Schlagwort-Archive: lebenshilfe

Lebenshilfe München ist für die Zukunft gut aufgestellt

Den Original-Bericht finden Sie auch im Blog der Lebenshilfe München

Vorstand soll
hauptamtlich tätig sein

Die Neuwahl der Lebenshilfe München im November 2019 hat die Weichen für die künftige Entwicklung des Elternvereins gestellt. Mit der Zustimmung zur neuen Satzung und deren Genehmigung durch das Vereinsgericht kann nämlich ein hauptamtlich tätiger Vorstand eingesetzt werden. Berufen wird der neue Vorstand durch den Aufsichtsrat, den die Mitgliederversammlung jetzt neu gewählt hat – wie im aktuellen Newsletter der Lebenshilfe ausführlich berichtet. Die Lebenshilfe München ist für die Zukunft gut aufgestellt.

Für eine neue Satzung gestimmt

Die Redaktion hat nachgefragt, warum diese Änderung für den Verein so wichtig ist. Zunächst hält Geschäftsführer Peter Puhlmann fest: „Wir haben den im März von der Mitgliederversammlung eingeschlagenen Weg jetzt konsequent weitergeführt. Vorab wurde die neue, jetzt beschlossene Satzung durch das Finanzamt geprüft, um die Gemeinnützigkeit nicht zu gefährden. Mit Annahme durch das Vereinsregistergericht tritt sie 2020 voraussichtlich in Kraft.“

Der neu gewählte Aufsichtsrat der Lebenshilfe München (v.l.): Peter Springmann, Petra-Bianca Koch, Gudrun Oßmann, Andrea Siemen (AR Vorsitzende), Dr. Hubert Jäger und Friederike Stadler. Im Bild auch der Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann (ohne Blumen).

„Den Verein stärken“

Seit März 2019 ist die Volljuristin Andrea Siemen die neue Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe München. Sie engagiert sich seit 2008 im Elternverein und war die letzten Jahre stark in der Angehörigenberatung eingebunden, da hier juristischer Rat immer wichtiger wird. Sie bekräftigte im Frühjahr bereits, „die Reorganisation des Vereins aktiv mit zu begleiten und die Zusammenarbeit innerhalb des Vereins zu stärken.“

Zuversicht für die Zukunft

„Die Situation für die Angestellten wird sich weiter verbessern. Wir wollen den Mitarbeitern der Lebenshilfe mit Hilfe der neu beschlossenen Satzung nicht nur einen sicheren Arbeitsplatz erhalten, sondern auch Zuversicht geben. Auf diese Weise können wir noch mehr anpacken, neue Projekte planen und so, gut aufgestellt, in die Zukunft gehen“, bekräftigt die Vorsitzende.

25 Millionen Euro Umsatz

Dabei betont sie, dass es schon länger absehbar war, dass so ein großer Verein sich nicht mehr mit einem ehrenamtlich tätigen Vorstand bewältigen lasse. Peter Puhlmann ergänzt: „Wir sprechen von einem Unternehmen mit 25 Millionen Euro Umsatz, von 435 Mitarbeitern mit insgesamt 268 Vollzeit-Stellen plus 700 bis 800 ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern.“ Der Anteil an weiblichen Mitarbeitern liegt bei über 80 Prozent.

Mitglieder wichtigstes Gremium

Als wichtigste Neuerung bezeichnet Andrea Siemen den alle drei Jahre durch die Mitgliederversammlung berufenen ehrenamtlichen Aufsichtsrat, der dann die hauptamtlichen Vorstände beruft. „Die Mitglieder also bleiben das wichtigste Gremium des Vereins. Darüber hinaus wird es zukünftig neben dem Kuratorium auch Beiräte (z.B. Angehörigenbeirat, Selbstvertreterbeiräte) geben. Sie haben die Möglichkeit sich regelmäßig mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat auszutauschen und diese zu beraten. Als hauptamtlicher Vorstand ist der bisherige Geschäftsführer Peter Puhlmann besetzt. Eine zweite Person wird gesucht und die beiden Vorstände werden sich dann gemeinsam um das operative Geschäft der Lebenshilfe München kümmern und die Weichen für die Zukunft stellen.“

Entwicklung begann 2017

Geschäftsführer Peter Puhlmann sieht den Weg hin zu mehr Professionalisierung des Elternvereins bereits seit 2007 im Werden. „Damals wurden mit zwei gemeinnützigen GmbHs die Bereiche „Wohnen“ und „Kinder und Jugend“ organisatorisch und auch rechtlich aus dem Elternverein herausgenommen, ohne dass dabei der Elternverein sein Mitspracherecht verloren hätte. Es folgte dann die Einsetzung eines hauptamtlichen Geschäftsführers und jetzt gehen wir den nächsten Schritt.“

Große Projekte für die
Lebenshilfe München geplant

Dabei stehen bei der Lebenshilfe München 2020 bereits die nächsten großen Projekte an. Im Frühjahr wird die neue Wohneinrichtung am Willinger Weg eröffnet. Die ersten Planungen für eine offen betreute Wohngemeinschaft im neu entstehenden integrativen Vorzeigeprojekt der Stadt München in Freiham. Auch in Putzbrunn plant die Lebenshilfe München weiter und ist auf der Suche nach einem Grundstück zum Bau einer weiteren Wohneinrichtung. Der Schwerpunkt wird hier die Betreuung und Pflege von Menschen mit Behinderung im Seniorenalter sein.

Junger Judo-Olympia-Sieger sucht Arbeit

Special Olympics in Abu Dhabi

(gsp) Samuel Dietz ist ein geborener Münchner (Pasing) und seit seinem dritten Lebensjahr ein aktiver Judoka. Seine Mutter förderte früh seine Begeisterung für Sport und Bewegung. Im März ist Samuel Dietz mit 19 Jahren bei den Special Olympics World Summer Games 2019 in Abu Dhabi Judo-Olympiasieger im Schwergewicht geworden. Samuel lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München, macht einen selbstsicheren Eindruck, von einer geistigen Behinderung ist ihm kaum etwas anzumerken.

Olympiasieger mit dem sanften Weg

Groß und durchtrainiert ist er, und erklärt den Judo-Kampfsport als ‚den sanften Weg‘. Es gehe dabei im Wesentlichen um ‚Werfen, Halten und Bodentechnik‘. „Das Würgen und Hebeln ist verboten“, erklärt er. 2016 war er bereits Deutscher Meister und 2018 schaffte er es in London als Vice-Europameister ganz nach oben. Bei seinem Kampf in Abu Dhabi hatte er es nicht leicht. Sein Gegner war um 30 Kilo schwerer. Dennoch konnte er den Kampf mit einem (3)2 : 1 für sich entscheiden, bei den Special Olympics in Abu Dhabi.

Wunsch nach Arbeit
und eigener Wohnung

Sein normales Training leistet er zweimal wöchentlich in seinem Verein in Pasing. In der Wettkampf-Vorbereitung trainierte er fünfmal in der Woche. Privat baut er im Krafttraining Muskeln auf und beim Joggen Kondition. „Entscheidend für den Erfolg sind aber auch Beweglichkeit und Schnelligkeit“, erklärt Samuel. Aktuell bewegen ihn zwei große Ziele. Er möchte mit einer eigenen Wohnung ein selbstbestimmtes Leben führen und er ist auf der Suche nach Arbeit. „Ich kann ‚gut mit anpacken‘ und einen 8-Stunden-Tag schaffe ich“, ist er überzeugt, nimmt es als sportliche Herausforderung. Selbst als Olympia-Weltmeister ist Samuel mit einer leichten geistigen Behinderung (Autismus) arbeitslos. Auch vor Diskriminierung ist dieser sanfte Riese nicht ganz sicher. „Wenn die Leute mein Handicap merken, machen sie mich auch gerne fertig“, erzählt er aus gemachten Erfahrungen.

Echte Lebenshilfe für Hilfe im Alltag

Vom Bayerischen Meistertitel im Judo hat Samuel Dietz es bis zum Judo-Olympiasieger und zugleich Weltmeister geschafft. Stolz präsentiert er seine Medaillen.  –  Foto: Gerd Spranger

Was das selbständige Wohnen betrifft, so ist Samuel Dietz auf einem guten Weg, denn die Wohngemeinschaft (WG) der Lebenshilfe München an der Landsberger Straße wird nur ambulant betreut. „Es reicht in der Regel, wenn wir zweimal wöchentlich beim Klienten/in sind, auch wenn wir regelmäßigen Kontakt zur WG halten“, erklärt Daniela Holzmann, die Leiterin des Ambulant Betreuten Wohnens. „Meist regeln wir dann anstehende Belange, im lebenspraktischen Bereich, mit den Behörden, sprechen uns mit den Betreuern ab, kümmern uns um medizinische Angelegenheiten. Sehr selten müssen wir Konflikte lösen, denn das Zusammenleben funktioniert sehr gut“, ergänzt sie. Acht Bewohner mit geistiger oder psychischen Einschränkungen leben hier auf zwei Etagen zusammen. Es gibt eine gemeinsame Küche, einen großen Gemeinschaftsraum, Garten, Terrasse, Funktionsräume, und sonst hat jeder sein eigenes Zimmer, sein ganz privates Reich.

WG als Weg in die Selbständigkeit

Die meisten Bewohner der WG streben längerfristig ein eigenständiges Leben mit einer eigenen Wohnung an. Für sie ist die WG ein guter Weg dorthin. „Die meist jungen Leute haben sich untereinander gut angefreundet und wir sind mit den Erfolgen sehr zufrieden“, bekräftigt Daniela Holzmann. Die WG der Lebenshilfe München an der Landsberger Straße besteht im vierten Jahr.