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Die Umwelt in einer gesunden Balance bewahren

„Was ist ein Klimawald?“ Diese Frage beantwortete Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller bei der Bilanzpressekonferenz der Bayerischen Staatsforsten in Berchtesgaden. Kurz zusammengefasst meint er damit, den Wuchs jener Baumarten zu fördern, die den Witterungsbedingungen am besten standhalten. Gleichzeitig seien jene Baumarten zu stärken, die den Klimawandel bremsen. „Holz speichert in langlebigen Produkten große Mengen an Kohlenstoff aus der Atmosphäre und entlastet so das Klima,“ führt Müller aus, und spricht sich für den Einsatz von mehr Holz als Bau- und Werkstoff aus. „Ein Klimawald ist darum nur der genutzte Wald, weil er Co² intensive Rohstoffe vermeidet“, bekräftigt er und argumentiert weiter: „Die Herstellung und Verarbeitung von Zement verbraucht mehr CO² als der gesamte Flugverkehr.“ Ebenso seien Fenster aus Aluminium oder Kunststoffe keine gute Wahl für die Umwelt.

Ein gesunder Wald
für eine gesunde Umwelt

Für einen gesunden Wald und eine gesunde Umwelt aber sei noch ein ganz anderer Faktor entscheidend, es ist der Bestand an Reh- und Rotwild. Es müsse die richtige Balance gefunden werden, um Populationen zu erhalten, sie aber nicht überhand nehmen zu lassen und so vor allem den Jungwald vor zu hohem Verbiss zu schützen. Aktuell wolle man im Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein den Rehbestand etwas dezimieren und weniger Hirsche erlegen, „um das Geschlechterverhältnis zu verbessern“, führt Dr. Daniel Müller aus. Darüber hinaus trage das Rehwild die höchste Vermehrungs-Potenz, auch wenn es leichter sei Hirsche zu schießen.

44.000 Euro für die Wildfütterung

An Abschüssen verzeichneten die Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden in der vergangenen Saison (2019/20) 1205 Rehe, 161 Rotwild und 339 Gämsen und lag damit beim Schalenwild etwas über der angesetzten Abschussquote. Der Aufwand für die Fütterung der Wildtiere wird mit 44.348 Euro angesetzt, „nur das Futter ohne Personal“, bestätigt Dr. Daniel Müller. Früher übrigens wurden die Wildtiere nicht gefüttert. „Sie wanderten im Winter aus den Bergen in die Tallagen, häufig bis in die Auen der Salzach oder der Traun. Das ist ihnen heute verwehrt“, erklärt der Forstbetriebsleiter. „In der Schweiz gab es sogar den Versuch, das Füttern im Alpenraum einzustellen. Das Ergebnis waren viel zu hohe Verbissschäden und das wollen wir nicht.“

Wildfütterung immer artgerecht

Bei der Fütterung gelte es nicht nur artgerecht anzurichten, sondern auch gemäß der Jahreszeiten den biologischen Bedürfnissen zu entsprechen. „Das Rotwild benötigt je nach Jahreszeit unterschiedliche Kost, Eiweißreiche im Herbst und Frühjahr, im Winter viel Raufutter mit wenig Eiweiß und vielen Fasern, so wie es die Natur ja eigentlich auch vorgibt.“ Früher habe man auch im Hochwinter noch Kraftfutter gegeben, was völlig falsch wäre, wie viele Studien belegen. „Es schadet dem Rehwild, der Magen übersäuert und es kann sogar zum Tode führen,“ bekräftigt Müller.

Fütterungsverbot für das Rehwild

In den Bayerischen Staatsforsten besteht durch die Hegerichtlinie sogar ein Fütterungsverbot für Rehwild, ausgenommen seien Notzeiten, also wirklich strenge Winter mit viel Schnee. Für das Rotwild wird mit der Futtervorlage bereits im November begonnen, nicht weil es schon notwendig wäre, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass es was gibt. Darum stehe kaum Rotwild an der Fütterung, doch wenige Kilometer entfernt im Bergwald. „Sobald es im Wald durch Schnee und Frost nichts mehr gibt, laufen die Wildtiere schnurstracks zur Fütterung“, erzählt Dr. Daniel Müller.

Der Forstbetrieb Berchtesgaden bewirtschaftet fünf Wintergatter und eine Fütterung. Die Gatter sind großräumig eingezäunt, damit das Wild seine Ruhe findet. Die intensive Zeit von Verbissschäden ist der März und April, wenn es die Tiere schon raus, hin zu den Südwesthängen der Berge zieht. Doch sie finden dort noch kein frisches Futter. „Darum öffnen wir die Zäune erst im Mai, um Schäden zu vermeiden und mehr Rotwild in den Bergen zu halten.“

Hohe Nachfrage beim Wildladen
über den Waldshop.de

Gut entwickelt habe sich auch der Wildladen an der Geschäftsstelle der Staatsforsten in Berchtesgaden. Er war vor zwei Jahren bayernweit mit Wasserburg und Kehlheim ein Pilotprojekt. „Die Nachfrage ist sehr hoch“, weiß Dr. Daniel Müller, „zu Weihnachten sind wir so gut wie ausverkauft.“ Es empfiehlt sich darum eine telefonische Voranfrage, denn das Sortiment richtet sich nach den Abschusszeiten und „dem, was da ist“. Generell aber bietet sich so jedem Bürger die Möglichkeit, Wildfleisch aus der Region zu kaufen. Müller ergänzt: „Nur zehn Prozent aus den Abschüssen werden in der Wildboutique verkauft. Es wird durch den Verkauf kein einziges Stück Wild mehr oder weniger geschossen.“ Mehr Informationen gibt es unter baysf-waldshop.de.

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Wertschöpfung und Wertschätzung für regionale Produkte

Im Gespräch mit Hannes Lichtmannegger ist immer seine Begeisterung zu spüren, seine Visionen und Ideen die ihn antreiben. Die bringt er im Landwirtschaftsministerium in München ebenso vor wie in den Landesbezirken von Österreich oder an Unis wie in Innsbruck oder München. „Ob Minister, Professoren oder Lehrende ganz im Allgemeinen, sie haben ein Problem. Die Leute glauben ihnen häufig nicht mehr. Sie wollen wissen, wie es in der Praxis funktioniert, was wirklich geht.“ Und da kommt immer häufiger Johannes Lichtmannegger ins Spiel, der gemeinsam mit seinem Cousin Franz das Berghotel Rehlegg in der Ramsau in den letzten fünf Jahren komplett auf Nachhaltigkeit umgestellt hat.

Achtung vor dem Tierleben

Dem Mensch, die Umwelt und das Tierwohl liegen Johannes Lichtmannegger vom Berghotel Rehlegg am Herzen – Foto: Gerd Spranger

Und immer wieder spricht er von den Bauern, der Landwirtschaft und bemängelt die oft fehlende Anerkennung. „Wertschöpfung und Wertschätzung sollten uns bewusst sein, wenn wir von Lebensmitteln sprechen,“ bekennt Lichtmannegger. Dabei nimmt er Bezug zum eigenen Verhalten als Unternehmer. Er kennt seine Bauern persönlich von denen er Schafe, Kälber und Schweine kauft, und die meisten selbst in der Ramsau ansässig sind. Er war bei den meisten schon im Betrieb, hat sich Stallungen und Tierhaltung angeschaut. Hannes gab auch die Initialzündung für die Wiedereinführung der Züchtung heimischer Rassen, wie etwa das Schwarze Alpenschwein oder die Augsburger Hühner. So können diese Tiere vor dem Aussterben bewahrt werden. Dabei setzt er auf Nachhaltigkeit und artgerechte Haltung. „Ein Masthuhn hat eine Lebenserwartung von 30 Tagen, ein Biohuhn von 80 Tagen und unsere Augsburger Hühner leben ganze 11 Monate lang“, wird er konkret und könnte das Beispiel fast beliebig fortsetzen.

Der Preis allein
darf nicht entscheiden

„Wenn die Konsumenten die Zusammenhänge nicht kennen, ganz einfach weil sie darüber nicht aufgeklärt werden, wird eben fast ausschließlich über den Preis entschieden.“ Und dann wird Hannes doch noch einmal deutlich: „Milchmastkälber schreien deswegen so viel, weil sie Hunger haben und ab der zweiten Lebenswoche eigentlich ‚feste Nahrung‘, also Raufutter in Form von Gras oder Heu brauchen. Es wird ihnen aber häufig verweigert, damit das Fleisch für die Verbraucher weiß bleibt. Und der Tod ist für ihr kurzes Leben von etwa fünf Monaten dann eine Erlösung.“ Die Verhältnisse hätten sich zumindet in Deutschland zwar etwas gebessert, dass es auch anders geht, zeigt der Hotelier in seinem eigenen Betrieb. „Das Kalbfleisch der von unseren Landwirtschafts-Partnern aufgezogenen Rinder ist nicht ganz weiß, sondern rosa, schmeckt aber mindestens genauso gut. Sie erhalten artgerecht ab der zweiten Lebenswoche Raufutter. Unsere Kälber leben beim Muttertier und werden sieben bis neun Monate alt.“

Das Bewusstsein wächst

Johannes Lichtmannegger: „Unser wirtschaften muss enkeltauglich sein“

Umfragen würden zeigen, dass sich in einem Bauernladen zwar 58 Prozent der Kunden zu mehr Qualität bekennen, aber nur sieben Prozent sich dann wirklich dafür entscheiden, wenn der Preis etwas höher liegt, erzählt Johannes. Er bezieht sich dabei auf Erhebungen, des Vereins „Land schafft Leben“, der sich selbst als erster Ansprechpartner für mehr Transparenz rund um österreichische Lebensmittel bezeichnet. Den Verein hat vor sechs Jahren der Landwirt Hannes Royer gegründet, zu dem Johannes Lichtmannegger einen engen Kontakt pflegt. Überhaupt sind Kontakte und Netzwerke für Hannes ganz wichtig. So lädt er etwa einmal im Jahr alle seine Lieferanten zu einem Event ins Berghotel Rehlegg ein. „Es gibt mir die Gelegenheit die Beziehung zu vertiefen, sich für das Engagement und die Leistung meiner Partner zu bedanken, und auch untereinander ist bereits ein gutes und breites Netzwerk entstanden.“

Enkeltauglich:
„Zukunft hinterlassen“

Überregional gewinnen die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und faire Preise für Lebensmittel immer mehr an Bedeutung. Denn nur eine Verknüpfung von Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Konsumenten schaffe eine gute Basis für die Zukunft, ist sich Johannes Lichtmannegger sicher. Sein persönliches Credo, dass auch auf der Webseite des Hotels zu finden ist, lautet „Zukunft hinterlassen“. Gemeint sei damit „ein enkeltaugliches Wirtschaften“, wie Hannes es bezeichnet. Und seine beiden Töchter, Stephanie und Katharina arbeiten bereits im Betrieb mit, die vierte Generation der Hoteliersfamilie des Berghotels Rehlegg in der Ramsau.

Mehr Ökologie und Bio

Dabei stellte sich vor vier Jahren durchaus die Frage, ob man die konsequente Umstrukturierung hin zu mehr Ökologie und Bioprodukten weiter gehen möchte. „Wir haben in diesen Prozess sicher einen sechsstelligen Betrag investiert. Doch sparten wir zugleich aus der verbesserten Energiehaushaltung durch unsere Solartherme, den Photovoltaik-Anlagen und den Blockheizkraftwerken viel ein, so dass wir den Gewinn
wieder reinvestieren konnten. 2017 wurde der Betrieb übrigens als erstes klimapositives Hotel Oberbayerns ausgezeichnet. Es bindet mehr CO2 als es ausstößt.

Kritische Gäste und Verbraucher

„Wenn wir vor vier Jahren von einem CO2-Haushalt gesprochen haben, dann haben uns die meisten Menschen nur ungläubig angesehen. Heute ist es in aller Munde und aus der Öffentlichkeit nicht mehr wegzudenken.“ So hat die Zeit dem Berghotel Rehlegg in der Entscheidung für eine konsequente Ökologie in die Karten gespielt. Die Gäste schätzen und honorieren es heute. „Sie sind auch kritischer geworden und hinterfragen mehr“, beobachtet Hannes.

Klimapositiv durch Humusaufbau

CO2 ist eines der nächsten großen Themen, die Johannes Lichtmannegger bewegen. „Mit Humusbildung können wir viel bewirken,“ ist er sich sicher und bezieht sich auf die Professorin Dr. Ingrid Kögel-Knabner, die 2019 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet wurde. Sie bezeichnet gesunde Böden mit einem nachhaltigen Humusaufbau als einen Meilenstein für ein besseres Klima. Die Bodenwissenschaftlerin Ingrid Kögel-Knabner, ist Professorin für Bodenkunde an der Technischen Universität München und betreibt Grundlagenforschung für ein besseres Klima und Umweltschutz. Die enorme Bedeutung unserer Böden sei allein schon an der Tatsache erkennbar, dass in „einer Hand voll Erde mehr Organismen leben als Menschen auf der Erde“, so die Wissenschaftlerin. Johannes Lichtmannegger hat daraus seine Konsequenzen gezogen und fördert über das Unternehmen Positerra akitven Humusaufbau in der Landwirtschaft.

Bergsteigerdorf Ramsau im Kampf gegen wildes Parken

(gsp) Für so manchen Bergsteiger ist es bis heute ein Ärgernis, wenn er für seine Tour zur Blaueishütte am Parkplatz sieben Euro für ein Tagesticket zahlen muss. Mit Gästekarte kostet das Parken nur die Hälfte. Das gilt auch für die zwei großen Parkplätze am Nationalparkhaus, wo die Straße nach Hirschbichl führt und der Almbus die Besucher bequem zum Zielort bringt, wem die ganze Strecke zu weit zu laufen ist. Das Busticket kostet 10 Euro, für die Gästekarte gibt es keine Ermäßigung.

Die Tarife sind einheitlich und gelten für alle fünf Parkplätze am Hintersee, ausgenommen man ergattert einen der begehrten Plätze am Straßenrand und ‚parkt wild‘. Dem soll bald ein Ende bereitet werden, wie Bürgermeister Herbert Gschoßmann jetzt die Bürger auf einem eigenen Infoabend im Rathaus informierte. Er warb aber auch für einen sensiblen Umgang: „Wildparker am Hintersee sind für die Einen ein Dorn im Auge, dort ansässige Gastronomen aber werden das womöglich anders sehen.“ Auf alle Fälle aber müsse man Sicherheitsaspekte, etwa wenn sich Autos, Busfahrer, Fußgänger und Radfahrer begegnen, höher werten als ästhetische Aspekte.

Ziel der Gemeinde Ramsau ist es, die Gültigkeit der Parkgebührenordnung ab 2020 auf 24 Stunden auszudehnen und nicht bis 19 Uhr zu begrenzen. Im Blick sind vor allem Wohnmobile, die sich verstärkt erst ab 19.00 Uhr auf die Parkplätze stellen würden und damit gratis parken. „Womöglich lassen sie auch noch ihren Müll zur Entsorgung für uns stehen“, merkt Gschoßmann kritisch an. Wohnmobile sollen dann 10 Euro für ein Tagesticket bezahlen, „denn eigentlich gehören sie ja auf einen Campingplatz“, bringt der Bürgermeister seine ganz eigene Ansicht von der Freiheit des Reisens zum Ausdruck. Einen eigenen Wohnmobil-Stellplatz sucht man in der Gemeinde Ramsau hingegen vergebens. Und der Campingplatz liegt weit oberhalb der Gemeinde am Taubensee. Er ist weder zentrumsnah, noch in der Nähe des Hintersees.

Aktuell nutzen die Wohnmobil-Übernachter eine Grauzone, denn eigentlich sei der Übernachten auf den Parkplätzen nicht erlaubt, äußerte sich ein Vertreter der regionalen Verkehrsüberwachung. „Campieren als solches geht so und so nicht“, ergänzt er. Auch sei noch ungewiss, ob die aktuelle Software bei den Automaten einen Extratarif für Wohmobile ermögliche. Der Vertreter der Verkehrsüberwachung hat kein Verständnis für allzu wildes Parken. „Wer extra an den Hintersee fährt, um ein besonders schönes Stück Natur zu genießen, der sollte auch sensibel im Umgang mit derselben sein.“

Ebenso soll am Hochschwarzeck bald ‚Schluss sein‘ mit dem Gratis-Parken. „Das kann aber noch zwei Jahre dauern“, schränkt Gschoßmann ein. Es sind noch Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern und Gespräche mit allen Beteiligten zu führen. Ein weiterer Brennpunkt des wilden Parkens sei der Parkplatz an der B305, wo der Weg zur Mordaualm hinauf führt. Die Gemeinde will sich darum in den nächsten Monaten kümmern.