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Freie Wähler und Bürger im Dialog

Umweltminister Thorsten Glauber und Andrea Wittmann, der Direktkandidatin der Freien Wähler für die Landkreise Berchtesgaden und Traunstein, stellen sich den Fragen der Bürger – Foto: Gerd Spranger

Noch gut vier Wochen sind es zur Bundestagswahl am 26. September und der Wahlkampf ist in seiner heißen Phase. Die ‚Freien Wähler“ treten zum ersten Mal in ihrer Geschichte auf Bundesebene an. Jetzt waren der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber gemeinsam mit Andrea Wittmann, der Direktkandidatin der Freien Wähler für die Landkreise Berchtesgaden und Traunstein, unterwegs und stellten sich den Anliegen und Fragen der Bürger.

Zunächst besichtigten sie in Berchtesgaden eine Alm und die Bob- und Rodelbahn Königssee. Sie wurde durch ein starkes Unwetter im Juli im oberen Bereich völlig zerstört. Für ihren Wiederaufbau will man 20 Millionen Euro investieren. Am Nachmittag luden die FW-Politiker dann nach Traunstein ins Hofbräuhaus Bräustüberl am Stadtplatz ein.

„Schutz von Mensch und Natur

Zu Wort meldete sich Stadtrat Fritz Grübl aus Bad Reichenhall. Er ist seit 43 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv und für seinen Einsatz zur Eindämmung des Tansitverkehrs zwischen Salzburg und Tirol bekannt. In seiner kurzen Ansprache verurteilte er das Vorgehen der Polizei bei einer Demonstration am Grenzübergang Steinpass. Die Organisatoren fühlten sich von der Polizei übergangen, denn sie brachte den Verkehr nicht zum Erliegen, sondern leitete über den kleinen Ort Melleck kurzerhand um. „Darunter auch 40 LKW, die alle einem Nachtfahrverbot unterliegen, sofern sie keine Ausnahmegenehmigung vorweisen können“, informierte Grübl. „Eine Kontrolle fand nicht statt, die Polizei hat einfach durchgewunken, obwohl die Straße für den LKW-Verkehr gesperrt ist. Diese Art polizeilicher Willkür hat in den regionalen Medien hohe Wellen geschlagen“, informierte Fritz Grübl.

Eine Politik des Verhinderns?

Fritz Grübl drängt auf die Lösung dringender Verkehrsprobleme, vor allem im Talkessel von Bad Reichenhall

Generell habe er den Eindruck, dass das wichtigste Verkehrsprojekt der Region, nämlich die im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes festgeschriebene Ortsumfahrung für Bad Reichenhall über den Kirchholz- und Stadtbergtunnel, in München blockiert werde. Namentlich nannte er die in Bayerisch Gmain wohnende CSU-Ministerin Michaela Kaniber. Sie vertrete die Interessen einiger Anlieger in Bayerisch Gmain, nicht aber jene der Bevölkerung von Bad Reichenhall, ist sich Fritz Grübl sicher. Er forderte Umweltminister Thorsten Glauber auf, sich der Sache in München anzunehmen. Es gehe um den Schutz von Mensch und Natur.

Klare politische Entscheidungen

In Traunstein sollten bei der Veranstaltung der Freien Wähler „regionale Umweltthemen zwischen Königssee und Chiemsee“ im Mittelpunkt stehen, doch ebenso wurden Fragen der Energie und Bauordnungen diskutiert, die vermehrt unter dem Aspekt Umweltschutz und Klimawandel gewertet werden. Für viele Anwesende war dabei der politische Entscheidungsprozess und die Gewichtung der einzelnen Gesetze und Vorgaben nicht klar ersichtlich. Umweltminister Thorsten Glauber war um Aufklärung bemüht, etwa hinsichtlich von Bau- und Wasserschutz, von alternativen Energien bis hin zu Neufassung eines ‚Restwasserleitfadens‘, der vor allem Betreiber kleinerer Kraftwerke betrifft.

Die Almlandschaften bewahren

Auch Almbauer Christian Tegethoff kam zu Wort, der die Problematik einer Verbuschung von Almflächen anschaulich am Beispiel des Hochgern (1748m) darstellte. „Mit der Aufgabe der Mahd (dem Mähen der Almwiesen) verbuschten weite Bereiche und damit war auch ein starkes Artensterben zu beobachten. Wir arbeiten seit einigen Jahren aktiv dagegen und haben bereits gute Erfolge erzielt. Allerdings braucht es jedes Jahr einen Hubschrauber, um schweres Gerät in die Gipfelregion zu bringen“, erläutert er. Thorsten Glauber sagte ihm Unterstützung zu. Ein anderes „Almthema“ war etwa die Bedrohung von Wölfen. Der Umweltminister musste auf europäisches Recht verweisen, man bemühe sich aber seit Jahren auf Bundesebene mehr Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten zu erhalten. Er begrüßte das Engagement des Almbauern, der als Almfachberater für die Almbauern in Rosenheim und im Chiemgau zuständig ist und Sachbearbeiter bei LEADER-Projekten.

Umweltschutz muss gelebt werden

„Wir brauchen Menschen aus der Praxis, die selbst wissen, wie eine Almwirtschaft funktioniert und die Region und die Berge kennt und nicht noch mehr theoretisches Wissen aus den Städten. Gehen sie in die Schulen, informieren sie über ihre Arbeit“, ermutigte er Christian Tegethoff. Ein anderer Redner mahnte die zunehmende Verlandung des Chiemsees an, vor allem im Bereich des Deltas der Tiroler Ache und in der Feldwieser Bucht. Die Ursache sah er in dem wachsenden Geschiebe von Geröll durch den Gebirgsfluss. Zur Veranschaulichung überreichte er an den Minister alte Aufnahmen.

Thorsten Glauber präsentierte sich gemeinsam mit Andrea Wittmann dem kleinen Kreis im Bräustüberl gut, gingen auf die Fragen ein und blieben keine Antwort schuldig. Andrea Wittmann wurde 1973 in Traunstein geboren und ist Mutter von drei Kindern. Sie ist Diplom-Kirchenmusikerin (Universität Mozarteum), Touristikfachwirtin (IHK) und Diplom-Biersommeliére (Doemens). Ihre politische Agenda ist zu finden unter: www.andreawittmann.de

Mit Leidenschaft und Emotion ging Umweltminister Thorsten Lauber in die Sachfragen

In 30 Jahren entstand Bayerns größtes Lawinenprojekt an der Weißwand

400.000 Bäume gepflanzt
20,7 Millionen Euro investiert
Lawinenschutz ist Lebensschutz

Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat nach 30 Jahren die Baumaßnahme Weißwand abgeschlossen. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber spricht von Bayerns größten Lawinen-Verbauungsprojekt und stellt klar: „Lawinenschutz ist Lebensschutz“. Die lange Zeitspanne, die mit 20 Millionen Euro hohen Kosten und der Umfang von rund 430 Hektar, oberhalb der vier Kilometer langen Strecke der B305 zwischen Schneizlreuth/ Unterjettenberg und der Ramsau, machen diese Sicherungsmaßnahmen einzigartig und zu einem Erfolgsprojekt. „Die Lawinennetze helfen dem Bergwald und schützen die Bundesstraße“, betont der Minister und ist sichtlich beeindruckt von der Bauleistung im steilen Gelände. „Das ist höchst anspruchsvolle Arbeit und ‚Hand-Werk‘ im besten Sinne“, für die das Wasserwirtschaftsamt Traunstein verantwortlich zeichnet. Dabei kooperierten Wasserwirtschaftsamt, Straßenbauamt, Bayerische Staatsforsten und die Forstverwaltung eng zusammen.

Hoch über der Alpenstraße ragt die Weißwand auf und fällt steil ab.

Fährt man die Straße hoch zum Wachterl, so fallen neben der Straße die hohen Netze der Verbauung auf. Doch der ganz große Teil weit oberhalb der Straße ist für den Autofahrer unsichtbar. Verbaut wurden zwölf ‚Lawinenstriche‘, also jene Gräben, die sich durch die zahlreichen Abgänge in den 60er- und 70-Jahren in den Boden gefräst haben und vermehrt zu Steinschlägen führten. Dabei sind 1120 Lawinennetze, 7200 Gleitschneezäune und fast 1800 Meter Steinschlagschutzzäune in den Boden verankert.

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Hoch über der Alpenstraße ragt die Weißwand auf und fällt steil ab.

Von links: Baudirektor Christian Rehm vom Straßenbauamt Traunstein, Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten, Forstdirektor Marius Benner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Umweltminister Thorsten Glauber, Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein und Alexander Krüg vom Landwirtschaftsamt Rosenheim. In dichter Bebauung verhindern die flexiblen Lawinennetze schon in großer Höhe das Abrutschen des Schnees und damit die Lawinenbildung.
Von links: Baudirektor Christian Rehm vom Straßenbauamt Traunstein, Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten, Forstdirektor Marius Benner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Umweltminister Thorsten Glauber, Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein und Alexander Krüg vom Landwirtschaftsamt Rosenheim. In dichter Bebauung verhindern die flexiblen Lawinennetze schon in großer Höhe das Abrutschen des Schnees und damit die Lawinenbildung.

„Der Freistaat Bayern investierte für das Gesamtprojekt seit Baubeginn 20,6 Millionen Euro. Gegenüber dem damaligen Ansatz von 55 Millionen DM, also nach heutiger Rechnung über 28 Millionen Euro, konnten wir 7,4 Millionen Euro einsparen“, freut sich Walter Rath, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein. Damals habe man auch überlegt die Straße mit einer Galerie, also einer Überdachung, zu schützen. „Die Kosten aber wären doppelt so hoch gewesen“, erinnert sich Walter Rath, „und der Wald wäre dabei nicht saniert worden.“

Geht man heute in den Bergwald an der Weißwand, fällt ein junger Wald mit vielen unterschiedlichen Nadel- und Laubbäumen auf. Dies wurde vor allem als Gemeinschaftsprojekt der Bayerischen Staatsforsten und der Bayerischen Forstverwaltung erreicht. Rund 400.000 Bäume wurden seit 1986 auf einer Fläche von 120 Hektar gesetzt. Bei den Nadelbäumen vor allem Fichte, Tanne, Läche und Kiefer und bei den Laubbäumen dominieren Buche und Bergahorn. Die Kosten der Bepflanzung werden mit 1,1 Millionen beziffert.

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Ein Zeichen der Hoffnung sind die jungen Bäume, die langsam in den Lawinenrinnen heranwachsen.

Walter Rath, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein, erklärt Umweltminister Thorsten Glauber das enge Zusammenspiel von Lawinennetzen, Gleitschnee- und Steinschlagschutz-Zäune hoch über der B305 hinauf zum 'Wachterl' und ihre feste Verankerung mit starken Stahlseilen.
Walter Rath, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein, erklärt Umweltminister Thorsten Glauber das enge Zusammenspiel von Lawinennetzen, Gleitschnee- und Steinschlagschutz-Zäune hoch über der B305 hinauf zum ‚Wachterl‘ und ihre feste Verankerung mit starken Stahlseilen.

„Dabei war es in den 80-Jahren noch umstritten, ob eine Bepflanzung überhaupt erfolgreich sein kann. Man wollte die Ursachen der Schädigung durch einen viel zu hohen Wildbestand nicht wahrhaben. Der saure Regen sei Schuld, dass nichts nachwachse, wurde argumentiert,“ erklärt Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten. „Es ist der Verdienst des ehemaligen Forstamtsleiters von Bad Reichenhall, Dr. Georg Meister, der sich gegen alle Widerstände durchsetzte. Das Ergebnis sehen wir heute, 30 Jahre später, als ein außerordentliches Erfolgsprojekt der Natur, die sich mit Unterstützung wieder prächtig erholt.“ Besonders freut sich Dr. Daniel Müller über die vielen kleinen Bäume in den ‚Lawinenstrichen‘ so dass sich der Wald auch dort wieder bilden wird. „In weiteren 30 Jahren ersetzt er dann die Funktion der heutigen Lawinenverbauung“, erklärt der Forstbetriebsleiter. „Der Wald bildet Humus, ist Wasserspeicher, Luftfilter und gibt unzähligen Tieren und Kleinstlebewesen ihren Lebensraum. Ganz nebenbei ist ein gesunder Wald auch für Bergstraßen, wie hier für die B 305, der beste Schutz.“

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber freut sich über den neuen Schutz vor Lawinen und Steinschlag sowie über die Gemeinschaftsleistung von Wasserwirtschaftsamt, Forstamt und Straßenbau.
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber freut sich über den neuen Schutz vor Lawinen und Steinschlag sowie über die Gemeinschaftsleistung von Wasserwirtschaftsamt, Forstamt und Straßenbau. – Fotos: Gerd Spranger

Für das Staatliche Bauamt Traunstein, das ein ein Netz von 364 Kilometer Bundesstraßen, 369 Kilometer Staatsstraßen, 88 Kilometer Kreisstraßen des Landkreises Berchtesgadener Land betreut, geht es immer mehr um die Sicherung der Straßen, vor allem in der Bergregion. „Jährlich ist der Etat dafür auf bis zu acht Millionen Euro angewachsen. Wir sind in der Pflicht für Sicherheit zu sorgen und das wird bei den vielen Baustellen auf wenigen Kilometern deutlich. Ob die Strecke von Jettenberg nach Bad Reichenhall, von Schneizlreuth nach Melleck oder in Richtung Weißbach, oder auf unserer großen Baustelle bei Hallthurm am Eisenrichter-Berg– wir müssen umfangreiche Verbauungen durchführen und bis 2030 stehen noch einige große Projekte an“, informiert Baudirektor Christian Rehm. Auch für ihn ist das hier in den letzten 30 Jahren Geleistete außergewöhnlich und macht Mut für die Zukunft.