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Sind weitere Kraftwerke eine Gefahr für die Saalach?

Bund Naturschutz Bayern e.V.
lehnt Eingriffe entschieden ab

In zahlreichen Leserbriefen, Bürgerversammlungen und Stellungnahmen gegenüber den Behörden hat sich bereits ein großer Protest gegen zwei neu geplante Kraftwerke in der Saalach formiert. Es sind dies das Kleinkraftwerk in direkter Nähe zum Nonner Steg in Bad Reichenhall mit einer veranschlagten Leistung von 1080 Kilowatt (kW) und ein Ausleitungskraftwerk mit einem geplanten Stollen von 6,3 Kilometern Länge zwischen den Gemeinden Unken und Schneizlreuth mit einer veranschlagten Leistung von 9,8 Megawatt. Auch im südlichen Landkreis, in der Ramsau (Zauberwald und Felsentor) sowie in der Bischofswiesener Ache (Tristram Schlucht) sind weitere Kleinkraftwerke geplant.

Der Bunde Naturschutz beim Ortstermin „Nonner Rampe“ auf dem Nonner Steg. Von links: Elias Pfeiffer vom BN, Dr. Volker Diersche, Paul Grafwallner, BN-Berchtesgaden, Martin Geilhufer, BN-Landesbeauftragter, Rita Poser, BN Kreisvorsitzende BGL, Ute Billmeier, BN-Ortsvorsitzende und Erich Brechtl, Sprecher der Saalach-Allianz.
Der Bunde Naturschutz beim Ortstermin „Nonner Rampe“ auf dem Nonner Steg. Von links: Elias Pfeiffer vom BN, Dr. Volker Diersche, Paul Grafwallner, BN-Berchtesgaden, Martin Geilhufer, BN-Landesbeauftragter, Rita Poser, BN Kreisvorsitzende BGL, Ute Billmeier, BN-Ortsvorsitzende und Erich Brechtl, Sprecher der Saalach-Allianz. – Fotos: Gerd Spranger

Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) hat sich jetzt klar dagegen positioniert. Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN proklamiert, „dass weder für die Stromerzeugung, noch für die Erreichung der Klimaschutzziele von Paris ein weiterer Ausbau der Wasserkraft notwendig ist.“ Man könne nur mit einer drastischen Verringerung des Strom- und Energieverbrauchs einer Klimakatastrophe entgegenwirken, nicht aber „durch die Zerstörung der letzten Fließgewässer und Wildflusslandschaften in Bayern.“

Der Ingenieur Wolfram Kagerer (l.) und der Jurist Horst Radinger machen sich als Bürger der Gemeinde Schneizlreuth große Sorgen um den Wildwasserfluss Saalach und sehen Gefahren durch das geplante Ausleitungskraftwerk Unken-Schneizlreuth.
Der Ingenieur Wolfram Kagerer (l.) und der Jurist Horst Radinger machen sich als Bürger der Gemeinde Schneizlreuth große Sorgen um den Wildwasserfluss Saalach und sehen Gefahren durch das geplante Ausleitungskraftwerk Unken-Schneizlreuth.

Bei einem Ortstermin mit Vertretern des BN vom Ortsverein über die Kreis- bis hin zur Landesebene und weiteren Initiativen wie die Saalach-Allianz, der Wildwasserverband Salzburg, der Kanuverbandes und die Saalachfischer wurden weitere Nachteile der Kleinkraftanlagen für die naturnahen Flüsse deutlich. Generell setzt das Bundesamt für Naturschutz bereits 2014 enge Grenzen. „Bestehende frei fießende Gewässerstrecken sind von einer Nutzung durch Wasserkraft auszuschließen“, heißt es. Auch sei der Neubau kleiner Wasserkraftanlagen mit einer Leistung unter einem Megawatt nicht weiter zu verfolgen.

Und genau dies kritisiert Prof. Dr. Ernst Billmeier am Standort Nonner Rampe. „Die Menge der Wasserführung ist viel zu hoch angesetzt und die erreichbare Fallhöhe zu hoch bewertet.“ Das Kleinkraftwerk werde darum nicht 1080 kW produzieren, sondern im Bestfall 650 kW Leistung erbringen. Er begründet dies mit einem verringerten Wasserangebot der Saalach. Es habe sich seit 2007 um bis zu 20 Prozent verringert. „Die Ausbeute liegt damit weit unter der eines einzigen Windrades mittlerer Ausbaugröße“, argumentiert er.

Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN, sieht das Potential für den Klimaschutz nicht bei Kleinkraftanlagen in den letzten freien Wildflüssen, sondern bevorzugt Windkraft. Im Bild der Geologe Dr. Volker Diersche und Rita Poser, BN Kreisvorsitzende BGL.
Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN, sieht das Potential für den Klimaschutz nicht bei Kleinkraftanlagen in den letzten freien Wildflüssen, sondern bevorzugt Windkraft. Im Bild der Geologe Dr. Volker Diersche und Rita Poser, BN Kreisvorsitzende BGL.

Allein schon den Bau des Kleinkraftwerks Nonner Rampe beurteilt der Bund Naturschutz als eine Katastrophe für Natur und Umwelt. „500 Bäume, teilweise 100 Jahre alt und älter, müssen gefällt werden. Es entstehen über das Wasserkraftwerk mit einer Breite von 12 Metern hinaus noch ein Werksgebäude, eine Zufahrtstraße zur Bundesstraße hin und ein Parkplatz, mitten im Landschaftsschutzgebiet.“ Die von vielen Bürgern gern genutzte Sandbank am Nonner Steg verschwinde ganz und die Rampe soll um 80 Zentimeter angehoben werden. Das aber habe wiederum langfristige und negative Auswirkungen auf den Fluss. „Eine weitere Verflachung durch das Geschiebe der Saalach ist die Folge und die Gefahr einer Überflutung der Keller bei Hochwasser nimmt zu. Im weiteren Verlauf der Saalach erhöht sich das Risiko, dass er sich tiefer in sein Bett eingräbt“, führt Billmeier aus. Weniger Fließgeschwindigkeit verursache zudem einen weiteren Temperaturanstieg des Wassers und bedrohe den Fischbestand.

Zum Gruppenfoto vor der Hochwasser führenden Saalach: Die Vertreter des Bund Naturschutz, Aktive der Saalach-Allianz und betroffene Bürger der Gemeinde Schneizlreuth. Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN hält das Transparent mit Logo und dem Slogan „In Bayern aktiv für Mensch und Natur“.
Zum Gruppenfoto vor der Hochwasser führenden Saalach: Die Vertreter des Bund Naturschutz, Aktive der Saalach-Allianz und betroffene Bürger der Gemeinde Schneizlreuth. Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BN hält das Transparent mit Logo und dem Slogan „In Bayern aktiv für Mensch und Natur“.

In der Pressemitteilung des Bundesamt für Naturschutz heißt es dazu: „Es sind die Verknüpfung zwischen Aue- und Fließgewässer, die Geschwemmsel- und Geschiebeweitergabe sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur und Gewässerdynamik als wichtige ökologische Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerökologie durchzuführen.“ Dazu ergänzt Erich Prechtl , Sprecher der Saalach-Allianz: „von der Talsperre Saalachsee werden jährlich 50.000 Kubikmeter Geschiebe wieder in den alten Flusslauf eingebracht. Mit einer Anhebung der Nonner Rampe aber wird dieser Prozess wieder behindert.“

Vorsitzende des BN-Ortsverbandes Bad Reichenhall, Ute Billmeier, bekräfrigte darüber hinaus die zentrale Lage zwischen Nonner Auen und Innenstadt. „Fußläufig und barrierefrei 15 Minuten in die Innenstadt und wenige Meter in die Auen bietet sich gerade hier auf dem Nonner Steg ein besonderer Platz mit herrlichem Blick auf den Fluss, die Pankrazkirche, Müllnerhorn und Hochstaufen. An diesem Kraftort ist kein Platz für ein Kraftwerk. Das leise Rauschen des sich über die Nonner Rampe ergießenden Wassers ist beruhigend und im Sommer wird der Uferbereich mit der Sandbank als beliebtes Bade- und Freizeitgelände genutzt.“ Bis zum 15. November bestehe beim Landratsamt noch die Möglichkeit Einwände gegen das Kleinkraftwerk Nonner Rampe geltend zu machen. Der Bund Naturschutz hat auf 18 kleingedruckten Seiten bereits seine Einwände eingereicht. 17 Einwände allein zum Punkt „Fehlende Antragsunterlagen und damit nur teilweise Prüffähigkeit“ und zum Punkt „Zerstörung und Vernichtung beträchtlicher ökologischer Lebensräume anstatt deren behaupteten vorhabensbezogenen Förderung“ ganze 15 Einwände.

Die Wasserkraft der Saalach nutzen

Kommt  ein Ausleitungskraftwerk?
Die Betreiber informieren

Seit dem Frühjahr 2018 bewegt ein geplantes Wasserkraftwerk, ein grenzüberschreitendes Ausleitungskraftwerk, die Gemüter der Gemeinde Schneizlreuth. Die künftigen Betreiber, die Wasserkraft Schneizlreuth GmbH & Co. KG mit den Gesellschaftern Ingenieur Josef Reschen aus Salzburg und Johann Abfalter aus Grabenstätt, stellten sich jetzt in einer Informationsveranstaltung im Hotel-Gasthof Mauthäusl den Fragen der Bürger.

Gemeinsam setzen sie sich für ein Kraftwerk ein (v.l.): Johann Abfalter, Mag. Wolfgang Gadermayr, Dipl.-Ing. Paul Oberleitner sowie Josef Reschen aus Salzburg

In der Projektübersicht zeigten sie die geologischen Gegebenheiten, die Aufschlüsselung der Wassermengen bis hin zu Auswirkungen auf die Restwassermengen, die Energienutzung, die Wehranlage in Unken sowie das Krafthaus auf Höhe von Schneizlreuth-Ulrichsholz auf. Mit einer in den massiven Dolomitfels gebohrten Tunnel von über sechs Kilometern Länge und einem Ausbruchdurchmesser von 5,20 Meter soll mit einer Fallhöhe von 32 Metern der Strom erzeugt werden. „Umweltfreundliche Energie für 13.000 Drei-Personenhaushalte“, werben die Betreiber, mit 56 Millionen Kwh Strom jährlich. Die Haupforderung nach biologischer Durchgängigkeit der Saalach sei erfüllt und die Vorteile für Klima, Umwelt und Artenschutz sowie die Versorgungssicherheit eindeutig.

Mag. Wolfgang Gadermayr erläutert die Zusammenhänge der Grundwasserströme

Ausführlich ging der verpflichtete Hydrologe der Wasserkraft Schneizlreuth GmbH, Mag. Wolfgang Gadermayr, auf die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Schneizlreuth ein. Sie wird aus einem Brunnen, zwischen Haiderhof und Saalach gelegen, gespeist. „Der Brunnen reicht bis in eine Tiefe von 26 Metern. Der Wasserspiegel im Talgrundwasserkörper korrespondiert mit der Vorflut und wird vorwiegend aus dem Saalachfiltrat gespeist. Die hydraulischen Untersuchungen zeigten, dass der Brunnen bei maximaler Entnahmemenge von 8,1 Liter je Sekunde eine Einzugsbreite von etwa 25 Meter aufweist. Der liegt somit deutlich außerhalb der Saalach“, begründet er. Darum sei eine qualitative und quantitative Beeinträchtigung durch den Bau oder Betrieb des Kraftwerkes Schneizlreuth nach menschlichem Ermessen auszuschließen.

Bürgermeister Wolfgang Simon steht dem Projekt skeptisch gegenüber. Fotos: Gerd Spranger

Das verbleibende Restwasser in der Saalach bezeichnete Dipl-Ing. Paul Oberleitner, der für das Unternehmen als Wasserkraftfachmann und Projektsteuerer tätig ist, mit über sechs Kubikmeter in der Sekunde als absolut ausreichend. Geschäftsführer Ingenieur Josef Reschen ist sich sicher, „dass alle bisher geäußerten Bedenken ausgeräumt sind.“ Noch bis 10. Oktober liegen die Unterlagen zur Einsicht im Rathaus von Schneizlreuth auf und Josef Reschen hofft, dass die Bürger davon regen Gebrauch machen. Die Investionssumme des Vorhabens liegt mittlerweile bei 60 Millionen Euro. Als dritter Gesellschafter ist die Leikermoser Energiehandel GmbH aus Salzburg an dem Unternehmen beteiligt.

Dass aber längst nicht alle Bedenken ausgeräumt, wurde in der Aussprache deutlich. Bürgermeister Wolfgang Simon, ein erklärter Gegner des Wasserkraftwerkes, meldete sich mehrfach und nachdrücklich zu Wort. Er verlangt Garantieren von den Betreibern, „dass nichts passiert.“ Mehr als die fundierte Expertise von Gutachtern und die Sicherheit „nach menschlichen Ermessen“, werden sie aber nicht bekommen, kontert Reschen. Auch stoß Simon auf, dass Unterlagen nicht früher zur Einsicht vorlagen und von der Behörde mit einem Sperrvermerk versehen waren. „Das liegt in der österreichischen Gesetzgebung,“ informierte Reschen, „denn sonst könnte das Projekt jeder kopieren und mit kleinen Änderungen einreichen. In Deutschland ist das anders geregelt.“ Auch habe Bürgermeister Simon angedeutet, das Projekt an den Bund Naturschutz weiterzuleiten. „Sie wissen gar nicht, wer das dann alles zu lesen bekäme“, kommentierte Reschen dieses Ansinnen.

Mehrfach brachte Bürgermeister Wolfgang Simon zum Ausdruck, dass die Gemeinde Schneizlreuth das Projekt erst eingehend prüfen und dafür noch externe Gutachter heranziehen müsse. „Sie müssen nicht prüfen“, kontert Reschen, „sie müssen ihre Bedenken und die der Bürger einbringen. Prüfen werden es die Fachbehörden und ebenso ihre Bedenken mit einbeziehen“, ergänzt er. Dabei war sich Simon zwischenzeitlich nicht sicher, ob die Zuständigkeit beim Landratsamt liegt, oder der Regierung von Oberbayern.

Die Gemeinde Schneizlreuth will ihre Sicht der Dinge in einer eigenen Versammlung am 15. Oktober vorstellen. Bis zum 31. Oktober hat sie Zeit ihre Einwände zu formulieren. Die Bürger können sich bis zum 04. Dezember zu dem Projekt äußern.