herbst und Winter, wird es einen weiteren Lockdown geben? Freude hingegen herrscht über die Treue der Mitarbeiter. „Alle sind geblieben, trotz teilweise massiver Einschränkungen und dem durch Kurzarbeit bedingten Lohnausfall“, so Moderegger. Die Situation in der Gastronomie hingegen sei angespannt, da Österreich die Maßnahmen einige Wochen früher lockerte. Die Preise will die Jennerbahn mit 34 Euro für die Berg- und Talfahrt pro Erwachsenen beibehalten. Und durch die Erweiterung der Kapazitäten von bis zu 1600 Personen in der Stunde werde es auch bei der Beförderung mit Maske und Abstand keine Probleme geben. Zudem greife ein bewährtes und verfeinertes Sicherheitskonzept für die Einhaltung der AHA-Regeln.

Salzburg und Chiemgau:
deutlich günstiger auf den Berg

Verhalten startete die Saison auch im nahen Österreich bei der Untersbergbahn. Die letzten zwei Wochen ziehe das Geschäft langsam an. Mit 26,50 Euro für die Berg- und Talfahrt ist die Fahrt auf den Untersberg ein erschwingliches Vergnügen, zudem gibt es Seniorentarife und Familienpreise mit verbilligten Karten. Betreiber der Bahn ist zu 96,8 Prozent die Stadt Salzburg, was bei der Preisgestaltung offensichtlich hilfreich war. Aktuell wurde die Talstation, als letzter Teil eines sieben Millionen teuren Investitionspaketes, saniert.

Ebenfalls sehr günstig fährt man im nahen Chiemgau von Bergen aus auf den Hochfelln. Mit 24 Euro ist die Berg- und Talfahrt, ebenso wie auf den Rauschberg in Ruhpolding, günstig. Beide Gipfelerlebnisse erschließen herrliche Ausblicke, eine bodenständige Gastronomie auf dem Berg und Wandermöglichkeiten. Eine Konkurrenz dazu sieht man bei der Predigtstuhlbahn nicht. „Für Familien mit Kindern sind diese Angebote gut geeignet. Bei uns erwartet die Gäste eine gehobene Küche mit regionalen und frischen Produkten, wie sie selbst im Tal kaum zu finden ist“, gibt sich Geschäftsführer Klaus Unterharnscheidt selbstbewusst. Davon profitiere ebenso die Alm in der Schlegelmulde, auch wenn das Angebot hier etwas bodenständiger sei, almtypisch eben. Man erhofft sich auf dem Reichenhaller Hausberg mit kleinen exklusiven Feiern und Hochzeiten ein weiteres gutes Zusatzgeschäft.

Eine Bahn mit Museumscharakter

Unwidersprochen ist der Aufwand zum Erhalt und Betrieb der Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall höher, ist es doch die weltälteste Seilbahn im Originalzustand und die gesamte Anlage ist seit 2008 ein technisches Denkmal. „Wir können also nicht einfach moderne Technik einbauen oder bestellen. Das Meiste muss individuell von zertifizierten Betrieben gefertigt, von der Seilbahnaufsicht zugelassen sein und das kostet. Dennoch sind wir immer auf dem neuesten Stand der Technik und Sicherheit“, informiert der Geschäftsführer und ergänzt, „ohne dem persönlichen Engagement von Max Aicher, mit Investitionen im zweistelligen Millionenbereich, wäre die Bahn nicht zu halten.“ Die Kooperation mit der Stadt Bad Reichenhall beurteilt er als gut und „Saline, Bahn, Therme, Innenstadt und Kultur brauchen einander“, ist sich Klaus Unterharnscheidt sicher.

Kleine Bahnen trifft es härter

Nicht jeder Betrieb aber stützt sich auf den Rückhalt großer Unternehmen und Konzerne. Es gibt im Landkreis auch die kleinen Bahnen, wie die Obersalzbergbahn oder die Hirscheck-Sesselbahn. Sie sind für die großen Bahnen keine Konkurrenz und bieten Preise von 13 bis 14 Euro für die Berg- und Talfahrt. Die staatlich verordnete Schließung der Betriebe während der Corona-Lockdowns aber hat sie hart getroffen. Unternehmer Andreas Bruckmann von der Obersalzbergbahn etwa spricht von dreimal 30.000 Euro die ihm im Frühjahr 2020 und 2021 sowie im Herbst 2020 verloren gegangen sind. „Eigentlich wollten wir wieder in die Technik investieren, das aber ist jetzt in weite Ferne gerückt.“ Er bedauert auch das Schicksal eines Mitarbeiters mit drei Kindern, der durch das reduzierte Einkommen während der Kurzarbeit in große finanzielle Schwierigkeiten geraten sei.

Auch beim Hirscheck-Sessellift wartet man auf Gäste und man habe sämtliche Rücklagen aufgebraucht. Ebenfalls möchte man noch für einen Antrag auf Überbrückungshilfe III auf Empfehlung des Steuerberaters warten. „Wir müssen sonst womöglich wieder viel zurück bezahlen, auch wenn es bei uns um relativ überschaubare Beträge im niederen fünfstelligen Bereich geht“, so der Geschäftsführer.

Predigtstuhlbahn bleibt Preistreiber

Mit 49 Euro für eine Berg- und Talfahrt bleibt die Predigtstuhlbahn ein einsamer Spitzenreiter. Etwas entspannt soll diese Hochpreispolitik mit einem Abendtarif für 25 Euro und Veranstaltungen werden. Angeboten werden aktuell inklusive Berg- und Talfahrt:
Freitag ein 4-Gänge-Abendmenü zu 69 Euro,
Samstag italienische Antipasti mit Prosecco zu 63 Euro,
Sonntag ein Brunch für 85 Euro und immer
Weißwurstfrühstück für 59 Euro.

Wintervergnügen auf der Piste und in der RupertusTherme

Die Rupertustherme offeriert super Angebote mit dicken Prozenten.

Nutzen Sie die attraktiven Rupertustherme Angebote. Während man in den Tälern des Berchtesgadener Landes noch auf Schnee wartet, sind die Pisten in höheren Regionen bestens vorbereitet für das Wintervergnügen mit Schlitten, Skiern oder Snowboards. Sein erstes Winter-Opening etwa startete die neue Jennerbahn vor wenigen Wochen in Schönau am Königssee, aber auch andere kleine Skigebiete locken. Ein besonderer Tipp sind verbilligte Karten in Verbindung mit der RupertusTherme in Bad Reichenhall mit 15 bis 30 Prozent bei den Top-Tickets.

Der Jenner ist eines von vier Skigebieten, das mit einem Kombiticket gebucht werden kann.
Der Jenner ist eines von vier Skigebieten, das mit einem Kombiticket gebucht werden kann.

‚Kombiticket24.com‘ heißt die Buchngsplattform und ist direkt über die Homepage der RupertusTherme erreichbar. Sie verknüpft die Leistungen von fünf Skigebieten, acht Bergbahnen sowie acht Museen und Ausstellungen im Berchtesgadener und Salzburger Land miteinander. Ob indoor oder outdoor, individuell stehen Urlaubs- und Freizeitprogramme mit günstigen Preisen zur Wahl, sparen mit den Prozenten. Dabei kann jede Buchung an einem separaten Tag in Anspruch genommen werden und ist drei Jahre lang gültig, so dass der Gast selbst entscheidet, wann das Freizeitabenteuer beginnen soll.

Der Link zur Therme:
https://www.rupertustherme.de

Der Link zur Buchung:
https://www.kombiticket24.com/

Schafft es die Jennerbahn in die Gewinnzone?

Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG, Franz Moderegger (l.) und Aufsichtsrats-Vorsitzender Peter Hettegger präsentierten den Aktionären die aktuellen Geschäftszahlen.

(gsp) In den „neuen Jenner“ wurden 56,7 Millionen Euro investiert und ab Juni 2019 ist der volle Betrieb bis zur Bergstation wieder möglich. Schafft es die Jennerbahn kurzfristig  in die Gewinnzone? Ein erster Vergleich lässt hoffen.  Vergleicht man die aktuellen Zahlen der Jennerbahn mit jenen ‚der alten Bahn‘ aus der Saison 2015/2016, so ist der positive Trend klar zu sehen. Damals nutzten von Juni bis August 90.000 Gäste die Bahn. Heute zählt man in diesen drei Monaten 125.000 Fahrgäste.

Zielmarke von 220.000 Besuchern

Insgesamt registrierte die neue Jennerbahn seit November 2018 bereits 189.000 Fahrgäste. Damit stehen die Chancen gut, in den verbleibenden zwei Monaten des Geschäftsjahres die Besucherzahl von 220.000 Gästen aus dem Jahr 2015/16 zu übertreffen, hoffte man auf der Hauptversammlung der Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) am ersten September-Wochenende.

Bis zu 3000 Gäste täglich

Dieses Ergebnis wird von den Gesellschaftern als ein außerordentlicher Erfolg gewertet, zumal bereits das Winterhalbjahr bis April 2019 die Erwartungen um 39 Prozent übertraf und der Betrieb nur bis zur Mittelstation offen war. Darum lagen die Umsatzzahlen im Vergleich niedriger. „Die aus dem Wintergeschäft und dem anfänglich nur eingeschränkten Sommerbetrieb noch übertragenen Umsatzrückstände werden aber sukzessive ausgeglichen“, freut sich Franz Moderegger, Vorstand der Jennerbahn. Er ist zuversichtlich, dass „die Planzahlen deutlich überschritten werden.“ Ebenso zeigt sich der Vorstand zufrieden mit den Ergebnissen aus dem gastronomischen Geschäft, das von der Jenneralm GmbH getragen wird. Ein weiterer Indiz für den guten Geschäftsverlauf ist das Ergebnis vom 04. September. Erstmals erreichte die Bahn an diesem Tag 3000 Gäste ‚im normalen Fahrbetrieb‘.

Ein neuer Tagungsraum

Verschwunden ist mittlerweile der große Kran, der über ein Jahr lang weithin sichtbar über den Rohbau der Bergstation aufragte. Die Hochbauarbeiten sind abgeschlossen und in den nächsten Wochen wird intensiv an den Außenanlagen und den Vorbereitungen zur Pistenanbindung gearbeitet. Mit der Hauptversammlung der BBAG wurde ebenso der große helle Tagungsraum eingeweiht, auch wenn die Technik und der letzte Schliff noch fehlte. Tagungen, Seminare und selbst Hochzeiten auf dem Jenner werden das Geschäft weiter voran bringen. Die Jenneralm GmbH hat sich bereits jetzt zu einer tragenden Säule des Gesamtunternehmens BBAG entwickelt.

Richard Wagner folgt
auf Wilfried Deubler

Zur Trennung vom langjährigen technischen Betriebsleiter Wilfried Deubler wollte man kein Statement abgeben. „Man hat sich einvernehmlich getrennt und werde auch künftig verbunden bleiben“, erklärte Franz Moderegger knapp. Als Nachfolger soll Richard Wagner eingesetzt werden, der bis zu seiner Ernennung vorläufig die Geschäfte des Betriebsleiters übernimmt.

Schon bei der Eröffnung der Bergstation der Jennerbahn im Juni ist das auf die Terrasse ‚aufgesetzte‘ Gebäude mit großem Veranstaltungssaal gut zu sehen. Im Hintergrund der Schneibstein (2.176 m). Die Schneereste sind im August längst verschwunden. Fotos: Gerd Spranger

 

Wege aus dem Massentourismus?

Entlang des Grates am Jennergipfel (1874 m) drängen sich die Besucher. Im Hintergrund ‚König Watzmann‘ (2713 m) mit Hocheck, Mittelspitze und Südspitze – Fotos: Gerd Spranger

BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel im Gespräch mit der Redaktion

(gsp) Die Eröffnung der Bergstation Jennerbahn am zweiten Juni-Wochenende mit deutlich verbilligten Fahrkarten führte zu einem ungewohnten Besucheransturm. Über viele Stunden hinweg bildeten sich lange Warteschlangen für die Bergfahrt, und es ging im Minutentakt nonstop in den großen Zehner-Gondeln auf den Jenner. Der große Parkplatz war bereits um elf Uhr voll besetzt und die für 300 Besucher ausgelegte Restaurant-Terrasse ab zehn Uhr. Auf der Wanderung zum Gipfel, der 74 Höhenmeter über der Bergstation liegt, drängten sich die Menschen bergauf wie bergab. Es war einerseits für die Bergbahn und das gastronomische Team um Thomas Hettegger von der Jenneralm GmbH eine echte Belastungsprobe, anderseits aber bekam man eine sehr klare Vorstellung davon, was den Massentourismus, gedrängt auf wenige Kilometer, so problematisch macht.

Zu viele Touristen in Berchtesgaden?

Dichtes Gedränge herrscht auf dem Gipfel des Jenners (1874 m) bei Hochbetrieb, wie vergangenes Wochenende. Gipfelromantik geht anders, dafür ist der Ausblick sensationell auf den Königssee, den Watzmann, das Steinerne Meer und über das Berchtesgadener Tal.

Die Redaktion hat sich mit Peter Nagel, Geschäftsführer der BGLT-Tourismus bei der Eröffnung der Jenner-Bergstation eingehend darüber unterhalten. Von einem ‚Overtourism‘, also eine das gesunde Maß überschreitende Zahl an Gästen, möchte Peter Nagel im Berchtesgadener Land nicht sprechen, räumt aber ein, „dass es einige Spitzen gibt“. So will der Touristiker auch nicht die Gästezahlen erhöhen, sondern mehr Wertschöpfung erreichen und die Dauer der Übernachtungen von 3,5 auf fünf bis sechs Tage steigern. Gerne spricht er von einer ausgewogenen Balance im touristischen Geschäft, auf den Tagestouristen, wie er typisch für den Jenner und auch den Königssee ist, ging Peter Nagel konkret nicht ein. Dabei strömen aus dem Berchtesgadener Land während der Saison ebenso tausende von Touristen nach Salzburg wie umgekehrt aus dem Salzburger Land zu den bayerischen Sehenswürdigkeiten.

Der tiefblaue fjordartige Königssee am Fuße des Watzmanns inmitten des Nationalparks Berchtesgaden.

Kann man die Besucher besser lenken?

Er denkt über eine Steuerung der Touristenströme nach. „Über Zwang geht so etwas nicht, ein wenig über zeitliche Beschränkung und über Eintrittspreise“, sinniert er. „Besser ist es, den Besuchern Alternativen zu bieten und das zeitnah.“ Um dies konkret zu machen nennt Peter Nagel ein Beispiel: „Fährt etwa ein Besucher in Piding von der Autobahn, so muss er bereits am Gablerknoten in Bad Reichenhall informiert werden, dass am Königssee alle Parkplätze belegt sind. Wir müssen ihm Alternativen anbieten.“ Konkret nannte er etwa das Ausweichen auf den Hintersee, zu den anderen Bergbahnen im Landkreis oder sogar darüber hinaus, wie etwa nach Lofer. „Genau das meine ich, wenn wir über den eigenen Kirchturm, die eigene Gemeinde und Region hinaus denken müssen.“

Bessere Absprache bei Aktionen

So wie in Salzburg sehen auch viele Parkwegweiser in großen deutschen Städten aus. Bietet sich diese Lösung auch für den Tourismus an?

Noch ein zweites Anliegen ist dem Chef der BGLT-Tourismus wichtig. „Zwischen den beteiligten Partnern vor Ort ist eine bessere Absprache nötig“, sagte er und gab ein weiteres Beispiel: „Wenn wir etwa Gäste aus Italien werben, dann können im Sommer nicht um 22 Uhr die meisten Gaststätten geschlossen sein. Der Italiener hat ein anderes Lebensgefühl, bei ihm beginnt der vergnügliche Teil ‚des Tages‘ häufig erst nach 21.00 Uhr und dauert an lauen Sommerabenden bis weit nach Mitternacht, zumal er in Urlaubsstimmung ist. Enttäuschen wir hier, dann fahren wir bei dieser Zielgruppe in den nächsten Jahren ein deutliches Minus ein, und das können wir nicht wollen, es wäre der Marke Berchtesgaden sehr abträglich.“

Kommt ein Wechsel der Perspektiven?

Die BGLT mit Peter Nagel und Dr. Brigitte Schlögl an der Spitze, arbeitet aktuell an einem Positionspapier mit dem Titel „Perspektivenwechsel, Ziele und Maßnahmen für die Zukunft“. Es soll in wenigen Wochen in der Gesellschafter-Versammlung vorgestellt werden. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich der Tourismus im Berchtesgadener Land weiterentwickeln wird. Franz Rasp, Vertreter des Hauptgesellschafters Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, sieht in der Fortsetzung des Markenprozesses den richtigen Weg.

‚Großes Kino‘ in 3D vor der Terrasse der Jenner-Bergstation auf der Jenneralm.

Jenner mit Prominenz
Die Gesellschafter der Berchtesgadener Bergbahn AG, Eigentümer der Jennerbahn, bei der Eröffnung.

 

Klimaschutz und Fake-News beim Kreistag

(gsp) Der Kreistag befasste sich im Mai mit Klimazielen, Bauprojekten und Fake-News. Dabei ging es einmal mehr um den geplanten Neubau des Landratsamtes und einer kleinen Gruppe von Bürgern, namentlich wurden Stefan Glas, Wolfgang Wagner und Ludwig Unterreiner genannt, die ein Bürgerbegehren gegen den Neubau des Landratsamtes initiiert haben. „Es wird mit falschen Anschuldigungen gearbeitet und das ganz persönlich gegen mich“, stellte der Landrat klar.

Aus der Vogelperspektive wird das Wohngebiet iin Ricchtung Marzoll erweitert, was durchaus Sinn macht. Für das neue Landratsamt steht dann viel Platz zur Verfügung. Anderseits: ist ein Neubau wirklich erforderlich? Die Kreisräte bejahen dies einstimmig.

 

Hans Metzenleitner (SPD) sprach in der Sache gar von einem Demokratieprojekt, denn der Kreisrat habe sich über mehrere Jahre und sehr intensiv mit der Thematik Landratsamt befasst und und einstimmig für den Neubau gestimmt.  Agnes Thannbichler (ÖDP) verwehrte sich gegen Bürgerbegehren, die auf Grundlage von Fake-News aufgebaut sind und Silvester Enzinger (CSU) war gar erschüttert über die Diffamierung des gesamten Kreisrates mit haltlosen Anschuldigungen.

Jennerbahn-Bergstation
ohne Genehmigung?

Der gastronomische Schwerpunkt vom Restaurant „Halbzeit“ der Jennerbahn-Mittelstation verlagert sich am Wochenende hinauf zur Bergstation, wenn die Bahn wieder über die gesamte Länge, vom Tal bis hinauf auf 1800 Höhenmeter, fährt.

Einen Verbreiter von Fake-News ganz anderer Art machte Hannes Rasp (CSU) in seinem Kreistagskollegen Dr. Bartl Wimmer (Grüne) aus. Der sprach im Hinblick auf die Eröffnung der Jennerbahn-Bergstation am 08. Juni von einem „Schwarzbau“. Rasp wies dies entschieden zurück. Es habe mit dem Juristen vom Bund Naturschutz eingehende Gespräche gegeben, und der Vorwurf des Schwarzbaues durch ein BN-Mitglied wurde zurück genommen. Das war es dann auch mit den Fake-News in der Sitzung des Kreistages. Auf der Tagesordnung standen sechs Punkte. Den größten Raum in der Diskussion nahm der Klimaschutz ein.

Rückschläge bei der Energieplanung

Landrat Georg Grabner und Klimaschutzbeauftragter Manuel Münch informierten über die Entwicklung der kommunalen Energieplanung im Landkreis und auf Landkreisebene. Der Landrat erinnerte an die Auszeichnung im November 2018 mit dem Klimapreis. Das Berchtesgadener Land habe damit Vorbild- und Signalwirkung für ganz Bayern. Manuel Münch sprach von 150 unterschiedlichen Projekten, von denen 50 bereits in der Planung und Umsetzung seien. Er appellierte an die Städte und Gemeinden sich aktiv an das Landratsamt zu wenden. Es gibt bis zu 70 Prozent Fördergelder und auch viele Hilfen und Informationen für die Vorplanung.

„Was kostet es,
wenn wir es nicht machen“

Für Simon Köppl (Grüne) ist der Energienutzungsplan des Landkreises ein gute Grundlage. Es gehe jetzt darum die Projekte umzusetzen und weiter zu entwickeln. Er sprach von einem grundsätzlichen Umdenken, das gefordert sei. „Heute sprechen wir darüber was uns die einzelne Maßnahme kostet, künftig werden wir darüber sprechen, was die Maßnahme kostet wenn wir sie nicht umsetzen.“ Und dabei hatte der Kreisrat vor allem den Schutz der Umwelt im Blick. Grabner bezeichnete es als eine Daueraufgabe nachhaltige Politik zu betreiben und bekräftigte nochmals die Möglichkeiten der Einsparung und Nutzung von natürlicher Energiegewinnung. Leider sehe es aktuell mit einem Flusskraftwerk an der Salzach nicht gut aus, wurde ihm bei einem Gespräch im Bayerischen Umweltministerium signalisiert. „Wir sprachen mit einigen Bürgermeistern und MdB Michaela Kaniber in der Sache vor und nahmen den sehr intensiven Eindruck mit, dass sich in der Sache nichts bewegt.“

Windkraft und Mobilitätskonzept

Georg Wetzelsperger (CSU) lobte den Energienutzungsplan, denn man habe damit ein handwerkliches Werkzeug für die Umsetzung von Einsparungen in der Hand. Doch „werden dann konkrete Einzelmaßnahmen in der Praxis häufig ausgebremst“, bedauert er. Dr. Bartl Wimmer klagte über selbst gemachte Erfahrungen bei der Installation einer Hackschnitzelanlage im Verbund mit einigen Nachbarn. „Da geht man einen dezentralen und klimafreundlichen Weg und dann werden von den Bayerischen Staatsforsten für Leitungen so hohe Gebühren erhoben, dass das ganze Projekt zum Fall kommt. Das kann so nicht gehen.“ Grabner stimmte zu, er habe vor Jahren bereits ähnliche Erfahrungen gemacht. „Da muss man kämpfen, sich durchsetzen,“ ermutigte er. Ebenso wurde das Thema Windkraft angesprochen, die Mobilität, eine Verkehrswende und Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr.

Wer reinigt die Biotonnen?

Ein anderes Umweltthema, nämlich ein FDP-Antrag zur Reinigung von Biotonnen, löste weitere Diskussionen aus. Die Auffassungen, ob die Leerung der Tonnen, die Trennung des Mülls bis hin zum pünktlichen Abtransport der gelben Säcke denn jetzt wirklich funktioniere, gingen weit auseinander. Für Grabner war klar, es funktioniert nach Anlaufschwierigkeiten jetzt bestens. Im Landratsamt selbst habe man dafür neue Kräfte eingeschult, Ressourcen erschlossen und die Mitarbeiter hätten sich sehr engagiert, sich auch viel anhören müssen. Edwin Hertlein (Grüne) sieht das anders. „Es läuft ganz und gar nicht, auch nach fünf Monaten nicht. Die Bürger unterscheiden auch nicht, ob es um den gelben Sack oder um die Biotonne gehe. Da liegt noch viel im Argen.“ Dr. Bartl Wimmer forderte eine Stellungnahme des Geschäftsführers des verantwortlichen Unternehmens im Kreistag. „Er muss uns Rede und Antwort stehen.“ Der FDP Antrag selbst wurde mit zwei Gegenstimmen abgelehnt, was Tilo Schöne (Republikaner) bedauerte. Mit einem Hausmeisterservice betreut er über 100 Anlagen im Landkreis und meint: „Mieter in größeren Wohnanlagen trennen nicht sauber, nehmen keine eigenen Papiertüten und es kommt zu erheblichen Verschmutzungen der Tonnen.“

Kindertagespflege und Jugendhilfeausschuss

Ohne Diskussion wurde der Antrag auf die Anpassung der Kostenbeitragsatzung Kindertagespflege ab dem ersten Juni beschlossen. Die Kosten richten sich nach dem Jahresbruttoeinkommen und der täglichen Betreuungszeit. Die maximale monatliche Elternbeteiligung bei der Betreuung eines Kindes bis zu sechs Stunden täglich steigt von 1073,07 auf 1131,22 Euro. Kostenpflichtig wird die Betreuung ab einem Jahreseinkommen von 10.000 Euro.

Gestärkt wurde der Jugendhilfeausschuss des Landkreises mit der Bestellung neuer Mitglieder. Einstimmig wählte der Kreistag Bernd Rohrbach als beratendes Mitglied als Nachfolger für Tabea Seidel. Als stellvertretendes beratendes Mitglied wurde Veronika Pummerer benannt. Des weiteren hat der Kreistag beschlossen Monika Tauber-Spring als beratendes Mitglied zu benennen.

Mehr Geld für die Sanierung
des Rottmayr-Gymnasium Laufen

Die Sanierung des aus dem Jahr 1964 stammenden Rottmayer-Gymnasium in Laufen macht Fortschritte. Der erste Bauabschnitt wurde abgeschlossen und der zweite soll bis September 2019 fertiggestellt sein. Der Kreistag befasste sich jetzt mit dem dritten Bauabschnitt und einer Steigerung der Kosten um 1,074 Millionen (1.074.707,44 €) für die ersten beiden Bauabschnitte. Dazu entfallen noch Mehrkosten von 147.000 Euro für die Anpassung der Nebenkosten „Damit haben wir Mehrkosten von unter 10 Prozent. Bedenkt man die allgemeine Kostensteigerung auf dem Baumarkt, so kommen wir damit noch günstig weg“, erklärt Landrat Georg Grabner. In dem aufgestockten Budget sind auch vorgezogene Kosten und Inventar mit eingerechnet. Ein noch zu klärender Umstand sei dabei die Verwirklichung einer Aula oder die eines großen Pausenraumes. Der Kreistag wird dazu noch zu einem späteren Zeitpunkt eine Entscheidung treffen müssen. „Positiv ist“, so der Landrat, „dass der Zuschuss durch die Regierung von Oberbayern voraussichtlich von 60 auf 65 Prozent steigen wird.“ Insgesamt belaufen sich die Kosten auf knapp 16 Millionen Euro.

Dr. Bernhard Zimmer (Grüne) mahnte an, dass man daraus seine Lehre ziehen sollte und solche Projekte in der Vorbereitung besser durchzurechnen sind. Auch solle man die Lebenserwartung und Ökobilanz stärker in die Planung mit einbeziehen. Grabner entgegnete, dass selbst bei gründlicher Vorplanung, bei fehlenden oder fehlerhaften Altplänen, und vorher nicht abzusehende lokalen Umständen, immer ein Risiko bestehen bleibe. Der Bau des Gymnasiums war noch zu einer Zeit, als Laufen ein eigener Landkreis war. Der Kreistag stimmte einstimmig für die Genehmigung und Änderung des Bau-Umfanges sowie der Genehmigung der überplanmäßigen Mittel für den Bauabschnitt I und II.

Die Vorwürfe an Landrat Georg Grabner:

Er habe behauptet, dass

  • die Neubaumaßnahme Alternativlos ist
  • während seiner Amtszeit für das Landratsamt keinerlei Bauunterhalt geleistet wurde
  • wissentlich gegen Auflagen des Brandschutzes verstoßen wurde
  • Ziel sei der Verkauf des Grundstückes mit 800 Euro je Quadratmeter

„Alle diese Anschuldigungen sind falsch und haltlos“, so der Landrat.

Auszeichnung
für Simon Metzendorf

Simon Metzendorf wurde für seine besonderen Leistungen im Wettbewerb ‚Jugend forscht‘ von Landrat Georg Grabner ausgezeichnet. Er hat eine ‚Murmel-Musik-Maschine“ erfunden, die durch den Fall von Stahlmurmeln auf ein Xylophon Musikstücke abspielt. Unterstützt wurde er dabei vom Gymnasium Berchtesgaden, und vom Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land. Simon will nach Abschluss seines Abiturs im Sommer 2019 eine Lehre als Elektromechaniker absolvieren.

Auf dem Foto (v.l.n.r.): Oberstudienrat Martin Hofreiter (Gymnasium Berchtesgaden), Landrat Georg Grabner, Jürgen Gasteiger (Projektbetreuer am Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land), Simon Metzendorf, Christoph Geistlinger (Geschäftsführer Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land) – Foto: Gerd Spranger