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MERIAN bringt neues Salzburg-Magazin

Mit 36,2 Prozent Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr muss auch Salzburg den wohl stärksten Rückgang seit dem zweiten Weltkrieg hinnehmen. Umso mehr freuen sich die Tourismus-Verantwortlichen über das neue Merian-Heft und hoffen auf bessere Zeiten. Ob aber bereits der Februar eine Trendwende bringen kann, ist kaum vorstellbar.

Wenn Ausflüge nach Salzburg wieder möglich sind, freuen sich schon viele Menschen auf einen Besuch der Altstadt oder einen Spaziergang über den Kapuzinerberg oder den Mönchsberg. Foto: Gerd Spranger

Umso größer ist die Freude über die Präsentation in Deutschlands Reisemagazin, das Salzburg als Top-Destination auf 132 Seiten vorstellt. Das MERIAN Salzburg ist jetzt im Handel erhältlich, erzählt von Klassikern wie Mozart und den Festspielen, aber auch von urigen Geschäften und dem Andräviertel als Szenetreff. Salzburger Gastronomen und Künstler liefern Einblicke in ihren Alltag und Felix Gottwald präsentiert seine Lieblingsplätze im Salzburger Land.

Bereits die siebte Ausgabe
für Salzburg

Für MERIAN ist es die insgesamt siebte Ausgabe über die Stadt, die letzte erschien zum Mozartjahr 2006. Die erneute Ausgabe bestätigt, dass Salzburg als internationale Kulturmetropole und „Dauerbrenner“ wahrgenommen wird. Die hervorragend recherchierten Geschichten und die hochwertige Aufbereitung rücken die vielseitigen Pluspunkte Salzburgs in den Fokus. Die Reichweite beträgt rund 730.000 Lesern im deutschsprachigen Raum.

Wichtige Inspiration fürs Reisen

„Dieses Magazin erscheint in einer Zeit, in der wir von Reisen nur träumen können“, so Bürgermeister Harry Preuner. „Ich bin aber sicher, dass wir in vielen Köpfen Lust auf Salzburg machen.“ Tourismuschef Bert Brugger freut sich, dass die Chefredaktion an ihn und sein Team herangetreten ist. „Viele Recherche- und Fototermine mussten durch die Lockdowns unter schwierigen Bedingungen stattfinden. Umso schöner ist es, dass wir das fertige Magazin nun in Händen halten können.“ Brugger sieht in der MERIAN-Ausgabe außerdem eine Fortsetzung der medialen Präsenz Salzburgs, wurden doch im Jahr 2020 die Salzburger Festspiele, die „Sound of Music“-Tour von Stefan Herzls Panorama Tours sowie die Stadt als Kulturmetropole ausgezeichnet.

Das MERIAN Magazin – führende Reiseliteratur im deutschsprachigen Raum

Das Magazin mit Sitz in Hamburg wurde 1948 gegründet und erscheint monatlich. Vorgestellt werden Nationen, Regionen oder Städte, die eine historische, politische, kulturelle oder touristische Sonderstellung haben. Die Themenpalette reicht von Geographie über Wirtschaft und Politik bis Kunst, Kultur und Gastronomie. Die Bilder für jede Ausgabe werden von renommierten internationalen Fotografen aktuell und vor Ort aufgenommen.

Bürgertelefon: 6700 Anfragen in neun Wochen

– Zentrale Nummer am Landratsamt
– Vom Shutdown bis zum Startup

Die Diplom-Sozialpädagogin Petra Neubauer ist beim Landratsamt Berchtesgadener Land beschäftigt und an der Staatlichen Berufsschule Berchtesgadener Land in Freilassing für die Jugendsozialarbeit zuständig. In den letzten neun Wochen aber verlegte sie ihren Arbeitsplatz direkt in das Landratsamt in Bad Reichenhall und arbeitete für das Bürgertelefon der Führungsgruppe Katastrophenschutz. Der Umgang mit Menschen, ihren Nöten und Anliegen ist ihr vertraut und so war sie zusammen mit weiteren Kolleginnen Ansprechpartnerin für das Bürgertelefon, wo vom 16. März bis zum 17. Mai Ratsuchende in der Coronakrise Hilfe fanden. Insgesamt nutzen 6700 Anrufer diesen Service, an Spitzentagen waren es über 600 Anrufe täglich und bis zu vier Telefonplätze besetzt.

Entlastung für das Gesundheitsamt

Viel Hilfe in der Corona-Krise leistete das Landratsamt Berchtesgadener Land. Von links: FüGK-Leiter Thomas Schmid, Diplom-Sozialpädagogin Petra Neubauer, stv. Pressesprecher Stefan Neiber,

Für Thomas Schmid, Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) am Landratsamt eine unverzichtbare Einrichtung. „Wir haben das Bürgertelefon mit bis zu vier zeitgleich besetzten Arbeitsplätzen zum ersten Mal im Januar 2019, als die großen Schneemengen vor allem im südlichen Landkreis den Katastrophenfall auslösten, eingerichtet. Das Landratsamt mit seiner zentralen Nummer wäre mit der Vielzahl der Anrufe jetzt zur Corona-Pandemie ebenso überfordert gewesen, wie das Gesundheitsamt.“

Am Tagesbeginn stand für Petra Neubauer und ihr Team zuerst eine kurze Besprechung mit den Bereichsleitern an, um immer auf dem ganz aktuellen Stand zu sein. Die Diplom-Sozialpädagogin erinnert sich an den ersten Tag. Ministerpräsident Markus Söder hatte am 16. März die verhängten Maßnahmen der Bayerischen Staatsregierung zur Eindämmung des Virus beschlossen und in einer Erklärung über die Medien verbreitet. „Sofort liefen bei uns die Telefone heiß. Es war ja quasi ein Vorgriff auf den Shutdown, der eine Woche später erfolgte. Wir waren zu dieser Zeit im Detail nicht informiert, es war schwierig. Künftig aber ließen wir keine Regierungserklärung des Ministerpräsidenten zu den Maßnahmen aus.“

Wie funktioniert die Gesundheitskette

„Es waren vor allem die mehrfachen Änderungen, von der Verschärfung im Lockdown und die langsame Lockerung, die häufig zu Fragen und Verunsicherungen führten,“ erzählt Petra Neubauer. „Besonders in den ersten Wochen meldeten sich Bürger, die sich bereits bei Halsschmerzen oder einer leichten Erkältung sorgten an dem Virus Covid-19 erkrankt zu sein. Es herrschte auch noch Unsicherheit, wie die Gesundheitskette funktioniert, etwa ob nun der Hausarzt konsultiert werden soll oder nicht.“

Ein besonderer Fall war für Neubauer etwa der Anruf einer älteren Dame, die unter Einsamkeit litt und sich mit einer guten Bekannten auf eine Tasse Kaffee treffen wollte. „In der Wohnung war das bei der Kontaktbeschränkung zu der Zeit nicht möglich. Wir haben ein Treffen im Kurpark arrangiert.“

„Wichtig war für diese Zeit im Landratsamt immer den richtigen Ansprechpartner zu haben. Das schaffte Vertrauen und gibt Sicherheit,“ ergänzt Stefan Neiber, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamtes. Die Fragen rund um die Beschränkungen und Lockerungen um die Corona-Pandemie sind ein Spiegel der letzten Wochen. „Viel Unmut rief etwa die Sperrung der Wanderparkplätze hervor. Es gab zu dieser Zeit die einzigen Anrufe, bei denen die Anrufer persönlich wurden, ihren Unmut freien Lauf ließen“, erinnert sich Neubauer.

Nur mit Liebesbrief nach Salzburg

In den letzten Tagen gab es noch viele Fragen zur Öffnung der Grenzen, wann, wie und wo man nach Salzburg fahren darf. „Dabei gibt es aktuell eine Besonderheit,“ erzählt die Sozialpädagogin schmunzelnd. „Einen Freund oder eine Freundin darf man nur mit einem „Liebesbrief“ besuchen, als eine Art persönlicher Einladung. Auch müsse mit der gemeldeten Adresse nachgewiesen werden, dass die Person auch in Österreich wohnhaft ist.“

Mit der Zeit habe man ein gutes Gespür für die Menschen und diese besondere Situation entwickelt. Selbst nach Dienstschluss oder an freien Tagen hielten sich die Mitarbeiter vom Bürgertelefon über die aktuellen Entwicklungen am Laufenden. Manche Anrufer suchten kurze und schnelle Auskunft, andere brauchten Zeit, jemanden zum Reden. „Auch die haben wir uns genommen“, versichert Neubauer.

Kein Fall in den Asylunterkünften

Thomas Schmid freut sich, dass es in den Asylunterkünften im Landkreis keinen Coronafall gegeben hat. Vorsichtig optimistisch blickt er in die Zukunft. „Nachdem jetzt die Gastronomie unter Einschränkungen wieder geöffnet ist, folgen am 30. Mai die Hotels und damit läuft der Tourismus vorsichtig wieder an. Am 15. Juni sind auch die Grenzen nach Österreich und in andere EU-Länder wieder offen. Wir hoffen die Lage entspannt sich weiter und wir erleben keine zweite Welle“, so der FüGK-Leiter. Dann aber sei man gut gerüstet und mit ausreichend Material versorgt, ergänzt er.

Geholfen habe das gut eingespielte Team im Katastrophenschutz, das die letzten Jahre bereits mehrere Male aktiv war. Das ermöglichte schnelle Hilfe, vor allem dort wo sie nötig war, etwa bei den Senioreneinrichtungen. Rettungskräfte, Feuerwehr und THW haben ‚Hand in Hand‘ gearbeitet, ebenso alle weiteren beteiligten Kräfte wie die Bayerische Polizei, Bundespolizei, Bundeswehr und alle Mitglieder der Führungsgruppe Katastrophenschutz am Landratsamt.

Schnelle Hilfe über die Organisationen hinweg

„Eine gute Logistik ist eine Sache und absolut notwendig. Eine schnelle Umsetzung über verschiedene Organisationen hinweg eine ganz andere. Das aber funktioniert hervorragend. Wir treffen uns als Team vom Katastrophenschutz mehrmals im Jahr führen auch gemeinsame Übungen durch. Letztlich aber ist man auf meterhohe Schneemassen oder auf dreimonatige Ausnahmesituationen wie jetzt bei der Corona-Pandemie nicht wirklich vorbereitet. Was zählt ist ein schnelles und gutes menschliches Miteinander.“

Für Petra Neubauer geht der Arbeitsalltag jetzt wieder in der Berufsschule Freilassing weiter. „Das ist irgendwie durchgesickert und am ersten Tag fragten gleich fünf Schüler um ein persönliches Gespräch an. Die Folgen von Corona, der Isolation und Wegfall des öffentlichen Lebens bis hin zum Shutdown der Sportvereine, zeigt Spuren bei den jungen Menschen. Zwei von ihnen erzählten von einem richtigen Corona-Kollaps nach zwei Wochen. Ich bin gespannt, was da noch auf mich und unsere Gesellschaft zukommt.“

Der Lebensmittelhandel und die Corona-Krise

Berchtesgadener Land: Der Handel, speziell der Lebensmittelhandel rückte als Säule unserer Gesellschaft noch nie so stark in den Focus wie heute. Ängste um die Zukunft führen in fast allen Märkten zeitweise zu leeren Regalen, vor allem bei Hygieneartikel, Nudeln und Mehl. Wir Verbraucher wollen uns absichern, wollen Sicherheit, sollte uns das Los einer mehrwöchigen Quarantäne bei Ansteckung treffen. Die Redaktion hat sich bei den Märkten umgehört. Welche Erfahrungen hat man gemacht, wie wird die aktuelle Lage zu Covid-19 beurteilt?

Für Dieter Schönwälder vom Rewe-Supermarkt in Berchtesgaden-Schönau habe sich die Situation bereits wieder entspannt. Verantwortlich für die leeren Regale und die Engpässe beim Nachschub und Auffüllen der Regale sieht er die Politik und die Medien mit Hiobsmeldungen zum Coronavirus Covid-19. „Wenn die schlechten Nachrichten nicht abreißen, sich die Maßnahmen immer weiter verschärfen und sich in den Medien und sozialen Netzwerken Fotos von leeren Regalen häufen, kann man den Verbrauchern keinen Vorwurf machen.“

Der ganz große Run, wie noch vor wenigen Tagen, ist vorbei. Es gibt nur noch wenige „Hamsterkäufe“ in der Coronakrise.

Michael Dorrer, Betreiber mehrerer Edeka-Märkte im Berchtesgadener Land, zeigt ebenfalls Verständnis für Hamsterkäufe. „Die sich dramatisch zuspitzende Situation in Italien machte die Bürger sensibel.“ Verstehen kann er den Griff nach Mehl, Milch, Eier und Dosen. Nicht aber, dass Nudeln in Großmengen gekauft werden oder den übermäßigen Run auf Toilettenpapier. „Die Lager aber sind voll und auch die Lieferketten funktionieren“, beruhigt er. Schwierig sei der Nachschub bei Desinfektionsmittel.

„Regale werden wieder aufgefüllt“

Für Helmut Hölzlwimmer vom Edeka-Markt in Berchtesgaden ist der zeitweise Run auf die Märkte nicht nachvollziehbar. „Der Druck ist immer noch hoch, es wird in großen Mengen eingekauft. Die Leute können aber beruhigt sein, der Lebensmittelhandel bleibt offen und die Regale werden immer wieder aufgefüllt, auch wenn die Coronakrise um den Virus Covid-19 noch anhält.“

Wenige Autos auf dem Aldiparkplatz in Bad Reichenhall. Weger der Grenzschließung nach Österreich bleiben viele Kunden aus.

Bei Aldi habe man gestern endlich reagiert, erzählen viele Kunden. Die übliche Vorgabe, nämlich der Verkauf in „haushaltsüblichen Mengen“ werde jetzt umgesetzt. Großen Hamsterkäufen wird so ein Riegel vorgeschoben. Zudem ist die Nachfrage aus Österreich wegen der erfolgten Grenzschließung spürbar zurück gegangen. Davon betroffen seien aber hauptsächlich die Märkte im mittleren Landkreis, in Berchtesgaden sei der Anteil an Kunden aus Österreich eher gering, sind sich die Marktbetreiber einig.

„In der Krise zusammenstehen“

Michael Dorrer und Dieter Schönwälder sind sich einig, dass der Lebensmittelhandel von dieser Krise nicht nur wirtschaftlich profitiert. „Wer hätte vor wenigen Wochen gedacht, dass sich die Einkaufsmärkte zum „Retter der Nation“ entwickeln. Viele Betriebe müssen schließen, viele auf Kurzarbeit umstellen, der Lebensmittelhandel bleibt stabil“, argumentiert Dorrer. Dieter Schönwälder hat an seine Mitarbeiter sogar einen mehrseitigen Rundbrief versandt und ist auf die aktuelle Situation eingegangen.

Er schließt mit den Worten: „Die Welt wird nach der Corona-Krise um den Virus Covid-19 auf jeden Fall eine andere sein. Wir sind jetzt alle gemeinsam gefordert und müssen das Optimalste und Beste aus der Situation machen, müssen dafür sorgen, dass wir gemeinsam unserer Pflicht nachkommen. Wir dürfen uns alle glücklich schätzen in dieser Branche zu arbeiten. Gegessen und getrunken wird immer. Wir verkaufen Lebensmittel, also Mittel zum Leben, das sollten und dürfen wir nie vergessen.“ Er sieht einen deutlichen Imagegewinn der Branche, was sich angesichts eines Mangels an Fachpersonal positiv auswirken werde.

Auch in Bayerisch Gmain hat sich die Lage im Lebensmittelhandel beruhigt. Die Menschen gehen gefasst mit der Coronakrise um.

Bei den Öffnungszeiten wird sich nichts ändern, auch wenn die Genehmigung für den Lebensmittelhandel bis auf 22.00 Uhr und auf Sonntag ausgedehnt wurde. „Wenn das Land wirklich in Not ist, die Menschen Hunger leiden müssen, wir nichts mehr zum Essen haben, dann werden auch wir notfalls 24 Stunden täglich offen lassen. So aber sehe ich keine Notwendigkeit dafür,“ ereifert sich Schönwälder. Viele Verbraucher würden sich auch noch an Zeiten erinnern, als die Geschäfte täglich um 18 Uhr schlossen und am Samstag um 12 Uhr Schluss war. Auch damals ist die Welt nicht untergegangen.

Kein Schutz an den Kassen

Die Leidtragenden an der aktuellen Entwicklung im Lebensmittelhandel sind die „Kassenkräfte“ die ungeschützt über viele Stunden hinweg täglich einem hohen Risiko von Ansteckung mit Covid-19 ausgesetzt sind. Keiner der Marktbetreiber hat dagegen ein Rezept. „Selbst ein Mundschutz würde nur sehr kurzfristig helfen,“ räumt Schönwälder ein. Es würden zwar die Laufbänder, Türgriffe und teilweise auch die Griffe der Einkaufswagen desinfiziert, doch den Mitarbeitern an der Kasse wird das wenig nützen. „Wir bitten die Kunden um Rücksichtnahme und genügend Abstand“, beteuern unisono Michael Dorrer und Helmut Hölzlwimmer , „doch an der Kasse werden mehr als ein Meter zum Problem. Wir appellieren sich häufiger die Hände zu waschen, sich eine Brille aufzusetzen und einen Hand-Mund-Kontakt zu vermeiden.“

Der Coronavirus ändert alles

Die Kunden würden mittlerweile gut mit der Situation umgehen, Desinfektionsspender werden gerne genutzt. Unverständnis hingegen habe man gegenüber Witzen über die Pandemie, wenn in Wortspielen und in Sozialen Medien mit dem Begriff „Corona“ die Situation ins Lächerliche gezogen werde. In dieser ernsten Lage dürfe man sich auch nicht „verrückt machen lassen“, sollte besonnen sein, die Ruhe bewahren. „Nicht jedes Hals- oder Kopfweh ist gleichbedeutend mit einer COVID-19-Infektion, auch nicht ein leichter Schnupfen“, zieht Dieter Schönwälder klar Position und fügt noch hinzu: „Die Überreaktion vieler Verbraucher ist Schade. Sie bedenken nicht, dass sie mit übermäßigen Hamsterkäufen anderen Menschen den Zugang zu den Waren nehmen.“

Kurz vor Redaktionsschluss erreicht uns noch eine Meldung von Obst und Gemüse Ziegler aus Bad Reichenhall. Als kleiner Zulieferbetrieb für die Gastronomie im Landkreis hat er aktuell Absatzprobleme. „Die meisten Gaststätten schließen schon früh oder gänzlich. Da bleiben wir auf unserer Ware sitzen“, bedauert er.

Rücken grüne Themen immer mehr in das Zentrum?

Berchtesgadener Land:
Dr. Bartl Wimmer (Grüne) mit CSU-Landratskandidat Bernhard Kern in der Stichwahl

Mit 25,78 Prozent setzte sich Dr. Bartl Wimmer (GRÜNE), mit knapp drei Prozentpunkten vor Michael Koller (FW) durch und tritt jetzt gegen Bernhard Kern (CSU) in die Stichwahl. „Das war mein Ziel und es ist an sich schon ein Erfolg, in die Stichwahl zu kommen. Das hat es im Berchtesgadener Land noch nicht gegeben.“ Er hält es für richtig, dass die Wahl am 15. März so stattfand. 57 Prozent Wahlbeteiligung seien angesichts der dramatischen Krise um den Coronavirus ein gutes Ergebnis. „Für die Stichwahl am 29. März sollten die Bürger die Briefwahl nutzen. Die Wahlunterlagen sollten alle zugesandt bekommen“, rät er.

Keine Panikmache wegen des Coronavirus

Angesprochen auf den Coronavirus muss man den Mediziner Dr. Bartl Wimmer bremsen. Schnell erläutert er Hintergründe und das Gefahrenpotential, warnt aber vor Panikmache. „Wir werden die Spitze der Krise in etwa drei Wochen erleben. In China und Korea ebbt die Zahl der Erkrankten bereits wieder ab. Dann werden wir erst belastbare Zahlen haben.“ Die Dunkelziffer der infizierten Menschen in Deutschland schätzt er wesentlich höher ein und darum dürfte die Quote der Mortalität (Sterblichkeit) unter zwei Prozent liegen, vermutet er. „Bei schweren Grippe-Epidemien etwa ist mit einer erhöhten Sterblichkeit von etwa 30.000 Menschen in Deutschland zu rechnen“, führt er aus.

Energiewende mit Potential

Wimmer bestätigt das Einvernehmen der Landratskandidaten in den Bereichen ÖPNV, Wohnen und Umwelt, doch seien dies Themen, die vor allem „Die Grünen“ ganz oben auf die Agenda gesetzt hätten. „Ich bin überzeugt, dass wir diese Herausforderungen mit mehr Nachdruck und besser als andere Parteien umsetzen werden,“ ist der Landratskandidat überzeugt. In Anliegen der Energiewende habe das Landratsamt mit der Energie-Agentur bereits gute Arbeit geleistet, attestiert er. „Da ist aber noch Potential nach oben und wir müssen diesen Weg konsequent weitergehen“, fordert er.

Hin zu mehr Dienstleistung

Als neuer Landrat des Berchtesgadener Landes möchte Dr. Bartl Wimmer das Amt mehr zu einem Dienstleister für die Bevölkerung machen. „Wir müssen weg von der Behörde, vom Behördendenken und näher am Menschen und der Bevölkerung sein, hin zu einem Dienstleistungszentrum“, ist sein großes Anliegen. „Wir müssen eine Kultur des Handelns entwickeln und Eigeninitiative und Eigenverantwortung der Mitarbeiter fördern“, ergänzt er.

Eine Stadtbahn mit Salzburg

Die „Grünen Themen“ sprechen zwar auch die anderen Kandidaten an, doch was die Umsetzung anbelangt, habe er seine Zweifel. Konkret nennt er noch Carsharing und eine mit dem Berchtesgadener Land vernetzte Regionalstadtbahn Salzburg. Beim „Wohnen“ etwa gehe es um mehr als nur der Schaffung von Wohnraum. „Etwa auch um nachhaltiges Bauen mit natürlichen Baustoffen. Auch der schädlichen Praxis von Spekulanten muss ein Ende gesetzt werden. Die Fläche und unsere Ressourcen sind begrenzt“, begründet Wimmer.

Der 59-Jährige Dr. Bartl Wimmer ist verheiratet, hat vier Kinder und sechs Enkelkinder. Er ist Arzt, Unternehmer und Kommunalpolitiker mit 40-jähriger Erfahrung. „Ich traue ich mir zu, diese Herausforderungen zu meistern,“ gibt er sich selbstsicher. Für ihn spricht auch der erfolgreiche Aufbau eines Unternehmens mit heute 20.000 Beschäftigten. Ob der Landkreis für einen „Grünen Landrat“ bereit ist, wird die Stichwahl am 29. März zeigen.

Mit Optimismus im Krisenmodus

CSU-Landratskandidat Bernhard Kern in der Stichwahl mit Dr. Bartl Wimmer (Grüne) im Berchtesgadener Land

Am 29. März geht es für den CSU-Landratskandidaten Bernhard Kern in die Stichwahl, mit 41,94 Prozent verfehlte er die absolute Mehrheit. Seit Juli 2019 ist er im Wahlkampfmodus und bekennt: „Ich beschäftige mich mit der Kandidatur als Landrat bereits seit geraumer Zeit. Zuerst verständigten wir uns als Familie, ob wir das gemeinsam wollen, und suchten auch bei engen Freunden und Bekannten um Rat“, erzählt Bernhard Kern.

Bei seiner Wahl zum Bürgermeister von Saaldorf-Surheim im Jahr 2014 war es für ihn etwas einfacher gewesen. „Unser Haus liegt beim Rathaus gleich ‚um die Ecke‘, was die Sache natürlich günstig gestaltete.“
Die Wahl am Wochenende stand auch unter dem Zeichen von Corona, Grenzschließung und der Ankündigung vom Schließen vieler Geschäfte. Für Bernhard Kern war es kein gutes Gefühl, auch als er aus dem Bekanntenkreis und von etlichen Anrufen kleiner Unternehmer und Dienstleister die Unsicherheit über das wirtschaftliche Fortkommen erfuhr. Krisenmodus: das wird auch für den neuen Landrat zur Hauptaufgabe werden.

Meine Privatsphäre wurde respektiert

Bernhard Kern setzt und setzte auf Offenheit. „Selbst bei dem Flyer für die Wahl zum Landrat war meine persönliche Adresse, Email und Telefonnummer abgedruckt. Ich habe diese Entscheidung nicht bereut.“ Mut machte ihm wohl auch der Umstand, dass er in den sechs Jahren als Bürgermeister weder beleidigt, beschimpft noch bedroht wurde, selbst die Privatsphäre der eigenen Wohnung wurde gewahrt.

Als Landrat freilich ist er jetzt nicht mehr für 100, sondern für 460 Beschäftigte verantwortlich und nicht mehr für 5600 Gemeindebürger, sondern für 108.000 Einwohner des Landkreises. Dabei vermittelte ihm der Wahlkampf auch interessante Einblicke. „Es ist tatsächlich so, dass die Menschen unterschiedlich geprägt sind, wenn man den Norden mit den Süden des Landkreises vergleicht. Es stehen auch andere Themen im Vordergrund.“ Bernhard Kern aber fühlte sich immer wohl im Gespräch mit den Menschen. „Im Großen verstand man sich, auch über politische Parteien hinweg, und pflegte einen respektvollen Umgang.“

Kommunikation über Parteien hinweg

Es ist für Kern ebenso gelebter Alltag, wenn sich die 15 Bürgermeister des Landkreises alle paar Wochen für einen gemeinsamen Austausch treffen. Als Landrat will er diese Treffen nicht missen. „Uns verbindet viel mehr als wir manchmal glauben, wenn wir zu intensiv im politischen Geschehen eingebunden sind.“ Damit das nicht passiert, nimmt er sich rechtzeitig Auszeiten und widmet sich dabei gern der Familie und seinen Hobbys, wie etwa dem Musizieren.

Bernhard Kern sagt von sich selber, dass er ein gutes Bauchgefühl habe. „In den über 20 Jahren meiner beruflichen Selbständigkeit mit zeitweise 25 Mitarbeitern, war es häufig mein Bauchgefühl, dass bei Entscheidungen weitergeholfen hat.“ Das helfe ihm, neue und positive Ansätze zu finden. Seine Erfahrungen im Umgang mit Kommunen, Zweckverbänden und Verwaltungen sollen nicht umsonst gewesen sein.

Die Regionen wachsen zusammen

„Als Planer und Sachverständiger saß ich in vielen Gemeinderatssitzungen, dann 12 Jahre als Gemeinderat und sechs Jahre als Bürgermeister. Jetzt, als Landrat, lerne ich wieder eine neue Perspektive kennen. Insgesamt aber wird es mir weiterhelfen, mehrere Perspektiven zu den Themen zu haben“, ist sich Bernhard Kern sicher.

Auch sein Großvater war bereits Bürgermeister, und setzte sich bis 1969 intensiv mit der Gebietsreform auseinander, als die Orte Thundorf und Straß nach Ainring eingemeindet wurden, bevor die Gemeinde Ainring im Rahmen der Gebietsreform 1972 Teil des Landkreises Berchtesgadener Land wurde. „Dieser Prozess hat in vielen Regionen lange nachgewirkt. Heute müssen wir es schaffen, die Bereich Nord, Mitte und Süd besser zu vereinen und mit unseren Nachbarn, dem Landkreis Traunstein und dem Land Salzburg, besser zusammen arbeiten und Synergien nutzen.“

Auf Augenhöhe mit Salzburg

„Mit Salzburg sollten wir auf Augenhöhe kooperieren, was im Moment nicht einfach ist. Der Bezirkshauptmann ist nicht gewählt, sondern von der Landesregierung bestellt. Er ist ein Verwaltungsbeamter dem die Leitung der Bezirkshauptmannschaft obliegt. Salzburg ist über seine wirtschaftliche Bedeutung hinaus auch die Hauptstadt des Bundeslandes mit 555.000 Einwohnern. Dennoch verbinden uns viele Anliegen und Themen.“

Im Landratsamt selbst sieht Bernhard Kern ein sehr hohes Potential an Fachkompetenz und engagierten Mitarbeitern. „Wir werden uns aber zusammen setzen müssen, um die Prozesse weiter zu verbessern“, bekräftigt er. Selbst pflegt er eine Kultur der ‚offenen Türen‘, was der schnellen Kommunikation häufig hilfreich ist. In der wirtschaftlichen Entwicklung setzt er stark auf die BGLW (Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice), bei Fragen der Nutzung alternativer Energien auf die Energie-Agentur des Landkreises und im Tourismus natürlich auf die BGLT. „Landrat Georg Grabner und die Verwaltung haben im letzten Jahrzehnt viel geleistet und vor allem gute Strukturen aufgebaut. Davon profitieren wir heute und wohl über das Jahr 2030 hinaus.“

Viele Ideen für den Nahverkehrsplan des Landkreises

Das Nahverkehrskonzept des Landkreises (wir berichteten) bewegte den Kreistag auf seiner jüngsten Sitzung. Groß ist der Bedarf etwa nach Barrierefreiheit, besseren Anbindungen und einer höheren Taktfrequenz des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV). Über allem aber steht die Finanzierbarkeit und eine schnelle Umsetzung der Maßnahmen, für die sich die Kreisräte aussprachen. „Es ist eine große Herausforderungen auf die wir mit Mut und Augenmaß reagieren müssen“, hob Landrat Georg Grabner hervor. Er bekräftigte erneut die Notwendigkeit eines Verkehrsverbundes mit Traunstein, aber auch mit Salzburg. „Die Landeshauptstadt besitzt auch innerhalb Österreichs einen hohen Stellenwert. Eine Bereitschaft zur Zusammenarbeit besteht von beiden Seiten, das Interesse ist groß,“ bekannte er.

CSU-Landratskandidat Bernhard Kern wertete die ausgearbeitete Leitlinie zum ÖPNV als gute Grundlage. Auch die Bürgerbeteiligung im Vorfeld an der Online-Umfrage sei sehr positiv gewesen. Orientieren solle man sich nicht an den Grenz- und Zielwerten, die ein Mindestmaß vorgeben, sondern an den Richtwerten. In Zeiten der Zunahme des Individualverkehrs im Landkreis gewinnt der ÖPNV an Bedeutung und natürlich auch hinsichtlich seiner Umweltverträglichkeit. „Die Attraktivität müsse weiter gesteigert werden und für die Euregio sollte ein Verbund mit Salzburg ein angestrebtes Ziel sein.“

Ebenso sieht SPD-Kreisrat Hans Metzenleitner die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes als positiv für die Zukunft. „Der ÖPNV entwickelte sich von einem Kann-Thema zu einem Muss-Thema“, gibt er zu bedenken und nannte als zentrale Themen den Klimaschutz, die Verkehrswende und den Lärmschutz. “Den Individualverkehr müssen wir vermeiden wo es geht, der ÖPNV aber muss bezahlbar bleiben.“ Die Städte und Gemeinden sieht er bei der Barrierefreiheit in der Plficht, „besonders wenn wir an eine älter werdende Gesellschaft denken.“ Der Erfolg hänge von einem Verbund mit Traunstein und Salzburg, das Oberzentrum der Region, ab. „Salzburg muss mit eingebunden sein.“ Im Zweifelsfall bevorzugt er für das Berchtesgadener Land einen kompakten, gut getakten und schnellen Verbund, als den allerletzen Weiler noch optimal anzuschließen.

Edwin Hertlein von Bündnis 90 / Die Grünen fordert einen umfassenderen Blick ein. „Wir müssen bei der Verkehrsvermeidung mitdenken. Handelszentren auf der grünen Wiese verstärken den Verkehr. Wir müssen die Innenstädte fördern, auch wenn es was kostet. Ein aktiver Klimaschutz ist langfristig teurer. Wenn der Planet in 30 jahren noch lebenswert sein soll, müssen wir was tun.“ Hertlein mahnte mehr Investitionen an. „Die Schweiz gibt fünfmal so viel pro Kopf für den öffentlichen Verkehr aus, Österreich doppelt so viel als Deutschland.

Kreisrat Michael Koller (FWG) bemängelt die lange Zeit der Verbindungen. „Mit den Zug von Berchtesgaden nach Freilassing brauche ich immer noch die doppelte Zeit und das doppelte Geld. Das ist nich attraktiv und ein Hauptgrund der niedrigen Akzeptanz in der Bevölkerung für den Öffentlichen Verkehr. Visionen helfen nicht weiter. Die Verbindung muss schnell und bezahlbar sein.“

Für Dr. Bartl Wimmer von Bündnis 90 / Die Grünen macht das Konzept nur in Verbindung mit Salzburg Sinn. „Erst dann wird es wirksam und funktionell, selbst wenn es nicht leicht zu verwirklichen ist.“ Als Chance sieht er die Digitalisierung des ÖPNV, denn sie erlaube eine flexiblere Gestaltung und Anpassung der Fahrzeiten. Insgesamt dürfe das Angebot nicht „so starr sein. Etwa bei der Mitnahme von Rädern oder in Stoßzeiten, wenn die Busse übervoll sind.“ Dr. Bartl Wimmer verwies im Vorgriff ebenso auf das autonome Fahren als zukunftsweisend.

Landrat Georg Grabner schränkte ein und erinnerte an winterliche Schneetage mit schlechten Straßenverhältnissen. Grenzen der Digitalisierung würden aktuell durch vertraglich verpflichtete Unternehmen gesetzt, die ganz einfach die Technik in den Bussen nicht umsetzen könnten. Viele der Verträge laufen bis 2028 informiert er. Möglichkeiten der Digitalisierung böten sich schon früher bei RVO und der Bahn an.

Franz Eder ( Bündnis 90 / Die Grünen) appelliert für eine bessere Einbindung der BLB (Berchtesgadener Landbahn) in die Überlegungen und Entscheidungsprozesse. „Wenn die Bahn wirklich das Rückrat des ÖPNV ist, dann sollten wir sie besser mit einbeziehen. Dringend nötig sind weitere Haltepunkte.“ Die Salzburger Lokalbahn etwa zähle zwischen Salzburg und Oberndorf ganze 13 Haltestellen. Georg Grabner räumt ein, dass weitere Stationen längst beantragt sind, sich die Umsetzung aber als extrem schwierig gestalte.

 

Was macht Bad Reichenhall als Alpenstadt so lebenswert?

Tourismus-Chefin Dr. Brigitte Schlögl im Gespräch mit der Redaktion

(gsp) Dr. Brigitte Schlögl, seit einem Jahr in der BGLT für die Marke Bad Reichenhall verantwortlich, gibt sich vorsichtig im Interview, wenn es um konkrete Marketing-Maßnahmen für die Alpenstadt geht und doch hat sie schon viel auf den Weg gebracht. Das Ergebnis der Umfrage zur „Einkaufsstadt Bad Reichenhall“, von Studenten der Universität Passau in der Region durchgeführt, hält sie noch unter Verschluss, möchte darüber erst den Stadtrat informieren. Regionale Schwerpunkte waren dabei Salzburg, der Pinzgau und der Chiemgau.

Salzburger schätzen die Alpenstadt

Soviel aber verrät sie schon, nämlich dass das Image der Kur- und Einkaufsstadt ‚bei den Salzburgern‘ wesentlich besser ist, als selbst bei vielen Einheimischen. Die inhabergeführten Geschäfte, die vielen Parks, die Fußgängerzone und auch die beschauliche Ruhe der lebenswerten Alpenstadt stehen hoch im Kurs. Und gerade darum möchte man die Werbung im nahen Salzburg verstärken, PR in den Salzburger Nachrichten, beim ORF und Salzburg-TV ausbauen.

Marketing der Stadt
und Tourismus gehören zusammen

„Das ist in eigentlichem Sinne kein touristisches Marketing, doch je mehr wir hier erreichen, die Kaufkraft in unserer lebenswerten Alpenstadt gestärkt wird, desto höher ist die Anziehungskraft bei den Gästen“, erklärt sie den Zusammenhang. Sie ist sich sicher, „dass die Verbindung von Stadtmarketing und dem touristischen Marketing zusammen gehören und nicht voneinander zu trennen sind.“ Als Beispiel nennt sie etwa den Adventrundgang und Christkindlmarkt, die 2019 unter ihrer Leitung und mit neuem Konzept vertieft werden sollen. Gleiches gilt auch für die “Klangwolke‘ oder das ‚Stadtlesen‘.

Die Alpenstadt tanzt in den Sommerabend

Tourismus und Stadtmarketing haben in Bad Reichenhall ein Gesicht, nämlich das von Dr. Brigitte Schlögl, hier vor dem Kurgastzentrum in Bad Reichenhall.

Die „Reichenhaller Klangwolke“ etwa ist ein Erlebnis der besonderen Art, das sich selbst in Salzburg herumgesprochen hat. Das Konzert des Philharmonischen Orchesters erklingt an einem lauen Sommerabend von 17 bis 20 Uhr in die gesamte Innenstadt, vor allem aber entlang der zwei Kilometer langen Fußgängerzone. Auf der Homepage der BGLT heißt es dazu überschwänglich. „Die Alpenstadt tanzt in den Sommerabend, zur schwungvollen Kurmusik der Bad Reichenhaller Philharmonie. Wenn im Königlichen Kurgarten die AlpenSole glitzernd in der Abendsonne am Solebrunnen am Gradierhaus zerstäubt, es überall grünt und blüht.“

Dabei spielt das Philharmonische Orchester nicht nur zur Klangwolke eine tragende Rolle. Es ist mit dem Staatsbad Bad Reichenhall seit 150 Jahren auf das Engste verbunden. Große Sinfonik in großer Orchesterbesetzung mit täglichem Konzertprogramm – das ist selbst in Bayern nahezu einzigartig.

Was hat Zukunft für Bad Reichenhall?

Es braucht Zeit, um mit allen Leistungsträgern Gespräche zu führen, Ideen aufzugreifen, auszuloten, abzuschätzen was davon Zukunft hat und in einem Konzept weiterverfolgt werden kann. „Ideen gibt es sehr viele denn Bad Reichenhall hat ein großes Potential“, so Dr. Brigitte Schlögl. Für sie beginnt jetzt, nach einem Jahr der Sondierung und erster Aktionen, die eigentliche Aufgabe. „Personell sind wir unterbesetzt und meine Arbeitskraft ist begrenzt, doch wir werden vieles anstoßen und auf den Weg bringen“, verspricht sie.

Leerständen den Kampf ansagen

So freut sie sich über die jüngste Schaufensteraktion  in der Diana-Passage. Dort werben im Großformat einige Motive der neuesten Fotos für die Vermarktung der lebenswerten Alpenstadt. „Leerstände und nackte Schaufenster sind unattraktiv, bieten aber eine gute Werbefläche. Und die neuen frischen Motive von Bad Reichenhall, die glückliche Menschen zeigen, sind eine Augenweide.“ Leerstände von Geschäften in der Reichenhaller Innenstadt will man engagiert angehen und abstellen. Einerseits mit der Gestaltung, aber auch durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsservice, der Unternehmerin und Unternehmer umfassend, individuell und vertraulich berät und begleitet.

Wo steht Bad Reichenhall
in zehn Jahren?

Man darf gespannt sein, wie es mit der Marke Bad Reichenhall als belebendste Alpenstadt weiter geht. „Aufschwung wird zunächst sicher der Neubau des Hotel Luisenbad und dessen Umfeld mit sich bringen, auch wenn wir während der Bauzeit zunächst verlieren“, ist sich Schlögl sicher. Weitere Hotelprojekte könnten folgen. Viel wird davon für die Zukunft Bad Reichenhalls abhängen.

Aufbauarbeit im Markenprozess

Ein Problem sei allein schon die Kommunikation. „Egal wie viel wir selbst im engen Kreis und bei den Mitarbeitern informieren, es wird nicht alles gelesen, die Flut der Informationen ist einfach zu groß“, beteuert sie. In Bad Reichenhall gibt es viel auszuarbeiten, nachdem die touristische Marke Bad Reichenhall von der BGLT (Berchtesgadener Land Tourismus) in den letzten 13 Jahren nicht beworben, und sich 2018 wieder neu erfinden musste. Aufbauarbeit, die Dr. Brigitte Schlögel leistet.

Frauensache und Bierpauschale

Aktuell sind für Bad Reichenhall online acht Pauschalen zu buchen (https://www.bad-reichenhall.de/alpenstadt-angebote), zwei davon sind neu. Mit dem Slogan „Bier & Salz, Gott erhalt’s“ will man in der Alpenstadt 2019 dem 400-Jahr-Jubiläum der Soleleitung gedenken, der ältesten Pipeline der Welt, und der 525-jährigen Tradition der regionalen Brauerei. Dr. Brigitte Schlögl hat darüber hinaus die weibliche Seite von Bad Reichenhall im Focus. ‚Frauensache‘ heißt das Reizwort und soll zum Shopping mit Stilberatung, zum Relaxen in der Therme, auf den Predigtstuhl, zum Besuch eines Konzertes oder des Casinos einladen.

Vitalität, Gesundheit und Regionalität

Es ist Teil der Vitaltät und Gesundheit als touristisches Kernangebot, das ebenfalls weiterentwickelt wird. Ein anderer Bereich ist das Thema Genuss und Regionalität. Seit Januar ist der neue Blog „Sophie kocht“ online, wo die BGLT regionale Produkte und Produzenten in den Focus eines Koch-Blogs stellen. Umgesetzt wird der Blog von den BGLT-Mitarbeiterinnen Sophie Lödermann und Franziska Kleinert (www.sophiekocht.de).

Salzburg ist ein
Magnet für die Region

Die Tourismus-Chefin schwärmt aber auch von der alpinen Landschaft, die sich in Richtung Salzburg und Rupertiwinkel öffnet, so dass nie ein Gefühl der Enge entsteht. Darüber hinaus ist Salzburg für Bad Reichenhall nicht nur ein interessanter Markt, sondern auch ein Magnet, vom Airport über die Innenstadt bis hin zur Messe, den Museen und kulturellen Veranstaltungen.

Fotos & Interview: Gerd Spranger