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Ministerin Kaniber zeigt Solidarität mit der Hotellerie und Gastronomie

Gleich zwei prominente Gäste konnte der Kreisvorsitzende der Dehoga-Bayern zur Jahresversammlung im Wellness- und Natur-Ressort Gut Edermann in Teisendorf begrüßen. Die Präsidentin des Dehoga-Bayern und Geschäftsführerin von Brauerei und Gaststätte Aiying, Angela Inselkammer, und als Überraschungsgast Michaela Kaniber, Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Sie wollte ein Jahr nach dem abrupten Lockdown im Berchtesgadener Land ihre Solidarität mit der Branche zeigen.

Eine prominente Runde zur Kreisversammlung des Dehoga-Bayern im Berchtesgadener Land (v.r.): Ministerin Michaela Kaniber, Kreisvorsitzender Johannes Hofmann, Dehoha-Referentin und Geschäftsführerin Susanne Droux und die Präsidentin des Dehoga-Bayern, Angela Inselkammer – Foto: Gerd Spranger

Zusätzlich motiviert sei sie, weil ihre Eltern über Jahrzehnte hinweg einen Gastronomiebetrieb führten und ihre Schwester bis heute ein Hotel in Bad Reichenhall. „Wir haben uns in Zeiten des Lockdowns wöchentlich getroffen und ich habe mir viel anhören müssen, was wir in der Politik der Branche zumuten.“ Mut mache ihr aber, dass man jetzt nicht „in einem Tal der Tränen“ verharre, sondern als Unternehmer wieder anpacke und nach vorne sehe. „Ja“, räumt sie ein, „ es ist in Deutschland schwer die Dinge unkompliziert zu handhaben. Wir verkomplizieren Sachverhalte gerne und bewegen uns dann wenig.“

Mehr Eigenverantwortung gefordert

Das bekräftige auch Angela Inselkammer. „Wenn wir einen Rest von 20 Prozent Eigenverantwortung bei den Menschen belassen würden, bräuchten wir die Prozesse nicht zu 150 Prozent regeln und kämen mit nur 50 Prozent an Verordnungen und Bestimmungen aus.“ Sie machte es an einem Beispiel fest. „Verletzt sich jemand an einer offen stehenden Tür, müsste man nicht gleich nach Hersteller und beauftragten Handwerksunternehmen fragen, sondern für sich selbst einfach die Lehre ziehen besser aufzupassen.“

46 Millionen Euro an 2100 Betriebe

Ein Thema was beiden Frauen, unsere Gesellschaft und vor allem auch die Gastronomie und Hotellerie beschäftigt, sind weiter die Corona-Verordnungen. „Die finanziellen Hilfen sind geflossen, in Bayern bislang über sieben Milliarden Euro. Im Berchtesgadener Land wurden fast 46 Millionen an 2100 Betriebe aus der Hotellerie und Gastronomie ausbezahlt, 58,5 Prozent der Hilfen. Es war eine Gemeinschaftsleitung, um die Branche vor Betriebsschließungen zu bewahren,“ bekräftigt Kaniber.

„Wir brauchen Planungssicherheit“

„Es ist aber an der Zeit, für uns alle, und vor allem für die Hotellerie- und Gastronomie, wieder Planungssicherheit zu schaffen. Immerhin“, so Angela Inselkammer, „sieht sich immer noch ein Viertel der Branche in seiner Existenz gefährdet und ein Fünftel denkt über eine Betriebsaufgabe nach. Es war eine brutale Zeit für uns und so etwas haben wir selbst über zwei Weltkriege hinweg in unserer 200 Jahre alten Firmengeschichte noch nie erlebt. Dennoch“, so Inselkammer, „müssen wir nach vorne sehen und raus aus der epidemischen Lage. Wenn 80 Prozent der Menschen geimpft oder genesen sind, haben wir das Ziel erreicht.“ Dem stimmte auch Ministerin Michaela Kaniber zu, wollte nicht von einem Impfzwang sprechen, gab aber zu bedenken, „dass ein hoher Inzidenzwert – und im Berchtesgadener Land haben wir deutschlandweit den dritthöchsten – nicht für eine Urlaubs- und Tourismusregion werben.“

Sonderopfer der Branche

Glückwünsche für 50 Jahre Treue zum Dehoga-Bayern (v.l.): Ministerin Michaela Kaniber, Jutta Grünberger vom Hotel Grünberger in Berchtesgaden, Kreisvorsitzender Johannes Hofmann und die Präsidentin des Dehoga-Bayern, Angela Inselkammer.

Angela Inselkammer bekräftigte noch einmal das gebrachte Sonderopfer der Branche. „Mit guten Hygienekonzepten hat die Hotellerie und Gastronomie niemals die Gesundheit von Menschen gefährdet. Die plötzlichen Schließungen hatten einen anderen Grund. Die Menschen sollten nach getaner Arbeit nach Hause gehen um sich nicht mehr privat zu treffen und damit die Kontakte zu reduzieren. Der Politik war das bewusst“, unterstellt sie, „ und hat darum sehr großzügig Hilfen von 75 Prozent des letztjährigen Nettoumsatzes gewährt. Es war angemessen, aber auch überaus großzügig. Das wird in dieser Höhe nicht mehr vorkommen“, prophezeit sie. „Nach anfänglichen Schwierigkeit hat die IHK in Bayern ganz Großartiges geleistet und die Hilfen sind schnell geflossen. Wenn es bei einzelnen Betrieben ’noch hängt‘, liegt es häufig an falschen Angaben der Steuerberater. Jeder gastronomische Betrieb darf sich aber an uns wenden, wir helfen weiter“, verspricht sie.

Bessere Vernetzung mit Erzeugern

Die engagierte Vorsitzende und Unternehmerin nutzte die Gunst der Stunde und fragte bei Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber gleich nach, ob eine bessere Vernetzung zwischen Direktvermarktern und der Hotellerie und Gastronomie möglich sei. Sie antwortete umgehend: „Es gibt mit der Öko-Modellregion bereits erste Ansätze in diese Richtung, regionale Anbieter arbeiten mit dem Handel gut zusammen. Das Problem sind die Zwischenschritte, etwa bei der Schlachtung und Veredelung von Fleisch, obwohl in Bayern noch 1800 Metzgereien tätig sind. Generell ist die Nachfrage nach Bio und Regionalität sehr hoch. Wir geben täglich 1,8 Millionen Mittagsessen aus, rechnet man Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser zusammen. Es macht sicher Sinn, die Gastronomie mit einzubinden.“ Als ein positives Beispiel nannte sie die Initiative von Hotelier Johannes Lichtmannegger aus der Ramsau. „Hier hat man es verstanden, mit Almbauern und Fischerei einen Zusammenschluss zu finden. Jüngst wurde sogar noch um eine eigenen Käserei ergänzt.“

Reduzierte Steuer muss bleiben

Auf der Tagesordnung der BHG-Kreisversammlung standen noch weitere wichtige Themen auf der Tagesordnung. Bis 2023 profitiert die Branche auf Lebensmittel etwa noch von einem reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent und hofft auf eine Beibehaltung dieser „unkomplizierten und für alle förderlichen Regelung.“ Auch erlebt der Dehoga-Branchenverband durch die Corona-Pandemie nicht einen befürchteten Schwund an Mitgliedern, sondern verzeichnet ein leichtes Plus, so dass man heute 12.000 Mitgliedsbetriebe zählt. Auf sie entfalle fast 80 Prozent des Branchenumsatzes. Ein großes Thema nahm die Weiterbildung, Berufsausbildung, die Gewinnung von Fachkräften bis hin zur Unternehmenskultur ein.

„Die Krise ist für die Hotellerie und Gastronomie noch nicht vorbei“

Die Gastronomie und Hotellerie hat die Corona-Lockdowns überstanden, doch in wie weit, ist abschließend noch nicht zu sagen. Die Hilfen des Freistaates Bayern (wir berichteten) hat zwar auch im Berchtesgadener Land gegriffen, „doch die Nachwirkungen sind trotz eines sehr guten Sommergeschäftes noch deutlich spürbar“, äußert sich der Kreisgeschäftsführer des Dehoha-Bayern, Johannes Hofmann. „Persönlich kenne ich einige Gastronomen, die während der Pandemie ihre private Altersvorsoge aufgegeben haben. Es fehlt am Personal, an gut ausgebildeten Fachkräften und am Berufsnachwuchs. Dreijährige Ausbildungen sind nicht mehr zeitgemäß, die jungen Menschen müssen und wollen schneller in den Beruf. Gerade bei ihnen gibt es einen hohen Anteil, der mit ’schnellen Jobs‘ gleich gut verdient, sich aber zehn Jahre später wundert, über keine gute Ausbildung zu verfügen.“

Glückwünsche für 40 Jahre Treue zum Dehoga-Bayern (v.l.): Ministerin Michaela Kaniber, Kreisvorsitzender Johannes Hofmann, Anton Sandholz vom Gasthof Rehwinkl in der Ramsau und die Präsidentin des Dehoga-Bayern, Angela Inselkammer.

Diese direkte Ansage rief sofort Sabine Ofner, stellvertretende Leiterin der Staatlichen Berufsschule mit Berufsfachschule aus Freilassing auf den Plan. „Das ist so nicht richtig. Wir haben ein einjähriges Berufsgrundschuljahr, in der die jungen Menschen eine gute Wissensbasis vermittelt bekommen. Es gibt auch eine zweijährige und dreijährige Ausbildung. Es muss in ihrem Interesse sein, gut ausgebildete Kräfte und damit die späteren Führungskräfte in den Betrieben zu haben. Nutzen Sie mehr die einjährige Ausbildung. Sie qualifiziert und hat niedere Hürden“, schloss sie ihr Plädoyer.

Tourismus und Gastronomie galten als krisensicher

Tatsächlich aber hat sich die Perspektive verschoben. „Eigentlich galt eine Karriere im Tourismus oder in der Hotellerie und Gastronomie als Krisensicher. Dieses Urvertrauen ist nachhaltig gestört worden“, bedauert die Präsidentin des Dehoga-Bayern, Angela Inselkammer. Dr. Anja Friedrich-Hussong vom Wirtschafsservice des Berchtesgadener Landes empfahl eine bessere Vernetzung. „Wir haben für Ausbildungsberufe eine eigene Broschüre aufgelegt und dabei natürlich auch die gastgewerblichen Berufe aufgenommen. Wir gehen damit in die Schulen und auch auf Messen.“

Bald eine 4-Tage-Woche?

Alle waren sich darüber einig, dass man bei den gastgewerblichen Berufen die jungen Menschen wieder mehr mitnehmen muss. Sie setzen heute andere Prioritäten, wollen Zeit für die Familie und die Kinder haben. Eine 5-Tage-Woche sollte Normalität sein. Susanne Droux vom Dehoga-Bayern ging sogar noch einen Schritt weiter. „Junge Menschen stellen Spaß und Selbstverwirklichung in den Vordergrund und sind bereit, dafür die berufliche Karriere zurück zu stellen. Wir müssen über Arbeitszeit-Modelle wie etwa viermal zehn Stunden reden, wir müssen flexibel sein.“

Auch „Chefs“ müssen entspannt sein

„Der Kreislauf einer überhitzten Arbeitsatmosphäre beginnt schon bei den Chefs“, weiß Johannes Hofmann aus 32jähriger gastronomischer Selbständigkeit. „Dabei darf man auch die Ausflugsgastronomie, die hier im Berchtesgadener Land stark vertreten ist, nicht aus den Augen verlieren. Sie müssen in fünf Sommermonaten ihr Geschäft machen und da ist an einen Ruhetag einfach nicht zu denken. Und dennoch“, ergänzt er, „ sollten sie mehr Gelassenheit lernen und nicht vergessen, dass unsere Berufe auch viel Spaß und Freude vermitteln. Das ist ja unser Kerngeschäft, dem Gast das besondere Erlebnis zu bieten. Wir müssen es auch selbst leben.“

Gute Mitarbeiten im Focus behalten

Susanne Droux ist beim Dehoga Bayern Geschäftsführerin für den Bereich Berufsbildung und Branchenförderung. Sie vertiefte das Thema in einem Referat weiter und markierte dabei vier zentrale Punkte: „Die Branche ist gefordert pünktlich ein faires Gehalt zu bezahlen, bei den Arbeitszeiten den Mitarbeitern mehr entgegen zukommen und letztlich selbst eine Unternehmenskultur zu fördern, um den Beschäftigten auch eine emotionale Heimat zu bieten, wo sie gerne arbeiten. Der Gastronom darf als Unternehmer nicht nur den Gast im Focus haben, ebenso wichtig für ihn sind als Dienstleister gute und motivierte Mitarbeiter“, fordert sie.

Fachkräfte aus Drittländern

Susanne Droux informierte weiter über die Gewinnung von Fachkräften aus Drittländern wie Marokko, Tunesien oder Vietnam. Der Dehoga hat dafür eine eigene Fachstelle in Nürnberg geschaffen. „Wir bündeln hier die Leistungen, so dass es eine zentrale Stelle und damit einen Ansprechpartner gibt, um allen Formalitäten und Hürden des Fachkräfte-Einwanderungsgesetzes gerecht zu werden. Wir stocken dafür von aktuell zehn auf 35 Mitarbeiter auf.“ Voraussetzung ist allerdings eine berufliche Qualifikation des Einwanderungswilligen. „Dabei gibt es die Hürde, dass im Ausland das duale Ausbildungssystem, wie wir es in Deutschland kennen, nicht Standard ist. Der oder die Betreffende haben aber dann die Möglichkeit, sich in den vier Jahren ihres Aufenthaltes weiterzubilden, etwa mit Kursen wie wir sie vom Dehoga aus anbieten.“ Weitere Voraussetzungen sind die Bezahlung nach Tarif, eine Wohnung und letztlich die Zufriedenheit des Beschäftigten, denn er kann das Arbeitsverhältnis auch wieder beenden oder sich einen anderen Arbeitgeber suchen. Alle interessierten Arbeitgeber sollten sich aber bereits jetzt melden, um etwa im Frühjahr oder Sommer eine Fachkraft zu verpflichten. Das Kontingent ist sonst ausgereizt.

Direkte Ansprache vor Ort

Johannes Hofmann empfiehlt für die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte einen anderen, für ihn erfolgversprechenderen Weg. „In Bayern arbeiten viele Menschen und Gastronomen mit Migrationshintergrund. Junge Menschen leben bereits hier und ihre Familien sind häufig integriert. Sie kennen sich untereinander, sind vernetzt und kennen die Sprache ihrer Heimatländer. Wir müssen aktiv auf sie zugehen, ihnen Perspektiven einer Aus- und Weiterbildung aufzeigen. Das ist ein erfolgreicher und schneller Weg.“ Bei der Praxis, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, sieht er ein großes Handicap. „Wendet man sich auf der Suche nach ausländischen Fachkräften an die Botschaften, muss man häufig bis zum ersten Januar warten, um neue Kontingente zu nutzen. Bereits am zweiten Januar aber sind die Botschaften online nicht mehr zu erreichen, denn das System ist dann schon völlig überlastet. Das hilft nicht weiter.“

Nach zwei Jahren „Versammlungspause“, bedingt durch die Corona-Verordnungen, nutzte der Dehoga das Treffen für eine Ehrung langjähriger Mitarbeiter. Ausgezeichnet wurden:

Für 40 Jahre Mitgliedschaft:

Anton Sandholz, Gasthof Rehwinkl, Ramsau
Culina Brancka, Gaststätte Neuwirt, Anger

Für 50 Jahre Mitgliedschaft:

Gertrude Gassner, Schlossberghof Marzoll, Bad Reichenhall
Jutta Lieselotte Grünberger, Hotel Grünberger, Berchtesgaden

Viel Freude bei der Politik über den ‚Neuen Jenner‘

 

Großes Kino mit atemberaubender Naturkulisse am Jenner – Fotos: Gerd Spranger

Bereits im Juni eröffnete die neue Jennerbahn ihren Betrieb bis zur Bergstation (wir berichteten). Heute wurde die  Eröffnung offiziell gemacht. Geschäftsführer Franz Moderegger begrüßte viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft. Aus München lobten mit Ilse Aigner, Landtagspräsidentin des Bayerischen Landtags, Michaela Kaniber, Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Maria Els. Regierungspräsidentin von Oberbayern gleich drei prominente Politikerinnen das Engagement und den Erfolg der neuen Jennerbahn. Auch Landrat Georg Grabner und die Bürgermeister des Landkreises würdigten den Neubau, der für einen Aufbruch in eine neue Zeit stehen soll.

Gleich zwei Ministerinnen begrüßt Moderator Tom Meiler zur offiziellen Eröffnung der Jennerbahn in Schönau am Königssee. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (l.) und Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags.

Geschäftsführer der Berchtesgadener Bergbahn AG (Eigentümerin der Jennerbahn) Franz Moderegger und Vorsitzender des Aufsichtsrates, Peter Moderegger dankten allen Handwerkern, Mitarbeitern, Nachbarn und für die aktive Hilfe der Politik bei der Realisierung des Projektes mit Gesamtkosten von 56 Millionen Euro. 10,5 Millionen förderte davon der Bayerische Staat, damals noch unter der Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Ministerin Michaela Kaniber bekträftigte, dass die neue Jennerbahn ganzjährig für den Tourismus wichtig ist und setzte eine Spitze gegen Tirol: „Wenn die Tiroler uns im Sommer nicht mögen, dann sollten wir auch im Winter nicht dorthin zum Skifahren reisen. Das ist allein wegen der CO2-Abgase nicht umweltfreundlich. Schöner ist es hier zuhause auf dem Jenner.“

Auch der kirchliche Segen darf nicht fehlen.

Mit dem Jenner verknüpfen auch die Politiker gute Erinnerung. Für Franz Moderegger war und ist er immer eine Perlenkette, die nachts auf dem Berg leuchtet. Eine Erinnerung, die sich ihm seit seiner Kindheit eingeprägt hat. Bürgermeister Hannes Rasp aus der Schönau am Königssee, hat hier zu Faschingsszeit manchen Unfug getrieben. Zusammen mit einem Freund sind sie etwa gemeinsam auf einen zwei Meter langen Ski in das Tal abgefahren. Ministerin Ilse Aigner kennt die Bahn seit ihrer Kindheit, und den Berchtesgadener ‚Dreiklang‘ mit Salzbergwerk, Königssee und Jenner. Für Ministerin Michaela Kaniber war eher der Götschen das bevorzugte Skigebiet, „der Jenner war mir immer zu steil“, bekennt sie. Und Landrat Georg Grabner geht gerne mit Gästen auf den Jenner, um ihnen die Murmeltiere zu zeigen.

Für alle ist der Jenner ein ganz besonderer Berg. Besonderes Lob verdiene am ‚Neuen Jenner‘ die Barrierefreiheit, damit alle Menschen das Naturerlebnis erleben können.

Landrat Georg Grabner und die Bürgermeister der Gemeinden des Berchtesgadener Landes gratulierten zur Fertigstellung des für die Region so wichtigen touristischen Großprojekts.

Starke Worte und ein starkes Bier im Brenner-Bräu

 

‚Ozapft is‘ – die erste Maß im Krug. Von links: Bürgermeister Thomas Weber, Ministerin Michaela Kaniber, CSU-Generalsekretär Markus Blume, Bezirksrat Georg Wetzelsperger, CSU-Ortsvorsitzender Josef Pletzer und Wieninger-Braumeister Bernhard Löw. – Fotos: Gerd Spranger

(gsp) War es 2018 die damalige Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber, die dem Starkbieranstich im Gasthof Brennerbräu die politische Note gab, so übernahm dies am Freitag CSU-Generalsekretär Markus Blume aus München-Ramersdorf. Bevor es aber so richtig politisch wurde, zapfte Braumeister Bernhard Löw von der Brauerei Wieninger mit Markus Blume erst einmal das erste Fass Starkbier an. „Unser Impulsator ist mit 18 % Stammwürze aus gutem Aromahopfen und fünf Monaten der Reifung zu einem süffigen Starkbier mit 7,3 Prozent Alkohol und einer ausgeprägten Malznote gereift“, schwärmt er für das nahrhafte Fastengetränk.

Gute Stimmung und viel Prominenz

Und die Stimmung hätte nicht besser sein können. ‚A zünftige Musi‘ von der Musikkapelle Bischofswiesen, ein Wirtshaus, voll besetzt mit Gesellschaft in festlicher Tracht, wo schon früh lebhaft diskutiert und getratscht wurde – ganz im gelebten Klischee einer bayerischen Wirtschaft zum Starkbieranstich. Gekommen war die Prominenz des Ortes und darüber hinaus, angefangen bei den Bürgermeistern und Gemeinderäten über den Kommandeur des Gebirgsjägerbataillon 232 Markus Sonnenberger, Monsignore Thomas Frauenlob, bis hin zu Vertretern der Vereine und Bürgern der Gemeinde Bischofswiesen.

Die Festrede von Markus Blume war über weite Strecken ein Appell für eine ehrliche Politik, die er immer wieder mit launige Beiträgen würzte. „Der Aschermittwoch soll der Kirche als christlicher Feiertag erhalten bleiben. Es ist in Bischofswiesen Brauch, erst am Freitag zu feiern und die Fastenzeit für eine „Innere Einkehr“ zu nutzen.“

Die Musikkapelle Bischofswiesen sorgte für gute Stimmung

„Und warum soll nur im Wein und nicht auch im Bier, im Starkbier, der mit seinem kräftigen Aroma und Alkoholgehalt ja einem guten Wein gleichkommt, die Wahrheit liegen? Und was ist treffender, als mit einem Impulsator, quasi als Turbo unseres Denkens, sich über die Welt im Allgemeinen und der Politik im Besonderen auszutauschen. Die große Herausforderung dabei ist allerdings, ob wir am nächsten Tag noch wissen, was wir alles gehört und diskutiert haben“, gab er zu bedenken.

Fastenzeit sei ja für eine Besinnung die gute Gelegenheit, und diese bräuchten wir heute dringend. „Unsere Gefühlswelt, angespornt durch die Medien via TV und Talkshows, malen uns fast täglich schreckliche Bilder vor Augen. „Die Krise, ist sie da – wirklich?“ fragte er in die Runde.

CSU-Generalsekretär Markus Blume bewegt sich gut auf dem politischen Parkett.

Der Politikwissenschaftler und ehemalige Unternehmensberater Markus Blume schwenkte nach diesem Statement elegant zur europäischen Bühne. So seien die Probleme in England, Frankreich oder Italien ja um ein Vielfaches größer. „Solange wir in Deutschland über Bienensterben, ein drittes Geschlecht – was kaum einer versteht – und über ein Verbot von ‚Indianerkleidung‘ zum Fasching streiten, geht es uns gut“, meinte er und erntete damit kräftigen Applaus.

Weiter gab Markus Blume zu bedenken: „Wir sind bombastisch unterwegs, verzeichnen seit 10 Jahren ein stabiles Wirtschaftswachstum und haben die niedrigste Arbeitslosigkeit! Und doch verändern sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen drastisch, aber wir dürften nicht den Fehler machen, immer in den Rückspiegel zu schauen.“ Und das lastete er der SPD an. Sie vergäßen, was dieses Land groß gemacht habe, nämlich die Reformen auf dem Arbeitsmarkt. „Es ist nicht die Zeit, hier den Rückwärtsgang einzulegen, sondern endlich den Soli abzuschaffen – davon profitieren alle!“ Und auch hier erntete er wieder lebhafte Zustimmung vom Publikum. Der CSU-Generalsekretär schloss die anderen Parteien von seiner pointierten launischen Kritik nicht aus.

Nicht von Emotionen leiten lassen

Die deutsche Politik dürfe sich nicht von Emotionen bei wichtigen Entscheidungen leiten lassen. Es dürfe nicht aus jeder Sachdebatte heraus eine moralische Grundsatzdebatte geführt und der vermeidliche Gegner dann als ’schlechter Mensch‘ abgestempelt werden. „Natürlich sprechen wir bei dringenden Lebensgrundlagen für die Bienen auch von der „Bewahrung der Schöpfung“. Aber es darf keine Spaltung der Gesellschaft voran getrieben werden, etwa „Bienen gegen Bauern“. Das muss man zusammen bringen. Warum haben denn die Grünen dagegen gestimmt, den Klimaschutz als Staatsziel in der Bayerischen Verfassung zu verankern?“ fragt er. Emotionen versus Ratio, etwa bei der führenden und weltweit geachteten Leitindustrie unseres Landes, nämlich der Autoindustrie. „Sie wird in einer selbst-zerstörenden Art kaputt geredet, ungeachtet der wirtschaftlichen Bedeutung und der Arbeitsplätze. Das ist unserem Land nicht würdig. Wir wollen die Mobilität erhalten, sie ist ein Grundrecht von uns Menschen, unserer Freiheit.“

Bezirksrat Georg Wetzelsperger, Ministerin Michaela Kaniber und CSU-Generalsekretär Markus Blume in gutem Einvernehmen.

„Es ist sehr zu begrüßen, dass wir in unserem Land wieder über Politik sprechen. Wir dürfen es aber nicht ‚den Rändern‘, ob links oder rechts, überlassen“, so Markus Blume. Und immer wieder findet er einen Bezug zur europäischen Ebene. „Die etablierten Parteien sind geschwächt, der Druck von allen Seiten wächst. Immer wichtiger werden die sozialen Medien. Es kann nicht sein, dass sich hier jeder anonym über alles auslässt – bis hin zu üblen Beschuldigungen und Beleidigungen. Selbst ein internationaler Konzern wie Facebook wird sich gefallen lassen müssen, dass hier die Regeln der Presse gelten, auf der Grundlage von Transparenz und Öffentlichkeit“, mahnte er an.

Zuletzt konnte die AfD nicht außen vor bleiben. „Eine Partei, die es mit Recht, Gesetz und Wahrheit nicht so ernst nimmt, die sich immer mehr in Spendenskandale verwickelt und im braunen Sumpf versinke“, skizzierte er die aktuelle Situation aus seiner Sicht.

Sein Schlussplädoyer galt dem CSU-Europakandidaten Manfred Weber, der ein ganz ausgezeichneter Spitzenkandidaten für Brüssel sei. Er bringe hier ein Stück bayerische Identität und Werte in ‚dieses unser Europa‘ ein. Es gehe um ein starkes Europa, in dem wir uns selbst stark machen müssen.

Bruder Barnabas vertritt das Untersbergmandl

Das launige Element vertiefte beim Starkbieranstich der CSU in Bischofswiesen „Bruder Barnabas“ (Wasti Rasp), der in Vertretung des ‚Untersbergmandls‘ sein Debüt feierte. Der Mann vom Untersberg wollte dieses Jahr nicht herab steigen, denn es liege noch immer zu viel Schnee vor den tiefen Höhlen, ließ er sich entschuldigen.

„Bruder Barnabas“ (Wasti Rasp) feierte seine Premiere im Gasthof Brenner-Bräu in Bischofswiesen

Und Bruder Barnabas übte sich in Vorsicht, war doch ’sein Chef‘, Monsignore Thomas Frauenlob, zugegen. Er gab sich bibelfest und zitierte aus dem Korintherbrief. Darin fragte schon Paulus, ober er mit der Rute oder im Geiste der Sanftmut kommen solle. Barnabas entschied sich für die Sanftmut. Noch bewegt von der Rede des CSU-Generalsekretärs erinnerte er sich an dessen Jugend. Markus Blume schaffte es in jungen Jahren, im Eiskunstlauf mit seiner Schwester zum Deutschen Juniorenmeister. „Da wundert es nicht, dass er sich auf dem glatten politischen Parkett so gut zu bewegen weiß“, konstatierte Barnabas.

„Und überhaupt, bei diesem Namen und diesem Geburtstag, nämlich der 14. Februar, müssen ihm die Frauenherzen ja zufliegen.“ Er sei auch weltoffen und tolerant, denn als Münchner einen Franken an der Spitze von Bayern zu unterstützen, zeuge von Weltoffenheit. Auch beherrsche er bereits das ‚richtige Draufhauen‘, denn mit drei Schlägen anzuzapfen zeige seine Geschicklichkeit. Ganz im Gegensatz zum Bürgermeister der Gemeinde, Thomas Weber, der sich aus unerklärlichen Gründen stets vor dem Anzapfen drücke. Respekt zollte er auch der Ministerin Michaela Kaniber, die es schnell verstand, sich in der CSU-Herrenriege zurecht zu finden. Das sei in Bischofswiesen ganz anders. „Von wegen Frauenquote“, ereifert sich Bruder Barnabas. „Da muss man auf dem Foto des Gemeinderates die Frau ja mit der Lupe suchen. Frauenquote ist hier bei fünf Prozent.“

MIt Interesse und skeptischem Blick verfolgen Markus Blume und Prof. Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen die Auslassungen des Bruder Barnabas

Ein wenig schämen müsse er sich als Einwohner des Berchtesgadener Talkessels allerdings schon, „denn der Familienname des grünen Fraktionsvorsitzenden sei auch in Berchtesgaden zu finden“, bekennt Bruder Barnabas. „Ja, Laptop und Lederhose hieß es in Bayern. Dabei hat die Elfenbeinküste heute ein besseres Netz als Deutschland. Ein schlechtes Netz wäre für die USA gar nicht schlecht“, sinniert er, „denn was man auf Twitter alles so anrichten kann, zeigt uns Herr Trump.“

Bruder Barnabas fand noch viele Anknüpfungspunkte in seiner Rede. Sie reichten vom Areal des ehemaligen Hotels Geiger über Hotelchalets am Königssee bis hin zu einem Doktor vom Doktorberg, dem Götschen und der Beruhigung der Ortsdurchfahrt als Meisterstück der Kommunikation in sechs Akten.

Meisterstück in sechs Akten

„Zuerst herrschte Begeisterung, dann Verwirrung und schließlich Ernüchterung beim Ausbau. Es folgten Fluchtbewegungen, die Suche nach Schuldigen, bis zur Bestrafung von Unschuldigen und schließlich die Belobigung von Nichtbeteiligten.“ Als eine neue bahnbrechende Idee brachte Bruder Barnabas einen Skywalk in Bischofswiesen ins Spiel. „Da könne man dann über die erforderlichen 70 Parkplätze hinweg einen Blick auf alle Kreisverkehre der Gemeinde hinweg richten.“

Auch zu lesen im Berchtesgadener Anzeiger:
https://www.berchtesgadener-anzeiger.de/region-und-lokal/lokales-berchtesgadener-land_artikel,-starke-worte-und-starkes-bier-im-brenner-braeu-_arid,475954.html