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Auf in goldene Zeiten

K O M M E N T A R

Die Medien machen Stimmung, ein Silberstreif, ja ein strahlender Sonnenaufgang scheint am Horizont sichtbar. Schnell sollen die dunklen Coronajahre vergessen werden, obwohl man noch gar nicht weiß, ob sie überhaupt überwunden sind. Der Wirtschaft tut’s keinen Abbruch. Das von Wirtschaftsminister Altmaier kürzlich präsentierte Wirtschafts-Gutachten geht sogar von einem deutschlandweiten Plus von 3,5 Prozent aus. Corona scheint es die ersten vier Monate des Jahres 2021 nicht gegeben zu haben, zumindest was die Wirtschaft betrifft. Der Pulsschlag werde dabei vom Export, internationalen Lieferketten und gefüllten Auftragsbüchern bestimmt. Ebenso dürften sich die großen Handelsglobalisten wie Edeka, Lidl, Aldi und Co bester Umsätze erfreuen.

Es scheint im Lande keine Rolle zu spielen, dass Handel, Tourismus und Kultur um bis zu 90 Prozent eingebrochen sind, teilweise sogar ganz zum Erliegen kamen. Hier würde mit weit über100 Milliarden an Hilfen und Krediten geholfen und mit vielen Milliarden die Kurzarbeit gefördert, so der Minister. Kein Wort davon, woher der große Geldsegen kommt. Vor so viel Optimismus, wo die Milliarde als geläufige Recheneinheit erscheint, kann sich der Normalbürger, Kleinunternehmer, Arbeiter und Angestellte nur verwundert die Augen reiben. Die Rechnung aber geht zumindest für den Wirtschaftsminister und die deutsche Industrie auf.

Ein kleines Beispiel mag verdeutlichen, dass der Optimismus womöglich auf sehr zerbrechlichen Füßen steht. Verbuchen Leitindustrien etwa im Gesundheitsbereich Gewinne von 100 Milliarden Euro, und der Mittelstand branchenbezogen Verluste von 97 Milliarden Euro, verbleibt gesamtwirtschaftlich betrachtet immer noch „ein Gewinn“ von drei Milliarden Euro. Der Mittelstand aber besteht zu 95 Prozent aus Familienunternehmen und davon gibt es in Deutschland rund 3,5 Millionen.

Aber bislang sei ja eine große Insolvenzwelle ausgeblieben und mit so einer sei auch nicht zu rechnen, prognostiziert Altmaier. Kein Wort davon, dass Millionen von Menschen in Kurzarbeit auf ein Drittel ihres Einkommens über Monate hinweg verzichten mussten. Im Gegenteil, es werde eine deutliche Erholung der Binnenwirtschaft und der privaten Konsumausgaben erwartet. Die Reichen werden noch reicher. Es werden wohl sie sein, die die Kassen wieder zum Klingeln bringen, während der Normalbürger und Kleinunternehmer das nächste Jahrzehnt daran arbeiten wird, den aufgehäuften Schuldenberg wieder abzutragen, sofern die Politik von endlos scheinenden Lockdowns ein Ende finden wird und man nicht wieder für ganze Branchen ein Berufsverbot ausspricht. Denn wirklich zu brauchen scheint man sie ja nicht. Es lebe der Export und die deutsche Wirtschaft. Oder wie es Wirtschaftsminister Altmaier ausdrückt: „Ich appelliere an alle, die Verantwortung tragen werden, für die nächsten vier Jahre dem Stellenwert der Industrie gebührenden Platz einzuräumen.“ Die Industrie dürfe nicht zu sehr mit Abgaben und Bürokratie belastet werden. Also jene, die glänzende Geschäfte machen, dürfen steuerlich ja nicht belastet werden.

Gut ins Bild und in die Handelsbeziehungen passt da auch die neue Liebe zu den USA. Der medial verehrte neue Präsident werde endlich die großen Schäden seines wenig geliebten Vorgängers wieder beheben. Die lang und teuer bezahlten Impfkampagnen zeigen langsam Wirkung und sogar Impfstoffe stehen zur Verfügung. Es winke die neue Freiheit für alle Geimpfte, Getestete und Genesene und zumindest dieses Geschäftsmodell ist auf Jahr hinweg bestens abgesichert.

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