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Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden für den Landkreis?

Branchenvertreter mit klarem Statement  Wirtschaftshilfe BGL zeigt sich zögerlich

Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger
Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, schweigt noch zu den aktuellen Zahlen des Wirtschaftseinbruchs im Landkreis. Fotos: Gerd Spranger

Wie hoch ist der Schaden für den Tourismus mit den betroffenen Branchen von Hotellerie, Gastronomie, Handel und Freizeiteinrichtungen – von den Thermen bis zu den Bergbahnen – nach sechs Monaten Stillstand. Wie stellt sich die wirtschaftliche Lage im Landkreis dar, wollten wir als Redaktion wissen. Erster Ansprechpartner in der Region ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises. 

Sie unterstützt nach eigener Aussage mit einem Team von elf Mitarbeitern „Unternehmerinnen und Unternehmer umfassend, individuell und vertraulich“. Vor vier Wochen baten wir um aktuelle Zahlen, bis heute könne man dazu keine Angaben machen, „man wisse es ganz einfach nicht, arbeite aber daran“, ließ Geschäftsführerin Dr. Anja Friedrich-Hussong ausrichten. Jetzt steht endlich ein Termin fest. Wir haben uns vorher bereits umgehört.

Keiner nennt das Ausmaß
der Kollateralschäden

Interessiert hätte uns, wie hoch der Wirtschaftseinbruch für den Landkreis im Jahr 2020 ausfällt. Deutschlandweit sollen es fünf Prozent gewesen sein, in unserer vom Tourismus geprägten Region dürfte er höher ausfallen. Nach dem Wegfall des Weihnachtsgeschäftes bleiben im neuen Jahr für viele Unternehmer die Türen geschlossen. Sie dürfen nicht aufsperren, nicht vermieten und auch keine Gäste befördern oder bewirten. Ein Jahresumsatz von 487 Millionen Euro im Jahr 2019, laut Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif), zeigt die Bedeutung der Branche für das Berchtesgadener Land. Tourismusmanagerin Dr. Brigitte Schlögl bezifferte den Umsatzausfall für den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 bereits mit rund 50 Millionen Euro für den Landkreis.

Einbruch von 36 Prozent

Dehoge-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann

„Ein überaus starker Sommer verhinderte zwar das Schlimmste“, bekennt Dehoga-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann, „die Reisen ins Ausland waren ja nur erschwert möglich, doch die Einbrüche im Landkreis liegen zwischen 16 und 36 Prozent, je nach Region.“ So verlor Berchtesgaden im Jahr 2020 knapp 370.000 Übernachtungen und Bad Reichenhall mit Bayerisch Gmain 353.000 Übernachtungen. Für Bad Reichenhall aber bedeutet dies bei insgesamt nur 958.000 Nächtigungen ein Minus von 36 Prozent. Die fünf südlichen Landkreisgemeinden brachten es 2019 auf 2,27 Millionen Nächtigungen. Dazu verzeichnete der Landkreis jährlich noch knapp sechs Millionen Ausflugsgäste, die seit Oktober 2020 weitgehend ausbleiben. Je Tagesgast wird ein Umsatz von 24,80 Euro zugrunde gelegt.
Ein aktuelles pdf dazu hier: dwif-wirtschaftsfaktor-tourismus-bgl

Rücklagen aufgebraucht – 
Griff nach der Altersvorsorge

Wieninger Schwabenbräu überbrückt mit einem Außer-Haus-Verkauf.

Wie hoch der angerichtete Schaden dabei ist, kann auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Berchtesgadener Landes aktuell nicht benennen. Wie viel Unternehmerinnen und Unternehmer haben ihre Rücklagen aufgebraucht, teilweises sogar ihre Altersvorsorge investiert? Wie viele „arbeitslose Selbständige“ zählen wir im Landkreis? Wie viele Fachkräfte wenden sich von der Branche ab? Zu all dem gibt es keine Angaben und gerade sie wären zur Beurteilung der Lage wichtig. Erschwerend wirken sich darüber hinaus die verzögerten Hilfen aus. „Erst wenn klar ist was bei den Betrieben ankommt, kann man Bilanz ziehen und das kann noch dauern“, gibt Johannes Hofmann zu denken.

Wirte leben von Hartz IV
Tourismus ohne Zukunft

Tische stehen auf der Bergstation der Jennerbergbahn keine mehr, auch Gäste bleiben seit einem halben Jahr aus. Der Betrieb musste schließen.

Er macht sich Sorge um die Zukunft der Branche: „Ich kenne erste Wirte die Hartz IV beziehen und erste Köche und Servicekräfte die in die Verwaltung, das Handwerk oder in die Dienstleistungsbranche wechseln.“ Noch vor einem Jahr zeichnete sich die Tourismusbranche durch Innovation, Internationalität, Wachstum und einen guten Ruf aus. Das ist jetzt nachhaltig vorbei, „wer will in einer unsicheren Branche noch seine berufliche Zukunft investieren?“ fragt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Selbst Landrat Bernhard Kern, der die negativen Auswirkungen für das Berchtesgadener Land fürchtet, zeigt sich laut seiner jüngsten Pressemeldung „fassungslos über die jüngsten Beschlüsse der Staatsregierung“, sieht die Belange des Landkreises nicht berücksichtigt.

Wo bleiben
die Gelder und Hilfen?

Zu der wirtschaftlich angespannten Situation der Branche kommt noch die schleppende Auszahlung versprochener Hilfen. Hannes Lichtmannegger vom Hotel Rehlegg in der Ramsau, und mit ihm auch alle anderen betroffenen Unternehmen im Landkreis, können erst jetzt im März die Oktoberhilfe beantragen. „Und dabei haben wir aufgrund der Zwangsverordnung des Landkreises über Nacht bei Vollbelegung alle Gäste nach Hause schicken müssen“, erinnert der Hotelier. Für den gesamten Zeitraum von Oktober bis November seien bislang nur 150.000 Euro Überbrückungshilfe geflossen, bei einem Umsatzausfall von zwei Millionen Euro.

Nicht jeder
bekommt einen Kredit

Auch bei der Rupertustherme in Bad Reichenhall „geht nichts mehr“. Parkplatz und Therme sind seit sechs Monaten geschlossen.

“Die Hilfen für November wurden erst im Februar ausbezahlt und für Dezember und Januar sind ebenfalls noch keine Gelder angewiesen“, ergänzt er. Zudem müsse er als Unternehmer das Kurzarbeitergeld für die Angestellten am Monatsanfang ausbezahlen, bekommt es aber erst drei, vier Wochen später wieder erstattet, abzüglich des Arbeitgeberanteils. „Ich schätze mich heute glücklich, dass ich sofort das Gespräch mit meiner Hausbank gesucht habe und sie mir für diese schwere Zeit einen großzügigen Kredit gewährte. Den muss ich natürlich wieder zurückzahlen, größere Investitionen in den Betrieb sind damit für die nächsten Jahre erst einmal gestoppt“, bekennt Hannes Lichtmannegger. Nicht alle Hoteliers und Gastronomen dürften in dieser glücklichen Lage sein. „Bei Pachtbetrieben oder jungen Unternehmen wird es nur bedingt Kredite geben, um sich über diese Monate zu retten“, räumt Johannes Hofmann ein. „Die Situation vieler Betriebe wird zunehmend äußerst kritisch, weder ein Aufatmen durch Umsätze während der Weihnachtszeit, noch die Winter- und Skisaison konnten die schreckliche Situation in den Betrieben verbessern“, führt er in einem persönlichen Schreiben als Dehoga-Kreisvorsitzender an den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aus.

Klare Ansage der Bürgermeister

An ihn wandten sich bereits am 15. Februar alle fünf Bürgermeister des südlichen Landkreises sowie Dr. Bartl Wimmer, Vorsitzender des Zweckverbandes Tourismusregion Berchtesgaden- Königssee, und die Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen und vom Markt Oberstdorf. Sie bezeichnen den Tourismus in der Alpenregion für eine stabile Wirtschaftslage als unverzichtbar und warnen vor der Abwanderung von qualifizierten Fachkräften, denn „die Qualität in den touristischen Betrieben hängt stark von geeignetem Personal ab.“ Zudem „stößt eine mangelnde Planungsperspektive Gäste ab. Buchungen erscheinen unsicher und werden vermieden.“

Nichts für Ferienwohnungen

Sie appellieren bereits im Februar an den Ministerpräsidenten Markus Söder, Beherbergungsbetriebe, Gastronomie und Ausflugsziele gleichzeitig zu öffnen, denn „sonst verliert der Aufenthalt in der Urlaubsregion zu stark an Attraktivität.“ Ein in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommener Aspekt der Lockdowns ist die Schließung von nichtgewerblichen Privatvermietern und Ferienwohnungen. Die Bürgermeister treten auch für sie ein. „Sie zahlen wie jeder andere Betrieb Steuern und Gebühren, erhalten aber trotz großer Umsatzeinbußen keine finanziellen Hilfen.“

175 Jahre Badekurort Reichenhall mit Symbolcharakter

1844 nahm die damals völlig neu erbaute Alte Saline ihren Betrieb auf. Die Anlage bildet zudem den Kern des Ensembles Alte Saline, der Ensembleschutz umfasst neben der Alten Saline auch die Salinenstraße, den Beamtenstock, den Oberen und Unteren Lindenplatz sowie den Feuerwachturm auf dem Gruttenstein.

Die Stadt will nun auf ein 175-jähriges Jubiläum als Badekurort zurückblicken und macht dies an der Öffnung der „Sole- und Molkekuranstalt Achselmannstein“ im Jahre 1846 fest. Der Salinenarzt Dr. Osterhammer verabreichte aber bereits 1822 in Bad Kirchberg mit Sole vermischte Bäder. Man könnte also ebenso nächstes Jahr ein 200-jähriges Jubiläum der Solebäder in Bad Reichenhall feiern. 1846 aber schien den Verantwortlichen wohl passender, da 12 Jahre nach dem verheerenden Stadtbrand die Stadt erneuert wurde, im Zentrum die Anlagen der Alten Saline, die unter König Ludwig I. einen großen Förderer fanden. Das Stadtbild wandelte sich, mehr und mehr verschwand die alte Salinenstadt. 

Die Kuranstalten von Bad Reichenhall sind längst Geschichte. Sie standen in Besonderer Weise für die Tradition der Kur in der alten Badestadt.

Vielleicht aber steht das ehemalige Grandhotel Axelmannstein ja symbolisch wirklich für eine über 175-jährige Badetradition in Reichenhall, den Titel Bad erhielt die Stadt erst 1890. Das einst so stolze Anwesen, die viel beschworene Wiege des Staatsbades, ist heute baufällig und bröckelt vor sich hin. Der Glanz der alten Tage ist längst vergangen und eine Modernisierung wird seit Jahrzehnten immer weiter hinausgezogen. Ob sie jemals kommt, dürfte in Zeiten, in denen die Regierungen dieser Welt Hotellerie und Tourismus gewaltsam zum Erliegen bringen, fraglich sein.

Bad Reichenhall:
Aufbruch oder Niedergang?

Gewaltsam zum Erliegen kam das blühende Staatsbad bereits während zweier Weltkriege und der großen Welt-Wirtschaftskrise, erinnert der Reichenhaller Stadtarchivar Dr. Johannes Lang. Die von ihm beschworene Aufbruchstimmung ließ dann bis in die 60er-Jahre auf sich warten und hielt dreißig Jahre lang. Dann kam das jähe Ende durch die Gesundheitsreform unter dem heutigen CSU-Innenminister Horst Seehofer und mit ihnen ein Ende der Offenen Badekur. In der Folge schlossen ein Dutzend privater Pensionen und die Zahl der Übernachtungen erreichte Nachkriegsniveau, sie sank von 1,6 Millionen auf unter 800.000. Einst so stolze Kuranstalten, wie etwa das Victoriabad oder das Staatlich Städtische Kurmittelhaus – insgesamt gab es ein halbes Dutzend – sind alle verschwunden. Besonders sie standen für die lange Tradition der Kur in Bad Reichenhall. Ein Niedergang, der sich bis zur Jahrtausendwende hinzog und nur sehr langsam erholte sich die Badestadt von diesem Schlag, suchte neue Wege der Vermarktung und neue Zielgruppen zu gewinnen.

Bad Reichenhall:
Eigenvermarktung scheiterte

2005 dann erfolgte unter der Leitung von Gabriele Deml, zuvor 9 Jahre lang Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins in Bad Reichenhall, die Gründung der BGL-Tourismus GmbH, die fortan den gesamten Landkreis vermarkten sollte. Bad Reichenhall verzichtete damit auf die Eigenvermarktung, man könnte auch den Schluss ziehen, dass sie damit gescheitert ist und sich der gewünschte Erfolg nicht einstellte. Heute, 15 Jahre später zerbricht auch diese Organisation. Wobei Bad Reichenhall, wohl im Geld zu sparen, mit Dr. Brigitte Schlögl, die Leiterin der Tourismusorganisation, gleich mit dem Stadtmarketing beauftragte. Ob Stadtmarketing oder touristische Vermarktung, für die Stadtoberen scheint es da kaum Unterschiede zu geben, nach dem Motto, wer schon vor der Haustür des Nachbarn kehrt, der kann ja das eigene Haus gleich mitbestellen.

Wer soll jetzt Millionen investieren?

Und jetzt, wo seit vier Monaten und auf unabsehbare Zeit die Hotels und die gesamte touristische Infrastruktur zwangsweise geschlossen wurden, wie etwa die Rupertustherme oder die Predigtstuhlbahn, hofft man auf neue Projekte. Zudem warnen politische Stimmen bereits vor einem neuen Lockdown im Herbst und vor weiteren schrecklichen Corona-Mutationen, die das Volk in Angst und Schrecken versetzen sollen. Wer möchte da noch Millionen investieren? Ja, Bad Reichenhall hat sich wahrlich ein gutes Symbol für seine 175-jährige Badetradition ausgesucht. Ein altes Hotel, dem die Kraft und Innovation zur Modernisierung fehlt. Wer mag es ihm verdenken, in Zeiten wie diesen.

MERIAN bringt neues Salzburg-Magazin

Mit 36,2 Prozent Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr muss auch Salzburg den wohl stärksten Rückgang seit dem zweiten Weltkrieg hinnehmen. Umso mehr freuen sich die Tourismus-Verantwortlichen über das neue Merian-Heft und hoffen auf bessere Zeiten. Ob aber bereits der Februar eine Trendwende bringen kann, ist kaum vorstellbar.

Wenn Ausflüge nach Salzburg wieder möglich sind, freuen sich schon viele Menschen auf einen Besuch der Altstadt oder einen Spaziergang über den Kapuzinerberg oder den Mönchsberg. Foto: Gerd Spranger

Umso größer ist die Freude über die Präsentation in Deutschlands Reisemagazin, das Salzburg als Top-Destination auf 132 Seiten vorstellt. Das MERIAN Salzburg ist jetzt im Handel erhältlich, erzählt von Klassikern wie Mozart und den Festspielen, aber auch von urigen Geschäften und dem Andräviertel als Szenetreff. Salzburger Gastronomen und Künstler liefern Einblicke in ihren Alltag und Felix Gottwald präsentiert seine Lieblingsplätze im Salzburger Land.

Bereits die siebte Ausgabe
für Salzburg

Für MERIAN ist es die insgesamt siebte Ausgabe über die Stadt, die letzte erschien zum Mozartjahr 2006. Die erneute Ausgabe bestätigt, dass Salzburg als internationale Kulturmetropole und „Dauerbrenner“ wahrgenommen wird. Die hervorragend recherchierten Geschichten und die hochwertige Aufbereitung rücken die vielseitigen Pluspunkte Salzburgs in den Fokus. Die Reichweite beträgt rund 730.000 Lesern im deutschsprachigen Raum.

Wichtige Inspiration fürs Reisen

„Dieses Magazin erscheint in einer Zeit, in der wir von Reisen nur träumen können“, so Bürgermeister Harry Preuner. „Ich bin aber sicher, dass wir in vielen Köpfen Lust auf Salzburg machen.“ Tourismuschef Bert Brugger freut sich, dass die Chefredaktion an ihn und sein Team herangetreten ist. „Viele Recherche- und Fototermine mussten durch die Lockdowns unter schwierigen Bedingungen stattfinden. Umso schöner ist es, dass wir das fertige Magazin nun in Händen halten können.“ Brugger sieht in der MERIAN-Ausgabe außerdem eine Fortsetzung der medialen Präsenz Salzburgs, wurden doch im Jahr 2020 die Salzburger Festspiele, die „Sound of Music“-Tour von Stefan Herzls Panorama Tours sowie die Stadt als Kulturmetropole ausgezeichnet.

Das MERIAN Magazin – führende Reiseliteratur im deutschsprachigen Raum

Das Magazin mit Sitz in Hamburg wurde 1948 gegründet und erscheint monatlich. Vorgestellt werden Nationen, Regionen oder Städte, die eine historische, politische, kulturelle oder touristische Sonderstellung haben. Die Themenpalette reicht von Geographie über Wirtschaft und Politik bis Kunst, Kultur und Gastronomie. Die Bilder für jede Ausgabe werden von renommierten internationalen Fotografen aktuell und vor Ort aufgenommen.

Niedergang des Tourismus in Bayern?

Gastronomie & Hotellerie zu Freizeiteinrichtungen geschlossen – Handel in den Städten vor massiven Problemen

– Im Gespräch mit Johannes Hofmann, Kreisvorsitzendes des DEHOGA-Bayern –

Zahlt der Staat ist alles gut? Diese Frage stellt der Kreisvorsitzendes des DEHOGA-Bayern, Johannes Hofmann, im Berchtesgadener Land. Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern sollen vom Staat pauschal 75 Prozent ihres im November 2019 gemachten Umsatzes erhalten. Der von der Politik inszenierte Lockdown-Light soll damit in der Gastronomie und Hotellerie abgefedert werden, um so Betriebsschließungen zu vermeiden. „Das klingt zunächst sehr großzügig und hilft den Betrieben ‚das Schlimmste‘ zu verhindern“, so Hofmann. Doch er bewertet den gesamtwirtschaftlichen Schaden sehr hoch. „Die ganze Zulieferkette, vom Bäcker bis hin zu den Zulieferbetrieben wie Brauereien und der Lebensmittelhandel bleiben auf der Strecke. Was ist mit unserem Personal und vor allem den Auszubildenden? Auch sie sind von dem Lockdown betroffen. 

Weihnachtsfeiern abgesagt

Johannes Hofmann vor dem Rathaus in Bad Reichenhall, in dem er als Stadtrat auch Jahre aktiv war.

Wie sollen wir verhindern, dass gute Mitarbeiter, die mit reduziertem Gehalt (Kurzarbeit) und Teilzeitbeschäftigung sowie Jobverlust rechnen müssen, der Branche den Rücken kehren oder in weniger betroffene Regionen zum Arbeiten abwandern?“ Und auch ein Zweites treibt den DEHOGA-Vorsitzenden um. „Im Sommer kamen viele Gäste, die sonst im Ausland ihren Urlaub verbringen, in das Berchtesgadener Land und waren begeistert“, weiß er aus vielen Gespräche mit seinen Kollegen. „Im Oktober mussten sie aufgrund der Verfügung des Landratsamtes über Nacht abreisen. Der positive Effekt, den wir nach dem ersten Lockdown für unsere Region verzeichnen konnten, wird so wieder leichtfertig auf’s Spiel gesetzt. Dazu kommt die Angst“, so Hofmann, „dass es im Dezember nicht besser wird, das gesamte Weihnachtsgeschäft wegbricht. Die vielen, für die Branche so wichtigen Weihnachtsfeiern der Betriebe, haben wir bereits absagen müssen.“ Hat die Politik über das Ziel hinausgeschossen?

Eine verunsicherte Branche

Die Verunsicherung der Branche sei bei Gastgebern wie bei potenziellen Gästen riesig. So habe der überstürzte Shotdown im Landkreis eine hohe Stornierungswelle ausgelöst. „Der Staat wird die Schließung der Betriebe auf Dauer nicht finanzieren können. Wir brauchen ein tragfähiges Konzept für den Tourismus, bis hin zu den Freizeiteinrichtungen. Kein Gast wird anreisen, wenn die gesamte Infrastruktur, von den Bergbahnen, über die Schifffahrten bis hin zu den Museen, Bädern und Thermen geschlossen bleiben“, fordert Johannes Hofmann.

Perspektiven für unternehmerisches Risiko

Ausschlaggebend für die Zukunft werde es sein, „dem Tourismusgewerbe wieder bessere Bedingungen zur Erwirtschaftung von Profiten zu ermöglichen, hier ist die Politik gefordert. Nur dann werden Betriebe auch ein gewisses unternehmerisches Risiko wagen. Das heißt Ausbildungsplätze schaffen und in die Betriebe investieren, was wiederum dem Fiskus ein Vorteil sein wird“, bekräftigt der DEHOGA-Kreisvorsitzende. So habe etwa das Hotelgewerbe beim reduzierten Steuersatz auf Übernachtungen wieder den nötigen Raum für Investitionen gewonnen.

Motivation ist schwindend

Für Johannes Hofmann gehe die Rechnung nur bei einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive auf. Es würden alle gewinnen, die Gastronomie und Hotellerie, die Urlauber, der Einzelhandel und das Handwerk. Letztlich profitiere der Staat selbst durch höhere Steuereinnahmen. „Das ganze personalintensive ortsgebundene Gewerbe braucht diesen reduzierten Steuersatz anhand der fürchterlichen jetzigen Situation dringend“, so Hofmann. Die Motivation, die Unternehmen überhaupt weiterzuführen, sei schwindend.

Sein Appell an die Politik: „Der Tourismus in Bayern funktioniert ohne bayerische Gastronomie nicht. Mittelstand und Handel gehen Hand in Hand mit dem Tourismus. Was der Politik der Mittelstand wert ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Anscheinend wurde vergessen, wer das stabile Rückgrat der Finanz und Wirtschaftskrise war. Politiker aller Couleur denkt darüber nach.“

Mit Merkel und Söder eiskalt in die Zukunft

K O M M E N T A R

Irgendwo müssen wir ja anfangen, sagen sich viele Menschen, wenn sie vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe stehen. In Aktion zu kommen, Dinge anzupacken hilft, ist besser als Stillstand und schweigendes Abwarten. Was aber wenn auf Staatsebene genau so agiert wird? „Irgendwo müsse man ja anfangen, denn man brauche eine Reduzierung der Kontakte um 75 Prozent“, erklärt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder öffentlich. Nach acht Monaten Erfahrung mit dem Virus Covid19 gibt es kein Konzept ihm zu begegnen. Hilflos müssen hochbezahlte Virologen und Politiker zusehen, wie die Infektionsraten immer weiter nach oben steigen. Das ‚Allheilmittel‘ einer Impfung ist noch in weiter Ferne.

Kann Bayern ohne Tourismus, ohne Gastronomie und Hotellerie überleben? Nichts als nackte Landschaft mit (v.l.) Zwiesel, Hochstaufen und Fuderheuberg.

Die Gastronomie und Hotellerie, die Freizeitwirtschaft und der Tourismus werden zum Bauernopfer, denn wo sonst sind eine Reduzierung von Kontakten um 75 Prozent möglich. Das Zentrum unseres gesellschaftlichen Lebens bricht weg und mit ihm wohl auch der Handel in den Innenstädten. Österreich geht mit Kanzler Kurz noch einen Schritt weiter. Um eine Verlagerung von Treffen in privaten Räumen zu verhindern, wird kurzerhand eine Ausgangssperre von 20 bis 6 Uhr verhängt. Das kennen wir in Europa nur noch aus Kriegszeiten. Wir der Kampf gegen den Virus zu einem Krieg gegen das eigene Volk? Der Mediziner und SPD-Abgeordnete Lauterbach fordert Kontrollen in privaten Wohnungen, um die weitere Verbreitung von Covid19 zu unterbinden.

Masken und Abstand halten wird seit Monaten verlangt, bei Missachtung drohen hohe Strafen. Ob in Geschäften oder im Freien. In den deutschen Innenstädten patrouillieren dafür eigens Polizeistreifen, die Gesundheit der Nation sei in Gefahr. Allein geholfen hat es nichts. Beim Einkaufen, in geschlossenen Räumen und bei Menschenansammlungen mag es als Vorsichtsmaßnahme ja noch angenommen werden. Im Freien, bei genügend Abstand zu den Mitmenschen, entlarvt sich das Tragen von Masken als völlig sinnentleert, doch die Politik macht mit, fordert es sogar. Ein Offenbarungseid an Ratlosigkeit und auch nach achtmonatiger Pandemie mit dem Virus Covid19 von Konzeptlosigkeit.

Ausgerechnet jene Branchen trifft es jetzt, die mit angemessenen Schutzkonzepten vorbildlich handelten. Könnte es sein, dass die Politik einen gefährlichen Irrweg einschlägt, hin zu einem totalitären Überwachungs- und Verbotsstaat? Wie kam es dazu? Wie kann es sein, dass unser Land seit Monaten am Parlament vorbei regiert wird und Notverordnungen nach 87 Jahren wieder ein Renaissance in Deutschland erleben? Haben wir aus der Geschichte nichts gelernt? Sind zweifelhafte einfache PCR-Tests ohne Bestätigungstests eine Grundlage, um gar mit einer „nationalen Gesundheitsnotlage“ zu drohen? Verzeichnen wir in Deutschland wirklich eine sprunghafte Überbelegung der Intensivbetten im Vergleich mit den entsprechenden Zeiträumen der Vorjahre? Welche Rolle spielt die WHO?

Die WHO definierte im April 2009 ganz neu, was als Pandemie zu gelten habe. Bis dahin war nämlich eine „ beträchtliche Zahl von Toten“ zur Ausrufung einer Pandemie und nicht so sehr das Infektionsgeschehen maßgeblich. Unter dem Eindruck der H5N1-Vogelgrippe 1997 und später der Schweinegrippe hatten weite Kreise der Pharmaindustrie ein hohes Interesse andere Faktoren in den Blickpunk zu rücken. Und heute stellt sich mehr wie jemals die Frage, ob allein das Infektionsgeschehen und düstere Prognosen als Grundlage eines Lockdowns wirklich geeignet sind und dem Wohl des Volkes dienen. Eines ist bereits heute klar. Die sich daraus ergebenden Schäden für Wirtschaft und Gesellschaft gehen in hohe Milliardenbeträge. 500.000 Arbeitsplätze und selbständige Erwerbsgrundlagen werden vernichtet, die Zahl der Kurzarbeit bewegt sich zwischen vier und sieben Millionen Menschen. Weitere Schäden an Gesundheit und Wohl der Menschen sind nicht abzusehen.

Man möchte dem bayerischen Ministerpräsidenten gerne zurufen, „es ist Ihre Aufgabe den Nachweise zu erbringen, dass in der Gastronomie und Hotellerie eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht.“ Noch gilt auch in Deutschland der Rechtsgrundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“. Konsequenter Weise müsste demnach ebenso die Bundeswehr, wie auch große Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten schließen. Sie sind ein Born der Infektionen. Lieber aber zeigt man gegenüber den kleinen Unternehmen harte Kante, ist der starke Mann in Bayern. Im Übrigen, Herr Ministerpräsident, ist es eine medizinische Unmöglichkeit, symptomlos erkrankt zu sein.

Das Gewerbe wehrt sich

Die am 20. Oktober vom Landratsamt erlassene Allgemeinverfügung kommt zumindest aus touristischer Sicht, aus der Perspektive des Hotel- und Gaststättengewerbes und des Handels einem Lockdown des Berchtesgadener Landes gleich. Aktuell wehrt sich die Branche gegen die Verfügung und Michael Rupin, Vorsitzender der Reichenhaller Unternehmerforum e.V. (RUFO), vormals: Handels und Gewerbeverein Bad Reichenhall und Umgebung e.V., hat eine Klage gegen die Verfügung initiiert. Hier sein Schreiben im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bedanken uns für die bisherige Berichterstattung und wie zugesagt, übermitteln wir Ihnen im Anhang die Klage, den Eilantrag und besonders wichtig auch die Liste der 150 Betriebe welche mit ihrer Stimme und mit Ihrem Firmennamen diese Klage solidarisch unterstützen! Es ist kein einzelner, der hier wie Don Quijote gegen Windmühlen kämpft, es ist das Unternehmertum und es sind die Bürger eines ganzen Landkreises welche aufstehen und ihre demokratischen Mittel nutzen!

Sei es mit stummen Protesten vor den geschlossenen Schulen und Kindergärten, sei es dass die Bedürftigen mit der übrig gebliebenen Ware aus der Gastronomie unterstützt werden, oder sei es mit dem, dass wir letztendlich als Gemeinschaft diese Klage und den Eilantrag beim bayerischen Verwaltungsgericht eingereicht haben!

Wir haben bewusst als Kläger, einen mittelständischen Betrieb der Hotellerie/Gastronomie ausgesucht! Denn wenn Sie sich die Struktur der Beherbergungsbetriebe im Berchtesgadener Land genauer anschauen, werden Sie feststellen dass wir sehr große und sehr gute Hotels mit internationalen Renommee haben, jedoch noch viel mehr mittelständische und kleine Unternehmen.

Oftmals wird nur das Schlaglicht auf die ganz großen gerichtet und die anderen bleiben im Halbschatten. Wir haben bewusst dieses Zeichen gesetzt, dass es einer aus der Mitte ist, der letztendlich genau die gleichen Schwierigkeiten hat wie die ganz großen Unternehmen, oder wie die ganz kleinen. Denn fast jedes Hotel, jeder Gastronom, der direkt von diesen Maßnahmen getroffen ist, kämpft ums finanzielle Überleben.

Ums Überleben kämpfen auch viele andere Betriebe im Landkreis, welche zwar offiziell von der Allgemeinverfügung nicht oder nur leicht getroffen sind, jedoch in Wirklichkeit vor dem existenziellen Aus stehen.

Selbst wenn es jetzt irgendwann eventuell staatliche Hilfsmaßnahmen gibt, wer soll das noch finanzieren, wenn nicht nur im Berchtesgadener Land sondern eventuell sogar bayern- oder bundesweit, dem Rückgrat der deutschen Steuerkraft, den heimischen Betrieben ins Herz getroffen wird?

Wir bedanken uns für die weiterhin sachliche und abwägende Berichterstattung.

Mit vielen Grüßen aus dem Berchtesgadener Land / Mike Rupin

Michael Rupin / 1. Vorsitzender
Reichenhaller Unternehmerforum e.V. (RUFO)
Vormals: Handels und Gewerbeverein Bad Reichenhall und Umgebung e.V.

Folge uns auf facebook: https://www.facebook.com/rufo.reichenhall/
Homepage: https://www.reichenhaller-unternehmerforum.de/rufo

Der Königssee ist einfach anders

Fjordartig schlängelt der See sich zwischen den steil abfallenden Felsen hindurch – Fotos: Gerd Spranger

Marcus Weisbecker ist seit dem Jahr 2000 Prokurist der Bayerischen Seenschifffahrt die auf dem Tegernsee, Starnberger See, Ammersee und vor allem auf dem Königssee Fahrgastschifffahrt betreibt. Der Königssee ist für den gebürtigen Bad Reichenhaller aber in mehrfacher Hinsicht ein ganz besonderer See. Eingebettet zwischen Watzmann, Hagengebirge und Steinernem Meer und mit einer Tiefe von bis zu 200 Metern verleiht er dem Nationalpark Berchtesgaden eine einzigartige Prägung. Es führt keine Straße oder Bahn nach St. Bartholomä oder weiter zum Obersee. Die Welt scheint hier ihr Ende gefunden zu haben.

Seit 110 Jahren fahren Elektroboote

Prokurist Marcus Weisbecker vor dem Ensamble der Bootshäuser

Die sanfte Technik eines Elektroantriebes für die Boote, wie sie seit 110 Jahren über den See fahren, trägt dieser besonders naturnahen Beziehung Rechnung. Gemächlich und ruhig befahren die 19 Schiffe den Königssee mit einer Kapazität von jeweils nur 80 Personen. Das setzt Grenzen und von Juli bis September spüren die Besucher das an längeren Wartezeiten, selbst wenn die Schiffe im 6-Minuten-Takt ablegen. Für den Erhalt von Natur und der Idylle des Alpennationalparks bleibt es aber die bessere Perspektive und es gibt keine Alternative dazu, wie Marcus Weisbecker ausführt.

„Der Nationalpark setzt Grenzen“

Jährlich bis zu 700.000 Menschen überqueren den See mit den Elektrobooten.

„Das Ensemble unserer Bootshäuser steht unter Denkmalschutz und wir könnten dort weder mehr, noch größere Schiffe unterbringen. Aber selbst wenn es ginge, etwa durch den Einsatz großer und schnellerer Schiffe mit Dieselantrieb, setzt der Nationalpark hier klare Grenzen und das ist auch gut so. Wir würden dieses Naturjuwel damit zerstören. Die zeitlose Majestät der Bergwelt mahnt uns zu einer gesunden Bescheidenheit. Entschleunigung ist das moderne Attribut dafür – Zeit haben und sich Zeit nehmen.“ Die Schiffe werden zudem komplett in der eigenen Bootswerft am Königssee gefertigt und dort auch gewartet. Die Bayerische Seenschifffahrt am Königssee ist je nach Saison für 70 bis 100 Menschen ein verlässlicher Arbeitgeber.

„Der See ist für alle da“

Sehnsuchtsort St. Bartholomä mit der Watzmann-Ostwand. Nur selten bleibt es ruhig während der Sommermonate.

„Einmal hatten wir den Versuch gestartet ab 14.00 Uhr keine Tickets mehr auszugeben. Sie glauben nicht was da los war, die Leute sind ja fast handgreiflich geworden. Ein Besucher beteuerte, dass er nach einer dreistündigen Anreise aus München es einfach nicht glauben kann, dass es jetzt keine Überfahrt mehr gibt.“ Natürlich könne man auch über den Preis die Zahl der Besucher reduzieren und die Fahrten deutlich teurer machen. „Das wollen wir aber nicht. Es würde die Falschen, nämlich Familien mit Kindern, treffen. Und der See ist für alle da, nicht nur für jene, die sich mehr leisten können.“

Zu lange beim Frühstück,
zu spät am See

Ein neues Schiff, etwas länger und etwas größer, wartet auf seine Fertigstellung. Bis zu 120 Gäste kann es aufnehmen.

Eine andere Ursache für die Rush-Hours sieht der Prokurist in den heute üblichen großen Frühstücksbuffets der Hotels. „Heute buchen viele Halbpension, stehen etwas später auf, frühstücken reichlich und landen dann gegen elf Uhr bei uns an. Dann wird es natürlich eng am Schalter und ebenso bei der Rückfahrt, wenn zwischen 16 und 17 Uhr alle gleichzeitig fahren wollen. Es ist auch die Zeit in der viele Bergsteiger zusteigen. Auch können an den Stegen in St. Bartholomä und am Salet nur zwei Boote gleichzeitig festmachen. Die Grenzen des Machbaren sind eng gesetzt.“

Viele Besucher
unterschätzen den Zeitfaktor

Die Werft der Königsseeschifffahrt ist komplett unabhängig und alle Arbeiten werden selbst ausgeführt.

Man könnte für die Rückfahrt gleich die Zeit mit buchen und so die Zahl der Fahrgäste steuern. Das funktioniert einigermaßen beim Kehlsteinhaus, nicht aber am Königssee, ist sich Weisbecker sicher. „Selbst jene, die den See und sein Umfeld kennen, haben damit ihr Problem. Was ist, wenn der Besucher sich beim Besuch der Eiskapelle in der Zeit verschätzt oder spontan vom Salet aus noch an den Obersee gehen möchte? Da sind ein, zwei Stunden gleich zusammen. Wie aber soll ein Ortsfremder das überblicken können?“ Der Königssee ist nämlich auch Ausgangspunkt für Wanderungen und einiger großer Bergtouren, die bis weit in den Alpennationalpark Berchtesgaden reichen.

Entschleunigen am Königssee

„Nichts geht mehr“, Endstation. Hinter dem Obersee geht es nur noch für geübte Bergsteiger weiter.

Organisatorisch schafft selbst die wechselnde Zahl an Bergsteigern mit zwei zusätzlichen Haltestellen Umstände, die nicht zu kalkulieren sind. Hingegen ist Marcus Weisbecker mit dem Status Nationalpark sehr zufrieden. „Der gesteckte Rahmen erhält ein Gleichgewicht, und wir stoßen mit bis zu 700.000 Besuchern jährlich, vor allem während der Sommerferien, an unsere Grenzen“, so der Prokurist. Der Königssee ist aufgrund seines langgestreckten fjordartigen Charakters, eingegrenzt von hohen Bergen, für einen Massentourismus nur bedingt geeignet. Der See lädt eher zum Entschleunigen ein, wovon die Wallfahrtskirche St. Bartholomä bis heute ein stummes Zeugnis ablegt. „Am See geht es beschaulich zu, und es finden sich viele stille Winkel und Plätze“, ergänzt Marcus Weisbecker.

Onlinebuchung und Online am See

Das alles löst freilich nicht das Problem von langen Wartezeiten, obgleich seit August wieder Online-Reservierungen möglich sind und zur Entspannung beitragen. Auf jedem Fall investiert man am Königssee weiter, etwa in eine sieben Kilometer lange Seeleitung, so dass jetzt selbst St. Bartholomä und Salet endlich online sind. Im November wird eine neues Fahrgastschiff in den Betrieb genommen.

Viel Freude bei der Politik über den ‚Neuen Jenner‘

 

Großes Kino mit atemberaubender Naturkulisse am Jenner – Fotos: Gerd Spranger

Bereits im Juni eröffnete die neue Jennerbahn ihren Betrieb bis zur Bergstation (wir berichteten). Heute wurde die  Eröffnung offiziell gemacht. Geschäftsführer Franz Moderegger begrüßte viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft. Aus München lobten mit Ilse Aigner, Landtagspräsidentin des Bayerischen Landtags, Michaela Kaniber, Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Maria Els. Regierungspräsidentin von Oberbayern gleich drei prominente Politikerinnen das Engagement und den Erfolg der neuen Jennerbahn. Auch Landrat Georg Grabner und die Bürgermeister des Landkreises würdigten den Neubau, der für einen Aufbruch in eine neue Zeit stehen soll.

Gleich zwei Ministerinnen begrüßt Moderator Tom Meiler zur offiziellen Eröffnung der Jennerbahn in Schönau am Königssee. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (l.) und Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags.

Geschäftsführer der Berchtesgadener Bergbahn AG (Eigentümerin der Jennerbahn) Franz Moderegger und Vorsitzender des Aufsichtsrates, Peter Moderegger dankten allen Handwerkern, Mitarbeitern, Nachbarn und für die aktive Hilfe der Politik bei der Realisierung des Projektes mit Gesamtkosten von 56 Millionen Euro. 10,5 Millionen förderte davon der Bayerische Staat, damals noch unter der Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Ministerin Michaela Kaniber bekträftigte, dass die neue Jennerbahn ganzjährig für den Tourismus wichtig ist und setzte eine Spitze gegen Tirol: „Wenn die Tiroler uns im Sommer nicht mögen, dann sollten wir auch im Winter nicht dorthin zum Skifahren reisen. Das ist allein wegen der CO2-Abgase nicht umweltfreundlich. Schöner ist es hier zuhause auf dem Jenner.“

Auch der kirchliche Segen darf nicht fehlen.

Mit dem Jenner verknüpfen auch die Politiker gute Erinnerung. Für Franz Moderegger war und ist er immer eine Perlenkette, die nachts auf dem Berg leuchtet. Eine Erinnerung, die sich ihm seit seiner Kindheit eingeprägt hat. Bürgermeister Hannes Rasp aus der Schönau am Königssee, hat hier zu Faschingsszeit manchen Unfug getrieben. Zusammen mit einem Freund sind sie etwa gemeinsam auf einen zwei Meter langen Ski in das Tal abgefahren. Ministerin Ilse Aigner kennt die Bahn seit ihrer Kindheit, und den Berchtesgadener ‚Dreiklang‘ mit Salzbergwerk, Königssee und Jenner. Für Ministerin Michaela Kaniber war eher der Götschen das bevorzugte Skigebiet, „der Jenner war mir immer zu steil“, bekennt sie. Und Landrat Georg Grabner geht gerne mit Gästen auf den Jenner, um ihnen die Murmeltiere zu zeigen.

Für alle ist der Jenner ein ganz besonderer Berg. Besonderes Lob verdiene am ‚Neuen Jenner‘ die Barrierefreiheit, damit alle Menschen das Naturerlebnis erleben können.

Landrat Georg Grabner und die Bürgermeister der Gemeinden des Berchtesgadener Landes gratulierten zur Fertigstellung des für die Region so wichtigen touristischen Großprojekts.

Wege aus dem Massentourismus?

Entlang des Grates am Jennergipfel (1874 m) drängen sich die Besucher. Im Hintergrund ‚König Watzmann‘ (2713 m) mit Hocheck, Mittelspitze und Südspitze – Fotos: Gerd Spranger

BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel im Gespräch mit der Redaktion

(gsp) Die Eröffnung der Bergstation Jennerbahn am zweiten Juni-Wochenende mit deutlich verbilligten Fahrkarten führte zu einem ungewohnten Besucheransturm. Über viele Stunden hinweg bildeten sich lange Warteschlangen für die Bergfahrt, und es ging im Minutentakt nonstop in den großen Zehner-Gondeln auf den Jenner. Der große Parkplatz war bereits um elf Uhr voll besetzt und die für 300 Besucher ausgelegte Restaurant-Terrasse ab zehn Uhr. Auf der Wanderung zum Gipfel, der 74 Höhenmeter über der Bergstation liegt, drängten sich die Menschen bergauf wie bergab. Es war einerseits für die Bergbahn und das gastronomische Team um Thomas Hettegger von der Jenneralm GmbH eine echte Belastungsprobe, anderseits aber bekam man eine sehr klare Vorstellung davon, was den Massentourismus, gedrängt auf wenige Kilometer, so problematisch macht.

Zu viele Touristen in Berchtesgaden?

Dichtes Gedränge herrscht auf dem Gipfel des Jenners (1874 m) bei Hochbetrieb, wie vergangenes Wochenende. Gipfelromantik geht anders, dafür ist der Ausblick sensationell auf den Königssee, den Watzmann, das Steinerne Meer und über das Berchtesgadener Tal.

Die Redaktion hat sich mit Peter Nagel, Geschäftsführer der BGLT-Tourismus bei der Eröffnung der Jenner-Bergstation eingehend darüber unterhalten. Von einem ‚Overtourism‘, also eine das gesunde Maß überschreitende Zahl an Gästen, möchte Peter Nagel im Berchtesgadener Land nicht sprechen, räumt aber ein, „dass es einige Spitzen gibt“. So will der Touristiker auch nicht die Gästezahlen erhöhen, sondern mehr Wertschöpfung erreichen und die Dauer der Übernachtungen von 3,5 auf fünf bis sechs Tage steigern. Gerne spricht er von einer ausgewogenen Balance im touristischen Geschäft, auf den Tagestouristen, wie er typisch für den Jenner und auch den Königssee ist, ging Peter Nagel konkret nicht ein. Dabei strömen aus dem Berchtesgadener Land während der Saison ebenso tausende von Touristen nach Salzburg wie umgekehrt aus dem Salzburger Land zu den bayerischen Sehenswürdigkeiten.

Der tiefblaue fjordartige Königssee am Fuße des Watzmanns inmitten des Nationalparks Berchtesgaden.

Kann man die Besucher besser lenken?

Er denkt über eine Steuerung der Touristenströme nach. „Über Zwang geht so etwas nicht, ein wenig über zeitliche Beschränkung und über Eintrittspreise“, sinniert er. „Besser ist es, den Besuchern Alternativen zu bieten und das zeitnah.“ Um dies konkret zu machen nennt Peter Nagel ein Beispiel: „Fährt etwa ein Besucher in Piding von der Autobahn, so muss er bereits am Gablerknoten in Bad Reichenhall informiert werden, dass am Königssee alle Parkplätze belegt sind. Wir müssen ihm Alternativen anbieten.“ Konkret nannte er etwa das Ausweichen auf den Hintersee, zu den anderen Bergbahnen im Landkreis oder sogar darüber hinaus, wie etwa nach Lofer. „Genau das meine ich, wenn wir über den eigenen Kirchturm, die eigene Gemeinde und Region hinaus denken müssen.“

Bessere Absprache bei Aktionen

So wie in Salzburg sehen auch viele Parkwegweiser in großen deutschen Städten aus. Bietet sich diese Lösung auch für den Tourismus an?

Noch ein zweites Anliegen ist dem Chef der BGLT-Tourismus wichtig. „Zwischen den beteiligten Partnern vor Ort ist eine bessere Absprache nötig“, sagte er und gab ein weiteres Beispiel: „Wenn wir etwa Gäste aus Italien werben, dann können im Sommer nicht um 22 Uhr die meisten Gaststätten geschlossen sein. Der Italiener hat ein anderes Lebensgefühl, bei ihm beginnt der vergnügliche Teil ‚des Tages‘ häufig erst nach 21.00 Uhr und dauert an lauen Sommerabenden bis weit nach Mitternacht, zumal er in Urlaubsstimmung ist. Enttäuschen wir hier, dann fahren wir bei dieser Zielgruppe in den nächsten Jahren ein deutliches Minus ein, und das können wir nicht wollen, es wäre der Marke Berchtesgaden sehr abträglich.“

Kommt ein Wechsel der Perspektiven?

Die BGLT mit Peter Nagel und Dr. Brigitte Schlögl an der Spitze, arbeitet aktuell an einem Positionspapier mit dem Titel „Perspektivenwechsel, Ziele und Maßnahmen für die Zukunft“. Es soll in wenigen Wochen in der Gesellschafter-Versammlung vorgestellt werden. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich der Tourismus im Berchtesgadener Land weiterentwickeln wird. Franz Rasp, Vertreter des Hauptgesellschafters Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, sieht in der Fortsetzung des Markenprozesses den richtigen Weg.

‚Großes Kino‘ in 3D vor der Terrasse der Jenner-Bergstation auf der Jenneralm.

Jenner mit Prominenz
Die Gesellschafter der Berchtesgadener Bergbahn AG, Eigentümer der Jennerbahn, bei der Eröffnung.

 

Hohe Erwartungen in das neue Aja-Resort in Ruhpolding

Hohe Erwartungen werden in das Aja-Resort in Ruhpolding gesetzt. Fotos: Gerd Spranger

(gsp) Touristisch ist die Eröffnung des Aja-Hotelresorts in Ruhpoling am 3. Mai ein Paukenschlag, ein Weckruf für die kleine 7000 Einwohner zählende Gemeinde, die jährlich 608.000 Übernachtungen bei 122.000 Gästen verbucht. Das ist ordentlich, doch 1981 zählte man bereits über eine Million Übernachtungen. Auch hat der Ort in den letzten 20 Jahren rund 2000 Gästebetten verloren, bekennt Tourismusmanager Herbert Ringsgwandl. Bürgermeister Claus Pichler spricht von einem Strukturwandel, den der Ort durchlaufen habe, so wie die meisten Urlaubsorte in Oberbayern. „Die Gäste reisen kurzfristiger, bleiben kürzer und dafür mehrmals jährlich,“ führt das Gemeindeoberhaupt aus und ergänzt: „Das neue Ressort könnte eine gute Antwort auf diesen Wandel sein, vorausgesetzt, die Betreiber halten das Geschäft am Laufen und finden gutes Fachpersonal, es wird sich zeigen.“

Blickt man von Inzell kommend auf Ruhpolding, so sind die Greens des Golfplatzes dem Ort direkt vorgelagert. Rechts, direkt am Rand der Greens, liegt das Aja-Resort Ruhpolding

Ruhpolding der Inbegriff Bayerns

Claus Pichler sprach bewusst die glanzvollen Tourismusjahre des Ortes an, als sogar die renommierte Wochenzeitung ‚Die Zeit‘ 1967 schrieb: „Für viele hunderttausend Bundesbürger ist Ruhpolding zugleich der Inbegriff Bayerns geworden, versinnbildlicht Almenrausch und Edelweiß, Schuhplattler und Sepplhose.“ Er meint, dass „Ruhpolding im Tourismus nie so weit gekommen wäre, hätte es nicht den Mut gehabt, neue Wege zu gehen.“ Und dafür steht der Ort im oberbayerischen Chiemgau, im Landkreis Traunstein.

In Bestlage direkt am Golfplatz

Durch die verwinkelte Architektur – drei große Baukörper laufen schräg zueinander zusammen – wirkt das 500-Betten-Hotel nicht so dominierend und passt sich gut in das Landschaftsbild ein.

Das Aja-Hotelresort steht in Bestlage direkt am Rand des Golfplatzes. „Wir haben auch 20 Jahre lang nach einem potenten Investor und Betreiber gesucht“, erzählt Herbert Ringsgwandl. Die Suche hat sich gelohnt, denn in 230 Komfort-Kingsize-Doppelzimmer und 14 Suiten stehen knapp 500 Gästebetten und der Betreiber, die ‚A-ja-Resort und Hotel GmbH‘ (eine 100prozentige Tochter der ‚Deutschen Seereederei GmbH‘), investiert 40 Millionen Euro in den dreigeschossigen Neubau. „Für den gesamten Chiemgau ein interessantes und spannendes Projekt“, freut sich Stephan Semmelmayr von der Chiemsee-Chiemgau-Tourismus. Es fehlen Hotels im gehobenen 3-Sterne und 4-Sterne-Bereich. Hier verzeichnen wir den größten Anfrage-Überhang.“

Größe und Markt
müssen sich entsprechen

Und immer wieder der Blick auf die Ruhpoldinger Bergwelt. HIer der Rauschberg im Hintergrund.

Auf die Größe des ländlich geprägten Umfeldes angesprochen bricht Bürgermeister Claus Pichler eine Lanze für den Investor. „Von den ersten Entwürfen bis hin zur Umsetzung haben die Betreiber viel getan der Landschaft und und dem Umfeld zu entsprechen. Allerdings“, schränkt er ein, „werden Sie nirgendwo ein kleines Haus finden, dass viele Zimmer, Appartements und Suiten bietet und den modernen Erfordernissen des viel gereisten Gastes von heute entsprechen kann. Das ist eine Utopie und der Blick nach anderen touristischen Destinationen zeigt, dass Größe und die Anforderungen des Marktes entsprechen müssen.“

DEHOGA erwartet
neue Impulse für die Region

Frontcooking mit alpenländischen Spezialitäten und besondere Noten von der See, von der Nordsee im Aja-Resort Ruhpolding

Ein Befürworter des Aja-Resort ist der DEHOGA mit seiner Kreisstelle in Traunstein. Hotelier und DEHOGA-Vorstand Peter Stocker sieht für Ruhpolding neue Impulse für einen nötigen Aufschwung. „Ein vergleichbares Projekt findet sich im Chiemgau bislang nicht, doch mehr solcher Hotelprojekte, vor allem im 4-Sterne-Superior-Bereich wünschen wir uns“, bekräftigt Peter Stocker. Selbst führt er seit Jahrzehnten das familieneigene Seehotel Wassermann in Seebruck am Chiemsee. Er sieht keine Konkurrenz für klassische Familienhotels, „die liegen seit Jahren voll im Trend“, ist sich der Hotelier sicher. Und: „ein Resort dieser Größe und Ausrichtung spricht ganz andere Gästekreise an.“

Genügend Platz auf den Greens

Im Aja-Resort Ruhpolding hat man einen Sinn für das Besondere. Resort-Manager Ralf Meister will das Hotel zu touristischen Höhen führen. Dafür steht symbolisch die Gondel einer Bergbahn.

Ebenso freut sich der Golfclub Ruhpoding über diese neue Klientel. Der Präsident des Clubs, Herbert Fritzenwenger, sieht der Eröffnung des direkt an den Greens angrenzenden neuen Aja-Resorts gelassen entgegen. „Wir haben aktuell 1000 Mitglieder und davon etwa 250 aktive, die mehrmals die Woche spielen. Täglich sind etwa 100 Golfer am Platz und wir haben eine Kapazität bis 200, ohne dabei an unsere Grenzen zu stoßen. Das neue Hotelressort ist für den Golfclub Ruhpolding eine große Chance.“

Ruhpoldinger Hoteliers
befürworten das Aja-Resort

Hotelier Markus Eismann
vom 4-Sterne-Alpenhotel Wittelsbach (32 Zimmer/ 60 Betten):

„Wir haben das Projekt immer unterstützt, denn wir brauchen Investment im Tourismus und freuen uns, dass jemand in den Ort und die Region investiert. Ruhpolding bietet bislang kein Haus mit 100 Einzelzimmer für große Tagungen und Kongresse. Es ergeben sich Synergien mit der nahen Chiemgau-Arena, die Biathlon Trainings- und Wettkampfstätte.“

Die Pfarrer Thomas Schmeckenbecher (evang.) und Otto Stangl (kath.) segnen das neue Resort als einen besonderen Ort der Gastlichkeit.

Hotelier Theo Stegmeier
vom 4-Sterne-Wohlfühlhotel Ortnerhof
(44 Zimmer/ 95 Betten)

„Das neue Ressort ist positiv für den Ort. Ein Haus mit dieser Größe und mit diesen Möglichkeiten wird Ruhpolding gut tun.“ Persönlich hätte er sich zwar ein 5-Sterne-Haus gewünscht, doch so ist es ein anderes Konzept und ein anderer Gästekreis, die ihren Weg finden werden.“ Theo Stegmeier hofft auf eine ‚Gute Nachbarschaft‘ und ist überzeugt davon, dass es auch unter den Gästen zu einem gegenseitigen Austausch kommen wird.

Hotelier Christian Mono
vom 4-Sterne Steinbach-Hotel (75 Zimmer/ 130 Betten):

„Von der fachlichen Seite wird es wohl funktionieren, denn es haben sich über viele Jahre hinweg viele Köpfe viele Gedanken gemacht und dabei viel Geld investiert. Das Aja wird einen neuen Gästekreis ansprechen und das wird dem Ort gut tun. Allerdings halte ich persönlich das Projekt für Ruhpolding als zu groß und es passt nicht in das Landschaftsbild. Andere Bauherren haben bereits Probleme ein Dachfenster einzubauen.“

Der Chiemsee-Chiemgau-Touristiker
Stephan Semmelmayr egänzt:

„Die Struktur der Vermieterbetriebe im Landkreis ist extrem klein strukturiert. Nirgendwo sonst ist der Anteil an Kleinvermieter (bis 8 Betten) höher als im Chiemgau. Deswegen brauchen wir dringend solche Betriebe, die hoffentlich auch andere Investoren ermutigen sich in der Region zu engagieren.“

„Ozapft is“ mit dem Bier vom Hofbräuhaus Traunstein, das als regionale Brauerei in das Sortiment mit aufgenommen wurde. Von links: Bräu Maximilian Sailer, Verkaufsleiter Andreas Hell, Resort-Manager Ralf Meister, Richard Hundhammer, DSR-Projektentwickler Torsten Vey und Daniel Bär von der Geschäftsleitung der DSR Hotel Holding.

Keine Tagungen im Ferienhotel

Bereits am zweiten Wochenende nach Eröffnung ist das Aja-Resort ausgebucht, knapp 500 Gäste werden das Hotel an seine Grenzen bringen, der erste wirkliche Testbetrieb. Angestrebt wird eine jährliche Auslastung von 80 Prozent. Zum Konzept des Hotels gehört der bewusste Verzicht auf Veranstaltungsräume, „obwohl die Nachfrage dafür vorhanden ist“, bekennt Ralf Meister. Es gäbe im Ort aber mit dem Kurhaus oder auch mit der nur wenige Kilometer außerhalb gelegenen Chiemgau-Arena genug Räumlichkeiten selbst für größere Events. Damit entfällt auch der Tagungs- und Seminarbereich. „Wir sind ein Urlaubs- und Ferienhotel mit Wellnessausrichtung, das verträgt sich nicht mit dem Geschäftsbereich“, ergänzt der Resort-Manager.

Daniel Bär von der DSR Hotel Holding (Deutsche Seereederei) und Resort-Manager Ralf Meister begrüßen die ersten Gäste im Aja-Resort Ruhpolding.

Das Aja-Resort Ruhpolding ist das erste Ferienhotel des Betreibers in den Alpen. Vor einem halben Jahr eröffnete man das City-Resort in Zürich und in 18 Monaten soll Garmisch Partenkirchen folgen. Die Aja-Resort und Hotel GmbH ist eine Tochter der Deutschen Seereederei GmbH (DSR). 2013 wurde in Warnemünde das erste Aja-Resort eröffnet.

3,5 Sterne für das neue
Aja-Resort in Ruhpolding

Zur Eröffnung des Aja-Resort in Ruhpolding liegt noch keine Sterneklassifizierung durch den DEHOGA vor. Resort-Manager Ralf Meister spricht jedoch von einem 4-Sterne-Haus. Damit dürfte er im Bereich des Spa mit Nivea-Wellnessabteilung, Fitnessraum, Sauna und Schwimmbad richtig liegen, auch mit dem großen Restaurant. Überhaupt ist es für den ländlich geprägten Chiemgau in jeder Hinsicht ein Haus der Superlative. Es braucht Größe, allein im Restaurant werden 220, auf der Terrasse 122 und im Biergarten 60 Plätze geboten. Dem Restaurant vorgelagert ist ein großer Barbereich und eine eigene Lounge für Stammgäste. Hohe Glasfronten geben den Blick in fast alle Richtungen auf die Ruhpoldinger Bergwelt, vom Rauschberg hinüber zum Unternberg und bis zum Sonntagshorn, mit 1961 Meter der höchste Berg im Chiemgau, auf dessen Gipfel die Grenze nach Österreich verläuft.

Der Spa-Bereich von Nivea hat auch für Männer viel zu bieten.

Bei einer 4-Sterne-Klassifizierung dürfte es bei den 230 Hotelzimmern knapp werden. Die Räume wirken beengt, das große Doppelbett füllt fast den ganzen Raum aus und die meisten Zimmer haben noch nicht einmal einen Balkon. Hier wurde mit spitzem Rotstift geplant, doch Hotelmanager Ralf Meister spricht bei einem Preis von 89 Euro pro Person inklusive Frühstück und Nutzung des Spa-Bereiches von einem günstigen Angebot. Der Eröffnungspreis liegt aktuell noch bei 64 Euro. Urlaubsstimmung wird auf den Zimmern nur schwer aufkommen, zum Schlafen aber sind sie ausreichend und das ist wohl auch der Plan. Die 14 Suiten mit großzügigem Raumangebot werden mit 120 Euro p.P. und Nacht berechnet.

Platz nehmen, sich entspannen – Wellness hautnah erleben.

Tagsüber sollen sich die Gäste im Hotel mit seiner breiten Infrastruktur entspannen, im nahen Ort oder an einem der Ausflugs- und Aktivprogramme teilnehmen. Aja-Wunscherfüller beraten dabei und die inkludierte Chiemgau-Karte bietet die kostenlose Nutzung von 30 Attraktionen der Region zum Nulltarif, darunter drei Bergbahnen, zwei Bäder und sechs Museen. Das dieser Trend richtig ist, zeigen auch die Buchungen. Zu 90 Prozent werden Übernachtung mit Halbpension gebucht. Darum gibt es mittags in dem Marktrestaurant mit Frontcooking auch nur ein kleines Angebot aus der alpenländischen Küche, ergänzt mit Fischgerichten und mediterraner Spezialitäten.

Reportage: Gerd Spranger

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