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10 Naturgärten im Landkreis ausgezeichnet

Im Berchtesgadener Land gibt es jetzt die ersten zehn vom Kreisverband für Gartenbau und Landschaftspflege ausgezeichnete Naturgärten. Er ist der Dachverband der 19 Obst- und Gartenbauvereine im Landkreis und sein Geschäftsführer heißt Josef Stein. Er ist beim Landratsamt erster „Garten-Ansprechpartner“, gelernter Landschaftsgärtner, Geograph (BA), Ingenieur für Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur (MA) und damit hoch qualifiziert. Er selbst aber winkt ab: „Die Natur und Umwelt ist in ihrer Biodiversität so komplex, dass man letztlich in der Praxis lernt. Da bin ich an der richtigen Stelle und habe noch viel zu tun.“

Natur findet auch in kleinen Gärten Platz

Treffpunkt zur Übergabe der Urkunden und Plaketten zum Anbringen an die Gartentüre, war das Wohnhaus der Familie von Annika und Michael Botzke-Hoch in Freilassing. Ihr Haus reiht sich in der kleinen Siedlung an viele andere, und beim Vorbeifahren fällt es nicht besonders auf, außer, dass „etwas mehr grün“ zu sehen ist. Auf den zweiten Blick bemerkt man viele Büsche, alte Obstbäume und sogar ein kleines Gehege für zwei Hühner, die es sich bei der Präsentation auf einem der Bäume eingerichtet haben. Auf Anfrage bei ihren Besitzern dürfen die prämierten Naturgärten auch gerne besichtigt werden, hieß es ausdrücklich.

Kein verwilderter Garten

Wie Sepp Stein einräumt, „ist ein Naturgarten kein verwilderter Garten, sondern die Natur hat ihren Platz, neben den Bedürfnissen des Menschen für Ernte und Erholung.“ Grundsätzlich gehe es um mehr Biodiversität und der kleine Flyer zum Projekt der Naturgärten stellt die provokative Frage: „Ist ihr Garten eine Blütenorgie, ein Insektenparadies und ein bunter Lebensraum, in dem sich die Natur entfalten darf?“

Die Familie Annika und Michael Botzke-Hoch waren Gastgeber in ihrem prämierten Naturgarten. Es bleibt auch Platz zum Spielen für ihre kleinen Kinder Felix und Lotte – Fotos: Gerd Spranger

Im Garten der Familie Botzke-Hoch bekommt der Besucher schnell den Eindruck, wie der Anspruch mit Fallobst, liegen gelassenem Laub, großen Sträuchern, Blumen, Hochbeete und einer 3000 Liter fassenden Regenzisterne umgesetzt werden kann. Ihre drei Kinder im Alter von fünf, acht und 14 Jahren werden in die Pflege ebenfalls mit eingebunden. Und das ist durchaus Absicht von Naturgärten, nämlich bereits den Kindern eine lebensnahe Vorstellung über die natürlichen Zusammenhänge zu geben. „Wilde Ecken sind kostbare Kinderstuben. Blütenvielfalt rettet Insekten und ein naturnah bewirtschafteter Garten bereichert das Leben in jeder Hinsicht“, informiert der Flyer.

Wilde Ecken als kostbare Kinderstuben

„Dabei“, so Landrat Bernhard Kern, „ist der Garten ein Ort der Erholung und Entspannung. Man vermutet gar nicht, was sich darin alles so verbirgt.“ Für die Gartler selbst ist es zudem Hobby und Leidenschaft in einem. „Der Garten ist keine Arbeit im eigentlichen Sinne“, bekräftigt Annika Botzke-Hoch. „Das eigene Haus und der große oder kleine Garten hat in Zeiten von Lockdowns und Einschränkungen an Bedeutung gewonnen“, bemerkt Sepp Stein.

So sind die zehn ausgezeichneten Naturgärten in ihrer Größe und Art auch sehr verschieden. Manche haben einen Teich, Schafe oder Sudansätze, in anderen sind mehr Blumen oder Kräuter zu finden. Die älteste prämierte Naturgartenbesitzerin stammt aus dem südlichen Landkreis und ist 93 Jahre alt. „Mit 83 Jahren hat sie noch ein Stück Land hinzugenommen“, merkt Anderl Lexhaller, erster Vorstand des Kreisverbandes an. „Garteln hält also offensichtlich jung“, konstatiert er. „Gärten sind dynamisch und ändern sich fast täglich, das macht die Sache auch so spannend und faszinierend“

Die für ihren Naturgarten ausgezeichneten Familien mit Landrat Bernhard Kern (l.) und Kreisfachberater Josef Stein (r.).

Ganz allgemein hätte ein Umdenken stattgefunden, ein deutliches Signal dafür sei etwa das Volksbegehren „Bienensterben“ im Jahr 2019 gewesen. Kreisfachberater Stein verweist darauf, dass „nicht nur die Landwirte in der Pflicht sind, sondern auch die Kommunen und selbst bei den Hausgärten wird angesetzt. Es wird auf chemisch synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel verzichtet. Zudem findet in den Naturgärten kein Torf Verwendung.“

Bei der Bewertung der Naturgärten wurden insgesamt 14 Kriterien berücksichtigt und jeder Garten wurde von zwei ausgebildeten Juroren, aus dem Kreisverband für Gartenbau und Landschaftspflege, bewertet. „Für eine sinnvolle und naturnahe Gartenpflege braucht es Herz, Hirn und Hand“, bekräftigt Sepp Stein. „Das Herz dürfte meist kein Problem sein und das nötige Wissen kann man sich aneignen“, meinte er. Hoch im Kurs stehen etwa Kurse wie „Der Garten im Jahresverlauf“. 50 Anmeldungen habe es dafür zuletzt gegeben, doch nur 15 Teilnehmer konnten genommen werden. „Die Kursreihe wird deshalb ausgebaut und fortgesetzt“, verspricht der Kreisfachberater und Geschäftsführer des Kreisverbandes für Gartenbau und Landschaftspflege.

Auch auf einer höheren Ebene passiere bei der Landschaftspflege viel. Etwa das Programm „Landschaft- und Naturpark-Richtlinie“, das der Freistaat seit 2014 anbietet und dabei auch Zuwendungen und Förderungen für eine nichtwirtschaftliche Tätigkeit in Aussicht stellt. Vor zwei Jahren wurden die Förderungen für Streuobstwiesen von 70 auf 90 Prozent angehoben und erst im August kündigte Ministerpräsident Markus Söder einen ehrgeizigen Streuobstpakt an. Eine Million Obstbäume sollen im Freistaat neu gepflanzt werden. Im Landkreis pflanzte der Trägerverein Biosphärenregion Berchtesgadener Land e.V. seit 2015 zusammen mit seinen Partnern über 3.100 Apfel-, Birnen-, Zwetschgen-, Kirsch- und Nussbäume.

Die ausgezeichneten Naturgärteninhaber
und die prüfenden Juroren:

Annika Botzke-Hoch, Freilassing – Veronika Kerschl, Saaldorf – Thea Götzinger, Teisendorf – Sabine und Stefan Rosenbusch, Anger – Angela Teichmann, Freilassing – Ekkehard und Helga Feist, Bischofswiesen – Monika Angerer, Marktschellenberg – Kerstin Thiel, Bischofswiesen – und zwei Familie aus Laufen und Berchtesgaden

J U R O R E N

Monika Angerer, Marktschellenberg (2. v.l.) – Thea Götzinger, Teisendorf (hockend 1. v.l.) – Josef Stein, Kreisgartenfachberater (hockend 1. v.r.) -Anderl Lexhaller, 1. Vorstand Kreisverband (hinten, 5. v. l.)

Wer sich für Naturgärten interessiert oder ganz allgemein Fragen rund um den Garten hat, für den ist der jeweilige Obst- und Gartenbauverein behilflich oder über das Landratsamt direkt Sepp Stein. Viele Informationen sind ebenso zu finden unter http://www.garten-bgl.de

Natur für alle und jeder Platz?

Sperre die Gumpen am Königsbach / Köngissee

Die Schönheit der Natur genießen, in jedem Gelände und überall? Damit ist jetzt Schluss, laut Verordnung des Landratsamtes Berchtesgadener Land als untere Naturschutzbehörde. Die Gumpen am Königsbach im Nationalpark Berchtesgaden sind für die nächsten fünf Jahre gesperrt und zwar bereits ab Mittwoch, 30. Juni. Besucher und Naturnutzer, insbesondere aus dem Bereich der Neuen Medien, sollen für die Bedürfnisse der Pflanzen- und Tierwelt im Nationalpark sensiblisiert werden, heißt es zu der Verordnung. Es solle ein Bewusstsein für deren Schutz geweckt werden. Diese Hoffnung spiegele sich in der Befristung der Verordnung für die kommenden fünf Jahre wieder.

Alles was Spaß macht ist erlaubt, oder? Auch relaxen auf einer Hängematte über den Gumpen am Königsbach. Mit Titel wie „Königssee, das verbotene Paradies“, macht man sich auf Spurensuche nach besonderen Plätzen – und trifft damit den Nerv der Follower.

Besucherlenkung mit Betretungsverbot

Besucherlenkung heißt das neue Schlagwort mit dem man negative Begleiterscheinungen des Massentourismus begegnen möchte. Es soll einer Erholung der Vegetation dienen, sowie die Schließung der Bodenwunden durch natürliche Sukzession unterstützen.

Bis zu 350 Besucher täglich

Ein Blick auf die Besucherzahlen untermauert die Dringlichkeit. Lediglich zwei kleine Steige bildeten den traditionellen Zustieg in das Areal rund um den Gumpen, das früher nur in geringem Ausmaß von Ortskundigen genutzt wurde. Besucherlenkung für eine ausgewählte, ortskundige Gruppe. Durch die rasante Verbreitung in den Sozialen Medien und auf Outdoor-Plattformen, sind diese Wege nun einer weltweiten Öffentlichkeit bekannt, die Besucherzahl hat sich vervielfacht. Eine Erhebung aus dem Sommer 2020 ergab an den Wochenenden pro Tag im Durchschnitt eine Zahl von circa 150, an Spitzentagen jedoch weit mehr als 350 Besucher. Was bleibt ist jetzt ein Betretungsverbot, denn eigentlich möchte man im Sommer nicht noch mehr Gäste am Königssee vorfinden.

Achtung: Satire

Die, die da sind, sollen brav ihre Tickets für die Königssee-Schifffahrt zahlen, sich an der Natur erfreuen, auf St. Bartholomä eine ordentliche Zeche machen und sich dann bitteschön wieder auf den Heimweg begeben. Am großen Parkplatz auch nicht vergessen die Tickets zu lösen und für ‚die Lieben‘ noch etwas aus den Souvenier-Shops mit nach Hause bringen.

Das Impfen muss noch warten

Optimistisch zeigte sich Landrat Bernhard Kern noch vor den Weihnachtsfeiertagen. „Das Impfzentrum steht bereit“, verkündete er stolz. Mit Unterstützung von mobilen Impfteams sollten dann täglich bis zu 480 Personen gegen das Virus Covid-19 geimpft werden. Mit heutiger Pressemeldung präzisiert die Behörde: „Die theoretische Kapazität im Impfzentrum liegt bei 280 Impfungen pro Tag zuzüglich den Kapazitäten aus den mobilen Teams in Höhe von 200 Impfungen.“ Für den Landrat habe damit „die letzte Phase der Corona-Pandemie begonnen.“ Die Realität aber hat uns inzwischen eingeholt, Deutschland wartet auf den Impfstoff, auch das Berchtesgadener Land. Bis zum Montag werden zwei weitere Lieferungen mit 700 Impfdosen erwartet.

Bislang wurden im Berchtesgadener Land 750 Impfungen in Senioreneinrichtungen und bei medizinischem Fachpersonal verabreicht. Auf der Suche nach Informationen tappt der Bürger weiter im Dunkeln. Auf der angekündigten Webseite des Impfzentrum heißt es lediglich: „Die Seite ist aktuell im Aufbau“, keine weiteren Informationen, keine Anschrift, keine Telefonnummer, keine Emailadresse. Auf Nachfrage der Redaktion ist auch aus dem Landratsamt nichts Näheres zu erfahren. Man wolle nur „gesicherte Informationen“ weitergeben und im Zweifelsfall zuerst beim Gesundheitsamt nachfragen. Und das kann dauern.

Das Landratsamt bittet ausdrücklich, „von weiteren Anfragen abzusehen. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt steht fest, dass nur Termine vergeben werden, wenn auch Impfstoff vorhanden ist.“ Weiter informiert die Behörde: „Wann und in welchen Mengen weiterer Impfstoff folgt, ist derzeit nicht bekannt. Gesichert ist die Zulieferung der erforderlichen Impfstoffdosen für die Zweitimpfung, die im Regelfall exakt nach 21 Tagen erfolgt.“

Seit der Jahreswende hat sich der 7-Tage-Indzidenzwert verdoppelt, im Berchtesgadener Land (BGL) liegt er aktuell sogar bei 325. Damit steht das BGL ganz oben in Bayern. Das Infektionsgeschehen dauert also trotz eines harten Lockdowns an. Auf Bundesebene, wie auch im Landkreis Berchtesgaden, heißt es dazu: „Eine Interpretation der Daten bleibt weiter schwierig, weil um Weihnachten und den Jahreswechsel Corona-Fälle laut RKI verzögert entdeckt, erfasst und übermittelt wurden.“ Auch eine Woche nach Neujahr kann oder will man keine nähere Auskünfte erteilen und verweist auf ein allgemeines Geschehen. Die eigene Webseite des Impfzentrums BGL mit den entsprechenden Informationen ist aktuell noch nicht erreichbar. Die Adresse lautet: www.impfzentrum-bgl.de

Niedergang des Tourismus in Bayern?

Gastronomie & Hotellerie zu Freizeiteinrichtungen geschlossen – Handel in den Städten vor massiven Problemen

– Im Gespräch mit Johannes Hofmann, Kreisvorsitzendes des DEHOGA-Bayern –

Zahlt der Staat ist alles gut? Diese Frage stellt der Kreisvorsitzendes des DEHOGA-Bayern, Johannes Hofmann, im Berchtesgadener Land. Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern sollen vom Staat pauschal 75 Prozent ihres im November 2019 gemachten Umsatzes erhalten. Der von der Politik inszenierte Lockdown-Light soll damit in der Gastronomie und Hotellerie abgefedert werden, um so Betriebsschließungen zu vermeiden. „Das klingt zunächst sehr großzügig und hilft den Betrieben ‚das Schlimmste‘ zu verhindern“, so Hofmann. Doch er bewertet den gesamtwirtschaftlichen Schaden sehr hoch. „Die ganze Zulieferkette, vom Bäcker bis hin zu den Zulieferbetrieben wie Brauereien und der Lebensmittelhandel bleiben auf der Strecke. Was ist mit unserem Personal und vor allem den Auszubildenden? Auch sie sind von dem Lockdown betroffen. 

Weihnachtsfeiern abgesagt

Johannes Hofmann vor dem Rathaus in Bad Reichenhall, in dem er als Stadtrat auch Jahre aktiv war.

Wie sollen wir verhindern, dass gute Mitarbeiter, die mit reduziertem Gehalt (Kurzarbeit) und Teilzeitbeschäftigung sowie Jobverlust rechnen müssen, der Branche den Rücken kehren oder in weniger betroffene Regionen zum Arbeiten abwandern?“ Und auch ein Zweites treibt den DEHOGA-Vorsitzenden um. „Im Sommer kamen viele Gäste, die sonst im Ausland ihren Urlaub verbringen, in das Berchtesgadener Land und waren begeistert“, weiß er aus vielen Gespräche mit seinen Kollegen. „Im Oktober mussten sie aufgrund der Verfügung des Landratsamtes über Nacht abreisen. Der positive Effekt, den wir nach dem ersten Lockdown für unsere Region verzeichnen konnten, wird so wieder leichtfertig auf’s Spiel gesetzt. Dazu kommt die Angst“, so Hofmann, „dass es im Dezember nicht besser wird, das gesamte Weihnachtsgeschäft wegbricht. Die vielen, für die Branche so wichtigen Weihnachtsfeiern der Betriebe, haben wir bereits absagen müssen.“ Hat die Politik über das Ziel hinausgeschossen?

Eine verunsicherte Branche

Die Verunsicherung der Branche sei bei Gastgebern wie bei potenziellen Gästen riesig. So habe der überstürzte Shotdown im Landkreis eine hohe Stornierungswelle ausgelöst. „Der Staat wird die Schließung der Betriebe auf Dauer nicht finanzieren können. Wir brauchen ein tragfähiges Konzept für den Tourismus, bis hin zu den Freizeiteinrichtungen. Kein Gast wird anreisen, wenn die gesamte Infrastruktur, von den Bergbahnen, über die Schifffahrten bis hin zu den Museen, Bädern und Thermen geschlossen bleiben“, fordert Johannes Hofmann.

Perspektiven für unternehmerisches Risiko

Ausschlaggebend für die Zukunft werde es sein, „dem Tourismusgewerbe wieder bessere Bedingungen zur Erwirtschaftung von Profiten zu ermöglichen, hier ist die Politik gefordert. Nur dann werden Betriebe auch ein gewisses unternehmerisches Risiko wagen. Das heißt Ausbildungsplätze schaffen und in die Betriebe investieren, was wiederum dem Fiskus ein Vorteil sein wird“, bekräftigt der DEHOGA-Kreisvorsitzende. So habe etwa das Hotelgewerbe beim reduzierten Steuersatz auf Übernachtungen wieder den nötigen Raum für Investitionen gewonnen.

Motivation ist schwindend

Für Johannes Hofmann gehe die Rechnung nur bei einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive auf. Es würden alle gewinnen, die Gastronomie und Hotellerie, die Urlauber, der Einzelhandel und das Handwerk. Letztlich profitiere der Staat selbst durch höhere Steuereinnahmen. „Das ganze personalintensive ortsgebundene Gewerbe braucht diesen reduzierten Steuersatz anhand der fürchterlichen jetzigen Situation dringend“, so Hofmann. Die Motivation, die Unternehmen überhaupt weiterzuführen, sei schwindend.

Sein Appell an die Politik: „Der Tourismus in Bayern funktioniert ohne bayerische Gastronomie nicht. Mittelstand und Handel gehen Hand in Hand mit dem Tourismus. Was der Politik der Mittelstand wert ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Anscheinend wurde vergessen, wer das stabile Rückgrat der Finanz und Wirtschaftskrise war. Politiker aller Couleur denkt darüber nach.“

Das Gewerbe wehrt sich

Die am 20. Oktober vom Landratsamt erlassene Allgemeinverfügung kommt zumindest aus touristischer Sicht, aus der Perspektive des Hotel- und Gaststättengewerbes und des Handels einem Lockdown des Berchtesgadener Landes gleich. Aktuell wehrt sich die Branche gegen die Verfügung und Michael Rupin, Vorsitzender der Reichenhaller Unternehmerforum e.V. (RUFO), vormals: Handels und Gewerbeverein Bad Reichenhall und Umgebung e.V., hat eine Klage gegen die Verfügung initiiert. Hier sein Schreiben im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bedanken uns für die bisherige Berichterstattung und wie zugesagt, übermitteln wir Ihnen im Anhang die Klage, den Eilantrag und besonders wichtig auch die Liste der 150 Betriebe welche mit ihrer Stimme und mit Ihrem Firmennamen diese Klage solidarisch unterstützen! Es ist kein einzelner, der hier wie Don Quijote gegen Windmühlen kämpft, es ist das Unternehmertum und es sind die Bürger eines ganzen Landkreises welche aufstehen und ihre demokratischen Mittel nutzen!

Sei es mit stummen Protesten vor den geschlossenen Schulen und Kindergärten, sei es dass die Bedürftigen mit der übrig gebliebenen Ware aus der Gastronomie unterstützt werden, oder sei es mit dem, dass wir letztendlich als Gemeinschaft diese Klage und den Eilantrag beim bayerischen Verwaltungsgericht eingereicht haben!

Wir haben bewusst als Kläger, einen mittelständischen Betrieb der Hotellerie/Gastronomie ausgesucht! Denn wenn Sie sich die Struktur der Beherbergungsbetriebe im Berchtesgadener Land genauer anschauen, werden Sie feststellen dass wir sehr große und sehr gute Hotels mit internationalen Renommee haben, jedoch noch viel mehr mittelständische und kleine Unternehmen.

Oftmals wird nur das Schlaglicht auf die ganz großen gerichtet und die anderen bleiben im Halbschatten. Wir haben bewusst dieses Zeichen gesetzt, dass es einer aus der Mitte ist, der letztendlich genau die gleichen Schwierigkeiten hat wie die ganz großen Unternehmen, oder wie die ganz kleinen. Denn fast jedes Hotel, jeder Gastronom, der direkt von diesen Maßnahmen getroffen ist, kämpft ums finanzielle Überleben.

Ums Überleben kämpfen auch viele andere Betriebe im Landkreis, welche zwar offiziell von der Allgemeinverfügung nicht oder nur leicht getroffen sind, jedoch in Wirklichkeit vor dem existenziellen Aus stehen.

Selbst wenn es jetzt irgendwann eventuell staatliche Hilfsmaßnahmen gibt, wer soll das noch finanzieren, wenn nicht nur im Berchtesgadener Land sondern eventuell sogar bayern- oder bundesweit, dem Rückgrat der deutschen Steuerkraft, den heimischen Betrieben ins Herz getroffen wird?

Wir bedanken uns für die weiterhin sachliche und abwägende Berichterstattung.

Mit vielen Grüßen aus dem Berchtesgadener Land / Mike Rupin

Michael Rupin / 1. Vorsitzender
Reichenhaller Unternehmerforum e.V. (RUFO)
Vormals: Handels und Gewerbeverein Bad Reichenhall und Umgebung e.V.

Folge uns auf facebook: https://www.facebook.com/rufo.reichenhall/
Homepage: https://www.reichenhaller-unternehmerforum.de/rufo

„An Urlaub ist in diesen Wochen nicht zu denken“

– Landrat Bernhard Kern zwei Wochen im Amt
– Die laufenden Geschäfte weiter voran bringen

Landrat Bernhard Kern ist gerade mal seit zwei Wochen im Amt und hat längst einen vollen Terminkalender. Vieles drehte sich natürlich um die aktuelle Entwicklung der Situation um den Coronavirus, wo das Landratsamt die zentrale Steuerungsstelle des Krisenstabes ist. Jeden Tag ist eine Besprechung in der Führungsgruppe Katastrophenschutz, der FüGK, angesetzt. Schon im April war Bernhard Kern mehrfach bei den Sitzungen des FüGK dabei, pendelte häufig zwischen dem Rathaus in Saaldorf-Surheim und dem Landratsamt. „An Urlaub war und ist in dieser herausfordernden Zeit nicht zu denken“, bekennt Kern. „Glücklicherweise entspannt sich die Situation jetzt“, ergänzt er.

Bernhard Kern ist überzeugt von der Kraft des Teams, das aus Ärzten, Gesundheitsexperten aus den Kliniken, Helfern der Freiwilligen Feuerwehr, den Rettungsdiensten, der Bundeswehr und der Landes- und Bundespolizei besteht. Eine zentrale Rolle in der Coronakrise nimmt das Bürgertelefon ein, bei dem an Spitzentagen bis zu 360 Anrufe eingingen. Vier Mitarbeiterinnen des Landratsamtes nahmen sich der Nöte und Sorgen an. Ergänzend dazu ist eine „Corona-Hotline“ der Bayerischen Staatsregierung geschalten.

26 Jahre lang ein Teamleader

Der neue Landrat Bernhard Kern macht einen entspannten Eindruck bei unserem Gespräch, hat den Termin kurzfristig zwischen rein geschoben. Sechs Jahre als Bürgermeister von Saaldorf-Surheim und 20 Jahre Selbständigkeit haben ihm einen guten Umgang mit Stress gelehrt. Er pflegt eine offene Kommunikation und setzte dafür ein erstes Zeichen. Alle kommunalen Verwaltungen des Landkreises erhielten eine aktuelle Liste mit den Kontaktdaten und Ansprechpartnern für die einzelnen Bereiche im Landratsamt.

„Bei allen Kommunen werden die gleichen Fragen gestellt, vor allem jetzt im Hinblick auf die Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Da ist es hilfreich zu wissen, wo man anrufen kann, und bei Bedarf wird die entsprechende Nummer an den Bürger weitergegeben. Sie ist zwar auch so zu finden, doch ein wenig Hilfe dabei schadet nicht und die Menschen sollen wissen, dass wir als Behörde für sie da sind.“

Hilfe durch BGLT und Wirtschaftsservice

Auch wenn sich die Lage insgesamt beruhigt, so nimmt sie in der Hotellerie und Gastronomie sowie bei vielen Wirtschaftsbetrieben an Dramatik zu. Landrat Bernhard Kern ist dankbar für die BGLT (Berchtesgadener Land Tourismus GmbH) und den Wirtschaftsservice des Landkreises. „Hier gibt es eigene Hotlines und die Bedarfe nach Hilfe und Unterstützung sind hoch. Erst am Mittwoch gab es ein enges Krisengespräch mit den Geschäftsführern und auch ein Treffen mit den Bürgermeistern des Landkreises. Das alles gehört zu den festen Terminen von Bernhard Kern.

„Im Hintergrund laufen zudem sämtliche anderen Bereiche weiter“, so der Landrat und nennt Verkehrsprojekte wie das Alltagsradwegenetz, Nahverkehr, ÖPNV und Schiene. „Klimaschutz und die Energiebilanz des Landkreises werden voran getrieben und natürlich kümmern wir uns um die Schulen“, ergänzt Kern. Selbst der Neubau des Landratsamtes braucht eine Neubewertung des Raumkonzeptes. „Die Krise hat uns gezeigt, dass viel mehr Homeoffice möglich ist, als viele geglaubt haben. Nach anfänglicher Skepsis hat sich das gut eingespielt.“

Der Alltag muss auch
im Landkreis wieder anlaufen

Im März 2020 war die Wahl um den neuen Landrat im Berchtesgadener Land noch nicht entschieden. Bernhard Kern zeigte sich zuversichtlich.

Verstärkt werde künftig die Besetzung des Gesundheitsamtes. „Der Leiter fiel in den letzten Wochen aus, seine beiden Vertreter aber haben einen guten Job gemacht. Es wird hier Neubesetzungen geben und darüber hinaus die Stelle eines Veterinärs geschaffen“, informiert Bernhard Kern.

Den Mitarbeitern des Landratsamtes stellt er ein gutes Zeugnis aus. „Das Haus ist gut bestellt, die Bediensteten arbeiten konstruktiv zusammen. Wichtig ist, dass am Ende etwas Sinnvolles und Zielführendes heraus kommt, und das tut es in der Regel. Die Chemie untereinander stimmt.“

Die Grenzöffnung muss noch warten

Kaum sind wir mit unserem Interview fertig, bricht Bernhard Kern zu einem nächsten Treffen mit dem Landrat von Traunstein auf. Persönlich hat er sich bereits in der Causa Grenzöffnung an das Innenministerium sowie an die Bayerische Staatsregierung gewandt und steht auch mit Landesrat Stefan Schnöll im engen Kontakt.

Ferienausschuss des Landkreises tagt trotz Coronakrise

Foto: Ein ungewöhnlicher Anblick bot der Ferienausschuss des Landkreises Berchtesgadener Land. Atemschutz und große Abstände sorgten für ein hohes Maß an Sicherheit. Fotos: Gerd Spranger

Die April-Tagung des Kreisausschusses des Berchtesgadener Land war historisch, denn sie stand mit Atemschutzmasken und weiten Sicherheitsabständen ganz im Zeichen des Coronavirus. Als Sonderform wurde ein Ferienausschuss berufen, der sonst nur auf Ebene der Gemeindeverwaltungen üblich ist. Landrat Georg Grabner betonte: „Wir haben eine Umlaufzustimmung von über 50 Kreisräten erhalten. Gemäß dem Stimmanteil der Fraktionen war im Ferienausschuss nur jeder dritte Platz besetzt. Georg Grabner bat, sich angesichts der besonderen Umstände kurz zu fassen, die ausführlichen Vorlagen seien für die Kreisräte ja bereits seit Tagen im internen Informationsdienst des Landratsamtes eingestellt und nachzulesen.

Letzte Sitzung des Kreistages
mit Landrat Georg Grabner

Die besondere Sitzung des Ferienausschusses war zugleich die letzte Kreistagssitzung von Landrat Georg Grabner, der nach 18 Dienstjahren offiziell an seinen Nachfolger Bernhard Kern übergibt. Viele langjährige Kreisräte sprachen Landrat Georg Grabner für sein Engagement über fast zwei Jahrzehnte für den Landkreis ihren Dank aus. Ein ‚Dankeschön‘ erging auch an Nicole Fegg, der Fachbereichsleiterin für das Finanzmanagement. Sie und ihr Team haben über viele Monate hinweg die Umstellung des Haushaltes des Landkreises von der Kameralistik, die eher einer einfachen Buchhaltung entspricht, hin zum doppischen System und damit zur doppelten Buchführung bewältigt. Landrat Georg Grabner merkt dazu an: „In der freien Wirtschaft arbeiten nur noch Kleinstbetriebe mit einer einfachen Buchführung. Alle anderen sind ’seit ewigen Zeiten‘ zur doppelten Buchführung mit Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz verpflichtet.“ Im doppischen Haushalt würden zur Finanz-, Ertrags-, und Vermögenslage zusätzlich Informationen über Produkte mit den jeweiligen Zielen und Kennzahlen als Gestaltungsmöglichkeit des Kreistages und der Verwaltung abgebildet.

Schuldenfreier Landkreis
und niedrige Kreisumlage

Erstmals in der Geschichte des Landkreises sei es möglich, die Kreisumlage mit 44 Prozent auf den tiefsten Stand ihrer Geschichte zu setzen. Dies war möglich, da der Landkreis Berchtesgadener Land heute schuldenfrei sei. „Zu Beginn meiner Amtszeit im Jahr 2002 musste der Landkreis eine Schuldenlast von 32 Millionen Euro tragen und zwischenzeitlich sogar 43,2 Millionen. Zum 31.12.2019 verbuchen wir noch 12 Millionen Schulden, denen liquide Mittel von rund 22,3 Millionen Euro gegenüberstehen. Wir übergeben damit der nächsten Generation ein tragfähiges Erbe“, bekräftigte Grabner, sprach aber zugleich negative Folgen der Cornakrise an, die sich die nächsten Jahre auch im Landkreis bemerkbar machen würden. Kreisrat Hans Metzenleitner plädierte darum für ein faires Miteinander von Landkreis und Gemeinden. „Wir müssen die Balance halten, die Krise wird uns noch alle fordern und wir dürfen nicht über unsere Belastungsgrenzen gehen.“

23,5 Millionen für die
drei Klinikstandorte

In einem kurzen Rückblick erinnerte Grabner an die großen finanziellen Leistungen des Landkreises für die Kliniken. „Angefangen mit einer Zahlung von sieben Millionen Euro an die Stadt Bad Reichenhall für das ehemals Städtische Krankenhaus, über die Baumaßnahmen an der Kreisklinik Berchtesgaden mit fast vier Millionen, der Defizitausgleich der Kreiskliniken von 5,5 Millionen und eine Liquiditätshilfe für die Kliniken Südostbayern im Jahr 2014 von fünf Millionen Euro. Dazu leistet der Landkreis seit 2018 einen jährlichen Investitionskostenzuschuss von einer Million Euro für die Kliniken SOB AG.“ Landrat Georg Grabner summierte so die Investitionen in die drei Klinikstandorte des Landkreises auf 23,5 Millionen Euro. Als weiteren Schwerpunkte nannte der Landrat die zentrale Verwaltung, wo in den nächsten Jahren besonders der Neubau des Dienstgebäudes belasten werde und das Thema „Schulen und Kultur“. Grabner bezeichnet es als einen Schwerpunkt der Arbeit des Landkreises und zugleich als ein persönliches Herzensthema.

 

Klimaschutz und Fake-News beim Kreistag

(gsp) Der Kreistag befasste sich im Mai mit Klimazielen, Bauprojekten und Fake-News. Dabei ging es einmal mehr um den geplanten Neubau des Landratsamtes und einer kleinen Gruppe von Bürgern, namentlich wurden Stefan Glas, Wolfgang Wagner und Ludwig Unterreiner genannt, die ein Bürgerbegehren gegen den Neubau des Landratsamtes initiiert haben. „Es wird mit falschen Anschuldigungen gearbeitet und das ganz persönlich gegen mich“, stellte der Landrat klar.

Aus der Vogelperspektive wird das Wohngebiet iin Ricchtung Marzoll erweitert, was durchaus Sinn macht. Für das neue Landratsamt steht dann viel Platz zur Verfügung. Anderseits: ist ein Neubau wirklich erforderlich? Die Kreisräte bejahen dies einstimmig.

 

Hans Metzenleitner (SPD) sprach in der Sache gar von einem Demokratieprojekt, denn der Kreisrat habe sich über mehrere Jahre und sehr intensiv mit der Thematik Landratsamt befasst und und einstimmig für den Neubau gestimmt.  Agnes Thannbichler (ÖDP) verwehrte sich gegen Bürgerbegehren, die auf Grundlage von Fake-News aufgebaut sind und Silvester Enzinger (CSU) war gar erschüttert über die Diffamierung des gesamten Kreisrates mit haltlosen Anschuldigungen.

Jennerbahn-Bergstation
ohne Genehmigung?

Der gastronomische Schwerpunkt vom Restaurant „Halbzeit“ der Jennerbahn-Mittelstation verlagert sich am Wochenende hinauf zur Bergstation, wenn die Bahn wieder über die gesamte Länge, vom Tal bis hinauf auf 1800 Höhenmeter, fährt.

Einen Verbreiter von Fake-News ganz anderer Art machte Hannes Rasp (CSU) in seinem Kreistagskollegen Dr. Bartl Wimmer (Grüne) aus. Der sprach im Hinblick auf die Eröffnung der Jennerbahn-Bergstation am 08. Juni von einem „Schwarzbau“. Rasp wies dies entschieden zurück. Es habe mit dem Juristen vom Bund Naturschutz eingehende Gespräche gegeben, und der Vorwurf des Schwarzbaues durch ein BN-Mitglied wurde zurück genommen. Das war es dann auch mit den Fake-News in der Sitzung des Kreistages. Auf der Tagesordnung standen sechs Punkte. Den größten Raum in der Diskussion nahm der Klimaschutz ein.

Rückschläge bei der Energieplanung

Landrat Georg Grabner und Klimaschutzbeauftragter Manuel Münch informierten über die Entwicklung der kommunalen Energieplanung im Landkreis und auf Landkreisebene. Der Landrat erinnerte an die Auszeichnung im November 2018 mit dem Klimapreis. Das Berchtesgadener Land habe damit Vorbild- und Signalwirkung für ganz Bayern. Manuel Münch sprach von 150 unterschiedlichen Projekten, von denen 50 bereits in der Planung und Umsetzung seien. Er appellierte an die Städte und Gemeinden sich aktiv an das Landratsamt zu wenden. Es gibt bis zu 70 Prozent Fördergelder und auch viele Hilfen und Informationen für die Vorplanung.

„Was kostet es,
wenn wir es nicht machen“

Für Simon Köppl (Grüne) ist der Energienutzungsplan des Landkreises ein gute Grundlage. Es gehe jetzt darum die Projekte umzusetzen und weiter zu entwickeln. Er sprach von einem grundsätzlichen Umdenken, das gefordert sei. „Heute sprechen wir darüber was uns die einzelne Maßnahme kostet, künftig werden wir darüber sprechen, was die Maßnahme kostet wenn wir sie nicht umsetzen.“ Und dabei hatte der Kreisrat vor allem den Schutz der Umwelt im Blick. Grabner bezeichnete es als eine Daueraufgabe nachhaltige Politik zu betreiben und bekräftigte nochmals die Möglichkeiten der Einsparung und Nutzung von natürlicher Energiegewinnung. Leider sehe es aktuell mit einem Flusskraftwerk an der Salzach nicht gut aus, wurde ihm bei einem Gespräch im Bayerischen Umweltministerium signalisiert. „Wir sprachen mit einigen Bürgermeistern und MdB Michaela Kaniber in der Sache vor und nahmen den sehr intensiven Eindruck mit, dass sich in der Sache nichts bewegt.“

Windkraft und Mobilitätskonzept

Georg Wetzelsperger (CSU) lobte den Energienutzungsplan, denn man habe damit ein handwerkliches Werkzeug für die Umsetzung von Einsparungen in der Hand. Doch „werden dann konkrete Einzelmaßnahmen in der Praxis häufig ausgebremst“, bedauert er. Dr. Bartl Wimmer klagte über selbst gemachte Erfahrungen bei der Installation einer Hackschnitzelanlage im Verbund mit einigen Nachbarn. „Da geht man einen dezentralen und klimafreundlichen Weg und dann werden von den Bayerischen Staatsforsten für Leitungen so hohe Gebühren erhoben, dass das ganze Projekt zum Fall kommt. Das kann so nicht gehen.“ Grabner stimmte zu, er habe vor Jahren bereits ähnliche Erfahrungen gemacht. „Da muss man kämpfen, sich durchsetzen,“ ermutigte er. Ebenso wurde das Thema Windkraft angesprochen, die Mobilität, eine Verkehrswende und Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr.

Wer reinigt die Biotonnen?

Ein anderes Umweltthema, nämlich ein FDP-Antrag zur Reinigung von Biotonnen, löste weitere Diskussionen aus. Die Auffassungen, ob die Leerung der Tonnen, die Trennung des Mülls bis hin zum pünktlichen Abtransport der gelben Säcke denn jetzt wirklich funktioniere, gingen weit auseinander. Für Grabner war klar, es funktioniert nach Anlaufschwierigkeiten jetzt bestens. Im Landratsamt selbst habe man dafür neue Kräfte eingeschult, Ressourcen erschlossen und die Mitarbeiter hätten sich sehr engagiert, sich auch viel anhören müssen. Edwin Hertlein (Grüne) sieht das anders. „Es läuft ganz und gar nicht, auch nach fünf Monaten nicht. Die Bürger unterscheiden auch nicht, ob es um den gelben Sack oder um die Biotonne gehe. Da liegt noch viel im Argen.“ Dr. Bartl Wimmer forderte eine Stellungnahme des Geschäftsführers des verantwortlichen Unternehmens im Kreistag. „Er muss uns Rede und Antwort stehen.“ Der FDP Antrag selbst wurde mit zwei Gegenstimmen abgelehnt, was Tilo Schöne (Republikaner) bedauerte. Mit einem Hausmeisterservice betreut er über 100 Anlagen im Landkreis und meint: „Mieter in größeren Wohnanlagen trennen nicht sauber, nehmen keine eigenen Papiertüten und es kommt zu erheblichen Verschmutzungen der Tonnen.“

Kindertagespflege und Jugendhilfeausschuss

Ohne Diskussion wurde der Antrag auf die Anpassung der Kostenbeitragsatzung Kindertagespflege ab dem ersten Juni beschlossen. Die Kosten richten sich nach dem Jahresbruttoeinkommen und der täglichen Betreuungszeit. Die maximale monatliche Elternbeteiligung bei der Betreuung eines Kindes bis zu sechs Stunden täglich steigt von 1073,07 auf 1131,22 Euro. Kostenpflichtig wird die Betreuung ab einem Jahreseinkommen von 10.000 Euro.

Gestärkt wurde der Jugendhilfeausschuss des Landkreises mit der Bestellung neuer Mitglieder. Einstimmig wählte der Kreistag Bernd Rohrbach als beratendes Mitglied als Nachfolger für Tabea Seidel. Als stellvertretendes beratendes Mitglied wurde Veronika Pummerer benannt. Des weiteren hat der Kreistag beschlossen Monika Tauber-Spring als beratendes Mitglied zu benennen.

Mehr Geld für die Sanierung
des Rottmayr-Gymnasium Laufen

Die Sanierung des aus dem Jahr 1964 stammenden Rottmayer-Gymnasium in Laufen macht Fortschritte. Der erste Bauabschnitt wurde abgeschlossen und der zweite soll bis September 2019 fertiggestellt sein. Der Kreistag befasste sich jetzt mit dem dritten Bauabschnitt und einer Steigerung der Kosten um 1,074 Millionen (1.074.707,44 €) für die ersten beiden Bauabschnitte. Dazu entfallen noch Mehrkosten von 147.000 Euro für die Anpassung der Nebenkosten „Damit haben wir Mehrkosten von unter 10 Prozent. Bedenkt man die allgemeine Kostensteigerung auf dem Baumarkt, so kommen wir damit noch günstig weg“, erklärt Landrat Georg Grabner. In dem aufgestockten Budget sind auch vorgezogene Kosten und Inventar mit eingerechnet. Ein noch zu klärender Umstand sei dabei die Verwirklichung einer Aula oder die eines großen Pausenraumes. Der Kreistag wird dazu noch zu einem späteren Zeitpunkt eine Entscheidung treffen müssen. „Positiv ist“, so der Landrat, „dass der Zuschuss durch die Regierung von Oberbayern voraussichtlich von 60 auf 65 Prozent steigen wird.“ Insgesamt belaufen sich die Kosten auf knapp 16 Millionen Euro.

Dr. Bernhard Zimmer (Grüne) mahnte an, dass man daraus seine Lehre ziehen sollte und solche Projekte in der Vorbereitung besser durchzurechnen sind. Auch solle man die Lebenserwartung und Ökobilanz stärker in die Planung mit einbeziehen. Grabner entgegnete, dass selbst bei gründlicher Vorplanung, bei fehlenden oder fehlerhaften Altplänen, und vorher nicht abzusehende lokalen Umständen, immer ein Risiko bestehen bleibe. Der Bau des Gymnasiums war noch zu einer Zeit, als Laufen ein eigener Landkreis war. Der Kreistag stimmte einstimmig für die Genehmigung und Änderung des Bau-Umfanges sowie der Genehmigung der überplanmäßigen Mittel für den Bauabschnitt I und II.

Die Vorwürfe an Landrat Georg Grabner:

Er habe behauptet, dass

  • die Neubaumaßnahme Alternativlos ist
  • während seiner Amtszeit für das Landratsamt keinerlei Bauunterhalt geleistet wurde
  • wissentlich gegen Auflagen des Brandschutzes verstoßen wurde
  • Ziel sei der Verkauf des Grundstückes mit 800 Euro je Quadratmeter

„Alle diese Anschuldigungen sind falsch und haltlos“, so der Landrat.

Auszeichnung
für Simon Metzendorf

Simon Metzendorf wurde für seine besonderen Leistungen im Wettbewerb ‚Jugend forscht‘ von Landrat Georg Grabner ausgezeichnet. Er hat eine ‚Murmel-Musik-Maschine“ erfunden, die durch den Fall von Stahlmurmeln auf ein Xylophon Musikstücke abspielt. Unterstützt wurde er dabei vom Gymnasium Berchtesgaden, und vom Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land. Simon will nach Abschluss seines Abiturs im Sommer 2019 eine Lehre als Elektromechaniker absolvieren.

Auf dem Foto (v.l.n.r.): Oberstudienrat Martin Hofreiter (Gymnasium Berchtesgaden), Landrat Georg Grabner, Jürgen Gasteiger (Projektbetreuer am Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land), Simon Metzendorf, Christoph Geistlinger (Geschäftsführer Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land) – Foto: Gerd Spranger

Investitionen von 278 Millionen Euro in den Landkreis

Der neue Haushaltsplan des Landkreises – Hohe Hilfen für Jugend und Senioren

Für Landrat Georg Grabner hängt vom neuen Haushalt des Landkreises 2019 die Zukunftsfähigkeit des Landkreises ab. Und in der Tat ist der Haushalt bemerkenswert. Die Kreisumlage fällt um drei Prozent auf 46 Prozent, den niedrigsten Wert seit 1991. Die Investitionen aller Gemeinden beträgt von 2018 bis 2022 rund 278 Millionen Euro. Für das Jahr 2019 weist der Verwaltungshaushalt für die Landkreisaufgaben Einnahmen und Ausgaben von 111,7 Millionen Euro aus. Der Landrat betont: „Das gemeinsame Anpacken und Zusammenhalten ist Grundlage für die erfolgreiche Arbeit für unseren Landkreis und seine Bürgerinnen und Bürger. Angefangen beim Kreistag über die Fraktionsgrenzen hinweg und hin zu den Städten und Gemeinden und vielen Akteuren.“

Auf der noch schneebedeckten sonnigen Wiese soll der Neubau des Landratsamtes für 37,5 Millionen Euro entstehen. Im hinteren, schattigen Teil dann eine Siedlung mit 162 Wohneinheiten. Kritiker merken an, dass bei einem Erhalt des jetzigen Landratsamtes die Siedlung ebenso auf der Wiese gebaut werden könnte und werten die Argumentation für eine Schaffung von sozialverträglichen Wohnraum als eine Schutzbehauptung. Foto: Gerd Spranger

Gleichzeitig mahnt Georg Grabner an, dass man sich von der guten Entwicklung nicht täuschen lassen dürfe, es werde so nicht endlos weitergehen. Der Ausblick in die Zukunft sei bei weitem nicht mehr so positiv. Wer legte er auch auf die Feststellung, das der Landkreis Berchtesgadener Land „zwar immer noch die geringste Umlagekraft in Oberbayern hat, aber einen überdurchschnittlich hohen Zuwachs. Das heißt, wir holen kräftig auf!“ Die Verschuldung steigt leicht von 82,2 Millionen auf 90,2 Millionen Euro an.

Von dem Geld, das der Landkreis einnimmt verbleibt ihm mit 49,6 Prozent knapp die Hälfte. „Er muss die Bezirksumlage an den Bezirk Oberbayern und die Krankenhausumlage entrichten“, erklärt der Landrat. Im Einzelnen sieht der Haushalt folgende Ausgaben vor:

Sieben Ausgaben-Schwerpunkte

33,3 Millionen für die Jugend- und Sozialhilfe sowie Hilfen für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung. Der größte Posten ist hier mit fast 11,7 Millionen der Jugendhilfebereich. Für die Seniorenarbeit, die Behindertenarbeit und das Freiwilligen-Engagement sind im Haushalt des Landkreises 282.000 Euro angesetzt.

14 Millionen weist der Verwaltungshaushalt für Schule und Bildung aus. Unter Berücksichtigung des Vermögenshaushalts, also der Investitionen vor allem in das Rottmayr Gymnasium und das Förderzentrum in Höhe von 6,3 Millionen Euro für das Jahr 2019, sind im Bereich Schule und Bildung 20,9 Millionen Euro veranschlagt.

Mit 9 Millionen schlägt die Abfallwirtschaft zu Buche. Dabei wird der Landkreis die Abfallbeseitigung von den Gemeinden übernehmen. Gleichzeitig führt er ein neues Entsorgungskonzept inklusive Biomülltonne ein und begründet es mit einer Reduzierung der Restmüllmengen sowie einer gebühren- und bedarfsgerechten Entsorgung mit modernem Service.

600.000 Euro gehen in die Landkreisentwicklung und hier ganz konkret an die Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH (BGLW). 279.000 Euro im Verwaltungshaushalt und 75.000 Euro im Vermögenshaushalt werden für das Landkreisnetz GIS ausgewiesen.

Zwei Millionen sind zunächst für die Kliniken Südostbayern AG angesetzt und danach jährlich eine Million. Der gesamte hier nötige Investitionsbedarf wird jedoch mit 418,5 Millionen für die Jahre 2018 bis 2033 beziffert. Für die Kreisklinik Traunstein werden 289,5 benötigt, für die Kreisklinik Ruhpolding 4,24 Millionen und für die Kreisklinik Bad Reichenhall rund 125 Millionen. Offen bleibt, ob es für einen Neubau oder eine Generalsanierung benötigt wird.

Und das wiederum war ein guter Übergang zum Landratsamt selbst. Denn hier waren die Gemüter ob Neubau oder Generalsanierung um 37,5 Millionen Euro die letzten Monate doch etwas bewegt. Der Landkreis nun müht sich um eine gute Öffentlichkeitsarbeit und will mit 25. März diese auch beteiligen. Georg Grabner bekräftigt die Notwendigkeit eines Neubaues mehrfach.

Es soll ein neues Zentrum des Landkreises für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Bürgerinnen und Bürger werden. Auch ist die Schaffung zeitgemäßer Arbeitsplätze in ausreichender Zahl an einem Standort ein wichtiger Aspekt. Aktuell seien 100 Arbeitsplätze ausgelagert, denn im jetzigen Landratsamt sei einfach zu wenig Platz.

Errichtet werde das neue Landratsamt überwiegend in Holzbauweise. Damit leiste der Landkreis seinen Beitrag zum Klimaschutz. Darüber hinaus mit Energiesparmaßnahmen, Eigenstromversorgung durch eine Photovoltaikanlage und Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien. Der kompaktere Baukörper spare zudem Energie, Betriebs- und Bauunterhaltskosten.

Und von ganz besonderer Bedeutung sei für den Landkreis und die Stadt Bad Reichenhall die Schaffung von dringend notwendigen Wohnungen zu sozialverträglichen Preisen.

1.260 Wohnungen und Gewerbeeinheiten gehören dem Landkreis über die „Wohnbauwerk Berchtesgadener Land GmbH“, eine 100-prozentige kommunale Gesellschaft des Landkreises Berchtesgadener Land und zehn kreisangehöriger Kommunen. Sie soll mit 1 Million Euro Kapital zusätzlich gestärkt werden. Grabner ermutigte auch andere Gemeinden, sich hier stärker zu engagieren.

Trotz aller Investitionen soll der Schuldenstand bis 2023 insgesamt nur 27,4 Millionen Euro betragen. Dabei sei auch für 2019 eine Sondertilgung von zwei Millionen Euro eingerechnet, eine Kreditaufnahme von 8,7 Millionen im Jahr 2021 und eine weiterer Kredit von 11,42 Millionen im Jahr 2022.