Was treibt heute den BHG-Vorsitzenden Johannes Hofmann um?

Bekenntnis an die Heimat und eine frische gesunde Küche

(gsp) Die jüngste Auszeichnung erhielt Johannes Hofmann, Vorsitzender der Dehoga Bayern/BGL 2018 auf der Münchner Reisemesse f.re.e. Er erhielt die „Medaille für besondere Verdienste um die bayerische Gastlichkeit“. Seit 32 Jahren ist er aktives Mitglied des Verbandes und seit 20 Jahren Vorsitzender im Berchtesgadener Land, in vielen Ausschüssen und Gremien vertreten und war bis 2008 auch Stadtrat in Bad Reichenhall. 

Beste Verbindungen von Bayern nach Quebec

Bis 2008 engagierte sich Johannes Hofmann auch als Stadtrat von Bad Reichenhall. Heute besucht er lieber den Christkindlmarkt vor dem Rathaus. Foto: Gerd Spranger

Man kennt ‚den Hannes‘, sein Rat ist geschätzt, im Landkreis, in München und weit darüber hinaus. Selbst in Quebec, im fernen Kanada, weiß man um seine Leidenschaft für eine frische gesunde Küche mit regionalen Produkten. Von 2001 bis 2015 gestaltete er maßgeblich viele Events, vom Winterkarneval über die 400-Jahr-Feier Quebecs bis hin zu einer bayerischen Note bei Kanadas größtem Bierfest. Zu seinen Gästen zählte der bayerische Ministerpräsident ebenso wie viele Vertreter der Staatsregierung bei der Anbahnung und Vertiefung touristischer Kontakte.

„Wir sind ein Teil der Region“

Seine Wurzeln aber hat er hier, im Berchtesgadener Land. So arbeitet Johannes Hofmann fast ein Jahrzehnt lang eng mit den Direktvermarktern zusammen und aktuell mit Dr. Peter Loreth, dem Leiter der Biosphärenregion Berchtesgadener Land. „Es geht um mehr als eine erhaltene Natur mit ihren ganzen Schätzen, es geht um die Region insgesamt, um die Kultur und ihre Wurzeln. Wir müssen uns als Teil dessen verstehen und das hat auch einen Bezug zu den bäuerlichen Produkten und solche, die daraus gefertigt werden. Das ist echt, unverfälscht und man spürt das Lebendige darin“, bekräftigt Hofmann.

Schon 2001 für die Alpenstadt engagiert

Wo immer sich Johannes Hofmann einbringt, er findet immer einen Bezug zu seiner Leidenschaft als Koch, interessiert sich für die größeren Zusammenhänge, kennt den Blick ‚von außen‘ und ist bestrebt, nötige Prozesse ‚im Inneren‘ anzustoßen. Schon 2001 war er beispielsweise ein einsamer Verfechter für eine starke Vermarktung Bad Reichenhalls als Alpenstadt, zu der sie in diesem Jahr ausgezeichnet wurde. Sein Engagement dafür aber fand keine Beachtung. Auch eine angestrebte Städte-Partnerschaft mit Sofia, eine eigene Delegation reiste dafür eigens nach Bad Reichenhall, überforderte die junge Alpenstadt. Erst 16 Jahre später entdeckt man diesen Titel wieder für sich. „Damals standen wir mitten in der Osterweiterung der EU und es hätte für eine solche Kooperation viele Fördergelder gegeben,“ ist sich Johannes Hofmann sicher.

Schwere Zeiten für Bad Reichhenhall?

Den besonderen Blick auf Bad Reichenhall, wo er sechs Jahre im Stadtrat saß, hat er bis heute behalten. „Es wird die Stadt schwer treffen, wenn das Hotel Luisenbad abgerissen wird. Einerseits wegen der langen Bauzeit – und das mitten in der Fußgängerzone -, zum Anderen aber, weil der Ort von einem Low-Budget-Hotel wenig profitieren wird. Die Gäste besuchen in Bayern drei, vier Destinationen, übernachten, frühstücken und fahren weiter zum nächsten touristischen Hotspot“, prophezeit Hofmann mit Blick auf den wachsenden Asientourismus. Auch das Tagungsgeschäft ist schwierig, wir haben nicht die passenden Hotels dafür“, ergänzt er.

Auf einmal brach die Existenz weg

Dabei hätte er allen Grund der Stadt den Rücken zu kehren. 2011 wurden Johannes und seiner Frau Marianne nach 16 Jahren die Pacht für das Hotel Hofwirt mit zwölfmonatiger Frist gekündigt. „Es musste alles schnell gehen, die Stadt wollte das Anwesen verkaufen,“ erzählt Johannes Hofmann ruhig, leidenschaftslos. Und doch war damit für ihn und seine Familie die Existenz weggebrochen. Bis heute steht das Haus leer, damals waren es Brandschutzauflagen, deren hohe Investitionen die Stadt zum Verkauf bewogen hatten. Verloren hat die Stadt damit einige hundert Stammgäste, 24 Arbeits- und Ausbildungsplätze und einen echten Vorzeigebetrieb guter bayerisch-regionaler Küche. „Ich bin heute froh, dass alle meine damaligen Angestellten übergangslos wieder in der Gastronomie beschäftigt wurden, auch die Lehrlinge konnten ihre Ausbildung beenden.“ Insgesamt wurden in dem Betrieb in all den Jahren 42 Lehrlinge ausgebildet, „alle haben bestanden“, freut sich Hannes noch heute.

Der Gesundheits-Gedanke kam nicht zu spät

Für Hannes war es mit 59 Jahren damals nicht leicht, sich eine neue und tragfähige Basis aufzubauen. Für seine fünf Jahre jüngere Frau aber war es noch viel schlimmer. „Sie hat die Hauptlast im Betrieb getragen, wenn ich auf Fortbildungen oder gastronomisch-touristischen Events war, manchmal über Wochen.“ Ein Gutes hatte das damals so abrupte Ende. „Ich war nach 30 Jahren Selbständigkeit in der Branche mit vielen Engagements, Verpflichtungen und sehr vielen Überstunden schon an einem Limit angelangt, vielleicht sogar kurz vor einem Burnout. So hatte das Ende beim Hofwirt auch sein Gutes und ich konnte eine echte Auszeit nehmen, bei der ich und meine Frau viele Reisen unternahmen, ohne zeitlichen Stress und Druck.“

Muss die Gastronomie abspecken?

Für die Hotellerie und Gastronomie sieht Johannes Hofmann heute vor allem im Hinblick auf den Mangel an Fachkräften und den fehlenden Berufsnachwuchs große Herausforderungen. Auch hier engagiert sich Hannes im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit in Traunstein in dem Bemühen Fachkräfte aus Osteuropa zu binden. Bei den Auszubildenden etwa fordert der DEHOGA Bayern aktuell die Abschaffung der Sachbezugsbesteuerung bei Auszubildenden und ist damit bei der bayerischen Staatsregierung auf offene Ohren gestoßen. Diese hat eine Bundesratsinitiative gestartet, die betriebliche Ausbildung durch eine steuerliche Entlastung attraktiver zu machen. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung und wir hoffen hier, trotz Widerstand bei ‚den Grünen‘, erfolgreich zu sein. Wenn sich die Situation für die Branche nicht verbessert, werden Betriebe ‚abspecken‘ müssen und das wird auch zu Lasten der gepflegten traditionellen Bayerischen Gastlichkeit gehen.“

Bilder vom Staatsempfang in Quebec im Jahre 2008 mit Ministerpräsident Beckstein und Premierminister Jean Charet von Quebec anlässlich der 400 Jahrfeier. Bild mit Gastronom Wolfgang Spiesberger aus Berchtesgaden. Die Ministerpräsidenten bei der Arbeit beim Anschneiden der Torte im bayerischen Küchenoutfit.

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