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Prävention und Gesundheitsförderung mit dem Kneipp-Verein

2021 feiern die 600 Kneippvereine in Deutschland den 200-jährigen Geburtstag des Pfarrers Sebastian Kneipp, der im Volksmund spätestens mit Erscheinen seines zweiten Buches „So sollt ihr leben!“ als Wasserdoktor betitelt wurde. Dabei hatte er besonders mit der Ärzte- und Apothekerschaft viel Ärger, die ihn der Kurpfuscherei bezichtigte.

Er musste 1854 sogar eine Erklärung unterschreiben, „fürder auch solchen Unglücklichen nicht mehr zu helfen, die angeblich keine ärztliche Hilfe mehr fanden“. Der engagierte Pfarrer aber ließ sich nicht lange aufhalten, denn in Oberbayern wütete bald darauf eine Choleraepidemie und Sebastian Kneipp hatte sich in seinen jungen Jahren mit seiner „Wassertherapie“ selbst von der Tuberkulose geheilt.

An heißen Sommertagen eine Wohltat: eine Abkühlung am kalten Wasser. Aber auch sonst gut für die Gesundheit, zur Stärkung des Immunsystems – Fotos: Gerd Spranger

1855 wurde Kneipp Beichtvater und Hausgeistlicher im Kloster Wörishofen der Dominikanerinnen und entwickelte seine Lehre von den fünf Säulen der Gesundheit, gemäß dem Motto: „Gesundheit bekommt man nicht im Handel, sondern durch den Lebenswandel“. Zu ihnen zählen bis heute die Wassertherapie, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Kräuter sowie eine „Ordnungstherapie“, die den ganzheitlichen Ansatz von Geist, Körper und Seele verfolgt.

Eine gute work-live-balance pflegen

Der Vorsitzende des Kneipp-Vereins Berchtesgadener Land, Heinz Becker, spricht von einer ausgewogenen work-live-balance. Und er muss es wissen, war er selbst 25 Jahre lang Geschäftsführer eines großen technischen Unternehmens im Salzburger Land. Seit 18 Jahren ist er Mitglied im Kneippverein und seit fünf Jahren dessen Vorsitzender. Wie hoch aktuell der Ansatz des „Wasserdoktors“ ist, wird etwa in einem Vortrag von Klaus Erhardt (†), dem Vorgänger von Heinz Becker, aus dem Jahr 2005 deutlich.

Heinz Becker ist der Vorsitzende des Kneippvereins im Berchtesgadener Land. Der Verein setzte sich auch für die Errichtung einer Kneippanlage im Kurgarten von Bad Reichenhall ein.

Er sprach bereits damals über die Risiken einer Grippepandemie angesichts einer drohenden Vogelgrippe und fragte, was man aus naturheilkundlicher und kneippscher Sicht dagegen tun könne. Dabei betonte er die Wichtigkeit der körpereigenen Abwehr im Kampf gegen Viren und Bakterien. Im Januar 2020 kritisierte der Präsident des Kneipp-Bundes, MdL Klaus Holetschek, das Gesundheitssystem in Deutschland ganz in der Tradition von Sebastian Kneipp: „Es ist an der Zeit, unser Gesundheitssystem völlig neu zu denken. Es richtet sich immer weniger auf den Menschen aus. Wenn wir die Tragweite von Fehlentwicklungen nicht begreifen, laufen wir Gefahr, dass unser Gesundheitssystem irgendwann kollabiert und unser Solidarsystem ausgesaugt wird“, so der Politiker.

Gesundheit ein wertvolles Gut

Seine Mahnung wirkt heute, auf dem Höhepunkt der Coronakrise, prophetisch. „Bei vielen Themen treten wir auf der Stelle und werden den Patienten nicht mehr gerecht. Es geht um Defizite im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung, der Stillstand in der Pflege trotz zahlreicher punktueller Maßnahmen und Reformen, fehlende Lösungen für eine bessere Verbindung von ambulant und stationär, und nicht zuletzt der bedenkliche Anstieg kapitalgeführter und profitorientierter Konzernpraxen. Wo das Primat von Kapitalinteressen herrscht, fehlt es systembedingt an der ärztlichen Fürsorge“, mahnt Holetschek.

Noch ist die Kneippanlage geschlossen, auch wenn die ersten warmen Tage des Jahres die Frühlingsgefühle wecken. Corona hat vieles geändert.

Christian Dannhart M.A., Geschäftsführer des Kneippbundes aus Bad Wörishofen bekräftigt aktuell diese Einschätzung. „In den letzten Tagen häufen sich die Anfragen nach Maßnahmen der Prävention und Vorbeugung durch die Medien bei uns.“ Für Heinz Becker aus Bad Reichenhall sind die Empfehlungen des Pfarrers Sebastian Kneipp längst zu einem wesentlichen Teil seines Lebensstils geworden, besonders in Zeiten der Coronakrise. „Spaziergänge an der frischen Luft, tägliches warm-kaltes Duschen, eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, gesunde Tees und Kräuter sowie Optimismus und Dankbarkeit helfen dem heute 70-Jährigen auch durch schwere Zeiten. Bei der jungen Generation sieht er eine Hinwendung zu einem gesunden Lebensstil.

„Allerdings bleibt für Engagements in Vereinen häufig nicht die Zeit. Studium und Beruf fordern so schon einen 14-Stunden-Tag. Da ist man dann nur punktuell zu weiteren Aktivitäten bereit. An Action und Abenteuer, wie etwa im Alpenverein oder bei der Feuerwehr, haben wir nicht viel zu bieten. Wir pflegen das gesunde Kneippen und Wandern und treffen uns 14-tägig zum gemütlichen Zusammensein und Austausch im Kaffeehaus. Der Verein zählt aktuell 202 Mitglieder plus sieben Kinder.“

Nachteile einer modernen Lebensweise

Wie nachhaltig und prominent der Pfarrer und Wasserdoktor aus Bad Wörishofen ist und war, zeigt ein Blick auf seine Geschichte. Grundsätzlich sprach sich der Geistliche und Naturheilkundler gegen ‚die moderne Lebensweise‘ aus. Er beharrte sein Leben lang auf eine kostenlose Behandlung von mittellosen Kranken und Waisenkindern. Ende 1893 wurde Kneipp von dem römisch-katholischen Papst Leo XIII. zum Päpstlichen Geheimkämmerer ernannt und vom Lateinischen Patriarchen von Jerusalem zum Komtur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Er behandelte den Papst ebenso wie Erzherzog Joseph von Österreich. 2015 nahm die deutsche UNESCO-Kommission das Kneippen als „traditionelles Wissen und Praxis nach der Lehre Sebastian Kneipps“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf.

Stefanie Kohl bringt viele Branchen zusammen

Im Team den neuen Kurs bestimmen
Über Grenzen hinaus gehen

(gsp) Aktuell segelt der Gewerbeverein der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden in einer kräftigen Brise bei ruhiger See. Ein ganzes Dutzend erfolgreicher und wiederkehrender Veranstaltung sind bestens organisiert und sorgen für eine Belebung der Marktgemeinde, der Zusammenhalt und die Stimmung im Verein ist gut, und es herrscht eine Aufbruchstimmung. Doch gebrauchen die Unternehmer lieber das Bild eines großen Ruderbootes, in dem jeder seinen Platz findet und im gleichen Takt Fahrt aufgenommen wird. Neue Steuerfrau ist seit vergangene Woche Stefanie Kohl, die zur ersten Vorsitzenden gewählt wurde (wie berichtet).

Sie kennt ‚das Rudern‘, stammt aus einer Unternehmerfamilie, hat sich viele Jahre als alleinerziehende Mutter behaupten müssen, und parallel dazu eine Karriere gemacht, die von Wechsel und Herausforderungen geprägt war. Von der Textilreinigung über die Steuerfachgehilfin hin zur Finanzbuchhalterin war es ein weiter Weg. Doch für ‚Steffi‘, wie sie hier in Berchtesgaden genannt wird, war damit nicht Schluss. Sie machte weiter als Microsoft Office-Beraterin in Stuttgart, war Assistentin der kaufmännischen Leitung der Schönklinik und machte ihre Fachwirtin im Gesundheitswesen. Einen neuen Weg schlug sie ein, als sie 2013 ihren heutigen Mann und Unternehmer Alexander Kohl kennenlernte.

„Heute arbeite ich im Unternehmen mit und freue mich in einer Großfamilie zu leben“, bekennt sie. Ihre vier Söhne sind mittlerweile erwachsen und auch ein erster Enkel zählen zur Familie, ebenso wie ein Hund. Das hört sich nicht nach Langeweile an, sondern nach einem ausgefüllten Leben. Dennoch hat sie sich bei den AUB zur Wahl gestellt, ‚ein Herzensanliegen‘, nannte sie es. Was aber hat Stefanie Kohl vor, was bewegt sie?

Mit Diplomatie zum Erfolg

Selbst sieht sie sich, ebenso wie ihren Vorgänger Berni Zauner, als Diplomatin die anpacken kann und Ziele erreicht. Als geborene Waage wünscht sie sich gut im Team zu arbeiten und hier scheint der Vergleich zum Ruderboot wieder durch. Bei einer großen Besatzung – und die Aktiven Unternehmen zählen 150 Mitglieder – kommt es auf den Gleichklang an, um vorwärts zu kommen. Darum möchte sie sich zuerst mit ‚den Machern‘ und Beiräten über gemeinsame Ziele unterhalten.

Eines aber ist ihr schon heute am Herzen. Sie will den Verein weiter öffnen. „Wir haben von der Marktgemeinschaft Berchtesgaden bis hin zu den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden schon einen weiten Weg hinter uns. Zugleich gibt es noch viel Potential in anderen Berufen und Dienstleistungsunternehmen und auch aus den anderen vier Gemeinden des inneren Landkreises finden hoffentlich noch viele Selbständige den Weg zu uns“, wünscht sich Steffi. „Auch ein Arzt oder Heilpraktiker, ein Handwerker oder Dienstleister haben gute Ideen und ihre spezielle Sicht auf die Dinge. Das hilft uns insgesamt und jedem Einzelnen weiter.“

Die eigenen Stärken erkennen

Zugute kommt ihr die breite Ausbildung in ganz unterschiedlichen Berufsfeldern. Sie kennt viele Facetten, vom Familienbetrieb bis hin zum Großunternehmen, und das in unterschiedlichen Branchen. Flexibilität in Verbindung mit fachlicher Kompetenz sind heute gefragte Tugenden. Steffi Kohl hat sich entschlossen, das zum Wohl von Berchtesgaden einzubringen. „Wenn wir gemeinsam stark sind, müssen wir eine Konkurrenz aus Salzburg oder über das Internet nicht scheuen. Wir haben unsere ganz eigenen Stärken und das weit über das eigene Geschäft hinaus, wie etwa die Marktfeste – von den Wochenmärkten bis zu den Ganghofer-Sonntagen, die Live-Musik jeden Montag oder ganz besondere Events wie ‚Berchtesgaden leuchtet‘ – zeigen.

Auf dem Jenner ist jetzt ein weiterer ‚besonderer Termin‘ gesetzt. Es ist der Event und die 40-Jahr-Feier der City Blues Connection mit Norbert Egger an der Spitze unter dem Motto: „Blues, Jazz ’n‘ Rock on Top“ am 31. August. Auch hier wirken viele potente Partner zusammen wie die Aktiven Unternehmen Berchtesgaden e.V., die Jennerbahn GmbH und die Familie Egger Holding AG. „Der Event ist in erster Linie unseren Mitarbeitern gewidmet. Es ist ein großes DANKESCHÖN für ihre Leistungen, ihren Einsatz, den sie das ganze Jahr über aufbringen“, betont Stefanie Kohl.