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Eine Hinwendung zu bleibenden Werten

18 Jahre Landrat Georg Grabner
Was hat ihn bewegt?

Noch bis ersten Mai ist Landrat Georg Grabner im Amt, dann übergibt er nach 18 Dienstjahren offiziell an seinen Nachfolger Bernhard Kern. Die Redaktion hat nachgefragt. Was bewegt ihn aktuell und was ist ihm in seiner Amtszeit besonders wichtig geworden.
Ganz am Ende des Interviews wird Georg Grabner persönlich, gibt viel von dem Menschen hinter dem Landrat preis. Nichts habe ihn persönlich so sehr getroffen wie das Eishallenunglück am 2. Januar 2006.

Nach 18 Jahren endet am ersten Mai für Georg Grabner seine Zeit als Landrat des Berchtesgadener Landes. Er übergibt an Bernhard Kern. – Foto: Gerd Spranger

„In einer solchen Situation steht man im Spannungsfeld tiefster Betroffenheit über das Unglück, das Leid der Angehörigen und der Notwendigkeit, einen klaren Kopf für wichtige Entscheidungen bei der Bewältigung des Katastrophenfalls zu bewahren. So musste ich damals etwa mitten in den Bergungsarbeiten für mehrere Stunden einen Stopp verordnen, weil die Sicherheit für die Rettungskräfte nicht mehr gegeben war. Es drohte ein weiterer Einsturz.“

Grabner musste das Leben noch etwaiger Verschütteter mit dem der Einsatzkräfte abwägen. Die Sachverständigen konnten nicht ausschließen, dass sich noch Verschüttete unter den Trümmern befinden, und durften darüber hinaus das Leben der Einsatzkräfte nicht gefährden. „Die ganze, über Tage angespannte Situation, erlebten ich und der Führungsstab des Katastrophenmanagements wie in einem Film, fast surreal, wir standen unter Dauerstress und höchster Anspannung.“

Engagieren für die Hospizbewegung

Eine Erfahrung, die nachwirkte bei Georg Grabner, nicht nur in der Bewältigung der aktuellen Krise. Er will sich nach seiner aktiven Zeit als Landrat in der Hospizbewegung engagieren. „Bereits 2005, als in München die ersten Palliativstationen ihre Arbeit aufnahmen, ist es mit enormer Unterstützung von Dr. med. Birgit Krause-Michel gelungen, so eine Palliativstation im Reichenhaller Krankenhaus einzurichten. Dort, wo die ärztliche Kunst ihre Grenzen findet, lebenserhaltende und operative Maßnahmen nicht weiterhelfen, ist die Würde des Menschen bis hin zum Tod ein heiliges Gut. Es ist unser letzter Lebensabschnitt. Ich denke mit Grauen daran, wie in früheren Jahren sterbende Menschen irgendwohin, einsam in eine Kammer geschoben wurden, weil man den Tod niemandem zumuten wollte.“

Inspiriert habe ihn dabei besonders das Engagement von Alois Glück. Der Ex-Landtagspräsident baute im Landkreis Traunstein und später auch im Landkreis Berchtesgadener Land das Netzwerk Hospiz auf, und nur zwei Jahre nach der Eröffnung der ersten stationären Palliativstationen in Deutschland, besuchten ausgebildete „Brückenschwestern“ ambulant die Schwerkranken nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus zuhause. Vorläufiger Höhepunkt in der Region wird die Eröffnung der Klinik Chiemsee-Hospiz sein. Eine Klinik der drei Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land sowie die Stadt Rosenheim in Bernau am Chiemsee.

Leben und Tod stehen eng zusammen

Wie eng Leben und Tod zusammen stehen, zeigt die aktuelle Krise deutlich. Sie ist noch nicht vorbei und auch das Berchtesgadener Land steht mitten drin. Dabei ist Landrat Georg Grabner Chef des Krisenstabes, bis er am ersten Mai an seinen Nachfolger Bernhard Kern übergibt, der schon jetzt im vollen Umfang im Team eingebunden ist. Grabner trifft sich täglich mit Vertretern der Katastrophenschutzbehörde und Experten des Gesundheitswesens. Die örtlichen Einsatzleiter stehen im engen Austausch miteinander (wir berichteten). „Durch die Erfahrungen der letzten Katastrophen, vor allem durch den massiven Schneeeinbruch im Januar 2019, sind wir ein eingespieltes Team. Das hilft in der Krise, in der man gute Nerven braucht und einen kühlen Kopf bewahren muss.“

Durch die Krise helfen ebenso gut funktionierende

Kreiskrankenhäuser, die es, so ist sich Landrat Georg Grabner sicher, „heute aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen nicht mehr in kommunaler Trägerschaft gäbe, wenn man nicht bereits vor vielen Jahren mit enormen Anstrengungen die Strukturen angepasst und im Jahr 2009 die Kreiskliniken Bad Reichenhall, Berchtesgaden und Freilassing mit den Kreiskliniken in Traunstein und Trostberg zur „Kliniken Südostbayern AG“ fusioniert hätte. Über 42,5 Millionen Euro Eigenmittel investierte der Landkreis von 2002 bis einschließlich 2019 in seine Kreiskliniken. „Natürlich sind wir heute mehr denn je froh, über eine funktionierende kommunal geprägte Struktur“.

Ein weiterer Baustein, der sich jetzt in der Krise bewährt, ist die seit 2015 bestehende Stabsstelle Gesundheitsregion-Plus im Landratsamt. Die Zusammenarbeit der Akteure im Gesundheitswesen wird über diesen Weg seit Jahren gefördert und verstärkt. Die Sicherstellung der wohnortnahen, medizinischen Versorgung sowie die Verankerung von Gesundheitsförderung und Prävention stehen dabei im Mittelpunkt.

45 Millionen Euro für die Bildung

Die Förderung von Bildung, Wirtschaft und Handwerk war Landrat Georg Grabner immer ein Anliegen.

Ein besonderes Herzensanliegen ist Landrat Grabner seit Beginn seiner Amtszeit die Förderung der Bildung im Landkreis. Im Bereich der Bildung lag der absolute Schwerpunkt der Investitionen, und hier vor allem für die Schulen, nämlich 45 Millionen Euro. „Da gab es zwar staatliche Zuschüsse, dennoch waren dies in Summe die größten und wichtigsten Investitionen. Das zeigt der Erfolg, der uns ganz offiziell zur Bildungsregion geführt hat.“ Georg Grabner nennt dabei das Schülerforschungszentrum zusammen mit der Technischen Universität München für die MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ) als Leuchtturmprojekt weit über die Landkreisgrenzen hinaus, aber auch die Investitionen in die Gymnasien, die Realschule sowie die Berufsschule. Besonders zu erwähnen sei die Berufsschule Plus. Sie ermöglicht einen Berufsabschluss mit dem gleichzeitigen Erwerb des Fachabiturs „Wir haben uns da ein wenig was von Österreich abgeschaut, wo seit Jahrzehnten erfolgreich die berufliche Ausbildung mit der Matura verbunden ist. Das System hat sich auch bei uns bewährt, so dass wir damit zur Modellregion für ganz Bayern geworden sind.“

Vieles rückt in der Coronakrise in den Hintergrund, scheint an Bedeutung zu verlieren. Umso wichtiger ist es darum in der Krise selbst, und auch in der Zeit danach, auf gute Strukturen aufbauen zu können. So freut sich Landrat Georg Grabner etwa einen schuldenfreien Landkreis an seinen Nachfolger übergeben zu können und erinnert: „Zwischendurch hatten wir einen Schuldensaldo von 43 Millionen Euro und noch große Projekte vor uns.“ Zugleich verweist er auf die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes, die Einstellung eines Klimaschutzmanagers, die Erstellung eines Energienutzungsplanes für den gesamten Landkreis sowie die Gründung einer Energieagentur zusammen mit dem Landkreis Traunstein.

„Noch zur Jahreswende hat es ein einziges beherrschendes Thema gegeben, und das war der Klimawandel. Auch hier haben wir unsere Hausaufgaben gut, ja sehr gut gemacht“, ist Grabner überzeugt. „Der Energienutzungsplan Berchtesgadener Land setzt in der kommunalen Energieplanung bis heute bayernweite Standards, ist Musterbeispiel einer digitalen und innovativen kommunalen Energieplanung.“

Wirtschaftsservice ist stark gefragt

Viel Arbeit bekommt aktuell die Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH. Die Telefone stehen kaum still. Es herrscht Angst und große Verunsicherung bei den Unternehmen. Wie soll es weiter gehen? Sechs Wochen behördlich verordneter Stillstand sind eine lange Zeit. In der Hotellerie und Gastronomie ist kein Ende abzusehen. „Noch vor meiner Zeit als Landrat hatte ich im Kreistag einen Antrag auf die Gründung einer Wirtschaftsagentur gestellt, die wir dann 2002 mit einem Geschäftsführer und einer Halbtagskraft eröffnen konnten. Heute haben wir neben dem Geschäftsführer noch zehn Fachkräfte mit im Team“, freut sich Georg Grabner über den Erfolg der Einrichtung.

Eines der großen Projekte der letzten Jahre, nämlich die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes für den Landkreis, für den 2018 ein eigenes Mobilitäts-Gutachten erstellt wurde, wird der neue Landrat Bernhard Kern zum vorläufigen Abschluss bringen. „Die Weichen dafür sind gestellt, die Verwaltung mit dem Verkehrsmanager,

dessen Stelle 2007 neu geschaffen wurde, sowie der Kreistag haben dafür schon vieles auf den Weg gebracht. Es geht jetzt um die konkrete Umsetzung, von der Verbesserung des ÖPNV bis hin zum Alltagsradwegenetz und der Steigerung der Elektromobilität. Das wird weiterhin eines der großen künftigen Themen bleiben.“

Der Geschichte auf der Spur

Alt-Landrat Georg Grabner wird sich dann bei der Senioren-Uni 55plus an der Universität Salzburg eingeschrieben haben, wenn die Grenzen in den nächsten Monaten wieder öffnen. Ein Studium der Geschichte liegt ihm am Herzen. „Unsere Region, das Berchtesgadener und Salzburger Land, sind seit dem frühen Mittelalter immer wieder in den Focus europäischer Machtpolitik gerückt, im Ringen zwischen kirchlicher und weltlicher Macht. Vor allem der Reichtum des Salzes waren dabei ein begehrtes Gut. Wir finden dazu noch heute viele Zeugnisse in unserer Region. Ich freue mich darauf, mehr zu den Hintergründen zu erfahren.“

So geht Landrat Georg Grabner nach eigenen Worten ohne „hochtrabende Pläne“ in den Ruhestand. „Die Coronakrise findet hier vielleicht die einzig positive Auswirkung. Wir sind in unserem Alltag alle zum ‚Inne-Halten‘ gezwungen worden. Entschleunigung war auch zuvor schon ein geläufiger Begriff. Wir haben dies jetzt aber zwangsweise und eindrücklich erlebt und neu erfahren müssen. Vielleicht bringt das auch eine positive Wende mit sich, hin zu mehr Regionalität und hin zu unseren Mitmenschen.“

Interview: Gerd Spranger

Viel Freude bei der Politik über den ‚Neuen Jenner‘

 

Großes Kino mit atemberaubender Naturkulisse am Jenner – Fotos: Gerd Spranger

Bereits im Juni eröffnete die neue Jennerbahn ihren Betrieb bis zur Bergstation (wir berichteten). Heute wurde die  Eröffnung offiziell gemacht. Geschäftsführer Franz Moderegger begrüßte viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft. Aus München lobten mit Ilse Aigner, Landtagspräsidentin des Bayerischen Landtags, Michaela Kaniber, Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Maria Els. Regierungspräsidentin von Oberbayern gleich drei prominente Politikerinnen das Engagement und den Erfolg der neuen Jennerbahn. Auch Landrat Georg Grabner und die Bürgermeister des Landkreises würdigten den Neubau, der für einen Aufbruch in eine neue Zeit stehen soll.

Gleich zwei Ministerinnen begrüßt Moderator Tom Meiler zur offiziellen Eröffnung der Jennerbahn in Schönau am Königssee. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (l.) und Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags.

Geschäftsführer der Berchtesgadener Bergbahn AG (Eigentümerin der Jennerbahn) Franz Moderegger und Vorsitzender des Aufsichtsrates, Peter Moderegger dankten allen Handwerkern, Mitarbeitern, Nachbarn und für die aktive Hilfe der Politik bei der Realisierung des Projektes mit Gesamtkosten von 56 Millionen Euro. 10,5 Millionen förderte davon der Bayerische Staat, damals noch unter der Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Ministerin Michaela Kaniber bekträftigte, dass die neue Jennerbahn ganzjährig für den Tourismus wichtig ist und setzte eine Spitze gegen Tirol: „Wenn die Tiroler uns im Sommer nicht mögen, dann sollten wir auch im Winter nicht dorthin zum Skifahren reisen. Das ist allein wegen der CO2-Abgase nicht umweltfreundlich. Schöner ist es hier zuhause auf dem Jenner.“

Auch der kirchliche Segen darf nicht fehlen.

Mit dem Jenner verknüpfen auch die Politiker gute Erinnerung. Für Franz Moderegger war und ist er immer eine Perlenkette, die nachts auf dem Berg leuchtet. Eine Erinnerung, die sich ihm seit seiner Kindheit eingeprägt hat. Bürgermeister Hannes Rasp aus der Schönau am Königssee, hat hier zu Faschingsszeit manchen Unfug getrieben. Zusammen mit einem Freund sind sie etwa gemeinsam auf einen zwei Meter langen Ski in das Tal abgefahren. Ministerin Ilse Aigner kennt die Bahn seit ihrer Kindheit, und den Berchtesgadener ‚Dreiklang‘ mit Salzbergwerk, Königssee und Jenner. Für Ministerin Michaela Kaniber war eher der Götschen das bevorzugte Skigebiet, „der Jenner war mir immer zu steil“, bekennt sie. Und Landrat Georg Grabner geht gerne mit Gästen auf den Jenner, um ihnen die Murmeltiere zu zeigen.

Für alle ist der Jenner ein ganz besonderer Berg. Besonderes Lob verdiene am ‚Neuen Jenner‘ die Barrierefreiheit, damit alle Menschen das Naturerlebnis erleben können.

Landrat Georg Grabner und die Bürgermeister der Gemeinden des Berchtesgadener Landes gratulierten zur Fertigstellung des für die Region so wichtigen touristischen Großprojekts.

Klimaschutz und Fake-News beim Kreistag

(gsp) Der Kreistag befasste sich im Mai mit Klimazielen, Bauprojekten und Fake-News. Dabei ging es einmal mehr um den geplanten Neubau des Landratsamtes und einer kleinen Gruppe von Bürgern, namentlich wurden Stefan Glas, Wolfgang Wagner und Ludwig Unterreiner genannt, die ein Bürgerbegehren gegen den Neubau des Landratsamtes initiiert haben. „Es wird mit falschen Anschuldigungen gearbeitet und das ganz persönlich gegen mich“, stellte der Landrat klar.

Aus der Vogelperspektive wird das Wohngebiet iin Ricchtung Marzoll erweitert, was durchaus Sinn macht. Für das neue Landratsamt steht dann viel Platz zur Verfügung. Anderseits: ist ein Neubau wirklich erforderlich? Die Kreisräte bejahen dies einstimmig.

 

Hans Metzenleitner (SPD) sprach in der Sache gar von einem Demokratieprojekt, denn der Kreisrat habe sich über mehrere Jahre und sehr intensiv mit der Thematik Landratsamt befasst und und einstimmig für den Neubau gestimmt.  Agnes Thannbichler (ÖDP) verwehrte sich gegen Bürgerbegehren, die auf Grundlage von Fake-News aufgebaut sind und Silvester Enzinger (CSU) war gar erschüttert über die Diffamierung des gesamten Kreisrates mit haltlosen Anschuldigungen.

Jennerbahn-Bergstation
ohne Genehmigung?

Der gastronomische Schwerpunkt vom Restaurant „Halbzeit“ der Jennerbahn-Mittelstation verlagert sich am Wochenende hinauf zur Bergstation, wenn die Bahn wieder über die gesamte Länge, vom Tal bis hinauf auf 1800 Höhenmeter, fährt.

Einen Verbreiter von Fake-News ganz anderer Art machte Hannes Rasp (CSU) in seinem Kreistagskollegen Dr. Bartl Wimmer (Grüne) aus. Der sprach im Hinblick auf die Eröffnung der Jennerbahn-Bergstation am 08. Juni von einem „Schwarzbau“. Rasp wies dies entschieden zurück. Es habe mit dem Juristen vom Bund Naturschutz eingehende Gespräche gegeben, und der Vorwurf des Schwarzbaues durch ein BN-Mitglied wurde zurück genommen. Das war es dann auch mit den Fake-News in der Sitzung des Kreistages. Auf der Tagesordnung standen sechs Punkte. Den größten Raum in der Diskussion nahm der Klimaschutz ein.

Rückschläge bei der Energieplanung

Landrat Georg Grabner und Klimaschutzbeauftragter Manuel Münch informierten über die Entwicklung der kommunalen Energieplanung im Landkreis und auf Landkreisebene. Der Landrat erinnerte an die Auszeichnung im November 2018 mit dem Klimapreis. Das Berchtesgadener Land habe damit Vorbild- und Signalwirkung für ganz Bayern. Manuel Münch sprach von 150 unterschiedlichen Projekten, von denen 50 bereits in der Planung und Umsetzung seien. Er appellierte an die Städte und Gemeinden sich aktiv an das Landratsamt zu wenden. Es gibt bis zu 70 Prozent Fördergelder und auch viele Hilfen und Informationen für die Vorplanung.

„Was kostet es,
wenn wir es nicht machen“

Für Simon Köppl (Grüne) ist der Energienutzungsplan des Landkreises ein gute Grundlage. Es gehe jetzt darum die Projekte umzusetzen und weiter zu entwickeln. Er sprach von einem grundsätzlichen Umdenken, das gefordert sei. „Heute sprechen wir darüber was uns die einzelne Maßnahme kostet, künftig werden wir darüber sprechen, was die Maßnahme kostet wenn wir sie nicht umsetzen.“ Und dabei hatte der Kreisrat vor allem den Schutz der Umwelt im Blick. Grabner bezeichnete es als eine Daueraufgabe nachhaltige Politik zu betreiben und bekräftigte nochmals die Möglichkeiten der Einsparung und Nutzung von natürlicher Energiegewinnung. Leider sehe es aktuell mit einem Flusskraftwerk an der Salzach nicht gut aus, wurde ihm bei einem Gespräch im Bayerischen Umweltministerium signalisiert. „Wir sprachen mit einigen Bürgermeistern und MdB Michaela Kaniber in der Sache vor und nahmen den sehr intensiven Eindruck mit, dass sich in der Sache nichts bewegt.“

Windkraft und Mobilitätskonzept

Georg Wetzelsperger (CSU) lobte den Energienutzungsplan, denn man habe damit ein handwerkliches Werkzeug für die Umsetzung von Einsparungen in der Hand. Doch „werden dann konkrete Einzelmaßnahmen in der Praxis häufig ausgebremst“, bedauert er. Dr. Bartl Wimmer klagte über selbst gemachte Erfahrungen bei der Installation einer Hackschnitzelanlage im Verbund mit einigen Nachbarn. „Da geht man einen dezentralen und klimafreundlichen Weg und dann werden von den Bayerischen Staatsforsten für Leitungen so hohe Gebühren erhoben, dass das ganze Projekt zum Fall kommt. Das kann so nicht gehen.“ Grabner stimmte zu, er habe vor Jahren bereits ähnliche Erfahrungen gemacht. „Da muss man kämpfen, sich durchsetzen,“ ermutigte er. Ebenso wurde das Thema Windkraft angesprochen, die Mobilität, eine Verkehrswende und Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr.

Wer reinigt die Biotonnen?

Ein anderes Umweltthema, nämlich ein FDP-Antrag zur Reinigung von Biotonnen, löste weitere Diskussionen aus. Die Auffassungen, ob die Leerung der Tonnen, die Trennung des Mülls bis hin zum pünktlichen Abtransport der gelben Säcke denn jetzt wirklich funktioniere, gingen weit auseinander. Für Grabner war klar, es funktioniert nach Anlaufschwierigkeiten jetzt bestens. Im Landratsamt selbst habe man dafür neue Kräfte eingeschult, Ressourcen erschlossen und die Mitarbeiter hätten sich sehr engagiert, sich auch viel anhören müssen. Edwin Hertlein (Grüne) sieht das anders. „Es läuft ganz und gar nicht, auch nach fünf Monaten nicht. Die Bürger unterscheiden auch nicht, ob es um den gelben Sack oder um die Biotonne gehe. Da liegt noch viel im Argen.“ Dr. Bartl Wimmer forderte eine Stellungnahme des Geschäftsführers des verantwortlichen Unternehmens im Kreistag. „Er muss uns Rede und Antwort stehen.“ Der FDP Antrag selbst wurde mit zwei Gegenstimmen abgelehnt, was Tilo Schöne (Republikaner) bedauerte. Mit einem Hausmeisterservice betreut er über 100 Anlagen im Landkreis und meint: „Mieter in größeren Wohnanlagen trennen nicht sauber, nehmen keine eigenen Papiertüten und es kommt zu erheblichen Verschmutzungen der Tonnen.“

Kindertagespflege und Jugendhilfeausschuss

Ohne Diskussion wurde der Antrag auf die Anpassung der Kostenbeitragsatzung Kindertagespflege ab dem ersten Juni beschlossen. Die Kosten richten sich nach dem Jahresbruttoeinkommen und der täglichen Betreuungszeit. Die maximale monatliche Elternbeteiligung bei der Betreuung eines Kindes bis zu sechs Stunden täglich steigt von 1073,07 auf 1131,22 Euro. Kostenpflichtig wird die Betreuung ab einem Jahreseinkommen von 10.000 Euro.

Gestärkt wurde der Jugendhilfeausschuss des Landkreises mit der Bestellung neuer Mitglieder. Einstimmig wählte der Kreistag Bernd Rohrbach als beratendes Mitglied als Nachfolger für Tabea Seidel. Als stellvertretendes beratendes Mitglied wurde Veronika Pummerer benannt. Des weiteren hat der Kreistag beschlossen Monika Tauber-Spring als beratendes Mitglied zu benennen.

Mehr Geld für die Sanierung
des Rottmayr-Gymnasium Laufen

Die Sanierung des aus dem Jahr 1964 stammenden Rottmayer-Gymnasium in Laufen macht Fortschritte. Der erste Bauabschnitt wurde abgeschlossen und der zweite soll bis September 2019 fertiggestellt sein. Der Kreistag befasste sich jetzt mit dem dritten Bauabschnitt und einer Steigerung der Kosten um 1,074 Millionen (1.074.707,44 €) für die ersten beiden Bauabschnitte. Dazu entfallen noch Mehrkosten von 147.000 Euro für die Anpassung der Nebenkosten „Damit haben wir Mehrkosten von unter 10 Prozent. Bedenkt man die allgemeine Kostensteigerung auf dem Baumarkt, so kommen wir damit noch günstig weg“, erklärt Landrat Georg Grabner. In dem aufgestockten Budget sind auch vorgezogene Kosten und Inventar mit eingerechnet. Ein noch zu klärender Umstand sei dabei die Verwirklichung einer Aula oder die eines großen Pausenraumes. Der Kreistag wird dazu noch zu einem späteren Zeitpunkt eine Entscheidung treffen müssen. „Positiv ist“, so der Landrat, „dass der Zuschuss durch die Regierung von Oberbayern voraussichtlich von 60 auf 65 Prozent steigen wird.“ Insgesamt belaufen sich die Kosten auf knapp 16 Millionen Euro.

Dr. Bernhard Zimmer (Grüne) mahnte an, dass man daraus seine Lehre ziehen sollte und solche Projekte in der Vorbereitung besser durchzurechnen sind. Auch solle man die Lebenserwartung und Ökobilanz stärker in die Planung mit einbeziehen. Grabner entgegnete, dass selbst bei gründlicher Vorplanung, bei fehlenden oder fehlerhaften Altplänen, und vorher nicht abzusehende lokalen Umständen, immer ein Risiko bestehen bleibe. Der Bau des Gymnasiums war noch zu einer Zeit, als Laufen ein eigener Landkreis war. Der Kreistag stimmte einstimmig für die Genehmigung und Änderung des Bau-Umfanges sowie der Genehmigung der überplanmäßigen Mittel für den Bauabschnitt I und II.

Die Vorwürfe an Landrat Georg Grabner:

Er habe behauptet, dass

  • die Neubaumaßnahme Alternativlos ist
  • während seiner Amtszeit für das Landratsamt keinerlei Bauunterhalt geleistet wurde
  • wissentlich gegen Auflagen des Brandschutzes verstoßen wurde
  • Ziel sei der Verkauf des Grundstückes mit 800 Euro je Quadratmeter

„Alle diese Anschuldigungen sind falsch und haltlos“, so der Landrat.

Auszeichnung
für Simon Metzendorf

Simon Metzendorf wurde für seine besonderen Leistungen im Wettbewerb ‚Jugend forscht‘ von Landrat Georg Grabner ausgezeichnet. Er hat eine ‚Murmel-Musik-Maschine“ erfunden, die durch den Fall von Stahlmurmeln auf ein Xylophon Musikstücke abspielt. Unterstützt wurde er dabei vom Gymnasium Berchtesgaden, und vom Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land. Simon will nach Abschluss seines Abiturs im Sommer 2019 eine Lehre als Elektromechaniker absolvieren.

Auf dem Foto (v.l.n.r.): Oberstudienrat Martin Hofreiter (Gymnasium Berchtesgaden), Landrat Georg Grabner, Jürgen Gasteiger (Projektbetreuer am Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land), Simon Metzendorf, Christoph Geistlinger (Geschäftsführer Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land) – Foto: Gerd Spranger

Hohe Auszeichnung für Fritz Eberlein und Elisabeth Homberg

Fritz Eberlein und Elisabeth Homberg
mit dem Ehrenzeichen des
Bayerischen Ministerpräsidenten gewürdigt

Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ‚für im Ehrenamt tätige Männer und Frauen‘ verlieh Landrat Georg Grabner an Elisabeth Homberg aus Berchtesgaden und an Friedrich Eberlein aus Bad Reichenhall. Mit Blick auf die Lebensgeschichte und das Engagement der Geehrten betonte der Landrat, dass „die Ehrennadel als Zeichen ja nur sichtbar mache, was über Jahrzehnte hinweg über jedes Maß und jede Verpflichtung hinaus geleistet wurde.“ Er zitierte den ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit den Worten: „solange es noch Leute gibt, die da sind um für Andere da zu sein, ist es um die Welt gut bestellt.“ In Würdigung der Verdienste gratulierten vor Ort Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.

Fritz Eberlein 27 Jahre Hüttenrefernt
für das Staufenhaus

Fritz Eberlein ist ein seit Jahrzehnten über jedes Maß hinaus ehrenamtlich Tätiger. 385.000 Höhenmeter hat er zu Fuß von 1989 bis 2016 auf dem Staufen überwunden. 385 Mal war er auf dem Reichenhaller Haus und als Hüttenreferent das Bindeglied zwischen Vorstandschaft und Hüttenwirt. „Heute bräuchten wir einen Gönner der bereit wäre eine Million zu investieren, denn sehr umfangreiche Sanierungsarbeiten und eine Kanalisation stehen an“, erzählt Fritz, dem das Staufenhaus bis heute am Herzen liegt. Seine Leidenschaft aber gilt der Natur, seit 1949 beschäftigt er sich intensiv damit. Nur so ist es erklärbar, dass er fast 40.000 Einzelfunde in eine Datenbank des Nationalparks eingepflegt hat. Seit Ende der 90-Jahre dokumentiert Eberlein ehrenamtlich seine detaillierten floristischen Beobachtungen. Sorge bereitet ihm aktuell das Insektensterben. „Wenn man früher unterwegs war, so herrschte ein Summen und auf einer Blüte waren nicht selten mehrere Bienen und Käfer zu sehen. Da ist es heute sehr still geworden.“

Der Naturforscher gibt sein umfangreiches Wissen gerne an Doktoranden und Masterstudenten weiter, unterstützt und hilft bei zahlreichen Forschungsprojekten im Nationalpark Berchtesgaden und führt auch heute noch gerne Exkursionen durch. Seine Arbeiten legten den Grundstein für eine künftige Beobachtung von Umweltveränderungen im Klimawandel. Fast schon nebenbei kartierte Fritz Eberlein 70 aufgelassene Almen im Gebiet des Nationalparks und historische Felszeichnungen. Freude bereitet ihm, wenn er die Selbstheilungskraft der Natur beobachtet. „Sieht man heute jene Regionen, die unter den großen Stürmen in den 90er- und 2000er-Jahren schwer litten, so ist hier eine wunderbare vielfältige Vegetation mit einem gesunden Mischwald nachgewachsen.“

Eberlein ist ein scharfer Beobachter und hat als Mitglied der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zahlreiche Publikationen veröffentlicht und unterstützt, die seine in Fachkreisen anerkannte wissenschaftliche Tätigkeit belegen. Er ist auch wieder in der Neufassung der Artenliste des Nationalparks involviert. Darüber hinaus ist er ein fleißiger Sammler von einigen Tausend Herbarbelegen für die Botanische Staatssammlung München. Dabei wird eine getrocknete oder flach gepresste Pflanze auf einen Karton oder einen Bogen Papier aufgeklebt, zu dem man früher etwa dicke Bücher benutzte. Wem die Natur so am Herzen liegt, der engagiert sich auch für den Umweltschutz und so ist Fritz Eberlein bis heute Naturschutzwart und Naturschutzausbilder bei der Reichenhaller Bergwacht. Er freut sich über die vielen jungen Menschen, die sich ganz in seinem Sinne für die Natur und Heimat engagieren. Sein Dank gilt vor allem aber seiner Frau Christa, die seit 50 Jahren treu an seiner Seite steht und in all den Jahren häufig auf ihren Mann ‚verzichten‘ musste.

Elisabeth Homberg 28 Jahre lang
beim Evangelischen Diakonieverein Berchtesgaden

Das ‚Da sein‘ für andere Menschen hat die heute 74jährige Elisabeth Homberg aus Berchtesgaden von ihrer Jugend an praktiziert, als sie als junges Mädchen bereits mehrmals wöchentlich in das Berchtesgadener Krankenhaus radelte um dort mitzuhelfen. Später durchlief sie dann eine Ausbildung zur Krankenschwester und bildete sich mehrfach fort. Als katholische Schwester kam sie 1981 zum „Evangelischen Diakonieverein Berchtesgaden“, zunächst als Halbtagskraft neben einer evangelischen Diakonisse. 28 Jahre lang, bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2009, war sie dort als Pflegedienstleitung. Zuletzt arbeiteten beim Verein acht Vollzeit- und sieben Teilzeitkräfte plus zwei Haushaltshilfen. Sie erinnert sich noch gut an das Jahr 2002, als der Neubau in Bischofswiesen an der Aschauerweiher-Straße entstand. „Wir waren alle aus dem Pflegebereich, keiner hatte eine betriebswirtschaftliche Ausbildung, dennoch haben wir uns über dieses Millionenprojekt drüber getraut.“

Und getraut hat sich Elisabeth Homberg immer und häufig. Sie hatte zum Beispiel eine „Daseinsvorsorge zu Hause“ möglich gemacht. „Wir sind vier bis sechs Mal täglich zu den hilfebedürftigen Senioren nach Hause gefahren, von morgens 6.30 bis abends um 22.30, und halfen ihnen bei den wichtigen Alltagsdingen. So konnten sie weiter in ihrem Zuhause bleiben,“ erklärt sie. Nebenbei habe sie damit die Gehälter der Mitarbeiter gesichert und zwar längerfristig und als gesicherte Einnahmen.

In diese Richtung zielte auch die 1995 eingeführte Pflegeversicherung, mit der vieles leichter geworden ist, erinnert sie sich. „Zuvor musste alles über die Krankenkassen abgerechnet werden und das war nicht einfach. Jetzt wurde das Prinzip ‚ambulant vor stationär‘ forciert und somit war Hilfe in vielen Lebenslagen möglich. Wie selbstverständlich engagierte sich Elisabeth auch in der Sterbebegleitung mit einemTeam von ausgebildeten Krankenschwestern, die das gleiche Anliegen hatten und haben. „Für einen Menschen in den letzten Stunden da sein, für und mit ihm ein Gebet zu sprechen, seine Hand zu halten, ihn nicht alleine zu lassen“, das sollte doch selbstverständlich sein.

Einmal wöchentlich bietet Elisabeht Homberg als Seniorenbeauftragte des Marktes Berchtesgaden eine Sprechstunde, die sehr gut angenommen wird. Häufig geht es um Pflege, um Hilfeleistungen, einen anderen Pflegegrad oder einfach nur den Menschen ihre Ängste zu nehmen. Weiters ist die aktive Seniorin seit sechs Jahren für die Freiwilligenagentur des Landkreises tätig, gründete das Demenzcafe Rosenrot im Werk 24, das Mehrgenerationenhaus von Berchtesgaden, hat Besuchsdienste auf der Abteilung Geriatrische Rehabilitation im Krankenhaus Berchtesgaden aufgebaut und ist Gründungsmitglied der Seniorengemeinschaft BGL Süd e.V..

Dennoch kam der Anruf aus dem Landratsamt anlässlich ihrer Ehrung überraschend. „Es gibt so viele Menschen die sich ehrenamtlich engagieren“, meint sie. Auch habe man sie mit allen ihren Initiativen in ihre Bemühungen immer wieder gefördert. Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ist für Elisabeth Homberg aber schon eine ganz besondere Auszeichnung, eine tolle Wertschätzung. „Gefreut hat es mich, dass unser Bürgermeister Franz Rasp trotz seines Urlaubes bei der Auszeichnung zugegen war“, betont sie. Dabei war auch ihr Mann Harry und ihr Enkel Niklas.

Von links: Barbara Müller (Senioren- und Behindertenbeauftragte des Landkreises Berchtesgadener Land), Walter Parma (Seniorengemeinschaft Süd e.V.), Landrat Georg Grabner, die Geehrte Elisabeth Homberg mit ihrem Mann Harry und Enkel Niklas sowie Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.

Von links: Fritz Eder und Dr. Hubert Zierl (Nationalpark Berchtesgaden), Landrat Georg Grabner, der Geehrte Friedrich Eberlein mit dessen Frau Christa, Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Helmut Schöndorfer

Fotos: Gerd Spranger