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Freie Wähler und Bürger im Dialog

Umweltminister Thorsten Glauber und Andrea Wittmann, der Direktkandidatin der Freien Wähler für die Landkreise Berchtesgaden und Traunstein, stellen sich den Fragen der Bürger – Foto: Gerd Spranger

Noch gut vier Wochen sind es zur Bundestagswahl am 26. September und der Wahlkampf ist in seiner heißen Phase. Die ‚Freien Wähler“ treten zum ersten Mal in ihrer Geschichte auf Bundesebene an. Jetzt waren der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber gemeinsam mit Andrea Wittmann, der Direktkandidatin der Freien Wähler für die Landkreise Berchtesgaden und Traunstein, unterwegs und stellten sich den Anliegen und Fragen der Bürger.

Zunächst besichtigten sie in Berchtesgaden eine Alm und die Bob- und Rodelbahn Königssee. Sie wurde durch ein starkes Unwetter im Juli im oberen Bereich völlig zerstört. Für ihren Wiederaufbau will man 20 Millionen Euro investieren. Am Nachmittag luden die FW-Politiker dann nach Traunstein ins Hofbräuhaus Bräustüberl am Stadtplatz ein.

„Schutz von Mensch und Natur

Zu Wort meldete sich Stadtrat Fritz Grübl aus Bad Reichenhall. Er ist seit 43 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv und für seinen Einsatz zur Eindämmung des Tansitverkehrs zwischen Salzburg und Tirol bekannt. In seiner kurzen Ansprache verurteilte er das Vorgehen der Polizei bei einer Demonstration am Grenzübergang Steinpass. Die Organisatoren fühlten sich von der Polizei übergangen, denn sie brachte den Verkehr nicht zum Erliegen, sondern leitete über den kleinen Ort Melleck kurzerhand um. „Darunter auch 40 LKW, die alle einem Nachtfahrverbot unterliegen, sofern sie keine Ausnahmegenehmigung vorweisen können“, informierte Grübl. „Eine Kontrolle fand nicht statt, die Polizei hat einfach durchgewunken, obwohl die Straße für den LKW-Verkehr gesperrt ist. Diese Art polizeilicher Willkür hat in den regionalen Medien hohe Wellen geschlagen“, informierte Fritz Grübl.

Eine Politik des Verhinderns?

Fritz Grübl drängt auf die Lösung dringender Verkehrsprobleme, vor allem im Talkessel von Bad Reichenhall

Generell habe er den Eindruck, dass das wichtigste Verkehrsprojekt der Region, nämlich die im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes festgeschriebene Ortsumfahrung für Bad Reichenhall über den Kirchholz- und Stadtbergtunnel, in München blockiert werde. Namentlich nannte er die in Bayerisch Gmain wohnende CSU-Ministerin Michaela Kaniber. Sie vertrete die Interessen einiger Anlieger in Bayerisch Gmain, nicht aber jene der Bevölkerung von Bad Reichenhall, ist sich Fritz Grübl sicher. Er forderte Umweltminister Thorsten Glauber auf, sich der Sache in München anzunehmen. Es gehe um den Schutz von Mensch und Natur.

Klare politische Entscheidungen

In Traunstein sollten bei der Veranstaltung der Freien Wähler „regionale Umweltthemen zwischen Königssee und Chiemsee“ im Mittelpunkt stehen, doch ebenso wurden Fragen der Energie und Bauordnungen diskutiert, die vermehrt unter dem Aspekt Umweltschutz und Klimawandel gewertet werden. Für viele Anwesende war dabei der politische Entscheidungsprozess und die Gewichtung der einzelnen Gesetze und Vorgaben nicht klar ersichtlich. Umweltminister Thorsten Glauber war um Aufklärung bemüht, etwa hinsichtlich von Bau- und Wasserschutz, von alternativen Energien bis hin zu Neufassung eines ‚Restwasserleitfadens‘, der vor allem Betreiber kleinerer Kraftwerke betrifft.

Die Almlandschaften bewahren

Auch Almbauer Christian Tegethoff kam zu Wort, der die Problematik einer Verbuschung von Almflächen anschaulich am Beispiel des Hochgern (1748m) darstellte. „Mit der Aufgabe der Mahd (dem Mähen der Almwiesen) verbuschten weite Bereiche und damit war auch ein starkes Artensterben zu beobachten. Wir arbeiten seit einigen Jahren aktiv dagegen und haben bereits gute Erfolge erzielt. Allerdings braucht es jedes Jahr einen Hubschrauber, um schweres Gerät in die Gipfelregion zu bringen“, erläutert er. Thorsten Glauber sagte ihm Unterstützung zu. Ein anderes „Almthema“ war etwa die Bedrohung von Wölfen. Der Umweltminister musste auf europäisches Recht verweisen, man bemühe sich aber seit Jahren auf Bundesebene mehr Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten zu erhalten. Er begrüßte das Engagement des Almbauern, der als Almfachberater für die Almbauern in Rosenheim und im Chiemgau zuständig ist und Sachbearbeiter bei LEADER-Projekten.

Umweltschutz muss gelebt werden

„Wir brauchen Menschen aus der Praxis, die selbst wissen, wie eine Almwirtschaft funktioniert und die Region und die Berge kennt und nicht noch mehr theoretisches Wissen aus den Städten. Gehen sie in die Schulen, informieren sie über ihre Arbeit“, ermutigte er Christian Tegethoff. Ein anderer Redner mahnte die zunehmende Verlandung des Chiemsees an, vor allem im Bereich des Deltas der Tiroler Ache und in der Feldwieser Bucht. Die Ursache sah er in dem wachsenden Geschiebe von Geröll durch den Gebirgsfluss. Zur Veranschaulichung überreichte er an den Minister alte Aufnahmen.

Thorsten Glauber präsentierte sich gemeinsam mit Andrea Wittmann dem kleinen Kreis im Bräustüberl gut, gingen auf die Fragen ein und blieben keine Antwort schuldig. Andrea Wittmann wurde 1973 in Traunstein geboren und ist Mutter von drei Kindern. Sie ist Diplom-Kirchenmusikerin (Universität Mozarteum), Touristikfachwirtin (IHK) und Diplom-Biersommeliére (Doemens). Ihre politische Agenda ist zu finden unter: www.andreawittmann.de

Mit Leidenschaft und Emotion ging Umweltminister Thorsten Lauber in die Sachfragen

Stadt verspielte die Chance

K O M M E N T A R :

Die Stadt Bad Reichenhall hatte die Chance als Kurstadt und Staatsbad gegen Erkrankungen der Atemwege nachhaltig und zukunftsweisend den Verkehr aus dem Tal zu bringen. Diese Chance ist nun vergeben, wie im Artikel der Lokalzeitung vom 23. April dargestellt und in der Stadtratssitzung ausführlich dargelegt. Eine Ortsumfahrung sei nun „hinten runter gefallen“. „Erst Brücke, dann Vollanschluss“ lautet die Entscheidung des Straßenbauamtes Traunstein, die so bereits im September 2020 mit kommunalen CSU-Spitzenvertretern und der bayerischen Verkehrsministerin Kerstin Schreyer getroffen wurde. Bad Reichenhall, und hier die Mehrheit der politischen Parteien, inklusive der Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Dr. Christian Lung, haben abgewartet, als hätte man alle Zeit der Welt. Alternativen mussten untersucht und geprüft werden nebst dem von Max Aicher angestoßenen Projekt Auentunnel. Alternativen, die im Wesentlichen bereits im Planfeststellungsverfahen aus dem Jahr 2011 abgelehnt wurden. Mit der Aufnahme des Kirchholztunnels in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes im Dezember 2016 hätte sich die Stadt vehement für diese Lösung einsetzen können. Sie hätte, wohlgemerkt. Sie hat aber nicht.

Bis zu 50.000 Fahrbewegungen täglich verzeichnet das Staatsbad Reichenhall im innerstädtischen Verkehr und auf der B20 und B21, die parallel zur Saalach verläuft. Ein Kircholztunnel (links im Waldrücken) hätte täglich bis zu 20.000 Fahrzeuge und den gesamten LKW-Transitverkehr aufnehmen können. So verbleiben Lärm und Feinstaub in Bad Reichenhall, dass sich als Kurort gegen Erkrankung der Atemwege empfiehlt.

Die Stadt verspielte damit aber eine Jahrhundertchance und die betroffenen Anwohner und auch Urlaubsgäste – sofern Reisen wieder erlaubt und Hotels wieder geöffnet – werden auch in den nächsten 20 Jahren Lärm, Dreck und Abgase hinnehmen müssen. Dabei wären dies Argumente sogar zu kurz gegriffen, denke man nur an den Verlauf der B20 und B21 vom Gablerknoten bis zum Festplatz. Denn auch der innerstädtische Verkehr würde spürbar entlastet, das unterstellen eindeutig das Mobilitätskonzept des Landkreises aus dem Jahr 2016 und die etwas ältere Verkehrsprognose des Professor Kurzak im Planfeststellungsverfahren aus dem Jahre 2011.

Keine Entlastung für die Innenstadt?

Mit einer deutlichen Entlastung der jetzigen Umgehungsstraße (B20/21) würde sie nämlich wieder vermehrt als Ortsentlastungsstraße angenommen werden. Darum fiele der Rückgang des Personenverkehrs dort auch relativ gering aus. Für die Innenstadt von Bad Reichenhall aber würde es einen Rückgang um rund 30 Prozent bedeuten. Warum wird dies in dem aktuellen Gutachten des Straßenbauamtes völlig negiert, prognostiziert man im innerstädtischen Bereich sogar eine Zunahme auf 18.000 Verkehrsbewegungen? Nähme der Kirchholztunnel 18.500 Fahrzeuge auf, und verblieben auf der Loferer Straße 18.000 und auf der Münchner Allee 18.500 Fahrzeuge, so bedeute dies ein Verkehrsaufkommen von 55.000 Fahrzeugen „an einem durchschnittlichen Werktag“, wie in dem Artikel „Verkehrsgutachten“ dargestellt. Am Gablerknoten aber soll es nur 42.000 Fahrbewegungen geben? Wo ist der Rest von 13.000 Fahrzeugen geblieben? Unterschlägt das Gutachten die Entlastung der Innenstadt durch einen Kirchholztunnel, wie er im Bundesverkehrswegeplan des Deutschen Bundestages beschlossen wurde?

Aber wie schon gesagt, alles ist rein rechnerisch, „denn hätte und wenn“ liegen gemeinsam auf dem Friedhof begraben, sagte zu mir in jungen Jahren bereits die Oma. Für Bad Reichenhall wird diese hohe Verkehrslast erhalten bleiben, obwohl eine leistungsfähige Ortsumfahrung bereits seit 1977 mehrfach Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplänen fand, die massive Belastung selbst in Bonn und Berlin bestätigt wurde. Für die Stadt aber „ist der Leidensdruck noch nicht hoch genug“, attestierte 2017 der damalige Leiter des Staatlichen Bauamtes von Traunstein, Sebald König. Die Stadt, vor allem aber die besonders betroffenen Bewohner, werden sich also weiterhin in ihrem Leid üben. Die kommunale Politik hat es in über 50 Jahren nicht geschafft, eine Lösung des Verkehrsproblems zu erreichen. Vielleicht wollte man es nicht wirklich, denn Zeit genug hätte man ja gehabt.

Gerd Spranger / 1. Vorstand des Vereins „Reichenhall pro Kirchholztunnel“ (www.)pro-reichenhall.de

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Führt ein Verbund mit Traunstein den ÖPNV aus der Krise ?

Über Studie informiert
Ergebnisse erst in 30 Monaten

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) verzeichnet nach Angaben des Branchenverbandes VDV bei den Fahrgästen Rückgänge bis zu 80 Prozent. Der Transport von Schulkindern, von Urlaubsgästen und selbst Berufspendlern, die vermehrt im Homeoffice arbeiten, ist eingebrochen. In Zeiten des Coronavirus bevorzugen zudem viele Menschen wieder das private Auto. Dennoch arbeitet der Landkreis Berchtesgadener Land weiter an einer Grundlagenstudie für einen Verkehrsverbund mit dem Landkreis Traunstein, der der Kreisausschuss im Sommer 2020 zustimmte.

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Landrat Bernhard Kern betonte in der Sitzung des Kreisausschusses für Umweltfragen, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität, dass man über die Pandemie hinaus denken müsse, es werde auch wieder „ein danach, eine neue Normalität“ geben. Der Landkreis sei darum gefordert die richtigen Weichen zu stellen. Johann Wick, Verkehrsmanager des Landratsamtes, informierte den Ausschuss über eine angestrebte Grundlagenstudie. „Sie ist zwingende Voraussetzung für eine dauerhafte Förderungen eines Verkehrsverbundes durch den Freistaat“, so Wick.

Der Kreisausschuss BGL beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit Grundlagen zu einem Verkehrsverbund der Landkreise Traunstein und Berchtesgaden. – Foto: Gerd Spranger

Für die Studie habe es jetzt eine europaweite Ausschreibung gegeben und man hofft im Juli den Auftrag vergeben zu können. Im Rahmen des Mobilitätskonzeptes des Landkreises soll in einem weiteren Schritt auch mit Salzburg ein gemeinsamer, grenzüberschreitender Verkehrsverbund angestrebt werden. Die Grundlagenstudie für einen gemeinsamen Tarif- und Verkehrsverbund mit dem Landkreis Traunstein fördert der Freistaat Bayern zu 90 Prozent, die verbleibenden Kosten teilen sich die beiden Landkreise. Bis zur Vorlage der Studie wurde ein Zeitfenster von 30 Monaten eingeräumt. Der zunächst angedachte Zeitraum vom 18 Monaten wurde um zweimal sechs Monate verlängert. „Begründet wird es,“ so Verkehrsmanager Johann Wick, „mit dem Risiko der Datenerhebung bei einer anhaltenden Pandemie.“

Kreisrat Roman Niedergerber (SPD) bekundete sein Verständnis für die lange Dauer zum Erstellen der Grundlagenstudie. Es sei ihm klar, „dass man hier juristisches Neuland betrete, die Ausgestaltung wasserdicht sein müsse und man ein extrem dickes Brett zu bohren habe. Gründlichkeit geht darum vor Schnelligkeit. ‚Nach Corona‘ müssen wir mit attraktiven Angeboten neue Kunden und Stammgäste gleichermaßen wieder gewinnen.“

Kreisrat Franz Eder (Grüne), räumte zwar ein, dass es eine Zeit der Prüfung und Vorbereitung brauche. „Aber ein Zeitraum von deutlich über zwei Jahren erschließt sich mir nicht.“ Ebenso zeigte sich Bürgermeister und Kreisrat Hannes Rasp überrascht von einem 30-monatigen Zeitfenster für eine Grundlagenstudie. „Dauert es dann nochmals zwei bis drei Jahre bis wir endlich zu einem Ergebnis kommen“, fragt er nach.

Landrat Bernhard Kern versicherte, „die Studie ist die Grundlage für die Umsetzung und es ist kein weiterer Zwischenschritt mehr nötig.“ Weiter informierte Kern über das weitere Vorgehen zum Nahverkehrsplan. Es folgt in den nächsten Wochen das Gespräch mit den Bürgermeistern und den Fraktionssprechern.

Aktuell sind die beiden Hauptverbindungsachsen zwischen den Landkreisen Berchtesgaden und Traunstein die Schienenverbindungen von Freilassing nach Traunstein und Tittmoning. Ergänzend dazu die Linienbusverbindungen von Bad Reichenhall, Freilassing und Teisendorf nach Traunstein, von Freilassing und Laufen nach Waging sowie von Laufen nach Tittmoning. „Zudem verkehrt im Sommerhalbjahr noch ein Linienbus von Reit im Winkl über Bad Reichenhall nach Salzburg“, informiert das Landratsamt.

Zu einer Verbesserung solle künftig das gemeinsame Verkehrs- und Tarifangebot beitragen. Dies gelte auch in Richtung Salzburg. „Es bestehen zahlreiche Verkehrsbeziehungen im ÖPNV zwischen dem Berchtesgadener Land und dem Bundesland Salzburg, die im weiteren Schritt im angestrebten grenzüberschreitenden Verkehrsverbund mit Salzburg integriert werden sollen“, ergänzt die Behörde.

Wege aus dem Massentourismus?

Entlang des Grates am Jennergipfel (1874 m) drängen sich die Besucher. Im Hintergrund ‚König Watzmann‘ (2713 m) mit Hocheck, Mittelspitze und Südspitze – Fotos: Gerd Spranger

BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel im Gespräch mit der Redaktion

(gsp) Die Eröffnung der Bergstation Jennerbahn am zweiten Juni-Wochenende mit deutlich verbilligten Fahrkarten führte zu einem ungewohnten Besucheransturm. Über viele Stunden hinweg bildeten sich lange Warteschlangen für die Bergfahrt, und es ging im Minutentakt nonstop in den großen Zehner-Gondeln auf den Jenner. Der große Parkplatz war bereits um elf Uhr voll besetzt und die für 300 Besucher ausgelegte Restaurant-Terrasse ab zehn Uhr. Auf der Wanderung zum Gipfel, der 74 Höhenmeter über der Bergstation liegt, drängten sich die Menschen bergauf wie bergab. Es war einerseits für die Bergbahn und das gastronomische Team um Thomas Hettegger von der Jenneralm GmbH eine echte Belastungsprobe, anderseits aber bekam man eine sehr klare Vorstellung davon, was den Massentourismus, gedrängt auf wenige Kilometer, so problematisch macht.

Zu viele Touristen in Berchtesgaden?

Dichtes Gedränge herrscht auf dem Gipfel des Jenners (1874 m) bei Hochbetrieb, wie vergangenes Wochenende. Gipfelromantik geht anders, dafür ist der Ausblick sensationell auf den Königssee, den Watzmann, das Steinerne Meer und über das Berchtesgadener Tal.

Die Redaktion hat sich mit Peter Nagel, Geschäftsführer der BGLT-Tourismus bei der Eröffnung der Jenner-Bergstation eingehend darüber unterhalten. Von einem ‚Overtourism‘, also eine das gesunde Maß überschreitende Zahl an Gästen, möchte Peter Nagel im Berchtesgadener Land nicht sprechen, räumt aber ein, „dass es einige Spitzen gibt“. So will der Touristiker auch nicht die Gästezahlen erhöhen, sondern mehr Wertschöpfung erreichen und die Dauer der Übernachtungen von 3,5 auf fünf bis sechs Tage steigern. Gerne spricht er von einer ausgewogenen Balance im touristischen Geschäft, auf den Tagestouristen, wie er typisch für den Jenner und auch den Königssee ist, ging Peter Nagel konkret nicht ein. Dabei strömen aus dem Berchtesgadener Land während der Saison ebenso tausende von Touristen nach Salzburg wie umgekehrt aus dem Salzburger Land zu den bayerischen Sehenswürdigkeiten.

Der tiefblaue fjordartige Königssee am Fuße des Watzmanns inmitten des Nationalparks Berchtesgaden.

Kann man die Besucher besser lenken?

Er denkt über eine Steuerung der Touristenströme nach. „Über Zwang geht so etwas nicht, ein wenig über zeitliche Beschränkung und über Eintrittspreise“, sinniert er. „Besser ist es, den Besuchern Alternativen zu bieten und das zeitnah.“ Um dies konkret zu machen nennt Peter Nagel ein Beispiel: „Fährt etwa ein Besucher in Piding von der Autobahn, so muss er bereits am Gablerknoten in Bad Reichenhall informiert werden, dass am Königssee alle Parkplätze belegt sind. Wir müssen ihm Alternativen anbieten.“ Konkret nannte er etwa das Ausweichen auf den Hintersee, zu den anderen Bergbahnen im Landkreis oder sogar darüber hinaus, wie etwa nach Lofer. „Genau das meine ich, wenn wir über den eigenen Kirchturm, die eigene Gemeinde und Region hinaus denken müssen.“

Bessere Absprache bei Aktionen

So wie in Salzburg sehen auch viele Parkwegweiser in großen deutschen Städten aus. Bietet sich diese Lösung auch für den Tourismus an?

Noch ein zweites Anliegen ist dem Chef der BGLT-Tourismus wichtig. „Zwischen den beteiligten Partnern vor Ort ist eine bessere Absprache nötig“, sagte er und gab ein weiteres Beispiel: „Wenn wir etwa Gäste aus Italien werben, dann können im Sommer nicht um 22 Uhr die meisten Gaststätten geschlossen sein. Der Italiener hat ein anderes Lebensgefühl, bei ihm beginnt der vergnügliche Teil ‚des Tages‘ häufig erst nach 21.00 Uhr und dauert an lauen Sommerabenden bis weit nach Mitternacht, zumal er in Urlaubsstimmung ist. Enttäuschen wir hier, dann fahren wir bei dieser Zielgruppe in den nächsten Jahren ein deutliches Minus ein, und das können wir nicht wollen, es wäre der Marke Berchtesgaden sehr abträglich.“

Kommt ein Wechsel der Perspektiven?

Die BGLT mit Peter Nagel und Dr. Brigitte Schlögl an der Spitze, arbeitet aktuell an einem Positionspapier mit dem Titel „Perspektivenwechsel, Ziele und Maßnahmen für die Zukunft“. Es soll in wenigen Wochen in der Gesellschafter-Versammlung vorgestellt werden. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich der Tourismus im Berchtesgadener Land weiterentwickeln wird. Franz Rasp, Vertreter des Hauptgesellschafters Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, sieht in der Fortsetzung des Markenprozesses den richtigen Weg.

‚Großes Kino‘ in 3D vor der Terrasse der Jenner-Bergstation auf der Jenneralm.

Jenner mit Prominenz
Die Gesellschafter der Berchtesgadener Bergbahn AG, Eigentümer der Jennerbahn, bei der Eröffnung.

 

Es gibt keine Alternative zum Kirchholztunnel

(gsp) Im zähen Ringen um eine Ortsumfahrung für Bad Reichenhall hat jetzt das Staatliche Bauamt Traunstein für Klarheit gesorgt. Die von der Stadt vorgelegten vier Alternativen zur bereits im Planfeststellungsverfahren verankerten Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel fallen im Vergleich durch, und zwar eindeutig.

Baudirektor Christian Rehm zog in der außerordentlichen Stadtratssitzung im Alten Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall vor den Stadträten und etwa 200 Besuchern der Sitzung ein klares Fazit, nachdem Bernadette Wallner, ebenfalls vom Staatlichen Bauamt Traunstein, die relevanten Zusammenhänge und Aspekte ausführlich dargestellt hatte.

Baudirektor Chrisian Rehm und Bernadette Wallner und das gesamte Team des Staatlichen Bauamtes Traunstein haben viel Zeit in die 131 Folien umfassende Auswertung und Präsentation des Variantenvergleichs investiert.

„Bei allen ausgewerteten, für die Ortsumfahrung relevanten Parameter, ergibt sich ein eindeutiges Bild“, führt Rehm aus. Zunächst sei grundsätzlich festzuhalten, dass es sehr zweifelhaft ist, ob man für die vorgeschlagenen vier Varianten der Stadt Bad Reichenhall überhaupt ein Baurecht bekommt. Darüber hinaus besteht ein hohes Risiko bei der Einstufung im Bundesverkehrswegeplan 2030. „Es könnte zu einer völligen Neubewertung des gesamten Projektes mit ungewissem Ausgang kommen“, führt der Baudirektor aus.

Die Tunnelvarianten im Bestand und in der Saalachau erfüllen zudem die Voraussetzungen für eine Genehmigung nicht. Entscheidend sei der Variantenvergleich, und hier drängt sich die Ortsumfahrung über den Kichholz- und Stadtbergtunnel eindeutig auf. „Es besteht darum keine reelle Chance auf Zustimmung durch das Bundesministerium für Verkehr (BMVI)“, so Christian Rehm weiter. „Die aktuelle Einstufung im Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegplanes ist nicht übertragbar.“

Von links: Auentunnel mit zwei Tunnelbahnen – 1A, Ausbau im Bestand mit zwei Tunnelbahnen und (Entlastungs-)Straße oben – 1B Ausbau im Bestand mit einer Tunnelbahn und Straße oben – Ausbau im Bestand mit Trennung von B20 und B21 auf zwei Ebenen.

Mit einer „Ampelbewertung“ wog das Staatliche Bauamt Traunstein jeden einzelnen Teilbereich im Vergleich der vier von der Stadt vorgelegten Alternativen zur Ortsumfahrung Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel ab. Es ging konkret um die Variante X, den so genannten Auentunnel entlang der Saalach und um einen Ausbau im Bestand der jetzigen Umgehungsstraße, der B20 und B21 um Bad Reichenhall herum. Hier wurden drei Varianten eingereicht, nämlich ein Ausbau mit einer oder mit zwei Tunnelröhren und einer Trennung von B20 und B21 auf zwei Ebenen, also im Tunnel die B21 und oben verlaufend die B20.

Dabei wurde schnell deutlich, dass eine leistungsfähige Entlastungsstraße erhalten bleiben muss, damit bei Wartungsarbeiten oder unfallbedingten Sperrungen des Tunnels der Verkehr ausweichen kann. Auch ist während der Bauzeit neben der jetzigen Umfahrung eine Ausweichstraße nötig, denn der gesamte Verkehr kann nicht einfach über Jahre durch die Stadt geführt werden. Allein diese Umstände führen bei einem Ausbau im Bestand schon zu einer negativen Bewertung. Erschwerend ist noch die Grundwassersituation, die sich bei einer Tunnelbauweise in diesem Bereich auswirkt. „Wir müssen dann ‚im Wasser bauen‘ und erst nach der Trockenlegung kann mit der eigentlichen Tunnelröhre begonnen werden. Das ist zeit- und kostenintensiv“, führt Bernadette Wallner aus. Weitere grundsätzliche Erfordernisse sprechen gegen die Alternativ-Varianten einer Ortsumfahrung, wie sie die Stadt Bad Reichenhall vorgeschlagen hat.

Wann muss ein Tunnel gebaut werden?

Bewertet wurde, ob aufgrund des Geländes oder wegen einer Lärmemission ein Tunnel notwendiger Weise gebaut werden muss. Das scheidet bei allen vier Varianten aus. Das Bauamt hat auch die Planungsziele hinterfragt, nämlich eine Trennung vom Ziel- und Quellverkehr (verkehrliche Beurteilung) und eine Entlastung der Stadt (raumstrukturelle Wirkung). Auch hier fallen die Alternativen durch, werden nicht den Ansprüchen gerecht. Bei der Bauweise und dem Ablauf der Baustelle seien ebenso die Beeinträchtigung der Anlieger und die Auswirkung auf die Stadt zu prüfen und beides spricht nicht für einen Ausbau im Bestand. Weitere Parameter waren der Naturschutz, die Beschaffenheit des Baugrundes (sicherheitstechnische Beurteilung), der Hochwasserschutz und die Kosten des Projekts. Alle Varianten einer Ortsumfahrung, einschließlich der genehmigten Variante Kirchholztunnel und Stadtbergtunnel liegen die Kosten zwischen 220 und 290 Millionen Euro. Einzig die Variante 1b mit ‚Ausbau im Bestand und einer einspurigen Tunnelröhre‘, liegt mit 160 Millionen an geschätzten Kosten deutlich darunter.

Sole aus 500 Metern Tiefe

Was die Grundwasserproblematik bei den alternativen Varianten ist die schwierige Geologie im Bereich das Kirchholz und einige unterstellen sogar eine Gefährdung der Solequellen. Baudirektor Christian Rehm und Bernadette Wallner vom Staatlichen Bauamt Traunstein schlossen das aber entschieden aus. „Die für Bad Reichenhall relevanten Solevorkommen sind mittels Bohrungen von 500 Metern Tiefe erschlossen. „Da steht eine 475 Meter starke Schicht als Grundwasserstauer darüber und die Bohrungen sind versiegelt. Das kann nichts passieren“, bekräftigt Christian Rehm. „Auch fahren wir mit dem Kirchholztunnel nicht im Grundwasser, sondern treffen auf Schichtwasser. Diese Probleme aber sind lösbar.“

Stadtrat entscheidet am 9. April

Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Baudirektor Christian Rehm freuen sich über den großen Andrang bei der außerordentlichen Stadtratssitzung.

Die Stellungnahme des Staatlichen Bauamtes war eindeutig. Entscheiden aber muss der Stadtrat von Bad Reichenhall in seiner Sitzung am 09. April, ob er sich mehrheitlich für die Ortsumfahrung Kirchholz- und Stadtbergtunnel ausspricht. Dann, führt Christian Rehm aus, ist ein neues Planfeststellungsverfahren nötig. Dabei werden die Linienführung und die Konzeption der Knotenpunkte optimiert. Hoffnung macht er auf eine deutliche Reduzierung des Knotens am Golling. „Es müssen nicht alle Verkehrsbeziehungen in alle Richtungen erfolgen“, deutet er an. Für Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner ist die Beurteilung durch das Bauamt ein klares Signal sich für eine schnelle Realisierung der Ortsumfahrung Kirchholz- und Stadtbergtunnel einzusetzen.

Die gesamte Präsentation ist auf der Homepage des Bauamtes zu finden unter:

https://www.stbats.bayern.de/strassenbau/projekte/B16S.ABBA0022.00.html